Kundenrezensionen


28 Rezensionen
5 Sterne:
 (15)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:
 (6)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr einfühlsam und vielseitig
Fast zehn Jahre mussten Fans von Jeffrey Eugenides auf ein neues Buch von ihm warten, aber für mich hat es sich absolut gelohnt. "Die Liebeshandlung" ist so viel mehr als einfach nur die Dreiecksbeziehungsgeschichte, als die es oft beschrieben wird. Es fängt damit an, dass die Zeit in der die Handlung spielt, geradezu perfekt gewählt ist. 1982 beschreibt...
Veröffentlicht am 19. Januar 2012 von MaryAnny

versus
52 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nostalgischer Schmöker
Die klassische "Liebeshandlung" wie in den von Madeleine so heiß geliebten englischen Romanen des 19. Jahrhunderts, scheint es in der heutigen Literatur, ja im heutigen Leben, nicht mehr zu geben. Was tut Eugenides? Er erzählt genau das, die Geschichte der jungen Literaturstudentin Madeleine, die - ganz verkürzt ausgedrückt- zwischen zwei Verehrern,...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2011 von LaFlamande


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr einfühlsam und vielseitig, 19. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Fast zehn Jahre mussten Fans von Jeffrey Eugenides auf ein neues Buch von ihm warten, aber für mich hat es sich absolut gelohnt. "Die Liebeshandlung" ist so viel mehr als einfach nur die Dreiecksbeziehungsgeschichte, als die es oft beschrieben wird. Es fängt damit an, dass die Zeit in der die Handlung spielt, geradezu perfekt gewählt ist. 1982 beschreibt die Generation nach der 68er-Bewegung, die offensichtlich schwer mit dem Erbe der Bewegung zu kämpfen hat. Diese Verwirrung (gerade bei Frauen), wie man möglichst feministisch handelt und wie man zu seinem Recht steht und auch wie man diesen Anspruch verfehlt, indem man sich blind in Ideale stürzt und jegliche Konversation als Angriff versteht, wird im Roman an unterschiedlichen Frauentypen gezeigt, wodurch ein sehr vielschichtiges Bild erzeugt wird. Dabei bleiben die verschiedenen Charaktere aber alle glaubwürdig und extrem gut ausgearbeitet, auch wenn es nur Nebenfiguren sind, die nur für kurze Zeit auftauchen. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass eine der Personen unnachvollziehbar handelt. Was auch viel zu dem Reiz des Buches beiträgt, sind die Dialoge, die teils noch auf Gelerntem vom College beruhen und teilweise die Entwicklung der Charaktere darstellen. (Natürlich sollte man dafür auch an den jeweiligen Studienfächern interessiert sein).
Alles in allem war für mich die Dreiecksbeziehung eher nebensächlich. Im Mittelpunkt der Geschichte steht für mich viel eher die Entwicklung der drei Hauptcharaktere und deren Selbstfindung, wobei die Spannung zwischen "Was will ich sein?" und "Was bin ich?" bzw. "Was kann ich sein?" bei jeder einzelnen Figur individuell gestaltet wurde. Es war eindeutig eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


52 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nostalgischer Schmöker, 20. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Die klassische "Liebeshandlung" wie in den von Madeleine so heiß geliebten englischen Romanen des 19. Jahrhunderts, scheint es in der heutigen Literatur, ja im heutigen Leben, nicht mehr zu geben. Was tut Eugenides? Er erzählt genau das, die Geschichte der jungen Literaturstudentin Madeleine, die - ganz verkürzt ausgedrückt- zwischen zwei Verehrern, Mitchell und Leonard, zu wählen hat. Schauplatz ist ein mittelprächtiges amerikanisches College in den 1980er Jahren. Madeleine wirkt zunächst recht oberflächlich, untentschlossen, verwöhnt und naiv, wird aber im Verlauf des Romans unter dem Eindruck ihres Studiums, den Irrläufen der Gefühle, feministischem Zeitgeist und der Lektüre französischer Dekonstruktivisten noch reifen. Mitchell ist ein eher unauffälliger Typ, jedoch offenbar ziemlich begabt, sensibel, und spirituell auf der Suche. Leonard kommt aus einem schwierigen Elternhaus und ist psychisch krank, fasziniert aber als "womanizer" und brillianter Unterhalter, mit klugen, oft auch altklugen Gedanken sein Umfeld. Das ist die gegebene Konstellation. Von hier aus entwickelt Eugenides seine Charaktere, manövriert sie durch wichtige Jahre, in die er sich offenbar besonders gut hineinversetzen kann (wie schon bei "Middlesex"): Jahre, in denen man die Macht und Faszination des Wissens entdeckt, sich aus dem schulischen Wissenskanon emanzipiert und seine eigenen Interessensgebiete erforscht. Jahre der Selbstfindung, der gesunden kritischen Distanzierung vom Elternhaus, der sexuellen Identitätsfindung, der Suche nach dem Lebenssinn usw. Am Ende dieser jugendlichen Selbsterforschung steht Madeleines Entscheidung - welche, wird hier natürlich nicht verraten.

Eugenides outet sich mit der "Liebeshandlung" endgültig als Nostalgiker: Er schwelgt. In den 1980er Jahren, in seiner eigenen Studienzeit, seinen eigenen Jugend- und Reisejahren - in einem Interview hat er "bekannt", sich am stärksten mit Mitchell identifizieren zu können; auch er ist durch Indien gereist, auch er hat im Stift von Mutter Teresa Freiwilligenarbeit geleistet -; und er bemüht sich, ein bedrohtes literarisches Motiv wiederzubeleben. Das ist alles sympathisch, flüssig geschrieben und fesselnd: Auch die Leser werden sich gern durch dieses Milieu jugendlicher Leidenschaft bewegen.

Und trotzdem kam mir beim Lesen immer wieder der Gedanke: Das ist trivial! Nach "Middlesex" hatte ich so viel mehr erwartet. Natürlich hat da schon allein das "exotische" Thema Hermaphroditismus fasziniert, aber es war auch gut unterfüttert, mit der genetischen Geschichte Calliopes, der Vernichtung der Stadt Smyrna, dem griechischen Erbe der Familie, der Geschichte Detroits, und und und.... All diese Handlungsfäden wurden am Ende aufgenommen und hatten Bedeutung für Calliopes Geschichte. Anders in der "Liebeshandlung":

Alles, womit Eugenides hier "Fleisch bei die Fische bekommt", wirkt aufgesetzt. Weder Madeleines Semiotikseminar, noch Mitchells religiöse Studien, Leonards Genexperimente mit Hefe oder aber die Analyse seiner Krankheit werden ausreichend in die Entwicklungsgeschichte der drei Protagonisten eingeflochten. Diese Themen haben zwar eine offensichtliche, oberflächliche Symbolik, aber Eugenides macht sie nicht wirklich zu seinen Themen bzw. zu denen seiner Figuren. Klar, dem Leser soll auch noch Raum zur eigenen Interpretation bleiben, mich hat das aber nicht überzeugt. Auch die nicht-lineare Erzählweise - Eugenides springt in regelmäßigen Abständen ein paar Schritte nach vorn, um dann anschließend die Handlung von hinten aufzurollen - wirkte auf mich sehr mechanisch und diente weder der Handlung noch den Figuren. Und dann der Schluss! Spätestens im letzten Drittel ist Madeleines Entscheidung vorauszusehen. Die Wendung, die Eugenides noch auf den letzten Seiten hineinbringt, ist aus der vorangegangenen Figurenzeichnung heraus überhaupt nicht schlüssig. Das hätte XXX nie getan! Da kommt plötzlich ein Edelmut ins Spiel, den es seit Jane Austen wohl tatsächlich nicht mehr gibt.

Die deutsche Übersetzung scheint mir weniger gelungen als die von Middlesex. Zumindest finde ich ein paar stehende Wendungen wie die Kapitel-Überschriften nicht treffend übersetzt, oder auch Leonards bedrohlicher oder herablassender Unterton in seinen manischen Phasen scheint mir in der deutschen Übersetzung ein wenig "glattgeschrieben". Aber das nur als subjektiver Eindruck einer Laiin.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hammer!, 17. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Jeffrey Eugenides' "Die Liebeshandlung" ist das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Dachte, "Das böse Mädchen" von Mario Vargas Llosa sei nicht zu toppen, aber das war ein Trugschluss. "Die Liebeshandlung" ist einfach genial, ein - auch durch die Länge - richtiger Schmöker zum Eintauchen. Toll finde ich, wie die Figur des Leonards sich entwickelt, sehr interessant, die Auseinandersetzung mit seiner Krankheit. Insgesamt ist der Roman sehr fesselnd, und natürlich erwartet man mit Spannung den Schluss. Wie wird Madeleine sich entscheiden? Ich weiß es noch nicht, mich trennen noch 90 Seiten vom Ende, 90 Seiten, die ich sehr genießen werde, die ich aber auch traurig sein werde darüber, dass ein so wundervolles Buch bald ausgelesen sein wird.

Dass Eugenides scheinbar eigene Erfahrungen verarbeitet hat - auch er ist 1960 geboren - macht den Roman für mich noch reizvoller. Insgesamt kommt mir das Buch wie eine gelungene Mischung aus Douglas Coupland und Tom Wolfes "Ich bin Charlotte Simmons" vor.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Ahnung von Unglück oder Sprachvielfalt der Liebe, 14. Januar 2012
Von 
Heike G. (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
"Es gibt Leute, die sich nie verliebt hätten, wenn sie nicht von der Liebe hätten sprechen hören." Diesen Satz von François de La Rochefoucauld stellt Jeffrey Eugenides seinem lang erwarteten neuen Roman voran. Doch gleich im Anschluss hinterfragt er mit einem Auszug des Songtextes "Once in a lifetime" von Talking Head die Liebe und deren zuweilen zu Tage tretende Schmerzen:
"You may ask yourself,
Well, how did I get here?...
And you may tell yourself,
This is not my beautiful house.
And you may tell yourself,
This ist not my beautiful wife."
Und genau dies zeichnet den Plot des amerikanischen Autors aus. "Die Liebeshandlung" ist zugleich Konstruktion als auch Dekonstruktion der Liebe.

Drei Hauptakteure Anfang zwanzig lieben, leiden, streiten, verzweifeln und jubilieren in Eugenides Roman: zwei Männer - Mitchell und Leonard - und eine Frau - Madeleine. Vielleicht eine Dreiecksgeschichte nach klassischem Muster? Der englische Originaltitel "The Marriage Plot" lässt dies vermuten. Bezeichnet doch dieser Begriff in der Literaturwissenschaft vor allem die viktorianische Literatur, als deren bestes Beispiel die Romane von Jane Austen oder der Schwestern Brontë herangezogen werden können. Die Ehe als finaler Höhepunkt und deren vorangehende Rituale und Verstrickungen des Werbens zwischen Mann und Frau gaben dieser Art des Schreibens Inhalt und Struktur. Doch Jeffrey Eugenides geht es um mehr. Er will die unterschiedlichen "Spielarten der Liebe - die romantische, erotische, platonische Liebe, die Nächstenliebe" ausloten und gleichzeitig eine totgesagte Literaturgattung ins 21. Jahrhundert tragen und vielleicht gar neu beleben.

Angesiedelt hat der Pulitzer-Preisträger seine Handlung in den achtziger Jahren. Der Leser begegnet am Morgen ihrer Collegeabschlussfeier der verkaterten Anglistikstudentin Madeleine, deren Liebeswirren "zu einer Zeit begonnen [hatten], als sie Bücher von französischen Theoretikern las, die den Begriff der Liebe dekonstruierten." Allerdings steckt sie mit ihrem Freund, dem hochintelligenten, charismatischen, aber manisch-depressiven Biologie- und Philosophiestudenten Leonard Bankhead, nicht nur in Liebesnöten. Zuweilen "verschmolz sie zu einer großen protoplasmischen, ekstatischen Einheit" mit ihm. Der Halbgrieche Mitchell Grammaticus, ein Student der Religionswissenschaft, würde allerdings allzu gern den männlichen Hauptpart in Madeleines Leben austauschen und die Rolle mit ihm besetzen. Da ihm das jedoch nicht zu gelingen scheint, begibt er sich lieber auf eine spirituelle Reise durch Europa und Indien. Eine zuweilen emotional-schmerzhafte Verbindung zu Madeleine bleibt dennoch bestehen. Aber wie kann man in Anthony Trollopes "Die Türme von Barchester" lesen: "Es gibt kein Glück in der Liebe, außer am Ende eines englischen Romans." Ob Jeffrey Eugenides Erzählung sich dieses Motto gleichfalls zu Eigen macht? Wer weiß...

Eugenides erzählt nicht stringent chronologisch, sondern springt in seiner Romanhandlung zeitlich zurück, berichtet in Rückblenden, bis er wieder in der Gegenwart ankommt. Dabei lässt er die Erzählperspektive zwischen den drei Protagonisten abwechseln. Nicht selten wird somit ein Ereignis aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. In trocken-ironischem, tragikomischem Tonfall lotet der Autor die Liebe in all ihren Spielarten, als auch die Frage nach dem Sinn des Lebens feinfühlig und intelligent aus. "Die Liebeshandlung" wird damit zu einer "geballten Welt- und Sinneserfahrung". Seine stärksten Momente hat das Buch zweifelsohne in den Passagen, in denen sich der amerikanische Autor der Beschreibung des manisch-depressiven Leonard Bankhead annimmt, seinem aussichtslosen Kampf gegen die Krankheit, seiner Qual und Einsamkeit. Vielleicht eine Hommage an den großen David Forster Wallace.

Auch wenn das Buch nicht nahtlos an das geniale "Middlesex" anknüpfen kann, für das Eugenides 2003 den Pulitzerpreis bekam, unterhalten, und das auf literarisch hohem Niveau, hat dieser vielschichtige und dichte "Liebesroman über Liebesromane" allerdings bestens. Und ein Quell literarischer Fundstücke ist es allemal. Aber das kann man bereits mit dem ersten Satz im Text erahnen, der da lautet: "Zunächst mal, schauen Sie sich all diese Bücher an."
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein würdiger Nachfolger für "Middlesex", 24. November 2011
Von 
Andreas Schröter "Andreas Schröter" (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Als hätten sich zwei der wichtigsten amerikanischen Autoren der Gegenwart, Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, abgesprochen: In ihren jeweils jüngsten Werken "Freiheit" (von Franzen) und "Die Liebeshandlung" (von Eugenides) geht es um eine Dreiecksbeziehung, die im studentischen Milieu ihren Anfang nimmt.

Mit dem Titel seines Buches kokettiert Jeffrey Eugenides, geboren 1960, mit der langen Tradition seines Stoffes: Madeleine befasst sich in ihrem Studium mit der "Liebeshandlung im viktorianischen Roman des 19. Jahrhundert". Und natürlich hat auch diese Geschichte selbst eine Handlung, die denen der Werke von zum Beispiel Jane Austen sehr ähnlich ist: Der etwas biedere Michtell liebt Madeleine, die ihrerseits aber den draufgängerischen Leonhard begehrt. Was folgt, sind 600 Seiten Irrungen und Wirrungen, bis sich endlich das Paar findet, das eigentlich schon die ganze Zeit füreinander bestimmt schien. Das kann man altmodisch finden - andererseits ist es ein universal und zeitlos gültiger Stoff. Warum also sollte ein Autor von heute eine alte Jane-Austen-Handlung nicht in die Gegenwart übersetzen? Die Gesetzte vom Lieben und nicht geliebt werden sind ja nicht mit dem Ende des 19. Jahrhunderts automatisch außer Kraft gesetzt worden.

Und Eugenides versteht sein Handwerk - das wissen seine Fans spätestens seit seinem Welterfolg "Middlesex" (2003). Man folgt den drei so unterschiedlichen Hauptfiguren gerne, ihr Handeln ist psychologisch stimmig, so dass auch auf 621 Seiten keine Langeweile aufkommt. Interessante Nebendiskurse befassen sich mit den großen Religionen, der Philosophie, natürlich der Literaturwissenschaft, der Sinnsuche bei einer Indienreise, der Genforschung oder dem Krankheitsbild der manischen Depression, wirken aber nie so dominant, dass sie die eigentliche (Liebes-)Handlung in den Schatten stellen. Insgesamt ein würdiger Nachfolger für "Middlesex".
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen college-soap vom allerfeinsten, 13. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
definitiv mein lieblingsbuch des letzen jahres! was für ein kluger, großartiger, hinreißender und total jugendlicher roman! hatte ja schon angst, dass es wieder so wird wie "middlesex" (die ganze griechenland-passage war mir viel zu pittoresk), aber nein, "liebeshandlung" spielt beinah im jetzt und spiegelt so exakt die verfassung von literaturstudenten und existenz-pröblern während meiner eigenen studienzeit, dass ich mich wohlig auf jeder seite wiedergefunden und verstanden habe. eine college-soap vom allerfeinsten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Beobachtungen mit Längen..., 3. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Taschenbuch)
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich die Handlung sehr interessant fand. Liebe, Religion, Bücher- das kling wie für mich gemacht! Zuerst das Positive: Eugenides hat eine tolle Gabe, Momente und Alltagssituationen einzufangen und zu beschreiben. Auch die Personen sind super beschrieben; ich konnte sie mir sofort vorstellen. Doch leider entwickelt das Buch seine Längen. Der Autor verliert sich in Kleinigkeiten. Ich habe es nicht zu Ende gelesen, sondern ins Bücherregal gestellt. Vielleicht kann ich eines Tages mehr damit anfangen. Deswegen 3 Sterne.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Suche nach dem Sinn, 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Es ist das Jahr 1982. Madeleine ist Literaturstudentin und hat sich auf die Liebeshandlungen in Romanen des viktorianischen Zeitalters spezialisiert. Im College ist sie zwischen zwei Verehrern, dem Biologiestudenten Leonhard und dem Religionswissenschaftler Mitchell hin- und hergerissen, entscheidet sich aber dann für Leonard. Dieser ist der Traummann auf dem Campus, hatte unzählige Affären und sexuelle Abenteuer, dürfte bei Madeleine aber eine Art Mutterinstinkt geweckt haben. Denn nach und nach kommt heraus, daß er manisch-depressiv ist, doch Madeleine bleibt bei ihm und heiratet ihn später sogar, was zu einigen Spannungen mit ihren Eltern und ihrer Schwester führt. Leonhards Stimmungswechsel stellen die Beziehung auf eine harte Probe, die Madeleine aber durchzustehen bereit ist. Der zurückgewiesene Mitchell begibt sich mittlerweile mit einem Freund auf Weltreise, macht in Kalkutta bei Mutter Teresa Station und hilft einige Wochen in einem ihrer Krankenhäuser als Pfleger. Er hat Madeleine nicht vergessen und am Schluß kommt es zu einem nicht ganz erwarteten Showdown zwischen den beiden Männern.
Zu Beginn habe ich einen "normalen" Campus-Roman befürchtet, in dem es nur um die großen und kleinen Unglücke und Beziehungen paranoider Studenten aus reichem Hause geht. Doch spätestens als die Krankheit Leonhards ans Licht kommt, wird es anders: der Autor beschreibt in - manchmal zu weit gehenden - Details die Behandlung Leonhards und seine Stimmungen sowie deren Auswirkungen auf die Beziehung mit Madeleine. Er beschreibt junge Menschen auf der Suche nach dem Sinn und er skizziert die - nicht nur - amerikanische Angewohnheit, sich seine Religion aus verschiedenen Versatzstücken selbst zusammenzubasteln. Es geht um verschiedene Arten der Erkenntnis und Selbstverwirklichung: Madeleine mit ihrer romantischen Leidenschaft, Mitchell auf mystischer Suche nach dem Sinn des Lebens, Leonard, der seine Krankheit bei vollem Bewußtsein geradezu wollüstig zelebriert. Trotzdem ist der Roman nicht traurig, es gibt einige sehr humorvolle Dialoge, er scheint mir melancholisch zu sein. Junge Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Ein Buch, dessen 618 Seiten ich in einem Zug gelesen habe und das ich gerne weiterempfehle.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger Ideenroman - Roman über die Historie des Romans, 28. November 2011
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Gebundene Ausgabe)
Joffrey Eugenides, der große amerikanische Erfolgsautor, interessierte sich in seinen beiden bisherigen Romanen für die "Spielarten und Wege der Liebe" und die "Modalitäten des Geschlechts". Für sein großartiges Einwanderer Epos "Middlesex" erhielt er den Pulitzer Preis und lange hat man danach auf seinen neuen Roman gewartet. Die "Liebeshandlung", im Original "Marriage Plot", ist eine konsequente Fortschreibung seiner Romanvisionen. Es ist ein College Roman der in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, in dem Eugenides, in einer amüsant satirischen Dreiecksgeschichte, scheinbar den Versuch unternimmt den viktorianischen Roman, die großen Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts, a la Jane Austen, Henry James, George Eliot und Edith Wharton mit allen Mitteln der Postmoderne ins 21. Jahrhundert hinüber zu retten. Unter diesem Aspekt ist es also auch ein Ideenroman, in dem er das growing up seiner Schriftstellergeneration, mit dem Streben die Glanzzeit der literarischen Postmoderne zu erobern, eindrucksvoll modifiziert spiegelt.

Es geht in dieser scheinbar klassischen Dreieckskonstellation, wie wir sie aus zahlreichen Filmen und Romanen kennen, um drei ehrgeizige Studenten die an einer der berühmtesten Universitäten der Welt, der Brown University in Providence, Rhode Island, ihren Abschluss machen. Eine Frau und zwei schwierige Männer in einer sexuell prickelnden Atmosphäre.

So wie wir es von den großen Erzählern des neunzehnten Jahrhunderts kennen, ist Eugenides sehr nah an den Figuren dran und lässt die Handlung, insbesondere die Suche der jungen Menschen nach dem Absoluten, dem Bedeutenden, dem Sinn des Lebens, da heraus entwickeln. So ist Madeleine Hannas Lieblingslektüre nicht, wie man annehmen könnte, "Stolz und Vorurteil" oder "Sinn und Sinnlichkeit", sondern Roland Barthes' "Fragmente einer Sprache der Liebe". Für ihre Anglistik- Examensarbeit thematisiert Madeleine Anthony Trollopes' Satz: "Es gibt kein Glück in der Liebe, außer am Ende eines englischen Romans".Und das Streben nach Glück führt häufig zu großem Leid, birgt darin aber die Möglichkeit herauszufinden was wirklich glücklich macht. Während sie so über die alten Motivationen und Spielarten der Liebe reflektiert treten diese zwei Männer in ihr Leben. Über weite Strecken ist das leider ziemlich retromäßig.

Bei der großartigen Figurengestaltung und Figurenführung weiß man auf Grund der individuellen Sprache immer genau bei welcher Figur man sich gerade befindet. Eugenides kann in kürzester Zeit, mit ganz wenigen Worten Personen und Situationen so wunderbar charakterisieren, dass man als Leser den Figuren sehr nahe kommt. Dabei ist der Autor beim Schreiben scheinbar so sehr mit seinen Figuren beschäftigt, das er die Themen sich selbst überlässt. Bei dieser Dreiecksgeschichte sind die beiden Männer charismatisch wesentlich besser dargestellt als die doch recht blasse, langweilige Frau.

Zum Plot: In einem Semiotik-Seminar lernt die Protagonistin den manisch depressiven, gut aussehenden Einzelgänger, den Biologiestudenten Leonard Bankhead kennen, der wie David Foster Wallace hoch intelligent ist, eine Bandana trägt, ständig Tabak kaut und auf Psychopharmaka angewiesen ist. Ähnlichkeiten mit DFW leugnet Eugenides und tatsächlich ist Leonard manisch -depressiv, während Wallace an einer klinischen Depression litt. Und anders wie in den viktorianischen Romanen gehört in diesem Fall, in Zeiten des akademischen Feminismus, die Frau der upper class an und der Mann ist der underdog, der übrigens nicht wie Wallace aus einem angesehenen Akademikerhaushalt kommt. Nun verwebt der Autor die Beziehung der beiden mit Barthes dekonstruktionistischen und strukturalistischen Visionen über die Liebe, dem Poststrukturalismus.

Madeleine sieht sich in eine erotisch und geistig geformte Beziehung hineinversetzt, Sie hat dabei die wahnhafte Vorstellung, durch ihre Liebe diesen depressiven Leonard vor sich selbst retten zu können. Sie glaubt an die große Liebe, glaubt den Mann ihres Lebens gefunden zu haben. Auf den Gedanken, jemanden zu heiraten, um ihn zu retten ist früher sicher niemand gekommen. Die bipolare Behinderung des krankhaft übersteigerten Niedergeschlagenen beschreibt Eugenides mit viel Feingefühl. Eigentlich setzt Madeleine mit ihrer Sicht der Dinge alles daran, um Trollopes' These im wahren Leben ad adsurdum zu führen, denn sie entscheidet sich für den falschen Mann, einen Mann der sie unglücklich macht und der am Ende eigentlich doch auch nichts dafür kann. Ob die beiden glücklich oder unglücklich werden, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Die weibliche Hauptperson Madeleine wird noch von einem anderen Mann umkreist, ihrem ehemaligen Freund Mitchell Grammaticus, der Literatur- und Religionswissenschaften studiert und unverkennbar Züge des Autors trägt. Während Leonard und Madeleine in der idyllischen Dünenlandschaft von Cape Cod leben, macht sich dieser Mitchell, der sich vornehmlich mit Glaubensfragen beschäftigt, wegen der enttäuschten Liebe zu Madeleine auf die Suche nach Gott, und auf die Suche nach religiösen Erweckungserlebnissen. Er packt seine Sachen, pilgert nach Kalkutta, um in einer Einrichtung von Mutter Theresa das wahre Leben, sein Glück, sein Kismet zu finden. Ob ihm das gelingt sei auch nicht verraten, aber so viel, dass Jeffrey Eugenides in diesen Passagen, in seiner furiosen amerikanischen Erzählweise, eine großartige Beschreibung von Elend, menschlichem Leid und unerfüllter Liebe abliefert. Letztendlich gilt auch für den gläubigen Mitchell die gleiche Mission wie für Liebende:"Man rettet keine anderen Menschen, man rettet schließlich nur sich selbst". Liebesgeschichten sind eigentlich nur wirklich gut, wenn es Schwierigkeiten gibt und so reflektiert Mitchell an einer Stelle, "es gibt nur sehr wenige Bücher, die die Kraft haben dich durch das Chaos des Lebens hindurch zu führen".

Mit großer Souveränität und Perfektion gelingt es Eugenides, ebenso wie seinem amerikanischen Schriftstellerkollegen Jonathan Franzen, sich in seinen Romanen zurückzunehmen, und das ist bewundernswert, weil man den Roman auch autobiografisch lesen könnte. Bekanntlich hat Eugenides, der in Princeton lehrt, wie Mitchell einst hier Literatur- und Religionswissenschaften studiert und er hat auch als Freiwilliger in einer Institution von Mutter Teresa hospitiert.

"Mariage Plot", der amerikanische Titel, war sicher nicht einfach ins Deutsche zu übertragen, denn "Liebeshandlung" ist anders wie "Mariage Plot" kein Begriff den wir aus der Literaturgeschichte kennen, wo diese Romane eigentlich immer mit der Heirat enden. Eigentlich handelt es sich hier letztendlich um eine Dekonstruktion der Liebesheirat - Liebe ist auch eine zerstörerische Kraft - aber Eugenides schreibt darüber mit dem gleichen Humor mit dem er über alles andere schreibt.

Wir erfahren in diesem phantastisch geschriebenen, anrührenden und über weite Strecken auch vergnüglichen, mit delikatem Humor extrem gut konstruierten Roman, sehr viel über die 80 er Jahre, über das Campus Leben an einer amerikanischen Elite Universität, über das Leben in einer indischen Institution und das was Eugenides Figuren beim Sex denken, aber nicht da, was sie mit ihren Körpern dabei tun. Es ist eine extrem gut erzählte Geschichte, dabei spielt es eigentlich keine Rolle, das, so wie einige Rezententen meinen, Roland Barthes in vielen Passagen von Eugenides missbraucht wird. "Liebeshandlung" ist ein unterhaltsames Buch das keine hohen Ansprüche stellt und es ist eine Geschichte die unterschiedliche Lesarten offeriert. Man kann auf der einen Seite emotionalen Zugang finden, auf der anderen Seite sich aber auch konstruktiv mit dem Stoff auseinandersetzen und dabei zu der Erkenntnis kommen, dass Literatur nicht aus der Wirklichkeit herausführt, sondern direkten Einfluss aufs Leben nimmt. Die angerissenen Themen Liebe, Hoffnung, Glauben, Hilflosigkeit und Depressivität passen wunderbar in unsere Zeit. Das heiraten wollen bewegt uns immer noch sehr stark im Leben, aber nur als Vorstellung. Es ist in unseren Köpfen, jeder erwartet dabei den idealen Partner, den Seelenverwandten zu finden, mit dem er den Rest seines Lebens verbringt. Fazit: Die Ideen sind immer noch vorhanden, sie haben sich nur verwandelt, so würde heute niemand erwarten zu heiraten oder verheiratet zu bleiben, wenn die Ehe unglücklich ist. Eugenides hat sehr lange an diesem Roman gearbeitet und immer wieder einmal darauf hingewiesen, dass seine Generation "Tolstoi in Pynchons Manier sucht", einen Halbgott der postmodernen US-Literatur. Entstanden ist ein packender, page turner, in optima forma.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein anspruchsvoller Page-Turner, 26. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeshandlung (Taschenbuch)
ein page-turner
habe das buch in einer nacht gelesen, und konnte nicht mehr aufhören. es ist gleichzeitig unterhaltsam, anspruchsvoll und sogar komisch, was will man mehr. eine dreiecks-liebesgeschichte mit tiefgang und zeitkolorit der achtziger jahre, mit einem abstecher nach indien, in die weltreligionen und die abgründe der menschlichen seele. absolut lesenwert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Liebeshandlung
Die Liebeshandlung von Jeffrey Eugenides
EUR 9,99
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen