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Kundenrezensionen

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am 30. Juni 2013
Ruge erzählt die Geschichte von vier Generationen einer ostdeutschen Familie. Im stark autobiographischen Roman enthalten sind einerseits die Generationen- und Beziehungskonflikte der Familienmitglieder, andererseits aber auch die großen zeithistorischen Geschehnisse der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts vom Entstehen der DDR bis zur Wiedervereinigung. Der Titel selbst spielt auf die abnehmende Strahlkraft des Kommunismus an, so bildet die von Generation zu Generation geringer werdende Begeisterung der Protagonisten zum Kommunismus den roten Faden des Romans.
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am 23. Mai 2012
Zugegeben, das erste Kapitel schreckt eher ab, dann aber wird man rasant in diese vielschichtige Geschichte aus Duetschlands unbekanntem Osten hineingezogen. Aus wechselnden Perspektiven, zu wechselnden Zeitpunkten und letztlich immer wieder an jenem 1. Oktober 1989 spielend, an dem der Enkel in den Westen "rübermacht" und an dem der vom Kommunismus und eigenem falschem Heldentum überzeugte Familienpatriarch seinen 90. Geburtstag feiert, entfächert Ruge einen sehr beachtlichen Reigen von für uns Westler bislang nicht so erlebte oder gesehene Geschichte. Das ist nicht larmoyant oder selbstmitleidig, sondern offen und tiefschürfend. Sehr lesenswert, um besser eintauchen zu können in das, was wir uns vom Westen her immer anders vorgestellt haben. Aber nichts ist einfach, schon gar nicht die Vergangenheit. Sehr lesens- und nachdenkenswert.
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am 11. März 2015
Solche Sprüche finden sich nicht zuhauf, aber doch in erklecklicher Menge in diesem Roman. Er springt in den Zeiten und Figuren, so dass manche Dinge doppelt erzählt werden – aber das sorgt für zusätzliche Perspektiven und damit verbundene Enthüllungen. Es geht nur um die Familie Umnitzer: Wilhelm und Charlotte, deren Sohn Kurt, dessen Frau Irina samt ihrer Mutter, den gemeinsamen Sohn Alexander mit wechselnden Bekanntschaften und dessen Sohn Markus. Allen gemein ist der sozialistische Alltag und die kollektive Verbitterung, die sich nicht gegen das System richtet oder das Schicksal, sondern immer gegen ein Familienmitglied. Charlotte gönnt ihrem Wilhelm den Vaterländischen Verdienstorden in Gold nicht, wo sie doch selbst nicht mal einen silbernen hat – und Wilhelm tatsächlich wesentlich mehr Schein als Sein ist, überbewertet durch Sagenbildung in einer Gesellschaft, die vom scheinbaren Heldentum Einzelner lebt. Irina glaubt, dass Charlotte sie ihrer russischen Herkunft wegen ablehnt und ihren Sohn lieber mit einer anderen verkuppeln würde. Wilhelm hält seine Söhne, die in russischen Straflagern wegen vermeintlicher Kritik am Hitler-Stalin-Pakt jahrelang einsaßen, für Defätisten und Systeminkompatible. Und so weiter. Dazwischen spielen Starrsinn, die Vorspiegelung falscher Tatsachen und veritable Altersdemenz eine große Rolle.
Anders als manche meiner Mitrezensenten empfand ich keine der Figuren oder Verhaltensweisen als Klischee. Der Roman ist keine Abrechnung mit der DDR, sondern ein einfühlsames, vielfältiges und sehr gut geschriebenes Familienporträt – und zuweilen sehr, sehr amüsant.
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am 27. Januar 2013
Nicht erst seit dem Buch "Mutter, wann stirbst du endlich" ist bekannt, was für eine psychische und physische Belastung die Pflege eines dementen Menschen bedeutet. Mit dieser Situation sieht sich auch Alexander konfrontiert, wenn er seinen 78jährigen Vater Kurt besucht und ihn versorgt, obwohl er selbst gerade erst mit einer Krebsdiagnose aus dem Krankenhaus entlassen worden ist. Bestimmt keine leichte Lebenssituation. Dennoch hat man schon bald das Gefühl, dass die Gründe für den mit Tötungsfantasien verbundenen Hass auf den "alten, pedantischen Hund, diese Maschine" nicht in der gegenwärtigen Bedürftigkeit des Vaters, sondern in einem tiefliegenden Vater-Sohn-Konflikt zu finden sind. Dahin deutet auch Alexanders Verachtung für das wissenschaftliche Lebenswerk des DDR-Historikers, für das er jahrzehntelang die Familie "tyrannisiert" habe, das aber inzwischen nur noch "Makulatur" sei. Mit dem Geld des Vaters macht er sich auf eine Reise nach Mexiko, um vielleicht doch noch körperlich und seelisch zu gesunden und um den Mythen der Großmutter zu folgen, die hier während der Nazi-Zeit zusammen mit Wilhelm als kommunistische Emigrantin gelebt hat. Das Motiv für Alexanders Reise mag der Versuch sein, über die bewusste und einfühlende Wahrnehmung der Wirklichkeit zu verstehen, warum die Großeltern so geworden sind. Ein solches Verständnis kann nach Hannah Arendt letztlich zur Versöhnung und Neuorientierung im eigenen Leben führen. Doch das Verstehen misslingt, die Plätze, die er nach den Bildern der Großmutter aufsucht, sind für ihn ohne Aura und die Legenden von Wilhelms Agententätigkeit und dem Trotzki-Attentäter sind nicht mehr erzählbar. So wird die Reise ein Fiasko. Er streunt umher, wird ausgeraubt und "betrogen, so wie sein Leben lang", und auch noch krank.
Er fühlt sich fremd und findet keinen Zugang, weder zum ziemlich öde gezeichneten Land noch zu den Einheimischen und auch nicht zu anderen Touristen, wie z.B. den beiden Schweizerinnen Nadja und Kati, die das haben, was er nicht hat: Gottvertrauen und Gewissheiten. So bleibt er auch in Mexiko, was er sein Leben lang war: ein Paria, der zwar Liebe, Identität und Teilhabe sucht, aber letztlich vom Gefühl beherrscht wird, "nicht dazuzugehören". Die Gefühle der Unsicherheit, Isolation und Kommunikationsschwäche verdichten sich in einem Fiebertraum zu eindringlichen Bildern: "Gesichter, die zerplatzen, wenn er sie zu berühren versucht. Das ist mein Lebensfilm, denkt er".

Alexander ist als Teil der Generation Halb-und-Halb (halbes Leben in der DDR...) die interessanteste Figur in dem Buch, weil an ihm die sozialisationsbedingten Brüche und seelischen Verletzungen besonders deutlich werden. Schon als kleines Kind hat er die politischen Verheißungen des groben und amusischen Stiefgroßvaters Wilhelm empfangen und als Jugendlicher unter dem Druck des politisch angepassten Vaters gelitten. Dennoch verweigerte er sich dem ihm vorgezeichneten Weg und entzieht sich mit der Übersiedlung in den Westen der erdrückenden Präsenz der älteren Generationen. Die Mexiko-Reise im Jahr 2001, die die Gegenwartsebene des Romans darstellt, zeigt aber die irreparablen Schäden der ideologischen Indoktrination.
Wie ein Kaleidoskop werden auf der Vergangenheitsebene signifikante Bilder aus dem Leben von vier Generationen der Familie - Wilhelm und Charlotte, Kurt und Irina, Alexander sowie Markus - montiert, wodurch ihre Lebensprägungen erhellt werden. Durch polyperspektivisches Erzählen, eindeutig Eugen Ruges Stärke, wird der 90.Geburtstag von Wilhelm im Jahr 1989 aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben. Immer wieder blitzt ein hintergründiger Humor auf, zum Beispiel, wenn der Erzähler an anderer Stelle aus Alexanders Kinderperspektive assoziiert: "Das Schwein hieß einfach nur Schwein. So wie Wilhelm einfach nur Wilhelm hieß." Insgesamt wird deutlich, dass es keine Brücken zwischen den Generationen gibt und in der Familie auch keine Liebe. Jeder verachtet jeden, einzig die beiden russischen Frauen lieben Alexander.

Der Roman ist nur bedingt repräsentativ für das Leben in der DDR, denn er fokussiert sich nur auf das Leben der protegierten Funktionärsclique. Das allerdings ist gelungen, besonders in den Figuren Wilhelm, der nichts konnte und lebenslang "das Gefühl hatte, dass er für seine Dummheit bezahlt wurde", und Charlotte, die ebenfalls "keine Ahnung von nichts" hatte, aber als Parteigenossin öffentlich über "schädliche" Literatur schwadronieren durfte.
Wer keine DDR-Apologetik sucht, für den ist das Buch ein Gewinn.
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am 4. März 2014
Mir hat das Buch eigentlich recht gut gefallen, und da es doch sehr gefällig geschrieben ist, wundere ich mich etwas über die vielen sehr negativen Rezensionen. Von der Sprache also recht gut, wenn auch ohne wirklich eigenen Stil. Als grossen Schriftsteller würde ich den Autor demnach nicht bezeichnet - insofern sind die Thomas Mann Vergleiche unpassend - aber das Buch liest sich wirklich gut. Die Sprünge durch die Zeit und die immer wiederkehrende Konstante der 90. Geburtstagsfeier einer der Hauptpersonen, erzählt aus jeweils anderer Sicht, fand ich sehr gut gelungen. Weniger gelungen war ein Erzählstrang, in der die Hauptperson nach Mexiko reist. Keine Ahnung was dieser Strang im Buch sollte. Zwischen 3 und 4 Sternen habe ich mich für 4 Sterne entschieden, sozusagen als Gegengewicht zu den ganzen schlechten Kritiken. Eher ein 3,5.
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am 13. Oktober 2014
Dieser Roman zeigt eine Familiengeschichte, die alle Facetten des 20. Jahrhunderts umfasst, Die großen politischen Umwälzungen dieser Zeit spiegeln sich in den Personen, vom Exil in Mexiko über schwierige Jahre in der Sowjetunion bis zu den engen Lebensumständen in der DDR und schließlich zur Zeit nach der Wende..Köstliche drastische Szenenbeschreibungen wechseln ab mit Versuchen der verschiedenen Personen, einander zu verstehen. Das gelingt kaum, zu wenig Gemeinsames findet sich, zu verschieden sind die Lebenserfahrungen. Der Großvater Wilhelm, dessen 90. Geburtstag als Rahmenerzählung dient, ist genau so ein Charakterkopf wie sein Sohn Kurt und sein Enkel Alexander, aber jeder auf anderem Gebiet. Die Frauen werden liebevoll und teilweise skurril geschildert, so Kurts Schwiegermutter Iwanowna, die aus Russland geholt wurde und im Nachwende-Deutschland nicht zurechtkommt.. Insgesamt sind der leise Humor und die reflektierenden Gedanken des totkranken Alexander so bewegend, dass die etwas mühsam zu lesenden Mosaiksteine der verschiedenen Zeiten sich zusammenrfügen.
Für geduldige Leser ein großes Lesevergnügen.
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am 26. Januar 2014
EUGEN RUGE zeichnet hier - von einer Familienchronik umrahmt - eindrucksvolle Bilder der ehemaligen DDR, wobei sowohl das tägliche Leben als auch die damaligen politischen Umstände sehr plastisch geschildert werden.

DIE STORY:

IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS schildert die Geschichte der (fiktiven) Familie Umnitzer. Ausgangspunkt ist der 90. Geburtstag von Wilhelm Umnitzer am 01.10.1989, also unmittelbar vor dem Mauerfall. Gerechnet ab Wilhelm Umnitzer leben an diesem Tag noch Familienmitglieder aus 4 Generationen. In Rückblenden werden abwechselnd die Schicksale und Erlebnisse aller vier Generationen vor ihrem jeweiligen zeitlichen politischen und gesellschaftlichen Hintergrund geschildert. Nach den Wirren des 2. Weltkriegs verbrachten Wilhelm und seine Frau Charlotte einige Jahre in Mexiko. Deren Söhne, Kurt und Werner waren im Krieg, wobei der eine ganz gut durch diese Zeit durchgekommen ist, während das Schicksal des anderen ungewiß ist. Insbesondere Kurt, der Professor wird, gelingt es, sich mit den neuen politischen Kräften in der DDR zu „arrangieren“. Aus seiner Ehe mit Irina geht Alexander Umnitzer hervor. Er wächst in einer Zeit heran, in der es zunächst nur die DDR gibt, bekommt aber zusehends die starken Veränderungen in den 80er Jahren mit und setzt sich – kurz vor dem Mauerfall – in den Westen ab, weshalb er das einzige Familienmitglied ist, das am 90. Geburtstag Wilhelms nicht dabei ist. Markus Umnitzer, Alexanders unehelicher Sohn stellt schließlich den jüngsten Sproß der Familie dar, der die unmittelbar bevorstehenden einschneidenden Veränderungen durch den Mauerfall (eventuell als große Chance) bevorstehen.

FAZIT:

IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS ist eine sehr lesenswerte Familiensaga, die kurzweilig, menschlich einfühlsam und humorvoll geschrieben, vor dem turbulentem Hintergrund der geschellschafts-politischen Umstände der DDR spielt. EUGEN RUGE gelingt es, dem Leser mit einem gut leserlichen Schreibstil die damaligen Zustände sehr eindrucksvoll und authentisch nachvollziehbar nahezubringen. Dabei schildert er von Kapitel zu Kapitel zeitlich sprunghaft von den Einzelschicksalen der jeweiligen Generation der Familie Umnitzer. Rahmenhandlung ist der 01.10.1989, an dem das älteste Familienmitglied seinen 90. Geburtstag feiert. Erstaunlich ist, wie gut es dem Autor gelingt, auf den für einen derartigen zeitlich weiten Spanungsbogen eher geringen Seitenumfang (nur 426 Seiten – Taschenbuchausgabe), derart viel unterzubringen, ohne in eine „Auflistung von Fakten“ etc. zu verfallen. Ganz im Gegenteil dem Autor gelingt es anhand der Schilderungen einzelner Situationen beim Leser ein Gefühl für die Gesamtumstände und –zustände zu wecken, wobei nicht nur die globalpolitischen Umständen, sondern viel mehr auch alltägliche Situationen und Lebensumstände in Zeiten der „Diktatur des Proletariats“ plastisch geschildert werden. IN ZEITEN DES ABNEHMENDEN LICHTS ist meines Erachtens nicht unbedingt „Der große DDR-Buddenbrooks-Roman“ (Die Zeit) wie, auf der Buchrückseite zu lesen ist, aber auf jeden Fall eine sehr lesenswerte, menschliche und auch humorvolle Schilderung aus „Zeiten der DDR“ ohne diese zuverdammen oder aber zu verklären. Eine absolute Lesempfehlung.

Viel Spaß beim Nachlesen.
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am 2. Juli 2014
Nach dem Ende des Buchs bleibe ich einigermaßen ratlos zurück, woher die guten Bewertungen kommen. Für mich war das Buch über weite Strecken eine Enttäuschung. Langweilige Passagen über die Innenschau der Hauptperson Alexander, das Erzählen von irgendwelchen Träumen, da musste ich vorblättern, um keine schlechte Laune zu bekommen. Kurz interessant wird es da, wo eine Situation aus der Sicht verschiedener Personen erzählt wird und ihre verschiedenen Motivationen sichtbar werden. Leider bleibt es da, wo Spannung aufkommt, meist oberflächlich. Wie erging es Kurt im Gulag, was war Wilhelms Rolle im kommunistischen Geheimdienst (es wird eine Pistole erwähnt ... wozu?), wie fand Alexanders Wandlung durch die Beziehungen statt usw.
Stattdessen endlose Passagen über oberflächliche Erlebnisse von Alexander in Mexiko. Die beste Passage ist noch die Rückerinnerung der russischen Großmutter an ihre Kindheit und Jugend.
Schade, ich hatte mehr erwartet. Mehr Bezug zur Geschichte, weniger blabla.
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am 12. Juli 2013
Was anfangs durchaus die Hoffnung erweckt, ein feinsinniger Roman über mehrere Generationen verwobener DDR-Schicksale werden zu können, entpuppt sich leider als eine Aneinanderreihung von abgegriffenen Clichés, die - wenn sie schon literarisch bedient werden müssen - zum Beispiel im "Turm" weitaus differenzierter daherkommen.

Da gibt es den sächselnden Parteisekretär, den abenteuerlichen Tauschhandel zur Baustoffbesorgung, den desorientierten Ossi-Jugendlichen, der im Drogenkeller in der Gropiusstadt landet, die aus dem Exil zurückgekehrte Kommunistin mit plötzlichem Führungsjob, den Ostpfarrer, der nach der Wiedervereinigung Karriere macht, die Alkoholiker-Russin samt Mutter Babuschka, Gojko Mitic aus Babelsberg, wilde Liebe im blauen Trabbi, einen linientreuen Geschichtswissenschaftler, der seine Zeit im Gulag aufarbeitet, die verrohten Ausbilder der NVA, die alleinerziehende Jungmutter... Wo ist eigentlich nur die doofe Pionierleiterin geblieben ?

Die Überdosis an Versatzstücken macht das Ganze zeitweilig grotesk, unglaubwürdig, und vor allem oberflächlich. Sie geht eindeutig auf Kosten der individuellen Ausdifferenzierung der einzelnen Personen, der der Roman so gar nicht gerecht wird. Spätestens, wenn Charlotte zur bösen Hexe mutiert, die am Ende ihren demenzkranken Mann vergiftet - ganz zu schweigen von Kurt, der sich während einer Ansprache zur Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens einen auf die Ex-Frau seines Sohnes runterholt - kommen einem Zweifel an der Tiefsinnigkeit der Darstellung. Als ehemaliger Ossi darf man sich auch schon mal fragen, was für ein Bild da eigentlich so vermittelt werden soll.

Amüsant ist die Aufsplittung der Zeitebene : die Kapitel sind nicht chronologisch geordnet, so daß der Leser das Gesamtbild nach und nach selbst zusammenpuzzelt. Dabei helfen einige wiederkehrende Leitmotive, wie die Muschel aus Mexiko oder die Weihnachtsgans. Ganz nett...

Als Fazit ist mag es vielleicht eine leichte Urlaubslektüre hergeben. Das Ganze jedoch als den "großen DDR-Buddenbrooks-Roman" (I. Radisch, Die Zeit) zu bezeichnen, ist schlichtweg eine Beleidigung Thomas Mann's.
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TOP 500 REZENSENTam 4. Juni 2012
Mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" erzählt Eugen Ruge eine sich an den Geschehnissen in seiner eigenen Familie orientierte Familiengeschichte in zwanzig Kapitel. Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern berichtet episodenhaft, sich in der Geschichte hin und her bewegend. Trotz größerer Zeitsprünge war es nicht problematisch sich zu orientieren, über welche Mitglieder der vier Generationen umfassende Familie berichtet wird. Dank der mit den Jahreszahlen überschriebenen Kapitel konnte man sich als Leser die Zeitfolge problemlos selbst erlesen. Dreh- und Angelpunkt der Handlung bilden der 1. Oktober 1989 und das Jahr 2001. Zu diesen Daten kehrt Ruge immer wieder zurück, um die Ereignisse an Wilhelm Powileits 90. Geburtstag (1989) und Alexanders Mexiko-Reise (2001) aus verschieden Blickwinkeln zu betrachten.

Mehrfach spiegelt sich der Titel im Roman wieder. Viele der Episoden sind im Herbst angesiedelt. Der Kommunismus, der von Charlotte und Wilhelm als höchstes Ziel angesehen wird, verliert von Generation zu Generation an Bedeutung, bis er für Alexanders Sohn, der in seiner eigenen Computerwelt lebt, nicht mehr existent ist. Auch die Gesundheit der Protagonisten ist ähnlich einer herunterbrennenden Kerze. Alexander ist an Krebs erkrankt, sein Vater Kurt hat die Demenz fest im Griff. Irina war Alkoholikerin und Wilhelm und Charlotte - weil ich zu viel verraten würde, schweige ich dazu an dieser Stelle.
Eugen Ruge erzählt diese Geschichte über die mit der Gesellschaftsordnung untergehende Familie sehr ruhig und sachlich, aber nicht ohne Wortwitz. Dabei ließ er historische Ereignisse eher am Rande einfließen und achtete mehr auf deren Auswirkungen auf die Familie, deren Mitglieder sehr überzeugend charakterisiert wurden. Das Buch lies sich sehr flüssig lesen, die Sprache Eugen Ruges empfinde ich als ausgesprochen angenehm. Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass der Roman weit ab von jeglicher Ostalgie und der Verklärung alter Zeiten geschrieben wurde. Damit hebt er sich wohltuend von anderen ähnlich gelagerten Romanen ab. Eugen Ruge ist mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" ein wirklich großer Familienroman gelungen, dem ich noch viele interessierte und begeisterte Leser wünsche.
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