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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Screwball vom Feinsten, 24. Dezember 2012
Von 
Isabelle Klein "vintage books" (Hannover & Würzburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Der Film beginnt, wo andere enden: beim vermeintlichen Happy End, der Hochzeit.
Geraldine (Claudette Colbert) und Tom Jeffer (Joel McCrea) sind nunmehr seit fünf Jahren verheiratet und nichts läuft so wie es sich Geraldine erträumte. Der Göttergatte ist mäßig erfolgreich, zum Verwirklichen eines Projekts fehlt ihm das nötige Startkapital. Da er die Miete nicht zahlen kann, sucht der Vermieter einen Nachmieter für das schicke Duplex-Apartment. Ein heiter-amüsantes Versteckspiel zwischen dem potentiellen Nachmieter, einem Würstchenkönig "Wienie King", und der Noch-Mieterin nimmt seinen Lauf, an dessen Ende Geraldine um 700 Dollar reicher ist und einem eifersüchtig-misstrauischen Ehemann gegenüber steht, dem sie ihre Trennungspläne erläutert.
"I can't sew, I can't cook, I'm a rotten wife", so ihre Rechtfertigung gegenüber der nicht erfüllten Rollenerwartungen. Was liegt näher, als sich einen Ehemann zu suchen, der ihre Erwartungen in monetären Belangen erfüllen kann?! Aber Tom ist von ihren Plänen ganz und gar nicht begeistert, liebt er Gerry doch wie am ersten Tag.
Und so landen, man soll es nicht glauben, anno 1942, nach einer locker-heiter-frivolen Verführungsszene, in der einem Sofa eine existenziell wichtige Bedeutung zukommt, die beiden in EINEM Doppelbett.
"When love is gone there's nothing but admiration and respect", so Gerrys Aussage, die wohl nicht ganz zutreffend war.
Am nächsten Morgen ist die Reue groß und Gerry macht sich aus dem Staub, um die Scheidung im Sunshine State zu erwirken, dicht gefolgt vom erwachenden liebestrunkenen Nochehemann.
Zum Glück gibt es aber den geldrollenbewaffneten Würstchenkönig, der auch für den armen Verlassenen eine großzügige Spende bereit hält ...

So nimmt ein höchst heiterer Filmgenuss mit geschliffen-eleganten Dialogen seinen Lauf und unterhält gar exzellent. Mein absoluter Favorit ist die der Verführungsszene folgende Flucht CCs. Einfach herrlich - Screwball par excellence! Lieblingszitat: "Sex has always to do with it ...", so Geraldine.
Kaum verwunderlich, denn Macher dieses Filmes ist kein anderer als Preston Sturges, der bereits mit "Easy Living"/"Mein Leben in Luxus", als auch "The Lady Eve"/"Die Falschspielerin" die Lachmuskeln zu strapazieren wusste. Auch "Sullivan's Travels" ist seit vielen Jahren einer meiner Lieblinge.
Neben den heiteren Elementen vermag die turbulente Geschichte durch dekadentes Setting und großartige Kostüme zu überzeugen. Colberts Look erinnert teils an Josefine Baker und Dolores del Rio.

Verglichen mit Capras Screwball-Komödien versteht Sturges es, diese nicht im capraesken Sozialkitsch enden zu lassen, sondern gelungen versteckte Sozialkritik zu äußern. Auf soziale Missstände macht er indirekt aufmerksam, indem er einem Zug-Boy gerade mal zehn Cent zukommen lässt, während eine dekadente Jagdgesellschaft im Jagdfieber über die Stränge schlägt und den Zug demoliert. Auch der auf Abwegen befindlichen Geraldine - ob ihrer oberflächlichen Suche nach einem reichen Ernährer - kann man nicht wirklich grollen.

Zur DVD:
Wer Wert auf die deutsche Tonspur sowie Extras legt, dem ist die vorliegende Edition wärmstens ans Herz zu legen. Wem der Filmgenuss für sich und im Original mit englischen UT reicht, der ist gut mit der wesentlich preisgünstigeren UK-Variante bedient (ebenfalls in sehr guter Bild- und Tonqualität).
Ich freue mich schon auf "Miracle at Morgan's Creek und "Unfaithfully Yours", sowie die beiden anderen in dieser Edition erhältlichen Filme "Der große McGinty" und "Weihnachten im Juli".

Fazit: extrem gelungener Screwball!!! Meine neue Nummer eins, noch besser als "Lady Eve" und gleichauf mit "Ball of Fire", dicht gefolgt von den genialen Jean-Arthur-Komödien.
Perfekt inszeniert mit gesellschaftskritischen Untertönen!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Filmreihe, 19. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Palm Beach Story (Atemlos nach Florida) ist ein Klassiker der Screwball-Komödie von Spezialist Preston Sturges, welcher zusammen mit zwei anderen Sturges Komödien (Der große McGyinty, Weihnachten im Juli) nun endlich auf DVD zugänglich gemacht wurde.
Dabei wartet die DVD mit sehr gutem schwarzweißem Bild vom HD-Master auf. Beim Wendecover kann man sogar zwischen zwei verschiedenen wunderschönen originalen Kinoplakatmotiven wählen,da sich der FSK-Flatschen nur auf dem Schober befindet. Auperdem ist ein unfangreiches, schön gestaltetes Booklet vorhanden und als weitere Extras findet man eine Trailergalerie von Preston Sturges, Bildergalerie sowie ein Interview mit einem Preston Sturges Kenner.
Der ambitionierte neue Anbieter Cine Qua non hat hier gute Arbeit geleistet und wird demnächst drei Filme von Meisterregisseur Otto Preminger veröffentlichen.
Da kann man sich schon auf zukünftige Veröffnetlichungen freuen und hoffen, daß noch möglichst viele Filmperlen z. Bsp. von
Regisseuren wie William Wyler, Ernst Lubitsch, Howard Hawks, John Ford und anderen den Weg auf DVD finden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassiker!!, 14. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Wer alte Filme liebt und sich dafür begeistern kann, liegt hier genau richtig. Claudette Colbert ist wie immer spitze und die spritzigen Dialoge sind toll.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Screwball at its best, 8. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Wenn sie mit dem Begriff screwball nichts anfangen können und eine typische Screwball-Komodie anschauen wollen, um das Genre kennenzulernen, dann wäre das neben "His Girl Friday" mein Favorit.
Wobei einiges am Zeittypischen verblüfft oder irritiert:
Was man dieser Zeit gar nicht zutraut sind die mehr oder weniger unverhüllten sexistischen Witze und Anspielungen - wobei die Handlung selbst schon verblüfft. Wo waren die notorischen US-Frauenverbände als dieser Film in den Kinos nicht boykottiert wurde? Immerhin verbot die Zensur den ursprünglichen Titel: "Is marriage necessary?" wobei die Ausgangssituation: Frau verläßt Mann weil sie ihm nicht helfen kann und alleine einen Millionär aufreißen will um ihren Mann dann als zuschusswürdigen Erfinder bekannt zu machen - schon für das damalige Moralverständnis seltsam genug war.
Was wirklich heute sehr grenzwertig wirkt, ist die Rolle der Afro-Amerikaner.
Sie werden 1942 immer noch ausschließlich als Dienstboten, die vorzugsweise Augen rollen, schlechtes englisch sprechen und auf doof machen, geschildert.
Das ist allenfalls als Zeitdokument zu ertragen. Man kann jedenfalls - mit dem Wissen wie diese Künstler sonst so behandelt wurden - nicht so darüber lachen wie das Publikum damals wohl. Das richtige Kontrastprogramm dazu ist wohl eine der alten Rat-Pack Aufnahmen - man weiß dann erst wieder was Frank Sinatra und Sammy Davis jr. für die Rassenintegration getan haben.

Davon abgesehen parodiert der Film in geradezu aberwitzigen Szenen die Millionäre als solche, heiratswütige Frauen, besoffene Jagdclubs, Jachtbesitzer und das Singen von Gute-Nacht-Liebesliedern unter Balkonen - vor allem wenn die Angebetete gerade mit einem anderem...der eigentlich ... äh, tja, sehen Sie am besten selbst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Colbert in einer tollen Rolle, 13. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Claudette Colbert ist ohne Frage die Screwballkönigin der 30er und 40er Jahren gewesen. Dieser Film ist nach "Es geschah in einer Nacht" die klare Nummer 2 meiner Colbert Lieblingsfilme. Aber dies ist natürlich nicht objektiv. Egal, wer die anderen Komödien mit Claudette Colbert mag, wird auch diesen Film lieben.
Allerdings ist der Film nur in englisch zu genießen. Die Synchronisation ist schrecklich und billig gemacht. Aber Gottlob gibt es hier ja einen recht guten Untertitel!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach dem Konto furs Leben, 14. Oktober 2012
Von 
Matthias Haas (Sumiswald Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
In der Ehe der New Yorker Tom (Joel McCrea) und Geraldine (Claudette Colbert) läuft es wegen finanzieller Sorgen nicht rund. Da die Miete kaum bezahlt werden kann, steht schon bald ein altes Ehepaar aus Texas auf der Matte, das sich für die Wohnung interessiert und damit Geraldine überrascht. Tom hat Mühe, für das Einkommen zu sorgen. Dazu müsste er ein Projekt realisieren, das $ 99'000 kostet, doch er findet keinen Interessenten. Geraldine kann dem nicht weiter zusehen und entscheidet sich für eine Trennung. Sie reis(s)t aus nach Florida, um dort die Scheidung einzureichen und einen gut situierten neuen Mann zu finden. Mit einem Trick kann sie sich einer Jagdgesellschaft anschliessen, die per Zug nach Florida unterwegs ist. Doch die Feierlaune und Schiessfreude der vergnügungssüchtigen Oberschichtler gehen ihr bald auf die Nerven. Derweil sie im Schlafwagen unbewusst den Millionär John D. Hackensacker III (Rudy Vallee) trifft, wird der überschäumende Bahnwagen der feiernden Jäger mitsamt Gepäck kurzerhand abgehängt. Das ergibt für Geraldine eine peinliche Situation, doch John D., ganz der Gentleman, hilft ihr aus der Verlegenheit. Bald lässt es sich Geraldine an der Seite des altbackenen Jungmillionärs gut gehen, doch dann taucht Tom wieder auf. Aber sie will den Millionär nicht vom Haken lassen und sagt, Tom sei ihr Bruder. Ob dieser sich das bieten lässt?
Regisseur Preston Sturges hat in seinen Filmen fast jede Gruppe von Leuten aufs Korn genommen, bei "The Palm Beach Story" (Paramount Pictures, 1942) hat er es vor allem abgesehen auf die Reichen und die, die es gerne wären. Die meisten von ihnen spinnen auf die eine oder andere Weise, weil sie teils nicht mit Geld umgehen können, teils überkandidelt sind oder schlechte Manieren haben.Trotzdem bleiben die Figuren einigermassen glaubwürdig und vor allem die Geschichte spannend. Wer "Die oberen Zehntausend" schauen will, soll das ruhig machen, aber dieser Film hier von Preston Sturges ist lustiger und bissiger!
Für diesen auf DVD 84 Minuten langen Preston-Sturges-Film hat der Anbieter Cine Qua Non wieder eine ziemlich vorzeigbare Ausgabe erstellt. Den Film gibt es wie zu erwarten im 4:3-Format und einem gut restaurierten schwarz-weiss-Bild. Auch der Ton hält für sein Alter gut mit, wobei man zu Gute halten kann, dass die deutsche Synchronisation erst in den 1970er-Jahren entstand. Beim Bonusmaterial bleibt der Anbieter der Linie aus den ersten 2 Sturges-Filmen treu mit einem gelungenen Prospekt, einer sehr sehenswerten Interview-Sequenz mit dem Filmkenner Hans-Christoph Blumenberg, einer Bildergalerie sowie den üblichen Filmtrailern zu Werken von Preston Sturges und Otto Preminger. Wie üblich sind die Sprachen, die zur Auswahl stehen, schnell, ja zu schnell aufgezählt: Deutsch und Englisch beim Ton, nur Deutsch (wahlweise durchgehend oder als "Inserts") bei den Untertiteln. In dieser Hinsicht wäre die DVD klar ausbaufähig gewesen. Deshalb gibt es gesamthaft vier von fünf übergrossen Texanerhüten und eine Mütze voll Schlaf im Kajütenbett.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und jeder/r jagt sein/ihr Freiwild, 24. Dezember 2012
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Heiraten ist Stress. Unglaublich turbulent zeigen dies Gerry, eigentlich Geraldine (Claudette Colbert), und Tom (Joel McCrea). Unglaublich innovativ war 1942, wie Regisseur Preston Sturges die Bilder beim Erscheinen wichtiger Schriftzüge einfrieren ließ - und in den besonders lustigen Momenten, wenn etwa ein Dienstmädchen gerade am In-Ohnmacht-Fallen ist. Sturges zerlegt den Slapstick und bietet so noch mehr Spaß. Unglaublich überdreht und scheinbar absurd werden Handlungselemente eingestreut, für die es lange Zeit überhaupt keine Erklärung geben wird (warum ist da eine eingesperrte junge Frau, die sich mühsam freikämpft - wollte sie ebenfalls mit Tom vor den Altar?). Unglaublich Elegantes wird aber auch mit dem furiosen Slapstick verwoben - wenn die Kamera lange zusieht, wie Gerrys lange Brautkleidschleppe über die Ohnmächtige gleitet. Am Ende des Vorspanns schließlich die Trauung - und sie lebten glücklich und zufrieden - ODER?

Sturges schrieb und inszenierte eine dieser typischen Fast-Scheidungs-Screwballkomödien; man denke etwas an "Die schreckliche Wahrheit" oder "Mr. und Mrs. Smith". Ein Ehepaar oder mindestens einer der Ehepartner fasst den Entschluss, sich scheiden zu lassen, und natürlich kommen beide am Ende wieder zusammen. Die Eröffnungssequenz hat vor fünf Jahren gespielt, und aufgrund von nichtigen Anlässen kommen den Eheleuten Bedenken, ob sie eigentlich das tun, was man eine gute Ehe führen nennt. Und das hieß im Amwerika des Jahres 1942: Der Mann verdient die Brötchen und die Frau kann sie backen bzw. den Haushalt schmeißen. Bei Gerry und Tom klappt weder das eine noch das andere so recht (und ohne dass es angesprochen wird, entspricht auch eine nach so langer Zeit noch kinderlose Ehe nicht ganz den traditionellen family values). Aber sie wohnen in einem schicken Park-Avenue-Apartment. Als dieses wegen ausstehender Rechnungen potenziellen Nachmietern gezeigt wird, kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Ein steinreicher Mann der Würstchenbranche (er heißt tatsächlich "The Wienie King") gibt Gerry das nötige Kleingeld, Tom wird misstrauisch, und nun wird der Film erfrischend ehrlich und offen: Gerry bestreitet gar nicht, dass Sex (im Sinne von Sex-Appeal) etwas damit zu tun gehabt hätte. Das habe er immer. Die clevere und sehr aparte Gerry wird noch mancherlei Gelegenheit haben, dies unter Beweis zu stellen. Zwecks Scheidung begibt sie sich nach Palm Beach, Tom kann ihr nachreisen, und nach jeder Menge urkomischer Situationen mit urkomischen Typen treffen die beiden auf den von Rudy Vallee gespielten Millionär Hackensacker (liest man ein "sucker" in dem Namen?) und seine Schwester Centimillia (Mary Astor). Namen sind bei Sturges schon ein Genuss; ob in dieser Jägerin reicher Mannstrottel wohl ein "Hundert" und ein "Tausend" oder ein "Tausende von cents" steckt? Passen würde es. Natürlich wird es zu der erwarteten Wiederzusammenführung der noch nicht Geschiedenen kommen, aber dies geschieht ungeheuer komisch, charmant und am Ende mit einem absurd schnellen Ende, das noch eine Überraschung parat hält und daneben zeigt, dass dieser saukomische Film gleichzeitig von Menschenliebe und lockerer Toleranz geprägt ist. Hier bekommt niemand was auf die Mütze, und alle Schlawiner und Schwindler kommen am Ende recht gut miteinander aus, weil sie einander als Seelenverwandte erkennen oder wenigstens ganz pragmatisch gute Geschäftsverbindungen über persönliche Rachegelüste stellen. Alle haben sich gern, und Sturges scheint sein schräges Figurenarsenal auch irgendwie gern zu haben. Handzahm ist sein Film dadurch noch lange nicht. Im Gegenteil, der Verzicht auf Bestrafungen der alltäglichen kleinen und großen Sünden wirkt frisch und frech. Und Gerry muss am Ende zum Glück nicht unter Beweis stellen, auch das Heimchen am Herd zu können (man denkt da an die komischen, aber doch irgendwie piefigen Versuche von Katherine Hepburn in "Die Frau, von der man spricht" oder Barbara Stanwyck in "Weihnachten nach Maß").

Ein herausragender Film des großen Preston Sturges! Ihm ist es gelungen, eine typische Screwball-Konstellation nicht nur zu bedienen, sondern sie auch mit einem ganz persönlichen Leben zu erfüllen - und zwar ohne dass dies auf Kosten des genretypischen Spaßes geht. Hierfür sind mehrere Gründe ausschlaggebend: So gelingt ihm eine Reverenz an typisch eskapistische 1930er Nobelkomödien, in die sich gleichzeitig ein wenig soziales Gewissen schleicht, ohne alles in Capra'schem Zeigefingerpathos zu ertränken. Selten war so viel von Kosten, Zahlen, Bemühungen des Sparens oder Gefahren des Verschwendens die Rede - aber wir sehen davon recht wenig. Gerry und Tom wohnen extrem exquisit, können es sich aber nicht leisten. Hackensacker kauft Gerry jede Menge teurer Kleider und sonstige Kleidung und Accessoires; die Kosten werden penibel aufgelistet. Aber es ist ein stinkreicher Mann, der Haushaltsbuch wie ein Armer führt, und so macht es ihm nichts aus. Gerry hat einmal tatsächlich kein Geld mehr und muss sich aus einem Männerpyjama und Schlafwagendecken ihre Kleidung zurechtbasteln - aber das sieht so schick aus wie Dolores del Rio oder Josefine Baker als Chiquita. Ein paar herrlich dekadente Männer eines Jagdclubs zerlegen ein ganzes Zugabteil, indem sie mit echter Munition auf Cracker als Tontauben schießen und dann mit der Jagdhundemeute nach der entflohenen Gerry suchen. Aber des Problems entledigen sich die Bahnbediensteten ganz nonchalant, indem sie den betreffenden Wagen einfach abkuppeln und sich nicht groß aufregen. Während Sturges in "Sullivans Reisen" noch in das Amerika des "einfachen Mannes" hinabgetaucht war, bleibt er in "Palm Beach Story" konsequent beim schönen Schein - und schafft dennoch ein Gespür dafür, wie der Jet-Set sich gelegentlich über Gebühr amüsiert. Spätestens wenn Hackensacker immense Summen für Gerry ausgegeben hat, aber einen Kellner mit 10 cent Trinkgeld abspeist ("tipping is un-american"; diese Parole gab es wirklich einmal und sie ist z.B. als Schild in der Kneipe in "Der versteinerte Wald" (1936) zu sehen), wissen wir, dass er Gerry niemals bekommen wird. Sturges braucht uns gar nicht mit dem Finger das zu zeigen, worauf er hinweisen möchte. Wir können den vollen Spaß genießen und trotzem oder gerade deshalb einen gewissen Mehrwert mitnehmen.

Aber als allererstes ist dies eine der besten klassischen Screwball-Komödien, und hier gibt Sturges alles. Er verknüpft die romantic comedy mit Slapstick und erweist sich schon hier als brillanter Choreograph von perfekt inszeniertem Chaos zu klassischer Musik (z.B. Rossinis bekannte "Wilhelm Tell"-Ouvertüre). Das Prinzip sollte er in dem noch gewagteren "Die Ungetreue" sogar noch verbessern, aber es ist schon hier äußerst gelungen. Außerdem ist Sturges ein Meister der herrlich skurrilen Nebenfiguren. Mary Astor, die oft etwas hochnäsig wirkt und mich ab ca. 1940 als romantic lead nicht mehr überzeugen konnte, ist göttlich als mondäne Männerjägerin besetzt - eine herrliche Selbstparodie. Rudy Vallee hat den recht spaßigen Tic, stets an seiner Brille zu nesteln und sie zu putzen, was angenehm beiläufig statt übertrieben inszeniert ist (und am Anfang geht sie mehrmals zu Bruch, was dann aber nicht über die ganze Strecke zum running gag wird). Colbert ist elegant und gewitzt; McCrea ist auch ansehnlich, hat aber ab und an das Nachsehen in den ganzen Kabbeleien - eben der screwball der screwball comedy (schon in "The Lady Eve" nahm Sturges für diesen Part einen Mann, der selbst noch bei der blamabelsten Blamage eine gute Figur machte - Henry Fonda. Man darf über den screwball lachen, aber solche Filme sind nur ausgewogen, wenn man ihn dabei auch von ganzem Herzen lieben kann, denn er wird diese wahnsinnig elegante, gewitzte Superfrau stets bekommen). Die weiteren Nebenfiguren sind herrlich überdreht-skurrile Typen, bei denen sich ein Weiteres zeigt: Sturges ist ein Meister im Umgang mit Sprache. Der Wienie King ist teils schwerhörig, so dass es zu manchem lustigen Missverständnis kommt, aber dann weiß er sich wieder klar auszudrücken und klar zu hören. Toto, ein Anhängsel von Centimillia, kommt aus einem Fantasieland und spricht gelegentlich in einer Fantasiesprache. Mit einem "Neetz" (keine Ahnung, was das sein soll) versteht Centimillia, ihn ruhigzustellen. Einer der seltsamen Jägersleut hat stets einen Schluckauf, wenn er sich vorstellen soll. Es gibt hier also gleich mehrere Missverständnisse, Unmöglichgkeiten der Kommunikation, Fantasielaute und -sprachen. Wie passend in einem Film, der "Viel Lärm um nichts" so ungeheuer charmant und überdreht komisch verkauft wie dieser hier. Dazu passt die Anhäufung von seltsamen Rollennamen, von denen teils schon die Rede war. Auch hier wird das Schrullige oft dem Nicht-Amerikanischen zugeschrieben, Hackensacker, Wienies (als, tatsächlich, Wiener Würstchen), Centimillia, Toto, und die dekadenten Jägersleut haben sehr europäisch (deutsch?) klingende Namen; einer trägt sogar Hut mit Gamsbart. Hingegen wurde der französische Name Geraldine zum amerikanisch-patenten und wenig femininen Gerry - die Gute vereint aber den Sex-Appeal einer Frau mit dem praktischen Wesen, das unberechtigterweise eher Männern zugeschrieben wird. Schließlich Tom, der Allerweltsname - aber es macht ja alles nichts, Sturges liebt seine Figuren, jede einzelne. Und so dürfen die Nebendarsteller Unverständliches brabbeln und die Hauptdarsteller sich mit akustisch gut verständlichem Wortwitz erster Güte missverstehen. Dabei wird für 1942 recht offen über "sex" im Sinne von weiblichen Reizen geredet und ein Mal versteckt, aber deutlich über Sex im Sinne von ... nun ja, eben Sex. Sogar ein Doppelbett dürfen die Eheleute haben; man glaubt es angesichts des Production Code kaum!

Sehr amüsant auch, wie die Liebesdinge im Dialog verhandelt werden und die folgende Handlung selbst scheinbar beiläufige Bonmots wieder aufnimmt. "When love has gone, there is nothing but admiration and respect", so einmal Gerry zu Tom; und Bewunderung und Respekt wird sie von Hackensacker bekommen und ihm entgegenbringen können. "Wir lieben uns doch nur noch wie Bruder und Schwester", so am Anfang die Eheleute - und später muss Tom tatsächlich vorgeben, der Bruder von Gerry zu sein. So überdreht diese ganze herrliche Farce gelegentlich ist, beliebig ist hier nichts. Selbst die Jäger-Slapstick-Szene in der Mitte zeigt vielleicht nur, dass die Menschen auf der Jagd nach dem Glück, Vergnügen und/oder Geld nicht unsympathisch sein müssen. Hier jagt jeder nach seinem ganz persönlichen Wild, Männer wie Frauen tun dies, auf ganz unterschiedliche Weise, aber es verbindet sie. Und das Frechste an dem Film ist vielleicht die Aussage, dass das allzu schlimm nicht ist, sondern verständlich.

Fazit: Ungeheuer komisch, für 1942 recht frivol, Witz in Wort und Aktion, und am Ende schwer romantisch, ohne kitschig zu werden. Wobei Sturges auch in einer der letzten Szenen die offene Zurschaustellung von Reichtum wieder einmal kritisiert, indem er deren Wirkung einfach nur zeigt, statt noch zu dozieren wie etwa ein Frank Capra. Hackensacker hatte nämlich Gerry ein Nachtständchen versprochen und sie hatte gespottet, ob er sich wohl mit der Mandoline unter ihr Fenster stelle. Hackensacker fährt ein ganzes Orchester auf und singt dazu "Good Night, Sweetheart". Zu dem Song kommen sich oben Gerry und Tom wieder näher. Vielleicht hätte Hackensacker es lieber bei der Mandoline belassen.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Standard, 7. Januar 2013
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Rezension bezieht sich auf: Palm Beach Story - Atemlos nach Florida (DVD)
Dies ist eine normale DVD Verpackung. Es war ein Geschenk. Deswegen kann ich über den Film an sich nicht viel sagen. Top schnelle Lieferung wie immer.
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Palm Beach Story - Atemlos nach Florida
Palm Beach Story - Atemlos nach Florida von Claudette Colbert (DVD - 2011)
EUR 15,99
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