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am 28. Juli 2013
Ich kannte schon die Biographie Stalins, jetzt noch dieses Buch: So exzellent zusammengestellt und recherchiert wie schrecklich der Inhalt. Ich arbeite psychotherapeutisch mit Ukrainern und Russen und treffe dabei bei den Nachfahren Folgen dieser Taten an. Da ist es gut, auch dieses Buch gelesen zu haben. Für Interessenten an dieser speziellen, aber historisch ernorm wichtigen Materie sehr zu empfehlen.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Mai 2013
Snyders Buch ist kein historisches Werk im akademischen Sinn, denn es beruht hauptsächlich auf Sekundär-, ja sogar auf Tertiärquellen, auf Günter Grass’ Roman “Blechtrommel” beispielsweise und sollte daher mit einer gewissen Vorsicht gelesen werden. Auch die eher wissenschaftlichen Quellen sind hier und da fragwürdig, etwa das Material der Ausstellung “Verbrechen der Wehrmacht”, die ja bekanntlich in ihrer ersten Form abgebrochen und gründlich überarbeitet werden musste, weil sie viele Exponate enthielt, die entweder selbst Fälschungen waren oder falsch interpretiert wurden.

Es werden auch immer wieder Behauptungen von großer Bedeutung aufgestellt, ohne dass sie irgendwie untermauert werden. So ist auf S. 173 in Bezug auf die Belagerung Leningrads zu lesen, dass die Bevölkerung ausgehungert [starved] werden sollte – was ja bei Belagerungen nichts Neues ist. Es wird aber auch gesagt, dass eine Kapitulation der Stadt nicht akzeptiert worden wäre, ohne dass hierfür auch nur eine Sekundärqelle zitiert würde.

In seinem Buch unternimmt Snyder einen Vergleich der Verbrechen, die von sowjetischer Seite in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts begangen wurden, und denen, die auf das Konto deutscher Organisationen im Verlaufe des Krieges gegen die Sowjetunion zu schreiben sind. So ein Vergleich ist zwar zulässig, aber irgendwo nutzlos; wenn solche Opferzahlen eine bestimmte – nicht leicht fixierbare – Grenze überschreiten, hat es keinen Sinn mehr, Nuancen herauszuarbeiten – zwischen drei Millionen Toten und vier Millionen Toten besteht kein moralischer Unterschied mehr.

Was Snyder in diesem Zusammenhang jedoch überhaupt nicht diskutiert, ist die Tatsache, dass die Millionen bolschewistischer Opfer schon ermordet worden waren, als man – wie Snyder mehrfach betont – dem Dritten Reich kaum mehr als ein paar tausend Tote anlasten konnte. An diesem Punkt versagt Snyder irgendwie als Historiker, denn er hätte eigentlich die Frage untersuchen müssen, wie es zu einem solchen Bruch im Verhalten der Deutschen kommen konnte und ob bzw. inwieweit die sowjetischen Mordaktionen einen Einfluss auf dieses Verhalten hatten.

Snyder weist zwar darauf hin, dass Stalin und seine Helfer mit allen Mitteln versuchten, ihre Untaten nicht ruchbar werden zu lassen und damit, etwa im Falle des französischen Präsidenten Herriot, der in jener Zeit die SU besuchte, auch Erfolg hatten. Er untersucht jedoch nicht die Frage, ob die Deutschen, auf Grund ihrer traditionell guten Beziehungen zu Russland (einschließlich der Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee in den 20er Jahren) oder vielleicht auch durch den Zugriff auf die Akten der KPD nach Hitlers Machtergreifung nicht doch sehr viel mehr über die sowjetischen Verbrechen wussten als die anderen europäischen Mächte und dadurch zu einer anderen Beurteilung der Verhältnisse in der SU kamen.

Natürlich erwähnt der Vf. die Massaker von Katyn und den Versuch der Sowjets, den Deutschen die Schuld daran zuzuschieben, er erwähnt jedoch nicht die Tätigkeit der sowjetischen Außerordentlichen Staatskommission ASK, deren Aufgabe es war, dem “Katyn-Modell” folgend, weitere Vorkommnisse dieser Art in gleicher Weise umzumünzen, obwohl dank der russischen Historikerin Sorokina – die gleichfalls bei Snyder nicht erscheint – diese Bemühungen längst bekanntgeworden sind.

In Bezug auf das eigentliche Gebiet der “Bloodlands” schreibt der Vf. auch nichts über die Strategie der “Verbrannten Erde”, mit der die Sowjets den Vormarsch der Deutschen aufhalten wollten und die das fragliche Gebiet äußerst stark traf. Das Ziel war, den Deutschen jegliche Möglichkeit einer Versorgung zu nehmen; die Konsequenz war jedoch, dass diese Strategie sich in gleicher Weise gegen die in dieser Region verbliebende eigene Bevölkerung richtete, denn die mit der Durchführung beauftragten Partisanen – als vierte Waffe der Roten Armee – verhinderten zu diesem Zweck das Entstehen von zivilen Verwaltungtsstellen, sodass auch Nahrungsmittel, falls sie vorhanden waren, nicht verteilt werden konnten und die deutschen Stellen sich aneignen mussten, was sie irgend konnten, ohne Rücksicht auf Verluste.

In Bezug auf die sowjetischen Juden und ihre Beteiligung an der bolschewistischen Bewegung sagt Snyder, dass die (örtlichen) kommunistischen Parteien der SU in der Zwischenkriegszeit stark jüdisch [heavily Jewish] waren, verwirft aber die Ansicht, dass daher die meisten Juden auch Kommunisten waren. Einzelheiten zu dieser wichtigen Frage kann man in der YIVO Encyclopedia nachlesen.

Wenn es schließlich um die tatsächlichen Verluste an Menschen geht, so ist auch hier Snyders Methode irgendwo unbefriedigend. Man weiß, dass sowjetischerseits in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg Zahlen genannt wurden, etwa in Bezug auf Auschwitz, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR nicht mehr zu halten waren, Snyder setzt sich mit dieser Frage aber auch nicht auseinander. Er erwähnt nur z.B. (S. 406), dass solche Zahlen anfangs aus eher innenpolitischen Gründen (etwa, um die polnischen und die jüdischen Opferzahlen einander anzugleichen) manipuliert wurden und beklagt die Tatsache, dass “wenn man Geschichte entfernt, die Zahlen steigen … auf unsere Gefahr hin” [when history is removed, numbers go upward … to all of our peril].

Am Ende seines Buches sagt Snyder, er habe versucht, eine bloße Leichenzählung zu vermeiden und jedem der Toten das Recht auf ein individuelles Leben zu verleihen; das ist natürlich lobenswert, für eine kritische Analyse durch einen Historiker aber eigentlich zu wenig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2014
Als sehr angenehme Alternative zum Buch finde ich dieses Hörbuch, auch wenn der Inhalt nicht wirklich als angenehm zu betiteln ist. Es sollte mehr Hörbücher dieser Art geben.
Dass Bloodlands eine Klasse für sich in der Literatur zur Belastung und systematischen Vernichtung der Bewohner des heutigen Polens, der Ukraine und angrenzender Länder ist, sollte klar sein. Es ist eine Aufarbeitungsleistung, wie sie lange ausstand und für Länder wie das Franco-Spanien noch aussteht. Umso wichtiger ist es, dass diese Aufarbeitung so breit wie möglich erfolgt und sich eine regen Diskussion stellt. Das Hörbuch ist ein Medium dem die Zukunft gehört, was Massenwirksamkeit, Konsummöglichkeit aber auch auch Absatzmöglichkeit angeht. Dies sollten sich Fachbuchverlage und Bildungsinstitutionen bewusst machen und danach handeln.
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am 14. April 2015
Bloodlands von Snyder ist eines der am häufigsten erwähnten Bücher in meinem Freundeskreis, wenn es um die Geschichte und das Schicksal der Menschen und Länder in Zentral-und Osteuropa zwischen den 1930er-1950ern geht. Aus gutem Grund, wie ich nun mittlerweile festhalten kann.

Snyder liefert im eigentlichen Sinne keine neuen Fakten oder Daten, dennoch bleibt man nach der Lektüre des Buches mit einer Vielzahl "neuer" Erkenntnisse zurück. Wer sich ein wenig mit Geschichte der Region, die die Bloodlands bilden (grob überschlagen Polen, Ukraine, Weißrussland sowie die baltischen Staaten) auskennt, dazu vielleicht zum Stalinismus, zum Dritten Reich, zum Holocaust oder allgemeiner zum 2. WK insbesondere in Osteuropa gelesen hat, dem wird vieles recht bekannt vorkommen. Das Leiden der Bauern und einfachen Bevölkerungsschichten während der 1930er insbesondere in der Ukraine, später dann die geistige und wissenschaftliche Enthauptung der Länder durch die Nazis und Sowjets (etwa in Katyn) und der damit einhergehende weitestgehende Verlust eines großen Teils der Elite in diesen Ländern. Das dreifache Leiden der Menschen im Baltikum nach sowjetischer, dann deutscher, dann erneut sowjetischer Besetzung.

Snyder schafft es allerdings wie nur wenige Autoren das Leiden dieser Menschen und Länder nicht isoliert, sondern im Zusammenhang und wechselseitigen "Zusammenspiel" der Aktionen der Nazis und Sowjets darzustellen; aufzuzeigen, dass jede Entscheidung, gleichwohl oftmals logisch und erforderlich, dennoch einem Todesurteil nach dem Wechsel der Besatzung bedeuten konnte (etwa wenn jemand aus Sorge um die eigene Familie mit den Nazis kollaboriert und nach dem Rückzug dieser und dem Einmarsch der Sowjets plötzlich als Faschist unmittelbar zu den erklärten Feinden der Sowjets gehört).

Man kann vielleicht kritisieren, dass Snyders Beschreibungen des Elends und Terrors, welchem die Menschen ausgesetzt waren, fast zu bildhaft sind. Sicherlich sind Verweise auf Kannibalismus, Massenvergewaltigungen und Verbrennungen bei lebendigem Leibe, als dokumentierte Folgen und Ereignisse in diesem Krieg zwischen zwei totalitären Regimen, angebracht und gerechtfertigt, dennoch gab es Momente in denen ich das Buch zur Seite legen musste um kurz durchzuatmen . Aber dies sehe ich nicht als Mangel an, vielleicht sogar als Anzeichen dessen, dass hier nichts geschönt oder ausgespart wird.

Handwerklich erscheint mir Snyders Werk sehr solide und sprachlich ist es auch für Nicht-Muttersprachler sehr leicht zu lesen, da der Autor, vielleicht um dem Geschriebenen noch mehr Gewicht zu verleihen, fast vollständig auf Ausschmückungen oder kompliziertes Vokabular verzichtet.

Sicherlich ist Bloodlands keine schöne oder angenehme Lektüre, aber eine ungemein wichtige auf alle Fälle. Wer die Bloodlands verstehen will, der muss ihre Geschichte kennen. Absolut empfehlenswert.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Mai 2014
...begreifen möchte, der sollte sich dieses Buch besorgen. Wir haben immer die Toten infolge der fürchterlichen Kriege des 20. Jahrhunderts vor Augen, dass aber zwischen den beiden Weltkriegen Millionen Menschen in der Ukraine verhungerten, weil Stalin in den Fünfjahresplänen den dortigen Bauern Erntequoten abverlangte, die diese nicht erbringen konnten, ist kaum bekannt (oder will man nicht zur Kenntnis nehmen?) In der Schule erfuhren wir über die Ulkraine, dass sie besonders fruchtbare "Schwarzerde" habe und die Kornkammer Europas sei – Überreste der Nazi-Popaganda? Lebensraum im Osten? –, nichts aber über die Millionen Toten. Denn die dortigen Bauern mussten oft auch noch ihr Saatgetreide abliefern, um den abverlangten Quoten näher zu kommen, doch ohne das Saatgut konnten sie nicht säen, hatten so im Folgejahr erst recht nichts mehr und verhungerten. Wie gesagt: Es geht hier um Millonen von Opfern. Parteikader haben den Bauern, die zu wenig lieferten, oft Boykott und Sabotage unterstellt und sie deshalb erschossen oder in den Gulag geschickt. Stalin sah sich umrungen von Feinden im Innern, typisch für Diktaturen, und wer – oft nur durch Kleinigkeiten – in Ungnade fiel wurde erschossen ... Und trotzdem ist Stalin noch für viele ein Held, völlig unverständlich. Oder den anderen großen Massenmörder Hitler, der sich im Pakt mit Stalin 1939 Polen aufgeteilt hatte, sodass im Oktober 1939 Polen praktisch aufgehört hatte zu existieren. Von der von ihm und seiner Wehrmacht und SS angezettelten Massentötungsmaschinerie ganz zu schweigen ... Eine Lektüre, die an die Nieren geht!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Oktober 2013
Timothy Snyder setzt die Brutalität des Faschismus und des Kommunismus in einen Zusammenhang... chronologisch genau und umfassend beschreibt er die Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jhd. in seinem Buch... eigentlich geschah da unbemerkt von der Welt ein 3. Weltkrieg... brutal und unausweichlich!

Überraschend ist, dass vieles, was bisher als bekannt galt... in Wahrheit offensichtlich ganz anders war... Golodomor in der Ukraine und Russland, der Spanische Bürgerkrieg... Timothy regt zum Denken an...
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1 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. November 2011
Eine extrem wichtige Arbeit - befasst sie sich doch konspektiv mit den wesentlichsten Teilen der Gesamttragödie im 20. Jahrhundert statt der gezielten Eingrenzung auf fürchterliche, aber immer nur unzusammenhängende Einzelgeschehnisse.
Grundlegendes ist hier begonnen, womit Spätere sich werden auseinandersetzen müssen, um fortzufahren.
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