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am 5. März 2012
Eigentlich ist Nader ein wunderbarer Ehemann. Eigentlich hat ihn Simin immer noch ganz gern. Eigentlich empfinden beide noch eine tiefe Zuneigung füreinander. Und trotzdem sitzt das zänkische Paar nach 14 Jahren Ehe nun vor dem Scheidungsrichter und streitet sich bis aufs Messer. Der Grund für das Zerwürfnis liegt eben nicht wie bei normalen Trennungen in einem Erkalten der Liebe verborgen, sondern in den widrigen Lebensumständen, denen die Ehe permanent ausgesetzt ist. Simins Antrag auf ein Visum wurde bewilligt, sodass sie nun den Iran verlassen will, um ihrer Tochter Termeh eine bessere Zukunft zu bieten. Nader weigert sich jedoch mitzukommen, denn er hängt an seiner Heimat und macht sich Sorgen um seinen hilfebedürftigen Vater, der an Alzheimer erkrankt ist und ohne fremde Unterstützung nicht mehr leben kann. Nachdem Simin mit Sack und Pack die eheliche Wohnung verlassen hat, stellt sie ihrer Familie die Haushälterin Razieh zur Seite, die im fünften Monat schwanger ist. Sie soll dem Sturkopf bei der Pflege seines Vaters und der Erziehung von Termeh helfen, die vorerst bei Nader bleiben möchte. Doch Razieh ist mit dieser Situation heillos überfordert. In einem Moment der Unachtsamkeit entwischt ihr der demente Greis auf die Straße, wo Razieh in ihrer Aufgeregtheit von einem Auto angefahren wird. Als Nader am Tag darauf seinen Vater ohne die notwendige künstliche Beatmung bewusstlos neben dem Bett vorfindet, kommt es zur Katastrophe. Nach einem handfesten Streit wirft er die widerspenstige Haushälterin etwas rustikal aus der Wohnung. An der Seite ihres hochverschuldeten Gatten Hodjat macht Razieh kurze Zeit später den verzweifelten Nader dafür verantwortlich, dass sie eine Fehlgeburt erlitten hat. Weil ein fünf Monate alter Fötus laut Koran als vollwertiger Mensch gilt, verklagen sie Nader wegen Totschlags, bedrohen seine Tochter und erpressen Blutgeld. Nader beteuert jedoch seine Unschuld. Simin steht ihm noch einmal loyal zur Seite, fordert dabei aber das alleinige Sorgerecht für Termeh ein.

Bei dieser tragischen Geschichte wird es am Ende nur Verlierer geben, weil sich alle handelnden Personen immer tiefer in ein labyrinthisches Dickicht aus Lügen, Missverständnissen, Halbwahrheiten, an den Haaren herbeigezogenen Anschuldigungen, haltlosen Verdächtigungen und eloquenten Rechtfertigungstaktiken verstricken. Jeder trägt sein Scherflein dazu bei, dass die Lage immer weiter eskaliert und sich die einzelnen Begebenheiten in eine verhängnisvolle Kette unglücklicher Ereignisse fügen. Wenngleich hier niemand aus niederen Motiven agiert, sondern mehr aus dem eigenen moralischen Dilemma heraus. Und auch wenn Nader und Simin zumindest zu Beginn des Films noch emotional miteinander verbunden sind, wird auch dieses Band letztendlich für immer zerschnitten sein. Was vornehmlich an Nader liegt, der ebenso wie Hodjat in einem traditionell geprägten, patriarchalischen Geschlechterbild gefangen ist und in seinem verletzten Ehrgefühl jede sich bietende Gelegenheit zum Kompromiss verstreichen lässt. Der Kitt, der beide Elternteile über weite Strecken noch zusammenhält, ist die kleine Tochter Termeh, die nicht deswegen bei ihrem Vater bleibt, weil sie ihn mehr liebt als die Mutter, sondern um die Ehe ihrer Eltern zu retten. Naders Tragik ist es, dass er das nicht sieht und stattdessen die schwere Last der Verantwortung seines törichten Tuns gleich mehrfach auf den schmalen Schultern des Mädchens ablädt. Ganz drei Mal muss die stark unter der Trennung leidende Termeh eine folgenschwere Entscheidung für Nader treffen, weil er selbst zu feige dazu ist. Bereits am Anfang steht sie vor der Wahl, wo sie leben möchte. Später darf sie bestimmen, ob Nader bei Gericht ein belastendes Geständnis einer getroffenen Falschaussage ablegen soll. Schließlich liegt es in ihren Händen, ein Treffen mit der Familie der Haushälterin zu arrangieren. Dadurch wird Termeh immer mehr zum Spielball, der zwischen den Konfliktparteien aufgerieben wird.

Dass diese hypernervösen Menschen allesamt unter dem alltäglich vorherrschenden Konformitätsdruck psychisch zusammenbrechen, hat insbesondere etwas mit den strengen Dogmen der Religion, ihrer obrigkeitsgläubigen Sozialisation und den Repressalien einer autoritären Gerichtsbarkeit zu tun, die den Beschuldigten nicht einmal einen eigenen Rechtsbeistand gewährt. Eine überzeichnende Dämonisierung des Mullah-Regimes bleibt allerdings aus. Im Gegensatz zu Marjane Satrapis "Persepolis" wird der anklagende Zeigefinger wesentlich subtiler und dezenter erhoben, wobei dieser Vergleich sowieso etwas hinkt, weil das Melodram anderen Regeln gehorcht als der Animationsfilm. Clever konstruiert wurde der Spannungsbogen, indem der Film sehr bedächtig beginnt, ehe die Dramaturgie mit jeder weiteren Wendung der Handlung stetig an Dynamik zunimmt, die Lawine langsam ins Rollen kommt und die Protagonisten in ihrer Hilflosigkeit gegenüber den unabsehbaren Folgen förmlich überrollt. Was "Nader und Simin" zu einer nüchternen und unpathetischen Parabel über jene Menschen macht, die unter die Räder einer religiös geprägten Gesellschaft geraten und sich in ihrer inneren Zerrissenheit zwischen einem Leben in Freiheit und den Wurzeln ihrer Herkunft entscheiden müssen.

Die deutsche Tonspur liegt in DD 5.1 vor. Die Persische (mit deutschen Untertiteln) dagegen nur in DD 3.0. Das Bild der DVD ist super. Als Bonusmaterial gibt es Interviews und eine Dokumentation über Regisseur Asghar Farhadi.
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... wird Teil eines komplexen Geflechtes aus Handlungen, Unterlassungen, Gesagtem und Unausgesprochenem. Zwar kann eine neue Entscheidung die ältere relativieren oder gar ablösen, völlig aus der Welt schaffen lässt sich eine einmal getroffene und in (Wort und in) die Tat umgesetzte Entscheidung aber nicht.
Die mit dem Namen der Protagonisten verbundene, titelgebende Entscheidung zur Trennung der Ehe ist schon in der Eröffungsszene des Films zu sehen. Interessanterweise sitzt der Zuschauer auf dem Platz des Richters (wie z.B. auch im Filmklassiker Rashomon) und hört sich an, warum die schöne, selbstbewusste Simin die Scheidung eingereicht hat und warum der ernste, aber einfühlsame Nader dieser nicht zustimmen will. Eigentlich will Simin das Land verlassen, um ihrer 14-jährigen Tochter Termeh eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Nader sagt, er könne seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht einfach zurücklassen. Eine Scheidung kann wegen Uneinigkeit nicht ausgesprochen werden, so zieht Simin erstmal zu ihrer Mutter, die Tochter bleibt in der Familienwohnung bei Vater und Großvater und für letzteren wird nun eine Pflegekraft eingestellt. Die schwangere Razieh hat zwar kaum Erfahrung in der Pflege, ist aber wegen der Arbeitslosigkeit ihres Mannes und der hohen Schulden dringend auf Geld angewiesen. Noch problematischer wird es, als sie sich auf Grund ihrer starken religiös-traditionellen Verwurzelung in Gewissenskonflikte verwickelt, weil sie den Großvater, der sich auch nicht mehr selbst waschen kann, körperlich berühren soll. Die Ereignisse spitzen sich weiter zu, als durch eine Unachtsamkeit und den anschließenden Streit zwischen Nader und Razieh Verletzungen geschehen.

Regisseur und Drehbuchautor Asghar Farhadi hat in seinem dritten Spielfilm die Thematik der ersten beiden Filme ("Fireworks Wednesday" und About Elly) fortgesetzt. Es geht um die Strukturen und Verflechtungen auf der zwischenmenschlichen Ebene in der gegenwärtigen iranischen Gesellschaft, aber auch Fragen von allgemeiner, internationaler Gültigkeit: Die Rolle der Frau, die Bedeutung von Religion und Tradition, die Entwicklung zu einem stärker westlich geprägten Lebensstil und die universalen Fragen, die mit Mann-Frau- und Eltern-Kind-Beziehungen zusammenhängen.
Insofern ist der 2011 mit dem Goldenen Bären der Berlinale und zwei sibernen Bären für die besten Darstellerleistungen ausgezeichnete Film "Nader und Simin" weniger die Geschichte einer Scheidung eines Ehepaares, sondern zeigt ein sich in feinen Linien verzweigtes Geflecht von Beziehungen und Haltungen der Menschen untereinander, angesichts von unterschiedlichen sozialen Hintergründen und moralischen Fragen. Wichtiger als die Dinge, die gesagt und getan werden, sind die Gesten, Blicke, Unterlassungen und Aussparungen. Oft genug sieht der Betrachter nicht, was die Figuren tun oder es werden nur Ausschnitte durch Türrahmen und Fenster gezeigt, so dass vieles im Kopf erst konstruiert werden muss. Manche entscheidende Handlung wird sogar nur rückblickend erzählt oder lediglich angedeutet. Dazu passend bleiben viele Fragen und Themen ungelöst, dies macht aber das eigentlich Faszinierende dieses sehr dichten und menschlich ungemein spannenden Filmes aus. Am Ende muss wieder eine Entscheidung getroffen werden: Die Tochter soll dem Scheidungsrichter sagen, bei welchem Elternteil sie leben will. Tameh ist erwachsener geworden in all den Verwicklungen mit den Eltern, dem Großvater und Razieh und ihrem Mann. Sie weiß nun, dass eine Entscheidung eine Fülle von Folgen hat, die das Leben völlig verändern können.

Die in den Extras enthaltenen Interviews und der kurze Bericht über die Hintergründe der Entstehung des Films sind sehr informativ, um die Arbeitsweise von Regisseur Farhadi besser zu verstehen, der bereits 2009 für seinen Film "Elly" den silbernen Bären für die beste Regie gewann und seitdem zu den bedeutendsten iranischen Regisseuren gezählt wird. Sehr sehenswert!
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am 5. Januar 2012
"Nader und Simin" erzählt die Geschichte von eben diesen beiden Personen und ihrer Tochter Termeh, die in Teheran als Familie zusammenlebten. Die Vergangenheitsform deshalb, da der Film mit dem Ende einer 14jährigen Ehe beginnt, dessen Ursachen aber weitestgehend im Dunkeln bleiben. In der gemeinsamen Wohnung lebt der an Demenz erkrante Vater Naders, um den sich die gesamte Familie in der Vergangenheit kümmerte. Simin bittet um die Scheidung. Als Grund gibt sie an, dass der Ehemann nicht mit ihr ins Ausland gehen möchte. Die Weigerung begründet er unter anderem mit dem kranken Vater. Dem Scheidungsgrund wird aufgrund fehlender triftiger Gründe nicht entsprochen. Simin zieht aus, jedoch nicht in die Welt hinaus, sondern lediglich zu ihren Eltern. Die Organisation der Pflege des Vaters bereitet Nadar Probleme und so engagiert er eine Betreuung und Haushaltshilfe. Rahzi ist schwanger. Ihr Ehemann Hodjat ist seit längerer Zeit arbeitslos und ihre kleine Tochter muss sie zu der Arbeit begleiten. Ihr Anfahrtsweg ist mühsam, sie wohnt ausserhalb der Stadt. Die Pflege des alten Mannes erweist sich als schwierig und schwer mit dem eigenen Glauben vereinbar. Trotzdem nimmt Rahzi die Herausforderung an, sie kann auch nicht anders, die Familie braucht das Geld. Nader und seine Tochter kommen eines Tages fürher nach Hause. Rahzi ist nicht da und der "Pflegefall" liegt gefesselt und verletzt in seinem abgeschlossenen Zimmer. Als Rahzi und ihre Tochter kurze Zeit später wieder auftauchen, bezichtigt Nader sie des Diebstahls und es kommt zum Streit, in dessen Folge es zu einer scheinbaren Wendung des Filmes kommt. Zwei Familien finden sich vor Gericht wieder und bezichtigen sich gegenseitig. Naders und Simins Tochter Termeh wird zunehmend zum Syptomträger gestörter Kommunikation und Interaktion und tappt von einer Beziehungsfalle in die nächste.

"Nadar und Simin" ist ein wuchtiges, zugleich feinfühliges iranisches Drama des Drehbuchautors und Regisseurs Asghar Farhadi, der mir bisher vollkommen unbekannt war. Der geschickte dramaturgische Aufbau und die sich zunehmend auswegsloser gestaltende Storyline nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, auf der er ab der Mitte schnell vergisst, dass das Ende bereits feststehen und es zurück in die eigenen vier Wände gehen könnte. Aus einer Situation heraus, die jegliche und vorstellbare Dynamik hätte erzeugen können, ergibt sich ein Netz, aus dem es mit zunehmender Spieldauer kaum ein Entrinnen zu geben scheint. Zu festgefahren und unnachgiebig scheinen die Protagonisten auf die jeweilige eigene Position zu beharren und aus dieser heraus ergeben sich folgenschwere neue und vorher unvorstellbare Situation für alle. "Nadir und Simin" ist ein Film über Beziehungen, über Kommunikation, Wahrheit und Lüge, Moral und Ethik, als auch über eine Familie im konkreten und speziellen. Eine Familie, die nicht nur zerbricht, sondern zudem versucht die gegenseitigen Argumente und Beschuldigungen die zum Scheitern führten, auf sämtliche soziale Nebenschauplätze zu verlagern. Der Untertitel "Eine Trennung" weist auf ein mögliches Beurteilungskriterium des Films hin, bei dem es schwerfällt der zunehmenden Auswegslosigkeit folgen zu können. Obwohl die Entwicklung logisch erscheint, insbesondere wenn ein Blick durch die "differenzierende Kulturbrille" möglich ist, fällt es einem schwer, Partei für einen der Protagonisten zu ergreifen. Ebenso kann jedoch auch keiner als "persona non grata" identifiziert werden. Ein perfekter Schachzug und etwas nicht all zu oft erlebtes. "Nadar und Simin" dokumentiert und inszeniert die Komplexität menschlichen Handelns auf eine sehr undogmatische und zuschreibende Art und Weise und gehört für mich zu einem der Highlights in 2011.

Lobend möchte ich auch die "angenehme Darstellung" des Landes, der Kultur und der Menschen erwähnen. Nachdem Menschen aus dem vorderasiatischen Raum in der nahen Film - Vergangenheit all zu oft das Label des "Bösewichts" in jeglicher Hinsicht aufgedrückt bekamen, halte ich es für einen notwendigen Schritt, die Stereotypen und Diskriminierungen nicht fortwährend zu reproduzieren, sondern auch auf "die andere Seite der Medaille" hinzuweisen. Asghar Farhadi muss sich meines Wissens nach nicht vorwerfen lassen, ein geschöntes Bild einer "kaputten Gesellschaft" entworfen zu haben, welches als Propaganda die Welt bereisen sollte. Was zu den Extras auf dieser DVD führt. Neben einer Dokumentation und einem Interview mit dem Regisseur, gibt es auch ein Interview mit Leila Hatami, die Simin spielt. Etwas verwundert bin ich über das Fehlen der persischen Originaltonspur auf der Amazon Produktbeschreibung. Meine Version besitzt diese nämlich.
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am 14. April 2012
Kennt ihr das ? Schon spät abends, eigentlich ist Matrazenhorchdienst angesagt.
Nur ein paar Minuten noch einen Film gucken, und dann ab ins Bett.
Und dann kann man nicht ausmachen, weil der Film einen nicht loslässt.
Wollte gestern Nacht eigentlich nur mal reinschnuppern in Nader und Simin - Eine Trennung [Blu-ray].
Und hatte dann genau das Problem, das ich nicht mehr losgekommen bin von der Glotze.
Was wie eine Familiengeschichte beginnt, die einen erst ein wenig entfernt an das Scheidungsdrama
Kramer gegen Kramer erinnert, entwickelt sich zu einer spannenden
Kriminalgeschichte (kann man es so nennen ?) über Schuld oder Unschuld.
Das man es hier mit einen iranischen Film zu tun hat, und man Einblick in
den dortigen Alltag bekommt, spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Die Handlung könnte überall spielen. Lediglich das Finale wird durch das muslimische Glaubensbekenntnis
beeinflusst.
Die Ereignisse über die nicht näher eingegangen werden sollte um den Film nicht seine Spannung zu nehmen, spitzen sich mit Ablauf der Handlung immer weiter zu.
Ein Drama der Spitzenklasse. Völlig verdienter Gewinner des Oscars in der Kathegorie
"Bester ausländischer Film". Mit das beste was ich in letzter Zeit so gesehen habe.
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TOP 1000 REZENSENTam 13. Juli 2012
Eine Alltagsgeschichte aus dem Iran: Die Eheleute Nader (Peyman Moadi) und Simin (Leila Hatami) sitzen vor dem Scheidungsreichter, sie streiten sowohl über Scheidung als auch um das Sorgerecht für die 12jährige Tochter Termeh (Sarina Farhadi). Die Familie hätte nun endlich ein Ausreisevisum, doch es läuft in 40 Tagen ab. Der Mann weigert sich mit seiner Frau ins Ausland zu gehen, die Frau fordert daher die Scheidung.
Die Gründe ihrer Haltung sind bei beiden nachvollziehbar. Nader hat noch einen alten Vater (Ali-Ashgar Shabazi), der Alzheimer hat, zu versorgen. Er will ihn nicht ins Altersheim geben. Simin dagegen stört die Enge nicht mehr aus, auch die extreme Verstocktheit ihres Mannes bringt sie in Rage. Sie sieht für ihre Tochter in allen Belangen besser Chancen im Ausland.
Als Warnschuß verlässt Simin die Familie, die Tochter möchte beim Vater bleiben.
Doch der Stress ist bereits vorprogrammiert. Nader hat auf Empfehlung seiner Frau eine junge, schwangere und Haushaltshilfe eingestellt. Ihr Name ist Razieh (Sareh Bayat), sie ist gottesfürchtig und daher in einem Tschador verhüllt, ihre kleine Tochter ist bei der Arbeit dabei.
Der Mann (Shahab Hosseini) darf von der Anstellung nichts wissen, er ist arbeitslos und hat viele Schulden.
Bereits am ersten Tag ist die Frau mit der Pflege heillos überfordert, auch religiöse Aspekte tauchen auf: Darf sie einen Mann, der an Inkontinez leidet, als gottesfürchtige Frau sauber machen ?
Doch es kommt noch schlimmer und kurze Zeit später steht Nader mit einem schlimmen Vorwurf wieder vor Gericht...
Eine ganz alltägliche Geschichte bietet der iranische Spielfilm "Nader und Dem iranischen Regisseur Asghar Farhadi gelang damit ein Welterfolg, der bei den Filmfestspielen in Berlin den Goldenen Bären gewinnen konnte und später auch als Oscarkandidat für den besten ausländischen Film vor der Konkurrenz triumphieren konnte.
Der Filmemacher schrieb sowohl das Drehbuch, übernahm die Produktion und engagierte seine eigene Tochter, die die Rolle der Termeh überragend spielt. Überhaupt wird das kleine Mädchen durch die Trennung der Eltern und dem Kriminalfall, der daraus resultiert, ganz stark gefordert.
Sehr schön herausgearbeitet ist der Alltag im Iran, denn man bekommt sehr guten Einblick in zwei iranische Familien, eine aus dem gebildeten höheren Mittelstand, die andere aus der religiösen Unterschicht.
"Nader und Simin" hat mir sehr gut gefallen, es ist einer der Filme, die 2012 herausragen.
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am 29. Januar 2012
Endlich bin auch ich in den Genuss gekommen, diesen wundervollen Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi sehen zu dürfen. Lang hat es gedauert. Der Filmemacher schrieb und produzierte auch dieses hochsensible Drama. Wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es, dass der Iran sehr gute Filme auf die Leinwand bringen kann. (Verweis auf den ebenso tollen iranischen Film The Stoning of Soraya M. (2008) von Cyrus Nowrasteh)

Odaeiye Nader az Simin war der große Gewinner der Berlinale 2011, gewann letzte Woche bei den Golden Globes 2012 in der Kategorie: "Best Foreign Language Film" und gilt auch als der sichere Oscargewinner der diesjährigen Verleihung am 26. Feburar.

Erzählt wird die Geschichte zweier iranischer Familien aus verschiedenen sozialen Schichten, die in einem moralischen Konflikt geraten. Ein Blick in die Kultur des Landes gewährt dem Zuschauer einen Einblick in die gut aufgebauten Charaktere. Aufgrund des Filmtitels lässt man den Zuschauer zunächst denken, es handle sich in erster Linie um die Trennung der Eltern von Tochter Termeh. Doch folgt man der Narration, fällt auf, dass die Konsequenzen der Entscheidungen, die anfangs im Film gemacht worden sind, die Ursache des Hauptproblems sind. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Die Figurenzeichnungen sind in diesem Film außerordentlich gut gelungen. Ich rate jedem (wie immer) den Film im Original zu sehen, da NUR in der Originalfassung (mit dt. Untertiteln) die Emotionen der Figuren signifikant hervorstechen und im Vergleich zur Synchronisation einfach wie Tag und Nacht wirken.

Alles in allem:
Wundervolles Narrationskino, in dem alle Protagonisten wunderbar ihre Rolle verkörpern. Dialogreiches, intensives Schauspiel! Odaeiye Nader az Simin ist ein herzergreifend inszenierter Film, der Menschen bewegt, fesselt und vor schwierigen Fragen im Leben stellt. Ganz großes Kino, das man nicht versäumen sollte!

Mein Prädikat: Besonders wertvoll
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am 28. Februar 2012
Das erste mal habe ich den Film in einem Kino in Teheran, Iran, gesehen. Der Saal mit 1000 Plätzen war monatelang ausverkauft. Ich habe Monate gewartet bis der Film in deutschen Kinos gezeigt wurde, damit ich ihn Freunden zeigen konnte. Dann dauerte es wieder eine halbe Ewigkeit bis der Film als DVD erschien.

Bis zum Erhalt der DVD hatte ich den Film bereits drei Mal gesehen. Es hat aber ein viertes Mal gebraucht, bis ich den Film in seiner ganzen Dimension und Aussage verstanden hatte. Neben der spannenden aber realitätsnahen Geschichte sind es viele kurze Momente in diesem Film, die die Begründung und den Hintergrund für das Handeln der Protagonisten liefern. Erst beim zweiten oder dritten Mal erkennt man erst die Wichtigkeit dieser vermeintlich unbedeutenden Bilder. Erst dann begreift man, dass kein Wort, keine Handlung in diesem Film aus der Luft gegriffen ist sondern in diesen winzigen Details begründet ist.

Gerade solche Filme, unendlich dramatisch, aber zurückhaltend erzählt erlauben es dem Zuschauer den Film ein zweites, drittes Mal zu sehen und neue Welten und Perspektiven offenbart zu bekommen.

Auf dem Bonusmaterial macht der Regisseur Asghar Farhadi seine Absicht deutlich, die wichtigsten Details dem Zuschauer nicht offensichtlich präsentieren zu wollen, sondern zurückhaltend mitlaufen zu lassen.

Der Regisseur schafft es einen monumentalen iranischen Film zu präsentieren, der zugleich oberflächlich betrachtet spannend und fesselnd ist, aber auch tiefere Einblicke in die Geschichte erlaubt.

Zu Recht verlieh man "Nader und Simin - Eine Trennung" den Goldenen Bären, den Golden Globe, den CESAR und nicht zu letzt den Oscar 2012.
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am 9. August 2012
Man sieht praktisch kein Lächeln. Abgesehen von ein bisschen Radio gibt es keine Filmmusik, außer beim Abspann, und die klingt dann falsch süßlich. Es gibt nichts Schönes und keine reinen Farben: Alles erscheint blass grau, dreckig beige, stumpf grünlich, oft etwas verwaschen-verkommen.

In dieser freudlosen Kulisse inszeniert Autor und Regisseur Asghar Farhadi ein beklemmendes, packendes Familiendrama, das einen Auslandsoscar und viele weitere Preise erhielt. Es geht um eine bevorstehende Scheidung, um Demenz in der Familie, überbordende Verschuldung, um einen tragischen Unfall mit unklarer Schuld, um nützliche Lügen. Der Film zeigt Alltagsmenschen der städtischen Mittelschicht, die oft so authentisch und natürlich wie in einer Dokumentation wirken. Ein faszinierendes, packendes, beklemmendes, wenn auch humorfreies Drama um Menschen wie Sie und ich.

Die Handlung zieht sich zu, der Konflikt verstört, Gefängnis droht, nur Lügen bieten einen Ausweg; doch die Akteure arbeiten zäh, verbissen, ernsthaft, meist ruhig an ihrer Situation - so wie sie vermutlich auch ihr tägliches Überleben im nervenzehrenden Moloch Teheran organisieren.

Ein totalitäres, anti-westlich fundamentalistisches Regime hat diesen Film genehmigt und manchmal gefördert (nicht finanziell, aber mit der Oscar-Bewerbung), manchmal kritisiert und behindert. Merkt man das? Kaum. Die Leute kämpfen mit Alltagsproblemen, versuchen die Waschmaschine in Gang zu bringen, hören CDs, tragen Jeans, lernen Englisch und verwenden innerhalb des Persischen ein paar englische Ausdrücke wie "Card". Einmal hält der Vater seine Tochter an, persische statt arabischer Ausdrücke zu verwenden, selbst wenn sie dafür Punktabzug in der Schule bekommt - eine Distanzierung von der dominierenden arabisch-islamisch geprägten Kultur; er lehnt es vor Gericht übellaunig ab, zu Gott zu schwören und seine Filmfrau sagt dem Scheidungsrichter, der Iran biete der Tochter keine Zukunft.

Polizei, Justiz und Krankenwesen wirken im Film ärmlich, aber korrekt und zugänglich - ob das realistisch ist, weiß ich nicht. Eher negativ stehen die am deutlichsten religiösen Figuren da. Nader und Simin könnte auch Parallel Cinema aus Indien sein oder ein neorealistischer Nachkriegsstreifen aus Italien.

Ein oder zweimal zeigt Farhadi Geschehnisse scheinbar vollständig, doch weit später im Film erfahren wir, dass ein wichtiges Detail ausgelassen wurde, die Situation erscheint in einem anderen Licht. Etwa zu oft sieht man die Akteure Türen durchqueren oder hinter Glasscheiben. Schön gefilmt, wirkt das DVD-Bild auch auf einem Full-HD-Beamer scharf, tief und nuanciert - passend zu einer nuanciert erzählten Geschichte. Wie Farhadi es schafft, dass wir den ganzen Abspann in arabischer (persischer) Schrift noch gespannt mit verfolgen, das ist fast schon augenzwinkernd.

Weitere Filme von Asghar Farhadi:
- Fireworks Wednesday, 2006: Ein Beziehungsdrama in Teheran, in dem viel geredet und dabei gelogen wird (anstrengend mit Untertiteln), voll überraschender Entwicklungen und zu oft wechelnder Perspektiven, immer im Malstrom Teherans, mit sehr natürlichen, menschlichen, beeindruckenden Darstellern, unruhiger als Nader und Simin, vier Sterne.
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TOP 500 REZENSENTam 22. Februar 2013
FILM (OHNE SPOILER!) Bewertung (Review):

NADER UND SIMIN ist ein mehr als beeindruckendes Stück Film. Zu Recht waren die riesigen Kinos im Iran monatelang ausverkauft. Auf die sehr authentische wirkende Geschichte gehe ich nicht näher ein denn das wurde hier schon gut und oft getan. Es ist einer der wenigen Filme die ich bestimmt 3-4 mal schauen würde und dann erst die ganze Breite und Tiefe des Films aufnehmen könnte. Und dies meine ich unabhängig von der religiösen oder weltanschaulichen Einstellung. Die Werte in dem Film sind einer spezifischen Anschauung erhaben und nur am Ende kommen muslimische Glaubenbekenntnisse mit ins Spiel. Warum auch nicht, den der Film spielt in diesem Kulturkreis und diese hier in Gänze zu diskutieren würde dem Film nicht gerecht.

Man bekommt ein gutes Verständnis des Alltags im Iran und erhält einen zarten Einblick in verschiedene Schichten der Mitte und der noch stärker religiös geprägten einfacheren Menschen. Zu Recht hat der Film den Auslandsoscar erhalten und über die schauspielerischen Ausnahmeleistungen der Protagonisten ist auch schon alles gesagt worden. Das beklemmende und packende Drama versucht sich erfolgreich an sehr komplexen Zusammenhängen zwischen religiöser Verhaftung in Tradition und Glaube und der Umsetzbarkeit auch in Ausnahmesituationen im Alltag. Wir erhalten einen authentischen Spiegel der modernen iranischen Gesellschaft, welcher aber auch auf andere Gesellschaften zu anderen Zeiten anwendbar sind.

Filmtechnisch lebt der Film von den Bildausschnitten die zum mitdenken anregen und oft nicht alles zeigen und der Betrachter muss das Fehlende im Kopf zusammenfügen. Dadurch entsteht eine hohe Identifikation mit dem Gezeigten und den handelnden Personen. Es entsteht im Laufe der Handlung eine immer größere Ausweglosigkeit mit der Situation und dennoch bleibt neben dieser inhaltlichen Wucht immer noch viel Raum für Feinfühligkeit und grandiose Details. Somit kann NADER UND SIMIN auch für solche Zeitgenossen empfohlen werden, die ein sehr einseitig geprägtes Bild des Iran und seinen Nachbarn haben. Mann sollte ihn auch an den deutschen Schulen zeigen.

4,5/5 Punkten

PRODUKT (Blu-ray/DVD) Bewertung (Review):

- BILD: 16:9 Vollbild, blasse aber satte Farben,
- TON: frontlastig, Blu-ray: DTS-HD MA 5.1, DVD: DD 5.1 (oder besser auf persisch mit dt. UT)
- EXTRAS: tolle Extras: Dokumentation, Interviews, Trailer, andere Trailer
- SONSTIGES: FSK 12 uncut, Wendecover ohne FSK Logo (ggfs. nur Teil der Erstauflage)
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am 6. Februar 2014
Ein interressanter Film, der einen kleinen Einblick auf die Lebensweise in Teheran gibt. Eine Familie im oberen Mittelstand und eine im unteren Mittelstand. Einflüsse von Religion, Stolz und Kultur der Region beeinflusst die Geschichte des Films intensiv. Es gibt für mich auch keine Kritik dazu. Alles ist auch irgendwie verständlich, wie es abläuft. Leider führen die Handlungen auch nicht mehr dorthin, wie man es wünscht oder hofft. All das bringt der Film auf den Punkt, nur ganz trocken. Ich bereue nicht, dass ich mir den Film angesehen habe. Ich brauche ihn aber nicht in meiner Sammlung. Deshalb ziehe ich ihm einen Stern ab.
Eine Sache gefiel mir allerdings nicht an diesem Film. Im Grunde war er so aufgebaut, dass er keine überraschende Wendungen hatte. Alles entstand aus der Situation heraus, was ja auch nicht negativ ist. Nur eine Sache hätte man dem Zuschauer auch zeigen können, die im Film passiert ist, und auch wahrscheinlich das größte Problem von Ehemann Nader in seiner Totschlaganklage wurde, weil es ja irgendwie zum Verlust des ungeborenen Kindes seiner Haushälterin führte. So wurde man noch etwas überrascht, als diese Sache offenbart wurde. Ich denke, es hätte nichts ausgemacht, wenn man den Zuschauer dies genau zum stattfindenden Zeitpunkt hätte wissen lassen. Vielleicht sollte man den arbeitslosen Ehemann der Haushälterin bis zur Bekanntmachung dieser Sache als Bösewicht sehen, was im Endeffekt niemand war, oder nur zeitweise irgendeiner von den dargestellten Figuren.

Meine Schulnote: 2-
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