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"Ich bekenne mich tief überzeugt, daß das deutsche Volk die politische Demokratie niemals wird lieben können, aus dem einfachen Grund, weil es die Politik selbst nicht lieben kann, und daß der vielverschrieene 'Obrigkeitsstaat' die dem deutschen Volk angemessene, zukömmliche und von ihm im Grunde gewollte Staatsform ist und bleibt" (51).

In den abschließenden beiden Jahren des Ersten Weltkrieges unterbrach Thomas Mann seine Arbeit am Zauberberg und sah sich aus aktuellem Anlass dazu berufen, seine Ansichten zu Politik, Kultur, Philosophie und dem Wesen der Deutschen zu Papier zu bringen. Auslöser war ein heftiger Streit mit seinem Bruder Heinrich, der ihn aufgrund seiner Haltung zum Krieg und zu Fragen des politischen Systems frontal angegriffen hatte. Er wird im Buch nicht namentlich genannt, sondern nur verächtlich als "Zivilisationsliterat" bezeichnet, der sich in seiner Rolle des unbeteiligten pseudo-humanitären Demokraten gefalle, jedoch vom wahren Wesen des Deutschen keine Ahnung habe. "Betrachtungen eines Unpolitischen" ist ein einzigartiges Zeitdokument des größten aller deutschen Autoren, welches aus vielen Gründen nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Bruder, beleuchtet Mann die Bedeutung seines persönlichen "Dreigestirn ewig verbundener Geister" (97) Schopenhauer, Richard Wagner und vor allem Nietzsche für sein Politik- und Kunstverständnis. Zudem unterzieht er sein bisheriges literarisches Schaffen einer kritischen Selbstanalyse, so dass sich ein umfassendes Porträt des Künstlers als nicht mehr ganz so jungen Mannes ergibt.

Im Zentrum von Manns Überlegungen steht, im Angesicht der sich anbahnenden militärischen Niederlage, die Frage nach dem Wesen der Deutschen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für das politische System und die Bedeutung der Kunst. Thomas Mann zeigt sich hier als zutiefst konservativer Mensch mit einer antidemokratischen Einstellung, der dem deutschen Volk, dem deutschen Wesen, eine privilegierte Stellung in Europa beimisst: "Denn ich hasse den Glauben an die Politik, weil er dünkelhaft, doktrinär, hartstirnig und unmenschlich macht. Ich glaube nicht an die Formel für den menschlichen Ameisenbau [...], glaube nicht an die république démocratique, sociale et universelle, glaube nicht, daß die Menschheit zum 'Glück' bestimmt ist, noch, daß sie das Glück auch nur will, - glaube nicht an den 'Glauben', sondern eher noch an die Verzweiflung, weil sie es ist, die den Weg zur Erlösung frei macht, glaube an die Demut und die Arbeit, - die Arbeit an sich selbst, als deren höchste, sittlichste, strengste und heiterste Form die Kunst mir erscheint" (536).

Später, im Angesicht der nationalsozialistischen Diktatur, bekannte sich Thomas Mann zur Demokratie als einzig mögliche Garantin zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Somit ist "Bekenntnisse eines Unpolitischen" auch als ein Dokument des Übergangs zu lesen, welches trotz seiner teils heftigen Polemik gegen die Demokratie als ein wichtiger Schritt hin zum Bekenntnis zur Demokratie zu bewerten ist.
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am 25. Juni 2011
...ein Buch. Wer sich für den Autor Thomas Mann interessiert wird um dieses Buch nicht rumkommen. Aber es ist nicht gerade die Art Buch die man Abends im Bett liest. Vielmehr sollte man sich ein wenig in der Geschichte auskennen um den Ausführungen Mann's folgen zu können. Mir persönlich hat es viel Freude bereitet dieses Buch zu lesen.
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