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am 12. Juli 2011
Seltsam. Nun sitze ich da, dienstagmorgens und schreibe eine Rezension über ein Album, das den deutschen Hip Hop verändern soll. Dabei höre ich gar keinen Hip Hop und habe keine Ahnung, inwiefern es den Hip Hop in diesem Land verändern soll. Aber irgendwie komme ich nicht drum herum.

Casper mit XoXo - ein Album, das im Vorhinein dermaßen gehypt wurde, dass man gar nicht drum herum konnte, es sich anzuhören. Man wurde so neugierig gemacht und angefixt, dass man keine Chance hatte, dem ganzen keine Chance zu geben. Egal, welche Musik man vorher gehört hat.

Ich höre im Normalfall keinen Hip Hop. Ganz im Gegenteil, ich komme eigentlich aus dem Punk und orientiere mich eher in Richtung Hardcore. Trotz allem war die Medienpräsenz des Caspers in letzer Zeit dermaßen groß, dass ich, vor allem als Fan von deutscher Lyrik und guten, intelligenten deutschen Texten in der Musik es mir nicht verkneifen konnte, "XoXo" eine Chance zu geben. Auch wenn ich im Vorhinein von "Der Druck steigt/Blut sehen" nur mäßig angetan war, ist in der vergangenen Woche mit "So Perfekt" der Knoten bei mir geplatzt. Diese "Explosions in the sky" Beats über die er da rappt. Thees Uhlmann bezeichnet "Michael X" als das beste Lied das je geschrieben wurde und widmet dem Titeltrack vielleicht den besten Refrain, der je in einem Hip Hop Lied benutzt wurde, falls ich als Laie soweit gehen darf. Die VISIONS bezeichnet den guten Mann im Vorhinein schon als Rettung des deutschen Hip Hop. Mensch, da kann man doch nicht anders. Casper. Casper. Casper. Ich bin Fan.

Deutscher Hip Hop ist ja für den Unwissenden so ein Genre, das von vielen Vorurteilen geprägt und belastet ist. Da denkt man erst an prollige Sido und Bushido Verschnitte, die über Hurensöhne und Motherfucker, Mercedes und die Straße und Drogen und Gangbang rappen. Und dann kommt dieser Casper daher, mit einer Reibeisenstimme, die so manchen gestandenen Hardcore Sänger in die Knie zwingen dürfte und befreit einen von all den Klischees und lädt ein in die leicht deprimierende aber irgendwie aufbauende Welt von "XoXo".

XoXo ist eine persönliche Platte. Sie ist verletzlich und aggressiv. Sie provoziert und regt zum Nachdenken an. Sie lässt den Druck steigen. Und sie überzeugt - Hype hin oder her. Benjamin Griffey, "der Casper der rappt" mit Hardcore Background, holt auf XoXo aus zum Schlag auf Herz und Hirn. Dabei könnte XoXo ohne Weiteres peinlich wirken, wenn über die eigene Vergangenheit mit dem Vater, über den Selbstmord eines Freundes oder eine missglückte Affäre geschrieben wird. Das tut es aber nicht, da die Texte dermaßen clever und ansprechend verpackt werden, dass man sie sich alle auf den Rücken tätowieren und sie fortan mit erhobenem Haupt durch die Welt tragen sollte. Dazu diese Stimme, die nichts peinlich wirken lässt. Nach mehrfachen Durchhören kann ich dazu sagen, dass es auf XoXo keinen Track gibt, den man wirklich skippen möchte. Auch wenn ich von "Der Druckt steigt/Blut sehen" erst nicht so angetan war, aber vielleicht liegt es einfach daran, dass ich nun mal nicht aus dem Hip Hop komme. Mittlerweile freue ich mich über jedes Lied und wundere mich jedes Mal, wie schnell die Platte wieder durchgelaufen ist.

Die Platte ist dieser eine Aufschrei der "Generation Gott ist tot", die in 48 Minuten einfach alles auf den Punkt bringt, was uns derzeit beschäftigt. Sie ist zutiefst ehrlich und nie aufgesetzt. Casper gelingt damit ein Kunststück, das so natürlich daher kommt, dass es schon beinahe weh tut. Vielleicht haben das schon viele vor ihm versucht. Falls ja, dann ist es mir nie aufgefallen. Ich weiß nichts von Hip Hop, aber ich weiß nun, dass ich Casper kenne. Und ich glaube das reicht mir.

Auf XoXo wird Casper von seiner alten Hardcore Band "Not Now Not Ever" begleitet, die die einzelnen Songs mit Beats und Melodien versorgt, die für mich die perfekte Brücke zwischen Rock, Hardcore und Rap bzw. Hip Hop schlagen. Ich fühle mich vollends wohl und aufgehoben in dieser Musik. Verstanden und respektiert. Als hätte diese Platte ein Stück Wahrheit in ihrem Kern gespeichert, nach dem wir alle suchen. Egal wie deprimierend vieles auf den ersten Hördurchgang wirkt: Scheiße nochmal, das hier spendet Hoffnung.

Aber nicht nur musikalisch wird hier eine Brücke geschlagen. Casper schafft es mühelos, Kurt Cobain, Bon Scott, TuPac und Ian Curtis rein lyrisch in einen Einklang zu bringen. Tomtes Thees Uhlmann darf den mitreißenden Refrain des Titeltracks singen. Und nebenbei zitiert er wie selbstverständlich Bands wie Jawbreaker oder sogar die deutschen Turbostaat. In diesem Moment blende ich jegliche Deutschrap Klischees von Riesengliedern und Endgegnern aus und verneige mich vor dem Künstler Casper.

XoXo ist eine Abschiedsfloskel und steht für "Hugs and Kisses". Ich kenne Caspers vorherige Discographie nur flüchtig, aber das Album klingt, als sei es ein Abgesang an frühere Zeiten, an die Unbeschwertheit der Jugend. Ein letzter Blick nach hinten, um in der Zeit dazwischen nach vorn zu schauen. "Wir liegen lachend in den Trümmern und fühlen uns frei". Diese eine Zeile klingt, als würde man seine ganze Vergangenheit mit all ihren Sorgen zerschlagen, um sich kurz frei zu fühlen und dann nach vorn zu blicken. In eine neue Zeit, in der alles "So Perfekt" sein kann, wenn man es endlich einmal zulässt.

Casper schafft mit diesem Album für mich den Soundtrack einer Generation, die in der heutigen Zeit die Orientierung verliert. Es geht ums Kämpfen, ums Aufstehen; darum, nicht Umzufallen. Es geht um Rebellion, es geht um Depression und Hoffnung. "Depression war nie tragbar aber steht uns so gut". Ich bin 19 und kenne dieses Gefühl und bin mir sicher, dass ich damit nicht allein bin. Und wenn man all den Mist der Welt in sich hereinfrisst, dann hält man trotzdem kurz inne. Atmet kurz ein und schaut sich um in all den Trümmern, die man um sich herum sieht. Und dann wird es einem klar, auch wenn die Welt heutzutage noch so kalt wirkt: "Alles wird perfekt." Egal wie "kuntergraudunkelbunt" alles wirkt: "Wir liegen lachend in den Trümmern und fühlen uns frei."

Ich dachte 2011 sei das Jahr des Hardcores und des Punks. Bei Veröffentlichungen von Bands wie "Defeater", "Touché Amoré" oder "Atlas Losing Grip" muss ich als eingefleischter Fan passen. Casper kommt mit XoXo daher und hinterlässt einen Klang im Ohr und einen Geschmack im Mund, der dich eines Besseren belehrt. Wie bereits erwähnt, XoXo schlägt eine Brücke.

2011 sind wir keine Punks und Hardcore Kids mehr.
Wir sind keine Rapper, Gangster oder Raver.

2011 sind wir alle Casper Fans - und irgendwie mag ich den Gedanken.
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TOP 50 REZENSENTam 11. Oktober 2013
Ich habe schon ein paar Semester hinter mir und Rap oder Hip Hop waren nie meine Welt. Stattdessen fuhr ich eher auf Alternative Rock ab.

Vor knapp 2 Jahren änderte sich meine Einstellung.

Mein Sohn allerdings hörte sehr gerne Rap, besonders von Musikern, deren Texte aus meiner Sicht eher grenzwertig und teilweise auch hohl klangen. Ich meine, was will mir ein Rapper damit sagen, der mir erzählt, dass er seine …. auf dem Kühlergrill …. ??? oder den Typ mit der Maske ein Loch in den Kopf schießt ??? oder sich textlich daran aufgeilt, wie toll er Drogen findet ???

Viele Eltern würden wohl dann ihren Kindern das Hören solcher Songs verbieten. Bringen tut es nichts, denn dann machen sie es heimlich. Ich überlegte mir stattdessen, ob es wirklich nur solche monotonen Raps mit stumpfsinnigen Texten gibt oder der Markt noch etwas Anspruchsvolleres zu bieten hat.

So verbrachte ich einen Tag im örtlichen Geiz ist Geil Markt und hörte einige Alben Deutschrap, Hip Hop oder das was man so nennt an und bekam auch das Album „XOXO“ von Casper in die Finger.

Als ich seine Stimme hörte, kam mir zuerst der Gedanke „Das ist doch keine Rapperstimme“. Irgendwie zogen mich die tiefsinnigen und emotionalen Texte so in den Bann, dass ich ohne groß nachzudenken das Album kaufte, um es gleich im Auto weiter zu hören. Es ist schwer, Casper in eine Schublade zu stecken. Dass sollte man am besten auch gar nicht versuchen, denn es gibt keine Schublade, wo er hineinpasst. Die Beats sind stark melodisch angehaucht und nicht vergleichbar mit denen, aus der Gangsterrap-Szene. Textlich sind alle Songs stark autobiografisch, emotional und anspruchsvoll. Auch das passt nicht ins bekannte Rap Klischee. Er ist aber auch kein Mainstream Musiker wie der Typ mit der Maske (Den ich mir aber auch ab und an anhöre).

Zu Hause schenkte ich das Album meinem Sohn mit der Bitte, es mal anzuhören. Mehr nicht. Er war sofort begeistert und nun ist er ein Fan, war schon auf einem seiner Konzerte und die Karten für das nächste Konzert 2014 sind auch schon gekauft. Natürlich habe ich „XOXO“ auch schon unzählige Male gehört. „Michael X“ mag ich besonders gerne, weil es der Song geschafft hat, mich zu Tränen zu rühren. Aber eigentlich mag ich alle Songs und kenne die meisten Texte schon auswendig.

Der Rap, den ich bis dahin kannte, ist natürlich immer noch nicht meine Welt, aber das was Casper mit „XOXO“ abgeliefert hat ist auf jeden Fall ein Teil davon geworden.
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am 18. Juni 2015
Ich will nicht sagen, dass ich ein "Musik-Kenner" bin, aber ich habe schon so einiges an Platten im Regal. Diese Platte gehört seit mehr als 3 Jahren zu meinen Favoriten. Wenn jemand Texte mit Sinn und Lyrics zum Nachdenken sucht, der ist hier richtig! Danke CAS.
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am 8. Juni 2015
Auch wenn die VÖ nun schon ein paar Jahre zurückliegt, bleibt diese Platte aktuell.
Keine Hype oder Trendunterworfene frühzeitig sterbende Musik ;)
Zeitlos, intelligente Texte, wahnsinns Instrumentals, kratzige Casper raucher stimme.
Grandios nach wie vor!
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am 13. September 2011
Das zweite Album von Casper. Zum Glück hat er das Versprechen vom ersten Album nicht wahr gemacht: "Erst wenn MTV wieder Musik spielt." So lange hätte ich auch nicht warten wollen.
Zum Album an sich: Intelligent, durchdacht, reflektiert. Eine Reise durch den Künstler Casper und den Menschen Benjamin. Durch seine Vergangenheit, seine Zukunft, durch die Höhen und Tiefen eines außergewöhnlichen Lebens. Technisch anspruchsvoll, ein Bass zum davonfliegen, musikalisch stimmig. Mit irre viel Gefühl in der Stimme auf "Michael X" und ebenso viel Hass und Frust auf "Blut sehen".
Ich freu mich aufs nächste Konzert, wenn ich diesen Ausnahmekünstler wieder auf der Bühne herumspringen sehen darf.

Spiel's nochmal, Cas.
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am 17. Dezember 2012
Casper XOXO

Pseudointerlektuelle Texte im HipHop-Bereich ist ja nun nichts unbekanntes mehr seit längerer Zeit.
Ständiger Image-Wechsel und Abweichungen bestimmten Sprachgebrauchs ist ja nun länger bekannt.

So war mir vorher Casper ein Begriff, da er zusammen mit anderen Künstlern „früher im Untergrund“
schon Musik produzierte. So hatte ich mir ihn einmal angehört und nie wieder.

Nun wie das Leben so spielt, fiel mir ein halbes Jahr später letztendlich im Radio ein Lied auf, was sich
im Gegensatz zu anderen Liedern etwas sehr gesellschaftskritisch mit bestimmten Situationen auseinandergesetzt hatte,
als die sonst immer radiotauglichen eingängigen Aussagen a la „Ich flieg flieg flieg wie ein Tiger,bin so stark stark stark wie ein Tiger“.

Und so kam es das ich mich doch schon mal etwas näher mit den Künstler Casper beschäftige und mir seine neue CD zu Gemüte tat.
Und ich muss wirklich sagen, es war überraschend. Nicht das ich erst später rausfand, das es sich um den Untergrund-Rapper handelte,
sondern so war dieses Hip-Hop Album, nicht mit Fixpunkten „Je Schlimmer die Wörter, umso besser verkauft es sich“ ausgestattet bzw.
„Je mehr Fremdwörter wir nehmen, so intelligenter sind wir“. Nein es ist eher die gezielte Verspieltheit der Worte, die mit
starken Ausdruck hervorgebracht werden, die zu überzeugen wissen.

Wenn Casper dann solche Wörter “Sind die gebändigte Bestie,wieder Stress ins Unendliche,Generation "Gott ist tot",
Die ständig vergessenen Kids,Piratsender, Stimmen im Wind,Sky is the limit, Wer weiß, wo der Himmel beginnt?“
mit klangvollen Beats herrausspricht, entsteht schon ein Gefühl von Aufruhr. Und das weiß Casper auch sich zu Nutze zu machen,
so versteht er sich mit ungewöhnlichen Grammatikstilen aussagbar zu machen. Auch redet er kaum direkt etwas an,
sondern versucht eher bestimmte Atmosphären herzustellen, um den Zuhörer selbst zum Denken zum bringen. So kann dieses Album
von Mutter und Tochter gleichzeitig als gut empfunden werden, was sonst kaum möglich war im HipHop-Bereich.

In diesen Album geht es um eins: Druck und Aufruhr. Man merkt die aufwändige Produktion, die Stimme des Sängers so gekonnt in
Szene zu setzen und den Menschen wirklich dazuzubringen, manche Sachen einfach zu hinterfragen, anstatt alles an uns runterrießeln zu lassen.

So ist diese CD zum anhören zu empfehlen bzw. hinterläßt einen motivierenden Eindruck.
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am 9. Juli 2012
XOXO bedeutet in der Internetsprache der Jugend "hugs and kisses", eine Art verkürzter Abschied also.
Der Titel ist also überaus passend gewählt, denn auch Caspers Album ist durchzogen von dem Leitmotiv "Abschied". Sei es der Abschied des zu früh gestorbenen Freundes, der Abschied von alten Regeln oder der Abschied vom alten Leben verbunden mit dem Aufbruch ins Unbekannte; alles passt.
Wie viele Andere, die diese Platte ebenfalls rezensiert haben, bin ich kein Rap-Fan. Ich komme eigentlich aus dem Indie-Bereich und bin erst sehr spät auf den Künstler aufmerksam geworden, der nicht nur die Tore des einen Genres für Menschen jeglichen Musikgeschmacks geöffnet hat, sondern ganz nebenbei - wie es scheint - sein eigenes gegründet hat. Denn die vorwiegend aus Schlagzeug und Gitarre, sowie Klavier arrangierten Perlen auf dieser CD sind gänzlich untypisch für eine Musikrichtung, die ihre Songs sonst auf computergenerierten Beats aufbaut.
Auch die Themen, die Casper auf dieser Platte anspricht, sind anders als alles zuvor gehörte. Er scheut sich nicht, offen über Depression zu sprechen - und das in einer Schönheit und Wahrhaftigkeit, die einem eine Gänsehaut beschert. Er teilt sein Leben mit jedem Hörer, der bereit ist, sich auf das Experiment "XOXO" einzulassen und dennoch gibt es keine peinlichen Momente. Seine Sprache und seine Fähigkeit, aus simplen Wörtern atemberaubende Bilder entstehen zu lassen, lassen den Hörer sich in jedem Song irgendwo wiedererkennen. Und trotzdem sind seine Songs niemals so verallgemeinert wie das Horoskop in der morgigen Tageszeitung.
Er mutiert auf dieser Platte zum Vorbild einer mutlosen Generation, deren Leben im Internet abläuft, weil die Realität zu beängstigend scheint. Er malt Bilder einer Kleinstadttristesse, dem Drang zu fliehen und den großen Zeiten der Jugend. Ob er es hören mag oder nicht; meine Generation, oder vielleicht auch nur ich, hat einen neuen Held gefunden. Dabei sage ich nicht, dass nicht auch dieser Held dunkle Seiten haben darf - im Gegenteil, sie machen ihn nur noch glaubwürdiger.
Und eben diese Glaubwürdigkeit ist es, die diese Platte so einzigartig macht. Eine ehrliche Darstellung des Lebens eines(jungen)Menschen in der heutigen Zeit; ein Porträt von uns allen.
Casper mag der Vorreiter oder Nachkömmling einer neuen Welle an talentierten Rappern sein, die Sido und Bushido langsam aus dem Blickfenster drängen und dennoch sticht er meiner Meinung am meisten heraus.
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TOP 500 REZENSENTam 13. Juli 2011
... und schon fertig mit der Welt - was einem da auf "XOXO" entgegenrollt ist weit entfernt von einer freundlichen Begrüßung. Benjamin Griffey alias Casper, keine dreißig, geboren in der ostwestfälischen Provinz nahe Bielefeld und in den USA aufgewachsen, ist also keiner, der es sich und seinen Hörern leicht machen will. Äußerlich eher Streichelzoo als Wolfsgehege und doch meint es der Junge bitter ernst - die Stimme ein einziges wütendes und gepresstes Bellen, wund gerieben im Diskurs, kein BlingBling und kein Stylegedöns, nichts für Puristen und nichts für Poser.

Auch bei der Wahl der Waffen war Casper nicht zimperlich, bedenkenlos kreuzt er den Breitwandmetal von Rammstein ("Der Druck steigt", "Blut sehen") mit Synthiegebirgen und Backroundchören Marke Polarkreis 18 ("Alaska"), von iLiketrains leiht er sich die epische Schwermut und von Dendemann den schnoddrigen Wortwitz - Berührungsängste sind nicht auszumachen. Zwischendrin noch ein paar Reminiszenzen an die eigene Vergangenheit und die guten alten Bekannten Indierock und Punk verteilt - mal läßt er die "Smiths-Platten sprechen" ("XOXO"), dann outet er sich als Fan von Distillers-Frontfrau Brody Dalle und ganz am Schluß ("Kontrolle/Schlaf") kommt auch noch Ian Curtis zu Vorbildehren, ein bunter Reigen des musikalischen Wutbürgertums.

Viel mehr als vom Ton lebt diese Platte natürlich vom Text - Casper fletscht, beißt, brennt und schreit sich die Seele aus dem Leib, seine Raps lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig und retten manchen Song, dessen Sound vielleicht etwas zu gewöhnlich geraten ist, durch den einen, den klugen Reim. Natürlich fragt man sich ab und an, ob es denn wirklich so schlimm steht um die Jugend und ihr Auskommen in diesem Lande ("Deutschland krank vor Zorn, die Kinder haben komplett den Verstand verloren"/Blut sehen), aber weil er es denn mit so viel Emphase und Leidenschaft vorbringt ist man geneigt, ihm all das glauben: den Wunsch, sich manchmal einfach wegzustehlen ("Auf und davon"), den anrührenden Schmerz um den Verlust eines Freundes ("Michael X"), das bittere Räsonieren über Männlichkeit, Vaterrolle und Selbstbehauptung ("Grizzly Lied") und die Sehnsucht danach, der Welt abhanden zu kommen ("Lila Blau"/"Kontrolle/Schlaf").

Die beiden Duette sind eher zwiespältiger Natur - Thees Uhlmann (Tomte) singt nicht, er dehnt und knödelt wieder einmal jeden einzelnen Vokal und tut so mit seiner Hälfte dem Titelsong keinen Gefallen - Marterias dunkles Brummeln in der Verliererhymne "So perfekt" hat dagegen keine schwerwiegenden Auswirkungen, das Stück bekommt auch mit ihm einen guten Dreh. Dass "Die letzte Gang der Stadt" dem Funk gehört war nicht zu erwarten, paßt aber trotzdem gut ins Bild. Ein feines Album also, ohne Angst, aber mit viel Karacho - neben Clueso sicher einer der populärsten Grenzgänger auf dem Stuttgarter Label und im Lande allgemein. mapambulo:blog.
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am 23. Januar 2012
Caspers neustes Album "XOXO", was übrigens so viel wie "Hugs & Kisses" bedeutet, wobei wohl das "O" für den "Hug" steht (Umarmung) und das "X" für Kiss, selbsterklärend, ist ein Konzeptalbum.
Nicht jeder wird mit dem eigenartigen Konzept warm: Casper rappt keine Sätze mit "wie" (Vergleiche), keine Punchlines, hier wird niemand gedisst. Wer also aus der Rap-Ecke kommt, könnte es schwer haben, an Caspers neustem Werk gefallen zu finden.
Dafür setzt er aber auf Melancholie, Aggression, Depression und Hoffnung - all das bringt er mit seiner markanten Stimme rüber. Die Texte sind exzellent geschrieben, alle Songs sind "so perfekt". Bis auf das Intro, was für mich zu viel Pathos und zu wenig Inhalt hatte.
Am besten hat mir "Das Grizzley Lied" gefallen, das mich bis auf den Refrain zutiefst beeindrucken konnte.
Lediglich der Track "Die letzte Gang der Stadt" setzt nicht derart auf Indie-Musik im Hintegrund wie der Rest des Longplayers und sorgt für ein wenig Abwechslung.

Wer also den Casper von Mittelfinger hoch/Dampfwalze/Stampf ihn ein & Co. kennt, sollte sich erst einmal in dieses Album hineinhören. Lyrisch gehört Griffey in Deutschland aber zur ersten Liga, und wer Indie-Postrock und poetischen Sprechgesang schon immer einmal zusammen erleben möchte, dem sei XOXO wärmstens empfohlen.
Mein Album des Jahres 2011.

mfG Martin

PS: Die beiden EPs "So Perfekt" und "Auf Und Davon" bieten unveröffentlichte Tracks, die nicht in das Konzept des Albums hineingepasst hätten und vor allem Benjamin Griffeys Leben als Casper und den Umgang mit seinem Erfolg thematisieren. Dazu gibt's noch Remixes und auf "Auf Und Davon" noch ein paar Lines von jedem Rapper-Kollegen Caspers.
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am 20. April 2016
als nach Casper's sehr kurzer Zeit bei Selfmade dieses Album herauskam.
Und ja, auch ich habe meinen Unmut kund getan.
Zu krass der Kontrast, selbst zu Hin Zur Sonne in meinen Augen.
Mittlerweile bin ich vom Großteil des Albums absolut überzeugt, weil ich mich auf den "neuen" Casper eingestellt habe.
Rein textlich finde ich das alles absolut okay, manchmal etwas kitschig aber nie zu viel.
Die Beats gefallen auch gut und stimmlich ist er eh mein Fall.
Ironischerweise gefällt mir Kontrolle/Schlaf so gar nicht, welches in der Studio Session noch mein Favorit war, wohingegen mir "So Perfekt" mittlerweile sehr gut taugt, bei dem ich zuvor immer abgeschaltet habe, weil ich es zu anbiedernd fand.
So ist das bei langwirkenden Alben...
Insgesamt ein gutes Album aber kein perfektes, dazu fehlen mir dann doch ein paar Rapparts und ein klareres, stimmigeres Konzept, wie kurz danach bei "Hinterland".
Deswegen 4 gute Sterne.
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