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am 30. September 2011
"Grace for Drowning", das zweite Solowerk des Porcupine Tree-Masterminds und Tausendsassas Steven Wilson ist definitiv zur falschen Zeit erschienen. In einer Phase, in der sich die Hörerschaft inzwischen gespalten hat in Wilson-Verehrer und Wilson-Hater.
Dementsprechend fallen die Reviews aus: wenig objektiv, entweder himmelhochjauchzend oder zutiefst sarkastisch.

Ich oute mich an dieser Stelle als Wilson-Lover, die fünf Sterne für "Grace for Drowning" sind somit keine Besonderheit... oder?
Mitnichten.
Eine kreative Sackgasse war auf den letzten Outputs des Songwriters deutlich spürbar. "The Incident" bewegte sich zwischen proggiger Rafinesse und stumpfer Ideenlosigkeit, "Welcome to my DNA" von Blackfield verschwand ebenfalls schnell wieder im Regal und "Insurgentes", das erste Album unter seinem eigenen Namen, war zwar experimentell und weitaus spannender als die aktuelle Richtung von Porcupine Tree, erstickte die schönen und interessanten Momente leider zu häufig im Drone-Noise-Sumpf.

Zumindest gab es da ein Lied - "No Twilight within the Courts of the Sun" - welches so überraschend aus "Insurgentes" mit seinem King-Crimson-Gedächtnisriff herausragte, dass jeder geneigte Prog-Hörer verzückt die Augenbraue hob. Da war es wieder, das Genie Wilson.
Und da grinst er wieder, der Fanboy.

"Grace for Drowning" stieß nicht nur bei Kost-Verächtern auf Ignoranz, auch in der Fanbasis war die Erwartungshaltung auf null gesunken. Es war völlig egal, was kommen würde, denn letztlich käme man sowieso wieder auf "Lightbulb Sun" und "Returning Jesus" zurück. Genau diese Einstellung dürfte bei vielen Hörern dafür sorgen, beim ersten Durchgang von "Grace for Drowning" mit einer offenen Klappe dazusitzen. "Fear of a Blank Planet", schön und gut. "Blackfield II", ganz nett. Aber hey: Seit wann hat Wilson nicht mehr so berührende Pink-Floyd-Balladen im Stile von "Deform to Form a Star" geschrieben? Und ist "Raider II" nicht auch irgendwie "Anesthetize" auf Speed, völlig bekloppt und wesentlich mutiger als nur eine Reihe von Metal-Riffs? Ist "Postcard" nicht besser als alles, was wir auf der letzten Blackfield zu hören bekamen?
Man versteht schnell, warum Steven Wilson mehr als ein Jahr gebraucht hat, um "Grace for Drowning" auf die Beine zu stellen. Nicht nur die unzähligen Gastmusiker - darunter so nahmhafte Persönlichkeiten wie Jordan Rudess (Dream Theater), Trey Gunn, Pat Mastelotto, Tony Levin (alle drei King Crimson), Theo Travis (Quasi Stamm-Flötist bei No-man & Porcupine Tree) und Ex-Genesis Gitarrist Steve Hackett -, sondern auch das detailverliebte Arrangement und das ausgeklügelte Songwriting wissen von monatelanger Arbeit zu berichten.

In anderen Reviews wird oft und gerne behauptet, die Musik brauche ihre "Zeit". Ich halte dieses Argument für unsinnig, natürlich muss der Hörer ein Album öfter auflegen, um alle Facetten zu entdecken. Diese Vorgehensweise ist allerdings nicht mit "Schönhören" zu verwechseln. Wenn man beim ersten Durchlauf nicht schon das Gefühl von "etwas Großem" hat, das über einen gerollt ist, so sehe ich auch keine Hoffnung für weitere Rotationen.
"Grace for Drowning" ist kein schweres Album. Sicher laufen das jazzlastige "Sectarian", das geniale "Remainder the Black Dog" und das düster-kryptische Epos "Raider II" nicht so leicht ins Ohr wie vermeintliche Pop/Rock-Songs. Doch der Sound ist faszinierend. Da wird man gepackt, mitgenommen. Und mit "Deform to Form a Star", "Like Dust I have cleared from my Eyes" oder "Belle de Jour" gibt es genug melodiösen Stoff, der sich nebenbei angenehm konsumieren lässt. Als Wilson-Fan wird man sowieso für alle Rückschläge in den letzten Jahren mehr als entschädigt. Selbst das kleine, aber feine "Belle de Jour" ist kein Füller, sondern vollwertiges Songmaterial, das ähnlich wie der Titelsong, "Raider Prelude" und "Track One" mit Atmosphäre spielt. Das ist der Bereich, den Wilson immer noch am besten beherrscht.

In meinen Augen liefert der Mastermind ein enigmatisches, vielfältiges und hochwertiges Album ab, das Schlenkerer wie "The Incident" schnell vergeben macht. Zwei CDs mögen für den einen oder anderen erschlagend viel Musik auf einmal sein, doch Wilson stopft unsere Ohren nicht penetrant mit seinen Ideen voll. Er lässt seiner Musik endlich wieder Raum zum Atmen, er bietet viel Platz für Improvisation - Live sicher eine interessante Erfahrung.

Musik bleibt Geschmackssache, wer es nicht hören will, wird von niemandem gezwungen. Aber wer entweder mit Haut und Haaren den Projekten von Steven Wilson verfallen ist oder einfach nur nach gut gemachter, innovativer Musik sucht, wird zumindest auf "Grace for Drowning" fündig. Es ist ein Jahr der Extreme - extrem viele, neue Alben, im extrem engen Zeitrahmen, mit einem extrem schlechten Flop (Morbid Angel) und einigen extrem guten Alben (darunter die neue Textures, Arch/Matheos, Protest the Hero und Dream Theater).
In dieser Flut von Releases stellt "Grace for Drowning" das definitive Highlight im Artrock-Sektor dar.

PS: An die "Haters": seid doch nicht immer so... gemein. Die Leute haben eben ihren Spaß an einem barfüßigen Freak, der in letzter Zeit seinen Rasierapparat nicht findet, aber offensichtlich geniale Musik macht.
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am 6. November 2013
Wie konnte ich diesen Steven Wilson nur über all die Jahre übersehen? Lag es an der "Mucker-Mentalität" in der Produktion von so einigen Porcupine Tree-Sachen, dem - für meinen Geschmack - zu prätentiösen Schlagzeug-"Show-Off", dem drahtig-modernen Aktiv-Bass-Sound oder der allgemeinen "Prog-Attitüde", die ich seit den 80er-Jahren zunehmend ablehnte? Da schloss ich mich dann schon lieber der - ach so integren - Indie-Gemeinde an. Man sollte es halt tunlichst vermeiden, in Schubladen zu denken. Habe ich doch gerade in dieser Zeit selbst Musik gemacht, die der von Steven Wilson z.T. gar nicht so unähnlich war. Wie dem auch sei, seit Grace For Drowning habe ich gecheckt, dass es sich bei ihm nicht um irgendeinen von vielen handelt, sondern um einen außergewöhnlich kreativen, begabten und produktiven Musiker, der all das hat, was man den ganz Großen des Rock-Universums zuschreibt. Ein gutes Zeichen dabei ist auch, dass er immer unkommerzieller wird und immer mehr an seinem ganz eigenen Stil bastelt. Die vermeintlichen Radio-Hits hat er schon vor 10 Jahren gemacht. Songs wie etwa Lazarus (auf Deadwing von Porcupine Tree) oder Trains (auf In Absentia von PT) hätten es verdient, von internationalen Radiosendern rauf und runter gespielt zu werden. Aber so ist es nicht gekommen, und Steven Wilson's Musik wurde immer sperriger und verschrobener, um auf Grace For Drowning einen (vorläufigen?) Höhepunkt zu erreichen, bei dem er viele Stränge seiner musikalischen Webearbeit zusammenführt. Beim Opener und Titelstück macht er seinem Nachnamen (ich denke an den unübertroffenen Harmoniegesang der Beach-Boys-Wilsons) alle Ehre. Danach folgen drei Stücke, die jedes King Crimson-, Pink Floyd- oder Genesis-Album in den schönsten Farben geschmückt hätten. Und dann kommt, wie aus heiterem Himmel, plötzlich diese Pop-Perle Postcard; eine der schönsten Balladen der letzten 30 Jahre. Kein Zweifel: Wilson ist eines der musikalischen Genies unserer Zeit. Seit über 20 Jahren liefert er immer wieder hochqualitatives Material ab und wird immer interessanter, um nicht zu sagen besser. In der britischen Progressive-Szene ist er längst etabliert, als ihm von King Crimson diverse Alben und von Jethro Tull das epochale Aqualung zum Remix anvertraut wurden. Neulich habe ich im Kino den Trailer von Pompeij gesehen, der vom Titelsong des aktuellen Wilson-Albums, The Raven That Refused To Sing, untermalt wurde. Dieses Album stieg bei Veröffentlichung übrigens auf Platz 3 der deutschen Albumcharts ein. Es tut sich was, auf jeden Fall wäre es ihm zu wünschen, von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Er hätte es wirklich verdient, denn von solchen musikalischen Giganten, von diesen Musiknerds und Musikbesessenen, die ohne Unterlass ein Ding nach dem anderen raushauen, gibt es nur ganz wenige. Steven Wilson ist definitiv einer von IHNEN. Man darf gespannt sein, was dem noch alles einfällt ...
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am 13. Dezember 2011
Ich wills möglichst kurz machen: "Grace for Drowning" hat mich einfach gepackt. Wundervolle Songstrukturen, die dem Hörer viel abverlangen, aber noch mehr zurückgeben; das von einigen Rezensenten bemängelte Raider II ist zugegebenermaßen sehr speziell, aber hey, das ist ein Song von vielen, und ich bin gespannt, ob er mir nicht doch noch ans Herz wächst. Denn "Grace For Drowning" ist einer dieser seltenen Schätze, die mit jedem Hördurchgang wachsen und immer neue Highlights hervorbringen.
Das Album klingt typisch nach Steven Wilson, daher dürften auch Fans von Porcupine Tree voll auf ihre Kosten kommen. Es geht ähnlich komplex, aber ein gutes Stückchen ruhiger zu.
Mein persönliches Highlight neben "Deform To A Star" ist auf jeden Fall "Remainder The Black Dog" - da hat der gute Steven Wilson beim Komponieren wohl ein paar Runden Doom gezockt und unbewusst den Soundtrack verarbeitet. ;-)
Die musikalische Bandbreite auf "Grace for Drowning" ist enorm, das Songwriting anspruchsvoll und trotzdem nicht verschwurbelt - spitze!
Außerdem habe ich selten ein Album erlebt, bei dem die 30-Sekunden-Probeschnipsel von Amazon die Stimmung so gut wiedergeben. Wem die Ausschnitte gefallen, der wird auch beim Hören des Gesamtwerks keine böse Überraschung erleben. Und wenn jemand mit zwei oder drei der Songs nicht klarkommt, kann er sie auch einfach aus seiner Playlist schmeißen und sich am üppigen Rest erfreuen.

*EDIT*
Nach so langer Zeit ein kleines Update, weil ich gerade eher zufällig nochmal über meine Rezension gestolpert bin: Raider II ist ein großartiges Stück. Wenn es eins gibt, das definitiv in der Playlist verbleiben muss, dann dieses! :-)
Zugegeben: es geht schwer ins Ohr. Es ist urgewaltig, bedrohlich, sperrig, dissonant, verlangt dem Hörer alles ab. Aber man wird reich belohnt, denn hinter dem finsteren Schleier verbirgt sich ein grandioses Werk: episch, komplex, mitreißend. Und stets wird man wieder aufgefangen - gleichsam zum Luftholen zeigt Raider II mitunter eine Schönheit, die im Kontrast zu den bedrückenden Passagen umso eindringlicher wirkt.

Also wie gehabt: wer's noch nicht hat, kaufen!
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am 6. Oktober 2011
Also erst einmal: Verbeugung vor Steven Wilson! Hier liegt eine geradezu unglaubliche Doppel - CD vor.
Nicht allein die Tatsache, wieviel Musik Steven derzeit produziert, ist erstaunlich, "Grace for Drowning" spielt ganz sicher in einer ganz eigenen Liga, was Komplexität und Qualität von Musik betrifft und man wird ganz sicher kaum etwas gleichartiges im Bereich "Pop" in diesem Jahr finden. Also allein schon die CD des Jahres, was musikalische Komplexität betrifft.
Aber wie klingt das? Ganz einfach: ein wenig, wie King Crimson, aber eben auch, wie Steven Wilson. Es handelt sich hier keinesfalls um eine Kopie, dazu steht zuviel Eigenes im Vordergrund.
Aber: der Einfluss von "Lizard" ist unverkennbar, vor allem, wenn man sich einmal genau die wunderbare Flöte von Theo Travis in "Raider 2" genau anhört. Mal ganz zu schweigen von dem allgemeinen übermächtigen Einfluss der Musik der frühen Crimsos auf Steven Wilson. So ist das treibende, bedrohliche " Pictures of a City " immer wieder einmal herauszuhören und der Song " Lizard " selbst besonders die Flöte und der Schluss natürlich auch.
Aber wie gesagt: Hier handelt es sich nicht um ein Plagiat, dazu ist die Musik viel zu eigen und typisch Wilson.

Ich finde es unglaublich, erstaunlich und faszinierend zugleich, dass es 2011 jemanden gibt, der diese Art von Musik macht: unbequem, treibend, komplex und genial, offensichtlich nicht darauf bedacht, die Charts zu stürmen. Jemand, der versucht, Pop und Jazz zu verbinden, im Grunde ein Fusion Musiker, der es aber schafft, heutige und ganz eigene Elemente in diese Musik zu integrieren, wie zum Beispiel bei "Sectarian".
Angenehm fällt mir bei " Grace for drowning " auf, dass Steven Wilson auf die von ihm oft bevorzugten Hardrockriffs zu meist verzichtet, das waren Elemente, die mich persönlich bei Veröffentlichungen, wie "Arriving somewhere but not here" und besonders "Anestethise" ziemlich gestört haben.
Diese Doppel CD ist ganz sicher DIE Veröffentlichung im Jahr 2011, allerdings nur für Leute, die komplizierte Musik mögen. Für die besteht allerdings Kaufpflicht!
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am 14. Dezember 2011
Ich mache es kurz, weil es schon genügend Rezensionen zu dieser außergewöhnlichen CD gibt. Nach einem knappen Monat des intensiven Hörens kann ich als großer Fan progressiver Rockmusik nur betonen, dass "Grace for Drowning" ein Meisterwerk ist. Ich weiß nicht woran es liegt, aber irgendetwas zwingt mich dieses Doppelalbum wieder und wieder abzuspielen. Vielleicht ist es die schier unglaubliche Klangvielfalt: Düsterer Elektro ("Index"), ein Chor-Intermezzo ("Raider Prelude"), warmherzige Popsongs ("Postcard", "Deform to Form a Star"), jazzig-abgefahrene 9-Minüter ("Remainder the Black Dog", "Sectarian") und vieles mehr fügt sich auf wundersame Weise homogen ins Gesamtbild ein.
Vielleicht sind es aber auch Steven Wilsons poetisch-melancholische Texte, in denen ich mich persönlich wiederentdecken kann. Sicher trägt auch Lasse Hoiles surrealitisches Artwork zum traumhaften Eindruck bei.

Auch wenn das Album (wie alles von Steven Wilson) meiner Meinung nach zu wenig Beachtung findet, bin ich mir sicher, dass es zumindest in meiner Plattensammlung zu einem Klassiker heranreifen wird.
Sollten Sie sich für den kaum günstigeren MP3-Download des Albums entscheiden, sorgen Sie am besten dafür dass Mr. Wilson das nie erfährt ;-)
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am 30. September 2011
Mein absoluter Lieblingsmusiker hat erneut zugeschlagen.Für mich nicht mehr nachvollziehbar ist die qualitativ hochwertige Veröffentlichungsflut mit Porcupine Tree,Blackfield und wie in diesem Fall persönlichen Projekten.
Nach dem Solodebüt vor ein Paar Jahren,welches Porcupine-Tree affine Rocksongs mit allerlei experimentellen Elektronik,Ambient sowie Noise-einflüssen verwob,hier nun Nachschlag für all die Jünger in Form eines Doppelalbums.
Steven taucht ein in seine ureigenste Welt aus melancholischen 70er-Jahre Rock und verbindet dies mit allerhand Beiwerk,welches die musikalische Offenheit eines der begnadetsten Musiker der Neuzeit nur untermauert.
Wo andere alte Progrock-Strukturen wiederkauen,spinnt Wilson diesen Faden weiter,mixt moderne Electronica bei,lässt avantgardistisch angehaucht bombastische Parts anschwellen,nur um in Bruchteilen einer Sekunde in schwelgerischen Parts zu versinken,die z.B. wie im genialen "deform to form a star" nur zum niederknien sind.
Das sind dann wieder diese typischen Wilson-Gänsehaut Refrains bzw. Parts,wo man nur ehrfürchtig und gleichzeitig glücklich und traurig innehält.Das schafft wie immer Bilder vor dem geistigen Auge,da Steven es schafft,diesen hohen Grad an glaubhafter Emotionalität mit einer Professionalität und produktionstechnischer Abgeklärtheit zu verbinden,welche letztlich konkurrenzlos bleibt. Da gibts aktuell nichts vergleichbares,kann man letzlich nur kritisch innerhalb der eigenen Wilson-Veroffentlichungen konkurrieren. Und da schneidet dieser Opus nach den wie ich persönlich finde eher "nur" sehr guten letzten Blackfield bzw. Porcupine Tree-Alben ausgezeichnet ab,findet Steven hier doch die perfekte Balance all seiner Projekte wie No-Man(das ruhig elegische),sperrige Früh 70er progressive Parts mit der PT-typischen Melodielastigkeit,nur noch überthront mit dieser so speziell ergreifenden Verletzlichkeit.
Songlängetechnisch ist Progtypisch von kurzen Intermezzis bis zum 23 Minüter alles bei,wobei hier nicht auf pure elegische Parts,sondern mehr der Experimentiergeist mit vielen Stimmungswechseln ausgelotet wird.Diese Platte wird viele Durchläufe benötigen,um sie in Gänze über die vollen 83min zu erfassen,aber darum geht es ja auch bei solcherlei Musik.
Komisch,das ich bei dieser Musik immer das Bedürfnis habe,diese in Ruhe,am besten im Dunklen,im Auto oder unter Kopfhörer sich entfalten zu lassen,da diese räumlich,hallige Art der Produktion regelrecht nach einem intimen,intensiven Hörgenuss verlangt.
Die offen dargelegte Angreifbarkeit in seiner Stimme,den Arrangements...das darf durch Nebenherhören nicht verstümmelt werden. Wobei gerade der experimentelle Charakter dieser CD zum intensiven Hören zwingt,ist hier doch nicht alles auf Harmonie gebürstet,sondern immer wieder mit Sperrigkeit durchzogen.
Auch interessant,dass viele Parts an die neue Opeth(Brüder im Geiste)erinnern,da darf man sich schon auf das bald erscheinende Projekt mit M.Akerfeldt freuen.
Soundtechnisch ist natürlich für alle Kopfkino-Fanatiker,die eventuell auch ein gutes 5.1. System ihr eigen nennen,alles perfektionistisch wie eh und je zubereitet.dann vollen Genuss an alle Fans.
Man sieht sich auf den kommenden Live-Events zu dieser Platte. Absolute Kaufempfehlung!
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am 11. Oktober 2011
Steven Wilsons zweites Soloalbum unter eigenem Namen >Grace for Drowning< klettert mit großartiger Cover- und Bookletgestaltung im üblichen Glover/Hoile Stil aus dem Briefkasten, sehr ästhetisch wenn auch Geschmackssache. Schon hier zeigt sich ein starker Zusammenhang zu Insurgentes, Wilsons 2009 erschienenem ersten Soloalbum.

Der erste Höreindruck war zunächst unübersichtlich, für ein Werk Steven Wilsons erscheint Grace for Drowning auf den ersten Blick ungewöhnlich unstrukturiert, wenn auch auf der intuitiven Ebene sehr schön und emotional sehr ansprechend. Stilistisch fusionieren die Jazz-Einflüsse des frühen Prog (hier zeigt sich jahrelanges King Crimson remixen) mit neo-romantischen Chor-Arrangements, filigranen Art-Rock Passagen und der Faszination mit Industrial und Noise die sich schon auf The Incident und Insurgentes zeigt. Einige instrumentale Teile erinnern an Vertreter der klassischen Minimal Music wie Arvo Pärt und Philip Glass.

Nach mehrmaligem Hören erschließt sich mir die Platte besser und besser. Wilsons Talent für lange, flache Spannungsbögen scheint mit seiner Vorliebe für kontrastreiche Strukturen und gigantischen Dynamikumfang in Konflikt, verbindet sich aber auf diesem Album ungewöhnlich gut. Das Ergebnis klingt gerade bei allem Genre-Widerspruch eben doch nach einer künstlerischen Einheit und, vor allem was die Schönheit der Melodien und Soundscapes angeht, unmisverständlich nach Steven Wilson. Die Kohärenz des Albums ergibt sich in erster Linie aus der Tongestaltung, den Texturen und der für Wilson typischen Verarbeitung von Stimmen und Gitarren.

Textlich ist Grace for Drowning Welten entfernt von der intuitiven Gestaltung von Insurgentes (und wie ich finde überlegen) aber dennoch nicht so konkret wie man es von Porcupine Tree gewöhnt ist.

Trotz der Gemeinsamkeiten mit anderen SW-Projekten ist Grace for Drowning ein selbstständiges Werk. Das Album erfordert Arbeit und Hartnäckigkeit vom Zuhörer und wird sich sicher nicht jedem eingefleischten Fan erschließen, es ist den Aufwand aber in jedem Fall wert. Um das Album in den Kontext zu rücken, empfiehlt sich eine Gegenüberstellung mit Opeth's Heritage.
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am 2. Oktober 2011
Wie oft habe ich mir in den vergangenen Wochen und Monaten die Hörbeispiele dieses Albums angehört - immer und immer wieder sah ich mir die Videos zu "Track One", "Index" und "Remainder the Black Dog" an. Und wie oft habe ich sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet, an dem das neue Studio-Album meines absoluten Lieblingskünstlers erscheint...
Und das nicht umsonst. Schon die einzelnen Hörbeispiele, die wenigen Momente, die vor der Veröffentlichung zu finden waren, tragen eine Genialität in sich, die man in anderen musikalischen Versatzstücken der heutigen Zeit vergebens sucht. Die Videos wirken im Zusammenspiel mit der Musik so abstrakt, dass man sie wieder und wieder ansehen kann, obwohl sich einem auch nach dem fünften Ansehen nicht unbedingt ein Sinn erschließt. Aber gerade das ist es, was den Reiz an Steven Wilson ausmacht - und für mich schon immer ausgemacht hat.
Ich bin zudem anderer Meinung als ein Teil meiner Vorredner - ich bin seit gut zwei Jahren großer Fan der letzten 20 Jahren Wilsons musikalischer Wege. Grade das aktuelle Porcupine Tree Stück "The Incident" zählt zu einem meiner Lieblingsalben überhaupt. Auch "Insurgents", das viele aus meinem Umfeld nicht mehr anhören konnten, gefiel mir mit jedem Hören mehr und mehr. Und dennoch bin ich der festen Meinung, dass "Grace for Drowning" der Höhepunkt Wilsons bisheriger Laufbahn ist.
Ich möchte hier kurz auf die einzelnen Songs eingehen, da dieses Album von solch einer Vielfalt zeugt, dass es mir schwer fällt, eine Prägnante Rezension über das Album zu schreiben, ohne die einzelnen Songs betrachtet zu haben:

Grace for Drowning:
Ein wunderschönes Intro führt einen perfekt in das Album hinein. Es klingt sehr melancholisch - aber gerade das macht es so wunderschön. Interessantes Detail: Im Heft ist erwähnt, dass es sich hierbei um 40 Gesangsspuren handelt.
Sectarian:
Ich frage mich immer wieder, wie Wilson es schafft, ein dermaßen dissonantes Riff schön klingen zu lassen. Der Track entwickelt zuweilen eine Kraft, die einige Metal-Bands nicht in der Form erzeugen können. Ein großartiger Improvisationsteil in der Mitte rundet dieses knapp acht-minütige Instrumental perfekt ab. Hat mich beim ersten Durchhören fasziniert und tut es auch jetzt noch.
Deform to Form a Star:
Ein wunderschöner Song, wohl Wilsons beste Ballade seit "Stop Swimming". Eine großartige Atmosphäre, die das ganze Lied wunderbar entspannend macht, perfekt abgeschlossen von einem wunderschönen Outro - welches mich wunderbar zurück in den Juli dieses Jahres zurückversetzte, da dieses das erste war, was ich von dem Album gehört habe.
No Part of Me:
Die ersten richtig elektronischen Klänge des Albums leiten diesen Song ein. Bemerkenswert hier ist der sehr lange Aufbau und die fließenden Übergange, so wird man in der Mitte des Liedes in einen sehr düsteren Teil transportiert, ohne dies sehr offensichtlich wahrzunehmen. Sehr dramatisch in der ersten Hälfte und klanglich interessant ind er zweiten Hälfte.
Postcard:
Ich hatte den selben Gedanken, wie bei "Deform to Form a Star" auch schon: Eine Wilsons bester Balladen seit "Stop Swimming". Wilson selbst erwähnte in einem Interview über das Album: 'It's almost over the top on 'Postcard'. It's almost like a Hollywood moment. Sickly sweet. That's new for me - to not be afraid of being even a little bit kitsch in a way. Because there's always a danger, when you do things like that, that people will accuse you of being pretentious, pompous, over the top. I don' care anymore.' (Steven Wilson, 2011) Aber genau dieser Teil, über den er redet, ist für mich einer der Höhepunkte des Albums. Das Lied war das letzte, was ich von einem Steven Wilson Album erwartet hätte, da er sehr radiotauglich (vielleicht bis auf den doch etwas rauen Sound) ausgefallen ist - aber er ist gleichzeitig so groß, so episch aufgezogen, dass es eins meiner Lieblingsstücke dieses Albums ist.
Raider Prelude:
Auch diesen Teil konnte man - zusammen mit dem Outro von "Deform to Form a Star" - im Juli schon anhören. Ein sehr, sehr düsteres Chorstück, lediglich später noch mit Klaviereinsatz. Ein großartiges Stück, das mit dem später folgenden "Raider II" noch genialer dasteht.
Remainder the Black Dog:
Den Song kenne ich schon länger, da man ihn mit der Anmeldung für den Newsletter als Download erhalten hat. Ein großartiges Stück, gerade durch den sehr King Crimson- und jazzlastigen Mittelpart. Hat mich von Anfang an überzeugt.
Belle de Jour:
Das Intro der zweiten CD erinnert mich sehr an Filmmusik: Ein großer Pluspunkt, denn ich liebe Filmmusik. Es ist gleichermaßen bedrohlich, wie melancholisch, wie optimistisch. Diese Mischung zu kreieren, dafür beneide ich Wilson.
Index:
Bei der Preview zu diesem Song war ich anfangs etwas abgeschreckt, aber das Stück wächst bei mir mit jedem Hören - mittlerweile so weit, dass ich es als einen der Höhepunkte des Albums sehe. Die Atmosphäre dieses Stücks ist so großartig, so düster und doch auf seltsame Weise anmutig - ein Meisterstück.
Track One:
Habe ich zuerst in Verbindung mit dem Video gehört - und habe mich ziemlich erschrocken, als der plötzliche Einsatz des Mittelteils kam. Am Anfang recht düster, dann kurzzeitig sehr melodisch, dann eine Klangkulisse, die mächtig vor einem steht - und zu Ende geführt von einer wunderschönen Solopassage.
Raider II:
Ein schwieriges Stück. Wie habe ich mich auf diesen Song gefreut, ein 23-Minüter von Steven Wilson. Doch nach dem ersten Hören war ich etwas ernüchtert: So viel ist doch gar nicht passiert... Doch ich hörte es erneut, und erneut, und erneut - jedes Mal erkannte ich neue Facetten, entdeckte die Verbindung zur Prelude auf der ersten CD und bemerkte, wie genial die zweite Hälfte des Stückes ist. Sehr düster, sehr verspielt und teilweise hart und großartig, sehr theatralisch aufgezogen. Klarer Höhepunkt des Albums.
Like Dust I Have Cleared from My Eye:
Besser hätte man dieses Album nicht ausklingen lassen können. Ein sehr bewegtes, popiges Lied, eine großartige Melodie und viel Melancholie - aber immer mit der positiven Nuance, die man bei Wilson immer irgendwo findet. Nach fünf Minuten folgt das knapp drei minütige Outro des Songs und des Albums und lässt einen wunderbar aus dem Album hinauskommen. Ein großartiges musikalisches Meisterwerk findet sein Ende.

Was bleibt letztlich zu sagen? Das Album übertraf alle meine Erwartungen, die ich hatte. Es ist Steven Wilson, es hat neue sowie alte Elemente, es hat großartige Melodien, sehr düstere Passagen, viel Improvisationsmomente - ein rundum gelungenes Werk eines kreativen Meisters. Für mich die klare Nummer Eins der Veröffentlichungen dieses Jahres!
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am 10. März 2014
habe ich mich dazu aufgerafft diese CD zu kaufen.

Was soll ich sagen?

Die musikalische Meisterleistung hatte mich vom ersten Ton im Griff, betört und gefesselt.

In meinen 40 Jahren Musikleidenschaft hat mich noch nie ein Album vom ersten Ton an so gefangen genommen.

Es gibt also heutzutage doch noch Musiker, die man als Musiker bezeichnen darf - und in diesem Fall auch muss.

Von A bis Z der Hammer und absolute Liebe zum Detail.

Keine Sekunde Langeweile und ich liebe die Nähe zu King Crimson, besonders hörbar auf Raider II.

Thank you Steven
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am 27. November 2014
Wenn es BD nicht schon gäbe; spätestens für dieses Album sollte es erfunden werden. SW ist nicht nur ein 1A Musiker, seine Talente am Mischpult stehen dem in nichts nach. Wer mal wissen will, was seine Anlage zu leisten vermag, kann das mit dieser Scheibe machen. Manch edler HiFi-Laden wird sie wohl als Referenz laufen lassen, denn "Grace for Drowning" ist in jeder Hinsicht ein Ohrenschmaus.
Ursprünglich durch "The Sky Moves Sideways" wurde ich auf Porcupine Tree aufmerksam und nahm SW zuerst als anspruchsvollen Home-Recordist wahr, der die Musik machte, die Pink Floyd seit "Animals" nicht mehr machte. Es dauerte nicht lange, bis ich erkannte, dass SW und PT den Prog um wertvolle Facetten bereicherte. Mit seinem Solo-Debut "Insurrection" ging er die Wege, die nicht zu PT gepasst hätten, und legt mit "Grace..." wieder mal ein Meisterwerk hin. Woher nimmt dieser Mann nur seine Kreativität...?
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