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42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles Sachbuch - nicht nur für Historiker oder Politikwissenschaftler
Auf gut 500 Seiten schreibt Herfried Münkler in fünf Hauptkapiteln
- Nationalmythen
- Ein Kampf gegen Rom
- Preußenmythos und preußische Mythen
- Burgen und Städte
- Politische Mythen nach dem Zweiten Weltkrieg
über die deutsche Geschichte vor dem Hintergrund ihrer Mythen. Dabei identifiziert er die...
Veröffentlicht am 29. Mai 2009 von Stevo

versus
20 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Altbekanntes
Das Buch bietet einen Einblick in die wichtigsten Nationalmythen der Deutschen und ist dabei recht flüssig und gut lesbar geschrieben. Allerdings stört mich der Unterton des Autors, der alle diese Mythen madig macht und sie in die allseits bekannte Ecke stellt, frei nach dem Motto: jedes Volk hat Mythen und darf sie auch haben, nur die bösen Deutschen...
Veröffentlicht am 10. September 2011 von Amazoner


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42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles Sachbuch - nicht nur für Historiker oder Politikwissenschaftler, 29. Mai 2009
Auf gut 500 Seiten schreibt Herfried Münkler in fünf Hauptkapiteln
- Nationalmythen
- Ein Kampf gegen Rom
- Preußenmythos und preußische Mythen
- Burgen und Städte
- Politische Mythen nach dem Zweiten Weltkrieg
über die deutsche Geschichte vor dem Hintergrund ihrer Mythen. Dabei identifiziert er die Bundesrepublik zunächst als symbolarmen Staat, was in der alten westdeutschen Republik durch den Provisoriumscharakter des Grundgesetzes sowie der Bundeshauptstadt zusätzlich erleichtert wurde. Wenn es überhaupt so etwas wie Mythen gab, beschränkten sie sich auf das Wirtschaftswunder oder die Weltgeltung deutscher Produkte.
Auf diesen Vorbemerkungen aufbauend geht Münkler systematisch, intelligent und sprachlich ansprechend vor und setzt mit dem Beginn der krampfhaften Suche nach Mythen im Zuge der deutschen Nationalbewegung am Anfang des 19. Jahrhunderts ein, die vorläufig in der "Verdenkmalung" nach der Reichsgründung 1871 gipfelte.
Um einen zentralen Aspekt des Buches zu verdeutlichen, soll hier der Autor selbst zu Wort kommen:
"Unabhängig von der Frage, ob politische Mythen eine befreiende oder einengende Wirkung haben, tragen sie zur Ausgestaltung eines kollektiven Gedächtnisses bei, das für die Identität politischer Gemeinschaften von zentraler Bedeutung ist. Auf diese Weise formen sie das Selbstbild von Kollektiven, werden politisch handlungsleitend und haben orientierende Funktion."
Besonders erhellend sind Münklers anschauliche Erklärungen wie aus einfachen historischen Erzählungen (Nibelungen), historischen Personen (Barbarossa) oder literarischen Figuren (Faust) Mythen wurden.

Diesem Buch kann man nur eine große Leserschaft wünschen. Thematisch und inhaltlich hätte es das allemal verdient.
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Streifzug durch die Mythengeschichte, 2. Mai 2009
Ein Streifzug durch die deutsche Mythengeschichte, profund geschrieben und trotzdem spannend zu lesen, deshalb absolut empfehlenswert. Münkler gliedert in fünf Großkapitel: "Nationalmythen" (Barbarossa, Nibelungen, Faust), "Kampf gegen Rom" (Tacitus, Hermannschlacht, Luther, Canossa), "Preußische Mythen" (u.a. Friedrich der Große, Königin Luise, Hitlerattentat), "Burgen und Städte" (Wartburg, Weimar, Nürnberg/Dresden, Rhein) und "Politische Mythen nach dem Zweiten Weltkrieg". Interessant dabei, wie ein "mythischer Kern" im Laufe der Geschichte immer wieder umerzählt und den jeweiligen politischen Verhältnissen entsprechend neu interpretiert wurde, wie Mythen miteinander verknüpft wurden (etwa die Arminius- mit der Siegfried-Legende), in Vergessenheit gerieten und wiederbelebt wurden. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die mythentrunkene Zeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Kulminations- und Endpunkt vieler Mythengeschichten schließlich das Kriegsende 1945. Besonders spannend und erhellend fand ich die Kapitel über den Mythos "Faust" und seine Wandlungen, über die Weimarer Klassik und die Gründungsmythen der DDR. Dürftig allerdings die Mythenlandschaft der Bundesrepublik: statt "mythischer Großerzählungen": Wirtschaftswunder, Autos, Fußball, - war da noch was? Sicher, die Wiedervereinigung hat mythisches Potential, doch hier muss sich die "Arbeit am Mythos" (Blumenberg) noch gestalten. Münkler betont die Wichtigkeit von Mythen für die politische Kultur, stattdessen herrscht ein emotionales Vakuum, das von kurzlebigen Kampagnen ("Mehr Demokratie wagen", "Du bist Deutschland") und Parolen ("Wir sind Papst") kaum kompensiert werden kann. Denn eine Sehnsucht nach Mythen ist unverkennbar, doch darin liegt auch eine Gefahr: die Beschwörung unseliger Geister der Vergangenheit. Ein Kapitel hat Münkler nämlich ausgespart (auch wenn er in fast jedem Kapitel darauf zu sprechen kommt), das alle Voraussetzungen erfüllt, zum Mythos zu werden: das "Dritte Reich". Hier gibt es "narrative Variation" in Hülle und Fülle, wie die Flut an Veröffentlichungen zeigt, "ikonische Verdichtung" auf wenige Führergestalten und Ereignisse sowieso, auch "rituelle Inszenierung" durch die wiederkehrende Aufarbeitung zu Jahrestagen ("Machtergreifung", "Kriegsausbruch", "Untergang"), dazu eine große Ambivalenz, die vielen Mythen eignet, eine Mischung aus Faszination und Abscheu. Ein negativer Mythos, gewiss, aber gerade Münklers Buch zeigt, wie oft in der Geschichte Mythen umgedeutet wurden.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eckpfeiler und Ursprünge des deutschen Selbstverständnisses, 7. Januar 2011
Dieses Buch ist absolut empfehlenswert wenn man sich nicht nur oberflächliche Geschichtskenntnisse aneignen möchte, sondern an die Wurzeln deutsch/europäischer Entwicklungen gehen möchte. Die Entstehung urdeutscher Mythen, deren historischer Kontext, die Aneignung, Verwendung und mitunter auch Verfremdung zum politisch gesellschaftlichen Gebrauch wird glänzend dargestellt.
Vom Lesestil ist es irgendwo zwischen einem Lehrbuch und einem historischen Roman angesiedelt. Zur Unterfütterung und Vertiefung einzelner Ereignisse habe ich parallel mit anderen Quellen gearbeitet. Das braucht dann zwar seine Zeit, aber man nimmt eben auch deutlich mehr mit. Auch wenn das hier recht nüchtern klingt; ich fand das Buch toll!
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Gesellschaft ohne Mythen, 15. Mai 2009
MÜNKLER stellt zu Recht fest, dass die Gesellschaft Deutschlands heutzutage ziemlich mythenfrei ist. Besucht man Einheimische in Frankreich, Italien und den USA oder sonst wo, wird man sehr schnell feststellen, dass es dort anders ist. Oder können sie sich vorstellen, dass in jedem Rathaus eine Büste von Heidi KLUM als Germania herumsteht wie die Marianne in Frankreich. Diese Mythenlosigkeit ist natürlich, angesichts des mythenbeladenen blutgetränkten deutschen Nationalismus erstmal sehr begrüßenswert, wobei sich MÜNKLER nicht zu einer eindeutigen Haltung durchringen kann. Aber es lohnt sich doch allemal einen Überblick zu verschaffen, über Barbarossa, Hermann, Siegfried, Luther, der alter Fritz und noch vieles mehr. Es werden auch Themen behandelt, die einem nicht sofort einfallen, Wie der Mythos vom Alten Rhein", der Mythos Dresden" und Nürnberg". In der Zeit vor dem Nationalismus war die Sicht auf die alte Geschichten, Sagen und Überlieferungen viel differenzierter und anschlussfähiger. So konnte der Preußenkönig Fritz noch die Nibelungen verdammen und die Franzosen Arminius als einen Helden der Befreiung feiern. Erst im Nationalismus des 19 Jahrhunderts bekam der Mythos seine aggressive eliminatorische Ausrichtung. Der Bezug auf Heinrich Heine als Mythenkenner und Mythenzertrümmerer ist erhellend. In dem Buch nun werden auch die vielen Verbindungen deutlich, die durch die Mythen gewoben wurden. So wurde im Kulturkampf gegen die katholische Kirche Ende des 19. Jahrhunderts Luther und Hermann vereinnahmt, schließlich waren sie beide gegen Rom. Als moderne Mythenbildung wird der staatliche verordnete Antifaschismus der DDR beschrieben, der auch merkwürdige Anleihen an frühere Mythen nahm, wie an Arminius, Luther (besonders die späte DDR) und der deutschen Klassik. Als westdeutscher Mythos wird das Wirtschaftswunder beschrieben. So glauben noch etliche der Mär, dass jeder Deutsche 1948 mit nur 40 DM angefangen hat und wer heute eben mehr hat, eben tüchtiger war...Da Buch ist anspruchsvoll und gut geschrieben. Zur Recht hat es den Sachbuchpreis der Buchmesse Leipzig erhalten. Deutlich wird, dass der Autor angesichts der Fülle an Material manches nur sehr kurz anreißen konnte. Dann wird's etwas holprig.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Differenziert, kenntnisreich und aufklärerisch: Die Deutschen und ihre Mythen, 17. Mai 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen und ihre Mythen (Taschenbuch)
Dem Autor ist hier eine detailreiche Darstellung und Analyse eines komplexen Themas gelungen. Die Stärke des Buches besteht darin, in gut verständlicher Form, dem Bedeutungsspektrum zahlreicher Mythen unterschiedlichen Typus (von Tacitus über Faust bis zum Wirtschaftswunder und den Werbekampagnen) in ihrem Entstehungskontext nachzugehen, ihre Funktion, innere Struktur und ihre Umdeutungen vom Mittelalter bis zum 20. Jhd. aufzuzeigen. Er stützt sich auf zahlreiche wissenschaftliche und literarische Quellen und belegt akribisch. Münkler steht dem Mythos keinesfalls ablehnend gegenüber oder macht den Deutschen gar ihre nationalen Mythen madig, wie der Vorrezensent fälschlicherweise behauptet. Er verfolgt vielmehr Möglichkeiten, die bekannten Mythen an spätere Realitäten anzupassen und das damit verbundene Scheitern.
So hatte der Arminius-Mythos nach der Gründung des Kaiserreichs seine Sinnhaftigkeit eingebüßt und war auch politisch nicht mehr gewünscht, da dieser in seiner antiimperialistischen Ausrichtung eher dem Widerstand gegen das "Reich" in die Hände gespielt hätte. Genauso unter den Nationalsozialisten, die mit Arminius nicht so recht etwas anzufangen wussten, denn er war kein Feldherr (wie im Hermannsdenkmal ikonografisch verewigt), sondern ein Widerstandskämpfer gegen die Unterdrückung. Und den Nazis war dagegen an Expansion und nicht Verteidigung des heimatlichen Bodens gelegen. Als Deutschland 1944 gegen die Übermacht der Alliierten verteidigt werden sollte, dachten die Nationalsozialisten nicht mehr daran, den Arminiuskult wiederzubeleben.
Münkler zeigt auch sehr schön, dass der Mythos nach Bedarf umgedeutet wurde: mal schrieb man die "welsche List und Tücke", gegen die man sich mit den germanischen Mythen wenden wollte, Spanien, dann Rom und schließlich Frankreich zu. Wenn die Mythen nicht mehr in die aktuelle Zeit passten, wurden sie miteinander verbunden, Siegfried und Arminius waren dann eins oder Luther und Arminius (beide waren gegen Rom). Arminius wandte selbst List und Tücke an, vereinte germanische Stämme nur eine Zeit lang (er wurde später von seinen eigenen Leuten ermordet), seine Frau und sein Schwiegervater waren eher von der römischen Zivilisation angetan. Es war keinesfalls so, dass die Germanen insgesamt gegen "Rom" waren, viele kämpften für die Römer und schätzten ihre zivilisatorischen Errungenschaften. Ähnlich bei der Völkerschlacht von Leipzig: auf Napoleons Seite kämpften Deutsche gegen ihre eigenen Landsleute, viele waren von Napoleon und seinen Ideen begeistert.
Gerade dieser differenzierte Blick auf die Geschichte und deutsche Mentalität macht die Stärke des Buches aus, beugt Vereinfachungen und der politischen Instrumentalisierung geschichtlicher Ereignisse und Zusammenhänge vor. Wie leicht sieht man nur das, was sein darf und man sehen möchte und behauptet, für alle Deutschen zu sprechen. Mythen, so der Autor, können sowohl revolutionär Veränderungen vorantreiben (rebellisch, befreiend, emanzipatorisch) als auch eher für reaktionäre Zwecke (konservierend, einengend) genutzt werden. Die Verdenkmalung und Konservierung gehe jedoch oft mit touristischer Erschließung und Vereinnahmung einher und bedeute letzten Endes die Demobilisierung oder gar den Tod des Mythos.
Ein "Machwerk", wie der vorangehende Rezensent betont, ist Münklers ausgewogenes und lehrreiches Buch keinesfalls, auch verliert der Autor nie die objektive Distanz. Münkler bemängelt sogar immer wieder, dass die deutschen Mythen sich nach dem Zweiten Weltkrieg eher auf den Konsum und werbeträchtige Schlagzeilen reduzierten (das Narrative habe gegenüber dem Plakativen und Bildlichen an Bedeutung eingebüßt) und so wichtige verbindende Funktionen (Wir-Gefühl) verloren haben.
Wer einen differenzierten und geschichtlich fundierten Blick auf die Deutschen und ihre Mythen und somit unsere Mentalität wünscht, wird dieses gut geschriebene Buch mit Gewinn lesen.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auseinandersetzung mit den deutschen Mythen, der Geschichte und der Geisteshaltung der Deutschen., 12. Juli 2009
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Der Autor Herfried Münkler ist Politikwissenschaftler und Sozialphilosoph mit einer Professur an der Humboldt-Universität Berlin. Er öffnet den Blick in den tiefen Raum der Geschichte hinein, in einer Detailgenauigkeit die beeindruckend ist, erweckt dabei alte Sagen, zeigt wie Mythen, umgangssprachlich der Gegenbegriff zu Tatsachen, unsere nationale Identität beeinflusst haben, lässt alte Sagen aufleben, wie Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser schläft, Siegfrieds Tod und die Nibelungen, die Herrmannschlacht, Preußen oder die Geschichte des 20. Juli und präsentiert Epoche machende Orte wie Nürnberg, Berlin, den Rhein oder die Loreley, reflektiert über geschichtlich bedeutungsvolle Personen wie Tacitus, Herrmann alias Arminius, Luther, Faust, Bismarck, den deutschen Michel, oder den Heiligen Vater. Mythen leben auch davon, dass man ein gewisses literarisches Material oder ein historisches Ereignis wenden und drehen kann und dann unter ganz anderen Herausforderungen neue Sichtweisen und Antworten bekommt.

Interessant an dem Buch ist, dass die großen Erzählungen, oder "Großerzählungen", wie der Autor sie nennt, alle im Mittelalter spielen und dann bis ins 19. Jahrhundert hineinreichen. Für die Bundesrepublik hat er eigentlich sehr wenig anzubieten, das hängt möglicherweise damit zusammen, dass es bei uns mehr oder weniger Milieus sind die ihre speziellen Myrthen ausbilden, das heißt nicht mehr die Deutschen als Kollektiv.

In der deutschen Geschichte gingen Mythos und Geschichte Hand in Hand, doch wenn man die Resümees zusammenstellt dann heißt es da zum Beispiel: "Politisch hat Barbarossa jede Relevanz verloren!", oder über das Thema Hermannschlacht: "Arminius konnte kein revolutionäres Feuer mehr entfachen, die Kraft der mythischen Narration hatte sich erschöpft". So und ähnlich enden die allermeisten Kapitel in dem ersten Teil, das heißt bis 1945.

Die Bundesrepublik hat sich eigentlich von Anfang an als Mythen bereinigtes Gelände präsentiert, hat bewusst darauf verzichtet auf der politischen Ebene einen Mythos als Gründungsmythos zu erzählen. Münkler stellt heraus, dass es vielleicht ein Bewusstsein der Sehnsucht gegeben haben mag, aber nicht die Sehnsucht selber. Im Rückraum hat dann ein so technisches Ereignis wie die Währungsreform dazu geführt, dass eine Anhäufung von Wundern diese schon früh dagewesen Bedürftigkeit befriedigen konnte. Erwähnt wird das Wirtschaftswunder, das Wunder von Bern oder das Fräuleinwunder. Und vor den wieder aufgebauten Städten flatterte nicht vordergründig die deutsche Flagge, sondern da stand im Westen ziemlich bald der VW Käfer, Märklin, der Mercedes Stern oder der Gartenzwerg, während die DDR sich hingegen sehr Mythen trächtig präsentierte, allem voran, in dem sie den Antifaschismus zur großen Gründungserzählung machte. Dieses Problemzentrum, dieses Schmerzentrum, wie die beiden deutschen Staaten sich zu der Maximalkatastrophe der deutschen Geschichte verhalten haben, wird sehr ausführlich beschrieben, das heißt, wie der Antifaschismus in der DDR zum Mythos wurde und wie die Bundesrepublik die Vergangenheitsbewältigung zum Negativzentrum ihrer Identität machte. Die Aufgabe von Mythen ist besonders darin zu sehen, sich gegenüber dem Konkurrenten abzugrenzen, notfalls Gegenmythen zu entwickeln.

Ein sehr erhellendes und materialreiches Werk, bei dem auf den über 600 Seiten eigentlich nichts fehlt was ein Geschichtslehrer über die Deutschen und ihre Mythen in seinem Unterricht vortragen könnte, wobei die Geschichte der fein säuberlich in allen Spielarten gespiegelt wird. Wir sind heute ein mythenarmes Land und der Autor resümiert, dass die klassischen Mythen für die Bundesrepublik schwer zu gewinnen sind, weil die Deutschen über keinen eigentlichen Leitmythos verfügten, wie er durch erfolgreiche Revolutionen in anderen Ländern, beispielsweise Frankreich oder die USA entstanden

Vor Jahren hätte der Autor mit diesem Buch, wegen der einen oder anderen Behauptung möglicherweise viel Ärger bekommen, auch wenn es nur wenig provokante Thesen gibt. Jetzt hat er für dieses lehrreiche, fesselnde und fulminante Oeuvre den Leipziger Buchpreis erhalten, was zeigt dass wir uns erheblich entwickelt haben.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer sind die Deutschen?, 7. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen und ihre Mythen (Taschenbuch)
Was sind ihre Mythen? Gibt es so etwas heute überhaupt noch?
Ich denke, Herfried Münkler hat sich verdient gemacht, die ja doch relativ kurze "deutsche" Geschichte zu Wurzeln und Ausgangspunkten zurückzuverfolgen, moderne Mythen wie das immer wieder gern beschworene Wirtschaftswunder als solchen zu ent5tarnen und dabei auch die Aufgabe eines Mythos im rahmen der Geschichte und Politik eines Volkes aufzuzeigen. Ein intelligentes, höchst interessantes Buch, das gerade derzeit, vor dem Hintergrund der 200. Wiederkehr der Befreiungskriegen von 1813 -1815, höchst informativ zu lesen ist. Empfehlenswert!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch, 21. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Muss für alle Fans der deutschen Kultur und der Geschichte unseres Landes. Von Herrmann über Barbarossa bishin zu Preußen ist alles dabei.
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20 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Altbekanntes, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen und ihre Mythen (Taschenbuch)
Das Buch bietet einen Einblick in die wichtigsten Nationalmythen der Deutschen und ist dabei recht flüssig und gut lesbar geschrieben. Allerdings stört mich der Unterton des Autors, der alle diese Mythen madig macht und sie in die allseits bekannte Ecke stellt, frei nach dem Motto: jedes Volk hat Mythen und darf sie auch haben, nur die bösen Deutschen nicht, denn deren Mythen sind ebenso böse wie sie selbst, und alles, was die Deutschen machen, ist falsch und übel, während es gut und richtig ist, wenn andere Völker genau das gleiche tun. Das mag 1968 ein verständlicher Tenor gewesen sein, aber inzwischen ist der pathologische Hass auf typisch Deutsches nur noch lächerlich und nervend. Deshalb gebe ich nur zwei Sterne her, da das Buch im Grunde keine neuen Töne von sich gibt, sondern sich in eine Linie gleicher Machwerke einreiht, die man auf lange Sicht getrost vergessen kann.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Deutschen und ihre Mythen H. Münkler, 24. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Deutschen und ihre Mythen (Taschenbuch)
Top Thema und Buch
Gutes Hintergrundwissen und verständlich und klar an den Leser gebracht. Sehr gute Recherche, Fach- und Hintergrundwissern
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Die Deutschen und ihre Mythen
Die Deutschen und ihre Mythen von Herfried Münkler
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