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61 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir schreiben das Jahr 2009 ...
... damit ist klar: Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Und doch wieder nicht, denn die Protagonisten, die wir in diesem Roman kennenlernen, sind uns aus den Medien bestens bekannt. Menschen, deren Handlungsweisen wir nicht nachvollziehen können, die wir für "bekloppt, irre oder kriminell" halten - eben die Drachensaat.
In Jan Weilers Roman erfahren...
Veröffentlicht am 2. Oktober 2008 von Methusa

versus
21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Beginn - schwaches Ende
Jan Weiler ist ein ungewöhnlicher Roman gelungen. In den drei Teilen des Romans wird die Geschichte von fünf mehr oder weniger verrückter Anstaltsinsassen geschildert, die (unter Anleitung ihres Arztes) eine Entführung planen und durchführen. Im erzählerisch sehr gelungenen ersten Teil (geschrieben aus der Perspektive des Ich-Erzählers...
Veröffentlicht am 31. Dezember 2008 von W. Öschelbrunn


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61 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir schreiben das Jahr 2009 ..., 2. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
... damit ist klar: Es handelt sich um eine fiktive Geschichte. Und doch wieder nicht, denn die Protagonisten, die wir in diesem Roman kennenlernen, sind uns aus den Medien bestens bekannt. Menschen, deren Handlungsweisen wir nicht nachvollziehen können, die wir für "bekloppt, irre oder kriminell" halten - eben die Drachensaat.
In Jan Weilers Roman erfahren wir über sie, was uns Presse und Fernsehen vorenthalten, und entwickeln sogar Sympathien oder wenigstens Empathie.

Jan Weiler spielt geschickt mit den Perspektiven. Und mit seinen Lesern. Denn wer sich gefreut hat, dass der altbekannte Benno Tiggelkamp das Szenario betritt und sich sicher wähnt, dass es schon bald den Schenkelklopfer gibt, wird enttäuscht. Nicht dass sich Benno geändert hätte - wir lernen nur einfach eine andere Seite von ihm kennen.

Das soll nicht heißen, dass es in diesem Buch nichts zu lachen gibt. Doch hier ist Weilers Humor feiner als in den vorangegangenen Werken und verlangt vom Leser eine Portion Selbstironie.

Im letzten Drittel des Romans stellt Jan Weiler sein herausragendes journalistisches Können unter Beweis, indem er die Story quer durch alle einschlägigen Medien interpretiert. Spätestens hier wird dem Leser klar, wie er tagtäglich in seiner Meinungsbildung manipuliert wird.

Die "Drachensaat" empfehle ich uneingeschränkt jedem weiter, der sich beim Lesen nicht nur hemmungslos amüsieren will, sondern auch etwas über unser Kommunikationsverhalten und unsere Urteilsbildung erfahren möchte.
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100 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswert, 5. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Drachensaat ist das neue Buch von Jan Weiler, der bekannt wurde durch die Bücher "Maria, ihm schmeckt's nicht" und "Antonio im Wunderland".

Mit seinem neuen Buch geht er in eine etwas andere Richtung. Wer ähnliches erwartet wie die beiden ersten Bücher, wird nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber Jan Weilers Stil schätzt und wer bereit ist, sich auf etwas ganz anderes einzulassen, dem könnte Drachensaat gefallen. Bei mir war es so.

Bernhard Schade erzählt im ersten Teil des Buches über sein Leben. Als Architekturstudent hat er seine Frau kennengelernt und wurde früh Vater eines behinderten Sohnes, Udo. Der Junge leidet an Trisomie 21, womit Schade nicht zurecht kommt. Er betrügt jahrelang seine Frau und kümmert sich notgedrungen um seinen Sohn, bis seine Welt gänzlich zerbricht und er als Säufer endet und von Hartz IV leben muss.
Auf tragische Weise will er seinem Leben ein Ende setzen, das funktioniert nicht wie geplant und somit landet Schade in der Psychiatrie. Aus dem Landeskrankenhaus führt ihn sein Weg in eine Villa, in der ein Arzt Forschungen betreiben will zum sog. Zens-Syndrom.

Für diese Studien hat er fünf psychisch kranke Personen ausgewählt, die nach und nach zu ihm stoßen.
Alle sind gescheiterte Existenzen, die Schuld soll aber lt. Zens nicht bei ihnen liegen sondern in der Gesellschaft zu finden sein. Durch Respektlosigkeit und Unhöflichkeit wurden die Leute dahin getrieben, wo sie sich jetzt befinden.

Neben Schade findet sich im Haus "Unruh" Rita Bauernfeind ein, die im Internet bekannt ist als "fette Frau, die Luft isst", sie hat in den vergangenen Monaten über 200 Kilo Körpergewicht verloren. Durch Radio- und Fernsehempfang in ihrem Kopf wurde ihr Verhalten etwas seltsam, so hat sie ihren Job verloren und endet ebenfalls in der Psychiatrie.

Der dritte im Bunde ist Ünal Yilmaz. Er ist ein klagefreudiger Endreißiger, schwuler Türke, weiß sich sprachlich gewandt auszudrücken und verklagt wegen jeder Kleinigkeit seine Mitmenschen, die Ämter, öffentliche Personen.
Fast von den Mitmenschen, die immerzu unhöflich und frech zu ihm waren, in den Wahnsinn getrieben, missbraucht er seine Stellung als Busfahrer und fährt irgendwann, als ihm der Kragen platzt, mit einem Bus samt Fahrgästen so lange ohne Stopp bis der Tank leer ist. Auch er wird nach dieser Aktion in ein Landeskrankenhaus eingewiesen.

Nach einiger Zeit kommen nun noch Arnold und Benno in die Villa Unruh. Arnold hat vor allem und jedem Angst und konnte eines Tages seinen Beruf als Postbote nicht mehr ausüben. In seinem Haus wurden Huntertausende von Briefen gefunden, die nicht zugestellt werden konnten, weil Arnold Angst hatte und sie bei sich zu Hause deponiert hat, bis die Statik des Hauses nachgab und es einzustürzen drohte.

Benno hat neun Jahre mit seiner toten Mutter im Haus gelebt. Er ist aufgeflogen, als der Pfarrer der Mutter zum 90. Geburtstag gratulieren wollte.

Diese Gruppe hat sich also bei Dr. Zens eingefunden und hofft, von ihm geheilt werden zu können. Es finden Gesprächte statt, es müssen Aufgaben gelöst werden.

Dr. Zens gibt der Gesellschaft die Schuld an der Krankheit seiner Schützlinge. Eine Gesellschaft, die verroht und die Schwachen verstößt, ihnen keine Möglichkeit gibt, am Leben teilzuhaben. Das soll sich ändern. Aus den Teilnehmern der Studie sollen Mitglieder der Gesellschaft gemacht werden. Wobei eigentlich die Gesellschaft geändert werden soll. Die Gruppe hat die Fiktion eine bessere Welt, eine bessere Gesellschaft zu erschaffen. Es soll mehr Höflichkeit und Respekt im Umgang miteinander geben, jedes Individuum soll seinen Platz in der Gesellschaft finden. Mit dieser Vorstellung steigert sich die Gruppe, die sich bald aus gegebenem Anlass "Drachensaat" nennt, in eine Idee, die bald nicht nur mehr nur theoretisch existiert sondern auch in die Praxis umgesetzt werden soll, was nicht ohne immense Folgen bleibt.

Jan Weiler greift mit seinem Buch ein kritisches Thema auf. Ob der Leser es als Gesellschaftskritik oder humoristisches Hingespinst aufgreift, bleibt jedem selbst überlassen. Mir hat Drachsensaat außerordentlich gut gefallen. Obwohl ich bisher alle Bücher von Jan Weiler sehr genossen habe und auf ein neues lange gewartet hatte, bin ich recht unvoreingenommen an die Geschichte gegangen. Der Stil Weilers ist der gleiche gelieben. Es geht trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas durchaus humorvoll zu, ohne albern zu werden. An manchen Stellen musste ich laut lachen. Aber auch zum Nachdenken regt das Buch ununterbrochen an.

Weiler übt Kritik an der Politik, der Witschaft, an den Medien und am Volk. Durch Brot und Spiele kurz vor der totalen Verdummung, interessiert sich niemand mehr wirklich dafür, was aus dem Einzelnen wird, man plappert Parolen nach ohne selbst nachzudenken, und wieviel einfacher ist es doch, sich durchs Leben zu schmarotzen und auf diejenigen zu schimpfen, die mehr erreicht haben, weil sie mehr Leistung bringen, und man selbst auf der Strecke bleibt - im festen Glauben daran, die anderen seien schuld nur nicht man selbst, anstatt sein Leben in die Hand zu nehmen und wirklich etwas zu ändern.

Ich habe das Lesen sehr genossen. Nicht nur die verschiedenen Lebensgeschichten, die Weiler sich hat einfallen lassen, haben mich beeindruckt, auch die unterschiedlichen Ansichten- jeweils so rübergebracht, dass man beide Seiten verstehen kann: die "Ausgestoßenen" ebenso wie die verhasste Gesellschaft.

Drachensaat befriedigt auf jeden Fall denjenigen Leser, der Jan Weiler im Allgemeinen mag. Wer eine weitere Antonio-Story erwartet, wird aber bitter enttäuscht sein.

Ich verstehe Drachenstaat durchaus als einen Spiegel der Gesellschaft... und empfehle es in jedem Fall weiter.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten., 30. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Nichts anderes macht Jan Weiler in diesem angenehm unkonventionellen Roman. Obgleich alles frei erfunden ist, erkennt man an vielen Stellen tatsächliche Ereignisse und Gegebenheiten. Es finden sich zahlreiche Parallelen zwischen realen Personen, Fernsehsendern und Programmen sowie aktuellen Problemen. In vielerlei Hinsicht reflektiert das Buch Ereignisse aus den Jahren 2007 und 2008.

Der Aufbau des Romans ist sehr untypisch aber fesselnd - nicht zuletzt wegen des gut struktureierten Perspektivenwechsels. Die Ereignisse werden chronologisch zunächst von der Romanfigur Bernhard Schade (Mitglied der Drachensaat-Gruppe), dann von Martin Barghausen ("Opfer" der Drachensaat) und im dritten Kapitel in Form einer Presse- und Medienschau erzählt.
Jan Weiler regt mit diesem Buch zum Nachdenken an; über die vermeintlich moderne Gesellschaft und über Menschen, die scheinbar keinen Platz darin haben. Er skizziert viele bekannte Positionen und wiegt diese gegeneinander auf indem er sie durch seine Figuren personifiziert und diskutieren lässt. Er erzählt im Grunde genommen nichts Neues und das ist auch gar nicht nötig, denn gerade weil er es auf so eindrucksvolle Weise schafft, dieses scheinbar zur genüge Bekannte in einen direkten Zusammenhang zu setzen, ist "Drachensaat" ein außerordentlicher Roman.

Hinzu kommt der aus "Maria ihm schmeckt's nicht" und "Antonio im Wunderland" amüsante Schreibstil. Tatsächlich findet sich sogar ein "alter Bekannter" wieder.

Insgesamt ist "Drachensaat" ein wirklich lesenswerter und anregender Roman, den man getrost immer wieder zu Hand nehmen kann, um sich vor Augen zu führen, in was für einer Gesellschaft wir heute leben.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Beginn - schwaches Ende, 31. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Jan Weiler ist ein ungewöhnlicher Roman gelungen. In den drei Teilen des Romans wird die Geschichte von fünf mehr oder weniger verrückter Anstaltsinsassen geschildert, die (unter Anleitung ihres Arztes) eine Entführung planen und durchführen. Im erzählerisch sehr gelungenen ersten Teil (geschrieben aus der Perspektive des Ich-Erzählers Bernhard Schade, eines der fünf "Verrückten") werden die fünf Hauptpersonen nach und nach in die Erzählung eingeführt. Alle fünf sind auf Ihre Art eigen und doch sympathisch, so dass dieser Teil des Buches durchaus an "Einer flog über das Kuckucksnest" erinnert. Der zweite Teil beschreibt die Entführung in Ich-Perspektive des Entführungsopfers bevor dann im dritten Teil einige überraschende Entwicklungen aufgeklärt werden. Leider ist dieser dritte Teil in Form von Zeitungs- und Fernsehberichten bzw. Interviews geschrieben, so dass hier der erzählerische Fluß und die handelnden Persönlichkeiten verloren gehen. Die Absicht durch dieses stilistische Mittel das medienkritische Unterthema des Romans herauszuarbeiten ist sicherlich kreativ, aber für den Leser unbefriedigend. Dieser Teil bleibt weit hinter der Qualität des 1. Teils zurück. Leider sind auch einige der überraschenden Wendungen am Ende des Buches zu stark sartirisch überzeichnet.

Insgesamt daher von mir 5 Punkte für Teil 1, 3 Punkte für Teil 2 und 1 Punkt für Teil 3, was in Summe 3 Punkte für ein ohne Zweifel kurzweiliges Buch ergibt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch!, 15. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Es geht um große Fragen, um Gerechtigkeit, um die Welt, in der wir leben und dabei schreibt Jan Weiler doch so unkompliziert, fast schon unaufgeregt, aber durchweg fesselnd. Dass es sich um ein Buch mit philosophischem Hintergrund handeln könnte, bekommt man erst nach und nach mit. Zunächst wird beschrieben, wie sich 5 im Leben gescheiterte, unterschiedliche Menschen in einem seltsamen Projekt finden. Allein die Lebensgeschichten der 5 sind schon skurril, doch der Verlauf der Dinge ist letztendlich aberwitzig. Und während man noch darüber sinniert, WIE absurd das Ganze doch ist, wird man sich dessen bewußt, dass die Handlung durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Spätestens dann wird man nachdenklich.

Fazit: viel hintergründiger Humor für Leser mit Sinn für Subtiles und viel zum Nachdenken
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skurril, witzig und gleichzeitig traurig, 24. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Audio CD)
Diese Geschichte beginnt eigentlich mitten im Leben. Menschen, die jahrelang neben ihren toten Angehörigen lebten, Briefträger, die jahrelang Post horten, Menschen, die auf einmal Stimmen hören - von solchen Fällen hat man zumindest schon mal gehört oder gelesen. Bemerkenswert ist, dass diese Personen eigentlich ziemlich normal sind und auch nicht unsympathisch. Zwar haben sie eine wahnwitzige Tat begangen, doch vorher waren sie unauffällig, wenn auch einsam - eben Briefträger, Sachbearbeiter, Architekten mitten unter uns. Doch ihnen ist gemein, dass die Gesellschaft sie zu Ausgegrenzten, Ausgeschlossenen, Gescheiterten gemacht hat. Sie alle haben im Leben versagt, obwohl sie nichts Schlimmes getan haben.

Nachdem das Hörbuch zu Beginn die Charaktere und ihre Lebensgeschichten vorstellt - und der Hörer sich nicht der Sympathie für sie erwehren kann, denn schließlich haben wir auch mit Michael Douglas in Falling Down sympathisiert, als er im Stau plötzlich durchdrehte - schwenkt die Geschichte im weiteren Verlauf um, nämlich als die Insassen ausbrechen, um ihren großen Plan, die neue, bessere Welt, zu verwirklichen.
Hier wird "Drachensaat" zur bitterbösen, brillanten Medien- und Gesellschaftssatire. Bemerkenswert gut gelungen ist Jan Weiler die Nachahmung der deutschen Medienlandschaft; so trifft er genau den jeweiligen Ton des Mediums, wenn er fiktive Beiträge aus FAZ, Bildzeitung oder ARD in die Story einbaut, die das Geschehen kommentieren.
Weilers Kritik an unserer Gesellschaft, an Politik und Zeitgeschehen kommt brandaktuell daher. In einer Zeit, in der Managergehälter, die klaffende Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Hartz-IV-Empfängern und Eliten und die angestrebte Chancengleichheit in der Bildung tagtäglich kommentiert und diskutiert werden, könnte diese Geschichte nicht passender sein, denn sie kommentiert all dies, hält uns einen Spiegel vor. Das tut bisweilen weh, sehr weh, und ist in grandiose Dialoge und Szenen verpackt. Wir alle wünschen uns eine Welt, die besser, freundlicher, gerechter und gleicher ist - nur tun wir zumeist nichts dafür. Weiler lässt in einem gelungenen Szenario die Verlierer der Gesellschaft auf einen ihrer Gewinner, einen Topmanager, ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft treffen. Das Ergebnis ist realistisch und deprimierend zugleich.

Das Hörspiel aus dem Hörverlag bietet eine Reihe bekannter Stimmen, unter anderem den Autor Jan Weiler selbst als Bernhard Schade, Matthias Haase als Dr. Heiner Zens, Annette Frier als Rita Bauernfeind, Baki Davrak als Ünal Yilmaz, Andreas Grothgar als Arnold März und Hartmut Stanke als Dr. Martin Barghausen. In weiteren Rollen überzeugen Bodo Primus, Edda Fischer, Martin Bross und weitere. Alle Sprecher machen ihre Sache sehr gut, und das Hörspiel ist mit recht dezenten Geräuschen unterlegt, die dem ganzen den Eindruck und die Akustik eines Kammerspiels verleihen.

"Drachensaat" ist skurril, witzig und gleichzeitig traurig, schlau ausgedacht, hochbrisant und ein Muss für alle, die sich mit unserer Gesellschaft zum aktuellen Zeitpunkt auseinander setzen. Eine unbedingte Empfehlung!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Drachensaat sind wir ..., 27. September 2010
Von 
goat (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Taschenbuch)
Jeder kennt Jan Weiler als den Autor, der den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert mit Büchern wie "Maria, ihm schmeckt's nicht" oder "Antonio im Wunderland". Mit seinem Roman "Drachensaat" aber beweist Jan Weiler, dass er die Menschen nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken bringen kann.

Fünf Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat, treffen in einer psychiatrischen Klinik aufeinander - sorgfältig ausgewählt aus der breiten Masse derer, die aus der Gesellschaft herausstechen. Gründer dieser Klinik, ein Dr. Zens, teilt seinen Patienten mit, dass sie alle unter dem so genannten Zens-Syndrom leiden und startet ein Therapie-Experiment. Er verspricht ihnen Freiheit und ein Leben in Ruhe und Zufriedenheit. Zu spät erkennt er, dass das ganze Experiment aus dem Ruder läuft ...

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch das markante Cover. Darauf sieht man einen alten Mercedes, der sich um einen Betonpfeiler gewickelt hat. Wie passend dieses Cover ist und in welchem Bezug es zu der Geschichte steht, erfährt der Leser in dem Roman. Für mich war jedenfalls klar, dass es sich bei diesem Buch keineswegs um ein lustiges Thema handelt. Was mir nicht klar war: Wie sehr mich dieses Thema berühren und vor allen Dingen, wie stark es mich auch nach Beenden des Buches noch beschäftigen würde.

Das Hamburger Abendblatt beschreibt das Buch als witzig und skurril. Dann stellt sich mir die Frage, ob von den Personen überhaupt jemand das Buch gelesen hat. Skurril ist es ohne Frage. Alleine die Lebensgeschichten und die Krankheitsverläufe der fünf Patienten sind so skurril, dass ich mich die ganze Zeit frage, wie man auf so etwas "Irres" überhaupt kommt. Aber witzig? Nein, eher das komplette Gegenteil ist der Fall. Was Jan Weiler in seinem Roman aufzeigt ist so traurig, dass wir uns schämen müssen, in den Spiegel zu sehen, den er uns vorhält.

Den letzten Teil des Buches habe ich stellenweise nur überflogen. Aber nicht, weil er so langweilig war, sondern ich so schlimm fand, lesen zu müssen, wie viel die Presse alleine mit ihrem Gedruckten anrichten kann. Und die Leute lassen sich so leicht beeinflussen, dass Menschen wie Bernhard Schade, Ünal Ylmaz, Rita Bauernfeind, Arnold März oder Benno Tiggelkamp in unserer Welt untergehen, ohne je die Möglichkeit zu haben, sich zu wehren oder behaupt ernst genommen zu werden.

Nicht SIE sind die Kranken, sondern der Rest der Gesellschaft, der leichtfertig verurteilt, Unwahrheiten verbreitet und jeden, der sich in ihren Augen nicht in die Gesellschaft einfügt, ausgrenzt. Und genau das ist die wahre Drachensaat.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn allen, die den Mut haben, in diesen Spiegel zu blicken. Schließen möchte ich die Rezension mit einer Stelle aus dem Buch und ich denke, dazu muss man nichts mehr sagen.

"Wir leben in einer von Dummheit beherrschten Zeit in einem dem Untergang geweihten Land. Unsere Politiker sind selbstgerechte Lügner, unsere Arbeitgeber Diebe, und die Jugendlichen nehmen sich daran ein Beispiel. Die wenigen Bürger, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen, Gutes tun und nichts dafür haben wollen, werden in U-Bahnhöfen verprügelt oder für ihre Mildtätigkeit verspottet. Wer nicht betrügt, wird betrogen. Wer nicht stiehlt, der wird bestohlen, und wer zu leise spricht, dem hört niemand zu."
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen die Saat der Zwietracht - geht sie auf? - ein sehr unterhaltsames Buch, 17. November 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich mich durch alle zur Drachensaat veröffentlichten Rezensionen geackert habe, die durchweg gut geschrieben sind, machte ich mir Gedanken darüber, was ich dem geneigten Leser, der das Buch nicht kennt, noch sagen kann. Inhaltlich bestimmt nichts Neues, dazu haben meine Vorgänger/innen bereits viel und gut geschrieben. Ehrlich gesagt, hatte ich Weilers Maria, ihm schmeckt's nicht und Antonio im Wunderland bestens in Erinnerung, ja, habe mich beim Lesen dieser Bücher kugelig gelacht und bin eigentlich auch in Erwartung eines neuen Schmankerls dieser Art an Drachensaat gegangen.

Doch siehe da: bereits auf den ersten Seiten wird schnell klar, dass Weiler sein Thema ganz anders anpackt. Das Miteinander von Humor in der Darstellung und Ernsthaftigkeit im Thema ist es, was mir so gut gefallen hat. Die Figur des Bernhard Schade, die den ersten Teil des Buches im Rückblick erzählt, befleissigt sich denn auch eines ironisch-humoristischen Untertons, und man muss, manchmal fast wider Willen, schmunzeln, ja, es geht gar nicht anders, man muss sogar lachen, und das bei durchaus ernsten Themen wie der "Erziehung" seines behinderten Sohnes. Gleichwohl bemerkt man die Ernsthaftigkeit, mit der diffizile Themen wie die Neurosen und Psychosen der Patienten, die bei Dr. Zens im Sanatorium einen Therapieplatz finden, beschrieben werden.

Es erwartet den Leser keine intellektuelle Abhandlung oder schwere Kost, wer das befürchtet, kann das Buch gut lesen; wer das erwartet, wird enttäuscht. Ich finde Drachensaat sehr unterhaltsam, das sollte ein Buch dieser Art unbedingt sein. Es trifft den Nerv unserer Zeit, was die vielfältigen Diskussionsthemen in jeder Kaffeerunde angeht, und ermöglicht dem Leser, sich durchaus in der einen oder anderen Äußerung wiederzufinden, frei nach dem Motto: ja genau, habe ich auch schon so gedacht. Viel Vergnügen beim Lesen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer ist hier verrückt?? (Hörbuch-Rezension), 5. November 2008
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Audio CD)
Fünf Menschen unterschiedlichster Herkunft zerbrechen aus unterschiedlichen Gründen an ihrem Alltag. Auf Druck, Schikane und Ausgrenzung reagieren sie jeweils mit einer Handlung, die sie für einen kurzen Augenblick ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken, ehe sie für lange Zeit hinter den Mauern einer Psychiatrischen Klinik verschwinden.

Diese fünf Personen finden sich unversehens im Haus Unruh wieder, der psychiatrischen Privatklinik von Dr. Zens. Er will an ihrem Beispiel erforschen, warum angesichts des modernen Alttages nicht noch viel mehr Menschen schlicht und einfach durchdrehen und ausrasten.

Und schließlich will er die fünf mit einem spektakulären Experiment wieder ins Leben zurückholen. Doch schnell läuft die Versuchsanordnung aus dem Ruder, die Probanden übernehmen die Kontrolle und alles kommt ganz anders als geplant.

Wer "Drachensaat" nach der Lektüre der Maria- und Antonio-Bücher kauft, wird sich sicherlich verwundert die Augen reiben, denn mit den beiden ersten großen Erfolgen von Jan Weiler hat "Drachensaat" nur sehr wenig gemein.

Anhand der fünf Protagonisten entwickelt Jan Weiler eine bissige Gesellschaftssatire, bei der der Humor nicht zu kurz kommt und die in eine brillant gemachte Medienkritik mündet.

"Drachensaat" - ein gelungenes und sorgfältig besetztes Hörspiel, das auf sehr unterhaltsame Weise zum Nachdenken animiert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen mein bestseller, 29. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Drachensaat (Gebundene Ausgabe)
Unter den vielen Büchern, die ich von Jan Weiler mit großem Vergnügen gelesen habe, ist "Drachensaat" m.E. das allerbeste. Nur durch Zufallsempfehlung habe ich von diesem Buch erfahren, dann gleich bei Amazon bestellt und leider viel zu schnell gelesen. Zum Inhalt und Schreibstil haben sich sicher schon viele andere Leser und Rezensenten geäußert. Heute werde ich es weiter verleihen und hoffe es bald zurückzubekommen, damit ich es noch einmal lesen kann. Die Ungeduld hat schon begonnen:-))
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Drachensaat
Drachensaat von Jan Weiler
EUR 9,99
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