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5.0 von 5 Sternen Sprachlos
Wie kann man über etwas sprechen, wenn die Sprache versagt? Wie über etwas schreiben, etwas be-schreiben wenn es keine Worte gibt für das, was doch gesagt werden muß? Wie das Thema Holocaust in einem Buch verarbeiten? Das sind Fragen, denen sich der Protagonist des neuen Romans von Yann Martel stellt.
Der Protagonist Henry l'Hôte - genau wie der...
Veröffentlicht am 16. September 2010 von Stephen Crane

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Bewertung fällt schwer...
...und das aus vielerlei Gründen.

Zunächst, vor allem nach der Veröffentlichung des Films "Schiffbruch mit Tiger", das Wichtigste vorneweg:
Wer dieses erste Buch von Yann Martel geliebt hat aufgrund der vielen liebevollen Allegorien und phantastischen Gedanken, der sei vorsichtig mit diesem Buch. Er wird nicht das gleiche wiederfinden, er...
Vor 20 Monaten von B. Preuschoff veröffentlicht


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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlos, 16. September 2010
Wie kann man über etwas sprechen, wenn die Sprache versagt? Wie über etwas schreiben, etwas be-schreiben wenn es keine Worte gibt für das, was doch gesagt werden muß? Wie das Thema Holocaust in einem Buch verarbeiten? Das sind Fragen, denen sich der Protagonist des neuen Romans von Yann Martel stellt.
Der Protagonist Henry l'Hôte - genau wie der Autor selbst Autor eines internationalen Bestsellers - scheitert mit dem Versuch, dieses Buch zu schreiben. Verlage und Buchhändler wollen von seinem Projekt nichts hören.
Unter den vielen Leserzuschriften, die er Tag für Tag erhält, findet er eines Tages den merkwürdigen Brief eines Lesers, der ihm nicht nur die Fotokopie einer Flaubert-Erzählung sondern auch eine Dramenszene schickt, in der ein Affe namens Vergil einer Eselin namens Beatrice zu erklären versucht, was eine Birne ist, wie sie aussieht, riecht und schmeckt. Diese unvergeßliche kleine Szene, die so harmlos daherkommt, ist zugleich eine hochphilosophische Abhandlung darüber, wie wenig die Sprache in der Lage ist, die Wirklichkeit in Worte zu fassen.
Verwirrt und neugierig macht sich Henry auf dem Weg zu seinem unbekannten Leser und lernt so einen geheimnisvollen Tierpräparator kennen, einen Menschen, der das Andenken an tote Tiere dadurch bewahrt, daß er sie präpariert, und der sich von dem sprachgewandten Schriftsteller Hilfe beim Schreiben seines Theaterstücks erhofft.
Dieses Theaterstück ist einer der zentralen Handlungsstränge des Buches. Stück für Stück erfährt der Leser, welches grausame Schicksal Vergil und Beatrice erlitten haben, durch welche Hölle sie gegangen sind. Die Parallelen zu Dante sind nicht zu übersehen, aber man muß die Göttliche Komödie nicht kennen, um von der Geschichte gepackt zu werden. Es ist eine Geschichte von Verfolgung, Folter, Mord und vom Überleben "in den Greueln", wie Vergil und Beatrice es nennen, in einem Land namens "Hemd", einem gestreiften Hemd . . .
Der zweite zentrale Handlungsstrang ist die Beziehung zwischen Henry dem Schriftsteller und dem Tierpräparator, der ebenfalls Henry heißt, zwei Menschen, die - jeder auf seine Weise - über den Holocaust schreiben wollen. Eine Beziehung, die ein überraschendes Ende nimmt, das hier natürlich nicht verraten werden soll.
Am Ende schreibt Henry l'Hôte doch noch seinen Roman über den Holocaust: auf dreizehn Seiten. "Spiele für Gustav" heißt dieser Teil des Buchs, und jedes dieser "Spiele" läßt im Kopf des Lesers einen ganzen Roman entstehen, konfrontiert ihn mit der Frage :"Was hätte ich getan?"
Die letzte Seite, das "Spiel Nummer 13" ist leer. Manchmal gibt es einfach keine beredtere Sprache als die Sprachlosigkeit.
"Das Hemd des 20. Jahrhunderts" ist kein Wohlfühlbuch, es ist verstörend und unvergeßlich. Zur Lektüre dringend empfohlen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krank, heftig, trotzdem 4 Sterne, 22. Juni 2013
Yann Martel bespiegelt sich selbst, hat man den Eindruck, wenn man dieses Buch liest. Er schreibt von einem Autor, der mit einer intelligenten Tierfabel einen Hit gelandet hat und dessen zweites Buch sich, ungleich ernster, mit dem Holocaust beschäftigt. Soweit überschneiden Martel und sein Protagonist Henry sich. Von hier an beginnt das Spekulieren, inwieweit die Ähnlichkeiten sich fortsetzen.
Nach Ablehnung seines zweiten Buches durch seinen Verleger erleidet der Autor Henry eine Schreibblockade, zieht um und begegnet einem ungewöhnlichen Fan: Ein Tierpräparator, der seinen Namen nicht nennen will, nötigt Henry dazu, ihm dabei zu helfen, sein Theaterstück fertigzustellen, dessen Helden zwei ausgestopfte Tiere aus seiner Sammlung sind.
Skurril, denkt man. Ebenso skurril wie Henrys Idee, Holocaust-Western zu schreiben. Da scheinen sich zwei Freaks gefunden zu haben.
Nach und nach wird Henry in das Theaterstück des Präparators hineingezogen und es wird klar, daß die Fabel, die sich mit der grenzenlosen Ausrottung der Tiere durch den Menschen befaßt, in Wirklichkeit eine Art Holocaust-Fabel ist, also eine Erweiterung des Holocaust-Genres, genau wie Henry es in seinem halb-wissenschaftlichen zweiten Buch proklamiert hatte.
Der Autor freut sich trotzdem nicht, nun in dem soziopathischen Präparator jemanden gefunden zu haben, der seine Idee umsetzt, sondern wird von Angst und Ekel ergriffen, als er einen Blick auf die möglichen Beweggründe des Mannes werfen kann.
Trotz der schwierigen und hochgradig brisanten Thematik, trotz des wenig actionreichen Plots und dem Zwang, sich mit einem Abschnitt der Historie zu beschäftigen, der einem schon in der Schulzeit so oft um die Ohren geschlagen wird, daß man bei der bloßen Erwähnung nur noch weg will, muß man das Buch zuende lesen, wenn man einmal angefangen hat.
Yann Martel hat zumindest eines zweifelsfrei bewiesen: Nur der emotionale Zugang zu seinem Sujet zeitigt einen bleibenden Eindruck. Reine Fakten gehen unter.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Bewertung fällt schwer..., 23. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...und das aus vielerlei Gründen.

Zunächst, vor allem nach der Veröffentlichung des Films "Schiffbruch mit Tiger", das Wichtigste vorneweg:
Wer dieses erste Buch von Yann Martel geliebt hat aufgrund der vielen liebevollen Allegorien und phantastischen Gedanken, der sei vorsichtig mit diesem Buch. Er wird nicht das gleiche wiederfinden, er wird vielmehr verstört sein ob der teilweisen Brutalität, der Verwirrtheit, der auch gedanklichen Härte, die sich bis in die Gedankenspiele am Schluss zieht. Es ist kein Buch, das den Leser liebevoll lächelnd zurückläßt.

Die Sprache ist und bleibt genial. Yann Martel hat die Gabe, in wundervollen Gleichnissen zu schreiben, die manchmal zunächst verwirrend sind, doch dann wunderbar klar sich auflösen. In diesem Buch hat er es jedoch, für meinen Geschmack, manchmal übertrieben - er verlässt den Grat, in dem wundervolle Kunst zu Kunst der Kunst willen wird. Das ist schade und ist man von ihm so nicht gewohnt, es macht das Buch teilweise sehr mühsam. Und es wirkt teilweise sogar unpassend ob der andererseits gewählten Härte, mit der der Leser mit der Brutalität dieses Ereignisses konfrontiert wird.

Die Allegorie des Tierpräparators, bezogen auf den Holocaust, ist ergreifend und von unwahrscheinlicher Genialität. Vor allem noch dazu, da sie mehrere Wendungen erfährt. Teilweise glaubt man, den Sinn schon erfasst zu haben - und es kommt doch eine Kleinigkeit, die alles in anderem Licht erscheinen läßt.
Dies muss einem erst einmal einfallen und es so konsequent zu Ende zu denken, ist viel Respekt wert.

Doch es wird am Ende zuviel. Es wird zu hart. Es wird zu brutal. Man mag sagen, daß Bücher über dieses Thema nicht "sanft" zu schreiben sind und vielleicht sogar verstören MÜSSEN, um ihm gerecht zu werden. Dann ist das gelungen - aber es wirft den Leser doch sehr aus der Bahn und wird viele auch abschrecken. Die Botschaft höre ich wohl und ja, sie ist wichtig - ob man den Leser dafür so hart gegen die Wand laufen lassen muss, ist wohl Geschmacksache.

Fazit:
Ein Autor mit genialer Gabe für Gleichnisse, Parabeln und liebevolle Kleinigkeiten - in einem Buch und einem Thema, in dem diese Kunst verstörend wirkt. Definitiv Geschmacksache und für Leser von "Schiffbruch mit Tiger" sicher ein Stolperstein.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Erwartungen erfüllt, 24. Januar 2011
Ich muss zugeben, dass ich sehr große Erwartungen an das neue Buch von Yann Martel hatte, dessen Bestseller "Schiffbruch mit Tiger" zu den besten Büchern gehört, die ich bis dato gelesen habe.

Was "Ein Hemd des 20. Jahrhunderts" angeht, wurde sie absolut erfüllt und vielleicht auch übertroffen.
Ich sehe wenig Sinn darin, in einer Rezension die Handlung zusammenzufassen, deshalb hier nur eine subjektive Bewertung...

80% des Buches habe ich in einem belebten und lauten Café gelesen und dabei die Welt um mich herum vergessen. Zunächst dachte ich: oh nein, nicht schon wieder das Thema Holocaust, denn darüber ist nun wahrlich schon genug geschrieben worden.
Und nachdem die quasi-Einleitung vorbei war, dachte ich...zum Glück...das Thema ist wohl erstmal raus.

Wie sich Henrys Leben entwickelt führt den Leser so geschickt vom Thema weg, dann drumherum und wieder weg...eine echte Meisterleistung.
Der Einstieg in die Haupthandlung ist so fantastisch (die Birne...) gelungen, dass ich regelrecht verzaubert war.
Dann entwickelt sich das Tema so rasend schnell, dass ich das Buch NICHT weglegen konnte.

Bei "Schiffbruch mit Tiger" kommt der Hammer ja erst am Ende und damit habe ich auch hier gerechnet.
Nun ist es aber so, dass eigentlich durchweg Hämmer kommen, die einem die Luft nehmen und das Ende ist so was von vernichtend, dass ich wirklich 5 Minuten brauchte, um wieder runterzukommen.

Sprachlich ist diese Rezension sicher nicht so anspruchsvoll, wahrscheinlich, weil mir die Worte fehlen, aber das passiert eben nicht nur bei schlimmen sondern auch bei schönen Dingen...

Das einzige Fazit: ein großartiges großartiges großartiges Buch! Ich wette, Martels Werke werden einmal verfilmt und dass er irgendwann den Nobelpreis bekommt.

UNGLAUBLICh...
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4.0 von 5 Sternen Ein literarischer Zirkelschluss..., 22. Juli 2014
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
...und zwar mit starker autobiographischer Note, das ist dieses Buch, das seine eigene Entstehung thematisiert und das sich auf ungewöhnliche Weise den Schrecken des Holocausts nähert.

Henri, Yann Martels Alter Ego, hat fünf Jahre nach einem Welterfolg (nicht namentlich genannt, aber unschwer zu erahnen: "Schiffbruch mit Tiger") zwei Bücher in einem geschrieben, die beide den Holocaust zum Thema haben: einen Roman und einen literaturkritischen Essay, die so zusammengebunden sein sollen, dass das Buch von der Vorder- und Rückseite aus zu lesen ist und sich die Teile in der Mitte treffen.

Er erleidet dann aber das Trauma seines Berufslebens, als ihm Thema und vor allem Konzept im Rahmen eines Abendessens von der geballten Macht seiner Verleger, eines Buchhändlers und eines Historikers vernichtend um die Ohren geschlagen werden. Er hängt die Schriftstellerei an den Nagel, zieht in eine europäische Metropole und widmet sich seinen Hobbys, seinem Hund Erasmus und der Beantwortung der nach wie vor eintrudelnden Fanpost der Leser seines Erfolgsromans. Deren einer bittet ihn um Hilfe bei einem eigenen Werk, und der Zufall will es, dass dieser, ein alter Tierpräparator, in der selben Stadt wohnt und seine Werkstatt im Rahmen eines Gassigangs mit Erasmus gut zu erreichen ist. Bei diesem Werk handelt es sich um ein allegorisches Stück mit zwei animalischen Protagonisten, Beatrice und Vergil, Eselin die eine, Brüllaffe der andere, und der Ort der Handlung, den die beiden mehr oder weniger ziellos durchwandern, ist, man lese und staune, ein gestreiftes Hemd im KZ-Design. Hm.

Es ist unschwer zu erraten, dass des Präparators Theaterstück die eine Hälfte von Yann Martels erstem Anlauf zum "Hemd des 20. Jahrhunderts" ist. Überdauert hat es in Form von Auszügen, die Henry bei seinen Besuchen in der Werkstatt nach und nach präsentiert werden, und die erahnen lassen, dass der Präparator bzw. sein Schöpfer ihren Beckett tief verinnerlicht haben. Und was ganz unschuldig damit beginnt, dass Vergil seiner Beatrice das Birnenhafte einer Birne so schön beschreibt, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft, entwickelt sich in einer Weise, die dem Leser am Ende das nackte Grauen unter die Haut treibt, und das ohne große Vorwarnung.

Yann Martel wollte den Beweis antreten, dass man sich dem Holocaust auch anders als wissenschaftlich oder biographisch nähern kann. Das ist ihm durchaus gelungen, und dem Leser werden Beatrice und Vergil als Vertreter der sechs Millionen unschuldigen Opfer noch lange im Gedächtnis bleiben. Allerdings bleibt die Figur des Tierpräparators ausgesprochen rätselhaft - man ahnt allenfalls, wo sie herkommt und was sie antreibt, kann es aber doch nicht festmachen, und dadurch bleibt der eigentliche "Schöpfer" der tierischen Hauptdarsteller zu vage. Auch das titelgebende Hemd als Ort der Handlung hat es nicht unbedingt erleichtert, vor dem inneren Auge dieses Lesers ein dem Thema angemessenes "Bühnenbild" entstehen zu lassen. Trotzdem muss man dankbar sein, dass Yann Martel sich, im Gegensatz zu Henry, von der niederschmetternden Reaktion auf seinen Entwurf nicht hat entmutigen lassen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verwirrend und sehr gut, 29. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch glücklicherweise auf eine Empfehlung hin einfach gelesen ohne dass mir der Inhalt bekannt war. Das Thema des Romans ist ein schweres, so dass man sich dem Werk am besten ohne bestimmte eigene vorgefaste Bilder nähert.

Mich hat der Roman gefangen genommen und auch nach dem Ende nicht so recht loslassen wollen, dies liegt zum einen an den erzählerischen Fähigkeiten des Autors, aber auch an dem unkonventionellen Stilmitteln.

Aber ich bin auch verwirrt nach der Lektüre, manche Metaphern habe ich nicht verstanden, manche Passagen benötigt wohl bei der zweiten Lektüre mehr leserische Langsamkeit.

Ein Roman den ich gern gelesen habe und dessen Lektüre mir neue Perspektiven verschafft hat - sehr gut.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Selbstverliebte Detailschilderungen, 3. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Hemd des 20. Jahrhunderts: Roman (Kindle Edition)
Ich hab mich gelangweilt. Martel ist selbstverliebt in seine Detailbeschreibungen. Das Buch fängt stark an und lässt dann bald nach.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen einfach entsetzlich, 4. Dezember 2013
Von 
ich fand es eine ziemliche SCHWEINEREI, so ein schwerverdauliches Thema, wie Folter und Mord der Menschen, Holocaustszenarien, in einen Roma zu verpacken. Den Leser das ganze Buch über in Sicherheit zu wiegen, dass es ja unmöglich etwas mit Holocaust zu tun haben könnte, um auf den letzten paar Seiten Schlag auf Schlag in allen Einzelheiten die Folterprozeduren fast "malerisch" gestaltet zu bekommen. Ich war einfach nur sauer, dass ich mich hab hinters Licht führen lassen, und solche Bilder mir in mein Hirn einpflanzen lassen mußte. Es ist schon schlimm genug zu wissen, dass gemordet, gefoltert, gequält wurde. Wer muß denn wirklich wissen, wie es sich anfühlt, sein eigenes Baby eigenhändig unters Wasser zu halten, "bis es nicht mehr blubbert"? oder eine glühende Eisenstange im Anus???
Einfach nur krank!!!! Kann von dem Buch nur abraten, auch wenn es noch so genial geschrieben ist.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heidegger meets Beckett, 13. September 2010
Daß der Autor von >Schiffbruch mit Tiger< nicht vor großen Themen zurückschreckt, hat er mit seinem ersten erfolgreichen Roman bewiesen, und sein oft als Naivität getarnter Mut ist auch der Hauptzug seines neuesten Werkes. Ging es beim >Tiger< um die Frage, ob ein Mensch mit religiösen Überzeugungen in letzter Konsequenz glücklicher lebt als ein Ungläubiger, nimmt Martel sich nun das heikle Thema des Faschismus vor - genauer gesagt fragt er, wie wir Heutigen diesem Thema, das aktueller ist denn je, begegnen können. Das tut er - hier kommt der Mut ins Spiel - in durchaus Brechtscher Verfremdung in Gestalt einer Tiergeschichte, und die Geschichte spielt in einem Land, das zugleich ein Hemd ist. Wir erfahren nicht, wer dieses Hemd auf dem Rücken trägt, aber wir dürfen vermuten, daß es niemand geringeres ist als die Menschheit, die gebeugt unter der Last des historischen Holocaust ihrem Ende entgegenschlurft. In wunderbar surreal-kargen Dialogen, in denen Martel einem der ganz Großen des zwanzigsten Jahrhunderts, Samuel Beckett, seine Reverenz erweist, räsonnieren ein Affe und ein Esel, was sie tun können, um das zu ertragen, was ihnen widerfahren ist und was sie >>die Greuel<< nennen. Es sind schreckliche Dinge, die sie erlebt haben, Dinge, die, gerade weil ein liebenswerter Esel und ein possierlicher Affe sie erzählen, uns mit der ganzen Wucht des Unglaublichen, Unerhörten, (Un)Menschlichen treffen - Dinge, die ihre Parallelen in jüngerer oder womöglich auch jüngster Geschichte haben. Aber nicht um Nazis, Juden und den historischen Holocaust geht es hier, sondern um etwas viel, viel Schlimmeres - um den alltäglichen Faschismus, den Faschismus in den Köpfen, den Faschismus als Lebenshaltung. Man braucht schon einen Affen und einen Esel, um das klarzumachen, sonst verstellt die zur Schauerfolklore gewordene Historie immer wieder neu den Blick. Längst kriechen sie wieder aus den Schößen, und wem bisher nicht klar war, was da kriecht, der kann sich mit diesem Roman die Augen öffnen lassen.
Wie im >Tiger<, wo der Leser in einem langen Spannungsbogen vom realistischen Anfang über immer surrealere Szenen an einen Punkt gebracht wird, an dem er nur noch die Wahl zwischen dem Kierkegaardschen Sprung und dem nicht minder mutigen Akzeptieren der nackten, bedrückenden Fakten hat, so führt Yann Martel im >Hemd des 20. Jahrhunderts< seinen Leser von skurrilen Anfängen über dramatische Entwicklungen in eine immer kargere, immer abstraktere Welt, in der die Greuel immer weiter reduziert werden, bis am Ende das Wesen des Faschismus bloßliegt. So endet der Roman in zwölf >>Spielen<<, Karteikarten mit kurzen Fragen, so brechtsch wie beckettsch, und die Ironie der Bezeichnung unterstreicht noch die Grausamkeit des Spiels. >>NUMMER NEUN: Hinterher, als alles vorbei ist, begegnest du Gott. Was sagst du zu Gott?<<
Zwölf kleine Tests (tatsächlich sind die Spiele psychologischen Tests nachgebildet), mit denen Sie als Leser beweisen können, ob Sie fit sind für den Faschismus kommender Tage. Zwölf Fragen, mit denen Sie feststellen können, wie wohl Ihre Chancen gewesen wären, Auschwitz zu überleben. Die dreizehnte Karteikarte ist leer.
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5.0 von 5 Sternen Ich will mehr ...., 10. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
... von Yann Martel :( Nach Schiffbruch mit Tiger enttäuscht "Virgil und Beatrice" überhaupt nicht. Derselbe tolle Schreibstil, sehr viel autobiographisches, eine rätselhafte Geschichte, die am Ende überrascht und tief bewegt.
Besonders haben mir die Bezüge zu anderen Büchern gefallen, die Theater- oder Fabelauszüge machen es unglaublich lesenswert, zuerst ist es Poesie - dann purer Ernst.
Wann kommt das nächste Buch?
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