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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr solide, 4. September 2011
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Daniel Barenboim hatte zum Zeitpunkt dieser Aufnahme - 1996 - schon zwei Inszenierungen des Tristan bei den Bayreuther Festspielen betreut und die Berliner Staatsoper zu einer der profiliertesten Wagner-Bühnen der Welt geformt. In den Titelrollen ist mit Waltraud Meier und Siegfried Jerusalem die damals aktuelle Bayreuther Besetzung aufgeboten. Die Nebenrollen sind ebenfalls mit führenden Wagner-Sängern der Zeit besetzt, eigentlich perfekte Voraussetzungen für eine Aufnahme, die - endlich - alle Wünsche der Wagner-Fans hätte erfüllen können.

Das Ergebnis ist eine sehr sorgfältige, solide Aufnahme ohne wesentliche Kritikpunkte, die gerade zu dem günstigen Preis dieser Ausgabe durchaus empfehlenswert ist, die ich aber nicht zu den absoluten Spitzen-Aufnahmen zählen würde:

Waltraud Meier war die unumstritten führende Isolde der 90er Jahre, sie war (und ist bis heute) eine enorm intensive Interpretin, artikuliert auch den Text sehr deutlich. Damit und mit ihrem dunklen Mezzotimbre (und leichten Schärfen in der ansonsten souveränen Höhe) ist sie damit eine Isolde in der Tradition der großen "Singschauspielerin" Martha Mödl. Dass sie auch eine große Schauspielerin ist, kann man erst ganz würdigen, wenn man sie auch sieht.

Für Siegfried Jerusalem war der Tristan eine absolute Grenzpartie - seine helle jugendliche Heldentenorstimme war ein herrliches Instrument für Rollen von Tamino bis Lohengrin. Zu Rollen wie Tristan oder Siegfried kam er vor allem, weil es schwere Heldentenöre damals kaum noch gab - mit für den Sänger und sein Timbre fatalen Folgen. Hier ist die Stimme noch intakt, er singt den Tristan sehr vorsichtig und instrumental, dadurch etwas blass im Ausdruck, schön und lyrisch vor allem im zweiten Akt. In den Fieberfantasien des dritten Aktes gerät er hörbar an und über Grenzen, selbst in der Studioaufnahme hört man deutliche Wackler. Ein Kraftakt, keine souveräne Bewältigung der Rolle.

Marjana Lipovseks Brangäne klingt im Timbre heller als die Isolde, in den dramatischeren Szenen allerdings ziemlich scharf. Das Wachlied im zweiten Akt singt sie sehr fein, ansonsten dürfte sie zärtlicher, fürsorglicher klingen. Falk Struckmann singt einen sehr heldischen Kurwenal, hat seine besten Momente im ersten Akt und in der Kampfszene des Finales. Die zärtliche Fürsorge des dritten Aktes ist seine Sache eher nicht, die wackelnde Höhe begeistert auch nicht unbedingt.

Der König Marke von Matti Salminen reiht sich nahtlos in die Reihe der großartigen Interpreten dieser Rolle ein, seine Auftritte sind Höhepunkte der Aufnahme. Die Nebenrollen sind sehr überzeugend und prominent besetzt, z. B. mit Uwe Heilmann als junger Seemann und Johan Botha als Melot.

Daniel Barenboim wählt einen eher dunklen, weichen Orchesterklang und mäßige Tempi. Das passt gut zu Meiers dunklem Timbre. Was allerdings häufig fehlt, ist die Innenspannung, die Steigerung hin zu den harmonischen Höhepunkten, wie sie etwa Furtwängler oder Karajan in seiner Live-Aufnahme trotz noch langsamerer Tempi hinreißend gestaltet haben.

Wer schon die eine oder andere Tristan-Aufnahme (z. B. Furtwängler, Böhm, Kleiber oder einen der vielen Live-Mitschnitte) im Schrank stehen hat, braucht diese nicht mehr unbedingt. Wer das Paar Meier/Jerusalem in wirklich perfektem Zusammenspiel erleben will, kann zu der DVD der Bayreuther Produktion greifen.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine moderne Aufnahme mit einem harmonierenden Paar, 27. November 2012
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Ga) (Audio CD)
Die Box enthält auf vier CDs eine Studioaufnahme aus dem Jahr 1995. Der Klang ist technisch nicht überragend, aber gut.

Barenboims Dirigat ist ungewöhnlich und anders als früher gehörte. Der entscheidende Unterschied ist, dass weniger ein durchgehendes Konzept, eine Klangatmosphäre zu hören ist wie bei früheren Dirigenten. Szenen werden aus sich heraus interpretiert, was je für sich interessant ist, aber die Gesamtaustrahlung ein wenig flatterhaft werden lässt. Gemein ist dem gesamten Dirigat aber, dass es tendenziell etwas warm angelegt und jede Szene ein wenig 'anfettet'. Ich muss mich einer Analogie aus der Küche bedienen: vor allem in den instrumentalen Teilen sind die Szenen immer ein wenig aufgepeppt: manchmal sahnig, manchmal malzig, manchmal torfig, manchmal spritzig-prickelnd. Nie zuviel, nie übertrieben, immer so als ob ein Meisterkoch keine leichte Küche produziert, aber die Aufpeppung deutlich spürbar, aber mit viel Gefühl handhabt. Ein interessanter, fordernder Ansatz, den aber vermutlich nicht jeder mag. Ebenso wird vielen wohl fehlen - mir weniger -, dass sirrende Geigenklänge hier viel weniger betont werden. Die hohen Geigenphrasen kommen ein ganzes Stück zurückhaltender daher.

Ein echter Hit dieser Aufnahme ist die große Passung und Harmonie zwischen Tristan / Jerusalem und Isolde / Meier. Manch anderen Aufnahmen leiden darunter, dass die beiden Darsteller je für sich gut auftreten, aber nicht miteinander harmonieren. Hier passt es perfekt und v.a. im zweiten Akt prickelt es dermaßen zwischen Jerusalem und Meier, dass man fast schon schamhaft sein Ohr abwenden möchte. Ein sehr starker Auftritt.

Waltraud Meier hat wie viele Isolden eine eher tiefe Stimme. Sie singt damit sehr emotional und geht die hohen Töne mit einer kontrollierten Höhe an, mit der sie die Dramatik der Phrasen ausdrücken will. Es sind aber sicher nicht die Glanzpunkte ihrer Leistung. Die liegen v.a. in den zarten Phrasen des zweiten Akts. Hier schwebt ihre Stimme mit einer Innigkeit wie über dem Wasser (dabei in perfekter Harmonie mit Jerusalem), dass es einem durch den ganzen Körper fährt. In den schwächeren Momenten setzt sie einige ungewöhnliche dramatische Betonungen einzelner Töne ein, die man in ihrer Intention nicht versteht und die etwas schräg klingen. Auch neigt das Timbre manchmal ein bisschen zum 'wobbeln'. Am Ende gelingt ihr der Liebestod leider nicht. Im Gegensatz zum lyrisch-emotionalen Ansatz von allem vorher wird sie plötzlich dramatisch und peilt stimmliche Höhen an, die ihr einfach nicht zur Verfügung steht. Das klingt nicht schön und ist wenig berührend. Und es ist schade; wäre sie dem Ansatz des 2.Aktes treu geblieben, hätte es herausragend werden können.

Siegfried Jerusalem hat auch ab und zu mal mit ein paar stimmlichen Problemen zu kämpfen, klingt dann v.a. in den Höhen nicht ganz sicher. Das sind aber nur Momente, meist setzt er seine etwas beschränkte Höhe kontrolliert und intelligent ein. Im 1. Akt legen er und Meier ein richtig gutes Streitgespräch aufs Parkett, im 2. Akt ist er überzeugender Liebhaber. Speziell im 3. Akt merkt man sein mangelndes Stimmaterial, aber er schafft es die stimmliche Anstrenung darstellerisch in die angestrengte Expressivität zu wandeln, die die Figur in der Szene verlangt. Kein ganz 'großer' Tristan, aber ein überzeugender und seit Ramon Vinay der authentischte 'Liebhaber'.

Marjana Lipovsek als Brangäne hat auch ein eher dunkles Timbre. Auch sie singt nicht immer ganz sauber, v.a. in den hohen Tönen, dafür aber oft sehr beeindruckend in den Tiefen. Sie transportiert viel Präsenz und Persönlichkeit (vielleicht ab und zu mal einen Tick zu viel). Eine gute Brangäne.

Falk Struckmann ist kein wirklich gelungener Kurwenal. Er arbeitet in Pronuncierung und Artikulation zu sehr mit Opernklischees und kommt ein bisschen als 'Rampensau' rüber. Manche Töne und Rythmen klingen etwas eigenartig. Im 3. Akt ist er überfordert, menschliches Leid auszudrücken.

Matti Salminen singt einen ungewönlich hell klingenden König Marke, was aber ins Gesamtkonzept passt. Darstellerisch gut transportiert er die emotionale Betroffenheit und die enttäuschte Liebe der Figur. Kleine Unebenheiten in der Stimmführung fallen kaum ins Gewicht.

Fazit: Eine im Ansatz moderne Aufnahme, die nicht jedem gefallen wird. Meiers fehlende höhe Töne und Jerusalems fehlende Kraft werden vielen fehlen. Aufgrund der Mängel wären vier Sterne auch gerechtfertigt, ich aber greife zu fünf als Lob für de krachenden Streit zwischen Tristan und Isolde in Akt 1, die mehr als knisternde Erotik in Akt 2 und weil man endlich mal wieder (nach Melchior / Flagstadt und Vinay / Mödl) darauf acht gegeben hat, dass Tristan und Isolde miteinander harmoniere und zwar sowohl als Sänger als auch als Liebespaar.
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Tristan und Isolde (Ga)
Tristan und Isolde (Ga) von Siegfried Jerusalem (Audio CD - 2011)
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