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5.0 von 5 Sternen Kurze Abhandung über die Grenzen der Wissenschaft am Beispiel der Physik, 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Einstein gegen den würfelnden Gott - Teil I: Physik (Kindle Edition)
Nüchtern und sachlich beschreibt Hattrup, wie die Quantenphysik und die Dynamik nichtlinearer Systeme unser Verständnis von Kausalität und Determinismus verändern sollte. Nicht so brillant wie ein Fritjof Capra, aber auch weniger ausschweifend und ideologisch. Und ohne die weitreichenden Schlussfolgerungen eines Hans-Peter Dürr. Erfreulicherweise lässt Hattrup dabei auch den katholischen Theologen - der er nun mal auch ist - weitgehend in der Kiste. So liefert das Buch eine kurze Bestandsaufnahme dessen, was wir aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen des 20. Jh. gelernt haben sollten, es augenscheinlich aber nicht haben. Hattrup entlarvt den heute immer noch vorherrschenden Wissenschaftsglauben als metaphysisches Bedürfnis der Menschen, das nicht nur durch den heutigen Erkenntnisstand nicht mehr gestützt wird, sondern von den Erkenntnissen des 20. Jh. eindeutig ad Absurdum geführt wurde.
Bezeichnend für Hattrups etwas andere Sichtweise scheint mir auch die Tatsache, dass er einen bedeutenden historischen Verdienst von Henri Poincarré in den Vordergrund stellt, der in klassischen Abhandlungen meist unerwähnt bleibt. Nicht das Umfangreiche Arsenal an mathematischen Werkzeugen zur numerischen Lösung komplexer Differentialgleichungssysteme wird hervorgehoben sondern Poincarrés Beseitigung des Jahrhunderte alten Mythos von der Integrabilität solcher Systeme. Schließlich zerstörte Poincarré damit die prognostische Allmacht der Newtonschen Mechanik für alle himmelsmechanischen Systeme, mit mehr als zwei Himmelskörpern. Eine nicht unerhebliche Umwälzung im ausgehenden 19. Jh.
Sehr unterhaltsam auch die Schilderung des philosophischen Konfliktes, dem sich Einstein als großer Denker angesichts der Konsequenzen der Quantentheorie stellen musste und den er bis zu seinem Tod nicht lösen konnte. Heute gelten alle von Einstein ersonnenen, kunstvollen Gedankenexperimente als zu Ungunsten Einsteins entschieden. Ein Umstand der im "Volksglauben" bis heute noch nicht angekommen ist.
In seiner Kürze und Prägnanz wäre dieses Buch hervorragend geeignet den Szientisten und radikalen Aufklärern Popper'scher Färbung die Augen zu öffnen. Da deren Kritikfähigkeit sich nach meiner Erfahrung allerdings lediglich auf Andersdenkende beschränkt, wird wahrscheinlich auch Hattrups Ruf wenig beachtet verhallen. Schade, solche Einsichten könnten vielleicht das Schicksal der Menschheit entscheidend zum Besseren wenden.
Auch wenn ich nicht allen Details in dem Buch zustimmen kann - die etwas willkürlich wirkende Trennung zwischen Wirklichkeit und Natur sei nur ein Beispiel - liefert Dieter Hattrup hier eine erstaunlich unaufgeregte Analyse dessen, was Wissenschaft zu leisten im Stande ist und dessen, was sie nicht vermag. Er zeichnet einen klaren Horizont des möglichen Faktenwissens und grenzt es sauber von den Teilen der Realität ab, die jenseits dieses Horizontes liegen. Er widersteht dabei weitgehend der Versuchung die eigenen Anschauungen als Heilsbotschaft mit feil zu bieten, auch wenn hier und da die christlichen Denkmodelle durchscheinen. Somit lässt das Buch genug Raum zum weiterdenken.
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