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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großer Tristan, zähe Tempi, 11. Juni 2011
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Audio CD)
Herbert von Karajans einziger Studio-Tristan von 1972 kann insgesamt die einheitlichste Besetzung aller Studioaufnahmen der Oper vorweisen. Trotzdem ergreift sie mich persönlich weniger als die Furtwängler-Aufnahme und reißt mich weniger mit als etwa die Böhm-Einspielung.

Das liegt nicht an Jon Vickers: Er vereint die Kraft von Lauritz Melchior mit der Sensibilität von Ludwig Suthaus, ist ein intelligenter, mitreißender Tristan. Zu keiner anderen Rolle passte seine sehr voluminöse, aber in der Höhe nicht glänzende, sondern eher rauhe, fast brüchige Stimme so perfekt wie zu dieser. Kaum ein Interpret hat die Fieberphantasien des dritten Aktes so verinnerlicht, mit so magnetischer Wirkung gestaltet. Etwas störend wirkt nur seine sehr offene und breite Aussprache der Vokale, insbesondere das "i" und "e" (Iiisoldäää). Deshalb bleibt Suthaus zwar mein persönlicher Lieblings-Tristan, trotzdem ist Vickers einer der wenigen ganz großen Darsteller dieser so extrem schwierigen Rolle.

Helga Dernesch ist eine jugendlich lyrische Isolde. Auffällig ist v. a. die stimmliche Ähnlichkeit mit der Brangäne Christa Ludwig. Beide Sängerinnen haben dunkel timbrierte, runde und weiche Stimmen, wobei Dernesch etwas rauher, härter klingt, was sicher gut zu dem erfahreneren Charakter der Isolde passt. Trotzdem habe ich mich ab und zu bei dem Wunsch ertappt, die Sängerinnen wären umgekehrt besetzt worden, auch weil Dernesch neben dem unglaublich ausdrucksvollen Vickers teilweise etwas kühl wirkt. Außerdem ist sie ihm vom Stimmvolumen her nicht wirklich gewachsen.

Die jugendlich warmherzige Brangäne von Christa Ludwig stellt für mich dagegen das Ideal dar. Obwohl die Isolde immer ihre Traumrolle war, war sie als Brangäne zwei Jahrzehnte lang unverzichtbar. Walter Berry findet Kurwenal im dritten Akt zu großer Wirkung als fürsorglicher väterlicher Freund.

Karl Ridderbusch ist ein sehr lyrischer, melancholischer, sehr milder König Marke mit wunderschöner Stimme, und auch Peter Schreier macht als junger Seemann und Hirte seine beiden Auftritte unvergesslich.

Herbert von Karajan wählt wie in allen seinen späteren Aufnahmen sehr langsame Tempi - sogar langsamer als Furtwängler. Und während ich bei letzterem das Gefühl hatte, dass er die Sänger auf den Wogen der Musik trägt, sie frei aussingen lässt, wirken Karajans Tempi eher zäh. Ich hatte beim Hören immer wieder das Gefühl, dass auch die Sänger sich damit ausgesprochen unwohl fühlen und lieber erheblich schneller singen würden.

Zudem ist - ebenfalls typisch für Karajans spätere EMI-Aufnahmen - das Orchester im Verhältnis zu den Sängern sehr weit in den Vordergrund gerückt und klingt - typisch für die EMI - sehr (zu?) samtig rund.

Zusammengefasst ist dies also eine insbesondere von den Sängerleistungen her hervorragende Aufnahme, aber wegen der zähen Tempi und des etwas mulmigen Klangs bleiben meine favorisierten Aufnahmen immer noch die unter Furtwängler und Böhm.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Betontes Orchester und kraftvoller Tristan, 19. November 2012
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan und Isolde (Audio CD)
Die Studioaufnahme stammt aus dem Jahr 1972. Sie ist technisch sauber und bietet einen guten Klang. Karajan interpretiert eindringlich und langsam - nicht immer aber m.E. öfters mal zu langsam und dabei nicht intensiver werdend, sondern leicht nervend. An mehreren Stellen wird er auch sehr dramatisch, aber es ist kein übergreifendes Konzept zu erkennen, wann das passiert. So wirkt das ganze etwas uneinheitlich. Wie auf vielen anderen Aufnahmen ist auch hier zu beklagen, dass an vielen Stellen die Sänger zu sehr vom dramatischen Orchester zugedeckt werden. Tristan und Isoldes Liebesschwüre in Akt 2 müssen sehr gegen das Orchester ankämpfen und der Liebestod ist eher im Hintergrund zu hören.

Helga Dernesch als Isolde hat eine recht tief angelegte Stimme (und ist später in der letzten Phase ihrer Karriere auch ins Mezzofach gewechselt). Das gefällt mir persönlich bei Isolde eigentlich und ich vermisse nicht die hohen, strahlenden Töne. Es fehlt ihr aber in der Tiefe Wucht, Kraft und Präsenz. Sie hat ein schönes Timbre (das sie auch ein bisschen verdiartig nicht über- aber doch betont einsetzt), wirkt aber für diese Rolle oft etwas zu wenig präsent. Ihre Interpretation ist innig angelegt. Sie versucht die Seele Isoldes auszuleuchten. Man kann das merken, aber sie kommt nicht so richtig weit. Das bleibt im ganzen ein wenig oberflächlich.

Jon Vickers als Tristan kann im Prinzip mit viel mehr Kraft aufwarten. Sich an seine Partnerin anpassend hält er sich aber in Akt 1 und 2 recht zurück und bleibt trotzdem großer Stimmschönheit und einer fundamentalen Kraft einen Tick blass. Auch seine Emotionalität in Akt 2 bleibt etwas oberflächlich. Im ganzen 'singen' Dernesch und Vickers die Töne, sie stellen sie nicht mit sängerischen Mitteln dar. In den Monologen des dritten Aktes wird Vickers expressiver, dabei auch druckvoller und singt mit sehr schönen Bögen. Kein ganz hochklassiger, aber ein überzeugender Tristan.

Christa Ludwig ist eine sehr gute Brangäne. Sie singt rund und voll, schön fließend und verbreitet im Hintergrund viel geheimnisvolle Atmosphäre. Auch ihre Wucht und Präsenz ist etwas eingschränkt, aber das ist gut, um Dernesch nicht zuzudecken.

Walter Berry als Kurwenal kann mich nicht überzeugen. Berry hatte seine größten Erfolge in Wien in Mozartopern in eher heiteren Rollen. Er hat wohl auch anderes, schwereres überzeugend gesungen, aber viele meinen, dass sein Ausflug ins Wagnerfach nicht gelungen war. Dem kann man partiell zustimmen. Er hat eigentlich eine schöne, kräftige, wandlungsfähige Stimme dafür und sicher auch die nötige sängerische Intelligenz, aber zumindest hier bricht zuviel Wiener Schmäh und rollendes 'R' durch und der Kurwenal ist hier mehr der lustige Kumpel von Tristan als sein ihn verehrender, in den Tod folgender Freund (Berry müht sich in Akt 3 redlich und macht das technisch auch ganz richtig, aber den Grundausdruck kriegt er nicht ganz raus).

Auch Karl Ridderbusch als König Marke fand ich nicht überzeugend. Er bleibt für mich eher blass und personenlos. Noch mehr trifft für ihn zu, dass er die Rolle singt, aber nicht darstellt. Seine Stimme freilich klingt kräftig und schön.

Fazit: Ein sicher ordentlicher Tristan, den man gut hören kann und der durch seine zurückhaltende Art für Einsteiger in die ja zuweilen doch etwas forderne Musik vielleicht gar nicht verkehrt ist. Wirklich empfehlen kann ich die Aufnahme aber nicht.
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Tristan Und Isolde
Tristan Und Isolde von Herbert von Karajan
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