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48 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Worpswas? Worpswede!
Ein wunderbares Buch. Der Autor nimmt einen mit auf die Reise durch ein Jahrhundert und man begleitet die Familie Kück durch Jahrzehnte und nimmt an verschiedenen Epochen teil. Man erlebt die 68er, die schwierigen Jahre des Nationalsozialismus und kommt immer wieder zurück in das Jetzt.
Der Roman liest sich sehr flüssig und man kommt schnell bei der...
Veröffentlicht am 16. März 2010 von Litzo

versus
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchwachsen....
Zwar gibt es hier schon haufenweise Rezensionen, aber ich gebe auch mal meinen Senf dazu ;)
Ich finde das Buch durchwachsen, es hat einerseits seinen Reiz für mich als Künstlerin, weil hier ein paar Dinge wie eine stellvertretende traditionelle Malerkolonie, Talenfeststellung oder die Vergabe von Stipendien locker auf die Schippe genommen werden...
Veröffentlicht am 29. Februar 2012 von Ariane Zuber


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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchwachsen...., 29. Februar 2012
Von 
Ariane Zuber (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Zwar gibt es hier schon haufenweise Rezensionen, aber ich gebe auch mal meinen Senf dazu ;)
Ich finde das Buch durchwachsen, es hat einerseits seinen Reiz für mich als Künstlerin, weil hier ein paar Dinge wie eine stellvertretende traditionelle Malerkolonie, Talenfeststellung oder die Vergabe von Stipendien locker auf die Schippe genommen werden. Andereseits bin ich aber ehrlicherweise etwas übersättigt von den nationalsozialistischen dunklen Geheimnissen im Allgemeinen.

Ich mag einen Teil der skurrilen Charaktere sehr, auch dass die unentbehrlichen 68er "abgewatscht" werden ist okay, aber ab einem bestimmten Punkt dachte ich, oh nein, noch ein Irrer. Man könnte auf die Idee kommen, alle sind verrückt außer dem Protagonisten Paul, der dafür absolut langweilig als Person rüberkommt. Gefällt mir als Stilmittel nicht so. Dass dann der nationalsozialistischen Komponente noch eins draufgesetzt wird wegen Mißbrauch und Vergewaltigung - das ist mir zusammen mit Gefühlskälte, Verdrängung in der Familie, vertauschte Kinder und so weiter einfach zuviel.

Der Roman Hat Witz und Biss, ist schon spannend, man will auch durchaus wissen wie es ausgeht - pfiffige Krimileser ahnen jedoch schon Ende des zweiten Drittels des Buches - worauf es mit der verschwundenen Frau hinaus läuft...ABER: es ist mir alles viel zu dick aufgetragen - da geht noch einer und hier passt auch noch was - weniger wäre mehr gewesen, finde ich, die Charaktere hätten sich in ihrer Skurrilität selbst auf zwei Romane verteilt noch die Klinke in die Hand gegeben.

Aber schön, dass der Autor so kreativ ist und so viel über Kunst weiss, mal sehen, wie der nächste Roman wird ;)
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48 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Worpswas? Worpswede!, 16. März 2010
Ein wunderbares Buch. Der Autor nimmt einen mit auf die Reise durch ein Jahrhundert und man begleitet die Familie Kück durch Jahrzehnte und nimmt an verschiedenen Epochen teil. Man erlebt die 68er, die schwierigen Jahre des Nationalsozialismus und kommt immer wieder zurück in das Jetzt.
Der Roman liest sich sehr flüssig und man kommt schnell bei der Handlung an. Man erlebt bildlich den Ort Worpswede mit seinen Künstlern und Bauern und all die anderen Bewohner. Der Autor lässt einen schnell am Geschehen teilhaben und man entwickelt Sympathie auch für die skurrilsten Figuren.
Moritz Rinke versteht es glaubwürdig das Reale mit dem Fiktiven zu vermischen und den Spannungsbogen bis zum Ende zu halten.
Auch wenn hier ein ernstes Thema wie der Nationalsozialismus angesprochen wird, kommen der Humor und die Ironie nie zu kurz.
Ein Thema zum nachdenken und selbstverständlich kommt die Frage auf, wie hätte ich gehandelt?"
Dennoch hat man sehr viel Spaß beim lesen und möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, habe ich gleich noch einmal von vorne angefangen und mich erneut amüsiert.

Ich hatte auf jeden Fall den Wunsch, nach Worpswede fahren zu wollen und diesen so wundervoll beschriebenen Ort zu besuchen.

Natürlich gibt es für diesen einzigartigen Roman volle 5 Sterne von mir.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moritz, ich will ein Kind von Dir!, 7. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich verbeuge mich vor dem Autor.
Selten einen Roman gelesen, der gleichzeitig so leicht, so witzig, so unterhaltsam und doch so gehaltvoll ist. Ich habe mich köstlich über die Figuren und die scharfsinnigen und mit einer gehörigen Portion (Selbst?)Ironie gewürzten Beobachtungen des Autors amüsiert. Dennoch gab es immer wieder Momente, in denen mir auch der Atem stockte. Ein ganz tolles und wirklich überraschendes Buch mit viel Atmosphäre.
Danke Moritz!! :)
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moorleichen, 26. Mai 2010
Gerade habe ich diesen spannenden Roman fertig gelesen und bin sehr begeistert. Der Titel ist etwas irreführend, denn eine Zeitreise ist es nicht, sondern eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Der Handlungsort ist Worpswede mit seiner Künstlerkolonie, dem Teufelsmoor und seinen Himmeln; obwohl es in Berlin beginnt. Die Auseinandersetzung mit der Kunst findet auf vielen Ebenen statt - großartig. Sinn und Unsinn von Kunst, Kunstkonsum, die Wirkung von Kunst auch auf deren Schöpfer und dessen Umfeld und dem eigentlichen kreativen Schöpfungsprozess.
Ein Mittdreißiger ist der Hauptprotagonist namens Paul Wendland. Weil sein Erbe im Teufelsmoor zu versinken droht, verlässt er auf Drängen seiner Salat schickenden Mutter mit esoterisch indiensakralem Psychotick seine glücklose Galerie, um in das Elternhaus seiner frühsten Kindheit zurückzukehren und von der Vergangenheit eingeholt zu werden.
Als Enkel des angesehenen und beneideten Bildhauers Paul Kück räumt er stückweise auf mit der unseligen Geschichte, den Verstrickungen in die Nazidiktatur und den ungeliebten Familienmitgliedern. Dabei durchlebt er eine ganz eigene und für ihn wichtige Emanzipation von seiner Mutter und deren Eltern und muss auch für seine Biografie etwas Neues entdecken.
Die Figuren sind alle sehr gut detailliert beschrieben und wirken authentisch. Herrlich ist die schwer verständliche Mundart der Region, die familiären Namensgebungen bis hin zum Nullkück". Es gibt Lichtgestalten", die mir ans Herz gewachsen sind und mit denen ich gelitten habe; daneben gibt es dankbare Hassgestalten".
Ich empfehle es sehr gern weiter, auch als Schullektüre für die Oberstufe.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios in Szene gesetzter Mikrokosmos, 4. Dezember 2010
Rabenschwarz, innovativ und humorvoll zeichnet Moritz Rinke seine ganz persönliche Künstlerkolonie Worpswede mit all ihren einzig-und eigenartigen Protagonisten.
Mittels markanter Schriebart und der Fähigkeit, diesen ganzen morastigen Schicksalshaftigkeiten und teils dunklen Familientragödien in Worpswede eine nachhaltige Atmosphäre einzuhauchen, ist dem Autoren ein hervorragendes Stück Literatur gelungen.

Dieser Paul Wendland, mit der Rettung des großväterlichen Künstleranwesens heillos überfordert, kann einem nur leidtun. Dem Willen und Wollen seiner Mutter ausgesetzt, kann er gar nicht anders, als die dunklen Familiengeheimnisse wahrhaftig aus dem Moor zu ziehen. Hier verschwimmen Kunst und Geschichte, es geht um Moral, ewige Rache und diesem manchmal öd und verloren scheinenden Mikrokosmos Worpswede, welcher seine Protagonisten mit sich ins Moor verfrachtet. Paul verliert den Halt, sich selbst und kann nur hilflos beäugen, wie seine edle Intention aufgrund der Dämonen der Vergangenheit und seine eigene Unfähigkeit pervertiert wird.

Ganz stark wirkt nicht nur die Handlung als solche (mit seinen stimmigen Rückblicken in die Vergangenheit), sondern auch die Zeichnung der vielfältigen Personen mit der für die Gegend wohl typischen Charakteristika. Dazu kommen die einen oder anderen Exoten, die dann wiederum so gar nicht 'in die Landschaft passen wollen'.

Fazit: Das Buch hat mir eben deswegen so gut gefallen, weil es anders ist. Ich finde, es lässt sich schwer in ein Schema pressen und das ist auch gut so. Rinke besticht durch eine (humorvolle) Handlung mit Erinnerungswert und Charakteren, die einfach toll kreiert wurden.
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr unterhaltsam ..., 13. Mai 2010
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
... ist es, wenn Moorleichen zurück an die Oberfläche kommen. Zwar ist es sehr leicht, etwas im Moor zu versenken und auf diese Weise verschwinden zu lassen, aber man darf dabei eines nicht vergessen: Das Moor ist ein großartiger Konservator. In seinem Innern wird nichts zerstört, sondern nur gelagert - solange, bis die menschliche Verdrängungskunst und die Heuchelei erfolgreich zum Ziel gekommen sind. Es ist Gras über die Sache gewachsen. Und dann schlägt das Moor wieder zu. Gnadenlos gibt es die Dinge preis, krempelt ganze Familien und Geschichten um. Erst jetzt fängt die Zerstörung an, allerdings auf der anderen Seite. So auch in der Familie von Paul Kück in Worpswede. Er selbst wohnt seit Jahren nicht mehr in der Künstlerkolonie im Teufelsmoor. Seine Mutter lebt inzwischen auf Lanzarote, sein Vater in den USA, alle anderen sind tot. Bis auf Nullkück, der zurückgebliebene (doppeldeutig!) Sohn des Sohnes von Pauls Großvater. Er hält das Haus und die Skulpturen von Pauls Großvater in Stand und misst, wieweit sowohl diese als auch das Haus selbst im Moor versinken. Als es kritisch wird, wird Paul in die Heimat geholt. Lust hat er keine und die wird auch noch immer weniger, als bei der versuchten Rettung des Hauses die Moorleichen ans Licht kommen und die Geschichte neu geschrieben werden muss.
Herrlich überzeichnet hat Moritz Rinke seine Figuren. Besonders der Kontrast zwischen Bauern und Künstlern hätte nicht besser gezeichnet werden können. Man muss über all die Tragik der Geschichte schmunzeln und manchmal sogar laut lachen. Dem Leser macht es Spaß, den unaufhaltbaren Untergang des Hauses und seiner Familie zu verfolgen. Ich weiß, das gehört sich nicht, ist aber auf jeden Fall beabsichtigt. Denn natürlich entlarvt Rinke mit seiner Geschichte die Methoden der Vertuschung, die in der Gesellschaft nicht selten zu finden sind. Fesselnd bis zum Schluss.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Roman über die Verdrängung, 12. September 2011
Der junge Paul, erfolgloser Galerist, kommt aus Berlin zurück in sein Heimatdorf, eine berühmte Künstlerkolonie in Norddeutschland, um sich um sein Erbe, das Haus seines verstorbenen Großvaters zu kümmern. Dieses droht im Moor zu versinken.
Bei der Arbeit daran entdeckt er Unbekanntes aus der Geschichte seiner Familie. So hatte der Großvater, einer der bekannteren Künstler der Kolonie, ein deutlich besseres Verhältnis zum Nationalsozialismus, als man es bislang annehmen konnte bzw. als es dem jungen Paul lieb ist. Zudem tun sich auch zunehmend innerfamiliäre Abgründe auf.

"Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" ist ein gut zu lesender Roman mit skurrilen Figuren und teils witzigen, teils sehr nachdenklich machenden Passagen. Das Buch hat autobiographische Elemente, Rinke ist in Worswede geboren.
Interessant finde ich seine Auseinandersetzung mit der Rolle der Künstlerkolonie zwischen 1933 und 1945 und deren Nähe zu der Ideologie der Nationalsozialisten. Es ist aber auch eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart für die der junge Paul steht. Denn auch dieser versucht zur Wahrung seines eigenen Vorteils die Realität zu verdrängen bzw. zu vertuschen.
Insgesamt finde ich Rinkes Ambitionen in Sachen Vergangenheitsbewältigung aber angenehm gelassen. Vielleicht hat mir der Roman deswegen so gut gefallen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rinkes Romandebüt versinkt ganz sicher nicht im Moor!, 10. März 2011
">>Wat denn, wie kann eenem denn dit Haus versink'n?<<, fragte der Blumenhändler. >>Wenn es keinen Halt mehr hat<<, antwortete Paul."

Moritz Rinkes Romandebüt "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel" trägt deutlich die Handschrift des Dramatikers. Die Geschichte wird ebenfalls vor allem durch absurde und dadurch (tragisch-)komische Wendungen vorangetrieben.
Paul Wendland-Kück, der sich größte Mühe gibt, seinen zweiten Namen, der seine Herkunft aus dem Künstlerkaff Worpswede wie ein Stigmata hinterließ, zu verleugnen, versucht mit einer Galerie in Berlin erfolgreich zu werden. Doch diese Unternehmung wird bisher nicht von Erfolg gekrönt. Ob das nun vom Umstand herrührt, daß sie am falschen Ende der Straße, des eigentlich angesagten Trendviertels, liegt oder daß er schlicht seiner Zeit voraus ist, indem er versucht einen blinden Künstler, der ausschließlich Bilder seiner toten Tochter malt, erfolgreich zu vermarkten, bleibt ungeklärt. Vorerst muss nämlich Paul zurück ins Moor, um das darin versinkende Haus seiner Kindheit und damit sein Erbe, zu retten. Gestört wird er bei diesem Unterfangen immer wieder von seiner Öko-Mutter, die ihm dringend frischen Salat aus Lanzarote in die vitaminlose Großstadt schicken will und die Gedanken an seine Freundin, die neuerdings in Barcelona begeistert die springenden Gene von Schlauchpilzen untersucht und ihn scheinbar ganz vergessen hat.
Die Widrigkeiten nehmen im Verlaufe der Handlung eher zu als ab und Paul hat bei Weitem nicht nur mit seiner Moorallergie zu kämpfen. Er gräbt nicht nur im Boden, um seinen Geburtsschrank zu retten, sondern in seiner Vergangenheit und muss sich zunehmend eingestehen, daß seiner Kindheit nicht der süße Geruch von Butterkuchen anhaftet, sondern der Gestank von Nazis, Inzest und einer Lebenslüge.
Man darf sich dabei sicherlich die Frage stellen, inwieweit die Schuldfrage des Dritten Reiches heute noch aktuell ist. Jedoch ist sie allein es glücklicherweise nicht, die die Problematik des Romans konstruiert. Es geht um viel mehr. Um die Negierung der Herkunft und die Erkenntnis ihr letztlich doch nicht entfliehen zu können, da irgendwann alles ans Licht tritt. Und sei es in diesem Falle auch nur das trübe Licht des Moores. Rinke lässt dieses zu keinem Zeitpunkt dominieren, da jeder, noch so dramatische Umstand, durch seinen einzigartigen Humor aufgelockert wird. Es ist doch nur allzu komisch, wenn der plötzlich auftauchende Reichsbauernführer mit dem erhobenen rechten Arm Max Schmeling in seiner Boxerpose nahezu brüderlich gleicht, eine Horde Parkinson-Patienten regelmäßig das Personal des örtlichen Puffs blockiert und der debile Nullkück, der nie ein Wort spricht, als der heimliche Internetschwerenöter der ganzen Region herausstellt.
Sprachlich glänzt Rinke wider Erwarten. Die knapp 500 Seiten ließen die zeit im Moor nur so verfliegen. Ich würde mich jedenfalls sehr über eine Fortsetzung freuen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Butterkuchen von Vergangenheitsgespenstern, 4. September 2010
Von 
Mimir - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Paul Wendland, Künstlerkind und erfolgloser Galerist in Berlin, reist von der Hauptstadt nach Worpswede, um das Haus seines Großvaters vor dem Versinken im Moor zu retten. Der verstorbene Großvater, ein typischer Worpsweder, ein erfolgreicher Bildhauer, hatte im weitläufigen Garten des Anwesens eindrucksvolle Bronzefiguren von Napoleon über Max Schmeling bis zu Willy Brandt aufgestellt. Ein angebissenes Stück Butterkuchen wurde von Pauls Großmutter in der Tiefkühltruhe aufbewahrt, als Beweis für den Besuch des Kanzlers und aufrechten Sozialdemokraten.

Als sich Paul aktiv grabend um den Erhalt des Anwesens kümmert, unterstützt von Nullkück, einem leicht debilen Verwandten aus der weitläufigen Familie Kück, taucht ein übermannshohes Denkmal des NS-Bauernführers Darré aus dem Moor auf, das ein verändertes Licht auf Großvaters politische Gesinnung und seine Kontakte zu den Nazi-Größen wirft. Peter Ohlrogge, ein aus dem Dorf vertriebener Einzelgänger und früherer Liebhaber von Pauls Mutter, sieht dabei seine Chance auf Vergeltung seiner durch die Kücksche Familie erlittenen Schmach.

Moritz Rinke beschreibt in eigentümlich distanzierter Nähe die fiktive Lebensgeschichte der so zahlreichen und unterschiedlichen Kücks. Ihm gelingt es dabei meisterhaft, (möglicherweise) autobiografische Abschnitte und historische Persönlichkeiten in den Roman einfließen lassen und damit ein scheinbar wirklichkeitsnahes Abbild der Künstlergemeinde Worpswede mit ihrem einzigartigen Flair in den letzten Jahrzehnten zu erschaffen. Die teilweise recht obskure Geschichte ist locker erzählt, hat ihre Längen, ist aber immer amüsant zu lesen. Auch und trotz der Bezüge zur nationalsozialistischen Vergangenheit, der Verstrickung der Künstler.

Dabei bleiben versteckt psychologische Deutungsperlen (»Ja, sagt er sich, es sind andere, die sein Verhalten veranlassen.«) und aktuelle Gesellschaftskritik (»Die Unmoralischen, die Mörder, die lauern doch heute überall viel getarnter, kaschiert hinter globalen Indexen, bunten Krawatten und schöner Werbung.«) nicht außen vor. Mit Pauls Arbeit auf dem Anwesen im Moor ist Rinke ein eindrucksvolles Bild für das Leben, das kleine Universum Worpswede und den ganzen Rest gelungen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Humorvoller Umgang mit deutscher Geschichte, 8. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel: Roman (Kindle Edition)
Der Roman beweist, dass ein ernsthafter Umgang mit der Geschichte möglich ist, ohne belehrend zu wirken. Besonders gefallen hat mir das Worpsweder Lokalkolorit. Der Aufbau war so spannend, dass ich das Buch ungerne aus der Hand legte.
Zu empfehlen als humorvolles Werk nebenbei, obwohl die Bilder und Zusammenhäne auch zum Nachdenken anregen.
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