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101 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beachtlicher Erzähler
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben.

Das ist spannend. Und unterhaltsam...
Veröffentlicht am 3. August 2010 von M. C. Kepling

versus
40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne
Dass sich bei einem so rasch nachgeschobenen Buch der gleichen Manier das Niveau halten lassen würde, das der Autor in seinem Erstling "Verbrechen" adhoc erreichte, das haben wohl selbst Autor und Verlag nicht erwartet. "Schuld" wirkt wie eine Zusammenstellung derjenigen Geschichten, die man aus "Verbrechen" zunächst ausgeschlossen hat, weil sie qualitativ nicht...
Veröffentlicht am 7. Februar 2011 von film-o-meter


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40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Dass sich bei einem so rasch nachgeschobenen Buch der gleichen Manier das Niveau halten lassen würde, das der Autor in seinem Erstling "Verbrechen" adhoc erreichte, das haben wohl selbst Autor und Verlag nicht erwartet. "Schuld" wirkt wie eine Zusammenstellung derjenigen Geschichten, die man aus "Verbrechen" zunächst ausgeschlossen hat, weil sie qualitativ nicht ganz an die dort veröffentlichten Geschichten heranreichen. Die besten Geschichten in "Schuld" sind jedenfalls nicht besser als die schwächeren in "Verbrechen".

Die lakonisch-schroffen Sätze des erfolgreichen Strafverteidigers wirken nun, bei der zweiten Begegnung mit ihnen, schon etwas gekünstelt und lassen die Texte, die keinen so starken Inhalt haben, ins Banale abdriften. Als wollte er sich vorauseilend vor diesem Vorwurf schützen, hat von Schirach auch einen banalen Aristoteles-Satz zum Motto dieses Buches erkoren: "Die Dinge sind, wie sie sind." Viele Geschichten, die sind, wie sie sind, sind so kurz und knapp skizziert, dass sie kaum nachwirken. Auch hat sich der Verlag von dem Werbebanner mit der Aufschrift: "Es ist alles wahr!" verabschiedet, was wohl das Eingeständnis sein soll, dass der Autor nun häufiger das Terrain der puren Fiktion betreten hat (etwas, das man mit Blick auf die Schweigepflicht schon bei "Verbrechen" gemutmaßt hat). Das Ausgedachte merkt man einzelnen Geschichten auch an - eine Polizistin, die sich bei Fotografien von Leichen ("Der Koffer") gleich übergibt, das ist wohl mehr Filmklischee als Realität -, allerdings - und das versehe ich mit einem Ausrufezeichen - gereichen diese Momente den Erzählungen eher zu ihrem Vor- als zu ihrem Nachteil. So ist die durch eine Reihe komischer Zufälle geprägte Geschichte "Der Schlüssel", die eher an "Pulp Fiction" trifft "Soul Kitchen" erinnert als an einen authentischen Vorfall, ein Höhepunkt der Sammlung. Man hat das Gefühl eines entfesselt und von der Last der Authentizität befreit auftrumpfenden Autors, der sich jede erzählerische Freiheit nimmt, um die aberwitzige, schwarzhumorige Geschichte zweier Drogenhändler zu erzählen, deren verfressene Dogge den Schlüssel zu einem Schließfach mit 250.000 Euro verschluckt und damit eine Reihe folgenschwerer Vorkommnisse auslöst. Eine Dogge, die nach Verabreichung eines Abführmittels einen Maserati mit flüssigem Kot besudelt - wenn das keine filmreife Szene ist!
Die zweite längere Geschichte, "Die Illuminaten", sticht ebenfalls heraus. Auch hier ertappt man von Schirach dabei, wie er sich beim freien Fabulieren auf dünnes Eis begibt: Die Kunstlehrerin, die beim Anblick einer Folterszene tödlich verunglückt und der an sich schon dramatischen Geschichte um Internatszöglinge, die als Exekutivorgane eines selbst gebildeten Geheimbundes einen pickelgesichtigen Mitschüler quälen, eine ganz neue Wendung gibt: arg konstruiert, aber eben auch arg unterhaltsam.

Schließlich - und dieser Vorwurf wirkt schwerer als alle bisher vorgebrachten Einwände - fällt an "Schuld" ein Übermaß an geschilderten Sexualdelikten oder Akten des Sadismus auf, was das etwas ungute Gefühl im Leser hervorruft, dass Autor und Verlag sich der "Sex sells"-Maxime ein bisschen über das sittlich Vertretbare verschrieben haben. Wenn nach hundert Seiten ironischerweise unter dem Titel "Verlangen" der erste Text erscheint, der frei von den dunklen animalischen Trieben ist, weil nur ein paar Socken geklaut werden, wirkt das fast wie ein Feigenblatt.

Der Verlagslogik folgend wird es dieser Kritik zum Trotz bestimmt auch noch einen dritten Band dieser Art geben, der dann wahrscheinlich "Strafe" oder "Sühne" heißt. Oder wie wär's mit "Gericht"? Anschließend dürfte der Pfad aber wirklich ausgetreten sein und von Schirach wird mit einem epischeren Werk unter Beweis stellen müssen, dass er auch andere Erzählformen beherrscht. Er wird das schaffen. Ein kleiner Philip Marlowe ist der schreibende Anwalt, der sich in dem pointierten Schlusspunkt "Geheimnisse" mit dem Ich-Erzähler gleichsetzt, ja schon jetzt.
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101 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beachtlicher Erzähler, 3. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben.

Das ist spannend. Und unterhaltsam. Aber es ist viel mehr als das. Denn von Schirach erzählt nicht einfach nur kuriose und absurde, in irgendeiner Form spektakuläre Fälle, sondern all seine Geschichten führen uns etwas vor Augen: den oftmals unauflösbaren Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Recht und Rechtsempfinden. Von Schirachs Geschichten führen uns an die Grenzen und in die Grenzbereiche unseres Rechtssystems, dorthin, wo moralisch-sittliches Empfinden und im Gesetz verankerte Gebote, Verbote und Regeln sich konträr gegenüber stehen; dorthin, wo sich die Unzulänglichkeiten unseres Rechtssystems in aller Deutlichkeit offenbaren - und davon ausgehend stellt sich unwillkürlich die Frage nach der Schuld.
Nach der Schuld der Täter, die wegen Verfahrensfehlern oder anwaltlicher Cleverness freisgesprochen werden müssen; und auch nach jener der Anwälte, die dem Täter seinen Freispruch erst ermöglicht haben. Die Erzählungen machen also deutlich, was unser Rechtssystem leisten kann, insbesondere aber auch, was es nicht leisten kann, an welchen Stellen es versagt oder versagen muss.
Alle Geschichten schildern uns diese Problematik, aber jede einzelne tut dies aus einem anderen Blickwinkel. Und einige der Geschichten zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Denn von Schirach ist ein überaus beachtenswerter Erzähler. Das Geheimnis seines Erzählstils heißt Reduktion. Bei allem philosophischen Gehalt seiner Stories beschränkt er sich doch nur auf die wesentlichen Konflikte und Gedanken. Diese schildert er in meist kurzen Hauptsätzen, prägnant und präzise, ohne jede Weitschweifigkeit. Er erspart uns ästhetische Ergüsse, er lässt aus und spart ein, was ihm unnötig erscheint - ohne dass die Geschichten an erzählerischer Dichte verlieren würden. Sein Stil ist leicht und flüssig zu lesen, allerdings keineswegs simpel.
Im Gegenteil, sein raffinierter Lakonismus und seine Schnörkellosigkeit erinnern an keinen Geringeren als Ernest Hemingway, den Meister des sprachlichen Understatements.
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Goldesel, streck dich!, 8. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Der erste Band "Verbrechen" schlug (zu recht) ein wie eine Bombe. Ein Jurist schildert lakonisch tatsächliche Verbrechen, deren Vorgeschichte, die Folgen ... bei jeder Story verschlug es mir den Atem; mein Glauben an die Echtheit der Fälle verbuchte allerdings den größten Anteil daran. Im zweiten Band "Schuld" ist sein Stil noch lakonischer - eine Spur zu viel: die Faszination, die sich beim Lesen des Vorgängers einstellte, bleibt diesmal aus: mit seiner typisch "männlichen" Krimi-Schreibe vermag der Verfasser maximal zwei Zentimeter in das Seelenleben der Protagonisten vorzudringen. Einige Vertreter der Fortsetzung kriegen einen ordentlichen Schuß Fiktion draufgekippt, eh sie zu tragbaren Geschichten geschüttelt und gerührt werden. In "Verbrechen" dachte man noch, der Juristenautor würde pure Informationen vom jeweiligen Mandanten schöpfen - in "Schuld" tauchen bei einzelnen Plots Nebenschauplätze auf, die der Schreiber entweder aus anderen Fällen entlehnte oder aber seiner Phantasie entspringen ließ; falls der Mandant diesen irrelevanten Unfug selbst mit ins Spiel brachte, kümmert das längst keinen mehr, da bereits jeder Satz bemüht klingt.
Samt dem Umstand, daß erst durch Verwendung gigantischer Schrifttypen und beliebiger Leerseiten die Buchausgabe eine annehmbare Dicke erreicht, schlußfolgert man, die Herren vom Piper-Verlag haben ihre Geldgeilheit einfach nicht zügeln können und Von Schirach gedrängelt, sich angesichts des Erstlings Riesenerfolg so schnell wie möglich ein Sequel aus den Rippen zu leiern.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schirachs Denkanstöße, 15. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
von Schirachs Denkanstöße
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger. Die Frage nach Schuld und Unschuld, der Blick in die Abgründe menschlichen Seins, das Nachdenken über die Justiz faszinieren immer. In diesem Buch trägt er in knapper Sprache, zuweilen fast skizzenhaft, Fälle vor, bei denen man sich immer wieder fragt, ob hier Wirklichkeiten beschrieben werden oder ob der Verfasser Fälle konstruiert hat, um auf bestimmte Probleme aufmerksam zu machen Da gibt es den Fall der widerlichen Vergewaltigung einer jungen Frau durch eine Musikergruppe, die kostümiert auftrat. Die schwer misshandelte Vergewaltigte konnte keinen der Täter identifizieren, und alle leugneten jegliche Schuld ab, so dass Freisprüche das Ergebnis waren und somit eine Untat ungesühnt blieb.
Fragwürdig auch der Fall des jungen Paares, das als junge Menschen asozial lebte und in dieser Zeit einen Mord beging, der den beiden nicht nachzuweisen war. Sie fanden dann endlich in eine normal bürgerliche Existenz, lebten 19 Jahren völlig einwandfrei. Aber durch die fortschrittlicheren Möglichkeiten der Spurensicherung wurden sie nun als Täter der früheren Untat überführt, zu einer Zeit also, in der sich nichts mehr mit ihrer Vergangenheit gemein hatten. Vor Gericht geladen, blieb ihnen nur die Selbsttötung als letzte Möglichkeit.
Wie schwierig ist die Situation für den Juristen, den Richter, wenn er Recht sprechen muss, weil er an die strikte Einhaltung von Gesetzen gehalten ist, obwohl er weiß, dass dieses Recht einem Menschen nicht gerecht wird. Das wird sehr deutlich am Beispiel der Frau, die über Jahre von ihrem sadistischen Mann misshandelt wird, bis sie ihn im Schlaf tötet. Dass dieser Fall in Wirklichkeit dann anders war, erfuhr Schirach später und der vernünftige Richter vielleicht nie.
Das Buch ist sprachlich ausgezeichnet. Schirach gibt Denkanstöße, Mehr nicht. Aber die sind sehr wichtig.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenig Text für den Preis, 24. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Wer das erste Buch gelesen hat, kann sich dieses Buch eigentlich sparen. Die sachliche trockene Wortwahl ist nach wie vor ungewöhnlich und interessant.

Negativ fallen die große Schrift, viele Leerseiten und viel weiss auf allen Seiten auf. Ein "normales" Buch hätte sicher maximal halb so viele Seiten, dann würde der Preis noch stärker ins Auge fallen. Denn dieser ist für ein Buch, das jeder in 3 Stunden locker lesen kann, stark überzogen.
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19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kurz. Sehr, sehr kurz., 2. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Das Buch hat nur theoretisch 208 Seiten. So viele leere Seiten, riesengroße Absätze, Kinderbuchschriftgröße etc. habe ich selten in einem Buch gesehen. Das sagt nun nichts über den Inhalt aus, ist aber, wie ich finde, äußerst ärgerlich und gerade bei Amazon-Käufen hilfreich zu wissen. Schließlich bestellt man hier Bücher ohne vorher in ihnen herumzublättern.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geht unter die Haut, 3. März 2012
Von 
Nefret - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Taschenbuch)
Sind die Fälle, von denen Ferdinand von Schirach erzählt, wirklich wahr? Eigentlich ist es egal, denn der nüchterne Erzählstil erweckt auf jeden Fall diesen Eindruck. Und darin liegt vor allem die Kraft dieses Buchs. Während ich bei einem fiktiven Thriller noch verdrängen kann, wie die Realität aussehen mag, geht "Schuld" unter die Haut.

Ferdinand von Schirach zeigt, dass es kein Schwarz-Weiß gibt. Wir sollten uns hüten, Opfer und Täter nur nach einer Pressemitteilung zu beurteilen bzw. zu verurteilen.

Besonders berührt hat mich die Kurzgeschichte "Kinder", in der ein Mann zu Unrecht wegen Kindesmissbrauch verurteilt wird.

"Schuld" liest sich sehr schnell. Ich hatte das Buch während der Wartezeit beim Tierarzt fast komplett durchgelesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtige Bewusstmachung, 6. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Wir alle verwechseln oft Gesetze und Rechtssprechung mit GERECHTIGKEIT. Ferdinand von Schirach macht aus seiner Erfahrung als Strafverteidiger an spannenden Beispielen klar, WARUM es eine der größten deutschen Erungenschaften ist, dass wir einen Rechtsstaat, der nicht aus dem Bauch heraus funktioniert, sondern das Recht des Einzelnen, trotz aller möglichen Verstörungen, bis aufs Blut verteidigt.
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22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fantastisch, 5. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Das Buch will den Eindruck erwecken, die geschilderten Kriminalfälle seien so passiert und nur personenbezogene Daten aus rechtlichen Gründen verschwiegen worden. In der Süddeutschen Zeitung vom 31.07. / 01.08.10 gibt der Autor im Interview zu, dass er tatsächliche Vorkommnisse nur benutzt, als seien Personen, Ereignisse, Szenen die Buchstaben eines Druckersetzkastens. Aus einem Geschichtenfundus, der aus selbst erlebten Tatsachen oder einfach nur aus selbst gelesenen Zeitungsartikeln bestehen könnte, setzt er also Handlungsabläufe zusammen, die nie so geschehen sind. Und so liest sich das Buch dann auch: stellenweise durchaus glaubwürdige Situationen in einer Rahmenhandlung eingebettet, die gänzlich der Fantasie des Autors entstammt, bzw. dessen Interpretation des eigenen Erlebensumfeldes darstellt, aber leider reichlich unglaubwürdig ist.

Da behauptet Schirach z. B., eine Schützenfestkapelle bestehend aus ehrbaren Familienvätern des Ortes hätte die Kellnerin spontan und gemeinsam während der Veranstaltung und innerhalb des Festzeltes brutal vergewaltigt und nur, weil durch ein vom Bier nasses T-Shirt Brüste nicht mehr verdeckten. Im Internet (kurz gegoogelt) habe ich einen Fall entdeckt, in dem betrunkene Jugendliche gemeinsam eine Frau auf der Wiese neben einer Schützenfest-Veranstaltung vergewaltigt haben. Wenn ich mir vorstelle, dass Schirach diesen Fall als Buchstabe seines Setzkastens genommen hat, frage ich mich, warum aus betrunkenen Jugendlichen jetzt betrunkene Familienväter werden, die schlimmer als Tiere auf den Reiz "nackte Brust" reagieren. Was für eine Absicht hat solch ein Autor, was für ein Menschenbild will er eigentlich verkaufen? Hinter jeder Fassade der bürgerlichen Wohlanständigkeit lauert das Böse? Das wird immer wieder nur behauptet. Ich war nicht so sehr von den erfundenen Fällen angewidert, sondern mehr von der Einstellung des Autors. Ich vermute, dass es dem Autor um nichts anderes als seine eigene Eitelkeit geht. Er hat leider nicht die Absicht, Kriminalfälle transparent zu machen, die Show, die große Geste genügt ihm vollkommen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich muss gestehen, ich war neugierig..., 25. März 2011
Von 
Minerva - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
was ein Strafverteidiger zu berichten hat - und wurde nicht enttäuscht.

Dieser Band enthält 15 Kurz- und Kürzestgeschichten, die auf realen Fällen basieren und Schirach im Zuge seiner Arbeit begegnet sind. Die Geschichten hinterließen bei mir starken Eindruck, gerade weil sie sich in weiten Teilen wohl so ereignet haben. Sie sind ungewöhnlich, bisweilen skurril und bilden eine große Bandbreite von Verbrechen ab: das reicht von häuslicher Gewalt über Drogenhandel bis zu Folter.

Schirachs Sprache ist knapp und mir persönlich zu emotionslos. Manchmal hatte ich den Eindruck, das Plädoyer eines Strafverteidigers zu lesen. Große Literatur mit lyrisch-knapper Sprache wie Benjamin von Stuckrad-Barre auf dem Außenumschlag schreibt, kann ich nicht erkennen, auch hatte ich beim Lesen keine Glückserlebnisse, dazu sind die Geschichten zu ernst.

Fazit: Von der Länge her sind die Erzählungen gut als Bettlektüre geeignet, vom Inhalt her eher weniger. Die eine oder andere spannende Geschichte wird so manchen Leser wachhalten.
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Schuld: Stories
Schuld: Stories von Ferdinand von Schirach
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