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am 13. Februar 2011
"Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt": Auch nach Lektüre des Buches ist mir vollkommen unklar, wo dieser Untertitel herrührt. Denn wirklich gefährlich wird es nie bei "Inside WikiLeaks", vielmehr reiht Domscheit-Berg zahlreiche Anekdoten aus der Organisation aneinander - das jedoch auf interessante, spannende und gut lesbare Art und Weise.

Was er erzählt, erzählt er sehr ausführlich; teilweise tragen diese Details tatsächlich zu einem besseren Verständnis bei, teilweise lassen sie einen auch nur irritiert zurück. Und manchmal wird man auch den Eindruck nicht los, dass dieses oder jenes Detail nur erwähnt wird, um Julian Assange in ein schlechtes Licht zu rücken.
Vielerorts wurde im Vorfeld die angebliche Abrechnung mit Assange heraufbeschworen. Tatsächlich bemüht sich Domscheit-Berg durchaus um eine faire Darstellung; die Kränkung ist jedoch offensichtlich zu stark, um sie komplett auszublenden.

Die Handlung verpackt er in recht lose thematisch strukturierte Kapitel, die der Chronologie nicht immer strikt folgen. Das ergibt für die Handlung durchaus Sinn, führt jedoch zu einigen Ungenauigkeiten und Inkonsistenzen, die sich wahrscheinlich alle erklären ließen - einen schlechten Eindruck hinterlassen sie trotzdem.

Ebenfalls einen faden Beigeschmack verursacht die immer wieder durchklingende, ach so linksalternative und anarchistische Lebenseinstellung Domscheit-Bergs vor dem Hintergrund seines traditionell und kommerziell veröffentlichten Buches. Auch wenn er bedingt durch sein Engagement in den letzten zwei Jahren quasi nichts verdient hat und sein monetäres Interesse daher nur allzu verständlich erscheint - ginge es ihm wirklich um die Verbreitung der Geschichte, wäre das Buch auch frei im Netz.

Bei aller Kritik bleibt "Inside Wikileaks" ein lesenswertes Buch. Wer den ganz großen Knaller erwartet, wird enttäuscht werden, alle anderen werden ihren Gefallen an den zahlreichen Details finden. Man kann sich auch ohne dieses Buch eine fundierte Meinung zu WikiLeaks bilden; der komplett neue Blickwinkel hilft jedoch definitiv, die Organisation besser zu verstehen.
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am 28. Dezember 2015
Welche Talente DDB auch immer haben mag - schreiben zählt sicherlich nicht dazu. Wenn das hier bereits die mittels "Ghostwriting" aufpolierte Fassung ist, will ich nicht wissen, wie das Original-Manuskript ausgesehen haben mag... o.O

Vor allem der reißerische (Unter-)Titel wirkt angesichts der eher stoffeligen Herangehensweise extrem deplatziert - dabei hätte man angesichts der Thematik problemlos einen spannenden Real-Thriller über eines der bedeutsamsten und kontroversesten Projekte der Internetgeschichte daraus machen können, so man denn etwas Willen und Talent zum Geschichtenerzählen mitbringt. Das aber scheint beiden an diesem Buch beteiligten Autoren so ziemlich abzugehen. Was dabei herauskommt, ist leider nicht viel mehr als ein erzählerisch rohrkrepiertes Sammelsurium von Anekdoten, ständig springt der Text kreuz und quer durch die Zeiten und Locations, die lose Anknüpfung der doch recht persönlichen Abrechnung des Autors mit seiner "großen Liebe" an die ebenso wirr verwurstete Chronologie von WikiLeaks macht das ganze dann leider am Ende über weite Strecken zu einer Art Digital-Schmonzette auf Schüleraufsatz-Niveau, der man deutlich anmerkt, mit welch heißer Nadel sie gestrickt wurde. Statt des erwarteten (und durchaus machbaren) Whistleblow-Thrillers aus der Welt der Digital Natives bekommt man das streckenweise schon fast weinerliche "Tagebuch eines enttäuschten Aktivisten"...

DDB schreibt sich recht offensichtlich seinen Frust von der Seele darüber, wie lange er sich vom Power-Narzissten Assange an der Leine hat führen lassen - in jeder Anekdote schwingt der deutliche Unterton des verletzten Verehrers mit. Sicher ist Assange eine mehr als schwierige Type, und es ist durchaus nachvollziehbar, dass er mit seiner problematischen Persönlichkeit, seinen amokartigen Ego-Trips und seinem teilweise wohl schon fast pathologischen Realitätsverlust sehr viel dazu beigetragen hat, das an sich höchst wertvolle WL-Projekt so dermaßen vor die Wand zu fahren. Doch des Autors Bemühungen, wirklich noch mit jedem einzelnen Nebensatz aus der Zusammenarbeit mit Assange eine Art zerbrochener Padawan-Sith-Lord-Beziehung zu machen und nach Kräften kein gutes Haar an der Persönlichkeit seines ehemaligen Helden zu lassen, sind auf die Dauer ermüdend. Als Leser hätte ich mir mehr WikiLeaks, mehr Technik, mehr echte, aus dem Thema her kommende Spannung gewünscht.

Soll heißen: In so einem Buch will ich keine drei Seiten darüber lesen müssen, wie der schwer angeschlagene, aber stets rechtschaffene Held mit seiner Traumfrau eine Falaffel kalt werden lässt oder wie es riecht, wenn Assange drei Tage die Socken nicht wechselt... Thema verfehlt, setzen, sechs! Wer - auch angesichts der Titelwahl und des Klappentextes - den spannenden, detaillierten Internet-Krimi mit realem Hintergrund erwartet, den das Thema eigentlich defintiv hergäbe, der wird wie ich am Ende das Buch doch ziemlich enttäuscht wieder weglegen. Schade drum.
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"Mein Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" ist Daniel Domscheit-Bergs Aufmachersatz auf dem Cover seines Enthüllungsromans. Das liest sich spannend und suggeriert ein Abtauchen in die dunkle Welt der Geheimnisse, einen Ausflug in das Reich der Mächtigen und ihren Informationen.
Die Idee hinter Wikileaks ist eigentlich grandios. In der "neuen Welt" ist es kaum möglich Geheimnisse zu bewahren, so verrückt das auch klingen mag. Zuviele Menschen haben direkten Zugriff auf geheime Dossiers, Berichte, Akten, Unterlagen oder wie auch immer man sie nennen mag. Auch der schnöde E-Mail Verkehr gehört dazu. Die Veröffentlichung schafft Transparenz und bringt die wahren Hintergründe, Umstände, Verhältnisse etc. ans Licht. Information ist Macht. Wikileaks räumt damit auf, bzw. haben sich das auf ihre Fahnen geschrieben.

Beim Lesen des Buches folgt aber schnell die Ernüchterung. Die Veröffentlichungen sind eigentlich nebensächlich. Es dreht sich hauptsächlich um die Beziehung Daniel Domscheid-Berg, genannt Schmitt(Der Deckname von D.D-B.) und Julian Assange. Überhaupt bekommt man beim Lesen des Buches das Gefühl, das viel von den in der Öffentlichkeit lancierten Klischees über Hacker und Computerfreaks, einfach nur richtig ist. Julian Assange, einer der besten Hacker der Neuzeit, hat immense Probleme im Bereich soziale Kompetenz, was das Arbeiten mit ihm mehr als mühsam macht. Daniel Domscheit-Berg ist Assange anfänglich fast hörig, fühlt sich wohl im Beisein des egozentrischen und scheinbar bindungsgestörten Assange, der neben sich nur wenig an Persönlichkeit akzeptiert und zulässt. Mit der Zeit ergeben sich im zunehmenden Maß Probleme, die eine Zusammenarbeit immer schwieriger machen. Interne Kritik wird laut. Wie in jedem "funktionierendem" Team wäre eine Aussprache ein probates Mittel um gegenzusteuern. Nicht so bei Wikileaks. Totschweigen, das "nichtakzeptieren wollen" von Problemen und das Ausgrenzen Andersdenkender durch den Entzug von Information, ist bei der Führungsspitze von WL an der Tagesordnung. Das Motto der "vollen Transparenz" trifft auf alles zu, aber nicht auf die Führungsspitze von WL.
Assange und Co wächst die Geschichte einfach über den Kopf. Adäquate Problemlösungsstrategien für interne Schwierigkeiten gibt es nicht. Die eigene Überheblichkeit lässt die Fehleranalyse nicht zu.

Es tut mir leid. Das liesst sich wie die Story ein paar pickeliger Teenager, die ein riesen Ding abziehen, aber sich im Streit um ein Steckerl-Eis so in die Wolle kriegen, das sie zuhause alles kurz und klein schlagen. Man kann eine Chance kaum fahrlässiger verspielen. Auf der Internet Seite des NDR(Redaktion ZAPP) ist ein 21minütiges Interview mit Domscheit-Berg zu finden. Kostenlos. Viel mehr erfährt man aus dem Buch auch nicht.
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am 1. Dezember 2013
Die Internas über wikileaks sind schon sehr interessant, allerdings wirken die Erzählungen stellenweise sehr einseitig. Herr Domscheidt-Berg erzählt dann auch von seinen Plänen mit Openleaks, allerdings ist bis heute lediglich die Domain registriert. Dadurch wird seine Erzählung und Kritik an Assange ein wenig unglaubwürdig...
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am 4. Juni 2015
Mit vielen teils peinlich anmutenden Beispielen wird in dem Buch auf angebliche Unzulänglichkeiten von J.A. aufmerksam gemacht, so dass man bald bemerkt es geht nur darum sich selbst als edlen Ritter darzustellen, Mitleid zu erheischen und J.A als diktatorischen Tyrannen darzustellen. Teilweise liest sich das Buch wie das Tagebuch einer nörgelnden Ehefrau, da fehlt es gewaltig an Fingerspitzengefühl. Trotz alledem gab es ein paar Informationen und Geschichten über WL die sehr interessant waren und um die es mir eigentlich ging als ich mir das Buch zulegte den Preis dafür finde ich aber entschieden zu hoch. Am Ende des Buches weiß ich nicht recht ob es um die "gefährliche" Zeit bei WL gehen sollte, um Werbung für OL oder um einen persönlichen Rachefeldzug gegen WL und J,A,
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am 4. April 2011
Das Buch beginnt sehr interessant und vielversprechend. Man taucht ein in die Welt von Wikileaks - eine spannende Reise nimmt ihren Anfang.

Doch sehr schnell ist erkennbar, wohin diese Reise geht, nämlich in die Seele eines zu tiefst gekränkten Menschen, der mit seinem Freund und Weggefährten abrechnet. Domscheit-Berg denunziert Assange und das auf niedrigstem Niveau. Kleinlich schildert er Charakterzüge Julian Assanges die in solch ein Buch, mit solch einem Anspruch nicht rein gehören. Inflationär erzählt er Begebenheiten die Assange in ein schlechtes Licht rücken sollen, die aber mit der Message, der Philosophie und den Hintergründen von Wikileaks nichts zu tun haben. Das Interessante dabei ist, dass das Ganze nach hinten los geht. Daniel Domscheit-Berg rückt sich damit selbst in ein sehr merkwürdiges Licht.

Sehr treffend beschreibt der Journalist Ulrich Clauß Assange: "Nur ein Besessener konnte die Internetplattform Wikileaks erschaffen. Die Öffentlichkeit aber verlangt nach unbefleckten Erlösergestallten. Für diese Paradoxie sollten wir nicht Julian Assange verantwortlich machen."

Von dieser Besessenheit hat Daniel Domscheit-Berg leider sehr wenig. Für mich ist er ein Kleingeist und Denunziant.
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am 11. Januar 2016
Das Buch liest sich sehr gut, flüssig und ist einfach zu verstehen. Ich finde es für 'Einsteiger' in das Thema ganz gut, weil es eben an Julien Assange und vor allem noch viel wichtiger, an die Problematik und Vorteile der weltweiten Vernetzung heranführt. Ich hätte gerne 5 Sterne gegeben, weil ich dieses Buch sehr gut fand, doch ein großes Problem hat das Buch, genauso wie die zugehörige Verfilmung: Die gesamte Geschichte um Wikileaks wird ausschließlich aus der Perspektive Domscheidt-Bergs geschrieben. Dadurch wirkt das Buch teilweise fast schon manipulativ, einseitig und als würde er sich der Autor rechtfertigen wollen. Wenn man es schafft, zwischen den Zeilen zu lesen kann man auch durchaus Assanges Standpunkte nachvollziehen, ich interessiere mich seit dem Buch mehr für Assange und seine Ansichten als die Domscheidt-Bergs, was mit diesem Buch definitiv nicht seine Absicht war.

Von mir aber trotzdem eine Kaufempfehlung!
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am 29. Juni 2015
Daniel Domscheit-Berg läßt keinen Zweifel daran, daß dieser Bericht stark subjektiv ist und nicht den Anspruch erhebt, die Geschichte von WikiLeaks ausgewogen und objektiv darzustellen. Das vorweg.

Nachdem man sich durch die auf knapp 300 Seiten ausgebreiteten und in geschwätzig-weinerlichem Rechtfertigungston verfassten Erinnerungen gelesen hat, versteht man immer besser, weshalb Julian Assange eine weitere Zusammenarbeit mit Daniel Domscheit-Berg unmöglich gefunden haben muß. Auch wenn Domscheit-Berg dies nicht versteht.

Teils wirklich peinliche Anschuldigungen (Julian hat meine Katze gefoltert bis sie psychotisch wurde und mir außerdem meine Ovomaltine weggetrunken) wechseln sich mit dem Vertrauensbruch ab, Interna wie etwa vertrauliche Chatprotokolle zu veröffentlichen. DDB wird nicht müde zu betonen, wie rechtschaffen, idealistisch, fleißig, selbstlos und grundanständig er ist. Wenn er mal Fehler einräumt, wird dies sogleich damit erklärt, er sei einfach viel zu anständig und idealistisch gewesen. Auf der anderen Seite Assange als katzenfolternder Egomane, der nicht zu seinem Wort steht, tagelang die gleichen Kleider trägt, alles mit den Fingern isst und sich die Hände an der Hose abwischt, während er das Sofa bekleckert. Assange nutzt andere DDS zufolge verantwortungslos aus, z.B. indem er ihnen in Aussicht gestellte Reisespesen nicht erstattet, wo dann der gute DDS einspringen darf. Der andererseits die eingesammelten Spenden für sich in eine BahnCard 100 investiert "um keine Kreditkartenspuren zu hinterlassen" (man darf annehmen, er habe die BahnCard 100 denn auch in bar bezahlt, was man im übrigen mit normalen Fahrkarten offenbar nicht tun kann).

Das alles erinnert sehr an den Ton enttäuschter Liebhaber, vielleicht sollte DDS mit Mademoiselle Trierweiler (der Ex von Francois Hollande) eine Selbsthilfegruppe gründen.

Ich hatte mir von diesem Buch in der Tat interessante Einblicke von jemandem erhofft, der ganz nah dran war, es blieb jedoch ein schaler Nachgeschmack: zu viel Schlammschlacht, die Einblicke sind Vertrauensbruch gegenüber früheren Mitstreitern. Ganz zu schweigen davon, daß DDS bei seinem "Ausstieg" (natürlich selbstgewählt) die Einreichungsplatform sabotierte und Geheimdokumente mitnahm, weil WikiLeaks sie angeblich nicht mehr schützen konnte, er somit der einzige war, der für ihre Sicherheit garantieren konnte. Ach wie selbstlos. Anschließend mit dem Konkurrenzprojekt OpenLeaks monumental gescheitert kocht er heute regelmäßig sehr leckere Marmelade, wie man seiner Biographie entnehmen kann.
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am 9. März 2011
Daniel Domscheit-Berg ist enttäuscht. Vor allem und in erster Linie von Julian Assange, mit dem er zu Zeiten eng befreundet war und dessen Enthüllungsplattform WikiLeaks er mit Leidenschaft und Eifer mit bearbeitet hat. Das ist eine wichtige Information zu Beginn, denn selbstverständlich beeinflusst diese innere Enttäuschung in vielfacher Hinsicht den Duktus und die Atmosphäre des Buches.

Dennoch aber legt Daniel Domscheit-Berg einen hochinteressanten und detailreichen Einblick in die Welt hinter der Internetseite vor, der vieles der selbsternannten, modernen Robin Hood Haltung im Blick auf verdeckte Informationen durchaus entmythisiert und die handelnden Personen, allen voran Assange, intensiv beleuchten. Diese Passagen sind aber mit der gebotenen Vorsicht zu genießen im Wissen um die zerbrochene Freundschaft der beiden. Interessant ist das Buch auch in Hinsicht der Erläuterungen Daniel Domscheid-Bergs zu seiner eigenen Haltung völliger Transparenz von Informationen.
Hier spürt man die tiefe Überzeugung und Leidenschaft, die den jungen Daniel damals zu WikiLeaks brachte, in der seine fast Verehrung von Assange begründet liegt und die ihn auch zur weiteren Arbeit nun mit neuen Projekten motiviert (openleaks.org).
Dies sind, hinter den vordergründigen Enthüllungen und der spürbaren Enttäuschung Assange gegenüber die eigentlich starken Momente des Buches. Momente, in denen verständlich und einsichtig wird, was zumindest Domscheid Berg antreibt und welches überzeugte (und überzeugende) Wertgefüge hinter der Arbeit von WikiLeaks auch zu finden war.

Nichts weniger als der Versuch, eine bessere Welt zu schaffen hatte Domscheid-Berg mit Julian Assange zusammengebracht, einer transparenten Welt, in der eben nicht wenige Mächtige die Entscheidungen sich anmaßen, welche und wie viel Informationen "die Welt da draußen verträgt". Höchst erfolgreich hat WikiLeaks hier in den letzten Jahren Lücken in den Deckmantel geschlagen und, wie bekannt, vielfach hochbrisante und erschreckende Informationen veröffentlicht.

Immer mit dem Ziel, wie zu Zeiten der Entwicklung des Zugangsbeschränkungsgesetztes auch im Kontakt mit Ursula von der Leyen, den laufenden Prozess mit zu gestalten und nicht im nachhinein ständig Kritik zu üben. Hier gibt das Buch im Übrigen häufig sehr detailliert Auskunft über den Weg der Informationserlangung und der Informationsverwertung. Ebenso interessant zu lesen ist, dass WikiLeaks scheinbar auch in seiner "großen" Zeit im Kern nur aus zwei Personen Bestand, Assange und Domscheid Berg. Dies hatte gerade Assange öffentlich mehrfach ganz anders dargestellt. In der Arbeitsweise und Zielrichtung von WikiLeaks spielt dies aber letztendlich keine große Rolle, wie viele am Projekt federführend beteiligt waren. Wohl aber im Rahmen de Prüfung der Echtheit jeden Materials. Das die Echtheit zugespielten Materials nur aufgrund einer Prüfung durch Assange und Domscheit-Berg dann freigegeben wurde ist ein Vorgehen mit samt der damit einhergehenden Täuschung der Öffentlichkeit, dass nicht nur Domscheit-Berg nach eigener Aussage belastete. Gerade in Bezug auf das Projekt Wikileaks, dass sich ab 2009 auf die Fahnen geschrieben hatte, mit allen technisch möglichen Mitteln gegen jede Form der Internetzensur und, erweiternd, gegen jede Form von "geheimen" Informationen im Sinne des öffentlichen Interesses vorzugehen. Dazu braucht es eine größere Schar an Mitwirkenden, Rechercheuren und belastbarere Prüfungen sensiblen Materials, als dass es die beiden Betreiber zu Zeiten gewährleisten konnten. Und eine eigene Transparenz, um glaubwürdig zu sein und zu bleiben.

Die Reaktionen der anderen Seiten, allen voran der amerikanischen Justiz, WikiLeaks und seine Betreiber aus dem Spiel zu nehmen sind ebenfalls Thema des Buches, ebenso wie eine ausführliche Darstellung der zunehmenden Distanz des Autors zu Julian Assange.

Daniel Domscheit-Berg hat ein höchst persönlich gefärbtes Buch geschrieben, dass in dieser persönlichen Färbung seine Stärken und Schwächen zugleich findet. Vieles muss vom Leser sorgfältig darauf bedacht werden, dass hier nur eine Seite der Geschichte zu hören ist und diese durchaus sich auch aus verletzten Gefühlen speist. Zum andern aber liest sich Buch hochspannend als ein kenntnisreicher Bericht aus der Welt hinter den Kulissen eines Projektes, dass mehrfach für weltweites Aufsehen sorgte. Allemal ein gute Grund für eine intensive Beschäftigung mit dem Buch.
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am 13. Februar 2011
Wenn Daniel-Domscheidt-Bergs Buch den Untertitel "Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" trägt, dann sollte man schon ungefähr wissen, was einen erwartet: Ein persönlicher Bericht, eine chronologisch am eigenen Leben entlang ERZÄHLTE Geschichte aus der Vor- und Hochzeit von WikiLeaks, voller Details und Anekdoten, mit Beschreibungen statt mit Definitionen. Letztendlich offen im Ergebnis, dabei idealerweise romanhaft und spannend geschrieben, um dem Leser die eingebauten Analysen und Technik-Exkurse schmackhaft zu machen.

Das funktioniert ausgesprochen gut, was nicht verwundert, denn eigentlich ist die Geschichte von WikiLeaks eine Wahnsinns-Abenteuergeschichte, die "5 Freunde und der Server der Gerechtigkeit" gewissermaßen oder "Emil und die Detektive im 21. Jahrhundert": Eine Handvoll Computer-Nerds mit einem maroden Server lassen globale Unternehmen den Schwanz einziehen und führen ganze Nationen an der Nase herum. Das ist eine großartige Geschichte, und es ist großartig erzählt. David gegen Goliath - und Goliath ist chancenlos! Zu schön, um wahr zu sein.
Die WikiLeaks-Story ist auch eine Art NGO-Startup-Geschichte: Aus dem Hinterzimmer an die Weltmacht in vier Jahren. Leider war nach diesen vier Jahren wegen interner Probleme auch erst mal Schluss mit dem Aufstieg. Dazu ist im Buch vieles zu lesen, mit viel Ehrlichkeit, Trauer und Herzblut geschrieben: Trauer um die vernachlässigten Ziele der Organisation und Trauer um eine enge Freundschaft - und auf diese gewesene Freundschaft richtet sich jetzt die ganze mediale Aufmerksamkeit. Die Personen rücken auf Kosten der Inhalte in den Mittelpunkt. Alle stürzen sich auf die Gefühle, weil das Sachliche eigentlich eher unsexy und abstrakt ist.

Die schon vielfach aufgegriffenen Anekdoten - um Leberkäse und "Katzentraining", um vermüllte Aktivistenzimmer und offene bzw. geschlossene Fenster, Julian mit Europalette als Tarnung auf dem Rücken in der Wiesbadener Innenstadt, Julian nächtelang vor der Laptop-Tastatur kauernd - sind das überleitende Moment, sie ergänzen und stützen den argumentativen Teil des Buches durch Beschreibungen. Deshalb sind diese Anekdoten nicht so böse, wie sie oft dargestellt werden, sie machen vielmehr die Personen lebendig, vielschichtig, bei allen Defiziten doch auch liebenswert. Naja, bei Julian fällt das Lieben irgendwann schon schwer.

Klar, Julian wird als äußerst schwieriger Mensch beschrieben, aber seiner Faszination kann man sich auch als Leser lange nicht entziehen. Er ist verrückt, aber cool. Mit dem nötigen Größenwahn, um ein unglaubliches Projekt auf schnellstmögliche Weise zu einem gigantischen Erfolg werden zu lassen. Ein charismatischer Ironiker, der Rollen wechselt und Identitäten erfindet, wie andere ihre Kleider wechseln. Keiner weiß, woher er kommt, keiner weiß, wohin er geht und wer genau er ist. Ein perfektes Idol, dieser slackerhafte Superheld. Ein geborener Popstar. Als Freund, Chef oder Schatzmeister allerdings eher weniger geeignet.
Ganz im Gegensatz dazu Daniel, ein unglamouröser deutscher Informatik-Ingenieur, der antritt, um der gerechten Sache, der größtmöglichen Transparenz nämlich, in präzise geregelten Abläufen zum Erfolg zu verhelfen. Transparenz auch in eigener Sache ist eines seiner wichtigsten Ziele, das gibt seinem Buch etwas Bekenntnishaftes, etwa wenn er gesteht, er habe Julian zeitweise gehasst. Redlichkeit und Moral erscheinen als seine obersten Werte, für die er auch auf eigene Kosten kämpft und notfalls mit dem Kopf durch die Wand geht. Er kommt mir vor wie einer der letzten echten Idealisten - was ihm in unseren idealismusfernen Zeiten natürlich als Egotrip ausgelegt wird.
So mysteriös Julian ist, so verlässlich, bodenständig und strukturiert wirkt Daniel. Er hätte die Untergrundzelle, die die Welt erobert, gerne professionalisiert und zu einer Art ordentlich strukturierter Whistleblower-"Behörde" gemacht, damit die politisch gewollte Anarchie des Projekts nicht im Chaos und der Intransparenz versinkt. Aufmerksamkeit erringt man auf diese Weise natürlich eher nicht.
Eigentlich sind der Popstar und der Ingenieur ein Dream Team, sie ergänzen sich auf geradezu ideale Weise, gerade weil sie so extrem gegensätzlich sind. Wenn sie sich hätten einigen können, dann hätte aus WikiLeaks eine ganz große Sache werden können - das NGO-Pendant zu Google oder Facebook. Aber das war wohl unmöglich.

Wenn man den Tenor in den unzähligen Artikeln und unflätigen Foren-Kommentaren mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches vergleicht, dann begreift man schnell, warum dieses Buch nötig ist: Hier werden Infos zu WikiLeaks von einem Insider ausführlich und im Zusammenhang dargestellt, die in den Medien oft bruchstückhaft, teilweise auch falsch mit viel Phantasie zusammengeleimt werden. Und eine persönliche Notwendigkeit hat das Buch natürlich auch für seinen Autor, der sich die Deutungshoheit über sich selbst und seine ehrenamtliche Arbeit der letzten Jahre von den Medien und aus den Foren zurückholt. Wer an der Wahrheit interessiert ist, muss auch dieses Buch über WikiLeaks gelesen haben!
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