wintersale15_finalsale Hier klicken studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Bauknecht TK EcoStar 8 A+++ Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV

Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen44
3,7 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

VINE-PRODUKTTESTERam 2. Juni 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Brauchen wir noch eine Autobiografie? JA!! Diese schon! Dies ist keine "Autobiografie" im üblichen Sinne - das deutsche Wort beschreibt den Kern der Sache in diesem Fall viel besser: dies ist eine Lebensgeschichte! Gleich von Anfang an wird klar, dass hier kein "Schriftsteller" am Werk ist, der uns mit literarischen Ergüssen erfreuen will - aber nichtsdestotrotz ein Künstler ersten Ranges. Ich lese sehr gerne Autobiografien und jede ist naturgemäß anders. Am liebsten lese ich allerdings diese ungeschliffenen Edelsteine, die absolut authentisch sind und etwas vermitteln vom wirklichen Ursprung dieses speziellen Lebens mit allen Kämpfen und Siegen, Höhen und Tiefen. Und so ist es denn auch eine herrliche Mischung aus unerfreulichen, erschreckenden, erschütternden, erheiternden und siegreichen Episoden, die Tim Raue einfach und völlig unkompliziert "serviert". Was für eine Lebensgeschichte - von einem hin- und hergeschobenen Kind und einem auf einer Gratwanderung befindlichen Jugendlichen zum Sternekoch, der voll und ganz in seiner Bestimmung aufgeht. Selbst Hollywood kann so etwas nicht erfinden! Diese Geschichte zeigt einmal mehr, wie wichtig Vision und Kampfgeist ist. Man möchte dieses Buch so manchem im die Hand drücken, von dem man weiß, dass vieles in ihm steckt und doch von außen und innen demotivierende Kräfte daran zehren. Tim Raue schreibt "frei von der Leber weg" und höchst erfrischend. Einmal angefangen, kann man dieses Buch eigentlich nicht weglegen, bis der krönende Abschluss da ist. Wie dieser Sternekoch selbst in seinem Buch sagt, wurde ihm vielleicht keine "Kanne Talent" über seinem Kopf ausgegossen, allerdings hat er diese "Tasse Talent", die jeder einzelne Mensch besitzt, so gut eingesetzt, wie es eben ging. Ich bewundere seinen Mut und seinen Kampfgeist - auch in Bezug auf seine Persönlichkeit, die halt ab und zu etwas "rau"e ist - und die er nicht hinter irgendeiner Fassade zu verstecken versucht. Tim Raue hat aus seinen Defiziten, seinen Talenten (die er zweifellos mehr als nur "tassenweise" hat!), seinen Träumen und Wünschen ein ganz herrliches Gericht kreiert: ein Leben mitten in seiner ureigenen Bestimmung. Ein sehr ermutigendes Buch, trotz aller Höhen und Tiefen, angeblichen Unmöglichkeiten und Widerständen seinen Traum nicht aufzugeben und hart zu arbeiten. Wenn das keine Botschaft ist! Was ich auch als sehr angenehm empfunden habe, ist, dass Tim Raue diesen "Gesamtverdienst" keineswegs sich allein zuschreibt, sondern viele Menschen würdigt, die kleine oder große Anteile an diesem Erfolg haben, der sich sein Leben nennt. Nicht zuletzt seine Großeltern, die für ihn da waren und einen unschätzbaren Einfluss ausübten als auch viele Freude - auch aus den "Straßenzeiten", und selbstverständlich seine Frau. Was ich besonders toll fand, ist, dass ich zum allerersten Mal (zumindest ansatzweise) begriffen habe, was ein Koch eigentlich ist! Es geht nicht um irgendwelche schön aufgetürmten Kunstwerke, die man essen kann, sondern um eine ganz eigene Welt, in der nur diejenigen wirklich zurecht finden und vor allem auch glücklich sind, die dieses "Koch-Gen" in sich tragen. Immer auf der Suche nach dem neuen Geschmackserlebnis, nach neuen "Kombinationen" und nach dem Geschenk des ultimativen Glücksgefühls, anderen einen schönen Abend zu zweit oder mit vielen Freunden zu bescheren, für den das unbeschreiblich gute Essen die Atmosphäre für eine tolle Gemeinschaft schenkt. Alles in allem kann ich nur sagen: Herr Raue, es war ein Vergnügen, Sie kennen gelernt zu haben - zumindest Ihr Buch empfehle ich aufs wärmste... vielleicht auch einmal Ihr Restaurant.
11 Kommentar2 von 2 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Zuerst, der Titel ist pure Effekthascherei: Tim Raue ist ein Kind, das emotionale Vernachlässigung, Lieblosigkeit und Brutalität erfahren hat, aber nie wirklich Hunger. Ér war arm, aber nie so arm, dass er keine nächste oder übernächste Mahlzeit hatte. Er hatte einen Vater, der immerhin Firmenchef war, ob nun erfolgreich oder nicht und einer Mutter, die regelmäßig als Krankenschwester gearbeitet hat. Raue kommt nicht aus der untersten Unterschicht, sondern aus der (unteren) Mittelschicht. Auch die Großeltern kommen aus dieser Schicht. Und diese Schicht hungert in Deutschland nicht, auch nicht in Berlin.

Tim Raue gehört auch nicht zu jenen bildungsfernen Schichten, wo der Besuch eines Gymnasiums ein unlösbares psychologisches und finanzielles Problem werden kann. Er war auf dem Gymnasium, seiner Schicht entsprechend und hatte alle Chancen zu studieren. Das er es nicht getan hat, lag an seiner Entscheidung. Auch hier handelt es sich nicht um die rührende Geschichte vom Sohn des Arbeiters, der mit eisernem Willen dem Proletariat entkommt sondern um die Geschichte eines Mittelstandskindes, das fast an seinen psychischen Problemen gescheitert wäre.

Und die waren signifikant. Ein brutaler Vater und eine verstörte, verängstlichte Mutter, das Kind endet, über Jahre hin- und hergeschoben auf der Strasse. In einer Gang, die anscheinend, aber eben nur anscheinend das bietet, was seine Familie nicht bot: Klare Strukturen, emotionale Sicherheit. Er erreicht in dieser Gang eine Entwicklungsstufe des Selbst, die ihm später erlauben wird, in der Küche zu überleben. Der Mensch ist bereits an Beziehungen interessiert, er glaubt an Wechselseitigkeit und er glaubt daran, dass jeder Verantwortung für seine Taten übernehmen sollte. Es ist die Entwicklungsstufe des Kriegers: Im Krieg muss man sich aufeinander verlassen können. Also gilt Wechselseitigkeit: Stiehlst Du mir nichts, stehl ich Dir nichts. Es ist eine Gewissensbildung, bei der das Gesetz nicht für den Menschen an sich gilt, a priori, sondern für den Menschen meiner Gang. Daher darf man den anderen, sollte er nicht zur eigenen Gang gehören, ruhig bestehlen, zusammenschlagen, berauben.

Vom Vater lernt er die Gewalt und das hilft ihm auf der Strasse. Er lernt, wie man sich mit Hilfe von Gewalt durchsetzt. Ein interessanter Aspekt des Buches ist das, was er seine 'Reflexe' nennt, die er während der Zeit als 36Boy trainiert. Er geht durch Kreuzberg wie durch ein Kriegsgebiet. Er ist völlig nach aussen fokussiert und muss seinen überaus geschärften Sinnen trauen. Genau das wird ihn später zum Spitzenkoch machen: Man überlebt nur, wenn man seinen Sinnen traut, wenn man sie entwickelt, verfeinert. Man überlebt nicht, wenn man beginnt, nach innen zu schauen und nachzudenken.

In der Küche findet er dann genau das Revier, in dem er all seine Qualitäten ausleben kann. Die unglaubliche Energie, die Kinder aus misshandelnden Familien häufig haben, der ständig überhöhte Stresspegel, die Sucht nach Adrenalin, der Kampf Mann gegen Mann, Mann gegen Teller, immer an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Die Sinne geschärft bis zum Anschlag und der Fokus nach aussen.

Und genau ab diesem Punkt wird das Buch fatal. Im Grunde ist es eine Gewaltverherrlichung. Es bedient die Sehnsucht des Mannes nach dem Ort, wo er Mann sein kann in einem altmodischen macho-mäßigen Sinne. Ein Schlachtfeld, sein Schlachtfeld. Im Kriegsfilm würde Schwarzenegger einfach losballern, wer kann sich im Krieg schon Empathie leisten und entwickelt hätte man die sowieso nicht. Nicht denken, erst schießen, erst die Keule.

Raue hat einfach weiter in einer archaischen Gesellschaft gelebt, in einer Paralellgesellschaft, wo die ihm vertraute Entwicklunsstufe nützlich ist und die Gesetze des Dschungels noch gelten, wo das Testosteron noch sprühen darf. Wo die verwundeten Männer von schönen Frauen gepflegt werden und Florence Nightingale ein Engel ist. Marie macht den Service, er kocht. Er ist an der Front, sie heilt die Wunden und der heiß umkämpfte Teller verlässt als Ausdruck höchster Kultur die Küche. Der Gast, der kultivierte Gast, wird ihm die Gewalt, die zu seiner Produktion führte nicht ansehen und nicht anschmecken. Er fürs Grobe, sie fürs Feine. Auch das Frauenbild ist, bei aller erfolgreichen Karriere von Marie, etwas veraltet, sie gibt ihre eigenen Ambitionen auf ein Studium auf und stellt ihre weibliche Feinheit ihm als seine fehlende Ressource zur Verfügung. Sie begleitet ihn überall hin. Der Kämpfer und sein Engel. Das ist die Rolle, die Frauen schon immer im Krieg gespielt haben und jeder gute Hollywood-Schinken schlachtet das aus.

Und natürlich, auf Öko kann man im Krieg auch nicht weiter Rücksicht nehmen. Die Passage über den ökologischen Fußabdruck und Essen, dass man nur in China kaufen kann, ist aufschlussreich.

Welche Gesellschaft braucht eine Spitzengastronomie, in der das Essen nur mit körperlicher Gewalt herzustellen ist? Wer isst bei Raue, wer kann sich das überhaupt leisten, Weine ab 500,- Euro und Cognac für 160,- das Glas?

Raue kann sich am Schluss das Namedropping dann doch nicht ganz verkneifen und daher kennen wir die Antwort: Raubtiere, die sich im Beruf durchgesetzt haben, können sich das leisten. Einige Gastro-Kritiker sind kultiviert genug, das Essen auch seiner Qualität entsprechend zu schmecken, aber der Großteil der Gäste schmeckt nicht, er belohnt sich für die Erfolge im Beruf mit dem Wissen, dass man sich genau diese Weine leisten kann und genau dieses Statussymbol. Sie genießen letztlich sich selbst. Sie genießen ihre Macht, ihre Potenz, ihre Männlichkeit.

Ich weiss viel zu wenig über Spitzengastronomie, um beurteilen zu können, ob die Küche wirklich ein Schlachtfeld sein muss, um so hohe Qualität bieten zu können. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Aber es bleibt die unangenehme Frage, ob eine solche Spitzengastronomie überhaupt wünschenswert ist. Ob nicht die Produkte der Gewalt letztlich doch mehr Gewalt säen als Kultur. Oder anders formuliert: Wenn das, was Raue da hingelegt hat, als sozialer Aufstieg gelten soll, als 'Kultur', dann wird mir Angst und Bange. Dann spiegelt sich in dieser Spitzengastronomie eine materialistisch-darwinischtische Unkultur.

Ich wollte ursprünglich wenigstens einmal dort essen, bevor ich die Rezension schreibe. Ich hab es mir dann geschenkt. Mir wäre eh nur schlecht geworden und ich frage mich, ob sich Raue mit diesem Buch wirklich einen Gefallen getan hat.

Er weiss also nicht, was Hunger ist, aber weiss, was Gewalt ist und er kocht für eine Gesellschaft, die nicht mehr weiss was Hunger ist und das auch gar nicht wissen will, die aber sehr wohl weiss was Gewalt ist und diese auch weiterhin anwenden wird.
22 Kommentare22 von 26 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 23. Mai 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Ich muss ganz ehrlich zugeben - auch wenn ich das Gesicht schon ein oder zwei mal im deutschen Fernsehen wahrgenommen habe, hätte ich ihm keinen Namen zusortieren können. Und auch der Name selbst hat keinen Klang bei hier hinterlassen - um so interessierter hat mich der Buchtitel gemacht.

Knapp 280 Seiten umfasst das Buch, in dem Tim Raue von seiner Kindheit auf Berlins Strassen hin zu seinem aktuellen Schaffen als Sterne-Koch führt. Als Heranwachsender hin- und hergeschoben zwischen den getrennt lebenden Eltern und sich bei beiden nicht willkommen fühlend, wird die 36Boys Straßengang sein neues familieres Umfeld. Hier lernt er Durchsetzungs- und Stehvermögen, Freundschaft und das etwas Machen wichtiger ist als nur davon zu Reden. Gleichzeitig verbaut seine rebellische Art ihm viele offenen Türen und der vorzeitige Abgang von der Schule schränkt seine Zulunftsperspektiven deutlich ein. Koch ist anfänglich keine echte Wahl - sondern die einzige Möglichkeit, wenn nicht Gärtner oder Maler seine Zukunft sein soll.

Nach diesem Einstieg erfolgt das literarische Abarbeiten seiner bisherigen Stationen als Koch - von ganz unten bis ganz oben, geprägt durch 14-stündige Arbeitstage, Monate ohne einzigen freien Tag und schier grenzenlose Opferbereitschaft. Dazwischen werden immer mal wieder einige Rezeptideen eingestreut, allerdings ohne große Beschreibung oder auch nur Hinweise, wie man so ein Gericht nachkochen könnte.

Eine abschließende Beurteilung fällt mir wirklich schwer. "Ich weiss, was Hunger ist" liest sich gut, gibt einen interessanten und nach meinem Gefühl ehrlichen Einblick in die Karriere des Tim Raue. Es öffnet die Augen für die Besonderheit des Berufs, für den damit einhergehenden Stress und die so ganz andere Einbindung in das Private, als bei vielen anderen Tätigkeiten. Ein wenig Glorifizierung der Gang-Zeiten sei auch erlaubt, denn wer bricht schon total mit seiner eigenen Vergangenheit. Gleichzeitig ist der Titel reine Übertreibung, war doch die Zeit bei seiner Mutter zwar von einem Mangel an warmen Mahlzeiten, ganz sicher aber nicht von Hunger geprägt. Und dann weist das Buch einen bestechenden Mangel an "normalen" Rezepten auf - was Tim Raue vorstellt oder vielmehr anschneidet sind Gerichte, die der Durchschnittsleser niemals nachkochen, ja noch nicht einmal bestellen wird. Der Fokus der gesamten zweiten Hälfte liegt auf exorbitant teuren Gerichten und Weinen und hinterlässt einen schalen Beigeschmack bei einem Buch, dass "aus der Gosse in den Erfolg" auf dem Titel trägt.

Für Fans von Tim Raues Küche mit Sicherheit ein Muss und wirklich gut zu Papier gebracht, für alle anderen eine Biographie, deren Inhalt sich nicht so ganz mit dem Titel decken mag.
0Kommentar6 von 7 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Mai 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Und die Moral von der Geschichte? Eigentlich eine Frage, die ans Ende einer Rezension gehört. Tim Raue fordert den Leser allerdings dazu auf, sie schon nach den ersten Seiten zu stellen. Denn er will sich als Vorbild verstanden wissen.
"Von der Straßengang in die Sternenküche" - der Untertitel klingt weniger ausgelutscht, als "von der Gosse zu den Sternen". Da erwartet man automatisch eine Autobiografie, die gefüllt ist mit schockierenden Erlebnissen in Kindheit und Jugend.

"Ich weiß was Hunger ist" ? Arm gewesen sein muss er, der Tim Raue. Gelitten haben muss er wie ein Tier. Sowohl Buchtitel, als auch Klappentext des Verlages schüren ganz bewusst diese Erwartungen. Tatsächlich handelt es sich nur um eine Marketingblase, die schon nach knapp 60 Seiten zerplatzt. Etwa 30 davon handeln von Raues Zeit in der Kreuzberger Gang, den hier fast mythisch verklärten 36Boys. Zusammenhalt soll es dort gegeben haben und Ehre. Mag ja alles so gewesen sein. Viel brennender interessiert einen als Leser, wie es einen Gymnasiasten auf die Straße getrieben hat. Mutter und Vater trennen sich. Das Kind wird hin und her geschoben. Der Vater ist streng. Er hält dem jungen Tim eine Standpauke, als der seine Zahnspange verliert. Schlagen tut er da noch nicht. Anscheinend erst später. Zu welchen Anlässen, verrät uns Tim Raue nicht. Nun mag man ja einwenden, dass Schläge ein absolutes No-Go sind. Da kann ich nur zustimmen. Man grübelt allerdings über Ursache und Wirkung. Denn Tim Raues Liste der Vergehen als Teenager ist lang: Raub, Körperverletzung, Erpressung. Da braucht es keinen Anlass, um jemanden zusammenzuschlagen. Im Mallorca-Urlaub werden holländische Fußballfans erst provoziert, danach drauf gehauen. Als weiteres Beispiel sei erwähnt, wie Raue den ersten Job schmeißt. Als Schulabbrecher nicht unbedingt ein schlauer Schachzug. Das findet jedenfalls sein Vater, der seinen Sohn an seine schlechten Qualifikationen erinnert. Für Raue junior ein Grund, den Wohnzimmertisch zu zertrümmern. Diese cholerischen Wutausbrüche setzen sich fort, als er schon erfolgreich ist. Mal wirft er seinem Chef ein Ei an den Kopf, mal staucht er Jahre später seine Angestellten zusammen, indem er sie verbal demütigt. Kurz gesagt: was er an seinem Vater verachtet, hält er bei sich selbst für legitim. Zitat: "Ich schäme mich nicht dafür."

Somit erhält seine Autobiografie nur dadurch einen zweifelhaften Vorbildcharakter, dass Tim Raue es trotz mangelnder Affektkontrolle zu etwas gebracht hat. Das hat er in erster Linie seiner Begeisterung für das Kochen und einem unermüdlichen Arbeitseifer zu verdanken. Was er da so schreibt, über 30 Stunden gekochtes oder nur 15 Sekunden angebratenes Fleisch, über Schnitttechniken, über zufällig entstandene Rezepte, über Experimentierfreude und die weltweite Suche nach kulinarischen Raritäten langweilt nie und hat selbst bei einem Kochmuffel wie mir das Interesse geweckt. Manches erscheint für einen Leser mit schmalem Geldbeutel mehr als dekadent. Cognac für 160 Euro? Da hat sogar der Ex-Bundeskanzler Schröder die Zeche geprellt. Menüs für 700 Euro? Finde ich pervers, wenn ich an den Hunger in der Welt denke. Das ist ein anderer Hunger, als der, vom dem Raue spricht. Interessant ist es trotzdem. Und somit habe ich Respekt vor Tim Raues unerschöpflicher Leidenschaft. Der Rest hat einen faden Beigeschmack.
22 Kommentare19 von 23 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 25. Mai 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Tim Raue hat in diesem Buch - mit Unterstützung seines Co-Autors Stefan Adrian - seine bisherige Biografie in Worte gefasst. Diese Worte sind nicht immer eines Buches würdig, man merkt, dass er wahrlich kein guter Schreiber ist und auch der Co-Autor das nicht ausmerzen konnte. Es gibt in diesem Buch viele Sätze, die einem beim Lesen weh tun, weil sie banal sind, weil sie schlecht geschrieben sind. Man bekommt den Eindruck, der Verlag wollte die Geschichte von Tim Raue unbedingt aufbauschen und 'gefährlich' machen. So verspricht der Titel 'Ich weiss was Hunger ist' eine Geschichte, die eben nicht die von Raue ist. Selbiger kommt zwar aus schwierigen familiären Verhältnissen, aber weder leidet er in diesem Umfeld Hunger, noch steht er chancenlos da. Vielmehr geben ihm gerade die Großeltern viel Unterstützung und eine Heimat. Und so versucht das Buch an vielen Ecken Geschichten herauszukratzen, die keine sind. Klar war die Straßengang in der Tim Raue in seiner Jugend unterwegs war nicht zimperlich mit Gewalt, aber viele der kleinen Anekdoten erinnern dennoch mehr an schlechte Kinder- und Jugendstreiche als an dramatische Geschehnisse.

Interessant ist hingegen der Sprung aus der 'wilden' Jugendzeit in die Gastronomie. Einmal mehr erfährt der Leser, dass es in der Gastronomie offenbar fast ausschliesslich um Macht geht und der Mensch wenig zählt. Die Mitarbeiter werden schlecht behandelt, schlecht bezahlt und ertränken ihre Demütigungen in Alkohol oder anderen Exzessen. Dieses Prinzip nimmt auch Raue selbst an und seine Zweifel an dieser Methode lässt er nur zwischen den Zeilen aufblitzen. Dass er ganz offensichtlich Teil dieses Systems ist und selbst keine Schwäche bei seinen Mitarbeitern duldet, macht in nicht sympathischer.

Aufschlussreich sind hingegen die wenigen Seiten, die sich tatsächlich mit seiner Kochkunst befassen. Dort wo er berichtet wie seine Rezepte entstehen, wo er sich Inspiration holt und wie er ein Niveau erreicht, dass ihn zum Sterne-Koch bringt. Leider sind diese Stellen im Buch nur knapp gesät.

Am Ende bleibt ein verworrener Eindruck: ein getriebener, der sich durchgesetzt hat und dem dabei viele Mittel recht waren und der meist nur seinen eigenen Kopf durchgesetzt hat. Gibt ihm der Erfolg recht? Vielleicht, aber die Methoden dafür sind mehr als zweifelhaft. Und das wird in diesem Buch sehr deutlich.
0Kommentar9 von 11 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Juni 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Wahrscheinlich eher nicht und Frau noch weniger. Es unterhält leidlich. Wer ausgehend vom reißerischen Titel sensationelles erwartet wird garantiert enttäuscht. Zu wenig mütterliche Zuwendung und ein unbeherrschter Vater geben den Hintergrund ab für die Mitgliedschaft in einer kleinkriminellen Bande, auf deren Kameradschaft wiederholt eine Hohelied gesungen wird (für mich eher befremdlich) und die anscheinend eine gute Vorbereitung auf den harten Küchenalltag war (in dem Herr Raue ebenso unbeherrscht ist wie der dafür moralisch abgestrafte Vater). Der Weg vom Lehrling zum Sternekoch beleuchtet einige Stationen seiner Koch-Karriere und sein symbiotisches Verhältnis zu seiner Frau.

So weit zum groben Inhalt. Bleibt die Frage - ist das Geschriebene interessant, bekomme ich einen Einblick in die psychologischen Mechanismen von Leistungsverweigerung und Gewalt? Die Antwort lautet Nein - der Autor tut sich und den Seinen niemals wirklich weh und bleibt an der Oberfläche. Bekomme ich einen Einblick in den Küchenalltag? Wenn ich Herrn Raue glauben soll, dann geht es dort zu wie auf dem Schlachtfeld - eine seltsame Gegenwelt zu der Dekadenz im Gästebereich.

Sicher unfreiwillig hat mir das Buch die Augen geöfffnet wie pervers der Bereich der "Sterneküche" ist. Nicht das ich ein gutes Essen nicht schätze, ganz im Gegenteil, aber der Wettbewerb, die Fixierung auf immer bunter, exotischer, abgehobener, teurer - mir war gar nicht klar wie dämlich und albern das Ganze ist. Dafür Danke Herr Raue. Ansonsten lautet mein Fazit: Eher belanglos, ein Buch mit einem Humor für "echte Kerle" die "Hangover" lieben, für alle anderen - daran vorbei gehen.
0Kommentar1 von 1 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Juni 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Zuerst zum Cover und zum Titel. Das Cover ist peinlich. Die Hände zum Gebet erhoben mit einem Stäbchen und der Titel. Ich weiss was Hunger ist. Wenn dies ein Kotau vor der von Tim Raue geliebten asiatischen Küche sein soll, dann ist das mißlungen. Wenn das schwarze Stäbchen die Gesichtshälfte teilt und die zwei Seiten seiner Persönlichkeit zeigen soll, dann ist das affig. Dieses Cover führte dazu, dass ich dieses Buch zwei Wochen nicht ansehen wollte. Ich hatte eine sozialkritische Biografie eines erfolgreichen Kochs erwartet, der seinen Auf- bzw Umstieg von 36 ins Establishments geschafft hat
Gestern habe ich mich entschlossen einzusteigen habe das Buch jetzt in zwei Tagen verschlungen wie eine krosse Pekingente.

Was mir als nicht Exklusiv Restaurant Besucher gefällt: Eine historischen Ablauf und eine Rstaurantreise hinter die Küchentüren von Berlin. Die ehrliche Art Dinge beim Namen zu nennen. Die klare Rückerinnerung an die Wurzeln und die Herkunft der Sprache und des Denkens. Die wechselhafte und spannende Beschreibung der beruflichen Laufbahn. Das Credo zur Arbeit. Die Liebe zum Essen. Die Beschreibung der einzigartigen Beziehung zu seiner Frau.
Im ganzen wirkt das Buch als hätte ein Gliederungsprofi Zäsuren in die Aufzeichnungen gesetzt. Viele Wiederholungen verdeutlichen zwar die immer wieder kehrende Idee, aber es nervt auch nicht, da die Geschichten spannend erzählt sind.

Tim Raue. Auch wir kommen jetzt mal vorbei!
0Kommentar1 von 1 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Das Buch lässt sich in zwei Teile einteilen. Der erste Teil schildert Tim Raues Kindheit und Jugend in Berlin und im Schwabenland. Der Leser erfährt was für eine verkorkste Kindheit Tim Raue hinter sich hat und wie er als Jugendlicher Mitglied einer Straßengang in Kreuzberg wurde. Die Gewalt-Schilderungen sind frappierend, teilweise
aber sehr abstoßend. Wieder einmal lässt sich feststellen wie wichtig ein funktionierendes Elternhaus für die positive Entwicklung eines Menschen ist.
Im zweiten Teil des Buches schildert der Autor wie er durch seine Berufswahl und durch seinen sehr ausgeprägten Willen, verbunden mit einen unbändigen Energie, die " Kurve gekriegt " und eine Karriere gemacht hat, die ihm vorher sicherlich niemand zugetraut hätte.
Dass er heute selbständig ist und ein eigenes Restaurant führt, erscheint dem Leser geradezu als eine logische Entwicklung. Wer einen so starken Willen hat, der kann sich auf Dauer nicht irgendeinem Chef unterordnen.
Ebenso scheint Tim Raue unheimlich kreativ zu sein, auch diese Kreativität lässt sich nur in der Selbständigkeit
ausleben.
Hat es mir Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen ? Eigentlich nicht. Wie oben erwähnt, die Schilderung von Kindheit und Jugend ist zwar interessant, aber teilweise abstoßend. Die Beschreibung der Koch-Karriere und die Beschreibungen verschiedener Gerichte bzw. deren Zubereitung sind vielleicht für Köche oder für Leute, die Freude am Kochen haben, interessant, für Laien eher langweilig.
Dass sich in den Gourmet-Restaurants Leute bedienen lassen, die in Wahrheit gar keine Gourmets sind, ist auch nicht wirklich neu. Die Schickeria kann sich eben aufgrund ihre Wohlstands Dinge leisten, die sie in Wahrheit gar nicht beurteilen oder schätzen kann.

Der Untertitel - ich weiss was Hunger ist - entsprang wahrscheinlich der Marketing-Abteilung des Verlages.
Der Autor bleibt jedenfalls den Beweis für diesen Satz schuldig, solange sich Hunger auf Essen bezieht.
0Kommentar8 von 10 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 2. August 2011
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Da ich erst kürzlich ein Bericht in einer renomierten Zeitschrift über Tim Raue gelesen habe, war ich doch sehr auf seine Biografie "Ich weiss, was Hunger ist: Von der Straßengang in die Sterneküche" gespannt. Allerdings war dann die Erkenntnis doch ernüchtern, denn auch wenn der Titel viel versprechen mag, dass was man hier liest, hat man schon mehrfach auf deutschen Straßen mit erlebt, oder hat gar selbst Bekannte, denen ähnliches oder gar schlimmeres wiederfahren ist.
Zwar ist das Buch an sich interessant geschrieben, aber es gibt doch häufiger langweiligere, belanglose Passagen, die keine wahre Spannung erzeugen und zum weiterblättern animieren. Sicherlich ist es wünscheswert für Tim Raue, dass er trotz dieser weniger schönen Vergangenheit zu solch einer Karriere geschafft hat, aber deswegen gleich ein Buch verfassen, finde ich schon zu hochgegriffen.
Für Fans von Tim Raue sicherlich interessant, ansonsten eher weniger zu empfehlen
0Kommentar1 von 1 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Format: Gebundene AusgabeVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Mehr als die journalistische Arbeit stand hier wohl der Umsatz des Verlages Pate. für mich ergab sich beim Lesen dieses Buches nicht die Einsicht, dass der Autor wirklich jemals Hunger erlebt hat.

Kann sein, dass seine Kindheit nicht ideal verlief. Aber Scheidungskinder die bei ihrer Mutter aufwachsen und miterleben das Geld nicht im Überfluss fließt, gibt es in Deutschland einige Tausende.

Daraus nun die große Story vom Hungernden zum Berliner Sternekoch zu machen, scheint mir mehr als übertrieben zu sein. Das sich gerade ein so bekannter Verlag wie dieser dazu hergibt enttäuscht mich.

Was wäre wenn die Geschichte ohne Übertreibung präsentiert worden wäre und der heutige Sternekoch sich die Arbeit gemacht hätte, Rezepte zu entwickeln die auch in finanzieller Hinsicht unteren sozialen Schichten entgegenkommen? Hätte sich sicher nicht gut verkaufen lassen, welcher Hartz IX Empfänger kauft sich schon das Buch eines Sternekochs?

Bei mir bleibt ein fader Beigeschmack. Ich mag das Buch nicht empfehlen!
0Kommentar8 von 10 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden