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122 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer dem Tod begegnet ist, hat das Leben verstanden
Eine Liebeserklärung an das Leben? Eine Kriegserklärung an den Tod?
Ein Notruf an all die da oben, die tödliche Schicksalspläne schmieden?
Vielleicht auch ein verzweifelter Versuch, das Hier und Jetzt festzuhalten.
In der gleichzeitigen Tuchfühlung mit einer jenseitigen Welt.
Ein Seelenbekenntnis, das selbst den Himmel...
Veröffentlicht am 7. Oktober 2009 von Ute Leser

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Ich habe die Wunde der Welt berührt...."
'Der Mensch glaubt nicht, dass er das Leben gewinnt, wenn er es drangibt. Daran scheitert Gottes Utopie'. Funkelnd geschliffene Sätze wie diese finden sich zuweilen in Christoph Schlingensiefs letztem Buch, den Tagebuchaufzeichnungen des 2008 an Lungenkrebs erkrankten Regisseurs und genialischen Bürgerschrecks mit haarsträubend zerzauster...
Veröffentlicht am 21. November 2011 von Herbert Lauenroth


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122 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer dem Tod begegnet ist, hat das Leben verstanden, 7. Oktober 2009
Eine Liebeserklärung an das Leben? Eine Kriegserklärung an den Tod?
Ein Notruf an all die da oben, die tödliche Schicksalspläne schmieden?
Vielleicht auch ein verzweifelter Versuch, das Hier und Jetzt festzuhalten.
In der gleichzeitigen Tuchfühlung mit einer jenseitigen Welt.
Ein Seelenbekenntnis, das selbst den Himmel aufhorchen lässt.
Und eine Diagnose, die einen Ra(s)tlosen zum Innehalten zwingt.

Christoph Schlingensief taucht in seiner todernsten Begegnung mit seiner
bedrohlichen Krankheit in alle Seelentiefen ein.
Mal gehalten von einer unerschütterlichen Hoffnung, dann wieder fallen
gelassen von der zugeschütteten Angst, sterben zu müssen.
Mit der immer wiederkehrenden Frage:
wo bleibt der allmächtige Gott in dieser ohnmächtigen Zeit?
Und wo bitte sehr seine göttliche Gnade in diesem ungnädigen Schicksal?
Er scheint sich in Luft aufzulösen, wo man um Atem ringt.
Selbst seine himmlischen Helfer glänzen durch Abwesenheit.
Hat Schicksal überhaupt ein Gefühl für Zeit? Dafür, wann Menschen bereit sind,
zu gehen? All diese Fragen stellt sich ein Todkranker, der am Leben festhält.
Sein unvollendetes Lebenswerk erfüllt sehen möchte. Und seinen ungebrochenen
Überlebenswillen auf geballten Hoffnungshänden trägt.
Christoph Schlingensief scheint in aller Verlassenheit dennoch einen irdischen Engel
an seiner Seite zu haben. Dem dieses Buch gewidmet ist.
Ob er von Gott geschickt wurde, sei dahingestellt.

Ein Schicksal, das in aller Mutlosigkeit den Weg der Demut findet. Ja sogar neue
Lebenspläne im Angesicht des Todes schmiedet. Und jeden gelebten Augenblick
als geschenkte Ewigkeit annimmt.
Ein Buch, das Schicksal tragenden Menschen Mut macht, ihre schlaflosen Nächte
in Tagträume zu verwandeln. Jeden einzelnen Hoffnungsfaden als Anfang einer
neuen Zeitrechnung zu nehmen.
Schade nur, dass ausgerechnet Vertreter der Kirche dieses kostbare Dokument
des Lebens anzweifeln. Ja sogar als Provokation bezeichnen.
Als christliche Vorbilder sollten gerade sie begriffen haben, dass jeder Seelenschmerz
seinen Ausdruck finden muss.
Danke, lieber Christoph Schlingensief, für dieses leidgesäumte, schmerzdurchlebte,
heilsame Buch!
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71 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wer seine Wunde zeigt, dessen Seele wird gesund.", 6. Mai 2009
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Als Christoph Schlingensief im Januar 2008 mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert wird, beginnt er schon bald, seine Gedanken auf Band zu sprechen. Auf diesen Aufnahmen basiert das Buch.
"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" hat mich zutiefst berührt. In diesem Buch der eher leisen Töne wirkt der Regisseur und Aktionskünstler zutiefst verletzlich. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen.
Schlingensief hat einen sehr sehr traurigen aber auch einen ermutigenden Text geschrieben, der unter die Haut geht. Da steckt so viel Angst drin, soviel Trauer und Wut aber auch sehr viel Liebe. Liebe zu seiner Verlobten Aino, zu seiner Arbeit und vor allem zum Leben.
Das Buch ist kein verjammertes Hadern mit dem eigenen Schicksal, sondern der mutige Versuch das Ungeheuerliche zu verstehen und sich ein Stück weit selbst auf die Spur zu kommen. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der Familie (vor allem dem verstorbenen Vater), mit der eigenen Einstellung zur Arbeit, mit dem Leben an sich und natürlich mit dem Tod. Schlingensief greift dabei nicht einfach "nur" sein eigenes ganz persönliches Schicksal auf, sondern den Umgang mit Krankheit und mit Tod in unserer Gesellschaft. Er zeigt auf, wie häufig Kranke und ihre Angehörigen allein gelassen werden und ruft bereits im Vorwort dazu auf, aktiv etwas dagegen zu unternehmen. Hier geht es nicht darum, dass ein Mensch seine Geschichte hinausposaunen will um zu sagen "Seht her, da bin ich - und so krass bin ich drauf!" Wer das denkt, hat das Buch nicht gelesen - kann es nicht gelesen haben. Es geht hier nicht um Exhibitionismus o.ä., sondern um einen wichtigen Prozess, den ein Mensch durchläuft und um Erfahrungen, die sicherlich anderen helfen können. Menschen, die selbst in der Situation sind und sich mit Ängsten konfrontiert sehen, die man sich gar nicht vorstellen kann - oder auch Gesunden, die wieder einmal vor Augen geführt bekommen, wie wertvoll der "normale Alltag" ist.
Schlingensief berichtet in seinem Protokoll auch von heiteren Momenten. Wie er sich vor Lachen kaum halten kann, als eine geistig verwirrte Patientin ihm vor die Zimmertür kackt und eine Putzfrau das ganze auch noch mit den Worten "Ach du Scheiße, Kacke!" kommentiert. Oder einfach die eigentlich banalen und doch so schönen Kleinigkeiten, die unseren Alltag ausmachen: Pizza essen mit Freunden, der Frühlingsbeginn u.v.m.
Christoph Schlingensief hat ein wichtiges Buch geschrieben - nicht nur für sich selbst, sondern auch für Kranke wie Gesunde.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klug und berührend, 20. Oktober 2010
Ich hatte schon lange vor, dieses Buch zu lesen und habe es erst jetzt geschafft, wo Schlingensief bereits gestorben ist. Ich glaube, das Wissen, dass er nicht mehr lebt, verändert die Eindrücke beim Lesen nochmal ganz gewaltig.
Mich hat das Buch von Anfang an sehr gefesselt und ich war überrascht, wie klug und bewegend Schlingensief schreibt. Ich will ehrlich sein, ich habe ihn bisher eher für einen durchgeknallten Künstler gehalten, der so in den Tag hinein lebt, und hätte niemals erwartet, was ich dann gelesen habe. Ihm gelingt eine schöne Mischung aus philosophischen Gedanken, Verzweiflung, sehr sachlichen und sehr emotionalen Passagen. Und er ist dabei sehr persönlich. Ich hatte oft das Gefühl, neben ihm zu sitzen und mit ihm zu sprechen, also so, als wäre er da. Ein Buch, dass dem Leben huldigt. Schlingensief hat das Leben geliebt, das springt einem in jeder Zeile entgegen.
Ein so lebensbejahendes und gleichzeitig angstvoll-trauriges Buch habe ich bisher noch nicht gelesen. Toll!
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut !, 7. Mai 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit seiner ihm typischen Sprache schreibt Herr Schlingensief über seine Krankheit. Es ist kein Rührstück und trotzdem sehr bewegend und teilweise urkomisch.

Im Stil eines Tagebuchs erfährt man wie es ihm geht, was er denkt (und er denkt viel und gut) und was er tut bzw. nicht tun kann. Seine Launen, seine Ängste und sein Mut sind jeden Tag anders. Während er an einem Tag fast Frieden mit seiner Krankheit, Gott und seinen Mitmenschen schließt, so hadert er am anderen Tag mit seiner Unfreiheit, seiner Ungeduld (die ja bekanntlich oft der Grund vielen Übels ist)und überhaupt allem. Von euphorisch bis hoffnungslos sind es oft nur Minuten, vom sonnigen Tag zur Dämmerung eben auch.

Es ist ein grundehrliches Buch, grandios kurzweilig geschrieben und meines Erachtens nach mit Weisheit. Es geht ihm nicht um den Sinn des Lebens, der ja eigentlich bekannt sein sollte-lieben und reduzieren auf die wahren Werte (leben eben)- sondern um die Freiheit der Selbstbestimmung, um den Sinn des Todes und des Leidens.

Sein im positiven Sinn kindlicher Glaube ist ihm dabei oft eine Hilfe.

Unbedingt lesen !!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Ich habe die Wunde der Welt berührt....", 21. November 2011
'Der Mensch glaubt nicht, dass er das Leben gewinnt, wenn er es drangibt. Daran scheitert Gottes Utopie'. Funkelnd geschliffene Sätze wie diese finden sich zuweilen in Christoph Schlingensiefs letztem Buch, den Tagebuchaufzeichnungen des 2008 an Lungenkrebs erkrankten Regisseurs und genialischen Bürgerschrecks mit haarsträubend zerzauster Sturm-und-Drang-Frisur. Sätze wie diese sagen: Hier geht einer unbekümmert aufs Ganze. Gemessen daran wirkt der Titel des Buches geradezu provinziell: 'So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!' Nun ja, wer's glaubt....
Aber man täte diesem Buch Unrecht, wenn man es der plakativen Diesseitigkeitsbehauptung seines Titels überließe. Denn eigentlich ging es dem damals 47jährigen Autor immer um die Würde, seine 'Autonomie' als leidendes Individuum gegenüber jeder (auch göttlichen) Fremdbestimmung, die ihn einen provozierend naiven Blick auf das Drama Jesu am Kreuz werfen lässt: 'Ich glaube wirklich nicht, dass Jesus gerufen hat: Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Ich glaube, er ist einfach ganz still da oben gehangen , hat Aua gesagt und was weiß ich....Er hat einfach gesagt: Ich bin autonom'. Diese 'Autonomie' aber bedeutet zugleich unbedingtes Vertrauen: 'Mein Gott, ich fühle mich geborgen in Dir, ich lasse mich fallen, und glaube an den guten Ausgang in Frieden.' Immer wieder spürt man in diesen frei assoziierenden Einlassungen den Versuch, eine dogmatisch verkrustete Gottesrede aufzubrechen, die im Blick auf eine radikal befristete Zeit jede Lust an der Präsenz, einer auch sinnlich erlebten Gegenwart austreibt.
Weitreichender und tiefschürfender sind indes Schlingensiefs Fragen nach dem Sinn des Leidens überhaupt, nach der Botschaft des christlichen Gottes, der seinen Geschöpfen gerade in diesem Aspekt nahe kommt und den Leidenden, Marginalisierten, Schwerstkranken andere, zukunftsweisende Perspektiven auf sich und die Welt eröffnet. Und dieser Frage geht Schlingensief etwa in seiner Lektüre von Joseph Beuys' 'Christus denken' nach. Bei Beuys finden sich markant formulierte Ausblicke auf einen christlich inspirierten, egalitären, auf alle Menschen 'erweiterten Kunstbegriff'. Als Leser behält man vor allem diese Markierungen der Beuysschen Zitate in den troubled waters einer immer auch atemlos-aufgewühlten Erlebnisprosa des krebskranken Autors in Erinnerung:
So schreibt Schlingensief:'Beuys sagt: `Zeig mal Deine Wunde. Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt. Wer sie verbirgt, wird nicht geheilt.' Ja, das ist es vielleicht: Wer seine Wunde zeigt, dessen Seele wird gesund.' Das erinnert an die nachösterliche Begegnung des un- oder halb-gläubigen Thomas mit dem auferstandenen Jesus. Diese Entblößung bewirkt, so Schlingensiefs Credo als Krebspatient, jene Erkenntnis Gottes, des Anderen mitten in der Welt, im eigenen Leben. Schließlich kann Schlingensief aus eigener Erfahrung und Anschauung geradezu beiläufig formulieren:'Ich habe die Wunde der Welt berührt.' Und berührt damit auch den Leser.
Welche Einsicht hält nun Schlingensiefs Protokoll der Krankheit (zugleich eine Hommage an seine spätere Ehefrau Aino Laberenz) bereit? 'Die Liebe Gottes manifestiert sich vor allem in der Liebe zu uns selbst! In der Fähigkeit, sich selbst in seiner Eigenart lieben zu dürfen, und nicht nur in dem, was wir uns ständig an- und umhängen, um zu beweisen, dass wir wertvoll, klug, hübsch, erfolgreich sind. Nein! Wir sind ganz einfach wunderbar. Also lieben wir uns auch mal selbst. Gott kann nichts besseres passieren.'
Das sollte - natürlich - nicht das letzte Wort in der Sache gewesen sein, aber ein gutes Schlusswort ist und bleibt es allemal. Auch über Christof Schlingensiefs Tod hinaus, der - wie immer - zur Unzeit kam.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit dem Rücken zur Wand..., 8. Juni 2009
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
***
Nachtrag zum Tod von Christoph Schlingensief am 21.8.2010:

Auszug aus einem Interview mit Katrin Bauernfeind und Christoph Schlingensief über Angst:

CS:..ich glaube auch Fr. Merkel und wie die alle heissen, Hr. Steinmann, die wissen nicht mehr was Angst ist..
KB: Sollten sie das denn wissen?
CS: Ich finde, das sollten sie ganz gewaltig wissen..
KB: Was ist das Gute an der Angst..?
CS: Ich glaube die Angst ist, das, was tatsächlich fragt, wer bist du?..
Wovor hast Du gerade Angst...wenn Du über dich Bescheid wüsstest, hättest du das nicht..

23.8.2010/A.Zanker

***

Warum eigentlich nicht in die Welt eines krebskranken Menschen sich einfühlen und mit ihm gemeinsam das Leben zu reflektieren, betrachten, zurückblicken.

Warum nicht in das innere Erleben eines Menschen eintauchen, der sich mit Tod, Vergänglichkeit und dem Sinn des Lebens in Anbetracht seiner Diagnose auf Lungenkrebs befasst.

Warum sich nicht gemeinsam mit dem Autor auf eine innere Reise die uns auch als Leser auf eine Reise mitnimmt, wo wir einen Moment innehalten, still werden und unter dem Angesicht von Vergänglichkeit und Tod das eigene Wertesystem hinterfragen, neu ordnen, uns von der überaus ehrlichen, authentischen und ungeschminkten Auseinandersetzung und Art dieses Autors berühren lassen und uns darin vom Geheimnis eines solchen Schicksals mitnehmen lassen, als ob es unser Eigenes wäre...

Christoph Schlingensief beschreibt in seinem Tagebuch, den Erhalt der Diagnose,das Entfernen eines Lungenflügels, sein Aufbegehren, sein Verhandeln mit Gott und Schicksal, seine Liebe zu seiner Lebenspartnerin Aino,seine Beschäftigung mit Beuys, innere Dialoge mit seinem toten Vater, das Hinterfragen von Leiden, sein berufliches Schaffen als Opern-Regiesseur,der Umgang als Paar in Anbetracht der Trauer die auftaucht, man beginnt eine Ahnung zu bekommen, was einen Menschen wirklich noch am Ende interessiert, was ihm noch etwas bedeutet, was unwichtig wird, oder für einen Menschen der mit solcher kompromisslosen Wahrheit konfrontiert beschäftigt und am Leben erhält.

Man staunt wie ein Mensch wie Schlingensief, den ich bis anhin nicht kannte, trotz allem nicht jammert und trotz innerem Genötigtsein,(die Frage ob man darin gläubig wird taucht auf) seine Integrität bewahrt, seine Würde bewahrt,sogar Momente von Heiterkeit aufkommen lässt, uns als Leser ganz nah an ihn ranlässt, sehr intim schreibt, ein sehr persönlicher Bericht, sehr ehrlich, sehr offen und unverblümt kommt uns hier ein Mensch entgegen, der noch etwas zu sagen hat, welch ein Geschenk, welch Bereicherung für uns alle hier, die wir doch unsere eigene Gesundheit oft nicht wertschätzen, Christoph Schlingensief, hilft uns allen mit seinem Zeugnis des Einlassens eine tiefere Würdigung gegenüber dem Tod und auch dem Leben gegenüber wieder wahrzunehmen.

So einem Menschen kann man nur wünschen, dass er möglichst jeden Moment seines Lebens so bewusst wie möglich zu geniessen und auszukosten vermag, vielleicht hilft es auch uns darin, einen kleinen Schritt in diese Richtung zu tun, mir zumindest hat er die Richtung gezeigt, wofür ich diesem Menschen äusserst dankbar bin, er wirft uns einen Ball zu, der hoffentlich dazu beiträgt, in uns selbst einen tieferen Zugang zur Wertschätzung unseres Lebens zu bekommen, zumindest mir ging es so.

Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt, weil ich der Meinung bin, das es ein Mensch wie Schlingensief verdient hat, solch uneingeschränkte Ehrlichkeit mit sich aber auch mit seiner Umwelt und damit auch uns als Leser etwas mitgibt, das kostbar und wertvoll von uns allen entgegen genommen werden kann, welch ein Geschenk. Zeigt es einmal mehr, das die Möglichkeit zu lieben und geliebt zu werden , nach wie vor das ist, was uns innerlich erfüllt und einen Sinn zu geben vermag, auch wenn wir den Boden unter den Füssen zu verlieren meinen...

8.9.2009
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für von dieser Krankheit betroffene Menschen ist dieses Buch eine Ermutigung, nicht aufzugeben, vor allem die Würde nicht, 20. Dezember 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Der berühmte Regisseur und Energiekünstler, der Tausendsassa der deutschen Kultur- und Theaterszene, jener Mann, der seit Jahren sprüht vor Ideen und der ruhelos von einem Projekt zum anderen hetzt, sieht sich Anfang 2008 von einem Tag auf den anderen mit der Diagnose eines Lungenkrebses konfrontiert; sein einer Lungenflügel ist betroffen, obwohl er doch gar nicht raucht.

Und so wie seine beruflichen Projekte versucht auch er auch diese Nachricht aufzunehmen. Er nimmt sich ein Diktiergerät und vertraut diesem Gerät in den folgenden Monaten fast täglich all das an, was er erlebt, denkt und fühlt:
"Dieses Buch ist das Dokument einer Erkrankung, keine Kampfschrift. Zumindest keine Kampfschrift gegen eine Krankheit namens Krebs. Aber vielleicht eine für die Autonomie des Kranken und gegen die Sprachlosigkeit des Sterbens. Meine Gedanken aufzuzeichnen, hat mir jedenfalls geholfen, das Schlimmste, was ich je erlebt habe, zu verstehen und mich gegen den Verlust meiner Autonomie zu wehren. Vielleicht hilft es nun auch einigen, diese Aufzeichnungen zu lesen. Denn es geht hier nicht um ein besonderes Schicksal, sondern um eines unter Millionen", schreibt er Ende März 2009 in seinem Vorwort, als nach einer vorübergehenden Verbesserung seines Zustandes durch eine Operation und eine anschließende Chemotherapie, sich auch in seinem verbliebenen Lungenflügel Metastasen gebildet haben.

Es ist ein schreckliches Buch, das Schlingensief da geschrieben hat, weil es von einer Krankheit handelt, gegen die ein Mensch sich letztlich nicht wehren kann. Es ist ein elendes, ein wahnsinnig trauriges Buch, aber auch ein sehr schönes Buch, weil es seinem Autor gelingt, eine Authentizität herzustellen, die unter die Haut geht.

In einem Leben, dass immer bestand aus Energie, völliger Freiheit, Plötzlichkeit und die Menschen mitreißendem Enthusiasmus, aus Wut und grenzenloser Phantasie, hat der Krebs die Macht übernommen.
Zunächst ist Christoph Schlingensief noch richtig bemüht, seine Diktate zu inszenieren, ist selbst ganz hingerissen von den vielen neuen Bildern, die ein solch radikal neuer Lebenszustand mit sich bringt:
"Es gibt eben Bilder, die haben keine Eindeutigkeit, in so einem Bild befinde ich mich zurzeit. Und ich habe das schließlich immer gemocht, dass es Bilder gibt, die nicht eindeutig sind, die aus Überblendungen bestehen und auf die die Leute völlig unterschiedlich reagieren."

Er besucht das Grab seines Vaters, träumt davon ein Opernhaus in Afrika zu bauen, wenn er wieder gesund wird und er setzt sich mit Gott auseinander. Mal ist er ihm nahe, mal ganz fern. Diese Gespräche mit Gott waren für mich die anrührendsten Passagen in einem Buch, das einen nicht kalt lassen kann. Wenn er etwa einfach schreibt: "Und ich lebe doch so gerne." Oder wenn er immer wieder mit Gott rechtet, einen Gott, den er durchaus als seinen Gott ansieht, und ihn anklagt wie damals Hiob: "Und das lieber, Gott, ist die größte Enttäuschung, dass du ein Glückskind einfach so zertrittst."

Das Buch ist ein Dokument eines Menschen, der so wie viele andere sprachlose Krebskranken vor ihm alle Phasen der Krankheit durchkämpfen muss, den Schock der ersten Nachricht, die Diagnose, die Hoffnung auf die Therapie, deren unsägliches Leid und am Ende doch zu spüren, dass man den Kampf verlieren wird. Aber er bleibt nicht sprachlos in seinem Leid; er spricht darüber, und behält gerade dadurch seine Menschenwürde bis zum nahen Ende, als er beginnt, Abschiedsbriefe in sein Handy zu tippen und jeder Optimismus verflogen ist.

Für von dieser Krankheit betroffene Menschen ist dieses Buch eine Ermutigung, nicht aufzugeben, vor allem, nicht die Würde aufzugeben, obwohl sie einem an jeder Ecke des medizinischen Betriebs geraubt wird. Für einen gesunden Leser wie den Rezensenten ist die Lektüre eine permanente Frage an sich selbst, wie man in einer solchen Situation handeln und entscheiden würde.

Und es bleibt zurück ein Gefühl der Dankbarkeit über jeden neuen Tag geschenktes Leben.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mir hat's gefallen, 18. Oktober 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer bei diesem Buch einen ausführlichen Leidensbericht mit allen Schikanen erwartet wird enttäuscht. Oft fehlen Teile der "Handlung" und man wird eher ins kalte Wasser geworfen. Doch darum ging es für mich beim Lesen dieses Buchs gar nicht. Ich empfand die Darstellung des Prozesses der Selbstfindung und den Umgang mit der Krankheit wesentlich interessanter. Man lernt den Autor auszugsweise kennen und kann nicht alles in ein harmonisches Bild setzen. Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und das ist alles, was man sich von einem guten Buch wünschen kann. Nichts ist schlimmer als einfach die Lösung am Ende präsentiert zu bekommen.
Für mich war das Buch eine Bereicherung.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sich ein Bild machen, 16. Mai 2009
Von 
Thomas Holtbernd "Thomas Holtbernd" (Bottrop) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Christoph Schlingensief wagt sich mit seinen Innenwelten in die Öffentlichkeit und beschreibt die Inszenierung seiner Krankheit, die weniger von ihm selbst geschaffen wurde, sondern in ihm entstand. Für Menschen, die sich mit dem Thema Sterben und Tod bereits auseinander gesetzt haben, finden sich keine neuen Erkenntnisse und kein besonders kreativer Tiefgang. Das Buch ist in gewisser Weise absichtslos und ein typisches Kunstwerk, von dem der Autor meist weniger weiß als die Kritiker. Von daher kann dieses ursprünglich gesprochene Tagebuch auch nicht wie ein Roman oder eine Autobiografie beurteilt werden. Das Besondere dieses Berichts liegt im Zeugnis des Zulassens. Christoph Schlingensief bemüht sich nicht, die Dinge zu ordnen, er lässt die Dinge dadurch in eine Form fließen, dass er Ambivalenzen, Widersprüchlichkeiten, Schwächen und Stärken, Not und Hoffnung, Trauer und Zuversicht eine Gestalt annehmen lässt, die irgendwie Christoph Schlingensief heißt. Und genauso sollte man das Buch auch lesen. Jede Deutung, etwa Schlingensief ist fromm oder Schlingensief inszeniert sich nur, ist völlig missverstanden. Es ist ein Bild, das man als Leser auf sich wirken lassen sollte und bei dem man sein eigenes Bild von Krankheit, Sterben und Trauer finden kann. Jeden Versuch der Interpretation kann man dann als Widerstand gegen das Hochkommen eigener Gefühle verstehen. Es ist schwer, nichts über das Buch zu sagen und doch wäre es die angemessene Antwort.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch war notwendig!, 5. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für Betroffene (und auch Nichtbetroffene) war dieses Buch notwendig. Es mußte geschrieben werden. Eine harte, unerbittliche Lektüre, der ehrliche Aufschrei vieler gepeinigter Seelen, die das Unfaßbare nicht fassen können, wollen und sollten...
Danke, Christoph Schlingensief! Ich hoffe, im Himmel ist es doch noch ganz schön für ihn geworden!
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