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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Gabe, den richtigen Erzähler zu finden
Töne können zwar Druckerschwärze nie ersetzen, aber zur Lektüre ermuntern. Und wird ein Buch so gut gelesen wie "Hotel Savoy", dann erhalte ich zum Geschriebenen sogar einen neuen Zugang. Kommt hinzu, dass ich es inzwischen schätze, durch Audiobücher mit Werken Bekanntschaft zu machen, die sonst ein Opfer der Zeitfalle würden...
Veröffentlicht am 27. September 2009 von Fuchs Werner Dr

versus
0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ...aber nichts für mich...
Ich habe das Buch zu Ende gelesen und hat mich weder gepackt noch überzeugt.
Ich fand es ziemlich langweilig, besonders, weil das Ende, irgendwie, offen bleibt.
Vielleicht muss man in solche Zeiten gelebt haben, oder mehr Ahnung davon haben und da ich weder ein Kriegskind bin, noch habe in Europa vor, während oder nach dem Krieg gelebt, kann ich mir...
Vor 16 Monaten von G. Reit veröffentlicht


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Gabe, den richtigen Erzähler zu finden, 27. September 2009
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy (Audio CD)
Töne können zwar Druckerschwärze nie ersetzen, aber zur Lektüre ermuntern. Und wird ein Buch so gut gelesen wie "Hotel Savoy", dann erhalte ich zum Geschriebenen sogar einen neuen Zugang. Kommt hinzu, dass ich es inzwischen schätze, durch Audiobücher mit Werken Bekanntschaft zu machen, die sonst ein Opfer der Zeitfalle würden.

Ob "Hotel Savoy" ein kurzer Roman oder eine lange Erzählung ist, überlasse ich den Freunden von Gattungsbegriffen. Es ist jedenfalls eine Geschichte, die überzeitlichen Charakter hat, weil es von Charakteren handelt, von menschlichen Verhaltensmustern, die sich vor den verschiedensten Kulissen abspielen können. Daher ist auch nebensächlich, in welche Stadt sich dieses Refugium für gestrandete Existenzen der unterschiedlichsten Art befindet. Es ist die Bühne, auf der uns Joseph Roth in einem seiner frühen Werke bereits erahnen lässt, was in seinem Meisterwerk Radetzkymarsch folgen wird. Und wenn sich der Vorhang öffnet, sind wir dank Hans Korte sofort in der melancholischen Stimmung, die das ganze Geschehen trägt.

Es gehört offenbar zu den Kennzeichen von Audiobüchern aus dem Diogenes Verlag, dass man sich bei der Wahl der richtigen Stimme Zeit lässt und nicht einfach auf Bekanntes und bereits Bewährtes setzt. Ich könnte mir schlecht vorstellen, dass ein jüngerer Sprecher den Geist der damaligen Zeit so prägnant erfassen und ausdrücken könnte wie der 1929 in Bochum geborene Bühnenschauspieler Hans Korte. Er moduliert einzelne Sätze und Wörter genau so, wie es deren Bedeutung verlangen. Er wechselt die Rhythmen, bremst und beschleunigt das Tempo, setzt die richtigen Pausen und zieht den Zuhörer mit seiner Stimme auf die Bühne, ins Hotel. Kurz: Das Hotel Savoy hat den richtigen Erzähler gefunden.

Mein Fazit: Ein weiteres Buch, das ich zwar schon lange lesen wollte, aber nie schaffte. Schön, dass ich nun durch Hans Korte mehr als nur den Inhalt erfuhr, sondern gleich noch die passende Stimmung mitbekam. Da Joseph Roth zu den ganz großen Schriftstellern gehört, lohnt es sich, außer dem Radetzkymarsch auch von seinen anderen Geschichten zu erfahren. Audiobücher wie dieses machen es einfacher.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heimkehr ins Wurzellose, 13. Juli 2005
Von 
Francis Pierquin (Vernouillet, France - fspierqu@club-internet.fr) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy: Roman (Taschenbuch)
Gabriel Dan, Sohn russischer Juden, der in Wien großgeworden ist, betritt im Herbst 1919 nach langem Fußmarsch wieder die europäische Bühne. Er ist Kriegsheimkehrer und kommt aus russischer Gefangenschaft. In der Stadt, in der er anlangt - und die auffallende Züge mit Lodz aufweist -, steigt er im Hotel Savoy ab. Dieses Riesenhotel umfasst 864 Zimmer - je höher gelegen, desto schäbiger. Im Hochparterre wohnen die Herrschaften, im siebten und letzten Stockwerk armselige Menschen, die von der Hand in den Mund leben. Gabriel Dan bezieht Zimmer 703 im 6. Stock. Dieses Zimmer kann er sich allerdings nur deswegen leisten, weil sein reicher Onkel Phöbus Böhlaug, der in einer vornehmen Vorstadtvilla wohnt, es nicht vermeiden kann, ihm mit einer Geldsumme und einem abgetragenen Anzug auszuhelfen. Im Hotel, insbesondere im letzten Stockwerk, lernt Gabriel allerlei Gestalten kennen, die sich irgendwie weiterwursteln, wie etwa die Variété-Tänzerin Stasia, den Clown Wladimir Santschin oder auch den Juden Hirsch Fisch. In der Bar des Hotels verkehren aber auch die reichen Industriellen der Stadt wie der Fabrikbesitzer Philipp Neuner oder der Anilinfabrikant Herr Kanner, deren Angewohnheit es ist, nackt auftretende Tänzerinnen zu zwicken. Indes bricht in der Fabrik des Herrn Neuner ein Streik aus, derweil der Strom der Kriegsheimkehrer nicht abreißt. Die Stimmung in der Stadt wird immer gereizter. Alles scheint nur noch auf Henry Bloomfield zu hoffen, den Sohn des Jechiel Blumenfeld, der es in Amerika zu großem Reichtum gebracht hat und der dann und wann seine alte Heimatstadt zu besuchen pflegt. Als Bloomfield mitsamt Sekretär und Leibfriseur tatsächlich im Hotel Savoy absteigt, wird er sofort von allerlei Besuchern und Bittstellern umlagert. Um derer Herr zu werden, stellt er Gabriel Dan als zweiten Sekretär ein. Die geschäftlichen Angebote und Hilfsgesuche nehmen kein Ende, so dass selbst ein Henry Bloomfield sie nicht alle befriedigen kann. Ernüchterung und Enttäuschung machen sich breit, und viele fragen sich, wozu er eigentlich gekommen sei. Nur einige arme Bettler wissen es, auch Gabriel Dan kommt aus Zufall dahinter: Henry Bloomfield liegt es hauptsächlich daran, das Grab seines alten Vaters Jechiel Blumenfeld aufzusuchen, denn: „Ich bin ein Ostjude, und wir haben überall dort unsere Heimat, wo wir unsere Toten haben". Indes eskaliert der Streik der Fabrikarbeiter, und der weiter anwachsende Strom der Heimkehrer tut ein übriges dazu, die Unzufriedenheit zu schüren, während zu allem Übel Typhus ausbricht. Bald nachdem Henry Bloomfield abgereist ist, kommt es denn auch zur gewaltsamen Entladung, in deren Verlauf das Hotel Savoy abbrennt. Viele Opfer sind zu beklagen. Gabriel Dan, der in der Stadt nichts mehr verloren hat, reist mit dem erstbesten Zug westwärts weiter. „Hotel Savoy", einer der ersten Romane Joseph Roths, erschien 1924. Dem Konzept und dem Stil nach ist er späteren Werken aber bereits so gut wie ebenbürtig. Bemerkenswert ist die Seelenlage des entwurzelten, ehemaligen Frontsoldaten, der sich nicht nur in das Los anderer Heimkehrer, Proletarier, armseliger Menschen und sonstiger Revolutionäre einzufühlen vermag, sondern gleichzeitig und nahezu auf das Selbstverständlichste Sekretär des Millionärs Henry Bloomfield wird. Auch das Leben und Treiben der reichen Industriellen der Stadt sowie das der ärmlichen Kaftanjuden, die versuchen, sich mit Valuta-Geschäften über Wasser zu halten, bleibt ihm nicht fremd. Das eine oder andere Mal verkehrt er in deren jeweiligen Kreisen und teilt, wenn auch nur zeitweilig, hautnah deren Schicksal. Dies machen die Stellung und der Blickwinkel des gesellschaftlich Entwurzelten und des zugleich Feinfühligen möglich. Einem anderen Autor wäre solche sozialkritische Durchleuchtung eher aus dem sicheren Abstand der dritten Person gelungen. Joseph Roth schafft es aufs Glaubwürdigste in der ersten Person. Es ist dabei ein Künststück des Gabriel Dan - und des Joseph Roth -, dass trotz aller Einfühlung kritische Distanz, aber auch kritische Sympathien niemals verloren gehen. Dies nicht zuletzt dank des eigenartigen Stils : knapp und sachlich und zugleich sachte lyrisch. All dies Eigenschaften, die sich in Joseph Roths späteren, bekannteren Werken wiederfinden sollten. Nicht zuletzt die jüdische Thematik, die in solchen Werken wie „Juden auf Wanderschaft" oder „Hiob" noch zu Glanzleistungen kommen sollte, ist in „Hotel Savoy" schon im Keim enthalten.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schmelztiegel der Schicksale, 14. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy (Taschenbuch)
Joseph Roth, 1894 geboren, schreibt sich die vielen Geschichten von der Seele, die ihm das Leben vorspielt - so kommt es einem bei dieser Lektüre vor. Viele ungewöhnliche Geschichten treffen sich im „Savoy" und werden vom ungewöhnlichsten von allen hoch - und wieder hinuntergefahren: der Fahrstuhlführer, der heimlich Hotelbesitzer ist, ist die Schaltstelle vieler kleiner Schicksale, die täglich im Hotel Savoy beginnen, sich kreuzen und enden.
Stasia, die von dem Erzähler Gabriel Dan unglücklich verehrt wird, ist Kabarettänzerin; ein Clown wohnt hier, ein Revolutionär (unbelehrbar), ein Koch - aber auch die damalige High Society, die hofft, dem sagenumwobenen Besitzer des Hotels, einem gewissen Bloomfield, als erste ihre Offerten unterbreiten zu können...
Über dem ganzen Trubel schwebt eine leise Sentimentalität, die das Buch sehr lesenswert macht und von ähnlichen Milieuschilderungen eines Hans Fallada oder Leonhard Frank abhebt. Das Gefühl jedoch, hier wolle jemand Mitleid im großen Stile vermitteln wollen, seine Figuren in gut und böse unterteilen - hier fehlt es völlig; dafür bin ich dem Buch sehr dankbar. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Hotel Savoy als Vorhof des Paradieses - leider eine Sackgasse, 26. Juni 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy: Roman (Taschenbuch)
"Zum ersten Mal seit fünf Jahren stehe ich wieder an den Toren Europas," schreibt der Kriegsheimkehrers Gabriel Dan, der am Ende des ersten Weltkrieges wie Hunderttausende anderer aus der russischen Gefangenschaft in ein Europa heimgekehrt , in dem nichts mehr so ist wie es vor dem Krieg einmal war. Allerdings bietet dieses Europa an seiner Peripherie eine wenig einladende Außenansicht. Wir befinden uns im Osten Polens in einem Ort "voll verwahrloster Gehöfte, freien Plätzen, auf denen Schutt und Mist lagerte und die Schweine grunzten. Grüne Fliegenschwärme summten um Haufen dunkelbraunen Menschenkotes. Die Stadt hatte keine Kanäle, es stank aus allen Hausern."(S. 34). Das hört sich übel an. Aber gottlob gibt es noch das Hotel Savoy "mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und seinem livrierten Portier. Es verspracht Wasser, Seife, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre , elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schälchen erglühend wie Kelche, und Betten, daunengepolsterte, schwellend und feurig bereit, den Körper aufzunehmen."(S. 5)
Damit sind die Pole des Romans gekennzeichnet. Der düstere Ort, das Inferno, und das Hotel Savoy, der Vorhof des Paradieses, auch wenn dieser Vorhof zum Paradies zweigeteilt ist, in die guten unteren drei Stockwerke, in denen tatsächlich Stubenmädchen wirken und die ärmeren oberen Stockwerke, in der die zahlungsklammen Gäste ihre Koffer verpfänden müssen, wenn sie die Rechnungen nicht bezahlen können. Das wahre Paradies aber winkt im Westen, in Berlin oder Paris, von denen die Protagonisten träumen, ohne dass die meisten sich diese Reise wirklich leisten können. Stattdessen kommen immer neue abgerissene von der Revolution infizierte Jammergestalten aus den Tiefen Russlands in die heruntergekommene Stadt, es kommt zu Streiks und Konflikten, am Ende sogar zu Schießereien und Tod. Ein vermeintlicher Milliardär Bloomfield, der aus Amerika anreiste um das Grab seines Vaters zu suchen und an den jeder seine Hoffnungen knüpft, reist bei Nacht und Nebel wieder ab. Auch Gabriel Dan reist ab, nachdem er seinen Freund verloren und seine Liebe nicht hat erringen können - er reist ab nach Westen einem ungewissen Schicksal entgegen.
Das ist im Wesentlichen der Roman, der von Kolorit und Atmosphäre lebt, ohne dass sich Joseph Roth bereits auf der Höhe seines Könnens etwa von Radetzkymarsch" befände. Es ist der zweite Roman des Autors, eigentlich nur eine etwas längere Erzählung, in dem Roth seine prägnante Sprache noch sucht. Durchaus lesenswert als ein Portrait des untergehenden Osteuropa, aber doch noch eher eine Skizze, die den späteren Meister in Umrissen erkennbar werden lässt, ihn aber noch nicht wirklich zeigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verworrene Zeiten, 19. August 2008
Von 
HG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy (Audio CD)
"Ich komme um zehn Uhr vormittags im Hotel Savoy an. Ich war entschlossen, ein paar Tage oder eine Woche auszuruhen. In dieser Stadt leben meine Verwandten. Meine Eltern waren russische Juden. Ich möchte Geldmittel bekommen, um meinen Weg nach dem Westen fortzusetzen. Ich kehre aus dreijähriger Kriegsgefangenschaft zurück..." So beginnen die schleppenden - von Hans Korte intonierten - Worte des 1924 geschriebenen Romans "Hotel Savoy" von Joseph Roth. Ein frühes, aber ebenso eindrucksvolles Werk des ostgalizischen Autors.
Und in diesem Hotel, in einer nicht benannten Stadt, aber alles deutet auf das (damals) ostpolnische 'Lódz hin, spielt die gesamte - ungekürzt vorgetragene - Erzählung, die mit dem Vorlesenden eine wunderbare akustische Aufwertung erfährt.

Der Ich-Erzähler Gabriel Dan macht auf seiner Heimreise Zwischenstopp. "Zum ersten Mal nach fünf Jahren stehe ich wieder an den Toren Europas." Das Hotel verspricht ihm den lang vermissten europäischen Luxus: "Wasser, Seife, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre (...) und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit den Körper aufzunehmen." Doch so glanzvoll wie es von außen scheint, so armselig ist sein Innerstes, zumindest je höher man in seinen "Himmel" steigt.

Unterschiedlichste Menschen beherbergt es. Die Gutsituierten bewohnen die Zimmer in den ersten Etagen. Hier scheinen die Wunschträume Gabriels Realität zu sein. Doch je höher der Lift den Gast trägt, desto schäbiger ist das Ambiente. In den obersten Stockwerken wohnen ähnliche Heimkehrer wie er: Menschen die nach Hause gekommen sind, ohne zu Hause zu sein. Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen bestimmen ihr Leben und begleiten ihren Tagesablauf. In Erfüllung gehen sie allesamt bei den wenigsten.

Charaktere aller Couleur prallen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander. Gabriel begegnet Halbkünstlern, Kommunisten, Soldaten, Bankrotteuren, Devisenschiebern und einer Tänzerin. Immer mehr gleicht das Hotel einer Wartehalle für bunte Existenzen in einer aus den Fugen geratenen Zeit. Den Hotelbesitzer Kaleguropulos hat noch niemand gesehen. Er steuert den Betrieb scheinbar durch Zettel an den Türen. Eine zwielichtige Gestalt scheint auch der Liftboy Ignatz zu sein, der die Koffer der Gäste pfändet, wenn diese ihre Miete nicht zahlen können.

Alles, womit sich der Ich-Erzähler Gabriel Dan auch auseinandersetzt, erweist sich am Ende als Illusion, und jeder, mit dem er in Berührung kommt und auf den er seine Hoffnungen setzt, enttäuscht ihn letztendlich. Die angekündigte Ankunft des Millionärs Bloomfield aus Amerika, der allerorts als Hoffnungsträger der Armen und Unglücklichen verkündet wird, scheint die letzte Rettung zu sein. Doch auch sein Besuch erfüllt die Hoffnungen nicht. So bringt der Romanschluss zwar letztendlich eine "Erlösung", doch die Grundlage ist eine Apokalypse.

Hans Korte, der renommierte Schauspieler, bekannt unter anderem aus Dieter Wedels "Der große Bellheim", verleiht diesem ohnehin schon eindringlichen Roman eine ungeheure Intensität. Der Schauspieler liest nicht nur, seine Stimme spielt mit den Worten, hat für jede Stimmung, für jeden kleinen Aspekt eine eigene Nuance. Er trifft mit seiner rauen und belegten, zuweilen lethargisch schleppenden, manchmal feisten Erzählweise Roths hoffnungslos-melancholischen Ton trefflich. Aber auch das von Zeit zu Zeit Schneidende und Aufbrausende, das freudig Erregte, Spannende oder Todtraurige weiß er vortrefflich zu intonieren. Die Empfindungen Gabriel Dans und letztendlich des Autors macht er dadurch für den Hörer begreifbar, intellektuell und emotional. Korte liefert mit seiner Stimme ein beeindruckendes Charakterbild der damaligen Zwischenwelt. Er gibt dieser Erzählung den notwendigen akustischen Tiefgang.

Fazit:
Europa zwischen den beiden Weltkriegen, eine Welt, die aus den Fugen geraten ist, so dass ihre Bewohner sich unversehens an immer neuen Orten finden, immer wieder neu flüchten, sich in immer neuen Konstellationen wieder finden - ein eindringliches Frühwerk von Joseph Roth, hervorragend intoniert von Hans Korte.
Und gibt es nicht auch heute noch an einigen Ecken Europas dieses Hotel Savoy?
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hotel mit sieben Stockwerken voller Leben, 1. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy (Taschenbuch)
Joseph Roth (1894 - 1939) schildert in dem kleinen Roman "Hotel Savoy" wie quasi in einem Zauberberg alle Gesellschaftsschichten verfallen. Die Reichen schlemmen, und die Armen gehen zugrunde: auf den Friedhof oder in die Bar als fleischerne Kulisse für besorgte Gespräche der Fabrikanten. Andere gehen auf den Grund der Dinge, wie der Revolutionär Zwonimir, ein Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft. Er entfacht die Flamme der Revolution, in denen die Welt des Hotels Savoy zusammenbricht. Darunter werden viele wunderbare und wunderliche Menschen begraben, so die unglückliche Kabaretttänzerin Stasia, der alte Liftknabe und der heimliche Hotelbesitzer. Durch Flucht kann sich ein amerikanischer Milliardär, Gast in seiner Heimatstadt, retten. Der Erzähler Gabriel Dan verfällt dem Leben. Noch heute fasziniert in diesem höchst poetischen Roman das Spektrum der Figuren und der Realismus der Details. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen Viele Heimkehrer hat der Tod im Hotel Savoy erreicht..., 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy: Roman (Taschenbuch)
Nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft in Sibirien sucht Gabriel Dan eine Bleibe und bezieht im Hotel Savoy das Zimmer 703 im sechsten Stock, eines der billigsten, in das er den den Kroaten Zwonimir Pansin aufnimmt, der in der Stadt Revolution machen will.
In den unteren Stockwerken wohnen die wohlhabenden in den oberen die armen Schlucker, die Hoffnungslosen ohne jegliche Perspektive, eine Ansammlung von Gestrandeten, Soldaten, Bankrotteuren, Kommunisten, leichte Mädchen, künstler lebt unter einem Dach. Wer einen Koffer hat erhält vom Liftboy Kredit, Darlehen.

Sie alle warten auf den Milliardär Henry Bloomfield der ihre Hoffnungen, Ideen, und Wünsche nicht erfüllt. Alljährlich besucht er das Grab seines Vaters und reist dann wieder ab. Er ist Ostjude dessen Heimat da ist wo seine Toten begraben liegen.

In den Medien tauchen zunehmend Meldungen von Arbeiter-Strieks auf was man den Kriegsheimkehrer zuchiebt die den Bazillus der Revolution in das sonst keimfreie Land schleppen würden. Ausserdem ist Typhus ausgebrochen. Man trägt sich mit dem Gedanken sie zu internieren. Also versucht man die Situation mittels Militär unter Kontrolle zu halten was schliesslich eskaliert. Das Hotel Savoy brennt bis auf die Grundmauern nieder. Nur wenige seiner Bewohner kommen mit dem Leben davon.

Einmal mehr ist Gabriel Dan unterwegs, diesmal nach Amerika, ins Land der tausend Möglichkeiten.
Ein Roman zwischen den Zeiten oder zwischen zwei Kriegen; der Niedergang der österreichischen Monarchie aus dem heraus sich ein steiniger Weg abzeichnet.

Sehr lesenswerte Lektüre, keine Frage.
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5.0 von 5 Sternen Die Welt ist ein Hotel, 1. März 2014
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy: Roman (Taschenbuch)
Der Kriegsheimkehrer Gabriel kommt aus russischer Gefangenschaft (nach dem I.Weltkrieg) in dem kleinen Städtchen in Galizien (heutiges Polen) an und steigt im Hotel Savoy ab. Die Fassade verspricht Pracht und Gloria. Innen auch, aber je höher man in den Etagen steigt, desto ärmer und ärmlicher werden Gäste, Hotel und Zimmer. Ein Varietemädchen in das sich Gabriel verknallt, ein kommunistischer Anarchist als Freund und Zimmergenosse, ein verwirrtes Mathegenie über den Flur das Lotteriezahlen voraussagt, ein böser, alter Liftboy, eine Bumsbude, einen nebulösen Hotelbesitzer, vor dem Alles und Jeder zittert, wenn er einmal die Woche zur Inspektion kommt.
Kurz und gut: Das Hotel ist die Welt - so wie sie ist: Prunkvoll und erbärmlich, mächtig und ohnmächtig, reich und arm, verlogen und ehrlich. Gabriel trifft einen Herrn Bloomfield, der in jungen Jahren die Stadt verließ, als Sohn eines Juden nach Amerika ging und ein Vermögen gemacht hat. Einmal im Jahr kehrt in diesen Ort zurück, allerdings nicht um Almosen zu tätigen, oder um Geschäfte zu machen, sondern um das Grab des Vaters zu besuchen, so wie es bei Juden einmal im Jahr Tradition ist.
Gabriel versteht Herrn Bloomfield und wird sein Sekretär für den mehrwöchigen Besuch des Herrn. Jedoch Dramen spielen sich ab, im Hotel das schlussendlich untergeht - so wie die Welt.

Joseph Roth hat einmal mehr eine weitsichtige Novelle abgeliefert: Die Welt steht am Abgrund, jeder sieht es, jeder weiß es, alle sehen es kommen und doch kann sich keiner dagegen wehren. Roth sah in die Zukunft und wusste wohl in weiser Voraussicht, dass nach dem I. Weltkrieg ein zweiter kommen wird (er hat ihn nicht mehr erlebt). Auch das Gefüge in der Gesellschaft kann schnell durcheinander kommen und Alles ins Chaos stürzen. Das selten etwas so ist - wie es scheint, wird noch einmal verdeutlicht und auch wenn die Welt ins Chaos taumelt, sollte man nicht versuchen dem nicht zu entkommen, wohl aber zu überleben. Uneingeschränkt empfehlenswert!
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5.0 von 5 Sternen ein klassiker, 10. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy (Kindle Edition)
ein tolles buch und eine sehr gute darstellung der damaligen verhältnisse. ich bin ohnehin ein fan von joseph roth's geschichten
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4.0 von 5 Sternen Schicksale in einer schwierigen Zeit, 8. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Hotel Savoy: Roman (Taschenbuch)
Joseph Roth erzählt einfühlsam von Menschen, die das Schicksal in einem Hotel zusammengebracht hat und die mit dem widrigen Umständen der Zeit nach dem Krieg fertig werden müssen.
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Hotel Savoy
Hotel Savoy von Joseph Roth
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