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68 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Machs gut Kurt!
Jetzt ist es soweit. Es heisst Abschiednehmen vom wohl menschlichsten aller Krimikommissare. Zugegeben, es gab schon spannendere Kriminalfälle von Mankell, aber dieser hier besticht vielmehr durch das ausklingende Schicksal von Kurt Wallander, das in großer Melancholie, ohne in Kitsch zu verfallen, zuende erzählt wird. Der ständige Kampf mit der...
Veröffentlicht am 18. Oktober 2010 von Heiner Horlitz

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Melancholisch und anrührend
Kurt Wallanders erfüllt sich einen langhegten Wunsch und zieht aufs Land. Er legt sich sogar einen Hund zu und nun sitzt er alleine in seiner schonischen Bauernkate und harrt der Dinge.
Derweilen erwartet seine Tochter Linda ein Kind. Und der Kindsvater ist ausgerechnet ein Sohn aus altem schwedischen Adel. Dennoch freundet sich unser schwedischer...
Veröffentlicht am 31. Januar 2012 von Sharona


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68 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Machs gut Kurt!, 18. Oktober 2010
Jetzt ist es soweit. Es heisst Abschiednehmen vom wohl menschlichsten aller Krimikommissare. Zugegeben, es gab schon spannendere Kriminalfälle von Mankell, aber dieser hier besticht vielmehr durch das ausklingende Schicksal von Kurt Wallander, das in großer Melancholie, ohne in Kitsch zu verfallen, zuende erzählt wird. Der ständige Kampf mit der Einsamkeit und dem nahenden Alter steht im Vordergrund dieses Buches. Immer wieder finden sich beim Lesen Passagen, die trotz schlichter Sprache, von solch großer Aussagekraft sind, dass man immer wieder von den Seiten aufschauen muss.
Dieses Buch Mankells ist wohl sein poetischstes und persönlichstes. Man möchte diesen innerlich zerrissenen Kurt Wallander manchmal einfach in den Arm nehmen.
Hier verblasst auch ein Stieg Larsson, dessen Figuren zwar auch innovativ, aber im Gegensatz zum schonischen Kommissar blass erscheinen. Kurt Wallander ist der Melancholiker, Blomqvist der Aufschneider. Zum wem sich der Leser mehr hingezogen fühlt, ist eine rein subjektive Entscheidung. Fakt ist, das Mankells Bücher mehr vom eigentlichen Menschen mit all seinen Lichtern und Dunkelheiten handeln.
Machs gut Kurt, es war schön Dich kennengelernt zu haben!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Melancholisch und anrührend, 31. Januar 2012
Kurt Wallanders erfüllt sich einen langhegten Wunsch und zieht aufs Land. Er legt sich sogar einen Hund zu und nun sitzt er alleine in seiner schonischen Bauernkate und harrt der Dinge.
Derweilen erwartet seine Tochter Linda ein Kind. Und der Kindsvater ist ausgerechnet ein Sohn aus altem schwedischen Adel. Dennoch freundet sich unser schwedischer Lieblingskommisar mit dem alten U-Boot General Håkan von Enke an und ist erschüttert, als dieser kurze Zeit später spurlos verschwindet.
Er fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln und gerät in ein Komplott aus der Zeit des kalten Krieges.
Und plötzlich verschwindet auch noch Håkans Frau Louisa, dafür wird von Enke in Kopenhagen gesehen '

Henning Mankell macht nicht den Fehler anderer Schriftsteller, die ihre Protagonisten in einem ewig alterslosen Zustand herumdümpeln lassen.
Er lässt seinen Wallander alt werden ' richtig alt! Dabei lässt er keinen Zweifel daran, dass das Altern kein Spaß ist ' weder aus körperlicher, noch in seelischer oder mentaler Sicht.

Er lässt aus Wallander keinen milden, freundlichen Großvater werden (zumindest wird dieser Ansatz nicht weiter ausgebaut), sondern einen Mann, der an seiner Einsamkeit leidet und sich über seine wachsende Verwirrtheit ärgert.
Und er lässt ihn seine alten Fälle Revue passieren: er erinnert sich an 'Mörder ohne Gesicht' oder an 'Die weiße Löwin' und zwischendurch taucht auch noch Baiba Leipa auf, seine ehemalige Geliebte aus Lettland, die er in 'Die Hunde von Riga' kennengelernt hat.

Somit kann man philosophieren, wer der 'Feind im Schatten' eigentlich ist: Jemand aus der unergründlichen Welt der Geheimdienste oder ist es etwas, dass in uns selbst wohnt?

Auf jeden Fall sollte man das Buch (oder in meinem Fall das Hörbuch) nur bei bester psychischer Gesundheit lesen oder hören.
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109 von 130 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endgültiger Abschied von Kurt Wallander. Auch in seinem letzten Fall leidet Henning Mankell mit seiner Figur an der Welt, 30. April 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Als 1998 mit dem neunten Fall in dem Buch "Die Brandmauer" Henning Mankells Kommissar Kurt Wallander aus Ystad im südschwedischen Schonen sich endgültig verabschiedete, da war die Trauer unter den Millionen eingefleischten Wallander-Fans groß. Die Folgeromane von Henning Mankell waren allesamt den Kauf und die Lektüre wert, aber doch blieb mit seinem Namen und jeder Ankündigung eines neuen Buches etwas Nostalgie verbunden und die stille Hoffnung, Wallander könne vielleicht, etwa in einem Buch, in dem seine Tochter, ebenfalls Polizistin geworden, die Hauptrolle spielt, zurückkehren.

Nun ist dieser Wunsch tatsächlich erfüllt worden von Henning Mankell, und man kann nach der Lektüre lange darüber nachdenken, was der genaue Grund dafür gewesen sein mochte. Wollte er den anderen schwedischen Krimigrößen, Sjöwall/Wahlhöö und Arne Dahl nacheifern und auch die "Zehn" voll machen ? Wollte er sich selbst endlich lösen von einer Figur, die vielleicht all die Jahrzehnte mehr mit ihm selbst zu tun gehabt hat, als er es wahrnehmen wollte ?

Wollte er sich mittels seiner Kultfigur mit der Einsamkeit des Alters, der Angst vor dem Tod und dem Hinfälligwerden " schwer zu schaffen machen ? Oder wollte er einfach Abschied nehmen ?

Denn "Der Feind im Schatten" ist ein Abschiedsbuch, sein durchgängiger Tonus entspricht dem Herbst, auch dem Lebensherbst kurz vor dem Tod. Im Verlauf des Buches spielen die verschiedenen Jahreszeiten eine Rolle, Wallander sieht sie kommen und gehen und löst während dieser Zeit einen Fall, obwohl er eigentlich im Urlaub ist. Wie wir aus den neun anderen Büchern schon wissen, ist ein Mann wie Kurt Wallander überhaupt nicht in der Lage, wirklich Urlaub zu machen, er kann nicht abschalten, dämpft seine Gefühle nach wie vor mit mehr Alkohol, als ihm, mittlerweile schwer zuckerkrank, gut tut und kämpft das ganze Buch über mit Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Dass ihm schon zu Anfang des Buches, und in der Folge immer häufiger, die Kurzzeiterinnerungen ausbleiben, und er nicht mehr weiß, warum er jetzt gerade dort ist, wo er ist, macht ihm, nachdem diese Schwärze nach einigen Sekunden bzw. Minuten wieder verblasst zunehmend Sorgen, doch sein Arzt beruhigt ihn.

Auch in seinem letzten Fall trägt Wallander, darin seinem Schöpfer ähnlich, schwer am Weltgewissen und ermittelt dieses Mal in seiner eigenen Familie. Seine Tochter Linda hat ein Kind bekommen von einem adligen Börsenmakler ( auf diese Weise kann Mankell so nebenbei die Finanzkrise 2008 abhandeln). Der Vater von Hans, der ehemalige Korvettenkapitän Hakan von Enke verschwindet eine Tag, nachdem er bei seiner Geburtstagsparty sich Wallander öffnete und sehr besorgt wirkte. Hakan ist ehemaliger U-Boot-Kommandant und seit Jahren einer Verschwörung auf der Spur. Im Herbst 1980 hatte er ein fremdes U-Boot aufgebracht und musste es auf Befehl von oben ziehen lassen. Wer hatte damals den Befehl dazu gegeben ? Hatte Olof Palme etwas damit zu tun, von dem es doch immer wieder hieß, er sei ein russischer Spion und Kommunist ?

Kurt Wallander nimmt die Fährte auf. Erst recht, als nach einigen Wochen auch Louise von Enke spurlos verschwindet. Wallander findet Dinge heraus, spürt wie immer Zusammenhänge auf, kann sie nicht richtig sehen, sie verschwinden wieder, tauchen später wieder auf, und bald knüpft er wie eh und je an einem spannenden Netz. Dabei leidet Wallander mehr noch als früher an der Dunkelheit der Welt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten langsam immer mehr auf seine eigene Seele gelegt hat und die er nicht mehr locker und entspannt loslassen kann. Henning Mankell lässt seine Figur sozusagen durch die ganzen bösen Taten, die ihm begegnen, selbst hindurchgehen. Und das tut ihm nicht gut. Schon früher hat er gelitten, jetzt aber, jenseits der sechzig und chronisch krank und einsam, raubt es ihm die letzte positive Lebensenergie. Einzig seine Enkeltochter Klara gibt ihm so etwa wie Hoffung und Perspektive für die Jahre, die ihm noch bleiben und vor denen er sich fürchtet wie vor keinem Verbrechen vorher.

Auf seinem Ermittlungsweg quer durch das Buch begegnen ihm viele Menschen, die ihm wichtig waren, zum Beispiel die litauische Polizistenwitwe Baiba, die Wallander geliebt hat, wie kaum eine andere Frau vorher, und die ihm, nachdem sie nicht seine Frau werden wollte, entglitten ist wie das meiste in seinem doch eher traurigen Leben. Andere Figuren oder Reminiszenzen aus den früheren Büchern tauchen auf, wecken beim Leser Erinnerungen und führen Wallander immer auf eine Idee, die ihn im aktuellen Fall weiterbringt. Das wirkt oft arg konstruiert in einem recht abstrakten Krimi, der sich ungewohnt langsam, geradezu träge, seiner Lösung nähert.

Gegen Ende des fast 600 Seiten starken Buches, das man dennoch in nur wenigen Leseportionen zu Ende liest, gebannt und seltsam fasziniert von dieser depressiv-melancholischen Figur, die an der Welt leidet und an sich selbst, sagt Kurt Wallander zu sich selbst:
"Ich bin immer noch die verwirrte Gestalt an der Peripherie des großen politischen und militärischen Geschehens. Heute wie damals bin ich eine ängstliche und unsichere Randfigur."

Doch so unbedarft waren Wallander und sein Erfinder nie. Denn Wallander durfte nie nur einen Mord aufklären, es ging ihm und Mankell immer auch darum, das jeweilige "System" dahinter zu demaskieren. Nun tritt er ab, verabschiedet sich endgültig, wie auf der letzten Seite deutlich wird.

Wir werden ihn schon etwas vermissen.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wehmütiger Abschied von Wallander, 1. September 2010
Das war es nun also. Der letzte Roman mit Kurt Wallander als Hauptfigur. Ein sehr melancholischer Abschied, der mich mit leicht gemischten Gefühlen zurückgelassen hat.

Als eigenständiger Roman ist das Buch meiner Meinung nach nur bedingt zu empfehlen. Leser, die vorher keinen Wallander-Roman gelesen haben, dürften mit "Der Feind im Schatten" eher nicht soviel anfangen können. Dazu setzt die Geschichte zu viele Vorkenntnisse voraus, hat man zuwenig Zeit, sich mit der Figur des Kurt Wallander auseinanderzusetzen, und ist der Fall des verschwundenen U-Boot-Kapitäns auch nicht fesselnd genug.

Für die große Fangemeinde, die bereits die restlichen Bücher um den beliebten, allzu menschlichen Kommissar kennt, stellt der "Feind im Schatten" den endgültigen Abschied von der liebgewonnenen Krimireihe dar, die immer mehr war als bloß spannende Unterhaltung, die auch gesellschaftliche und politische Zustände und vor allem Missstände (nicht nur in Schweden) beschrieb.

Was mich ein wenig gestört hat, ist das für meinen Geschmack allzu große Selbstmitleid, dem sich Kurt Wallander in "Der Feind im Schatten" hingibt und die im Gegenteil zu den früheren Bänden nur mäßige Spannung der Geschichte. Wallander war zwar stets eher pessimistisch, ja teilweise grüblerisch dargestellt, aber nie so übertrieben wehleidig wie hier. Irgendwie passt das auch nicht zu seiner früheren Darstellung. Ich kann aber nachvollziehen, dass Henning Mankell damit wahrscheinlich unmissverständlich klarmachen wollte, dass dies der Abschied von Wallander ist. Die Handlung um den verschwundenen Schwiegervater von Wallanders Tochter fand ich zwar nicht sehr spannend, aber dennoch passt sie zum melancholischen Ende der Reihe. Eine Jagd nach einem weiteren Serienmörder wäre hier nicht mehr angebracht gewesen.

Mankell stellt vor allem zum Ende des Buchs noch einmal ganz deutlich seine politische Position dar. Wie man dazu steht, bleibt jedem selbst überlassen, aber ich finde es gut, wie offen Mankell seine Standpunkte vertritt.

Als endgültigen Abschluss der Wallander-Reihe fand ich "Der Feind im Schatten" zwar nicht herausragend, aber absolut würdig und für alle alten Fans auf jeden Fall zu empfehlen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich muss gestehen - das Buch hat mich traurig gemacht, 31. Dezember 2010
Kurt Wallander ist alt geworden, und mit dem Alter von Kurt Wallander ist offensichtlich Henning Mankell auch müde geworden, über ihn zu schreiben.
Dieser Wallander ist träger als die anderen, was wohl auch daran liegen mag, dass eher die familiäre Geschichte im Vordergrund steht, als die Ermittlungen.
Mankell hat es geschafft, den Leser über Jahre hinweg Wallander begleiten zu lassen, bis hin zu diesem Roman, wo er sich verabschiedet, in seine eigene Welt.
Ich muss gestehen - das Buch hat mich traurig gemacht.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wer Wallander mag - besser nicht lesen, 24. April 2012
Von 
Ich habe alle Wallanders gelesen und die meisten fand ich auch ziemlich gut.
Aber das hier hätte Mankell uns - und Kurt! - besser erspart.

Ich fand das Buch langweilig, die Story total konstruiert, die Motive nicht nachvollziehbar.
Viele Fragen werden am Ende nicht beantwortet und man fragt sich, warum sie dann gestellt wurden.
Scheint alles nur dem Zweck zu dienen, mal wieder politische Verhältnisse anzuprangern.
Und Kurt zu Grabe zu tragen. Schade drum.
Und dann immer wieder die Erinnerung an alte Fälle - das wirkt total aufgesetzt und künstlich.

Ich war das erste Mal froh, einen Wallander endlich ausgelesen zu bekommen.
Ich kann mich der Kritik der kulturnews nur anschliessen: für mich der schlechteste Wallander.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armes Schweden ...., 7. Januar 2013
... wenn es tatsächlich so wäre, wie in diesem Roman dargestellt.

Dass die Krimihandlung selbst nicht besonders mitreißend ist, wurde schon in anderen Rezensionen ausgeführt. Anstrengender waren jedoch die Schilderungen der Personen.

Diese sind nahezu alle Varianten des gleichen Themas: Das Leben hat wenig zu bieten, an dem man sich einfach freuen kann und für das man dankbar sein darf.

In dem ganzen Buch gibt es keine einzige Gegenfigur, der es irgendwie vergönnt wäre, zufrieden auf ihr Leben zu blicken oder das Leben mit Humor - und sei es Galgenhumor - zu nehmen. Das fand ich nicht nur unrealistisch, sondern beim Lesen auch unglaublich ermüdend.

Da ist zum Beispiel die Enkelin, Klara, die wohl als Lichtblick gedacht ist. Sie zaubert jedoch kaum ein spontanes Lächeln auf die Gesichter ihrer Familie, zumindest keines, das nicht sofort philosophisch hinterfragt würde und in einer abstrakten Reflexion mündet, dass Klara irgendwie "die Zukunft" repräsentiert. Ansonsten besteht ihre Hauptaufgabe eher darin, durch ihr Weinen Telefonate zu unterbrechen.

Auch ihre Mutter Linda, die doch (anscheinend) ihre große Liebe gefunden hat und mit immerhin 36 Jahren ein gesundes Kind zur Welt bringt, fühlt sich durch diese Situation vor allem belastet.

Der Hund Jussi, zu Beginn anscheinend ein Welpe, bringt auch nicht wirklich Freude ins Leben, seine großen Szenen bestehen darin, dass er sich einen Dorn in die Pfote tritt, krank wird, im Zwinger sitzt und zu den Nachbarn gebracht wird.

Baiba Leipa scheint sich sogar zunächst mit ihrem Leben und Sterben ausgesöhnt zu haben, aber auch sie darf nicht in Würde sterben.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Die Familienidylle des amerikanischen Kollegen von Enkes wird als Fotofassade hinterfragt, der schwedische Kollege, der sein Leben zu genießen scheint, erschießt sich urplötzlich, usw.

Am meisten geärgert hat mich vielleicht sogar die Figur Signe von Enkes. Hier lässt Mankell wirklich nichts aus, um deutlich zu machen, dass manche Menschen aber über wirklich gar keine Lebensqualität verfügen: Signe hat nicht nur keine Arme, keine Stimmbänder, einen Hirnschaden und eine stark eingeschränkte Sehkraft, nein, sie leidet (aus medizinisch unklaren Gründen) bei jedem Atemzug.
Dabei hatte ich, als zuvor von ihrem Lebenswillen gesprochen wurde, sogar die Hoffnung, dass Mankell hier die Einseitigkeit seiner Darstellung unterbrechen würde, und Signe in ihrer eigenen Welt und auf eigene Art Zufriedenheit empfinden könnte.

Ich gehe davon aus, dass nahezu alle positiven Rezensionen von Lesern stammen, die Wallander, wie er in den vorherigen Büchern dargestellt wurde, liebgewonnen haben. Nimmt man aber allein diesen Band, ist Wallanders Auseindandersetzung mit dem Altwerden nicht nur deprimierend, sondern auch langweilig eindimensional.
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3.0 von 5 Sternen 'Eine andere Art von Vergessen. Ein Dunkel, in dem er kein Licht anzuzünden vermochte.', 29. Juni 2012
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Inhalt:
Am 75. Geburtstag von Lindas Schwiegervater in spe Håkan von Enke erzählt dieser Wallander von seinen Erlebnissen im Zusammenhang mit einer U-Boot-Affäre. Dabei sind in den 1980er Jahren U-Boote in schwedische Hoheitsgewässer eingedrungen, wurden jedoch nie identifiziert, und die Angelegenheit wurde vertuscht. Von Enke glaubt an Landesverrat, hat sich jahrelang mit der Sache beschäftigt und meint nun, einer Auflösung nahe zu sein. Doch dann verschwindet von Enke spurlos. Wer ist für sein Verschwinden verantwortlich? Wo ist er? Welcher Zusammenhang besteht zwischen seinem Verschwinden und der militärischen Ausbildung von Enkes? Wallander stöbert in von Enkes Vergangenheit und stößt auf einige ungeahnte Geheimnisse.

Mein Eindruck:
Ich habe vor Jahren die anderen Wallander-Bände gelesen und finde, dass der letzte Wallander-Fall nicht recht mit den früheren mithalten kann. Für meine Begriffe kam die Geschichte zu langsam in Fahrt und hat mich erst im letzten Drittel wirklich gefesselt. Dann empfand ich die Geschichte allerdings als so spannend, dass ich das Buch kaum weglegen konnte.

Wallanders Geistesblitze und wie er den Fall letztendlich löst, waren meiner Meinung nach wenig glaubwürdig, zu weit her geholt und kaum überzeugend. Was mir gefallen hat: insgesamt ist 'Der Feind im Schatten' deutlich persönlicher als die Vorgänger, man bekommt tiefe Einblicke in Wallanders Gedanken- und Gefühlswelt, vergangene Erlebnisse werden wieder erwähnt und resümiert.

Mein Resümee:
Etwas schwerfällig, häufig unglaubwürdig, erst am Ende wirklich fesselnd.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da geht er hin, 2. Juni 2014
Kurt Wallander löst seinen letzten Fall bevor er im Dunkel des Alters verschwindet. Wer jetzt glaubt einen rüstigen Mittsiebziger mit Pauken und Trompeten aus dem aktiven Dienst scheiden zu sehen kennt den Kurt nicht. Still und heimlich verabschiedet er sich, obwohl mit Anfang 60 nich keineswegs so alt wie er dargestellt wird siecht Kurt Wallander dahin.

Auch der Fall wird den fast 600 Seiten nicht gerecht, die Agentenstory ist seeeehr dünn, dazu noch mit einigen logischen Fehlern behaftet die ich von Mankell so gar nicht kenne.

So einen trostlosen Abgang hat unser Kurt nicht verdient. "Der Feind im Scahtten" ist eine Rückschau auf einen Teil seiner alten Fälle, auch Baiba aus Lettland taucht wieder auf (natürlich vom Alter gezeichnet und totkrank). Stop, welches Alter denn? Mankell stempelt Kurt mit gerade mal 60 so komplett zum alten Eisen ab wie ich es in diesem Alter nicht erleben möchte. Wer muss denn mit 60 schon so fertig sein wie der arme Kurt es ist. Fast-Ex-Alkoholiker, schwer zuckerkrank, herzkrank usw. Dazu noch zunehmende Vergesslichkeit die wohl in senile Demenz oder noch Schlimmeres mündet bevor er 70 ist.

Armer Kerl, vorzeitig gealtert und keine guten Prognosen. Dazu ein verkorkster Fall für den er nicht mal zuständig ist. Dafür so einfach zu lösen das dies auch für einen Kurt Wallander mit Gedächtnisschwund kein Problem ist.

Mankell setzt hier viel zu viel auf Tragik als auf Story. Für meinen Geschmack macht er seinen Krimihelden älter er ist, ein Abschied auf seinen Altersruhesitz in Schonen mit ein paar Altersgebrechen hätte ausgereicht, aus ihm ein vorzeitig gealtertes Wrack zu machen hat er nicht verdient und ist für mich zu dick aufgetragen. Dazu eine relativ einfache, dünne und teilweise fehlerhafte Story - da habe ich besseres von Wallander gelesen. Schade.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der letzte Wallander - Das Ende einer Ära, 13. Mai 2010
Von 
Raumzeitreisender (Solsbury Hill) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was ist mit Kurt Wallander los? Alt, vergesslich, melancholisch - ein Schatten seiner selbst. Kein Held. Aber ein Held, wie er in Kitschromanen vorkommt, war er nie. Darum lieben ihn die Leser. Er ist immer Mensch geblieben, mit all seinen Schwächen. Seine Stärke ist seine untrügliche Intuition.

Henning Mankell erzählt eine undurchsichtige Agentengeschichte, in die Protagonist Wallander in doppelter Funktion, sowohl privat als auch beruflich, involviert ist. Håkan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und Schwiegervater seiner Tochter Linda, verschwindet spurlos. Es geht um Landesverrat - eine alte Geschichte aus Zeiten des Kalten Krieges. Aber das ist nur eine Facette dieses spannenden Krimis.

"Der Feind im Schatten" erfüllt eine Doppelfunktion. Es ist einerseits eine Agentengeschichte und andererseits das Lebensresümee von Kurt Wallander. Es ist nicht das beste Buch von Mankell, aber auch nicht das schlechteste. Unzweifelhaft handelt es sich um den persönlichsten Wallander, gespickt mit zahlreichen Erinnerungsfetzen und Begegnungen mit Menschen aus seiner Vergangenheit. Der Titel "Der Feind im Schatten" ist Metapher sowohl für die vordergründige Agentengeschichte als auch für Protagonist Wallanders weitere Entwicklung.

Für Wallander-Fans ist dieser Roman Pflichtlektüre, anderen Lesern würde ich zunächst frühere Werke von Henning Mankell empfehlen, z.B. "Die weiße Löwin" oder "Hunde von Riga". "Der Feind im Schatten" vermittelt - anders als frühere Werke - eine melancholische Stimmung. Aber das ist kein Problem. Henning Mankell hat sich das Recht herausgenommen in seinem letzten Wallander-Roman (auch) dessen Geschichte zu erzählen, und das ist nach neun hoch spannenden Krimis okay so.
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Der Feind im Schatten: Roman
Der Feind im Schatten: Roman von Henning Mankell
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