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5.0 von 5 Sternen Trois contes, 10. November 2012
Gustave Flaubert, einer der heute zu den größten französischen Schriftstellern zählende Autor, schrieb schon seit seiner Jugend kleinere Theaterstücke und Komödien, die er mit seiner Schwester und Freunden zuhause aufführte. In seiner „Teenager“-Zeit und später wand er sich zunächst der Romantik zu, veröffentlichte aber weder früher noch später eines dieser Frühwerke. Später, man denke nur an seinen großen realistischen Roman „Madame Bovary“, wand er sich dem Realismus zu und kritisierte zunehmend die damals herrschende Gesellschaft der Zeit der Industrialisierung, indem er mit Emma Bovary einen romantischen Charakter schuf, der sich in der Welt des Realismus nicht mehr zurechtfindet- und beschrieb damit sozusagen auch sein eigenes Leid an dieser Welt seiner Zeit. Seine drei Geschichten, die „Trois contes“, erschienen als letztes Werk, das noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde und ist somit auch eine Art Rückschau auf sein Leben, handeln alle drei Geschichten Episoden gleich von Strömungen, denen Gustave Flaubert in seinem eigenen Leben folgte: „Un coeur simple“ klingt an „Madame Bovary“ an und beschreibt die Lebensgeschichte einer jungen Frau, Félicité, die einsam und in einem nahezu religiösen Wahn verarmt stirbt. Die Geschichte des „Sait Julien“ erinnert an „La tentation de saint Antoine“ und schließlich das altgeschichtliche Drame des „Hérodias“ an „Salammbô“. Sozusagen sind die „Trois contes“, 1877 erschienen (Flaubert starb 1880) eine letzte Zusammenfassung der gesamten „flaubertinischen“ Schreib- und Erzählkunst, die alle drei wichtigen Züge des Gesamtwerkes wiedergeben: Félicités Geschichte als psychologisch-realistische Geschichte einer jungen Frau, die in der „realen“ Welt keinen Erfolg hat und ihren Erinnerungen nachhängt; der Heilige, der in einer Welt des Phantastischen lebt, geprägt vom Mittelalter und fabelmäßigen Zügen, dem Übernatürlichen und Religiösen; und schließlich Herodes, dessen Geschichte daherkommt wie ein antikes, buntes Gemälde. Flaubert reiste sehr viel- dreimal- in den Orient und nach Nordafrika, sein großes Interesse war stets auch der Orient und das Altertum. Dennoch ist es interessant, dass er viel weniger aus dieser als denn aus der realistischen Perspektive der „Madame Bovary“ wahrgenommen wurde und wird. „Madame Bovary“ war seinerzeit ein Skandal und die meisten Werke Flauberts greifen antike Themen auf, so wie auch in „Trois contes“ zwei von drei Geschichten im Mittelalter bzw. der Antike handeln- und diese Werke, also auch die „Trois contes“ bereits zu ihrem Erscheinen sehr erfolgreich waren und damals eine größere Leserschaft fanden als etwa „Madame Bovary“. Insofern lohnt die Lektüre dieses Buches, da es alle Stil des Schaffens Flauberts beinhaltet und wirklich auch ein Buch ist, von dem sich Flaubert damals nicht distanzieren musste und unter dem er nicht- sprichwörtlich physisch und psychisch- litt wie beim Entstehen und nach Erscheinen seines vermeintlichen Hauptwerkes, der „Bovary“.Interessant bei „Trois contes“ ist auch, dass diese Ideen aufgreifen, die Flaubert schon sehr lange mit und in sich trug, Geschichten und Bilder, die er schon in seiner Frühzeit entwickelt hatte, ehe er sie kurz vor seinem Tod zu Papier brachte. Insofern bilden die „Trois contes“ auch einen wesentlichen Schlussstein im literarischen Werk Flauberts, indem sozusagen wie in einer Dreieinigkeit drei Epochen- Moderne (aus seiner Zeit und Perspektive), Mittelalter und Antike miteinander vereinigte werden, was aus den „Trois contes“, die eigentlich am Ende einer literarischen Karriere stehen, zu einem idealen Einstieg des Schaffens Flauberts machen, der- leider- heute im Großen und Ganzen lediglich durch seinen „Evergreen“ der „Madame Bovary“ wahrgenommen wird. Sehr gut an der Ausgabe von „Le livre de poche“ ist auch eine umfangreiche Darstellung der erzählerischen Hintergründe, nach welchen Mustern Flaubert arbeitete und welche Geschehnisse ihn dabei beeinflussten.
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Trois contes (French Edition)
Trois contes (French Edition) von Gustave Flaubert
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