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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Klassiker, den man gelesen haben sollte
Es ist wirklich ein wunderschönes Buch, das die Zeiten des Niedergangs der Donaumonarchie vor dem geistigen Auge erscheinen lässt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es liest sich sehr flüssig, obwohl es auch mal 3 Seiten nacheinander gibt, in der nicht ein Absatz auftaucht. Der Lesefluss wird dadurch keineswegs gestört...
Veröffentlicht am 6. Januar 2007 von T. Giese

versus
82 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kein echter Joseph
Kein echter Joseph-Roth-Fan wird sich die Hände schmutzig machen und ein Roth-Buch aus dem Diogenes-Verlag anfassen.

Siebzig Jahre nachdem Joseph Roth als armer, alkoholkranker Emigrant in Paris zugrunde ging, bereichern sich nun Schweizer Pfeffersäcke an seinem Werk, ohne auch nur einen Pfennig dafür zu zahlen.

Nach siebzig Jahren...
Veröffentlicht am 16. Mai 2010 von Anja Friedrich


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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Klassiker, den man gelesen haben sollte, 6. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Taschenbuch)
Es ist wirklich ein wunderschönes Buch, das die Zeiten des Niedergangs der Donaumonarchie vor dem geistigen Auge erscheinen lässt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Es liest sich sehr flüssig, obwohl es auch mal 3 Seiten nacheinander gibt, in der nicht ein Absatz auftaucht. Der Lesefluss wird dadurch keineswegs gestört.

Hauptsächlich handelt das Buch ja von dem Leutnant Trotta und seinem Vater dem Bezirkshauptmann (Beamter) Trotta. Die Charaktere sind wunderbar beschrieben. Der Bezirkshauptmann wird z. B. mit seinen ganzen Marotten und Eigenheiten beschrieben, die es damals unzweifelhaft gab, dass man sich das sehr gut vorstellen kann, obwohl sie eigentlich aus heutiger Sicht total merkwürdig sind. (Bspw. liegt an einem Morgen seine Post nicht wie gewohnt neben dem Frühstückstablett und daher verändert sich sein Tagesablauf dermassen, dass er zum Beispiel den ganzen Tag nichts mehr essen kann, so sehr ist er verwirrt)

Anhand dieser Charaktere (hauptsächlich an dem Verfall des jüngeren Trottas) wird der Niedergang des Kaiserreiches Österreich sehr gut dargestellt. Der Sohn ist ohne Perspektive und hat seinen militärischen Aufschwung eigentlich nur der Tatsache zu verdanken, dass sein Großvater dem Kaiser das Leben rettete. Die Armee ist ein Sauhaufen, in der schon die Offiziere nur trinken und ihr Geld im Kasino verpulvern. Der Kaiser stand immer für Würde und für Stolz allerdings ist er in den Endzügen der Donaumonarchie auch schon über 80 (er selbst weiss sein genaues Alter nicht mehr) und verfällt zusehens. Dieser Verfall des Kaisers und der Armee ist exemplarisch für Österreich.

Fazit: Ein sehr schöner Klassiker, der die Zeiten des alten Österreichs noch einmal aufleben lässt und anhand der sehr schön gestalteten Charaktere ein tolles Sittengemälde von damals wiedergibt.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Emotionaler Abgesang auf ein untergegangenes Idyll, 13. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Taschenbuch)
Joseph Roth schildert in seinem gefeierten Hauptwerk Aufstieg und Vergehen einer Familie in Verbindung mit Niedergang und Fall der Habsburgischen KuK Doppelmonarchie. In der Tradition des Gesellschaftsromans wird, wie etwa bei 'Buddenbrooks' oder 'Berlin Alexanderplatz', das Schicksal einer Sippe als Vehikel benützt um einen genauen und kritisch prüfenden Blick auf die betreffende Epoche zu werfen.

In ironischem, aber auch einfühlsamem Tonfall, der teils kritisch, teils spöttisch, manchmal aber auch nostalgisch verklärend wirkt, schildert Roth die Archetypen der alten KuK Zeit: Beamtentum, Militär, Adel, Bauern und die verschiedenen Völker. Er erzählt aber nicht wie ein nüchterner Betrachter im Stile Thomas Manns, sondern als Mitbetroffener - ein Trauernder, der seinen Verlust in Worte fasst.

In dieser ausdrucks- und gefühlvollen Haltung des Erzählers liegt für mich die große Stärke des Buches: Obwohl mit der österreichischen Geschichte schon vorher gut vertraut, konnte ich anhand dieser emotionalen Schilderungen erstmals oft zitierte Denkmuster der Vorkriegszeit wie Kriegsbegeisterung, Morbidität, Militarismus oder Untergangsstimmung unmittelbar nachvollziehen, da der Ratsch der Straße genauso wie die Ahnungslosigkeit diverser höherer Schichten aus nächster Nähe und menschlich-verständnisvoll beleuchtet werden.
Das alte Reich und seine Bewohner scheinen noch einmal in lebhaftesten Farben auf und man kann die heutige Selbstvergessenheit und Walzerseligkeit mancher Österreicher verstehen, falls die Habsbuger Zeit trotz all ihrer Probleme und Zwänge wirklich so prächtig gewesen sein sollte.
Ein großartiges Buch, das ich allen ans Herz legen möchte, die sich für Geschichte oder Österreich interessieren.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Untergang der Donaumonarchie, 8. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Taschenbuch)
Joseph Roth beschreibt hier am Beispiel der Familie Trotta den Untergang Österreich-Ungarns. Es beginnt 1859, als der Grossvater der Hauptfigur dem Kaiser in der Schlacht von Solferino das Leben rettet. Ab diesem Moment geht es mit der Familie, wie auch mit der Monarchie, bergab. Bis der Roman schliesslich 1916 mit des Kaisers Tod (somit das Ende der Monarchie) und dem Tod des Vaters der Hauptfigur (das Ende der Familie Trotta) endet.
Der Grossvater (der Held von Solferino) steht hier sinnbildlich für das Militär, der Vater ist ein fleissiger Beamter (von "Heldenhaftigkeit" kann schon nicht mehr die Rede sein), somit sinnbildlich für das Beamtentum, was die beiden wohl zu den tragenden Säulen der Monarchie macht. Der Enkel Carl Joseph von Trotta, die eigentliche Hauptfigur, ist geplagt von seinem Dasein beim Militär, da ihn das nicht glücklich macht, andererseits sieht er aber auch keine Alternativen dazu . Er weiss nicht was er will, er kennt keine Zukunft und denkt selbst immer nur an seinen "grossen" Grossvater, dadurch, unter anderem, verfällt er dem Spiel und dem Alkohol.
In diesem Roman wird der langsame Verfall des Vielvölkerstaates mehr als deutlich. Sei es bei den vereinzelten Unruhen der Arbeiter, bei der Verbitterung des Vaters gegen tschechische Mitbürger oder auch bei der Spaltung der Lager als der Tod des Thronfolgers bekannt wird.
Der Autor schafft es dem Leser durch eine ganz ruhige und gelassene Erzählweise, alles mit ein Wenig Poesie unterlegt, einen wirklich tiefen Einblick in das Denken der Menschen die in dem beschriebenen Zeitraum in Österreich-Ungarn lebten, zu verschaffen. Ein wichtiger und, wie ich finde, auch lehrreicher Roman über die letzten Jahre der Donaumonarchie und somit ein Stück jüngerer europäischer Geschichte, dazu auch noch einfach zu lesen und zu verstehen. Deswegen: LESEN!
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnd, 21. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Taschenbuch)
Vorneweg: Dieses Buch ist keine klassische Familiengeschichte. Der Großteil des Buches erzählt den Lebensweg eines k.u.k. Offiziers bis zu seinem Tod in den Anfangstagen des Ersten Weltkrieges, stets vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Unterganges des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. Der familiäre Hintergrund des Protagonisten wird dabei am Anfang vergleichsweise kurz und nüchtern umrissen. Die Parallele der von Trottaschen Familiengeschichte zur Geschichte Österreich-Ungarns und der des Monarchen ergibt sich auch erst im Gesamtbild: Der Großvater steigt 1859 als Kriegsheld in den Adel auf und der Enkel stirbt kinderlos und unheroisch irgendwann im Sommer 1914.
Vom Stil her ist das Werk gut und flüssig lesbar. Der Autor beschreibt die Handlung sehr plastisch und detailiert und spart auch nicht mit Bildern, d.h. mit Sicherheit keine "schwierige" oder abstrahierende Lektüre. Vor allem der drohende Untergang der Donaumonarchie und die Figur des Kaisers mit seiner integrierenden Funktion werden anschaulich gezeigt.
Was das Buch auch fesselnd macht, ist die Nichtabsehbarkeit der Handlung. Nüchtern beschreibt der Autor den Werdegang des "Helden" (der sicher keiner im klassischen Sinne ist, dem man sich aber doch sehr verbunden fühlt) und geht romantischen oder heroischen Klischees aus dem Weg. Für mich allein schon deshalb eines der lesenswertesten Bücher über diese Zeit.
Trotz dem guten Stil: Das Buch erschließt sich einem mit Hintergrundwissen leichter. Wer mit dem Ersten Weltkrieg und k.u.k. nichts anfangen kann, dem würde ich das Buch nur bedingt empfehlen. Interessierte werden aber das Buch nicht so leicht aus der Hand legen !
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eines der grossartigsten Stücke deutschprachiger Literatur, 11. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch (Kindle Edition)
Joseph Roth zeigt in diesem Buch, warum er für mich zu den Weltbesten Romanciers gehört. Den eigentlichen Inhalt dieses Buchs muss man wohl nicht ausführlich kommentieren, da dieser in den zahlreichen anderen Rezensionen bzw. in der Buchbeschreibung selbst sehr gut dargelegt wird.

Was dieses Buch neben der meisterlich erzählten Geschichte des Schicksals der Familie Trotta und der letzten Jahre der k.u.k. Monarchie für mich persönlich jedoch so besonders macht, ist die unverwechselbare und menschlich zutiefst berührende Sprache und der im Grunde immer wertschätzende und liebevolle Umgang des Autors mit den Charakteren. Es zeigt, wie gewaltig und bewegend ganz kurze und scheinbar stille und bescheidene Augenblicke, Begegnungen oder ausgesprochene Sätze, gedachte Gedanken im Leben eines Menschen sein können. Dies sind Einblicke in die Geheimnisse des Lebens - Momente der Klarheit im Bezug auf vieles, was Menschen beschäftigt. Derartige Momente offenbart das Buch dem Leser immer wieder, und dies in einer wunderbar unaufdringlichen, nicht moralisierenden Weise.

Ich habe fast alle Bücher von Joseph Roth gelesen, der Radetzkymarsch bleibt jedoch sein absolutes Meisterwerk (ich fand es besser als "Hiob" - der oft als sein größtes Werk erwähnt wird). Dieses Buch - und die überragende Erzählkunst des Autors - vermochte es, mich in seinen langsamen, jedoch stetig und kräftig vorwärtsfließenden Strom seiner Geschichte mitzureißen, so wie es ansonsten Giganten wie Tolstoi oder Dostojewski vermochten.
Ein Buch, das man in verschiedenen Phasen seines Lebens immer wieder aufs neue entdecken kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorbildliche Ausgabe eines großen Romans, 27. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Radetzkymarsch

"Dieser Roman vom Glanz und Untergang einer Familie und eines deutschen Weltreiches führt von der Schlacht bei Solferino zur ersten Schlacht des Weltkrieges und bis zum Tod des greisen Kaisers. Er malt in farbenbrennenden Bildern und Szenen kaiserliche Audienzen und glänzende Feste auf Grafenschlössern, Manöver, Fronleichnamsprozession und Militärparade; die bunten Abenteuer leidenschaftlicher Liebe, den Tod treuer Diener, Manöver und Offizierskasino, die ganze versunkene Pracht des apostolischen Reiches. Die sprachgewaltige große Epopöe vom Untergange Österreichs beginnt und schließt unter den fortreißenden Trommelwirbeln des Radetzky-Marsches." Mit diesem Text stellte der Verlag Gustav Kiepenheuer den "Radetzkymarsch" im Klappentext der Erstausgabe von 1932 vor.
Nach mehr als 50 Jahren macht der Reclam-Verlag den "Radetzkymarsch" nun - ohne die zahlreichen Textfehler und ungerechtfertigten Eingriffe der seit den 1950er Jahren erschienenen Drucke - in seiner ursprünglichen Gestalt wieder zugänglich. Die Neuausgabe bietet den sorgfältig durchgesehenen Text der ersten Buchausgabe (1932); die durchgeführten Emendationen sind genauestens nachgewiesen. Aufgenommen wurde in diese Neuausgabe auch das Vorwort, das Roth am 17. April 1932 dem Vorabdruck seines Romans in der "Frankfurter Zeitung" vorausgeschickt hat.
Überdies bietet diese Ausgabe zum ersten Mal einen detaillierten Zeilenkommentar, der hilft, die historischen Hintergründe des Romans genauer zu verstehen. Der Kommentar verzeichnet auch von Roth herangezogene Quellen (u.a. einen Österreich-Roman von Bruno Brehm) und entschlüsselt literarische, topographische und autobiographische Anspielungen. Ein informatives, aspektereiches Nachwort des Herausgebers Werner Bellmann erläutert zeit- und entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sowie Thematik, Intention, Struktur und Gestaltungsmerkmale dieses Romans, der zweifellos zu den schönsten und literarisch wertvollsten Prosawerken des 20. Jahrhunderts gehört.

Insgesamt: eine sorgfältig herausgegebene und hilfreich kommentierte Ausgabe des Rothschen "Radetzkymarsch", den Volker Weidermann am 12. Juli 2004 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als sein "Lieblingsbuch" vorstellte: "Es ist das schönste Buch der Welt. Das traurigste. Sentimentalste. Wundersamste. Es ist ein Wunder."
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!!!, 29. Mai 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch: Roman (Taschenbuch)
Großartig, wie Joseph Roth im "Radetzkymarsch" ein Bild der k.u.k-Monarchie kurz vor ihrem Untergang zeichnet! Mit feinem Gespür, ohne Zorn und Eifer, entwirft er anhand des Schicksals der Familie Trotta quasi eine "Psychologie des alten Österreich": angefangen vom bäuerlichen, dann aber geadelten Großvater, der dem Kaiser das Leben gerettet hat, über den Vater, der wohlsituierter Bezirkshauptmann in Mähren ist, bis hin zum Enkel, der schließlich an seiner Familiengeschichte und zusammen mit der Monarchie zerbrechen muß. Differenziert stellt Roth die Charaktere dar und läßt sich in keinem Wort von einer k.u.k-Nostalgie leiten. Das Bemerkenswerteste an diesem Buch ist aber, wie bei allen Romanen des Autors, die wunderbare Sprache. Roth hat seinen ganz eigenen Stil, der trotz des hohen Niveaus immer flüssig lesbar bleibt. Jedes Wort ist es wert, gelesen zu werden!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Situationsbeschreibung der Monarchie, 7. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch (Kindle Edition)
Der Autor beschreibt die Lebensweise in der Monarchie anhand einer Lebensgeschichte einer Familie. Der Held der Geschichte rettet dem Kaiser in der Schlacht das Leben und wird daher immer wieder als Held gefeiert. Nur die Geschichte stellt das Geschehen anders dar, als der Held der Geschichte es erlebte und die Probleme sind vorprogrammiert .......
Der Erzählstil ist in einigen Passagen eventuell als derb einzustufen, aber es beschreibt das Leben der damaligen Zeit mit möglichst realtreuen Beschreibungen und möglichst ohne Verherrlichungen - direkt auf den Lebenspunkt gebracht.
Neben der Familiengeschichte wird auch das Leben in der Monarchie äußerst gut beschrieben und packend behandelt. Für mich war das Buch eine Bereicherung und kann es jeden geschichtsinteressierten Leser als Referenz empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ein Hörbuch wie dieses kann, 16. Juni 2009
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch (Audio CD)
Die Audiofassung von Joseph Roths Radetzkymarsch, Gespräche mit Jugendliche und die Lektüre von "iBrain: wie die neue Medienwelt Gehirn und Seele unserer Kinder verändert" führten mich zur Frage, wie weit sich junge Menschen des 21. Jahrtausends überhaupt noch in die Welten von früher einfühlen können. Habsburgerreich, Standesgesellschaft, Militärverherrlichung, Autoritätsgläubigkeit, verbindliche Verhaltensregeln und formelhafte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern... Es fällt ja schon älteren Lesern schwer, Verständnis für die damaligen Verhaltensmuster zu zeigen. Eine Antwort, wie der Zugang möglich ist, liefert mir nun der 1933 geborene Schauspieler Michael Heltau. Denn wie er den berühmten Roman von Joseph Roth liest, ist einfach großartig. So schleppend wie er viele Passagen vorträgt, so morbid war eben dieses System. Und dennoch ging von ihm eine Faszination aus, die Millionen jubeln ließ, als der Kaiser die Jugend zum Aufbruch in den Krieg rief. Auch diesen Aspekt vermittelt die Stimme von Michael Heltau. Aber damit nicht genug, dem Vorleser gelingt es auch, das herauszuheben, was den Roman von Joseph Roth mit "Der Mann ohne Eigenschaften" verbindet: die Bewusstseinlage der handelnden Figuren in Worte zu fassen. Wichtig ist diese Fähigkeit des Vorlesers deshalb, weil darin das Moderne dieses literarischen Werks liegt. Wenn man den Beschreibungen lauscht, wie Worte des Vaters an den Kopf seines Sohne prallen und was sie in seinem Gedächtnis auslösen, hält man auch nach über sieben Jahrzehnten noch die Luft an. Oder wenn Gegenstände wie Koffer oder Uniformen zu lebendigen Mitspielern der Menschen werden, weil Joseph Roth Dinge zu handelnden Subjekten macht.

Gerade weil es vielen jüngeren Lesern wahrscheinlich schwer fällt, die besondere Melancholie, die tragische Ironie und die kitschige Sentimentalität aus den Formulierungen von Joseph Roth herauszuhören, braucht es einen Übersetzer wie Michael Heltau. Wenn sich seine Stimme ächzend langsam und nasal durch die Sätze Roths zieht, merkt man, wie träge dieses Macht- und Gesellschaftssystem geworden ist. Und gleichzeitig vermittelt Heltaus Stimme aber auch, dass sich dieses System ohne die Katastrophe des Ersten Weltkrieges weiter an der Macht gehalten hätte. "Einmal in der Woche ist Österreich", schreibt Joseph Roth und gibt mit dieser ironischen Formulierung wieder, dass die Wirklichkeit und das Paradoxe ein unzertrennliches Paar sind.

Mein Fazit: Wenn ich einer jüngeren Person den Zugang zu diesem Meisterwerk von Joseph Roth ebnen müsste, so würde ich ihm die Audiofassung schenken. Weniger weil ich ihm damit die Lektüre ersparen will, sondern weil ich der Meinung bin, dass es heute einen Übersetzer wie Michael Heltau braucht, um solch untergegangene Welten mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Ich werde mir das Taschenbuch kaufen, das im Februar 2010 im Insel Verlag erscheint.
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82 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kein echter Joseph, 16. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Radetzkymarsch (Broschiert)
Kein echter Joseph-Roth-Fan wird sich die Hände schmutzig machen und ein Roth-Buch aus dem Diogenes-Verlag anfassen.

Siebzig Jahre nachdem Joseph Roth als armer, alkoholkranker Emigrant in Paris zugrunde ging, bereichern sich nun Schweizer Pfeffersäcke an seinem Werk, ohne auch nur einen Pfennig dafür zu zahlen.

Nach siebzig Jahren erlischt das Autorenrecht, und jeder kann Texte des Autors nachdrucken. Das ist der einzige Grund, warum der Diogenes-Verlag nun plötzlich Bücher und Hörbücher von Joseph Roth herausbringt.

Aber welche editorische Leistung wird hier vollbracht? Werden die Erstausgaben nachgedruckt? Wird der Text aufgrund der Handschriften revidiert? Nichts dergleichen. Es geht ausschließlich darum, den Verlagen das Wasser abzugraben, die sich von Anfang an um Joseph Roth bemühten, wie z. B. dem Kiepenheuer-Verlag, der schon zu Joseph Roths Lebzeiten für diesen Autor gekämpft hat.

Dem Autor nichts zahlen zu müssen? Das ist der Traum jedes Verlegers. Die meisten Verlage verwirklichen diesen Traum schon bei Lebzeiten ihrer Autoren.

Aber was soll man auch von einem Verlag halten, der, wie der Diogenes-Verlag, Schreiberlinge wie Donna Leon und Paulo Coelho verlegt?

Das ganze Elend enthüllt sich im neuen Relame-Prospekt des Diogenes-Verlages. Diogenes ist die einzige Firma der Welt, die die Chuzpe hat, für eine Reklame-Broschüre auch noch Geld zu verlangen. Vier Euro muß man berappen, um den abgeschmackten Lifestyle-Prospekt des Schweizer Geldhauses durchzublättern. Dabei ist das einzig Vernünftige an dieser Hochglanz-Broschüre die Seite 78 mit kurzen Texten von Arthur Schopenhauer. Der Rest ist Lifestyle-Lesefutter.

Joseph Roth war ein Genie. Er hat gelebt, geliebt, geschrieben und gelitten. All das hat er für sich, die Literatur, die Gerechtigkeit, gegen Nazis und Faschisten, für Österreich und das Haus Habsburg, für das Judentum und für uns, seine Leser und Fans, geleistet. Und nicht für ein paar Schweizer Geldschneider, die sich jetzt sein Werk unter den Nagel reißen.
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Radetzkymarsch
Radetzkymarsch von Joseph Roth
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