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Ethik
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der niederländische Philosoph Baruch Spinoza (1632-1677) stammte aus einer marranisch - jüdischen Familie. 1656 wurde er wegen religiöser Dogmenkritik mit dem Bannfluch der jüdischen Gemeinde belegt.

Insbesondere von R. Descartes und T. Hobbes beeinflusst, entwickelte er seine etwa 1662 entstandene Ethik (erschienen 1677) eine pantheistische Metaphysik und Anthropologie nach geometrischem Beweisverfahren.

In der Einleitung erfährt man viel über das Leben aber auch die Psyche des Philosophen. Er galt als unbequem und verdarb es sich nahezu mit allen. Er war hochbegabt und überragte die Neureichen Amsterdams und die Erfolgreichen Hollands an Klugheit und Verstandesschärfe um Vieles. Das verschaffte im Neider. Man verzieh ihm seine Klugheit nicht.

Baruch war aber ohne Hochmut, "auf der Suche nach Wahrheit, nicht auf der Jagd nach Glück, nach Ruhm, Ehre, Macht, Vermögen oder Vergnügen. Einer, der sich beschied mit dem Schicksal, das ihm Geld und gute Gesundheit versagt hatte"( S.23). Goethe und Einstein schätzten Spinoza sehr und man versteht auch weshalb, wenn man sich mit der Ethik dieses großen Philosophen näher befasst.

Spinozas Ethik beginnt mit der Metaphysik, geht dann zur Psychologie der Affekte und des Willens über und endet mit einer Ethik, welche auf der vorangegangenen Metaphysik und Ethik aufgebaut ist.

Das Buch ist in einer geometrischen Ordnung abgefasst, in der Art eines mathematischen Werkes, mit vorangestellten Axiomen, Behauptungen, Lehrsätzen, Beweisen, Folgerungen etc.

In Spinozas Metaphysik ist der Begriff "Substanz" essentiell. Er versteht darunter das das Eine und Unendliche, welches unter und hinter allen Dingen steht, das alles Sein in sich vereinigt und begreift. Die Substanz ist unendlich. (Lehrsatz 8, Teil 1) Sie kann nicht von einer anderen hervorgebracht werden(Lehrsatz 6, Teil 1). Die absolut unendliche Substanz ist unteilbar(Lehrsatz 13, Teil 1) Außer Gott kann es eine Substanz weder geben, noch kann eine solche begriffen werden (Lehrsatz 14, Teil 1) Diese Substanz ist mit unendlich vielen Attributen ausgezeichnet, von denen nur Ausdehnung und Denken erkennbar sind.
Die Einzelseelen und die einzelnen Stücke der Materie sind für den Philosophen adjektivisch; sind Aspekte des Göttlichen Seins.

Gott und die Natur sind ein und dasselbe. Alle endlichen Erscheinungen (Dinge und Ideen) sind Modi (Daseinswesen) der einen Substanz, da alles was ist aus ihr notwendig folgt.

Persönliche Unsterblichkeit kann es für ihn nicht geben, sondern nur ein unpersönliches , immer stärker werdendes Einswerden mit Gott.

Spinoza vertritt die Meinung, dass alles einer absoluten, logischen Notwendigkeit unterliegt. Der Wille kann nicht freie Ursache genannt werden, sondern notwendige(Lehrsatz 32, Teil 1) Es gibt demnach keine Willensfreiheit in der geistigen Sphäre, noch Zufall in der physikalischen Welt. Der Philosoph meint zu wissen, dass alles von Gott bestimmt und insofern gut sei.

Negatives existiert nur vom Standpunkt endlicher Kreaturen aus betrachtet. Das Böse gibt insofern nicht, sobald man es als Teil des Ganzen sieht. Die Tatsache, dass der Mensch lt. Spinoza keinen freien Willen hat, bedeutet keineswegs, dass er nicht verantwortlich ist für sein Handeln. Das begründet der Philosoph ebenfalls.

Spinozas Theorie der Affekte schließt sich an die metaphysische Erörterung über die Natur und den Ursprung des Geistes an.
Er definiert in der Folge alle Affekte und resümiert, dass ein Affekt, auch Leidenschaft genannt, eine verworrene Idee ist, "durch die der Geist von seinem Körper oder einem Teil desselben eine größere oder geringere Existenzkraft bejaht als vorher und durch deren Vorhandensein der Geist selbst bestimmt wird, mehr an dies als an jenes zu denken".

Affekte sind nach Spinoza Erregungen des Körpers, die das Tätigkeitsvermögen des Körpers vergrößern oder verringern, fördern oder hemmen, zugleich auch sind sie die Ideen dieser Erregungen.

Jedes Ding strebt danach, soweit es an ihm liegt, in seinem Sein zu verharren (Lehrsatz 6, Teil 3).Dieser Selbsterhaltungstrieb ist nach Spinoza das Grundmotiv der Affekte. Liebe, Hass und Kampf ergeben sich demnach aus der Tatsache, die im Lehrsatz 6, Teil 3 zum Ausdruck kommt.

Spinoza begreift die menschliche Ohnmacht im Einschränken und Mäßigen der Affekte als Knechtschaft. "Denn der den Affekten unterworfene Mensch steht nicht unter seinen eigenen Gesetzen, sondern unter denen des Schicksals, dessen Gewalt er dermaßen unterworfen ist, dem schlimmen zu folgen, obwohl er das bessere sieht."

Da der Mensch nicht nur Vernunftwesen ist, also ein Mensch der seiner Natur gemäß handelt, demnach bestrebt ist sich selbst zu erhalten, dürften ihm die Affekte eigentlich nicht im Wege stehen. Spinoza weiß aber, dass der Mensch von seinen Leidenschaften hin und her geworfen wird und es wenig Sinn macht Leidenschaften bloß zu unterdrücken oder zu zügeln, sondern "ein Affekt nur gehemmt oder aufgehoben werden kann durch einen anderen Affekt, der entgegengesetzt und stärker ist als der zu hemmende."(Lehrsatz 7, Teil 3).

Geknechtet ist man, soweit das, was geschieht, durch äußere Ursachen bestimmt ist. Frei ist man, soweit man durch sich selbst bestimmt ist.

Spinoza ist der Ansicht, dass alles Unrechttun eine Folge intellektuellen Irrtums ist. Der Mensch, der alles, was ihn angeht angemessen erkennt, handelt klug und ist selbst in Verhältnissen glücklich, die andere als Unglück betrachten würden.

Spinoza erkennt und begründet, weshalb Liebe und Begierde ein Übermaß haben können und er beweist auch, dass Hass niemals gut sein kann. Wer nach der Leitung der Vernunft lebt, strebt danach, soviel er kann, den Hass, den Zorn, die Verachtung u.s.w. anderer gegen ihn durch Liebe oder Edelmut zu vergelten. Spinoza erklärt gut nachvollziehbar, weshalb dies sinnvoll ist und er begründet auch, warum der freie Mensch über nichts weniger denkt als über den Tod und dessen Weisheit nicht ein Nachdenken über den Tod, sondern über das Leben ist(siehe Lehrsatz 67/ Teil 4). Ich schließe mich seiner Meinung nicht nur in diesem Punkt bedingungslos an.

Spinoza weiß, was immer sich ereignet, ist Teil der ewigen zeitlosen Welt. Er möchte die Menschen von der Tyrannei der Furcht befreien, indem er ihnen verdeutlicht: Was geschehen soll, wird geschehen. Ein Affekt hört auf Leidenschaft zu sein, sobald wir von ihm eine deutliche klare Idee bilden.

Die Einsicht, dass alle Dinge notwendig sind, bewegt den Geist dazu, Herr über die Affekte zu werden. Da alles, was notwendig ist, Gottes Wille ist (denn Gottes Wille und das Notwendige sind eins) ist fortschreitendes Erkennen und Bejahen des Notwendigen zugleich wachsende Liebe zu Gott und Fügung in seinen Willen. Spinoza nennt diesen für den Menschen höchsten erreichbaren Zustand geistige Liebe zu Gott.

Ganz zum Ende seiner Reflexionen sagt er: Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst und wir erfreuen uns derselben nicht, weil wir die Lüste einschränken, sondern umgekehrt, weil wir uns derselben erfreuen, können wir die Lüste einschränken (Lehrsatz 42 , Teil 5).

Spinoza möchte, dass man selbst im größten Unglück nicht in der Welt der eigenen Sorgen versinkt. Man soll lernen jedes Missgeschick in seiner Beziehung zu seinen Ursachen und als Teil der gesamten Weltordnung zu sehen. Er wirbt für Erkenntnis und hat mich, weil er für jeden Lehrsatz eine nachvollziehbare Begründung artikuliert, völlig in seinen Bann gezogen.

Spinozas fatalistische Ergebenheit muss nicht zu lässiger Tatenlosigkeit führen, aber sie könnte. Darin ist möglicherweise vordergründig ein Schwachpunkt in seiner philosophischen Betrachtung zu sehen, mit dem man sich nicht unbedingt anfreunden mag.

Doch man vergegenwärtige sich immer wieder folgenden Gedanken Spinozas: "Wer Beleidigungen mit Hass erwidert und sich an dem Beleidigten rächen will, verbittert sicherlich sein eigenes Leben. Wer dagegen trachtet, den Hass durch Liebe zu bekämpfen, der kämpft unstreitig mit Freude und Zuversicht, wehrt sich ebenso leicht gegen einen Menschen, wie gegen viele und bedarf der Hilfe des Glücks am wenigsten."

Empfehlenswert.
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51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. August 1999
Mit einer Radikalität, die vor ihm nur Descartes hatte, läßt Spinoza sein Denken am absoluten Nullpunkt beginnen: Ein paar simpel scheinende Begriffsbestimmungen und sieben Grundsätze (Axiome) bilden das Fundament, auf dem er seine Philosophie errichtet. Noch vor dem Inhalt fällt die Form auf: Streng mathematisch-logisch werden Lehrsätze, Korollare und Folgesätze aufgestellt und anhand der Axiome und vorheriger Sätze bewiesen. Man mag das heute belächeln, besonders bei den Gottesbeweisen, aber statt dessen sollte man sich bemühen, die Kozepte zu begreifen, mit denen Spinoza arbeitet, denn was er Gott nennt, entspricht keinesfalls christlichen Vorstellungen, zB erkennt er ihm den freien Willen ab. Gott ist die alles durchdringende Substanz, deren Erscheinungsmodi die Dinge der Welt bilden. Daß er sich dabei auch mit Fragen befaßt wie: Wie können wir überhaupt etwas benennen, das wir nicht eingrenzen können? zeigt das hohe theoretische Niveau, auf dem er sich bewegt und macht ihn auch für Systemtheoretiker wie Niklas Luhmann (der seinem Monumentalwerk über die moderne Gesellschaft ein Spinoza-Zitat voranstellt) interessant. Der Abschnitt über die Affekte wurde zwar von dem Psychoanalytiker Fromm als Begründung der modernen Psychologie hervorgehoben, läuft aber letztlich auf die von Descartes übernommene Trennung von Körper/Affekten und Geist/Erkenntnis hinaus, wobei Glück eben durch Befreiung von ersterem und Hinwendung zu letztem entsteht. Wem diese Einstellung zusagt, der wird hier viel zum sinnieren finden. Der eigentliche Hammer folgt aber am Ende des Bandes: In den Auszügen aus der "Abhandlung über die Läuterung des Verstandes" berichtet Spinoza von der Krise, die der Schaffung der "Ethik" voranging, und dies ist ein wirklich beeindruckendes Dokument der schonungslos offenen Abrechnung eines Menschen mit seinem bisherigen Leben, und den Antworten, die er, ohne sich in neue Illusionen zu stürzen, auf seine ernüchternde Bilanz sucht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 23. Januar 2008
Parmenides gilt als der geistige Vater von Spinoza. Dem Vorsokratiker folgen die Stoiker, die von Grund auf monistisch denken, sie sehen im leitenden Prinzip alles, sie gelten als die konsequentesten Pantheisten des Altertums. Dieses leitenden Prinzip, der Gott Zeus, die Weltenseele ist alles, durch ihn, mit ihm und in ihm sind alle Dinge. Und so ist das stoische Weltbild eines des Neuen Testamentes. Seneca führt bereits seine Form des Pantheismus auf einen Gott zurück, so dass man schon von Theismus reden kann. Die ewige Wiederkehr, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung zu einem, das Alles und die Vorsehung sind Elemente einer absoluten Logik. "Wirklich frei in diesem Felde ist derjenige, der sich den Gesetzen der Natur unterordnet", so Spinoza.

Baruch de Spinoza (1632-1677) lebte im Einfluss von Hobbes, Descartes und Leibniz, wie von den alten Griechen. Gleichzeitig vom Zeitgeist des Barocks, in dem das Sprengen von Grenzen durch Fülle und Raumillusion immanent war. Descartes Dualismus von Leib und Seele spielte eine große Rolle im Denken Spinoza, seine Ambition war die Auflösung dieser Dualität zu Gunsten der Substanzlehre. Doch in der Reihe der Großen nimmt Spinoza eine besondere Stellung ein, hat doch seine besondere geistige Fähigkeit Konflikte mit Familie und Religion heraufbeschworen. Ausgestoßen aus der jüdischen Gemeinschaft Portugals verbrachte er sein Leben in Holland. Er tauschte nicht seine Gesinnung, nur den Ort, der ihm mehr Freiheit gab, sich seiner Wissenschaft (zusätzlich zum Linsen schleifen als Opticus) zu widmen. Seine Sicht auf die Religion brachte ihm die Bezeichnung Atheist ein, später wurde dieser Begriff mit Spinozist gleichgestellt. Doch das große Denken der Freiheit des Geistes im 18. Jahrhundert inspirierte Lessing, Herder, Goethe posthum aus Spinozas Ideen, Spinoza hatte gar Einfluss im nachkantischen Idealismus, von dort auf Nietzsche und Freud.

Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.

"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn insbesondere in I, 11 und 15 als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.

Spinozas Lehre spiegelt die von Hobbes insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen. Sein Vorwurf, Handlungen zu belachen und zu verabscheuen, sei nicht die richtige Methode, vielmehr sei es "Verstehen wollen" und so beendet er die einleitenden Worte zu (III) damit: "[...] werde ich die menschlichen Handlungen und Begierden ebenso behandeln, als ob von Linien, Ebenen oder Körpern die Rede wäre". Spinoza versteht unter Affekt die Affektionen des Körpers, durch welche dessen Fähigkeit zu handeln geschwächt oder gestärkt wird, und zugleich die Vorstellungen dieser Affektionen gem. II, 17 E. Diese Betrachtung in (III) irritiert insofern, da der Körper den Geist und vice versa nicht bestimmen vermag (III, 2). Jedoch mit (I), (II, 6, 7) sollte klar sein, dass die Attribute verschieden sein können beim Betrachten derselben Sache (Substanz). Und hier führt Spinoza bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind. (III, 2, E)

Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren (IV) münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie in (I) schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft (IV, 24) und in dem Sinne auch IV, 18. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist (IV, 68) und freier, der in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. (IV, 73). Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. (V,42) Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".

Weitere Anmerkungen für den Interessierten: (die Ethik ist zu Hand)

In I, 15 beschreibt Spinoza den menschlichen Körper, er spricht von der Idee II, 13 und davon, dass der menschliche Geist die Idee ist oder die Erkenntnis des menschlichen Körpers. In II, 19; 21 (Geist/Körper Einheit über die Idee) und später in II, 23 "Der Geist erkennt sich selbst nur, sofern er die Ideen der Erregungen des Körpers erfasst". Oder in allem in II,26.

In allem käme man zum Schluss: Kein Körper ohne Geist. Doch Spinoza bleibt sich selbst nicht sicher und zögert daher nicht, die Wechselwirkung einzuräumen, d.h. einem unter Bedingungen ein Vorrecht zu geben. Somit ist die Entsprechung auf die jeweils andere Seite eine Abbildung oder gar ein Bild im Sinne der Affekte, Affektionen. Betrachtet man dieses unter moderner Neurologie, fällt auf, dass die heutigen Begriffe der "inneren Bilder" nach Hüther, die unser Verhalten bestimmen können, bereits bei Spinoza vorgedacht ist (III, 13 Folgesatz, 16, 18, und in der Wechselwirkung mit anderen 31, 33-35). Auch ist die Frage der Wechselwirkung von Impuls (Stimuli) des Geistes (Gehirns) und Handlung auch hier bereits empfunden. Nicht allein Notwendigkeit, auch Zufall sieht Spinoza als Ursache von Hoffnung oder Furcht (III, 50), erörtert wird die Frage des Aberglaubens, der Befangenheit gem. III, 25, dass glauben und hoffen so korrelieren wie nicht glauben und fürchten. Spinozas Einfluss auf die Erforschung der Affekte im Sinne von Gefühlen und Vorstellungen zeigen die Schriften von. Hüther, Bauer, Damasio, Watzlawik. Erich Fromm sieht gar den Beginn der Psychologie mit Spinoza.

In IV / V geht es um die Ethik im eigentlichen Sinne. Spinoza glaubt wie zuvor Sokrates und Platon, Unrecht sei eine Folge intellektuellen Irrtums. Jeder Mensch wird in angemessener Haltung seinen Dingen gegenüber klug handeln und glücklich sein, auch in Verhältnissen, die andere als Unglück empfinden. Hier wird er ganz Epikureer. Dass er wünscht, dass jeder Mensch die Welt so sieht, wie Gott sie sieht, zeigt sich im Wort: sub specie aeternitas, unter dem Aspekt der Ewigkeit. Wenn es den Menschen gelänge, so zu sehen, wird das Einzelne in der Sichtweise immer ein Teil des Ganzen und da Gott nichts vom Schlechten weiß, denn es gibt nichts Schlechtes, das gewusst werden könnte. Schlechtes gibt es in der Umkehrung nur dann, wenn man Teile des Ganzen für selbstständig hielt.

In (V) wird Ewigkeit (Allnotwendigkeit V, 22) zur Existenz der ewigen Wahrheit, jedoch nicht als Dauer in der Zeit, sondern als Wesen eines Dinges. So müsste das Wesen eines Geistes bereits vor ihm existiert haben und über den Körper fortdauern. D.h. der Geist stirbt mit dem Körper, aber nicht das Wesen des Geistes. (Platonische Gedanken mögen Spinoza hier beflügelt haben) Diese höchste Gattung der intuitiven Erkenntnis vom Wesen der Dinge an sich, ist das Erfassen der Dinge in Gott. Dieses Ewige ist im Dienst der Ethik, die in "armor dei intellectualis" mystische Vollendung findet und letztendlich in der Metaphysik den Menschen mit der Allsubstanz verschmelzen lässt. Die Schwierigkeit, Erkenntnis zu erlangen, Verhalten im Sinne der Ethik zu Gunsten der Idee (Natur oder Gott) dauerhaft zu festigen muss laut Spinoza deutlich ein Kraftakt sein. "Denn wie sollte es geschehen, wenn das Heil so leicht zur Hand wäre und ohne viel Mühe gefunden werden könnte, dass es doch von jedermann vernachlässigt wird?" (V,42)

Ein kritischer Blick auf die Ethik, losgelöst von der Metaphysik wäre noch wünschenswert. Was bliebe der heutigen Nachwelt, die dem Denken der Metaphysik nichts abgewinnen kann? Spinoza hatte zu Lebzeiten einen schweren Stand gegen Descartes und Leibniz, doch sein Denken der Ethik blieb auch heute sehr beachtenswert. Daher eine Empfehlung.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Mai 2008
Das klingt trocken und weitestgehend ist es auch so. Wenn auch zu Beginn sein Beweis, dass Gott notwendigerweise existiert, noch amüsieren kann - nach dreißig Seiten logischer Beweise, die oftmals dem sofortigen Verständnis seltsam vorkommen, steigt man aus. Spinoza ging davon aus, dass seine Leserschaft mit Logik vertraut ist, allerdings macht das seine Beweisführung nicht einfacher. Aus heutiger Sicht lassen sich viele, auch triviale Argumente, die man selbstverständlich" einsehen müsse, nicht nachvollziehen.
Die Ethik" ist kein Buch für den Nachttisch, das man mal eben so kurz vorm Einschlafen lesen kann. Vielmehr verlangt es die aktive Mitarbeit des Lesers, der auch dazu gewillt sein muss, scheinbar absurde oder kontextlose Dinge zu beweisen. Macht man sich aber die Mühe und ackert die Beweise durch (oft wird auch auf andere Beweise verwiesen oder auch auf Lehrsätze in anderen Teilen), so stellt man fest, dass Spinoza für seine Zeit sehr fortschrittliche und gute Ideen hatte - weswegen sein Buch natürlich dann auch sehr schnell verboten wurde.

Wer schnelle und leichte Unterhaltung sucht, wird hier nicht fündig werden. Hinter Die Ethik" verbirgt sich eine (zu jener Zeit) hochwissenschaftliche philosophische Abhandlung, die ohne die nötigen Grundkenntnisse wohl unverstanden bleiben wird. Wer sich aber die Mühe macht, wirklich mit dem Buch zu arbeiten, der wird erstaunt sein über die Schlüsse, die Spinoza zieht, und über so manchen Beweis, denn manchmal ist der Weg auch das Ziel.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Spinozas Werk "Die Ethik" markiert einen Bruch in der Philosophiegeschichte. Beeinflusst von René Descartes und dessen quasi mathematischer Methode der Wahrheitssuche, geht es Spinoza vor allem um die sittliche Vollkommenheit des Menschen, um das tugendhafte Leben - daher der Titel "Ethik". Aber auch Fragen nach Gott, der Natur, der menschlichen Vernunft und den Leidenschaften sowie der menschlichen Freiheit werden dabei angeschnitten; es ist also auch ein Werk der Metaphysik, Kosmologie und Psychologie. Dabei kommt das Buch fast wie ein mathematisches Lehrwerk daher, mit Definitionen, Axiomen, durchnummerierten Lehrsätzen, Folgesätzen etc. Das Göttliche ist für Spinoza Teil der Moralphilosophie: Gott als die vollkommene und zugleich einzige Substanz, die alles Seiende umschließt. Alle Dinge sind in Gott - damit formulierte Spinoza zum ersten Mal pantheistische Ideen, die der herrschenden dualistischen Lehre (hier die Welt, dort Gott) widersprachen. Das machte Spinoza in den Augen seiner Gegner zu einem gefährlichen Atheisten. Heftige Anfeindungen waren die Folge, doch bekannten sich andererseits auch viele Dichter und Denker wie etwa Lessing, Herder und Goethe zum Spinozismus. Wer das Werk heute lesen will, muss sich auf intellektuelle Schwerarbeit gefasst machen!
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. April 2005
spinoza's hauptwerk, die ethik, muss diametral betrachtet werden. in sich abgeschlossen, als system, ist es genial, wie spinoza in einem mathematischen prozess, grundsätze und ableitungen aufstellt, und so eine all-umfassende philosophie, wie es sich ja heute niemand mehr trauen würde, aufstellt. mit metaphysik, mit erkenntnistheorie und mit ethik. wer bin ich? was kann ich wissen? was soll ich tun?
die resultate die spinoza aus seinen ableitungen folgert sind in seinem system und für ihn, und seine erfahrungen, durchaus zwingend, so wie es z.b. auch bei schopenhauer der fall ist. aber ausserhalb des systems ist spinoza leicht zu kritisieren. für die damalige zeit war es auch sehr ein kritisches werk. die ethik gilt als eines der begründungswerke des pantheismus, der gott eine personenhaftigkeit abspricht, und ihn mit existenz schlechthin gleichsetzt.
FAZIT: ein schwer zu lesendes werk, das durch seine geschlossenheit schwer fasziniert, und revolutionäre gedanken für die damalige zeit, 17 jhdt., enthzält. als lebenshilfe für heute bedingt geeignet, die idee des pantheismus kann auch für eine säkularisierte gesellschaft großen reiz haben. auch die ethischen folgerungen, unterstützen und entschuldigen einen gewissen egoismus. ein idealistisches werk, aus einer zeit wo es noch idealismus gab. wer sich auf eine reise begeben möchte, viel spass mit spinoza!
wer sich mal eben von der philosophie trost borgen möchte, ist besser bei epikur oder epiktet aufgehoben. ;-)
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Januar 2006
Spinoza unternimmt in diesem Werk den Versuch, die Philosophie und Ethik auf eine solide logische Grundlage zu stellen. Aus Axiomen werden Schritt für Schritt Lemmata und Sätze nach mathematischem Vorbild abgeleitet. Das Ergebnis ist faszinierend und offenbart den grundlegenden Unterschied zwischen exakter formaler Sprache, wie Mathematik, und der unscharfen und nuancenbehafteten Sprache der Philosophie. Trotz dieser Einsicht würde ich nur bedingt empfehlen, das Buch zu lesen. Anders als in der Mathematik sind die Lemmata und Sätze eben nicht aus dem System heraus verständlich, sondern liegen in Bedeutungsnuancen der verwendeten Begriffe. Diese für z.B. "Substanz" oder "Affekt" zu rekonstruieren, ist nicht ganz einfach.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hat mich echt umgehauen, was dieser Spinoza vor so langer Zeit schon für Schoten rausgehauen hat.

Dank der kostenlosen KINDLE Ausgaben, hab ich mir seine ETHIK nun auch angetan. Da war ich aber eine Weile damit beschäftigt, mein lieber Scholli. Einfach so nebenbei liest sich das nicht, was der Typ so abgesondert hat. Die meisten Sentenzen musste ich mehrmals lesen, wobei mein Hauptaugenmerk ohnehin auf Buch 5 lag. So völlig realitätsfremd, wie sich das auch alles anhört muss man dem Verfasser ja zugestehen, dass er am Ende doch alles hübsch relativiert, weil er erkennt, dass schöne gute Dinge schwierig und sehr selten sind.

Ich hab mir mal im Geiste eine Liste zusammengebastelt mit allen PROs und KONTRAs zu diesem Buch:

++ kostenlos!

++ Interessantes (hilfreiches) Vorwort!

++ gute Kapitel-Einteilung (Spinozas Ethik besteht im Grunde genommen aus 5 Büchern!)

++ gottvoll fatalistisch!

+/- für meinen Geschmack zu viel Mathematik im Spiel

+/- kaum Trost und Rat

+/- teilweise ist seine Schreibe sehr unnahbar und auf jeden Fall würde ich sie als total affektiert bezeichnen

-- der Stoff ist echt "heavy" kann man nur schwer nebenbei am Heimtrainer lesen

-- lauter Vokabeln, die man nicht kennt (und das Kindle-Wörterbuch auch nicht!)

Was habe ich daraus gelernt?

1) Ein Spruch, den einer meiner lieben Arbeitskollegen oft auf den Lippen hatte: Die Summe aller Laster ist gleich.

2) Alles wird gut!

Lest selbst. ;)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 28. September 2010
"Die Tugend des freien Menschen zeigt sich ebenso
groß im Vermeiden wie im Überwinden von Gefahren."
(Baruch de Spinoza; 1632-1677)

Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.

"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn insbesondere in I, 11 und 15 als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w. bzw. q.e.d.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.

Spinozas Lehre spiegelt die von Thomas Hobbes (1588-1679) insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen. Sein Vorwurf, Handlungen zu belachen und zu verabscheuen, sei nicht die richtige Methode, vielmehr sei es "Verstehen wollen" und so beendet er die einleitenden Worte zu (III) damit: "[...] werde ich die menschlichen Handlungen und Begierden ebenso behandeln, als ob von Linien, Ebenen oder Körpern die Rede wäre". Spinoza versteht unter Affekt die Affektionen des Körpers, durch welche dessen Fähigkeit zu handeln geschwächt oder gestärkt wird, und zugleich die Vorstellungen dieser Affektionen gem. II, 17 E. Diese Betrachtung in (III) irritiert insofern, da der Körper den Geist und vice versa nicht bestimmen vermag. Jedoch mit (I), (II, 6, 7) sollte klar sein, dass die Attribute verschieden sein können beim Betrachten derselben Sache (Substanz). Und hier führt Spinoza bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind.

Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren (IV) münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie in (I) schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft (IV, 24) und in dem Sinne auch IV, 18. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist (IV, 68) und freier, der in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. (IV, 73). Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. (V,42) Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".

Spinoza hatte Enfluss auf Goethe, bestimmte ihn in seiner Sichtweise der Ideen der Romantik. Unter Teilhard von Chardin wurde der Pantheismus Spinozas (Natur=Gott=Natur) zum Pan-en-theismus, in dem Gott der Natur immanent und zugleich transzendent ist. Hier gilt der Verweis auf die Schriften Teilhards. Spinozas Einfluss auf Nietzsche scheint interessant. Sich Gott zu entledigen ist beider Ziel, Spinoza wählte die Gleichsetzung Gottes mit der Natur, Nietzsches Gott ist tot, in dem der Mensch gleichsam die Rolle übernimmt.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Januar 2008
Parmenides gilt als der geistige Vater von Spinoza. Dem Vorsokratiker folgen die Stoiker, die von Grund auf monistisch denken, sie sehen im leitenden Prinzip alles, sie gelten als die konsequentesten Pantheisten des Altertums. Dieses leitenden Prinzip, der Gott Zeus, die Weltenseele ist alles, durch ihn, mit ihm und in ihm sind alle Dinge. Und so ist das stoische Weltbild eines des Neuen Testamentes. Seneca führt bereits seine Form des Pantheismus auf einen Gott zurück, so dass man schon von Theismus reden kann. Die ewige Wiederkehr, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung zu einem, das Alles und die Vorsehung sind Elemente einer absoluten Logik. "Wirklich frei in diesem Felde ist derjenige, der sich den Gesetzen der Natur unterordnet", so Spinoza.

Baruch de Spinoza (1632-1677) lebte im Einfluss von Hobbes, Descartes und Leibniz, wie von den alten Griechen. Gleichzeitig vom Zeitgeist des Barocks, in dem das Sprengen von Grenzen durch Fülle und Raumillusion immanent war. Descartes Dualismus von Leib und Seele spielte eine große Rolle im Denken Spinoza, seine Ambition war die Auflösung dieser Dualität zu Gunsten der Substanzlehre. Doch in der Reihe der Großen nimmt Spinoza eine besondere Stellung ein, hat doch seine besondere geistige Fähigkeit Konflikte mit Familie und Religion heraufbeschworen. Ausgestoßen aus der jüdischen Gemeinschaft Portugals verbrachte er sein Leben in Holland. Er tauschte nicht seine Gesinnung, nur den Ort, der ihm mehr Freiheit gab, sich seiner Wissenschaft (zusätzlich zum Linsen schleifen als Opticus) zu widmen. Seine Sicht auf die Religion brachte ihm die Bezeichnung Atheist ein, später wurde dieser Begriff mit Spinozist gleichgestellt. Doch das große Denken der Freiheit des Geistes im 18. Jahrhundert inspirierte Lessing, Herder, Goethe posthum aus Spinozas Ideen, Spinoza hatte gar Einfluss im nachkantischen Idealismus, von dort auf Nietzsche und Freud.

Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.

"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn insbesondere in I, 11 und 15 als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.

Spinozas Lehre spiegelt die von Hobbes insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen. Sein Vorwurf, Handlungen zu belachen und zu verabscheuen, sei nicht die richtige Methode, vielmehr sei es "Verstehen wollen" und so beendet er die einleitenden Worte zu (III) damit: "[...] werde ich die menschlichen Handlungen und Begierden ebenso behandeln, als ob von Linien, Ebenen oder Körpern die Rede wäre". Spinoza versteht unter Affekt die Affektionen des Körpers, durch welche dessen Fähigkeit zu handeln geschwächt oder gestärkt wird, und zugleich die Vorstellungen dieser Affektionen gem. II, 17 E. Diese Betrachtung in (III) irritiert insofern, da der Körper den Geist und vice versa nicht bestimmen vermag (III, 2). Jedoch mit (I), (II, 6, 7) sollte klar sein, dass die Attribute verschieden sein können beim Betrachten derselben Sache (Substanz). Und hier führt Spinoza bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind. (III, 2, E)

Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren (IV) münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie in (I) schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft (IV, 24) und in dem Sinne auch IV, 18. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist (IV, 68) und freier, der in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. (IV, 73). Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. (V,42) Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".

Ein kritischer Blick auf die Ethik, losgelöst von der Metaphysik wäre noch wünschenswert. Was bliebe der heutigen Nachwelt, die dem Denken der Metaphysik nichts abgewinnen kann? Spinoza hatte zu Lebzeiten einen schweren Stand gegen Descartes und Leibniz, doch sein Denken der Ethik blieb auch heute sehr beachtenswert. Daher eine Empfehlung
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