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Kundenrezensionen

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Was würden Sie sagen, wenn Ihnen Ihr Partner davon berichtete, dass er oder sie im letzten Urlaub ganz gerne einen One-Night-Stand mit jemand anderem gehabt hätte? Fridolin ist wie vom Donner gerührt, als ihm seine Frau Albertine etwas Derartiges beichtet - obwohl er selbst ähnliche Gedanken hatte. Der Versuch des Paares, sich gegenseitig die erotischen Traumfantasien offen zu berichten, geht gründlich schief. In einer Art Trotzreaktion begibt sich Fridolin auf eine Odyssee der Versuchungen, lernt mehrere Frauen kennen, wohnt sogar einer geheimen Orgie bei, kehrt dann aber zu seiner Frau zurück, die ihre verborgenen Wünsche nach wie vor nur im Traum ausleben kann. Schnitzlers schnell gelesene, aber komplexe und tiefgründige Novelle ist eine surreale, von der Traumtheorie Sigmund Freuds beeinflusste Geschichte über unterdrückte erotische Wünsche und den Abgrund der Triebwelt. Beim Erscheinen 1926 erregte das Werk einiges Aufsehen. Stanley Kubricks Filmversion "Eyes Wide Shut" sorgte dafür, dass die literarische Vorlage auch in unserer sexuell scheinbar so aufgeklärten Welt wieder vermehrt gelesen wird.
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Der 1862 in Wien geborene Autor spürt in dieser Novelle der Frage nach, ob es besonders klug und feinfühlig ist, den Ehepartner von den eigenen erotischen Traumgebilden in Kenntnis zu setzen, wenn der Angetraute nicht das begehrte Objekt der Sexualphantasie darstellt.
Schnitzler geht es um die Abenteuer im Kopf, um erotische Träume im Schlaf, aber es geht ihm auch um diesbezügliche Tagträume. Führt ein solch verbalsierter Traum dazu, dass Menschen auseinander triften, weil sie einander nicht mehr wirklich vertrauen können?
Fridolin und Albertine sind das vom Autor als in jeder Hinsicht mitteilsam beschriebene, bürgerliche Paar . Sie erzählen einander präzise ihre erotischen Träume und Phantasien, ihr spontanes Verlangen gegenüber anderen Personen.
Wie quälend sich dies auf die eheliche Verbindung der beiden auswirkt, wird Facetten reich geschildert.
Wo liegen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Illusion, zwischen Bewusstem und Unbewusstem? Sind Träume nur Schäume, oder steckt doch etwas mehr dahinter?
Ein psychologisch hochinteressanter, dabei spachlich wunderbarer Text!
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am 17. Mai 2008
Die Lektüre der Traumnovelle ist fatal: Man gerät zugleich selbst in den fiebrigen Strudel leidenhschaftlicher Fantasien, aber auch Freudscher Ängste. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist zudem, dass Schnitzler nur wenige Seiten braucht, um seine Novelle eindringlich zu erzählen und unvergesslich zu machen. Außerdem ist das Werk auch noch heute aktuell, hat es doch die Abgründe der menschlichen Existenz zum Thema, die im grunde zeitlos sind. Auch wenn es längst klar sein sollte, will ich es nochmal betonen: Die Traumnovelle ist nicht nur ein kurzweiliger Klassiker, sondern ein Meisterwerk.
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am 3. Januar 2005
In der Novelle, die als Grundlage für Stanley Kubricks Film »Eyes Wide Shut« diente, beschreibt Schnitzler die erotischen Abgründe, die sich in der Ehe von Fridolin und Albertine auftun. So schleicht Fridolin sich heimlich in einen mysteriösen Geheimclub ein, der ausschweifende Orgien veranstaltet. Nach Fridolins Entdeckung nimmt eine unbekannte Schöne die Strafe auf sich, die auf seine unerlaubte Anwesenheit steht. Albertine wiederum träumt, wie sie - in den Armen eines Geliebten liegend - zusieht, wie ihr Mann gefoltert wird und schließlich an den Galgen kommen soll, ohne dass sie das Bedürfnis hätte, einzuschreiten.
Die Novelle liest sich als Stimmungsbericht aus Wien zum »fin de siècle«. Allem haftet eine merkwürdige Dekadenz an, alles ist sehr symbolträchtig und bleibt nebulös, im Unbestimmten und bewegt sich in einer Grauzone zwischen Traum und Realität. Schnitzler interessieren mehr Befindlichkeiten als Tatsachen. Kein Wunder also, dass Sigmund Freud ihn als »unerschrockenen psychologischen Tiefenforscher« bezeichnet hat. Das Buch ist damit nicht gerade aktuell, sondern ein literarisches Zeit-Dokument und als solches lesenswert.
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Fridoline und Albertine sind das perfekte bürgerliche Ehepaar. Er erfolgreicher Arzt, sie Hausfrau und Mutter aus Leidenschaft. Doch unter dieser Teflonschicht der "Normalität" brodelt in beiden das Verlangen nach Abenteuern außerhalb der Grenzen des Gewohnten und gesellschaftlich akzeptierten. Und sie erfüllen sich ihre Wünsche, er in der Realität, sie im Traum.
Fridolin gerät eines Abends mit Hilfe eines Freundes auf die Party eines Geheimbundes, dessen Mitglieder, allesamt maskiert, wilde Orgien feiern. Fridolin gerät in den Bann einer Frau, die ihn drängt, das Fest sofort zu verlassen, da Eindringlinge streng bestraft würden. Doch er bleibt...und wird enttarnt. Doch kurz bevor er seine Bestrafung erleidet, opfert sich die geheimnsisvolle Frau für ihn auf.
Albertine hingegen träumt, dass sie und Fridolin kurz vor ihrer Hochzeit einen Urlaub am Wörthersee verbringen. Da wird er von einer Art Stamm gefangengenommen und könnte der Todesstrafe nur entgehen, wenn er sich der Stammesführerin hingibt. Doch das lehnt Fridolin, aus Treue zu Albertine, ab. Diese schaut sich unterdessen seine Hinrichtung in den Armen eines anderen Mannes an und verspürt keinerlei Mitleid.
Beide haben sich gegenseitig verraten, beide hatten das Bedürfnis, sich für kurze Zeit aus den Fesseln der gesellschaftlichen Konventionen zu befreien. Doch sie verheimlichen sich ihre Begierde nicht, sondern berichten dem jeweils anderen von ihren Erlebnissen. Ihre Reaktion auf das Erkennen des menschlich-animalischen im anderen und in sich selbst ist klassisch, schon oft zitiert, soll aber auch hier nicht unerwähnt bleiben:
"'Was sollen wir tun, Albertine?' Sie lächelte und nach kurzem Zögern erwiderte sie: 'Dem Schicksal dankbar sein, glaube ich, daß wir aus allen Abenteuern heil davongekommen sind - aus den wirklichen und aus den geträumten.'
'Weißt du das auch ganz gewiß?' fragte er. 'So gewiß, daß ich ahne, daß die Wirklichkeit einer Nacht, ja nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet.' 'Und kein Traum', seufzte er leise, 'ist völlig Traum.'"
Eine wunderschöne Passage, über die man lange nachdenken kann und trotzdem immer wieder neue Aspekte entdeckt.
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..heißt es am Schluss dieser, 1922 erschienen Novelle. Schnitzler drückte das literarisch aus, was Freud mit der Psychoanalyse entdeckte.
Fridolin und Albertine führen eine - vermeintlich(?) - glückliche Ehe. Er hat sie - wie bei Schnitzler typisch - jung und jungfräulich geheiratet; eine kleine Tochter macht das Glück komplett. Aber in diese Welt dringen Mächte ein, die sich - wenn überhaupt - nur schwer beherrschen lassen: Träume; eine unbekannte Schöne; das "süße Wiener Mädel"; Orgien. Wie kommen beide daraus heraus?
Ein (nicht nur) psychologisches Meisterwerk; stellenweise sogar eine Kriminalerzählung. Und wie schrieb Freud an Schnitzler: "Im Grunde Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher.....-" Wie wahr, wie wahr!
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am 18. Mai 2012
... und dennoch aus der (Lebens-)Sicht von Arthur Schnitzler fast schon revolutionär kommt diese kleine Lektüre daher, erzählt sie doch von den -wenn auch nur gedanklich existierenden- erotischen Verlockungen eines scheinbar glücklich verheirateten Paares.
Die beiden gestehen sich ihre Träume, laufen dadurch jedoch Gefahr, in ihrer Beziehung zu scheitern. Letztlich bleibt offen, ob es bei den Träumen bleibt, die gegenseitigen Anklagen dagegen spitzen sich immer mehr zu und man würde den beiden heutzutage gerne eine Paartherapie empfehlen.
In ihrer Zeit sind die beiden leider in gesellschaftlichen Zwängen und familiärem Alltag gefangen.
Das Thema jedoch ist heute so aktuell wie damals.
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am 15. Januar 2007
Meistens ist man vom Ergebnis enttäuscht, wenn ein Roman verfilmt wird. In diesem Fall habe zuerst den Film ("Eyes wide shut" mit Nicole Kidman und Tom Cruise) gesehen und dann das hier zu rezensierende Buch gelesen, und bin von beiden recht angetan.

Die Schlüsselaussage dieser Novelle (bereits 1926 erschienen) ist für mich "In jedem Wesen, glaub' es mir, wenn es auch wohlfeil klingen mag-,in jedem Wesen habe ich immer nur Dich gesucht."

Für manche mag das nach einer billige Ausrede für Seitensrpünge klingen - für Arthur Schnitzler ist das die Quintessenz seiner jahrelangen Studien der Psychoanalyse.

Auch wenn dieses Büchlein in einigen Passagen schon etwas angestaubt anmutet, so liest es sich doch leicht und kurzweilig. Das schöne ist nämlich, dass man nicht in allen Szenen nach metaphorischen Bildern suchen und nach tiefgründigen Weisheiten forschen muss, um "Die Traumnovelle" genießen zu können. Die Sprache ist herrlich altmodisch und erfrischend unkompliziert, die Handlung spannend und ungewöhnlich - so macht Weltliteratur Spaß!
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am 30. Mai 2010
Ich bin Schüler der 12 eines Gymnasiums und nehme gerade mit meinem Deutschkurs die Traumnovelle durch. Da ich bei Effi Briest und Woyzeck bisher auch immer gut mit Reklam-Lektürenschlüssel gefahren bin, wollte ich mir nun auch eine Interpretationshilfe für die Traumnovelle von Schnitzler besorgen.

Erst skeptisch, weil es diese nur von STARK gibt, bin ich nun positiv überrascht. Es gab fast keine Aufgabenstellung, wo dieses Buch nicht weiterhelfen konnte.

Ich selbst wollte den Inhalt des Buches vor dem Kauf erfahren, habe ihn im Internet aber nicht gefunden. Deswegen möchte ich den hier einmal auflisten. Auf 98 Seiten behandelt es folgende Themen (Inhaltsangabe des Buches):

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Einführung

Biografie und Entstehungsgeschichte
1. Biografie
2. Entstehungsgeschichte

Inhaltsangabe
[jedes Kapitel wurde einzelnd zusammengefasst. Die Inhaltsangaben sind sehr ausführlich, für meinen Geschmack etwas zu viele Details. Diese können so aber getroßt statt des Buches gelesen werden.]

Textanalyse und Interpretation
1. Aufbau
2. Personen
3. Zentrale Aspekte
3.1. Emotionale Basis der Beziehung
3.2. Wirklichkeit und Wahrheit einer Nacht - Fridolins Ausflug in eine Traumwelt
3.3. Kein Traum ist völlig Traum
3.4. Niemals in die Zukunft fragen
4. Die dichterische Form: Novelle
5. Erzählerische Gestaltung
5.1. Erzählerperspektive und Darbietungsform
5.2. Zeitgerüst
5.3. Sprachstufe - Satzbau - Wortwahl
5.4. Symbole, Leitmotve
6. Interpretation von Schlüsselstellen
6.1. Zweifel
6.2. Offenheit und Versuch eines Neuanfangs

Zur Wirkungsgeschichte

Literaturhinweise

Anmerkungen

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Personenkonstelationen, Charakterisierungen und Handlungsverläufe werden in dem Buch beschrieben und bieten eine seriöse Quelle für eventuelle Hausaufgaben dieser Art.
Für mich waren die 5,95 € eine sehr lohnenswerte investition, die mir viel Sucharbeit im Internet erspart hat. Zudem ist es sehr simpel geschrieben und klasse strukturiert. Ich habe selbst im Unterricht Sachen sehr schnell finden können, was meine mündliche Note entsprechend verbesserte.

Negativ ist mir nur eine Sache aufgefallen. Es wird im Buch nicht vermerkt, für welche Ausgabe die Zitate und Seitenverweise angegeben sind. Unser Deutschkurs hat sich als Sammelbestellung die billige Version von den Hamburger Leseheftern besorgt. Diese passt jedenfalls nicht mit den Zitaten überein.

Der Inhalt ist aber dennoch auch ohne Zitate überaus einfach zu erschließen.

Meiner Meinung nach ein absolutes Muss für engagierte UND für faule Schüler ! :-)

Gruß,
Sven
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In einer Zeit, in der die standesgemäße Vernunftehe laut aktueller, demographischer Daten eine unerwartete Renaissance erlebt, werden Geschichten wie diese plötzlich wieder modern. Und so erinnert uns dieses kleine und kurze Buch daran, dass es jenseits der Bildungs-, Einkommens- und Hobbykategorien in den Suchmaschinen für Singles im Internet auch die unkalkulierbare Leidenschaft gibt, die unsere Pläne zunichte macht und die rationalen Ideen von Liebe, Beziehung und Ehe schnell an ihre Grenzen führen kann. Und ganz im Ernst: Das ist gut so.

99 Prozent aller Liebesgeschichten enden mit der Hochzeit, oder zumindest mit dem glücklichen Zusammensein zweier Menschen. Aber frei nach Tucholsky: Nach dem Happy End wird immer abgeblendt, denn dann passiert ja nichts mehr, die Situation ist stabil, und die dann folgende Langweile möchte man dem Leser nicht mehr zumuten, oder? Und soll man nicht den Protagonisten ihr Glück lassen, um das so lange gekämpft werden musste? Nun ja, das ist menschlich, entspricht dem Zeitgeist, ist wohl aber dennoch ein Irrtum. Schnitzler ist da etwas klüger. Der Autor ist vor allem für seinen Reigen berühmt, ein Buch, das eine Folge von Liebesakten zwischen Menschen verschiedener Herkunft erzählt, dabei brillante Charakterstudien bietet und tiefe Einsichten in Leidenschaften und Lügen von Menschen vermittelt. Schnitzlers Traumnovelle wiederum hat ein Film aus der Versenkung gerissen, es ist die Vorlage zu Eyes Wide Shut, dem letzten, umstrittenen, aber wohl doch genialen Film von Stanley Kubrick. Dieser schafft es, die Handlung nicht nur in unsere Zeit zu versetzen, sondern sie auch noch etwas extremer, klarer werden zu lassen. Und so gibt es einige, in der Summe aber doch kleine Änderungen gegenüber dem Buch.

Hier bei Schnitzler werden wenige Tage im Leben eines jüdischen Arztehepaars in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. Gleich in der ersten Szene führt das Paar einen Dialog über die Leidenschaft, über die erotische Anziehungskraft, die Außenstehende auf das Paar haben. Ein erster, subtiler Höhepunkt: Die Frau gesteht ein, dass sie ihren Mann nicht nur geheiratet, sondern auch gegen alle Konvention ohne Heirat ihre Jungfraulichkeit an ihn verschenkt hätte - wenn er sie, die noch nicht Siebzehnjährige, einfach nur gefragt hätte. Eine wunderschöne Liebeserklärung, und eine wunderbar verdorbene dazu. Und auch die folgende Szene enthält noch eine kleine Botschaft über den Film hinaus, Tod, Krankheit und Alter werden eingeführt als bewusster Gegensatz zur Leidenschaft und Sexualität zwischen Mann und Frau. Auch die Phantasie von Gewalt, von Männlichkeit ausgeübt in einem Duell darf nicht fehlen. Man lebt nur, wenn man das Leben wagt, das scheint hier die Botschaft zu sein. Ein kleiner Gegensatz zum Film, in dem die Handlung eher von der sexuellen Verunsicherung des Ehemanns getrieben ist. Diese kommt hier im Buch auch, aber erst später.

Es folgt die auch aus dem Film bekannte Suche des Manns durch die Abgründe der Großstadt. Und natürlich hat Wien hier viel zu bieten, allem voran die diversen Formen von Prostituierten in der Stadt und die Ausschweifungen der höheren Gesellschaft, hier eine geheime Orgie zu Klavierspiel. Dabei ist Sex natürlich immer mit Gefahr verbunden, er ist lebensgefährlich, buchstäblich. Wie es schon der Titel verspricht, langsam gleicht die Handlung dann tatsächlich einem Traum, wobei es dem Leser nicht gelingt, einen Übergang zwischen der Wirklichkeit und den Traumszenen auszumachen. Sehr geschickt ist das alles geschrieben. Wie im Film auch gibt es dann als Kontrast zum Sexuellen plötzlich das Thema Opferbereitschaft für einen anderen, vielleicht sogar Liebe und Hingabe, als eine unbekannte Frau sich für den falsch handelnden Protagonisten der erforderlichen Bestrafung stellt. Wie im Film auch bleiben die Hintergründe ungeklärt. Man vermutet tiefere Wahrheiten hinter auch unwesentlich erscheinenden Details. Erotik und Geheimnis zusammen ergibt brennende Sehnsucht. Klarer als im Film werden die Parallelen zwischen den Erlebnissen des Ehemanns und dem später erzähltem Traum der Ehefrau. Kann es sein, dass beide eigentlich über dasselbe Erlebnis sprechen, die Frau nur deutlich weitergeht, als es der Mut des Mannes zuließ? Im Buch kann der Mann mit dieser Erkenntnis kaum mehr leben. Er scheint bereit, sein eigenes, bürgerliches Leben mit glücklicher Familie zu zerstören. Aber dann kommt erneut der Tod ins Spiel, und ein ungewöhnlicher Akt des Verständnisses, der geistigen und emotionalen Nähe zweier Menschen sorgt dafür, dass alles wieder ins Lot kommen kann.

Alles im allem erstaunt es, wie es dem Autor gelingt, soviel auf so wenigen Seiten unterzubringen. Und ich kann mich dem Eindruck nicht verschließen, dass man zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts - zumindest im Wien von Freud - ein genaueres Bild über den Menschen hatte als wir heute in unserer Zeit. Aber vielleicht war man auch nur einfach ehrlicher zu sich selbst als heutzutage, jedenfalls als Schriftsteller.
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