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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Olsberg regt zum nachdenken an
Es ist wie immer. Wenn es um die Schöpfung geht, gehen die Meinungen auseinander. Kommt dann eine Evolutionsdebatte und gar noch der Name Richard Dawkins hinzu, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnt sich zurück und weidet sich am Anblick sich heiß redender Leute oder man begibt sich selbst in den Ring.

Warum ist das...
Veröffentlicht am 15. Juni 2010 von Christian Döring

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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überzogene These
Ein ohne Zweifel interessantes Buch, das in einem wunderbar leicht und flüssig zu lesenden Stil geschrieben ist.
In den ersten Kapiteln war ich auch noch ganz einer Meinung mit dem Autor, so etwa dort, wo er die allgemeinen Bedingungen für Evolution beschreibt. Dort wird deutlich, dass er sich gründlich mit der Materie befasst hat, und die wesentlichen...
Vor 10 Monaten von Matthias Berg veröffentlicht


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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Olsberg regt zum nachdenken an, 15. Juni 2010
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Es ist wie immer. Wenn es um die Schöpfung geht, gehen die Meinungen auseinander. Kommt dann eine Evolutionsdebatte und gar noch der Name Richard Dawkins hinzu, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man lehnt sich zurück und weidet sich am Anblick sich heiß redender Leute oder man begibt sich selbst in den Ring.

Warum ist das vorliegende Buch so umstritten? Der Hamburger Karl Olsberg promovierte über Anwendungen künstlicher Intelligenz und er warnt uns in seinem Buch vor dem immer mehr an technischen Fortschritt. Ja er fragt uns: Sind wir eigentlich noch die Herren dieser Technik oder hat sie uns nicht längst fest im Griff?

Damit trifft der Autor für mich eindeutig das Thema unserer Zeit und spricht sicher vielen Lesern aus der Seele. Olsberg bringt beim Schreiben Fantasie und Humor mit. Er definiert mutig den Begriff "lebendig". Das mag sicher einige verärgern. Mir gibt es sehr zu denken, wenn in unsere allgemeingültige Definition für "lebendig" sogar unsere Dienstleister, wie zum Beispiel das Auto und der Virus im Computer einzuordnen sind. Ich bin erschrocken über die Tabelle auf Seite 132. Da sollte schon das Nachdenken einsetzen.

Wenn die technische Entwicklung so weitergeht und ich bin überzeugt davon, dass sie nur durch Nachdenken unsererseits über die Folgen an unserer Schöpfung gebremst werden kann und in andere Bahnen gelenkt werden kann, dann möchte ich diese Welt in 100 Jahren gar nicht mehr sehen.

Egal wieviele Zitate und wieviele wenn und abers sich die Leserschaft dieses Buches noch um die Ohren haut, für mich war es eine spannende Lektüre. Einiges sehe ich jetzt mit anderen Augen. Karl Olsberg öffnet Augen und will dass wir nachdenken und uns über die Konsequenzen unseres Tuns im klaren sind.

Für mich ist der Autor im positiven Sinne ein Mahner. Solche Leute hatten es immer schwer, aber sie werden dringender denn je gebraucht.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überzogene These, 18. August 2014
Ein ohne Zweifel interessantes Buch, das in einem wunderbar leicht und flüssig zu lesenden Stil geschrieben ist.
In den ersten Kapiteln war ich auch noch ganz einer Meinung mit dem Autor, so etwa dort, wo er die allgemeinen Bedingungen für Evolution beschreibt. Dort wird deutlich, dass er sich gründlich mit der Materie befasst hat, und die wesentlichen Punkte kultureller Evolution verstanden hat.

Doch leider "kippte" das Buch irgendwann, weil der Autor, so meine Kritik, sein Blatt überreizt.
Der Punkt, wo die Theorie "kippt" und Gefahr läuft, ins Absurde abzugleiten, ist, wenn der Autor so tut, als seinen die Elemente menschlicher Kultur, also die von uns geschaffenen Artefakt, Lebewesen, und zwar nicht in irgendeinem metaphorischen Sinne, sondern durchaus im Wortsinne. Sehr schön wird dies auf Seite 138 deutlich, wo er schreibt: "Wir Menschen benutzen die Städte, um uns mit den Dingen zu versorgenm die wir zu brauchen glauben. Aber umgekehrt benutzen uns auch die Städte, um sich mit Rohstoffen zu versorgen und zu wachsen. Wir leben mit ihnen in einer Symbiose, wir sind Teil ihres Organismus." Und dann fährt er fort, indem er eine Symbiose in der Natur anhand des Beispiels von Bienen und Blütenpflanzen beschreibt.

Hier geraten ihm die Dinge doch einigermaßen durcheinander; die Metapher läuft sozusagen "Amok": Blütenpflanzen brauchen Bienen zwar zur Fortpflanzung, aber dennoch hat jede Seite ein gewisses Eigenleben. Städte hingegen haben überhaupt kein Eigenleben. Verlassen die Menschen eine Stadt (siehe etwa Tschernobyl), dann rührt sich dort von Stund an nichts mehr. Eine Stadt ist für die Menschen, was ein Ameisenhügel für die Ameisen ist. Kein Biologe hat jemals von einer Symbiose zwischen Ameisenhügel und Ameisenvolk gesprochen. Es ist deswegen in meinen Augen ein Fall überschießender Metaphorik, wenn man Artefakte als Quasi-Lebewesen betrachtet.

Natürlich sind wir Menschen mit unseren Artefakten inzwischen überfordert; wir "verlieren die Kontrolle". Doch der Grund ist nicht, weil sich die Dinge verselbständigt haben (so wie ein Tiger, den ich als kleines Kätzchen kaufte, mir über den Kopf wächst und ich Angst haben muss, dass er mich irgendwann auffrisst...), sondern weil unsere Welt dermaßen komplex geworden ist, dass niemand, keine UNO und kein noch so schlaues Expertengremium, noch den Überblick oder gar die Kontrolle hat.
Und was die Computer betrifft, die sich angeblich demnächst selbständig machen und uns dann eines Tages versklaven, so halte ich dies für sensationsheischende Science Fiction.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sind wir Menschen noch Herr über unsere Maschinen oder bloss ihre Lakaien?, 30. Oktober 2010
Von 
Jürgen Zeller (Kanton Bern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kurz vorneweg: Ich tue mich etwas schwer meine Meinung zu diesem Buch niederzuschreiben, das liegt nicht etwa am Buch sondern an meiner Leseunerfahrenheit im Bereich der Sachbücher. Mir fehlt einfach der Vergleich mit anderen Büchern dieses Genres.

Das Buch beginnt sehr interessant und der Autor spricht mich als Leser bereits bei der Einführung ganz direkt an. Diese ersten Seiten enthalten etliches an Diskussionspotential und wirken auf mich fast philosophisch. Ist der Mensch die Krone der Schöpfung oder ist er nur ein kleiner Baustein der Evolution dessen Zeit vielleicht schon bald abgelaufen ist? Wenn wir nur ein kleiner Baustein sind wie und was machen wir Menschen daraus? Was bewegt uns dazu die Evolution voranzutreiben und sind wir Menschen sogar ein Beschleuniger der Evolution? Diese und mehrere solcher Fragen versucht der Autor Karl Olsberg zu beantworten.

Selbstverständlich nimmt die Technik einen grossen Raum in diesem Buch ein denn kein anderes Lebewesen hat sich in den vielen Millionen Jahren so viele kleine Helferlein, sprich Maschinen jeglicher Art, gebaut und zunutze gemacht wie der Mensch. Wir sind Umgeben von technischen Errungenschaften die uns das Leben erleichtern sollen, sei es im beruflichen Umfeld oder auch in privaten Belangen. Und genau da besteht ein nicht zu unterschätzendes Problem oder auch Risiko weil immer weniger Menschen in der Lage diese sind diese hochkomplexen Maschinen zu verstehen. Falls eine solche Maschine kaputt geht und sei es vielleicht nur eine Lappalie, sind wir darauf angewiesen das ein Spezialist diese defekte Maschine flickt. Oder wer kann heute noch einen Computer, die Kaffeemaschine oder das Auto selbst reparieren? Meist sind es keine mechanischen Defekte die es zu flicken gilt sondern es ist ein Problem der Software. Selbst Autos, Waschmaschinen oder eben Kaffeemaschinen sind viele Mikrochips verbaut und sie verfügen über eine eigene Software. Da stellt sich die Frage: Sind wir Menschen noch Herr über unsere Maschinen oder bloss ihre Lakaien?

Und dann ist da noch die Frage des Lebens? Was treibt uns an? Besteht es aus Reproduktion, Mutation und Selektion? Kann man das Leben mit der etwas trockenen Materie der Mathematik vergleichen oder sogar begründen? Lesen Sie das Buch und Sie werden verstehen und begreifen was ich hier andeute.

Als unerfahrener Leser im Bereich der Sachbücher war ich überrascht mit welch verständlicher Sprache dieses Buch geschrieben ist. Es ist ein leichtes der Erzählung und der Argumentation von Karl Olsberg zu folgen. Es könnte daran liegen das der Autor bereits mehrere Romane veröffentlicht hat und somit ein erfahrener Schreiber ist. Er weiss, dass ein zu trockenes erzählen den Leser bald langweilt und die Aufmerksamkeit leidet. Entsprechend ist das Buch mit vielen Beispielen angereichert und es ist sogar so interessant das sich ein schöner Lesefluss einstellt. Man sollte das Buch deshalb immer wieder kurz weglegen und sich Fragen: Hat der Autor recht? Stimme ich ihm zu? Kann ich ihm widersprechen?

Zuguterletzt gibt uns der Autor noch ein paar Tipps mit auf unseren weiteren Lebensweg und sorgt für ein versöhnliches Ende. Falls Sie das Buch nun kaufen wollen habe ich ein positives Mem verbreitet. Was es mit den Memen auf sich hat lesen Sie in diesem Buch. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim lesen dieses interessanten und lehrreichen Buches.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöpfung auEr Kontrolle, 5. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt (Kindle Edition)
Karl,Olsberg ist stilistisch und in seiner logischen Argumentation unschlagbar uns lesenswert, um nicht zu sagen " verschlingensqert". Dennoch schleicht sich ein leichtes Gruseln ein, wenn man den Gedankengängen folgt und sich drauf einlässt die Perspektive zu wechseln. So könnte es in der Tat sein: wir sind auch nur ein winziger Teil , Zubringer und Nutzer eines gewaltigen Kosmoses.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Mensch katapultiert sich ins Aus ..., 5. Juli 2010
Von 
goat (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Auf dieses Buch wurde ich aufmerksam durch eine Werbeanzeige in der Zeitschrift "Emotion".
Die lustige Karikatur von der Evolutionsgeschichte, die beim Affen startet und beim Menschen vor dem PC endet, kennen viele. Diese in Verbindung mit dem Buchtitel hat mich sofort neugierig auf das Buch gemacht.
Karl Olsberg schreibt normalerweise Thriller. Von denen habe ich allerdings noch keinen gelesen. Somit war dieses Sachbuch also mein Debüt mit dem Autor.

Auch wenn ich den Computer und das Internet jeden Tag rege nutze - beruflich sowie privat - auch um mich mit anderen Menschen über Bücher auszutauschen, so bin ich doch ein Gegner, was die rasche Weiterentwicklung der Technik angeht.
Mit dem zunehmenden Einsatz von Maschinen katapultiert sich der Mensch selber ins Aus. Maschinen sind die billigeren und zuverlässigeren Arbeitskräfte und so wundern wir uns weiter, warum die Arbeitslosenzahlen steigen und immer mehr Leute auf der Straße stehen ...

Olsbergs Buch ist keine Hetze gegen die Technik, sondern vielmehr ein Sachbuch mit verständlichen und auch mal weniger verständlichen Fakten - ein Wegweiser in der Welt der Maschinen. Manchmal zum Schmunzeln, wie z. B. mit seiner Widmung "Gewidmet der ersten Maschine, die diesen Text lesen und verstehen kann." und manchmal zum Nachdenken mit Sätzen wie: "Wir haben längst die Kontrolle verloren über die Dinge, die wir schufen. Wenn wir eine Zukunft haben wollen, tun wir gut daran, das zu verstehen."

Ich habe aus diesem Buch so einiges für mich mitnehmen können, was interessant war und mich zum Nachdenken gebracht hat. Aber es gab auch Stellen, die mich weniger interessiert haben, oder die mir einfach zu kompliziert waren. Mit dem Evolutionsspiel auf S. 55 habe ich mich zum Beispiel überhaupt nicht beschäftigt und habe auch nicht das Gefühl, etwas Wichtiges versäumt zu haben.
Karl Olsbergs Sachbuch ist sicherlich ein Buch, über das kontrovers diskutiert werden kann, aber es ist immer noch beruhigend zu wissen, dass es von einem Menschen und keiner Maschine verfasst worden ist ...

Vier Sterne für ein gut recherchiertes Buch!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante These, leider nicht korrekt, 24. April 2010
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Der Autor stellt die interessante These auf, dass sich der Mensch immer mehr zum Sklaven der Technik und damit möglicherweise zu einem Steigbügelhalter einer späteren Herrschaft der Maschinen über uns und die Welt mache. Allerdings hapert es an der Beweisführung. So behauptet er etwa, dass die Evolution der Technik den gleichen drei Prinzipien wie die biologische Evolution gemäß Darwin folge, und genau das ist leider nicht zutreffend. Erschwerend kommt hinzu, dass er dabei auf Richard Dawkins' Universellen Darwinismus setzt, dem viele kritische Bedingungen für Evolution fehlen.

So heißt es beispielsweise (40): "Dies ist ein fundamentaler Irrtum, der erstaunlicherweise bis heute nicht ausgerottet ist. Wer da wirklich ums ,Überleben' kämpft, sind nicht Tier- und Pflanzenarten, sondern Gene." Der fundamentale Irrtum liegt auf Seiten des Autors.

Ferner (40): "Die Gene sind das Einzige, was von Generation zu Generation 'überlebt'." Nein, viele Arten geben auch nichtgenetische Kompetenzen an ihre Nachkommen weiter.

Und (42): Entscheidend an Dawkins' Erkenntnis ist, dass die Evolution offensichtlich auf unbelebte Materie wirkt, denn die Gene selbst sind ja nicht lebendig. Dass das so ist, kann man am Beispiel der Viren sehen. Viren sind keine Lebewesen. Sie haben keinen Stoffwechsel, keine Organe und können sich nicht selbst vermehren. Trotzdem entwickeln sie sich ständig weiter, verändern sich, passen sich an ihre Umwelt an. Sie unterliegen offensichtlich der Evolution."

Hier muss ich mich dann doch einmal als Frau positionieren: Auch Männer haben - biologisch betrachtet - ihre Fortpflanzungsfunktionen an den Wirt "Frau" ausgelagert (outgesourct). Sollten sie deshalb nicht nicht mehr der Evolution unterliegen? Doch, das tun sie. Denn Viren und Männer sind gemäß der Systemischen Evolutionstheorie selbstreproduktive Systeme und von daher selbstverständlich evolutionsfähig.

Die Prinzipien der Evolution beschreibt der Autor wie folgt (44f.):

"Wenn es tatsächlich so oder ähnlich gewesen ist, dann waren drei Dinge notwendig, um die Evolution in Gang zu setzen und die Entstehung des Lebens zu ermöglichen:
- Replikatoren, die Kopien von sich selbst herstellen konnten,
- Fehler bei der Herstellung dieser Kopien, die hin und wieder zu reproduktionsfähigen Mutationen führten,
- und eine aufgrund der Umweltbedingungen unterschiedliche Wahrscheinlichkeit dieser verschiedenen Replikator-Arten, erneut kopiert zu werden, und sich auszubreiten.
Mehr als diese drei simplen Voraussetzungen braucht es offensichtlich nicht, um einen ganzen Planeten mit Gänseblümchen, Pilzen (...) und einer Bücher schreibenden Affenart zu füllen."

Doch es braucht mehr, viel mehr sogar, nämlich so etwas wie einen Evolutionsantrieb, den Dawkins Egoismus, Mersch "Reproduktionsinteresse" und Darwin "Struggle for Existence" bzw. "überreichliche Nachkommensproduktion" nennen.

Besonders deutlich wird das beim vom Autor präsentierten Evolutionswürfelspiel auf den Seiten 52ff. Hier behauptet er, das Spiel genüge den drei Prinzipien Reproduktion, Mutation und Selektion und deshalb komme es darin zur Evolution. Denn (50): "Evolution ist eine mathematische Zwangsläufigkeit. Sie entsteht immer dann, wenn drei simple Mechanismen wirken: Reproduktion, Mutation und Selektion."

Dabei übersieht er, dass das Spiel aus sich heraus niemals evolvieren könnte. Dazu bräuchte es nämlich einen Würfler, von manchen auch Schöpfer genannt. Sollte das Spiel dagegen eigendynamisch evolvieren können, dann müsste die Rolle des Würflers in die Würfel selbst integriert werden. Anders gesagt: Man müsste den Würfeln ein "Reproduktionsinteresse" verordnen. Oder noch anders gesagt: Man müsste ihnen so etwas wie Leben einhauchen.

Und genau deshalb können auch die Übertragungen des Autors auf die angebliche Evolution der Technik nicht funktionieren (57): "Kaum jemand wird bezweifeln, dass bei der Entwicklung von Technik Reproduktion stattfindet. Nicht nur Produkte wie Autos (...) werden in großen Mengen 'reproduziert', sondern es werden zum Beispiel auch Konstruktionspläne für Autos (...) vervielfältigt, beispielsweise auf den Computerfestplatten der Herstellerfirmen."

Evolvieren können gemäß Merschs Systemischer Evolutionstheorie nur selbstreproduktive Systeme, und das sind technische Systeme nun einmal nicht, sehr wohl aber deren Erzeuger wie Nokia, Volkswagen, Airbus etc. Anders gesagt: Ein Großteil unseres technischen Umfeldes wird überhaupt nicht vom Menschen hervorgebracht, sondern von einer neuen Klasse an selbstreproduktiven Systemen (der aktuellen Krone der Schöpfung), den Unternehmen. Wir versklaven uns folglich nur indirekt gegenüber der Technik, in direkter Weise stattdessen gegenüber der Unternehmenswelt. Hier besteht dann meiner Meinung nach ein wirklicher Handlungsbedarf. Wir sollten nicht die Technik bekämpfen, sondern die Märkte regulieren.

Zu den Ausführungen des Autors über die Dawkins' Memetik sage ich lieber nichts, da ich die Mem-Theorie, zu der Bunge/Mahner in Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft immerhin meinen, sie sei konzeptuell so unklar, dass sie an Sinnlosigkeit grenze, für absolut unwissenschaftlich halte.

Fazit: Das Buch hat ein wichtiges Anliegen und in vielen Punkten teile ich auch seine Einschätzung: Wir Menschen scheinen gegenüber einer zunehmend beschleunigten Evolution um ums herum langsam aber sicher die Kontrolle zu verlieren. Doch leider scheitert es bei der Analyse. Mein dringender, auch schon an anderer Stelle geäußerter Rat wäre: Die aktuellen medienpräsenten Vordenker dieser Gesellschaft sollten sich endlich mit den Vor-Vordenkern kurzschließen, statt ihre Aussagen auf den untauglichen Konzepten eines Richard Dawkins' fußen zu lassen. 4 Sterne dennoch, denn das Buch ist insgesamt sehr verständlich und exzellent geschrieben.
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5.0 von 5 Sternen was sind wir, wer sind wir, 30. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt (Kindle Edition)
sehr interessant sollte man man mal drüber nachdenken, gerade unsere smatphon - generation, ich staune sowiso dass die nicht stolpern oder hinfallen beim laufen. wie auch immer, uns wird es genauso ergehen wie den dinos; falls wir uns nicht vorher selbst umgebracht haben.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Richy, 1. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt (Kindle Edition)
Karl Olsberg gelingt es in diesem Buch zum einen sehr gut, die Komplexität unserer Gesellschaft, die Symbiose zwischen der Menschheit und unserer Technologie, darzustellen. Die Parallelen zwischen der Evolution zwischen Natur und Technik sind sehr interessant dargestellt und nachvollziehbar. Eine sehr spannende Lektüre für Menschen die sich fragen, wohin unsere weitere Entwicklung vielleicht gehen kann.
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