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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kant "light"
Ich werde mich hüten, hier den Autor oder den Inhalt zu rezensieren, das steht mir sicherlich nicht zu. Aber Kant als ebook, dazu muss ich dann doch was sagen.

Im Vergleich zu vielen anderen Werken Kants ist dieses relativ einfach zu lesen und gibt einen guten Einblick in seine Philosphie, die Aufbereitung als ebook ist schlicht, aber gut.

Es...
Veröffentlicht am 7. August 2012 von Thomas Esseling

versus
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu wenig für diesen Preis
Ich empfehle diesen Essay von Kant grundsetzlich jedem der sich ein erstes Bild von der Aufklärung machen möchte. Hier wird expliziet erläutert zu welchen Werten und Zielen sie sich bekennt. Jedoch die hier dagebotene Aufmachung des Buches hat mich doch schon etwas enttäuscht. Ich weiß es handelt sich nur um einen Essay und der Umfang ist...
Veröffentlicht am 23. November 2012 von Claudius


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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kant "light", 7. August 2012
Von 
Thomas Esseling (Rheinbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
Ich werde mich hüten, hier den Autor oder den Inhalt zu rezensieren, das steht mir sicherlich nicht zu. Aber Kant als ebook, dazu muss ich dann doch was sagen.

Im Vergleich zu vielen anderen Werken Kants ist dieses relativ einfach zu lesen und gibt einen guten Einblick in seine Philosphie, die Aufbereitung als ebook ist schlicht, aber gut.

Es ist für mich immer wieder überraschend, wie aktuell Kant immer noch ist.

Mein Tip für alle, die sich neu oder wieder einmal mit Kant beschäftigen wollen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kants programmatischer Aufsatz zur Aufklärung, muß man den heute noch beherzigen?, 15. August 2014
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
THEORIE
"Aufklärung",schreibt Kant, "ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache nicht im Mangel des Verstandes, sondern in der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstande zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

PRAXIS
Kant zu folgen, erfordert Mut und Kraft. Zuallererst aber eine Selbstbefragung: Wie oft stelle ich z.B. meine Lieblingszeitung in Frage? Denkt sie für mich oder denke ich selber? Habe ich durchschaut, daß sie eine kommerzielle Unternehmung ist, die mich als Abonnenten nicht verlieren will? Hab ich mich schon einmal gefragt, ob sie womöglich Meldungen von ihren Lesern fernhält, um sie nicht zu beunruhigen? Bin ich gutgläubig oder habe ich das durch Quervergleiche bei der britischen BBC und der australischen ABC schon einmal überprüft? Kann ich ausschließen, daß meine Zeitung Intellektuelle, die Ungerechtigkeiten publik machen, herabsetzt, nur damit ich weiter ruhig schlafen kann?

AUFKLÄRUNG HEUTE
Es gehört zum Selbstverständnis des deutschen Bildungsbürgertums der politischen Mitte Zeitungen zu lesen, in deren Feuilletons regelmäßig Kant, Voltaire und allen Helden der Aufklärung gehuldigt wird. Aber wie sehen die einen heutigen, lebendigen Voltaire? Der mittlerweile emeritierte Leipziger Philosoph Georg Meggle hat einmal den linksintellektuellen Antibellizisten Noam Chomsky als den Voltaire unserer Zeit bezeichnet. Und was fiel den deutschen Zeitungen ein? Die Feuilleton-Redaktionen von FAZ und WELT nutzten die Gelegenheit von Chomskys achtzigstem Geburtstag, ihn vor ihren Abonnenten herabzusetzen und zu marginalisieren (SZ und TAZ waren kaum besser). Eine übertitelte ihre Geburtstagswünsche sogar mit "Moralist und Laberhannes" .

Man ahnt es schon: Wenn der Meinungsunterschied zwischen einem wie Kant engagiert für den Frieden argumentierenden Philosophen und dem größten Teil der Presse so groß ist, dann ist Kant zu folgen, vielleicht eine Aufgabe, die in großem Maßstab erst einmal begonnen werden muß.

WAHRHEITSSUCHE ALS AUSLAUFMODELL?
Vielleicht ist der auditive, der öffentlich-rechtliche Mainstream ja besser. Hören wir daher zum Schluß einmal kurz beim Deutschlandfunk am 11.8.2014 hinein, was der an Chomskys neuestem Essayband Die Herren der Welt: Essays und Reden aus fünf Jahrzehnten auszusetzen hat: "Das manichäische Weltbild des Noam Chomsky duldet weder Zwischentöne und Nuancen in der Theorie noch Kompromisse oder Grenzgänge in der Praxis. So bekennt er 2008: "Wenn ich nicht vom Mainstream ausgeschlossen wäre, müßte ich annehmen, einen Fehler gemacht zu haben." So lautet das in Beton gehauene Ideal eines bloß wahrheitssuchenden Intellektuellen, das aber nicht mehr in eine Zeit zu passen scheint, in der eine kritische linke Öffentlichkeit in Nischen und Netzwerke zerfallen ist. Als moralischer Mahnwächter verkörpert Noam Chomsky nur noch ein Auslaufmodell, das lediglich die Verbitterten des Epochenbruchs von '89 bedient. Jene also, die mit der Krise des Finanzkapitalismus' wie schlafende Hunde zu neuem Leben erweckt wurden und Menschenrechtsoptionen noch immer für eine maliziöse Volte des US-Imperialismus halten." Soweit also der von den politischen Parteien gesteuerte DLF.

DIE FRAGE:
Ob es mit diesem kleinen Aufsatz Kants verträglich ist, zum großen deutschen Mainstream zu gehören, muß sich jeder für sich selber überlegen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Habe Mut Dich Deines eigenen Verstande zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.",,, 20. Februar 2012
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache nicht im Mangel des Verstandes, sondern in der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. "Sapere aude! Habe Mut Dich Deines eigenen Verstande zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."(Zitat: Kant)

In meiner Rezension zu Kants Aufsatz "Zum ewigen Frieden": Ein philosophischer Entwurf hielt ich fest: "Für die moralische Politik ist Publizität eine notwendige Bedingung. Ohne Publizität ist für Kant ein Fortschreiten zu ewigen Frieden nicht möglich."

Jeder aufgeklärte Mensch wird der Aussage "Die Werte der Pressefreiheit sind ganz zentrale Säulen unserer demokratischen Gesellschaft" bedingungslos zustimmen und sich damit in gedanklicher Nähe zu Kant bewegen. Jeder aufgeklärte Mensch weiß, welche Folgen die Gleichschaltung der Presse im NS-Reich hatte. Sie diente, ich möchte nochmals daran erinnern, der Volksverdummung. Presse- und Meinungsfreiheit und vor allem deren Vielfalt dient also der Aufklärung und verhilft dem Menschen sich aus seinem unmündigen Zustand herauszubewegen. Jeder aufgeklärte Bürger einer Demokratie sollte sich dessen bewusst sein. Ist er sich dessen nicht bewusst, stellt sich natürlich die Frage, was lief schief in dessen intellektueller Entwicklung? Haben die Eltern, haben die Gemeinschaftkundelehrer versagt? Was ist mit all jenen, die die Presse- und Meinungsfreiheit nach Möglichkeit am liebsten abschaffen möchten? Mangelt es ihnen am Verstand oder liegt Denkfaulheit oder Feigheit vor?

Nach Kants Meinung sind nämlich Faulheit und Feigheit die Ursachen, "warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch zeitlebens gerne unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen." Es ist also bequem unmündig zu sein. Mangel an Verstand ist für Kant übrigens ein Exkulpationsgrund. Faulheit und Feigheit hingegen nicht! Kann man von einem erwachsenen, nicht debilen Menschen erwarten, dass er sich darüber informiert, welche Folgen "One-Way-Kommunikation, wie sie von Goebbels etc. initiiert wurde" für den Einzelnen und für die Gemeinschaft haben? Meines Erachtens schon.

Kann man von selbstverschuldeter Unmündigkeit sprechen, wenn ein Mensch aus Bequemlichkeit unaufgeklärt bleiben möchte und dies nach außen dokumentiert, indem er sich für One-Way-Kommunikation, wie sie von Goebbels etc. initiiert wurde in irgendeiner Form ausspricht? Wie hat man das Verhalten eines selbstverschuldet Unmündigen zu werten?

Ich finde es interessant Kants Anliegen in seinem weltberühmten Essay an praktischen Beispielen zu verdeutlichen. Sie münden letztlich in der Frage: Welche Verhaltensmuster kann man von einem mündigen Zeitgenossen erwarten?
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5.0 von 5 Sternen Von Amts wegen schießen, als Publizist nachdenken. Grundlegung einer philosophischen Theorie zur Erziehung zum Mitläufertum, 16. Januar 2015
Von 
Armin Weber (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
Kants Vernunftspaltung im Licht historischer Erfahrung

Seiner Thematik wegen und dem Angebot an zitierfähigen Aussagen wegen (gerade auch für das nichtphilosophische Publikum) genießt der Essay Immanuel Kants große Beliebtheit. Die "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" kann gelesen werden als Auftakt zur Freiheit wissenschaftlichen Denkens, zur Pressefreiheit und als Aufruf, sich zu stellen: gegenüber sich selbst, der Welt und den geistigen Bemühungen, die dies erfordert.
Doch lässt der Text auch eine Lesart zu, die auf beklemmende Weise zum Weiterdenken zwingt und den Inhalt ungünstig ausleuchtet, wenn man ihn bewusstseinspsychologisch wertet und die Folgen für die Praxis überschlägt, die sich daraus ergeben.
Ich möchte daher dem Postulat des Philosophen folgen und mich meines Verstands bedienen. Und dem ist bei der Lektüre dieser Gelegenheitsschrift eine Sache unangenehm aufgefallen, die ich hier ansprechen möchte.

Kant unterscheidet im Blick auf den Gebrauch der Vernunft zwei Arten: die eine nennt er öffentlich, die andere privat. Unter öffentlichem Gebrauch der eigenen Vernunft versteht er, wenn ein Gelehrter sich an das "ganze Publikum der Leserwelt" wendet. Vom Privatgebrauch spricht er, wenn derselbe Gelehrte "in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft (Gebrauch) machen darf." Dieser Gebrauch der Vernunft könne dann aber „öfters sehr enge eingeschränkt sein.“

Im Dienst oder im Beruf habe ich mich also zurückzunehmen, der öffentlichen Ruhe und Ordnung halber, und mich den Anweisungen meiner Vorgesetzten zu beugen, ohne diese in Frage zu stellen oder gar zu verweigern. Dabei spielt es – so meine Interpretation – keine Rolle, ob diese Vorgesetzten einer Regierung angehören, einer politischen Partei, der Kirche, den Gewerkschaften oder einem Wirtschaftsunternehmen. So bringt Kant denn als Beispiele:

"Der Offizier sagt: Räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: Räsonniert nicht,
sondern bezahlt! Der Geistliche: Räsonniert nicht, sondern glaubt."

Die Französische Revolution (1789) muss ihre Schatten voraus geworfen und Eingang gefunden haben in diesen 1784 veröffentlichten Text. Denn Kant schreibt (wohl im besorgten Blick auf die Vorgänge in Frankreich, die eben die öffentliche Ruhe und Ordnung der Monarchie aufzulösen trachteten):

"Nun ist es zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es freilich nicht erlaubt, zu räsonnieren; sondern man muss gehorchen."

Ich übersetze diesen Abschnitt in einen Jargon, der unseren Tagen gemäßer ist: Gemeinwesen (wie Staat, Kirche, politische Parteien, Wirtschaftsunternehmen, Gewerkschaften) können als Ganzes nur funktionieren, wenn Regeln eingehalten werden. Diese Regeln erfordern, dass Menschen bereit sind, sich unterzuordnen und sich (im Blick auf den Gebrauch ihrer Vernunft) passiv zu verhalten, sich also zurücknehmen. So soll ein scheinbares Einvernehmen aller (die künstliche Einhelligkeit) erzeugt werden, die öffentlichen Zwecke (etwa einer Regierung) auch umzusetzen. Wenigstens darf niemand diese Zwecke unterlaufen, sie zerstören oder einfach nur stören; selbst dann nicht, wenn diese Zwecke den Interessen der Bürger zuwiderlaufen.

Die Geschichte ist voller Beispiele, in denen diese preußisch-philosophische Variante von „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ eine böse Wendung genommen hat. Wie oft hört man zur nachträglichen Rechtfertigung selbst der übelsten Taten die Leier: „Ich habe nur meine Befehle ausgeführt“? Oder (im zivilen Leben): „Ich bin nicht befugt, diese Anweisungen in Frage zu stellen“?

Eine kurze Hörprobe der Rechtfertigungs-Arien bei den Nürnberger Prozessen genügt. Sie belegen als Extrembeispiel, dass und wie sich diese Bewusstseinshaltung seit den Tagen Kants (und schon lange davor) als sozialer Kitt auch ins Unbewusste verzogen hat. Dort ist sie zu einem mächtigen Glaubenssatz angeschwollen und erfüllt alle Voraussetzungen, um ein Tabu zu erzeugen: eben das Tabu, Befehle nicht zu hinterfragen. Man soll sie ausführen, auch und gerade dann, wenn sie das Verderben jener einschließen, die von ihren Effekten betroffen sind, weil (mitunter buchstäblich) über ihre Köpfe (hinweg) entschieden wird. Nur in der größten Not wird diese Bewusstseinshaltung ausdrücklich – meist angesichts ziviler Richter nach der Beendigung von Unrechtsregimen. Den Richtern gegenüber spielt man die eigene Verantwortung dann entsprechend herunter.

Oder denken Sie an die Massenaufläufe, die von Despoten aller Zeiten so geliebt wurden. Einer der Zwecke war (neben der Ästhetisierung von Politik, wie in NS-Deutschland) die Erzeugung jener künstlichen Einhelligkeit, von der Kant spricht. Der Einzelne sollte das Gefühl haben, alle reihen sich ein, ordnen sich unter; „warum also nicht auch ich?“ (Dass nach „Dienstschluss“ womöglich keine Zeit mehr bleibt, von seiner Vernunft noch „privaten“ Gebrauch zu machen, weil der Kopf, den man dazu braucht, über den lehmigen Boden eines Schützengrabens kullert, wird nicht problematisiert.)

Kant schreibt: "So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen."

Denkt man noch einen Augenblick nach über diese künstliche Einhelligkeit, drängt sich die Frage auf, ob es nicht gerade dieses Phänomen ist, das etwa die Pediga-Bewegung von den Medien verwirklicht sieht. Die „Einhelligkeit“ bei den Medien scheint nach Ansicht der Pediga darin zu bestehen, dass die Medien selbst und die in ihnen abgelichteten Entscheider aus Politik und Wirtschaft so ziemlich allem in der Welt mit Wohlwollen begegnen – nur der vorgeblich leidenden Dresdner Stadtbevölkerung nicht. Wenn dann noch der Herdentrieb dazu kommt (und der kommt immer dazu), dann schaukelt sich eine solche Bewegung gleichsam tautologisch auf: die Bewegung bewegt sich, weil sie sich bewegt. Wenn sich dort aber was bewegt, bewege ich mich mal mit, man kann ja nie wissen ...

Zurück zu Kant: Als Privatmann und frei von unserer gesellschaftlichen Funktion darf es uns (wenn wir zum Beispiel Soldaten sind) nicht verwehrt werden, "über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen." Kant spricht sich hier für freie Meinungsäußerung aus. Das Gleiche soll in anderen Berufen auch gelten, egal, ob es sich um Geistliche, Hochschullehrer oder ehemalige Finanzsenatoren handelt.

Also: Erst schießen und „nach Feierabend“ darüber nachdenken, oft der eine oder andere Treffer bei der Dienstausübung okay war. Oder, bleiben wir fair, ob Schießen als solches überhaupt okay ist. Darüber dürfen wir dann als Gelehrte (Schriftsteller, Moralisten, Bürgerjournalisten) sogar öffentlich Urteile abgeben, in Form von Schriften und Büchern. Das heißt, wir sollen es dürfen, wenn es nach dem Willen Kants geht.

Kant sieht also zunächst einmal so etwas wie einen staatlichen Apparat, der wie geschmiert laufen muss. Er sieht die Pflicht der Bürger (auch) darin, diesen Apparat am Laufen zu halten, weswegen es nötig sei, in der hierarchischen Ordnung nicht querzuschlagen. Gleichzeitig aber fordert er die Möglichkeit zu ungebremstem Vernunftgebrauch nach Dienstschluss, die Freiheit des Denkens und Publizierens. Doch frage ich mich, wie eine solche Spaltung des Bewusstseins psychisch aushaltbar sein soll. „Pflichterfüllung wider besseres Wissen“ auf der einen Seite; „Publikmachen eben des besseren Wissens“ auf der anderen Seite. Ist das nicht eine theoretische Grundlegung zum Kadavergehorsam oder dem „blinden Gehorsam“?

Wir können weitere Fragen stellen, die den „öffentlichen und privaten“ Vernunftgebrauch seit den Tagen Kants bis heute betreffen:

1) Wäre es nötig gewesen, eine seit damals (und schon lange davor) sich ohnehin vollziehende Praxis noch dadurch zu adeln, dass man ihr sozusagen ein philosophisches Empfehlungsschreiben beilegt, das diese Praxis mit einer sichtlich zurechtgezimmerten und opportunen „Theorie“ zu grundieren sucht (eben der Theorie vom öffentlichen und privaten Vernunftgebrauch)?
2) Wenn wir an die unzähligen Fälle von Mitläufertum und Opportunismus denken: Wäre es in vielen Belangen nicht angemessener, Befehle zu verweigern oder wenigstens zu hinterfragen? Es mag ja sein, dass dadurch revolutionsartige Vorgänge anlaufen – doch wie viele Schicksale könnten dadurch gebessert werden, wie viele Leben hätten (in der Vergangenheit) gerettet werden können?
3) Eine der zentralen Forderungen Kants in diesem Text, und eine, die heute viel zitiert und hoch gehalten wird, ist die nach der freien Entfaltungsmöglichkeit des „öffentlichen“ Vernunftgebrauchs. Privatleute und Gelehrte dürfen sich an ihr „Lesepublikum“ wenden und sie dürfen hier in nichts und mit nichts eingeschränkt werden. Selbst Geistliche dürfen, wenn sie sich in ihrem Tagewerk kirchenkonform verhalten haben, „als Privatleute“ ihre Meinung äußern und etwa auch Kritik üben, zum Beispiel am Katechismus oder der Praxis der Amtskirche.
Stichwortartig stelle ich als Beispiele zwei Namen und jeweils ergänzende Begriffe gegenüber und überlasse es der Kenntnis und Fantasie des Lesers, die Frage zu beantworten, wie weit es her ist mit der Freiheit des Forschens, der Meinung und des Publizierens:
a) Eugen Drewermann und die Katholische Kirche
b) Thilo Sarrazin und die öffentliche Meinung und die Medien
c) Ein schönes Lehrstück in Sachen Nonkonformismus ist der Film: Der Club der toten Dichter. Die Auseinandersetzung des Lehrers John Keating und dem stockkonservativen Lehrerkollegium samt Schuldirektor macht anschaulich, was folgt, wenn jemand es wagt, die Spaltung der Vernunftanwendung im Sinne Kants zu überwinden. Doch, sollen wir diese Spaltung deshalb gutheißen?

Wieder zurück zu Kant: Im Blick auf die allmähliche Entwicklung und Besserung des Dienstlebens auf der Grundlage der wissenschaftlichen Freiheit erweist er sich in diesem Essay als Gesellschaftsutopist auf Hoffnungsbasis – lange vor Ernst Bloch.

Kant schreibt:

"Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum freien Denken, ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmählich zurück auf die Sinnesart des Volks, (wodurch dies der Freiheit zu handeln nach und nach fähiger wird), und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln."

Mit diesen Sätzen räumt Kant implizit auch ein, dass die Folgen „privaten Vernunftgebrauchs“ verheerend sein können. Denn dort, wo der Mensch „als Maschine“ behandelt wird, gedeihen Unterwerfung, Entwürdigung und Vernichtung. Denn greifen die Besserungen nicht, wie von Kant erhofft, bleibt es dabei, dass „die Grundsätze der Regierung den Menschen als Maschine“ behandeln. Als Maschine zur Erfüllung von Zwecken, die der Staatsmaschine zuträglich sind, und nicht dem „Volk“, das die Erfüllung seines Glücks im Laufrad des Hamsterkäfigs sehen soll.
Haben nicht viele der Probleme von heute darin ihre Ursache? Sind viele der Ressentiments nicht die Folge dieser längst eingespielten Spaltung einer durch das Öffentliche erzwungenen funktionellen Anpassung, der im Privaten nichts anderes mehr bleibt als der Stammtisch oder Pediga? Gefühle der Ohnmacht, der Haltung eines „Es ändert sich ja doch nichts“, dem Eindruck, „von denen da oben“ nicht wertgenommen zu werden: haben sie nicht auch hierin ihre Quelle?

Kant hat, wie erwähnt, diesen Text im Vorhof der Französischen Revolution geschrieben. Es war eine Gelegenheitsarbeit anlässlich der Frage des Pfarrers Johann Friedrich Zöllner, was Aufklärung sei. Und es ist beileibe nicht Kants stärkste Schrift: sie ist in ihrem Grundzug machtopportun. Seinem ganzen Wesen nach waren ihm Umstürze zuwider (mir übrigens auch). Und Revolutionen sind auch keine Lösung. Doch ein Stück weit diese Spaltung zu überwinden und den Mund auch da aufzumachen, wo es gilt (und nicht nur am Stammtisch oder auf der Straße), könnte dazu beitragen, die Welt auch an dieser Stelle ein klein wenig zu bessern.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Text der Aufklärung, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
Gut verständlich und in klarer Form fasst Kant die zentralen Aussagen und Forderung der Aufklärung zusammen. Dieses Werk ist PFLICHTLEKTÜRE für jede wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem 18. Jhd.
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5.0 von 5 Sternen Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!, 11. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Immanuel Kant
Das hat immer noch Gültigkeit und wir sollten uns täglich daran erinnern.
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5.0 von 5 Sternen Immer noch aktuell, 29. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Kindle Edition)
Das ist der aktuellste Aufsatz - immer noch seit mehr als 200 Jahren. Es beschreibt die selbstgewählte Unmündigkeit der Menschen.
In kurzer und prägnanter Form - nicht typisch für einen philosophischen Aufsatz! Pflichtlektüre für jeden demokratischen Menschen!
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu wenig für diesen Preis, 23. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich empfehle diesen Essay von Kant grundsetzlich jedem der sich ein erstes Bild von der Aufklärung machen möchte. Hier wird expliziet erläutert zu welchen Werten und Zielen sie sich bekennt. Jedoch die hier dagebotene Aufmachung des Buches hat mich doch schon etwas enttäuscht. Ich weiß es handelt sich nur um einen Essay und der Umfang ist entsprechend gering aber diesen dann in A5 Heftformat zu strecken (in der Sagenhaften Schrifftgröße 25; mehr oder weniger...) ist alles andere als gelungen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Witz, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Von Amazon selbst gedruckt in Buchstaben so Groß wie Duplosteine auf 35 Seiten. Peinlich so was zu verkaufen. Lasst es. Nicht Kaufen.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen unglaublich, 1. September 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich denke nicht, dass ich darüber schreiben muss, inwiefern der Aufsatz von Kant lesenswert ist. Das sollte jedem aufgeklärten Geist klar sein. Was ich für eine Frechheit halte, ist der Preis in Verbindung mit der Schriftgröße. Das ist eine Unverschämtheit. Die Schriftgröße tendiert irgendwo gegen 20 und man kann es einfach nicht vernünftig lesen. Also habe ich es zurückgeschickt und mir eine andere Ausführung bestellt.
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