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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ungleiches Paar - im Geiste Beethovens geeint, 6. Juli 2011
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Beethoven: das Gesamtwerk für Cello und Klavier (Audio CD)
Die Sonate für Klavier und Violoncello ist eine musikgeschichtlich betrachtet recht junge Gattung. Abgesehen von Sonaten für Cello mit Basso continuo spielt sie erst seit den fünf Genrebeiträgen Ludwig van Beethovens eine ernst zu nehmende Rolle. Ja, Beethoven darf tatsächlich als "Vater der Cellosonate" angesehen werden.
Umso erstaunlicher ist es, dass seine eigenen Cellosonaten seinen anderen Werken gegenüber etwas abfallen, was die Popularität betrifft. Die vorliegende Box jedoch versammelt eben diese zusammen mit den insgesamt drei Variationszyklen für Klavier und Cello.

Die ersten beiden Cellosonaten op. 5 in F-Dur beziehungsweise g-moll entstanden während Beethovens Aufenthalt am Hofe des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. in Berlin. Der König war ein begeisterter Amateurcellist von nicht geringer Begabung. Da sich Beethoven keinerlei Konventionen bei der Komposition seiner Werke gegenüber sah, ließ er seiner Inspiration freien Lauf. Was die Konzeption der beiden Sonaten anbetrifft, so verlegte er sich auf die zweisätzige Form: Dem ersten Satz schiebt er eine ausgedehnte, langsame Einleitung vor, die einen weiteren langsamen Satz quasi überflüssig macht. Die äußerst melodiösen, abschließenden Rondi gehören zweifelsohne zu den Glanzlichtern der frühen Kammermusik des späteren Meisters.
Die mittlere Sonate op. 69 in A-Dur nimmt durchaus eine Sonderstellung. Das in unmittelbarer Nachbarschaft zur fünften Sinfonie entstandene Stück besteht aus drei schnellen Sätzen, nur das Finale wird durch einen kurzen besinnlichen Abschnitt eingeleitet. Dennoch vermag es Beethoven, die Balance zu halten, so dass der Hörer keine längeren langsamen Passagen vermissen wird. Besonders bekannt geworden ist das Scherzo dieser Sonate.
Die letzten beiden Sonaten op. 102 in C-Dur und D-Dur haben bis heute einen schweren Stand. Sie sind nicht nur unmittelbare Vorboten von Beethovens Spätstil; sie verzichten auch weitgehend auf Melodik zu Gunsten der ästhetischen Idee und Verquickung. Folglich nimmt es nicht wunder, dass man sich schwer tut, diese beiden Stücke lieb zu gewinnen. Während die erste Sonate nur zweisätzig ist - beide Sätze eröffnen mit einer langsamen Einleitung -, ist die letzte recht konventionell dreisätzig gehalten. Die C-Dur-Sonate zeichnet sich insbesondere durch ihre thematische Durchdringung aus und lässt sich in der Tat wesentlich leichter erschließen als ihr Schwesterwerk. Der schroffe Kopfsatz der D-Dur-Sonate wirkt tatsächlich etwas abweisend. Selbst im Adagio findet Beethoven keine wirklich kontemplativen Motive, alles steht im Zechen des Geistes. Erst das Finale berauscht in seinem fugierten Wirbel. Bezeichnenderweise gilt dieser Satz bis heute als beinahe unspielbar...
Als Zugabe gibt's die drei Variationszyklen für Klavier und Violoncello. Als Meister der Variation verstand es Beethoven trefflich, seine Zuhörer durch kühne Tempo-, Melodie- und Stimmungswechsel zu überraschen. Keine Frage, sowohl die zwölf Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium "Judas Maccabäus" WoO 45 als auch die sieben Variationen über das Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts "Zauberflöte" WoO 46 sowie die zwölf Variationen über das Thema "Ein Mädchen oder Weibchen" aus eben derselben Oper op. 66 sind gelungene Gelegenheitswerke, die auch den modernen Rezipienten noch erfreuen.

Die vorliegende Einspielung durch Friedrich Gulda am Klavier und Pierre Fournier am Violoncello entstand in den späten 50er Jahren. Dank eines umfangreichen Remasterings liegen die Tondokumente jedoch in erstaunlich guter Tonqualität vor, die die Aufnahmequalität der später entstandenen (Live)Einspielungen durch Fournier und Wilhelm Kempff um Längen übertrifft.
Gulda und Fournier waren nun alles andere als ein gleiches Paar. Dennoch verband die beiden eine lebenslange Freundschaft, die sich unter anderem in dieser bedeutenden - vielleicht der bedeutendsten - Gesamteinspielung der beethovenschen Werke für Klavier und Cello widerspiegelt. Die Harmonie ist perfekt. Zusammen erheischen die beiden stimmungsvolle Farbnuancen, perlende Facetten und klangliche Differenziertheit. Hinzu kommen individuelle Akzente, die nicht nur die Spannung steigern, sondern auch dafür sorgen, dass die beiden späten Sonaten transparent, atmend und durchsichtig werden. Somit ist dieser Klassiker durchaus auch für den Einstieg in die immer noch vernachlässigten beethovenschen Cellosonaten geeignet.
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