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4.0 von 5 Sternen Spätmittelalterliche Atmosphäre, 20. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Pasolinis tolldreiste Geschichten (DVD)
"Trilogie des Lebens" nennt Pasolini seine Adaptionen von spätmittelalterlicher, stark erotisch gefärbter Belletristik, und Boccaccio's Decamarone stellt den ersten Teil der Trilogie dar, in welchem der (in allen 3 Teilen) einen naiven, dauergrinsenden (und dadurch leicht debil wirkenden) Luftikus spielende Davoli Ninetto schon gleich zu Beginn seinen "schönsten" Auftritt hat.

Anders als Pasolini, der in Teil II (Canterbury Tales) in die Rolle von Geoffrey Chaucer schlüpft, schlüpft besagter Schauspieler, dem ich nicht viel abgewinnen kann, kurzfristig in die Rolle von Charlie Chaplin, was ich weniger als Gag oder Hommage an Chaplin, sondern als völlig deplatzierten Anachronismus empfinde.

Teil III (Erotische Geschichten aus 1001 Nacht) ist m. E. der schwächste Teil, was zum einen an zumeist unattraktiven Frauen, und zum anderen am ziemlich einfallslosen Drehbuch liegt, punktet aber mit kunstvollen Aufnahmen jemenitischer Architektur.

Gut möglich, dass ein Homosexueller (wie es auch Pasolini war) Teil I erotisch findet... Mich haben vor allem die Aufnahmen wunderschöner mittelalterlicher Architektur, die bunte spätmittelalterliche Atmosphäre und so manches "Galgengesicht" begeistert. Als einzigen Wermutstropfen empfand ich eine gewisse Langatmigkeit (Blutrache dreier Brüder) nach über einer Stunde grandiosem Bilderreigen.

An Teil II gefiel mir insbesondere die gute schauspielerische Leistung des reichen alten Lüstlings, der sich eine junge Frau zum Weibe nimmt, Pasolini's Bekenntnis zur Obszönität, das mit "Die 120 Tage von Sodom" eine neue Dimension annimmt, und das Ende, das Bosch's Höllenbilder zum Laufen bringt. Mit vier Sternen habe ich aufgerundet: 3 1/2 Sterne träfen meiner Einschätzung nach eher zu, da Teil I, den ich ebenfalls mit 4 Sternen bewertet habe, eindeutig besser ist.

Wer es niveauvoller (als die "Trilogie des Lebens") haben will und nicht zu zart besaitet ist, muss sich schon die kurz darauf gedrehte Marquis de Sade - Adaption ansehen, ein nicht nur äußerst morbider, sondern auch gesellschaftskritischer Film, der neben Ekel blanken Hass erzeugt: am liebsten würde man sich ins Geschehen einschleichen, um den mehr als dekadenten Hedonisten, allesamt Faschisten, den Garaus zu machen.

Wie man aber weiß, hat man Pasolini den Garaus gemacht...
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Pasolinis tolldreiste Geschichten
Pasolinis tolldreiste Geschichten von Pier Paolo Pasolini (DVD - 2011)
EUR 11,49
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