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Kundenrezensionen

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am 9. März 2012
Hab die CD beim ersten Mal im Auto gehört und fand sie anstrengend, unharmonisch, nervig und einfach schlecht. Kein einziges Lied ging ins Ohr. Dann verschwand sie in den untiefen meines Autos und geriet völlig in Vergessenheit. Fast hätte ich sie noch einmal gekauft, kam mir im letzten Moment aber doch bekannt vor, und dann fand ich sie, schleppte sie in die Wohnung und hörte sie mir am Abend im Dunkeln mit Kopfhörern an (nach Thom Yorke's "The Eraser"). Mann, was ein Brett. Genial! So viele Klangwelten zu entdecken, so viele Geräusche, links, rechts, links, rechts, oben, unten... Die müssen eine Ewigkeit gebraucht haben das abzumischen. Erinnert fast schon an klassische Musik, wenn man hinten links die Geiger, vorne rechts die Bläser hört, nur das Radiohead natürlich andere Instrumente spielen und alles in Bewegung ist, permanent. Nichts bleibt wie's war, alles ist im Fluss, kein Lied endet wie es anfing. Kein Ton/Geräusch ist Zufall, alles ist dort wo es hingehört. "Radiohead - The next Level" schrieb hier ein Anderer, und das passt. Man muss allerdings Zeit mit bringen. Diese CD ist nichts für nebenbei, kein einziges Lied ist radiotauglich und das ist gut so! Man muss es intensiv hören, am besten mit Kopfhörern (gute!), es gibt so viel zu entdecken. Was anfangs störend und nervig wirkt ergibt beim zweiten, dritten, vierten Hören mehr und mehr Sinn. Es überfordert einen zu Beginn. Wer sich aber darauf einlassen kann wird in fremdartige Welten entführt. Vom Gitarrenrock aus Radiohead's Anfangszeit ist nichts mehr übrig, die Band hat sich weiter und weiter und weiter entwickelt, und so kann ich verstehen, dass der ein oder andere enttäuscht ist. Mir persönlich gefällt das, ich habe eher Schwierigkeiten mit den ersten beiden Alben, erkannte da aber schon das Potenzial, das sich dann ab "Ok Computer" zu entfalten begann.

Wie die das Live spielen wollen ist mir allerdings ein Rätsel. Na ich lass mich überraschen.

Wem Thom Yorke's "The Eraser" gefällt, der sollte "The King of Limbs" unbedingt kaufen (und natürlich umgekehrt).
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TOP 500 REZENSENTam 8. Oktober 2015
Ich schicke voran, dass ich bislang alles was von Radiohead veröffentlicht wurde innigst geliebt habe.
Alben, B-Seiten, Raritäten, Live.Mitschnitte... - Radiohead sind wirklich eine meiner absoluten Lieblingsbands!

Als ich King of the Limbs zum erstenmal aufgelegt habe, fühlte es sich gleich zu Beginn sehr merkwürdig und gänzlich ungewohnt an, was ja an sich nichts grundsätzlich schlechtes ist.

Dennoch zündete dieses Werk bei mir nahezu überhaupt nicht; und ich habe ihm wirklich viele Anläufe gewidmet.

Es ist nicht so, dass ich die künstlerische Vision dahinter nicht vollends respektieren oder sogar nachvollziehen könnte - unter dem Aspekt finde ich es sogar sehr mutig, ein derartiges Werk zu veröffentlichen - da bleiben Radiohead weiterhin kompromisslos und machen keinerlei Eingeständnisse an irgendwelche Erwartungen oder Moden.
Aber musikalisch, und was noch schlimmer ist - emotional - läßt mich dieses Album komplett kalt, in seiner sehr artifiziellen Machart.
Und auch tiefere Subkontexte lassen sich nicht herausschälen.

Radiohead machen zwar was sie wollen, aber dieses mal geschieht dies zugunsten der Magie und Intensität (und ich denke auch leichte Stücke können intensiv sein).
Bei Kid A oder Amnesiac hat dieser Ansatz funktioniert und beide Alben sind beseelt und trotzdem voller sperriger Schönheit.
King of the Limbs hingegen ist, für meine Wahrnehmung, ein sehr kopflastiger und artifizieller Ansatz jener Tugenden, dem irgendwie all das fehlt, was ich an Radiohead bisher immer geliebt habe.

Es gibt bestimmt exponierte Situationen, bei denen die Platte gut passt, aber ein Meilenstein wird es wohl nicht werden.
- ich könnte mir z.B.gut vorstellen, dass man auf einer Kunstaustellung diese Musik im Hintergrund laufen läßt, weil sie eine gewisse Leichtigkeit inne hat und trotzdem sehr modern und anspruchsvoll ist.
In einem Kontext wie diesem scheint sie mir noch am besten zu passen.

King of the Limbs ist ein sehr rationales Album - aber unter dem Aspekt sehr gut, wenn man das mag!
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am 5. August 2011
Eines gilt für mich grundsätzlich: Wenn man mit einem neuen Radiohead-Album nicht gleich warm wird, oder auch glaubt, es gar nicht werden zu können, woran liegt das dann? Hat Radiohead sich verspielt, oder bin ich einfach nicht in der Lage, deren Musik zu erfassen? Dabei glaube ich nicht, dass es bei Musik irgendentwas zu 'verstehen' gibt, sondern es ist eine Frage der Emotion. Das wird für mich bei "King of the Limbs" besonders deutlich. Musik schafft Emotionen und hilft, den Emotionen eine Deutung und einen Ton zu geben.
Jeder einzelne Song auf "King of the Limbs" ist etwas bisher noch nicht gehörtes (auch erlebtes. Hier gibt es wirklich richtig was zu entdecken.
Man macht vielleicht auch einen Fehler, bei einer neuen Radiohead-Scheibe etwas zu erwarten, was man ähnlich schon mal hatte. Dabei ist doch klar, dass Radiohead kein Album zwei Mal machen. Es ist weder "Kid A", noch "Amnesiac" (das für mich vielleicht beste Album überhaupt)und auch kein "In Rainbows". Man kann auch gar nicht anders, als darüber sehr glücklich zu sein. Radiohead hat mit "King of the Limbs" wieder ein neues Musikkapitel eröffnet, woran sich andere Bands vielleicht in den kommenden Jahren mehr/weniger originell bedienen werden. Radiohead-Alben kann und sollte man nicht miteinander vergleichen. Jedes Album muss für sich gehört und auch besprochen werden. Man sollte sich nur auf das jeweilige Album beziehen und nicht auf irgendetwas, was außerhalb vom dem liegt.
Zu drei Songs kurze Bemerkungen, weil sie mich gerade nicht mehr in Ruhe lassen.
"Feral" ist der blanke Wahnsinn. Bei den ersten paar Mal hören ist der Song so unscheinbar. Es ist eine Art 'Idee' von Musik. Man fragt sich, wie so etwas entsteht. Was geht in deren Köpfen vor? Zu gern würde ich Radiohead mal bei einigen ihrer Aufnahmesessions beobachten.
Wie sich in "Lotus Flower" Thom Yorkes Stimme im Refrain 'There's an empty space inside my heart/ Where the weeds take root/ So now I'll set you free/ I'll set you free' durch die Rhytmen hindurchtanzt, ist einfach nur magisch. Der Song ist eine einzige Zelebrierung musikalischer Emotion, im Musikvideo durch Thom Yorke persönlich sehr eindrucksvoll dargestellt. Beim Hören des Songs fühlt man sich so, wie sich Thom Yorke bewegt.
Und was soll man z.B. zu "Seperator" noch sagen? Gibt es BESSERE Musik?
Wie auch in einigen anderen Rezensionen geschrieben, stimm ich total zu, dass die letzten vier Songs auf jeden Fall die zugänglichsten sind. Sie gehören jetzt schon auf die künftige Best-of, wenn ich auch von Best-ofs nichts halte. Jedes einzelne Lied ist so was von einzigartig. Ein Monolith. Jeder ein Idealtypus einer Musik für das nächste Jahrhundert (jetzt schon?).
"King of the Limbs" ist für mich eines der intensivsten und beeindruckendsten Hörerlebnisse seit Langem. Vermutlich seit dem letzten Radiohead-Album. Gibt es irgendeine Band, die Radiohead auch nur annähernd das Wasser reichen kann? Musikalisch und textlich einfach allem voraus. Nicht zu verstehen, sondern inspirierend, im edelsten Sinne des Wortes. Jede Silbe einfach nur originell intoniert.
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am 2. Juli 2011
Ich bin seit "OK Computer" ein Radiohead Gern- und Vielhörer, bis auf "Hail to the Thief" haben sich alle CDs in mein Hirn gebrand, alle CDs haben ihre Stärken. "In Rainbows" war für mich dann der Höhepunkt, kann denn da denn noch etwas Gutes nachkommen? Ja es kann. Beim ersten Mal Hören dachte ich: na ja, etwas sperrig, kaum etwas, an dem ich mich festhalten kann. Aber so sind sie halt, die Radiohead. Mitlerweile läuft die Scheibe bei mir im Dauerbetrieb- obwohl (oder gerade weil) sie nur 37 Minuten lang ist. Zu den einzelnen Stücken haben die Rezensenten ja schon einiges geschrieben, ich möchte nur auf ein paar Details hinweisen, die mir das Hören von "The King of Limbs" immer wieder zu einem Genuss machen:
1. Hört Euch die Bässe an: in fast jedem Stück übernimmt der Bass wichtige Funktionen. Manchmal bringt er Schwung ins Stück, manchmal ist er zum Weinen traurig...
2. Hört Euch die Bläser (und Streicher) bei Bloom und Codex an. Wo andere Bands mit Hammer und Schaufel vorgehen, tupft Radiohead mit dem dünnen Pinsel ein paar Akzente hin. Allein für diese kurzen Stellen hat sich der Kauf gelohnt!
3. Radiohead ist eine Band- und das hört man! Naturlich: Thom Yorkes Stimme ist wie immer grandios (außer bei HttT, sagte ich das bereits?). Aber es gibt echte Gitarren, auch akustische, dann gibt es Schlagzeug (allerdings oft elektronisch verändert bzw. gesampelt) ach ja: die Bässe, hatte ich die schon erwähnt?
4. Das erste Stück (Bloom) wirkte zuerst hektisch, nervös auf mich (und anscheinend auch auf andere Rezensenten). Aber hört es Euch mal an: neben den tatsächlich unruhigen Elektroniks und Schlagzeug halten Bass und Thom Yorkes Stimme mit einer Ruhe dagegen- da entsteht Spannung.

Leider ist das Album bereits nach einer guten halben Stunden aus, aber wofür gibt es die Repeat-Taste:ich verspreche Euch, es wird nicht langweilig. Übrigens: die leider nicht auf dem Album enthaltenen Stücke The Butcher, Supercollider und Staircase würden super auf das Album passen. V.a. Staircase hats mir angetan, ein wunderschönes Lied. Man kann die Stücke im Internet herunterladen, also: seid kreativ, stellt Euch Eure "The King of Limbs- Langfassung" zusammen und genießt die Musik!
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am 20. Februar 2012
Wer an Platten von Radiohead mit irgendeiner Erwartungshaltung herangeht, beraubt sich meiner Meinung nach selbst. Das einzige Vorgefühl, zu dem ich raten würde, wäre vielleicht eine Art kindliche Neugierde, offen sein für alles nur denkbar und vor allem undenkbar Mögliche.

Ja, 37 Minuten sind nicht sonderlich lang für ein Album. Na und? Ich genieße lieber eine wunderschöne, abwechslungsreiche halbe Stunde, als eine Stunde inhaltsleeren Einheitsbrei ertragen zu müssen. Und mehrmaliges Hintereinanderhören hat bei Radiohead wirklich noch nie geschadet. "The King of Limbs" ist mal wieder so eine Platte, die, wenn ich zu ihr greife, auf Dauerrotation läuft, irgendwie möchte ich sie immer nicht enden lassen...ach einmal noch...einmal geht noch...

Sie hat stellenweise so was schleppendes, träges, nicht-mit-dem-Hintern-hochkommendes an sich, das einen so herrliche einlullt, mitnimmt und irgendwo anders hin trägt und eben völlig vergessen lässt, was man eigentlich gerade machen wollte. Dabei ist sie an keiner Stelle eintönig oder gar einschläfernd, nur verbreitet sie eben diese fiese Wohlfühlstimmung, die einen an Ort und Stelle verharren, die Augen schließen und einfach nur lauschen und genießen lässt...ach einmal geht noch...

Ist ja schließlich nur ne gute halbe Stunde...
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am 6. Oktober 2012
Dieses Album wie auch alle anderen Alben sind einfach nur genial und unvergleichbar. Es kannn durchaus sein dass ich hier nicht ganz objektiv urteilen kann. Aber ich bin seit OK Computer einfach nur beigeistert von dieser Band und iher unvergleichlichen Wandelbarkeit, dass ich einfach nur beigeistert sein kann. Und wer vor einigen Tagen das Glück haben durfte sie live in Wuhlheide bei Berlin erleben zu dürfen weiß von was ich hier schreibe. Sie sind einfach die Könige der zeitgenössischen Musik. Mehr kann man sich nicht wünschen und vorstellen.
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Schon wieder ein Radiohead-Album, auf das ich mich erst freue, nur um es dann schnell wieder im Regal verstauben zu lassen? "In Rainbows" ist im Gegensatz zu "The king of limbs" eingänglich, abwechslungsreich und hat geradezu Hits.
Das Album von 2011 bringt es auf magere 37 Minuten Spielzeit, für ein Booklet hat es auch nicht gelangt (dafür gab's ja damals bei Kid A gleich zwei davon).
Der erste Durchlauf wirkt gewohnt ernüchternd, anders als bei Amnesiac oder Kid A klingt es dieses Mal aber besonders unmotiviert. Die ersten Lieder hören sich anfangs alle identisch und es erscheint mir eine Frechheit was sich Radiohead hier wieder erlaubt haben. Ok, es wird wohl bis auf weiteres kein The Bends, kein OK Computer und erst recht keinen Hit wie Creep mehr geben, das wäre zu profan, hab's verstanden. Aber diese einschläfernde Monotonie? 3 Sterne für den ersten Eindruck! Doch dann kommt Song 6, Codex hat eine unerklärliche Faszination und auch die zwei folgenden Stücke sind für mich 5 Sterne Werke! Macht zusammen 3,5 Sterne. Aber wen juckt das? Radiohead sind längst raus. Kritiken, Plattenlabel, Hits - alles unwichtig. Elitär. Eindrucksvoll. Aber natürlich alles erst nachdem sie in den 90ern ganz gross wurden und sich das Fundament für ihre verschrobenen, experimentierfreudigen und meist recht depressiven Kunstwerke gelegt hatten.

Thom Yorkes Stimme und die lange, gemeinsame Reise seit Pablo Honey, haben mich mit dieser Band so sehr verbunden, dass ich für jede ihrer Veröffentlichungen dankbar bin. Wir haben bereits Kurt Cobain verloren, da ist es zumindest etwas tröstlich, dass ein anderes, ebenfalls sehr sensibles, Genie der 90er Jahre überlebt hat, allein schon dafür liebe ich Radiohead. Und bei Kritikern haben depressive, nicht kommerzielle Eigenbrötler anscheinend eh einen im Brett, trotz mancher Verirrungen, siehe Neil Young, The Smiths, R.E.M. etc. Wir reduzieren den CO2-Ausstoss und retten den Planeten, auch indem wir nicht all zu heftig in die Saiten hauen oder aufs Schlagzeug dreschen? Wir machen jetzt nur noch ganz dezente Musik, damit wir keine bedrohten Tiere aufschrecken? Dank Samples von Vogelgezwitscher nähern wir uns noch mehr der Esoterik-Schiene. Mit etwas Distanz ist die Radiohead-Verklärung durchaus amüsant.
Mit der Zeit entfaltet sich das Album zunehmend in all seinen feinen Details, so fiel mir erst mit Verzögerung auf, dass das Album so beginnt wie der Vorgänger "In Rainbows" aufhört, "Bloom" hat diesen sehr ähnlichen schleppenden Sound wie "Videotape", der so klingt als würde er etwas Bedrohliches und Furchtbares ankündigen. Die Welt ist untergangen und nun erobert sich die Natur die Welt zurück, oder so ähnlich. Wäre dieses Album ein Soundtrack, dann würde dieser Film passen: The Happening (Director's Cut) [Blu-ray]Etwas unheimlich und beklemmend, aber auch mit einer gewissen, schillernden Todessehnsucht.
"The king of limbs" ist für den geübten Radiohead-Hörer kein mühsamer Umstieg, kein radikaler Neuanfang mehr wie von OK Computer zu Kid A. Amnesiac war Vorbereitung genug für dieses Album, wem In Rainbows zu massenkompatibel war kann aufatmen: mit dem neuen Werk wird die Anhängerschaft wieder ein wenig schrumpfen. Und ihr Status als Künstler weiter gestärkt.

3,5 Sterne

Anspieltipps: Codex, Give up the ghost, Separator
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am 30. Juni 2012
Wenn 1992/93 jemand gesagt hätte, dass Radiohead rund 20 Jahre später eine der drei besten und wichtigsten Bands der Welt sein würden, hätten sich nicht nur damalige Fans der Gruppe darüber schief gelacht, sondern wohl auch Thom Yorke und seine vier Bandkollegen. Alleine schon weil niemand mehr als fünf Jahre voraus blickt, wenn er sich in dieser Szene aufhält. Kannst du wissen, ob es deine Band dann noch gibt, ob deine Musik noch wo ankommt, wohin sich die Musikszene entwickelt hat, und was Plattenfirma, Management und Fans mit dir machen? Eben.

Will man es kurz beantworten, was Radiohead so gut gehalten und darüber hinaus bedeutend gelassen hat, so lässt sich zuerst einmal sagen, dass sich die Band einerseits immer treu geblieben ist, aber andererseits immer für neue Entwicklungen offen war. Unvergessen - und mit einer nicht unerheblichen Nachwirkung auf die gesamte Rockszene - bleibt ihr Schritt von "OK Computer" zu "Kid A", dieses gewaltige Wagnis, das seinerzeit nicht wenige Kritiker (und auch Fans) völlig falsch einschätzten, vor allem in Anbetracht der Befürchtung des kommerziellen Selbstmords der Gruppe. Bald aber wusste alle Welt, dass wirklich "Everything In It's Right Place" war.

Mehr als ein Jahrzehnt nach "Kid A", mit einigen exzellenten Platten dazwischen, schafft die Gruppe fast zwei Jahrzehnte nach ihrer ersten Plattenveröffentlichung wieder ein grandioses Album. Mit 38 Minuten Spielzeit eher an ein Spätsechziger-Frühsiebziger-Album erinnernd, spricht das für gute Ökonomie, ähnlich wie sich kluge Musiker und Produzenten im Vor-CD-Zeitalter gut überlegten, ob eine LP nicht besser wäre als ein Doppelalbum. Und die 37:24 Minuten sind bestens genützt: "Bloom" mit seinen Keyboardwellen und treibenden Rhythmen, die mich an The Can denken lassen, eröffnet die Platte, Thom Yorke's Stimme fügt sich wie ein Instrument ein. Ein etwas irritierendes, aber einen in Schwung bringendes Stück, dem mit "Morning Mr. Magpie" ein - vermeintlich! - simpleres Stück, das zum einen durch die schöne Melodie, die Yorke nahezu grazil singt, und andererseits durch den quirligen Beat lebt. "Little By Little" hieß einmal ein Song von Bo Diddley, ich musste schmunzeln, als ich das las und hörte, weil das selbstverständlich keine Coverversion ist (so nebenbei, ein Coverversionenalbum dieser Band wäre sicher einmal ein Hammer, wetten, dass die das schaffen würden, jeden Song optimal zu verfremden?), aber den federnden Rhythmus, der den großen Rock'n'Roller auszeichnete, hat die Nummer in einer anderen Form. Ansonsten ist es vor allem der diffizile Klangteppich, den die ganze Gruppe ausbreitet, was diesen Song zum Glänzen bringt. Ein experimentellerer Song ist dann wieder "Feral", die Drums rascheln und rauschen, beim fünfminütigen "Lotus Flower" tragen sie mit einem swingenden Bass eine balladeske Melodie. Keyboards übernehmen, wie auch auf mehreren Songs, weitgehend die Melodieführung, die Gitarre hält sich ziemlich im Hintergrund. Ein schönes Piano-Intro, wie es der Fan seit "Karma Police" liebt, hat dann das ebenfalls fünfminütige "Codex" zu bieten. Das ruhigste und wohl auch zugänglichste Stück des Albums, mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl auch die Lieblingsnummer dieses Opus für jene Radiohead-Fans, die mit den experimentelleren Stücken der Band nicht so recht mit können. Vogelgezwitscher mit Akustikgitarre gibt's seit den Spätechzigern auf Platte (z. B. "Blackbird" der Beatles, 1968), "Give Up The Ghost" bietet verhallte Gesänge von Yorke, ein romantisches Lied, das wegen der Gitarre etwas an "True Love Waits" (die bekannte Live-Fassung, bitte) erinnert. Und schon sind wir am Schluss angelangt: "Separator" ist ein schwungvoller Ausklang, textlich eine Reflexion auf einen Traum, die mehrmals gesungenen Worte "Wake me up" am Ende des Songs hallen noch länger nach und zeigen einmal mehr, was für ein starker und origineller Vokalist Thom Yorke ist.

Wenn Leute in meinem Alter (ich bin Jahrgang 1956) oder älter daher kommen mit ihren nostalgischen Reden, wie super die Musik vor 40 Jahren oder so gewesen sei und dass es heute keine interessante Pop- und Rockmusik mehr gäbe, dann sage ich in gebotener Coolness: "Hört's Radiohead, Leute! Kann immer das neueste Album sein!" Was mir bei diesem Album überaus leicht fällt. Mag sein, dass der Musikexpress manchmal ganz schön übertreibt, aber als eine Ausgabe vor rund einem Jahr Radiohead zur wichtigsten Band der Welt erkor, hatte das für mich gar nichts mit Übertreibung an sich.
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am 25. März 2011
Neue Radiohead-Platten unterliegen ja bekanntlich einer gewissen Erwartungshaltung, nämlich der, dass diese stets die gesamte Alternative-Rock-Welt umschmeißen und neu definieren. Das haben sich die Oxforder natürlich selbst zuzuschreiben, da gewisse Alben wie "OK Computer" und "Kid A" revolutionär waren und ein nicht messbares Maß an Einfluss hatten, der Radiohead fortan wie ein Rattenschwanz hinterherschwingen sollte.
Selbst das famose "In Rainbows" von 2007, das sich langsam über sein Marketing erhob und zum Fan-Favorite vieler avancierte, folgte dieser Tradition, da wieder einmal musikalische Innovation und Anspruch mit Eingängikeit intelligent verschmolzen wurden.

Die Jahresuhr schlägt nun '2011' und nach vier Jahren ohne Veröffentlichung bekommen wir nun eine 8-Track starke (oder schwache) Platte serviert, die nach etwas über einer halben Stunde runterrattert. Schadet die kurze Spielzeit dem Album? Wohl kaum, da man das Album eh auf Repeat laufen hat, so wie das mit RH-Platten Gang und Gebe ist. Nur diesmal dürfte "The King of Limbs" nicht jeden überzeugen. Diesmal ist ein Radiohead-Album kein neue, gemeinsamer Nenner aller Musikkritiker.

Dabei bietet "Bloom" zum Start der wilden Fahrt einiges an Material auf, das an die Tradition von Innovation und Eingängigkeit anknüpft. Ein schöner Klavierloop wird weggefegt von einem seltsam stotternden, sich selbst überladenen Drumloop, und zusammen bilden die beiden Loops sozusagen die Hauptstränge der DNA, während Bassline, seltene Gitarrenschübe, Alarmsignale und etliche andere Effekte ab und zu mit Thom Yorke das Lied runterzelebrieren. Die Vocals geben dem Ganzen die Breite im Raum und wirken evokativ, die Lyrics universal und verkopft.
"Morning Mr Magpie" setzt dann aber kaum neue Trends, sondern entwickelt die Drumloop-Stilistik konsequent weiter. So etwas wie einen Chorus gibt es und zum Schluss verrennt sich der Song in dichtem Sound, der an Shoegaze kratzt, sich aber jäh verabschiedet.
"Little By Little" lässt dann die Gitarren wieder singen und bietet eine schöne Sounddichte auf. Auch die Melodie samt Vocals weiß zu gefallen, doch dann passiert im Chorus etwas, das ich persönlich nie von Radiohead erwartet hätte: Thom Yorke klingt nervig und wie ein kleines Mädchen. Das passt natürlich zu den naiven Lyrics, aber Yorkes Gesang ist es, der "Little By Little" für mich zum schwächsten Track der Platte macht.
"Feral" ist dann nicht mal ein richtiger Song, sondern eher ein cinematisches Zwischenspiel, bei dem allerlei hübsche sowie verstörende Geräusche aus den Tiefen des Waldes, des Äthers, oder woher auch immer, schallen. Der dick aufgetragene Bass lässt den Track zum Schluss abheben und gibt ihm den verdienten Klimax. Ach, habe ich schon die ewigen Drumloops erwähnt?

Ich habe meine Überschrift als zweiteilig gewählt, weil auch das Album des Eindruck macht, zwei konzeptuell stark verschiedene Hälften aufzubieten. Dominierten Drumloops aus der Hölle, Rhythmus, und allgemein starker Songfluss die ersten 4 Tracks, so kehren Radiohead in der zweiten Hälfte wieder zu sich selbst zurück, und siehe da: Sie erklingen wieder, die Melodien aus dem Himmel.

"Lotus Flower" ist nämlich ein grandioser Song. Die Drums erinnern zwar (wieder) eher an eine Drum Machine als an Phil Selways geliebten Holterdipolter, nur diesmal schafft es die Band, den Track zu einem Ohrwurmverpflanzenden, innovativen und kurzweiligen Song umzubauen. Thom Yorke singt hier im Chorus fast ausschließlich mit seiner charakteristischen Kopfstimme, die den Lyrics ("Slowly we unfold as lotus flowers") die nötige Heiligkeit verleihen. Bemerkenswert ist auch (wieder) der Bass. Da vergisst man kurzum schon, wo eigentlich Jonny Greenwood ist.
"Codex" ist dann eine schöne Ballade im Stil von "Pyramid Song", aber anders als sein Bruder entwickelt der Song sich nicht in seinem Verlauf und läuft auf keinen großen Klimax hinaus. Das muss er allerdings auch nicht, da "Codex" als Zäsur nach fünf Tracks Trommelfellgewitter seine minimalistische Schönheit entfalten kann.
"Give Up The Ghost" ist dann großes Kino - Thom Yorke im Duett mit sich selbst. Und da ist Greenwood, der zu dem Ganzen etwas zeitversetzt, aber unglaublich passend dazu an der Gitarre zupft. Ein Highlight.
Mit "Seperator" ist dann Schluss, und es ist nicht verwunderlich, dass ausgerechnet der letzte Track zurück an "In Rainbows" erinnert. Hier macht wieder die gesamte Band das, was sie am besten kann, nämlich zu einer dichten und athmosphärischen Einheit verschmelzen. Die Lyrics sind hier hoffnungsvoll ("If you think this is over/Then you're wrong") und insgesamt legt sich der Abschlusssong wohltuend auf die Ohren, bis die Platte bei knapp 37 Minuten den Geist aufgibt (pun intended) und man seinen eigenen Finger auf der "Repeat"-Taste erwischt.

"The King of Limbs" ist kein Game Changer und auch kein neuer Meilenstein, kein neues Ausrufezeichen und auch kein moderner Michelangelo, aber das will die Platte auch nicht sein. Sie ist ein Abenteuer, das versucht, zwischen Himmel und Hölle die Mitte zu finden.
Kurz gesagt liefern Radiohead kein großartiges, aber ein grundsolides Album ab, das diesmal zwar die Tendenz zeigt, die Musikpresse eher zu spalten, als sie mal wieder zu vereinen, aber die Fans zufrieden stellen wird.

Kaufempfehlung sowieso.

9/10
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am 3. Juli 2011
Wenn man gefragt wird, was denn das Besondere an den Radiohead-Alben ist, dann fällt einem als erstes ein, dass man sie rauf und runter hören kann, ohne dass sie langweilig werden. Das liegt auch daran, dass kein Radiohead Album wie das andere ist, vom rockigen "the Bends" bis zum experimentellen "Amnesiac". Und auch "The King of Limbs" ist meiner Meinung nach mit keinem bisherigen Radiohead Album zu vergleichen. Sicherlich findet man Elemente von "Amnesiac", so lässt sich "Bloom" etwas mit "Packt Like Sardines In A Crushed Tin Box" vergleichen und auch Thom Yorke's Solo Album "The Eraser" lässt sich teilweise wiedererkennen. Doch zwischen all den bisherigen Radiohead Alben findet die neue Platte ihren ganzen eigenen Stil, was trotz kurzer Spielzeit ihren Charme ausmacht, denn sie ist zwar zu 100 % eine Radiohead Platte, doch wenn man nach gefühlten 1000 Durchläufen von "Kid A", "Ok Computer" und "In Rainbows" noch etwas Abwechslung sucht, aber nicht auf Thom Yorke's Stimme verzichten will, dann hört man sich halt "The King of Limbs" an. Sicherlich ist die neue Scheibe kein Meilenstein wie "Kid A" oder "Ok Computer", aber da diese Alben 10 von 5 Sternen kriegen, kann man "The King of Limbs" getrost 8 geben.
Alles in allem bleiben sich Radiohead mit dieser Platte treu, indem sie sich nicht treu bleiben und mal wieder was anderes ausprobieren und das wie immer mit Bravour.
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