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Kundenrezensionen

33
4,6 von 5 Sternen
Let England Shake
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76 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
... in der Öffentlichkeit mittlerweile nicht wie schnöde Materialsammlungen, sondern eher wie Ereignisse wahrgenommen werden, ist ein Privileg, was sich Polly Jean Harvey über die Jahre hart erarbeitet hat. Etwa mit ihren beiden Frühwerken "Dry" und "Rid Of Me", auf denen ihre Stimme klang, als würde ihr bei lebendigem Leib die Haut abgezogen - die Gitarren dazu dürften auch nicht aus dem normalen Fachhandel, sondern eher von einem übel beleumundeten Zwischenhändler für häuslichen Folterbedarf stammen. Oder aber das bleischwere, luzide "To Bring You My Love", wo sie als grell geschminkter Vamp die weibliche Entsprechung zu Nick Cave gab. Grandiose Alben allesamt - PJ Harvey wurde mit diesen und den folgenden Werken zweifellos zu einer Art Rolemodel, ohne sie wären Leslie Feist, Karen O., Anna Calvi oder auch Joan As A Police Woman so gar nicht denkbar gewesen.

Nun also "Let England Shake", vier Jahre nach dem letzten regulärem Soloalbum "White Chalk" und natürlich sehnlichst erwartet. Und wenn PJ Harvey als Inspiration für eine ganze Generation von Songwriterinnen steht, so kommt sie selbst auf dieser Platte ihrem eigenen Vorbild Patti Smith so nahe wie kaum zuvor. Und das betrifft sowohl die überwiegend klassische Instrumentierung als auch die inhaltliche Ausrichtung. Wenn der Begriff `Konzeptalbum' auch etwas in die Irre führen mag, so ist es doch eine monothematische, politische Arbeit geworden. Jeder der zwölf Songs ein Statement zu Krieg, Krise, England als Nation und Amerika als zweifelhaftem Vorbild, ohne Unterbrechung ist die Rede von Tod, Blut, Leiden, Verdorbenheit und Vergeblichkeit.

Dem seltsam zarten, tänzelnden Titelstück, für einen Weckruf noch recht verhalten geraten, folgt mit "The Last Living Rose" eine vergiftete Liebeserklärung an ihr Heimatland (Goddamn' Europeans! Take me back to England ... let me walk through the stinking alleys, to the music of drunken beatings ...), nahtlos fortgesetzt in "The Glorious Land" - Gitarren marschieren hier zu altertümlichen Feldtrompetenklängen und bissiger Botschaft (What is the glorious fruit of our land? Its fruit is deformed children.) Und weiter geht's über Leichenberge (The Words That Maketh Murder) und Schlachtfelder (All And Everyone), verwunschen, beinahe elfenhaft (On Battleship Hill), trostlos und traurig wie in einem Kusturica-Film (England, you leave a taste, a bitter one ... ,England`) und mit einfachsten Worten (an)klagend: "So our young men hit with guns in the dirt and in the dark places" (In The Dark Places).

Man hatte fast vergessen, dass PJ Harvey auch härter kann - mit "Bitter Branches" gelingt ihr ein zweieinhalbminütiger Verweis auf frühere Glanztaten wie "50ft. Queenie" und "Man-Size". Bei dieser Ausnahme soll es allerdings bleiben, der Rest des Albums ist bei allem textlichen Anspruch musikalisch gemäßigt, auch der verhaltene Reggae der Vorauskopplung "Written On The Forehead" fügt sich dem inhaltlichen Fokus. John Parish, langjähriger Kampfgefährte und auch auf "Let England Shake" fast in jedem Song als Duettpartner dabei, darf dann den Abgesang "The Colour Of Earth" einleiten, ein bittersüßer Reigen mit Bezug zu asiatischer Geschichte.

Über die Distanz vielleicht nicht ganz so leicht verdaulich, in jedem Falle aber genau das: Ein Ereignis. Und das erste wirkliche Schwergewicht in diesem Jahr.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Februar 2011
Bewundernswerter noch als ihre Studioalben find ich bei PJ Harvey die Konzerte. Ich konnte sie erstmals 2000 live erleben, als sie das Jahrhundertalbum "Stories from the city, stories from the sea" vorstellte. Erstaunlich, welche Bühnenpräsenz diese zierliche Person hat. Danach allerdings verlor ich sie für eine Weile aus den Augen. Weder mit "Uh-huh Her", noch mit "White Chalk" konnte ich allzu viel anfangen. Die Ankündigung des Konzeptalbums "Let England Shake" allerdings hat mich aufhorchen lassen. Historischer Stoff auf einem PJ Harvey Album, und das über die gesamte Länge des Albums?

Mit Konzeptalben ist das so eine Sache. PJ Harvey umgeht manch Dilemma dadurch, dass sie weniger eine Geschichte erzählt oder gar eine Botschaft formuliert. Vielmehr schildert sie Situationen des Kriegs, verschiedener Kriege, der Weltkriegen sowie jüngerer Kriege, in denen die britische Armee verwickelt war und ist. Nicht nur textlich ist "Let England Shake" anders als die Vorgänger, auch musikalisch wird ausdrucksvoller schrammeliger Gitarrenrock durch leisere Töne und einprägsame Melodien ersetzt. Das Album ist sehr melodielastig, begleitet durch Bläser, Pauken, Marimbafon, Chöre, Fanfaren. Bereits die erste Single-Auskoppelung "The Words That Maketh Murder" erinnert nur noch wenig an die Zeiten von "Rid of Me". Dass das Album ein konsequenter Bruch wäre, ist wiederum übertrieben. "The Last Living Rose" etwa ist durch und durch als PJ Harvey Nummer erkennbar.

Ist es ein gutes Album? Nun, es wird mit jedem Hören besser. Schon der Einstieg "Let England Shake" hat etwas hypnothisches, etwas unwiderstehliches. Ihre Stimme ist anders. Während sie früher fluchte und schrie, oft gegen die Gewalt der eigenen Gitarre ankämpfen musste, trägt ihre Stimme auf dem neuen Album sämtliche Melodien. Dabei drängt sie sich selten in den Vordergrund. Überhaupt klingen die neuen Stücke band-hafter als frühere Album, auf denen sie als Solo-Künstlerin klar dominierte, u.a. erkennbar auf "Colour Of The Earth". Dass es um Krieg geht, wird vielfach musikalisch untermalt, zum Beispiel mit den (mit Gitarre und Schlagzeug) simulierten Nachladen von Gewehren, den sich ergebenden Soldaten oder der Fanfare. Hier und da fühle ich mich an Kate Bushs "Army Dreamers" erinnert. Oder, was hier nicht zu erwarten war, an "There Is A Light That Never Goes Out" der Smiths von 1987, dem "In The Dark Places" im Vers schon recht stark ähnelt.

"Let England Shake" ist vielseitig und spannend bis zum letzten Lied. Es ist, was vielleicht auch am Ort der Aufnahmen liegt, einer Kirche in Südenglands Dorset, ein neuer Sound, der zu PJ Harvey passt. Es hat schöne Momente und wird bei all seiner Melancholie nie hoffnungslos oder sarkastisch. Mit sei allerdings die Kritik erlaubt, dass einige Gesangsübungen recht anstrengen, vor allem "England". Auch fehlt mir dann doch manchmal die aggressive PJ Harvey, wie in "Big Exit" oder "Man-size". Mal sehen, wie die Tour wird.

Mein Fazit: das beste PJ Harvey Album seit "Stories from the city, stories from the sea", daher Kaufempfehlung. Anspieltipp: "The Last Living Rose", "Let England Shake", "Written On The Forehead".
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Juli 2011
Ich weiß nicht, wie lange PJ Harvey schon Musik macht. In Bezug auf ihr musikalisches Schaffen bin ich ein echter Spätzünder. "Let England shake" ist das erste Album von ihr, das ich mir zugelegt habe. Aufgrund von Empfehlungen und Probehören war ich irgendwie davon angetan und habe mir das Album als MP3 runtergeladen.

"Let England shake" ist eine Abrechnung mit England, PJ Harvey singt von Krieg, Leid, Tod, Blut ... . Beim ersten Durchhören (wenn man noch nicht so auf die Texte achtet, sondern einfach die Musik wirken lässt) fällt dies nicht auf. Musikalisch klingen viele der Titel federleicht, manche gar beschwingt und fröhlich und so bildet die Musik einen starken Gegensatz zu den Texten und der Botschaft des Albums. Die Musik ist weitesgehend handgemacht und lebt größtenteils von schönen Klängen (Akustikgitarren, Klavier, Schlagzeug, Bläser...), Bässe und hektische Grundsounds sind praktisch nicht vorhanden. Bei vielen Titeln wird PJ Harvey von einem männlichen Gesangspart verstärkt, so dass man die meisten Titel als Duette bezeichnen kann.

Let England shake - Beschwingt beginnt das Album, herrlicher Sound der verspielt wirkt, Gitarren und Schlagzeug stehen dezent im Hintergrund. PJ's Stimme klingt großartig und die Melodie bleibt gleich hängen.

The last living rose - Mit Pauken, Schlagzeug und einem monotonen Gitarrenelement entsteht ein marschähnlicher Sound. Melodie und Stimme klingen anklagend, klar und deutlich singt PJ Harvey ihre Botschaft an beautiful England.

The glorious land - Relativ flott ist der Sound unterwegs, coole Gitarrenmelodie im Sound, eigentlich schon fast gut tanzbar. Die Abrechnung mit dem großartigem Land hat eine exzellende Melodie und groovt ordentlich. Auffällig sind die scheinbar zufällig eingestreuten Feldtrompetenklänge.

The words that maketh murder - Scheinbar leicht und beschwingt groovt dieser Titel, schöne Gitarren- und Bläserklänge im Sound. Auch hier wieder eine eingängige und exzellende Melodie, super gesungen. Textlich böse und traurig, Soldaten die durch Anweisungen zu Mördern werden.

All and everyone - Hier klingt's dann auch wie die Botschaft, düster und getragen. Die Gitarren sind plötzlich etwas bedrohlicher und lauter als bisher, gequälte Bläserklänge und langgezogene Orgelklänge tragen ebenfalls zur finsteren Stimmung bei. Die Melodie setzt sich aus Einzelteilen zusammen die scheinbar gegensetzlich klingen. Großartiger Titel, der allerdings etwas Zeit braucht um zu überzeugen.

On battleship hill - Das ist mein Albumhighlight. Der Sound schwebt locker und flockig beschwingt und reißt sofort mit. Erstaunt war ich über das gewaltige Stimmpotenzial der Sängerin beim einleitenden Gesangspart, der einfach wunderschön ist. Mit Ausnahme dieser Einleitung ist der Titel aus einem Fluss und von so außerordentlicher Schönheit, dass ich gar nicht aufhören kann von ihm zu schwärmen.

England - Etwas schräg und verschoben klingt "England". Der Song konzentriert sich auf den Gesang und die Stimme von PJ. Entsprechend minimalistisch ist der Sound, der nur aus Akustikgitarre und diversen Hintergrundgesängen besteht. Gegen Ende türmt sich der Titel zum Finale regelrecht auf.

In the dark places - Hier klingts wie ein klassischer Rock-Poptitel, schöner Sound mit diversen Einflüssen. Die Melodie plätschert ein wenig vor sich hin, bis beim Zwischenteil das große Erwachen kommt und der Song zu Höchstform aufläuft.

Bitter branches - Offensiver Gitarrenrock, der auf's Wesentliche beschränkt scheint. Besonders cool: Immer bevor es Miss Harvey richtig krachen lässt erklingt ein soundreduzierter ruhiger Part. Geil.

Hanging in the wire - Dieser Titel lebt von einer offensiven Klavierbegleitung und einem verträumten Schlagzeugsound. Stimmlich ruhen PJ Harvey und ihr männlicher Gegenpart in sich. Entspannend und schön.

Written on the forehead - Etwas befremdlich und entrückt klingt hier der Sound, sehr gewöhnungsbedürftig sind die Hintergrundgesänge die im Gegensatz zur Hauptmelodie stehen. Irgendwann singt PJ Harvey die Hintergrundmelodie mit und macht so aus dem Song eine Einheit. Schräg aber gut.

The colour of the earth - Song und Sound erinnern an eine vertonte Erzählung. Ein wenig erinnert mich dies an so manches Mittelalterfestival. Beindruckend ist die Steigerung des Sounds gegen Ende. The colour of blood is red.

Der größte Vorteil sind wohl die schönen, eingängigen Melodien der Titel. So fällt es leicht sich auf die Musik des Albums einzulassen. Zudem sind die Songs größtenteils relativ kurz gehalten (um 3 Minuten) und erhalten so eine angenehme und spritzige Kürze, endlose Refrains oder Instrumentalsessions sind Fehlanzeige.

Fast schaue ich ein wenig verschämt, dass ich diese großartige Sängerin erst jetzt für mich entdeckt habe, doch bekanntlich ist es nie zu spät für Neues. Nun gilt's für mich auch die anderen Werke von PJ Harvey kennenzulernen, ich bin schon gespannt, ob die Musik darauf ähnlich großartig ist. Von diesem Album bin ich jedenfalls durchweg begeistert und angetan.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Januar 2012
Als jemand, der zwar mit dem Frühwerk von PJ Harvey gut vertraut ist, habe ich ihren Output irgendwann um die Jahrtausendwende völlig aus den Augen verloren. In den letzten Monaten konnte man immer wieder Lobeshymnen auf "Let England Shake" lesen, also dachte ich: Vielleicht sollte ich ihr wieder mal eine Chance geben...

Ich habe danach ein paar Mal in dieses Album hineingehört, sei es auf Amazon, auf youtube, oder in Hörstationen bei Plattengeschäften. Und ständig ist mir nach wenigen Minuten der Geduldsfaden gerissen: Diese verhaltene aber trotzdem hohe Fistelstimme, die zurückgenommenen Arrangements und eher daherrumpelnden Lieder, der Mann-Frau-Zwiegesang... damit konnte ich so gar nichts anfangen.

Warum ich mir das Album dann letztlich doch gekauft habe? Gute Frage, es ist wohl einfach "passiert" (vermutlich haben mich die guten Rezensionen doch beeinflusst?).
Jedenfalls habe ich das Album erhalten, einmal durchgehört, und es hat mich völlig kalt gelassen. Dann, beim zweiten Durchgang, erkannte ich einen Großteil der Melodien und Texte wieder, und das Ganze fing an, irgendwie Sinn zu machen!
Inzwischen, nach wenigen Tagen, verfolgen mich der Sound und die Melodien bereits, ohne dass ich mir "Let England Shake" anhöre. PJ Harvey hat gemeinsam mit ihren langjährigen Compagnions (John Parish, Flood) wirklich ganze Arbeit geleistet!

Fazit:
+ Wer bereit ist, sich auf etwas einzulassen, wird reich belohnt werden!
- Wer auf der Suche nach der rohen Gewalt und donnernden Sounds der 90er PJ Harvey ist, sucht hier vergeblich. Hier passiert der "Horror" im Kopf!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. März 2011
The 1st World War as a theme for a rock album is a daring undertaking, not least because the artist could easily fall into the old musical clichés of angry folk anti-war songs.

Harvey plays well with the folk tradition, but with "Let England Shake" the theme is tackled with outstanding originality and eccentricity comparable to the genius of Kate Bush. The songs are ingeneously melodious and rythmical. Harvey's haunting voice blends well with the march-like pounding ryhthms setting the military context. We are reminded of tramping feet, advancing hardware and pulsating fearful hearts set back to life through the singer's tales which bring to the present events of the past.

The lyrics are well-conceived, simple, ironic and modern. The bugel-call in full battle lends realism to the scene and the deep saxophone backing chords drive Nyman-like drama into the songs.

This is what differs from so much war-themed music. Harvey's album is empathic scene-painting. It's more than story-telling. We relive the experience, emotions and cold death of unfolding events while questions are raised about Nation and belonging and the futility of international organizations. Something new and different. Highly recommended.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. März 2013
Let England Shake ist das 10. Album von Polly Jean Harvey. Die Fachzeitschrift Musikexpress wählte es zum Album des Jahres 2011. PJ Harvey bekam dafür zum zweiten Mal (nach 2001) den Mercury Music Prize verliehen.
Der Trompeter bläst zum Angriffssignal ins Horn, das Konzept-Album erzählt die Geschichte von England, besser Englands Kriege, von Tod, vom Untergang der Nation. P. J. Harvey erzählt auch von Landschaften mit Musik voller zeitloser Schönheit und Gewaltigkeit. Blues, Folk und Gitarrenrock der leiseren Töne, Melodie nach Melodie spenden letztendlich Hoffnung und Trost. Dabei ist P.J. Harveys typischer eindringlicher Gesang, der allerdings nicht im Vordergrund steht. Zwölf Songs erzählen eine altertümliche Geschichte. Unerreicht bleibt jedoch das 1995 erschienene Album To Bring You My Love. Aber es ist ein gutes, vielleicht sogar ein großes Album.

Meine Anspieltips sind Let England Shake, All And Everyone, On Battleship Hill, England, In The Dark Places, Hanging In The Wire, The Colour Of The Earth.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. August 2011
Ich kenne nicht viel von PJ Harvey, "Let England Shake" ist mein erstes Album von ihr und daher hab ich keine Vergleichsmöglichkeiten mit den anderen Alben. Ich hatte mir die CD wegen dem Song "The Glorios Land" gekauft und beim ersten Hören zu Hause hatte ich schon einen Fehlkauf befürchtet... Doch ich muss sagen, dass mir nach mehrmaligen Hören die Stücke wesentlich besser gefallen, besonders die Instrumentierung und der männliche Gegen-Gesangspart! Auch ihre Texte finde ich großartig. Allerdings finde ich ihre Stimme in manchen Songs noch immer sehr gewöhnungsbedürftig, weil sie so hoch und teilweise so gebrochen singt. Daher gibt es nur 4 Sterne. Alles in allem ein gutes Album, jedoch eher für Leute, die experimentelle Musik mögen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Februar 2011
Angenehm harmonisch, sphärisch und melodiös kommt PJ Harvey daher. Ob sie nun religiös geworden ist, wer weiß, jedenfalls hat es den Songs gut getan, diese in einer alten Kirche in England aufzunehmen. Der natürlich geschaffene Raum in den Liedern wird durch die Texte beeindruckend untermalt. Mein Vorredner hat hierzu schon alles auf den Punkt gebracht. Da ich ein Vinylomane bin, bin ich dieses Mal positiv überrascht, dass die die Pressung qualitativ hochwertig geworden ist, was man nun wirklich nicht bei den meisten Neuerscheinungen behaupten kann. Musikalisch, textlich absolut überzeugendes Album.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dem Kauf dieser CD lag bei mir ein seltener Anlass zugrunde, nämlich die hohen Platzierungen dieser Platte in den Jahresbestenlisten, beispielsweise der Platz 1 im Musikexpress. P. J. Harvey hatte ich seit ihrem "Stories from the city, Stories from the sea"-Album kaum mehr beachtet (obwohl das eine sehr gute Platte war), und ich dachte mir: Kaufst du dir, ohne einen Ton zu kennen (wollte mir nicht einmal auf YouTube was anhören), dieses Album. Bist du dann enttäuscht, kannst du ja Leserbriefe an den Musikexpress und an den deutschen Rolling Stone loslassen, und Hype-Vorwürfe machen, das wäre doch was.

Aber zu solchen Leserbriefen ist es nicht gekommen: Zwei Jahrzehnte nach ihrem ersten Erscheinen auf der Musikszene ist dieser Britin wohl wirklich ihr Meisterwerk gelungen. Zwölf Lieder rund um die jeweils zweieinhalb Minuten, die unter die Haut gehen. Texte, die einerseits an den guten alten Protestsong und an große Friedenslieder erinnern, andererseits aber jegliche Sentimentalität außen vor lassen, billiges Präsentieren von Feindbildern vermeiden und schließlich auch außerhalb der britischen Kriegsgeschichte nachvollziehbar sind, so sehr sie dieser Geschichte und dem damit zusammenhängenden Nationalbewusstsein auch verpflichtet sein mögen.

Und der Sound! Aufgenommen in einer Kirche, was diesem folkbetonten Akustik-Rock nicht nur jegliche Sterilität nimmt, sondern eine Atmosphäre gibt, die zwar nicht sakral, aber doch von einer starken Intimität bestimmt ist. Polly Jean Harveys schneidende Stimme bildet einen faszinierenden Kontrast zu den von Akustikgitarren, Keyboards und Drums geprägten Instrumentalsound, für den großteils John Parish und Mick Harvey (ja, der von Nick Cave's Bad Seeds) sorgen. Und wenn in "The Words That Maketh Murder" eine Zeile aus Eddie Cochran's "Summertime Blues" zitiert wird, dann geht es dabei, wie auch bei den anderen Zitaten aus sonstigen Musikstücken, um das Herstellen oder Verdeutlichen von Gegenwartsbezügen.

Eine schöne und faszinierende, wenn einen auch nachdenklich zurück lassende Platte, die lange Zeit Bestand haben wird, und das nicht nur wegen ihres - leider zeitlos gültigen - textlichen Inhalts.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. April 2011
Das Album hat mich wirklich umgehauen. Ich bin mit den älteren Alben von PJ Harvey nicht gut vertraut, deshalb kein Vergleich möglich.. aber die Songs auf Let England Shake haben eine Intensität, die man nur selten hört. Die Frau vereint eine umwerfende Stimme, Musikalität und tolles Songwriting.
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To Bring You My Love von Pj Harvey
EUR 5,59