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36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Epochenroman mit Ambition
Max wohnt in Amsterdam und ist Astronom, extrem ordentlich und ein notorischer Schürzenjäger. Sein Vater war ein deutscher Nazi und Kriegsverbrecher, der seine eigene Frau, Max Mutter, als Jüdin nach Auschwitz hat schicken lassen. Onno ist der exzentrische Spross einer großbürgerlichen Familie, beredt, geistreich, ein Sprachgenie und ebenso...
Veröffentlicht am 27. Mai 2004 von euripides50

versus
37 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle
Ich habe dieses Buch gern gelesen, es ist kurzweilig und spannend. Man wartet ständig auf neue, abrupte Hakenschläge in der Handlung. Alles kann jederzeit passieren. Wenn wir uns ehrlich sind, ist es auch im wirklichen Leben so. Beinahe grausam zerstört Mulisch die Illusion, das Leben könnte ein langer ruhiger Fluß sein. Zynisch sind die Spiele,...
Veröffentlicht am 1. Oktober 2002 von Michael Bukoschegg


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36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Epochenroman mit Ambition, 27. Mai 2004
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Max wohnt in Amsterdam und ist Astronom, extrem ordentlich und ein notorischer Schürzenjäger. Sein Vater war ein deutscher Nazi und Kriegsverbrecher, der seine eigene Frau, Max Mutter, als Jüdin nach Auschwitz hat schicken lassen. Onno ist der exzentrische Spross einer großbürgerlichen Familie, beredt, geistreich, ein Sprachgenie und ebenso unförmig wie unordentlich. . Beide laufen sich zufällig über den Weg und schließen miteinander die Freundschaft ihres Lebens, die auch durch die gemeinsame Liebe zur schönen Ada, der Tochter eines Anitquariatshändlers, nicht beeinträchtigt wird. Von wem Quinten, der rätselhafte Sohn Adas ist, von Max oder von Onno bleibt so lange unklar, bis Ada nach einem Verkehrsunfall ins Koma fällt und siebzehn Jahre lang als menschliche Pflanze dahinvegetiert, eine Zeit, in der Max zusammen mit Adas Mutter, der rätselhaften Sophie, den kleinen Quinten aufzieht, während der agile Onno in der niederländischen Politik aufsteigt und Karriere macht, ehe er nach einem weiteren Schicksalsschlag verschwindet. Der sechszehnjährige Quinten, der im Stile früherer Bildungsreisen durch Italien vagabundiert, aber findet seinen verschwundenen Vater in Rom, wo sie sich die beiden zusammen tun und nicht nur die Wunder der Renaissance sondern auch die Originaltontafeldoukmente der Zehn Gebote entdecken, rauben und mit ihnen nach Jerusalem fliehen, wo Quinten nun seinerseits auf Nimmerwiedersehen verschwindet. So weit, so ungenau. Denn der Reiz dieses 800 Seiten-Romans erschließt sich nicht durch die Handlungsführung, sondern durch unzählige meisterhafte Miniaturen und Detailschilderungen, am Anfang auch in einer umwerfenden Situationskomik, in der Mulisch den selbstverliebten Sechziger und Siebziger Jahren einen Narrenspiegel vorhält. Die holländische Linksszene inklusive einem Auftritt von Rudi Dutschke, eine Agitpropveranstaltung auf Kuba, in der die naive Che- und Castrobegeisterung der damaligen Jugend nachbebt, die Niederlande als ein Zoo der Exzentriker, diese und andere Thematiken bieten Mulisch Gelegenheit, sich als Epiker und Erzähler der Sonderklasse auszuweisen. Je weiter man liest, desto mehr wird das Buch zu einem Zeitroman, in dem man wie in einem Meer versinken kann, auch wenn die Erziehungsgeschichte des keinen Quinten im zweiten Teil etwas langatmig wirkt und das Buch am Ende mit der Suche nach den Originaltafeln der Zehn Gebote einen starken Schlag ins Fabulöse erhält. Auch die Intermezzi, in der sich höhere Wesen über die Romangfiguren auf der Erde unterhalten, haben bestenfalls etwas Befremdliches - offenbar hatte der Autor eine noch viel weitergehende Komposition vor Augen, eine Art Faustepos des 20. Jahrhunderts, in dem gleich drei Romane verborgen sind: ein Erziehungsroman, ein Freundschaftsroman und ein Liebesroman. Keines dieser Motive prägt den Roman als Ganzes, alle stehen nebeneinander, mitunter nur durch eine hier und da etwas willkürliche Handlungsführung vereinigt. Alles in allem ein gewaltiger Torso mit allerdings mehr brillanten Passagen als viele andere berühmte Romane. Ein Buch, das zuerst verzaubert, dann befremdet und am Ende etwas irritiert.
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57 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man lese und staune, 4. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Wäre es nicht "Die Entdeckung des Himmels" gewesen - ich hätte das Buch schnell weggelegt ohne es zu Ende gelesen zu haben: Ein Meterorit, der exakt einen Menschen trifft und ihn in Staub auflöst? Menschen, die sich zufällig irgendwo auf der Welt wiedertreffen ohne jeglichen Hinweis auf den Aufenthaltsort des anderen? Unsinn. Zu viele Zufälle. Schlecht komponiert, wenig durchdacht, weglegen.
"Die Entdeckung des Himmels" darf das, darf alles und noch viel mehr. Schließlich sind die Götter im Spiel, oder nein, nicht die Götter, sagen wir Wesen, die über dem Menschen stehen, sich aber wie Menschen verhalten - und alle Zufälle zu etwas Vorherbestimmten machen. Was für ein genialer Schachzug des Autors!
Selten habe ich so eine aufs Beste konstruierte Story gelesen, geschrieben von der Hand eines Meisters seines Faches: Eine Geschichte, die nur so strotzt von Lebendigkeit und tiefen Einsichten in das Leben, eine Geschichte, in der man sich sicher ist, dass sie irgendwann passiert ist, dass die Charaktere in ihrer feingliedrigen Charakterisierung, mit ihren ganzen Marotten und Fehlern real existieren und dir irgendwo bestimmt einmal über den Weg laufen werden.
Aber "Die Entdeckung des Himmels" ist weit mehr als ein in allen Facetten hochwertiges literarischer Werk, das man eben mal gelesen hat. Diesen Roman werde ich nicht vergessen, er wird mich begleiten und immer wieder von mir zur Hand genommen werden.
Man lese und staune.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gott hat also doch einen Plan. Nur leider kaum kompetentes Personal., 10. September 2007
Von 
Apicula "Biene" (Apiculis) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (#1 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Audio CD)
Harry Mulischs gleichnamiges Buch musste ich zwei Mal lesen um zu verstehen, was Cherubin seinem Engel da für ein Unterfangen in Auftrag gab. (Sie, liebe interessierte Hörspielfreunde haben es da einfacher, denn der Inhalt ist ohne Umschweife im Klappentext nachzulesen. )

"Die Endeckung des Himmels" handelt - grob gesagt - davon, dass Gott die Faxen dick hat mit diesen verflixt umtriebigen Menschen. Darum möchte er die in Stein gemeißelten Zehn Gebote zurückhaben, die er dem guten Moses seinerzeit anvertraut hat. Ein Engel heckt dann einen - wie er wohl findet - zeitgemäßen, wie unterhaltsamen Plan aus. Einer ménage à trois (Onno + Anna + Max) entstammt schließlich der Spross, der die verlustig gegangenen Gesetzestafeln finden soll; sein Name ist Quinten Quist. Er hat zwei Väter und eine Mutter, die allerdings noch vor seiner Geburt verunglückt. Zudem ist der außergewöhnliche Junge blitzgescheit und gebildet bis in die letzte Hirnwindung. Schließlich findet auch der Engel, dass er da den perfekten Kandidaten kreiert hat. Schließlich bestätigen sich aber Vorurteile, die man bezüglich Überheblichkeit hegt.

Das Hörspiel "Die Entdeckung des Himmels", ist eine mordsmäßig gut gelungene, intelligente und unterhaltsame Umsetzung von Harry Mulischs Roman. Die Besetzung mit namhaften Stimmen wie Udo Samel (Engel), Jochen Striebeck (Cherubin), Christian Baumann (Onno Quist), Jaques Breuer (Max Delius), Lisa Wagner (Ada Brons) ... ist eine klanghafte Komposition für sich, die bei genauem Hinhören ihre betörende Wirkung entfaltet.
Schade nur, dass die Reise auf die uns die Hörspiel-Bearbeiterin (Valerie Stiegele) da mitgenommen hat, nach zirka 130 Minuten schon zu Ende ist. - Macht nix, das darf man sich auch öfter anhören und vielleicht neue Facetten an der von Ironie und Hintersinn strotzenden Geschichte entdecken und sich davon berauschen lassen.

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auf meiner persönlichen Horchlatte: *****
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein unangefochtenes Lieblingsbuch, 21. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
"Die Entdeckung des Himmels" erzählt vom prallen satten Leben mit all seinen Lichtern und Schatten.

Harry Mulisch zeichnet darin zahlreiche, einzigartige Charaktere, die vor dem lesenden Auge lebendig werden. Einzelne Charakterzüge, isolierte Merkmale, begegnen uns vielleicht in der einen oder anderen Person in unserem Leben und wirken vertraut. Aber in ihrer Einmaligkeit und Zusammensetzung sind sie eine vollkommene Mulisch`sche NeuSCHÖPFUNG und ich bin glücklich, sie über Mulisch kennen zu lernen und habe zugleich das Gefühl, sie schon lange zu kennen. Anderseits bin ich traurig, dass sie mir in meinem echten Leben nicht begegnet sind und niemals begegnen werden.

Zum Beispiel Onno:
Onno ist stets ganz im Hier und Jetzt und das ausschließlich. Onno liebt Wort und Schrift. Er ist fasziniert vom geschriebenen Wort längst vergangener Kulturen, er liebt Hieroglyphen, seine Arbeit macht ihn glücklich und lässt ihn nicht los. Onno befindet sich permanent in einer Schaffensphase oder einer Schaffenskrise, die alles dominiert, seinen Alltag, seine Beziehungen und sein vernachlässigtes Äußeres. Sprachen und Schriften sind sein Leben. Onno beherrscht aber auch das gesprochene Wort. Er ist ein begnadeter Rhetoriker und es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Dieses Talent befähigt ihn nicht nur zum eigenbrötlerischen Forscherdasein, sondern auch zum Politiker. Seine familiale Herkunft, seine übergroße, allmächtige, weit verzweigte Verwandtschaft, sein Standesbewusstsein und die sich daraus ergebenden (beruflichen) Möglichkeiten durch Netzwerke unterstützen seine politische Karriere. Aber wer weiß - vielleicht sind Aufstieg und Fall seiner Forscher- und Politiker-Karriere nur Teil eines göttlichen Plans?

So sehr Onno Wort und Schrift bewegen, so emotionslos bleibt er beim Musikhören. Ganz anders Ada, die Cellistin. Ada ist zunächst in Max verliebt und später in Onno und mit beiden nacheinander zusammen. Ihre konzentrierte Art, Musik zu machen, erinnert an ihre reflektierte Art, Beziehungen zu leben und zu beenden, wenn es für sie an der Zeit ist. Ihr Kinderwunsch um des Kindes, und nicht um der Beziehung willen, sind Ada ` sche Charakterzüge, aber wer weiß - vielleicht ist dieser Kinderwunsch nur Teil eines göttlichen Plans?

Max ist ein erfolgreicher, ehrgeiziger und leidenschaftlicher Astronom und Onnos bester Freund. Im Unterschied zu Onno ist Max heimat-, beziehungs- und familienlos. Er lebt mit dem Gefühl, als einziger von der Familie - letztlich infolge des Holocausts - übrig geblieben zu sein und kann dauerhafte Beziehungen am besten dann leben, wenn sie keinen gemeinsamen Alltag haben. Das erklärt seine vielen kurzen Frauenaffären. Max ist stets gerührt und bewegt beim Hören von Musik, das wiederum erklärt seine Liebe zu Ada, aber wer weiß - vielleicht ist diese Liebe nur Teil eines göttlichen Plans?

Mulischs gesamtes Werk ist durchzogen von einem permanenten Zusammentreffen des Jetzt - Früher und Morgen. Diese Gleichzeitigkeit der Zeiten spiegelt sich in jedem einzelnen Protagonisten wider: besonders in Max, aber auch in Quinten, von dem wir Lesende - im Unterschied zu seinen beiden Vätern Onno und Max - wissen, wer der "Leibliche" ist und bei dem wir schon vor seiner Geburt ahnen, dass große Aufgaben auf ihn warten. Das Göttliche, die Metaebene, schwingt permanent mit und schaut aus dem JETZT heraus von oben auf uns, auf die Gegenwart. Die Pro- und Epiloge, die Intermezzi, die Perspektive des himmlischen "Chefs" und seines Assistenten sind literarische Kunstgriffe, die uns immer wieder der Gegenwart entreißen und eine Draufsicht auf die Ereignisse ermöglichen, inklusive Rückblenden und Ausblicken.

Das Buch fasziniert und macht ein bisschen neidisch auf die Freundschaft zwischen Onno und Max und auf die niederländische Lebensweise. Manchem Kind wäre zu wünschen, dass es in einem nur halb so anregenden Umfeld groß wird, wie Quinten. In einem Mehrgenerationen-Schloss auf dem Lande wächst Quinten mit Adas Mutter und Max auf. Verteilt auf mehrere Etagen und Wohntrakte leben dort die inspirierendsten Individualisten dieser Welt unter einem Dach, die es verstehen, ihrem Leben eine inhaltliche Bedeutung, ein Thema zu geben, die leidenschaftlich ihren jeweiligen, ganz unterschiedlichen Aufgaben nachgehen und ihr gemeinsames Leben in Schloss und Hof in respektvollem, wohltuend distanziertem Mit- oder Nebeneinander teilen, in gemeinschaftlicher aber nicht einengender Weise. Und der Mittelpunkt allen Schlosslebens ist Quinten, der von allen erzogen wird und der seinerseits alle erzieht.

Auch unabhängig von der konkreten Rahmenhandlung ist Mulischs Himmel ein Lesegenuss. Gespickt mit zahlreichen Essays, Nebensträngen und Seitenarmen erfahren wir ganz nebenbei etwas über alte Sprachen, Astronomie, Theologie, Architektur- und Kunstgeschichte und setzen uns mit den Themen Euthanasie, der Rolle Kubas in der 68-er Bewegung oder der Quantentheorie auseinander. Diese Exkurse sind für sich genommen literarische und intellektuelle Höhepunkte. All das macht den "Himmel" in meinen Augen zu einem literarischen Meisterwerk der Gegenwart und seit vielen Jahren zu einem meiner unangefochtenen Lieblingsbücher.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Himmlisch, 15. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Über den Inhalt des Romans wurde hier ja bereits schon genug geschrieben.
Zur Bewertung ist nur so viel sagen: es ist einer der besten Romane die ich je gelesen habe. Eine sehr konstruierte und unglaubliche Story und gleichzeitig sehr gut und glaubhaft erzählt; einfach himmlisch. Regt zum Nachdenken an. Sehr zu empfehlen, man muss es einfach gelesen haben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Epos zum Hirngespinst, 3. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Angesteckt von einigen Lobeshymnen habe auch ich mich an die ,Entdeckung' gemacht. Vorab muss ich sagen, dass das Buch aller Einwände zum Trotz gut und flüssig lesbar ist - sperrig oder wirklich schwierig fand ich es nicht.

Dennoch habe ich mich nach den circa 900 Seiten gefragt, wozu das Ganze gut sein soll. Das Buch beginnt brillant, wie ein episches Zeitengemälde im Stil von Pasternak oder Tolstoi. Dazu kommt die amüsante Geschichte zweier exotischer Paradiesvögel, die sich eng anfreunden und zusammen durch eben diese Zeitwirren der 60er und 70er stolpern. Der Eine - Onno - erscheint dabei deutlich menschlicher, ja plastischer, als der eher blasse, introvertierte Gigolo Max. Die geistreichen Gespräche der Beiden und die turbulenten Ereignisse der Zeit - Studentenrevolte, Kubakrise und kalter Krieg, Holocaust und die Folgen in Holland - geben mehr als genug Stoff für ein intensives, unterhaltsames Lesevergnügen ab. Hinzu kommt ein durch zwei Erzähler aus dem ,off' geschickt angelegter Spannungsbogen, der auf einen höheren Sinn und Zweck hindeutet.

Genau dieser Sinn und Zweck kommt dem Buch aber - leider!!! - nach dem ersten Teil abhanden: Über knapp 400 Seiten wird dann nichts als Reifung und Erziehung des Nachwuchses erzählt, der eben diesen höheren Auftrag der beiden Erzähler erfüllen soll. Hier stellt sich der Junge als zwar introvertiert und eigenartig aber auch extrem intelligent, begabt, wissbegierig und später gebildet heraus. So wichtig diese Eigenschaften auch für den Fortgang der Handlung sind - über weite Teile der 400 Seiten wird eben nur diese Bildung und Entwicklung anhand zahlloser Beispiele und Episoden geschildert, die leider nicht so originell und farbig sind, wie die im ersten Teil. Diese beiden Mittelteile des Romans sind meines Erachtens recht blass ausgefallen - zwar macht Mulisch etliche Statements zum Thema Holocaust, Religion und verhandelt philosophische Fragen. Der Handlung dient dies aber nur bedingt und führt früher oder später zum Überlesen. Auch die detailverliebten Passagen, in denen architektonische oder historische bzw. religiöse Entwicklungen zerpflückt werden sind nur für Fachleute interessant.

Achtung vor dem Weiterlesen: Spoiler!

Im vierten Teil des Buchs nimmt die Geschichte dann endlich wieder Fahrt auf: Besagter Nachwuchs namens Quinten zieht aus um seinen untergetauchten Vater zu suchen. Er macht diverse Erfahrungen mit der rauen Wirklichkeit, bevor er völlig zufällig seinen Vater wieder findet. Inspiriert von dessen Exkursen zu Christen- und Judentum macht er sich auf die aus meiner Sicht völlig absurde Suche nach den beiden Gesetzestafeln Moses', die aus Rom zu stehlen und zurückzubringen (wohin auch immer) sind.
Im weiteren wird dieser Plan ausgeführt, gelingt auf mystische oder auch irreale Art und Weise und die Hauptgestalten des Epos verlöschen.

Dass die Handlung des Romans extrem konstruiert wirkt mag man Mulisch noch nachsehen, immerhin liefert er ja einen ,plausiblen' Grund dafür, den höheren Auftrag. Warum er aber über 400 Seiten lang auf der Stelle tritt und auch im letzten Teil mehr Religionsphilosophie betreibt als sich Handlung und Protagonisten zu widmen bleibt schleierhaft. Mit Ausnahme von Onno bleiben alle Protagonisten blass und wirken nicht immer glaubwürdig - etwa der völlig weltabgewandte, introvertierte Träumer Max, der zum Womanizer wird so wie ein Werwolf an Vollmond. Quinten, das höhere, ätherische Wesen ist ein hochbegabtes hyperintelligentes Wunderkind, das in seiner Neunmalklugheit und störrischen Eigenbrötlerei so nervig wirkt wie die ganzen Wunderkinder in Hollywoodfilmen. George Lucas und Steven Spielberg lassen hier grüßen.
Warum nur hat Mulisch seinen Ansatz nach dem ersten Teil so geändert? Bis dahin war es eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen hatte. Doch dann diese unnützen Suaden zu Themen verschiedenster Art, seitenlanger Stillstand in der Handlung, der vollkommen phantastische Schlussteil... ewig schade drum! Weniger wäre hier in der Tat mehr gewesen.
Dennoch gebe ich hier gute 4 Punkte, da ich Idee und Schreibstil des Autors einfach sehr mag und mir einige der Exkurse auch ganz gut gefallen haben. Der Leser sollte aber wissen, was er tut, oder sich hiermit antut...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krude Mischung aus Wirklichem und Erdachten, 24. Oktober 2008
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Mulisch hat in diesem Buch zu einem großen Wurf ausgeholt, der Roman ist kühn konstruiert und entfaltet ein üppiges Panorama der geistigen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den Niederlanden und der westlichen Welt der späten sechziger Jahre bis fast zum Jahrtausendende. Der Autor schildert nicht nur eindringlich sehr merkwürdige und interessante Menschen und Verhältnisse, sondern neigt auch zu teilweise wilden metaphysischen, philosophischen und wissenschaftlichen Spekulationen, die auch die Struktur des Romans bilden und ihn nicht wenig befrachten. Zur Struktur: Zwei himmlische Wesen, so etwas wie Engel, unterhalten sich in einer Rahmenhandlung, wobei der hierarchisch etwas tiefer stehende dem etwas höher stehenden berichten muss, was er in der Menschenwelt alles angestellt hat, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: Er brauchte einen reinen Menschen, der die 10 Gebote, die Gott einst Moses und damit den Menschen übergeben hatte, wieder zurück in den Himmel holte. Denn nach Ansicht der Himmlischen ist die gesamte Menschheit der Verdammnis preisgegeben, weil sie mit der Entwicklung der empirischen Wissenschaft einen Pakt mit Luzifer eingegangen ist - die Menschen wollen gottgleich werden und haben den Pakt mit Gott vergessen.
Die Schilderung der Menschen und der Realität geht unter die Haut, man merkt: dies ist erlebtes Leben. In der Tat zeigt einem ein Blick in die Biografie des Autors sehr schnell, wieviel eigenes Lebensmaterial er in den Roman gepackt hat. Wie Max, der Astronom und Don Juan im Roman, war Mulisch ein Frauenheld und neigt zu wissenschaftlichen Spekulationen auf eigene Faust. Wie Max hat Mulisch eine jüdische Mutter und einen Vater von österreichischer Herkunft, der sich im Krieg von seiner Frau und seinem kleinen Sohn trennte und damit, so liest man, die beiden vor dem sicheren Tod rettete. Im Roman wird dieses Verhalten des Vaters allerdings als Verrat ausgelegt und Max muss sich in quälender Weise mit der Nazizeit beschäftigen. Wie Max und Onno, der exzentrische Spross aus einer kalvinistischen Politikerfamilie, im Roman unzertrennliche Freunde und Geistesverwandte sind, so gab es auch in Mulischs Leben eine solche intensive Freundschaft, und wie Quinten, der erwählte Junge im Roman, der die Gesetzestafeln in Rom aufspürt und in einer Traumszene nach Jerusalem auf den Tempelberg in den Felsendom zurückbringt, so war wohl auch Mulisch ein ähnlich hochbegabter, ungewöhnlicher Junge. Die Menschen selbst und ihre Beziehungen sind, wie gesagt, hochinteressant, die geistvollen und gebildeten Gespräche zwischen ihnen und Reflexionen sind immer mit Gewinn zu lesen, egal ob es um die Themen Willensfreiheit, das Phänomen der Macht oder einen naturwissenschaftlichen Gottesbeweis geht, wir hören durchweg die Stimme eines engagierten und menschlich fühlenden Autors, aber die zunehmende Fantastik im Roman ist dann schon eine Zumutung.
Wie Quinten Moses' Gesetzestafeln in Rom aufspürt und mit seinem Vater Onno klaut, das ist der reinste Architekturkrimi - wenn es so etwas gibt - und im Stil eines trivialen Karl-May-Schmökers geschrieben. Die Szene, in der der Junge die Tafeln zurückbringt und dem Irdischen entrückt wird, artet in eine Art Fantasy-Story aus. Das mag man alles durchaus goutieren, aber es ist schon insgesamt eine etwas krude Mischung aus Wirklichem und Erdachtem. Auch in der Schilderung der wirklichen Ereignisse ist Mulisch nicht zimperlich und durchaus unverfroren: Die Geliebte der beiden Freunde, Ada, wird just in dem Moment von einem Baum erschlagen, als es dem Autor in den Kram passt, oder Max wird sang- und klanglos gewissermaßen weggeräumt, indem er von einem Meteoriten erschlagen wird (- kann ja sein, oder?). Und Quinten wird nachts mit den Schlössern vor dem Altar, unter dem die Tafeln seit Hunderten von Jahren versteckt ruhen, mit Hilfe einiger Dietriche mit der gleichen traumhaften Sicherheit fertig, wie Old Shatterhand mit irgendwelchen Problemen. Aber dennoch, es lohnt sich, sich durch die 800 Seiten zu ackern, und gibt es Durstrecken in diesem Buch, so gibt es darin auch genug zu trinken.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligente und spannende Erzählung, 25. Oktober 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Das Buch schlug alle meine Erwartungen. Ich kann mich nicht entsinnen, in letzter Zeit so "gefesselt" gelesen zu haben. Die intelligenten Dialoge, die etwas spinnerten Handlungen und die spannende Erzählweise haben mich total begeistert. Von mir dringend empfohlen, wenn die Literatur etwas anspruchsvoller, aber nicht ganz ernst sein soll - eines der wenigen Bücher, die ich mehrmals lesen werde
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für jeden auf andere Weise persönlich, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Dieses Buch ist einmalig. Ich kann es keinem Genre zuordnen, es ist philosophisch, ein oberflächlicher Liebesroman, eine tiefgehende Freundschaftsgeschichte, oft spannend wie ein Krimi. Die Protagonisten stellen Fragen an das Leben, die jeder Leser ganz für sich selber beantworten kann. Der Autor provoziert, aber man kann als Leser selber entscheiden ob man darauf eingeht.

In anderen Rezensionen wurde bemängelt, es werde zu sehr mit Stereotypen gearbeitet- natürlich ist das so! Aber wer genau hinliest, erkennt auch die Kritik an der Kategorisierung von Menschen.
Die Handlungsstränge verlaufen plump, die rethorischen Mittel sind nicht fein genug? Genau darum geht es doch, die vermeintliche Fremdbestimmung der Menschen wird durch die Protagonisten so plump missachtet dass dem Himmel nix anderes übrig bleibt als Steine und Bäume vom Himmel zu werfen.

Wer dieses Buch liest sollte seine eigene philosophische Denkweise nicht zwischen sich und die Geschichte stellen, sondern im bottom- uo und top- down Schema vorgehen: Sein Wissen mit dem des Buchen ergänzen, das Wissen des Buches mit dem eigenen verknüpfen, und so für sich ganz persönlich als Leser dieses Buch zum individuellen Meisterwerk machen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eins der besten Bücher, dass ich jemals gelesen habe, 17. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Entdeckung des Himmels (Taschenbuch)
Harry Mullischs "Die Entdeckung des Himmels" ist mehr als nur ein Roman. Es ist eine Anfüllung von Wissen und Einsichten des Autors. Wenn ich recht informiert bin, hat er auch fast ein Jahrzehnt daran geschrieben. Es ist schwer die Handlung zu beschreiben, denn zwar ist sie ohnefragen wichtig, doch geht es mehr um die kleinen Entdeckungen, die man während des Lesens macht zur Linguistik, zur Architektur, zur Musik, zur Kunst.

Zum Inhalt:

Eine Dreierkonstellation aus Max, Ono und Ada führt zu einem Kind. Dieses hat die Aufgabe Gottes Werk zu vollbringen (was das genau ist, möchte ich hier nicht erfahren).

Ich kann nur jedem empfehlen sich die Muse zu gönnen und es zu lesen.
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