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am 24. Dezember 2006
Regina Resnik, eine jüdische US-Amerikanerin, machte weltweit Karriere und war bis in die 70-er Jahre hinein als Mezzosopran aktiv. In ihrer Glanzzeit galt sie als die erste Wahl für die Rolle der Carmen, aber auch für andere Partien. Sie strahlte eine besondere Energie aus und verfügte über eine enorme Ausdruckskraft. In ihrer stimmlichen Klangfülle stand sie ihren skandinavischen Kolleginnen Astrid Varnay und Birgit Nilsson in nichts nach. Als Carmen zeigte sie bei dieser Aufnahme eine Stimme von sinnlicher Schönheit. Ihr Temperament ist schier überwältigend. Sie ist die leibhaftige Carmen. Zu statten kam ihr auch ihr berückend attraktives Aussehen. Fraglos verband sie Aussehen und Stimme zu einer Idealfigur der Carmen. So lagen ihre beispielsweise die Franzosen zu Füßen. Der berühmte Maler Bernard Buffet bemalte vor Begeisterung eigenhändig alle Kulissen für die Auftritte der Resnik als Carmen. Wer gern die Joan Sutherland mit süßer Stimme hört,wird über ihre Micaela mit perfektem Schönklang bei dieser Aufnahme begeistert sein. Den "Don Jose" singt Mario del Monaco ohne irgendwelche Abnutzungserscheinungen seiner Stimme: Man könnte meinen, die Aufnahme sei bereits in den 50-iger Jahren im Zenit seiner Leistungen entstanden.

Die Partie des Don Jose` war eine Paraderolle von Mario del Monaco auf allen Bühnen der Welt. Bei seinem ersten Auftritt in Moskau 1959 riss er das russische Publikum zu frenetischen Jubelstürmen hin. Er musste unter einer Polizeieskorte über den Roten Platz zum Hotel gebracht werden. Das Publikum folgte ihm begeistert. Gerührt sang er vom Hotelbalkon aus über den Roten Platz das O sole mio, ohne elektronische Unterstützung versteht sich (ein anderer Kollege hätte krampfhaft nach einem Mikro und einer großen Übertragungsanlage gesucht). Eine Aufzeichnung des russischen Fernsehens mit Ausschnitten der Aufführung ist auf Video erhältlich. Aber auch an der Met sang er mehrmals den Don Jose` mit anderen Superstars, wie Rise Stevens und Fedora Barbieri (mit der bezaubernden Hilde Güden als Micaela). Rise Stevens hatte ernsthafte Angst um ihr Leben, wenn Mario del Monaco mit dem Messer vor ihr herumfuchtelte, und veranlasste Rudolf Bing, das echte Messer gegen ein Gummimesser auszutauschen.

Über ein menschlich anrührendes Erlebnis kann auch berichtet werden, als del Monaco in Spanien den Don Jose` singen sollte und ihn die Nachricht vom Ableben seines Vaters ereilte. Mario del Monaco war die Zugnummer des Abends, eine Absage wäre daher katastrophal gewesen. Er sagte seine Partie nicht ab und zeigte einen glänzenden Don Jose`. Sein menschliches und kollegiales Verständnis bedankten die Kolleginnen und Kollegen damit, dass sie anderntags das Requiem von Giuseppe Verdi darboten. Den Escamillo singt Tom Krause ebenso hinreißend, wie alle anderen Mitwirkenden ihre Partien. Allein schon die Interpretation unter dem Dirigat von Sir Thomas Schippers lässt alle anderen Aufnahmen blass zurück. Das Tempo ist ideal gewählt und keineswegs etwa überhastet. Auch Chor und Kinderchor sind eine musikalische Augenweide. Die Klangtechnik zeichnet sich durch herrliche und weiträumige Akustik aus und wird selbst von heutigen Aufnahmen nicht erreicht, im Gegensatz zu diesen wirkt die musikalische Ansprache direkt und kernig.
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am 22. Mai 2001
Wer Carmen liebt, liebt diese CD-Ausgabe. Mit weniger als einer Gesamtausgabe sollte sich bei diesem Werk keiner zufrieden geben. Und es erscheint ebenfalls als ein Muss, das Werk in seiner Originalsprache zu geniessen. George Bizet bringt ohnehin die Charaktere und den Ort des Geschehens schon perfekt in Szene. Aber diese Aufnahme der Deutschen Oper Berlin in Kombination mit dem großartigen Lorin Maazel erspart einem beinahe das Bühnenbild; viel zu eindrucksvoll ist der Hörgenuss. Abgesehen von einigen zu zügig interpretierten Passagen (etwa die Ouvertüre oder die Fanfare des „Avec la garde montante“, die ein wenig Hektik induzieren mögen) baut sich das Gefühl auf, Sänger und Bühne vor sich sehen zu können. Mit dem enthaltenen kompletten Libretto auf Französisch kommt auch der Sprachliebhaber auf seine Kosten. Eine Komplettaufnahme in der Originalsprache, interpretiert von einem Ensemble und Dirigenten dieser Kategorie, ist für diesen Preis selten zu bekommen. Amazon bietet hier ein optimales Musikerlebnis für einen fast zu geringen Preis!
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TOP 500 REZENSENTam 5. April 2008
Von kaum einer Oper gibt es so viele Aufnahmen wie von Carmen. Die meisten davon haben aber leider Hauptdarstellerinnen, die vor allem wegen ihres Aussehens oder ihrer Popularität zu der Rolle gekommen sind, ohne sie wirklich zu kennen oder stimmlich zu beherrschen.

Regina Resnik dagegen war eine Carmen mit großer Bühnenerfahrung, die man hier in jedem Ton hört. Wie sie hier artikuliert und phrasiert, ist von unübertroffener Eleganz und Genauigkeit und trotzdem unheimlich ausdrucksvoll.

Allerdings ist sie von der reinen Stimmqualität nicht mehr in absoluter Toppform: Die Sängerin hatte ihre internationale Karriere 1944 an der Metropolitan Opera in New York als Sopranistin begonnen, u. a. bei den Bayreuther Festspielen 1953 die Sieglinde gesungen. Erst 1955 wechselte sie ins Mezzofach und ihre späteren Aufnahmen zeigen, dass dies nicht ganz freiwillig geschah: Ihre Stimme ist von einer gewissen Rauheit, die im Prinzip gut zur Carmen passt. Die höheren Töne flackern allerdings ziemlich, und die Register fallen stark auseinander, vergleichbar mit späten Callas-Aufnahmen.

Trotzdem: Die Amerikanerin ist eine der wenigen stilecht "französischen" Carmen-Darstellerinnen und überzeugt mich insgesamt sehr.

Joan Sutherland reiht sich nahtlos in die lange Reihe der absoluten Luxusbesetzungen der Micaela ein (Freni, te Kanawa, Gheorgiu ...), Tom Krause ist ein kraftvoller, ausdrucksvoller Escamillo, und auch die Nebenrollen lassen keine Wünsche offen.

Damit bleibt noch der Don José von Mario del Monaco, der mich positiv überrascht hat: Gerade angesichts des Aufnahmedatums (1963) klingt seine Stimme ausgesprochen frisch und gesund. Er bemüht sich sogar um von ihm ganz ungewohnte leisere Töne und wird von Resnik zu einer recht sensiblen Interpretation angestachelt. Einzig seine starken Vokalverfärbungen ("La Fläär quä tie m'avais jätäääe") stören etwas - trotzdem eine seiner überzeugenderen Aufnahmen.

Das Orchestre de la Suisse Romande begleitet präzise und lebendig, der amerikanische Dirigent Thomas Schippers wählt sehr frische Tempi und einen schlanken Ton, vermeidet damit Spanien-Klischees. Zusammen mit Resnik und dem weitgehend frankophonen Ensemble zeigt er, dass Carmen eben keine spanische, sondern die französische Oper überhaupt ist.

Insgesamt also gehört diese Carmen zu den guten, der zur absoluten Spitze - Beecham mit der wunderbaren de los Angeles, Solti mit der überwältigen Troyanos - allenfalls etwas stimmlicher Glanz bei der Carmen fehlt - und Nicolai Gedda oder Placido Domingo als noch bessere Josés.
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am 28. Oktober 2011
Gegenüber der Aufnahmen von Beecham und Solti machen es hier die Details, die vermutlich auf Schippers zurückgehen. Mir gefällt deshalb diese Aufnahme hier besonders. Ein manchmal fest bzw. stringent spielendes Orchester oder die zum Teil deutlich hörbar tanzenden Füße (anstelle von Kastagnetten) usw. machen es eben. Einfach toll gemacht. Wegen der schönen Details gebührt dieser Aufnahme ein ehrender Platz.
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am 20. März 2014
Die Oper CARMEN gehört zu den beliebtesten und meistaufgeführten Werken des Opernrepertoires. Wie sehr Geschmacksvorstellung den Blick auf den Rang eines Musikwerks verstellen können, zeigt bereits der Umstand, dass die Uraufführung im Jahr 1875 kein voller Erfolg war, weil die veristische Handlung als zu extrem empfunden wurde. Den anhaltenden Welterfolg konnte Bizet nicht mehr erleben. Obwohl Carmen formal zur Gattung der „opéra comique“ zählt, vollzog Bizet mit ihr einen radikalen oder sogar revolutionären Bruch, so dass diese Oper auch als Vorläufer des Verismo angesehen wird.
Realismus in der Schilderung des Milieus, hochdramatischen Spannungselemente und das tragische Schicksal bilden die tragenden Säulen mit veristischer Entsprechung.

Obwohl Regina Resnik im Zeitpunkt der Aufnahme (1963) bereits in die Jahre gekommen war, galt sie bis in die 70-er Jahre hinein als erste Wahl für anspruchsvolle Mezzo-Partien, wie Carmen, Amneris und Klytämnestra. Neben ihrer dramatischen Ausdruckskraft verstand sie auch, mit erotischer Wirkung ihre Verführungskünste betörend lebendig zu gestalten. Man riecht hierbei förmlich den sinnlichen Duft von Parfüm. Ohne Zweifel ist die Konkurrenz von großen Carmen-Interpretinnen Fassettenreich, aber niemand übertrifft die vorliegende Interpretin der Titelpartie, die aufgrund ihrer stimmlichen Fähigkeiten auch jugendlichen Charme versprüht. Das ist nicht nur eine Frage des Alters – es gibt Menschen, die bereits in jungen Jahren alt erscheinen, wie auch Menschen, die noch im fortgeschrittenen Alter ihre Jugendlichkeit bewahrt haben.

Soweit ein anderer Kunde meint, Mario del Monaco können wieder einmal nicht überzeugen, verhält es sich nach meinen Beobachtungen doch so, dass sich dieser Kunde offenbar auf einem Feldzug gegen den Sänger befindet und hierbei dem „Sankt-Jürgen-Evangelium“ (so die Formulierung eines Musikfreundes in einem anderen Klassikforum) zu folgen scheint, auch mit der Anspielung auf Franco Corelli, der wieder einen anderen Sängertypus darstellt. Wer den eigenen subjektiven Geschmack zum Dogma macht, tritt zumindest die Vielfalt in der Kunst mit Füßen. Die Partie des Don José gehörte zum erfolgreichen Repertoire des Sängerdarstellers. Auch Mario del Monaco versteht es meisterlich und mit frischer Stimme, den Charakter seiner Partie psychologisch in allen Fassetten packend zu gestalten. Nicht zuletzt gibt ihm der große Publikumserfolg Recht. Zahlreich sind die Livemitschnitte seines Don José auf verschiedenen Bühnen der Welt.

Auch mit der Herausstellung von Nicolai Gedda durch den anderen Kunden mit geflügelten und beliebig verwendbaren Worthülsen wird einer um Objektivität bemühten Beurteilung kein Gefallen getan. Nur ungern spreche ich mich gegen diesen Sänger aus, wie überhaupt das wechselseitige Abwatschen mir kein Vergnügen bereitet. Nicolai Gedda betrachte ich keineswegs als idealtypischen Rollengestalter. Er hatte eine sog. „weiße“ Stimme mit großer Höhensicherheit, aber seine dramatische Ausdruckskraft hielt sich doch in bescheidenen Grenzen.

Tom Krause interpretiert einen selbstbewussten und ausdrucksstarken Escamillo, der keine Wünsche offen lässt, und Joan Sutherland erfüllt mit ihrer süßlich-schönen Stimmführung geradezu perfekt den Charakter der Micaéla. Auch die insoweit an anderer Stelle geübte Gegenkritik ist in keiner Weise nachvollziehbar. Das Orchesterspiel ist nicht minder exzellent und sprüht von feurigem Temperament, aber auch von Eleganz und Farbe. Thomas Schippers kann man hierfür gar nicht hoch genug loben.
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TOP 500 REZENSENTam 10. August 2012
Das Erscheinen dieser Carmen-Aufnahme wurde 1988 von einer riesigen Publicity begleitet. Jessye Norman, damals der vielleicht größte Sopranstar, wurde zur sinnlichen Göttin stilisiert.

Das konnte ich schon damals nicht nachvollziehen: Normans Stimme ist ein großer, weich und warm timbrierter und recht langsam anspringender Sopran mit keuscher, fast mütterlicher Ausstrahlung. Sie klingt weder nach jungem Mädchen noch wild oder gar erotisch. Die Habanera - sehr langsam und mit verträumtem Klang gesungen - klingt bei Norman wie ein Wiegenlied. So schön sie auch singt, eine Carmen ist sie nicht.

Neil Shicoff dagegen gehört zu den besten Don Josés auf Tonträger. Er hat eine kernig timbrierte, flexible Tenorstimme, das Gefühl für die französische Diktion und vor allem für die Rolle. José ist bei ihm tatsächlich der Junge vom Lande, der von der Leidenschaft der Carmen so überrollt wird, dass es zur Katastrophe kommt.

Mirella Freni hat die Micaela erstmals 1963 aufgenommen und damit Maßstäbe gesetzt, denen sie hier, 25 Jahre später, nicht mehr ganz genügen kann. Zwar ist die Stimme noch völlig intakt, hat aber nicht mehr die Reinheit und Klarheit des jungen Mädchens.

Der Escamillo von Simon Estes zeichnet sich durch eine samtschwarze Stimme und düstere Ausstrahlung aus, er passt damit wunderbar zu Norman, ihm fehlt aber das draufgängerische, arrogante der Rolle. Die übrigen Rollen sind gut besetzt.

Dirigent Seiji Ozawa wählt extrem langsame Tempi und ein sehr weiches, mulmiges Klangbild. Das Ergebnis ist eine sehr betuliche, langatmige Carmen-Aufnahme - kein Vergleich mit den Referenzaufnahmen unter Beecham (mit de los Angeles, Gedda) oder Solti (mit Troyanos, Domingo).
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am 3. Januar 2011
Neben der kaum zu übertreffenden Einspielung von Leonard Bernstein mit Marilyn Horne und James McCracken, gefällt mir diese Aufnahme eigentlich am Besten.
Ich würde soweit gehen und behaupten, dass Anna Moffo der einzige Sopran ist, der die Mezzo-Partie der Carmen wirklich überzeugend singen kann, die einzige Konkurrenz wäre tatsächlich Maria Callas gewesen, wenn sie die Partie nur fünf Jahre früher aufgenommen hätte.
Maria Callas klingt in ihrer Gesamtaufnahme leider sehr rau (was vielleicht für die Carmen gar kein Schaden wäre) und merklich abgesungen (was - egal bei wem - bei großen Partien immer nervenaufreibend ist), Moffo bietet das ganze Spektrum der Rolle und beeindruckt mit ihrem Temperament und einer wirklich soliden, erotisch klingenden Tiefe.
Auch Franco Corelli ist ausgezeichnet, und dass nicht jedes französische Wort so eloquent klingt wie bei Nicolai Gedda in der Callas-Aufnahme, verzeiht man ihm gerne angesichts der sehr überzeugenden Gestaltung der Rolle.
Die Schluss-Szene Don José - Carmen in dieser Einspielung aus dem Jahr 1970 gehört für mich ohne Zweifel zum musikdramatisch Besten, was jemals den Weg auf Tonträger gefunden hat.
Helen Donath, Piero Capuccilli und José van Dam sind hier auf den Punkt genau besetzt.
Lorin Maazel lässt Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin groß aufmusizieren, kann also das Maximum aus der Partitur herausholen.
Alles in allem eine typische Fritz Ganss-Produktion: der legendäre Produzent der EMI-Electrola und Eurodisc wusste eben schon immer, wie man Aufnahmen gut besetzt...
Gratulation zu dieser Einspielung und viel Freude beim Hören!
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am 27. Juli 2011
Im Unterschied zu den vorherigen Rezensenten überzeugt mich diese "Carmen" überhaupt nicht. Zwar dirigiert Schippers spritzig und detailgenau, hat aber eine unzureichende Sängerbesetzung zur Verfügung.

Regina Resnik wirkt auf mich eher ältlich und viel zu reif für Carmen. Da ist nichts von der sinnlichen Verlockung einer Leontyne Price, nichts vom jugendlichen Charme einer Victoria de los Angeles oder Teresa Berganza. Resnik klingt mir zu sehr nach der männermordenden Klytämnestra als nach der männerverschlingenden Zigarettendreherin Carmen.

Auch Mario del Monaco kann wieder einmal nicht überzeugen. Ähnlich Franco Corelli (unter Karajan) oder James McCracken (unter Bernstein) macht er aus dem eleganten französischen Offizier, den nur Nicolai Gedda mit unvergleichlicher Noblesse und idiomatischer Aussprache zu singen verstand, einen melodramatischen Bajazzo, der in einer opéra comique, die "Carmen" nun mal ist, nichts verloren hat.

Auch Tom Krause singt unter Form, wirkt seltsam unbeteiligt und ist meilenweit entfernt von der Form, in der er die Partie später unter Solti gesungen hat.

Joan Sutherland höre ich lieber in verzierter Musik, als Donna Anna, Alcina und in den Belcanto-Opern Bellinis und Donizetti ist sie einzigartig. Für die spätromantische Musik Bizets fehlt ihr die Dramatik, so sicher sie sich vokal auch präsentiert.

In toto eine enttäuschende "Carmen", die mit den Referenzaufnahmen unter Beecham und Abbado nicht mithalten kann.
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TOP 500 REZENSENTam 7. September 2008
Kaum eine Oper ist so häufig als Promotionprodukt missbraucht worden wie die Carmen, kaum eine Rolle ist so häufig von ungeeigneten Interpretinnen gesungen und aufgenommen worden. So leider auch hier:

Anna Moffo war zweifellos eine sehr schöne Frau, eine gute Sängerin mit markanter Stimme und ein Star. Was also lag näher, als ihr die Carmen anzubieten? Nur hatte Moffo leider, wie man in ihren besten Aufnahmen hören kann (Luisa Miller, Falstaff, Figaros Hochzeit), eine hohe, eher keusch klingende Sopranstimme, die sie für die Carmen künstlich mit Erotik und Fülle in der Tiefe aufzuladen versucht, wobei sie leider übertreibt. Sie wirkt wie eine Dame der besseren Gesellschaft, die für ein Kostümfest eine Kurtisane/Zigeunerin spielt. Lustig, aber nicht überzeugend.

Franco Corelli, der sich hier am Don José versucht, ist hörbar des Französischen nicht mächtig. Er versteht auch nichts von der dazu gehörigen Phrasierung und ignoriert dynamische Anweisungen des Komponisten (v. a. in der Blumenarie), singt die Rolle wie eine italienische Verismo-Rolle, als eine Mischung aus Turiddu und Calaf und erschreckend weinerlich.

Der Escamillo von Piero Cappuccilli, eigentlich ein immer solider Interpret, ist wenig idiomatisch oder gar erotisch geraten. Das Auftrittslied "Toreador, en garde" bellt er wie eine Anklage heraus.

Als einzige Hauptdarstellerin überzeugt Helen Donath als absolut entzückende, ideale Micaela, aber das waren andere (Freni, te Kanawa, Sutherland) auch. Schade auch um die hervorragend und stilsicher besetzten Nebenrollen, z. B. mit Arleen Auger, Jane Barbié und José van Dam, der den Zuniga so singt, wie ein Escamillo klingen müsste.

Selbst Lorin Maazel, eigentlich ein Dirigent mit Gespühr für französische Musik, erreicht hier selten Normalform: Seine Carmen ist reißerisch, laut, teilweise erschreckend zäh, außer in den eher gehetzten Ensemble-Szenen. Man hat den Eindruck, dass er vor seinen Hauptdarstellern kapituliert hat. Dass er es besser konnte, zeigt der von ihm geleitete, überraschend gute Soundtrack zu dem Carmen-Film mit Domingo, Julia Migenes und Ruggero Raimondi.

Tja, und damit ist diese Aufnahme - bis zu der zweifellos noch zu erwartenden Produktion mit Netrebko-Villazon (auf die man sich wahrscheinlich eher freuen dürfte) - der negative Höhepunkt der PR-orientierten Klassik-Industrie.

Also: Wegstellen und die alte Beecham-Aufnahme mit de los Angeles und Gedda oder Solti mit Troyanos und Domingo auflegen.
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TOP 500 REZENSENTam 8. August 2010
Das Erscheinen dieser Carmen-Aufnahme wurde 1988 von einer riesigen Publicity begleitet. Jessye Norman, damals der vielleicht größte Sopranstar, wurde zur sinnlichen Göttin stilisiert.

Das konnte ich schon damals nicht nachvollziehen: Normans Stimme ist ein großer, weich und warm timbrierter und recht langsam anspringender Sopran mit keuscher, fast mütterlicher Ausstrahlung. Sie klingt weder nach jungem Mädchen noch wild oder gar erotisch. Die Habanera - sehr langsam und mit verträumtem Klang gesungen - klingt bei Norman wie ein Wiegenlied. So schön sie auch singt, eine Carmen ist sie nicht.

Neil Shicoff dagegen gehört zu den besten Don Josés auf Tonträger. Er hat eine kernig timbrierte, flexible Tenorstimme, das Gefühl für die französische Diktion und vor allem für die Rolle. José ist bei ihm tatsächlich der Junge vom Lande, der von der Leidenschaft der Carmen so überrollt wird, dass es zur Katastrophe kommt.

Mirella Freni hat die Micaela erstmals 1963 aufgenommen und damit Maßstäbe gesetzt, denen sie hier, 25 Jahre später, nicht mehr ganz genügen kann. Zwar ist die Stimme noch völlig intakt, hat aber nicht mehr die Reinheit und Klarheit des jungen Mädchens.

Der Escamillo von Simon Estes zeichnet sich durch eine samtschwarze Stimme und düstere Ausstrahlung aus, er passt damit wunderbar zu Norman, ihm fehlt aber das draufgängerische, arrogante der Rolle. Die übrigen Rollen sind gut besetzt.

Dirigent Seiji Ozawa wählt extrem langsame Tempi und ein sehr weiches, mulmiges Klangbild. Das Ergebnis ist eine sehr betuliche, langatmige Carmen-Aufnahme - kein Vergleich mit den Referenzaufnahmen unter Beecham (mit de los Angeles, Gedda) oder Solti (mit Troyanos, Domingo).
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