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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Andachtsvoll und innig
Herbert von Karajan (1908-1989) liebte zeitlebens die großen geistlichen Chorwerke der Klassik und hat sie immer wieder auf seine Konzertprogramme gesetzt.
Auch "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms stand bei dem Dirigenten hoch im Kurs. Schon in seiner Zeit als Generalmusikdirektor in Aachen (1934-1942) hatte er es in seinem Repertoire, und seine erste...
Veröffentlicht am 15. März 2008 von K.H. Friedgen

versus
22 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen O je - der Wiener Singverein ...
Dies könnte eine schöne Aufnahme des Brahms-Requiems sein, dank hervorragender Solisten und eines Weltklasse-Orchesters. Leider singt als Chor dazu der Wiener Singverein, und der ist einfach unerträglich: Die Soprane haben ein Bibber-Tremolo drauf, das einen hohen Anteil älterer Damen im Sopran vermuten läßt, die so versuchen, unreine...
Veröffentlicht am 8. August 2002 von C. Rémi


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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Andachtsvoll und innig, 15. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Herbert von Karajan (1908-1989) liebte zeitlebens die großen geistlichen Chorwerke der Klassik und hat sie immer wieder auf seine Konzertprogramme gesetzt.
Auch "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms stand bei dem Dirigenten hoch im Kurs. Schon in seiner Zeit als Generalmusikdirektor in Aachen (1934-1942) hatte er es in seinem Repertoire, und seine erste Aufnahme machte er 1947 in Wien mit den dortigen Philharmonikern und dem Wiener Singverein sowie den Solisten Elisabeth Schwarzkopf und Hans Hotter (EMI). Diese Produktion zählt zu den raren "Klassikern" des Werkes.
Im Mai 1964 gastierten die Berliner Philharmoniker bei den Wiener Festwochen, und Karajan nutzte die Gelegenheit zur hier von der DGG wieder vorgelegten Aufnahme. Diese wurde damals von der Kritik, die dem Dirigenten ja nicht unbedingt freundlich gesonnen war, überwiegend positiv beurteilt und im Jahr 1965 auch mit dem begehrten "Grand Prix du Disque" ausgezeichnet.
Das kann man noch heute, mehr als 40 Jahre später, durchaus nachvollziehen. Die Berliner Philharmoniker präsentieren sich in Bestform, und der Wiener Singverein, zu dem Karajan eine lebenslange gute Beziehung hatte, macht seine Sache gut. Sein Vortrag ist sauber und flexibel, einige leichte Schwächen, vor allem im Sopran, fallen nicht sonderlich ins Gewicht, nur die Textdeutlichkeit scheint mir nicht optimal zu sein. Das ist aber wohl mehr der Technik als den Mitwirkenden anzulasten.
Gundula Janowitz singt das Sopransolo "Ihr habt nun Traurigkeit" mit gewohnter Innigkeit, ihr Vortrag ist von geradezu überirdischer Schönheit. Ihre engelgleichen Töne rühren Herz und Verstand. Der Wiener Bariton Eberhard Waechter ist ebenfalls eine gute Besetzung, kann allerdings seinen Kollegen Dietrich Fischer-Dieskau (bei Kempe und Klemperer, beide EMI) nicht ganz vergessen machen.
So ist eine Aufnahme zustandegekommen, die noch heute zu den schönsten auf dem Markt befindlichen zu zählen ist. Sie erreicht nicht ganz die legendären Produktionen mit Bruno Walter (Sony, 1954), Rudolf Kempe (EMI, 1955) und Otto Klemperer (EMI, 1961), kann aber neben so hochkarätigen wie denen von Ansermet (Decca), Maazel (Sony) und Solti (Decca) mühelos bestehen. Auf jeden Fall übertrifft sie Karajans eigenes Remake von 1976 (EMI, mit Anna Tomowa-Sintow und José van Dam) in jeder Hinsicht deutlich.
Klangtechnisch sind einige kleine Mängel vorhanden, die weiter oben bereits gestreift wurden. Sie betreffen in erster Linie die chorische Seite, während Solisten und Orchester klangtreu und in bestem Stereoton wiedergegeben sind. Die DGG hat ein schön bebildertes Textheft beigefügt. Es enthält neben einem wertvollen Essay von Helge Grünewald auch den vollständigen Text des Werkes mit französisch/englischer Übersetzung. Eine würdige Ausgabe in der verdienstvollen "The Originals"-Serie.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Aufnahme vom Besten, 12. Mai 2009
Von 
Wilhelm Kaiser "Alexander" (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Die Aufnahme mit Karajan aus dem Jahr 1964 gehört ohne jeden vernünftigen Zweifel auch heute noch zu den besten Einspielungen überhaupt. Kritik an der Person Karajan scheint sich bei einigen Gegnern auch in Kritik am Künstler Karajan zu manifestieren. Natürlich ist die Aufnahme in die Jahre gekommen und mögen kritische Beurteilungen teils auch auf einer gewissen Übersättigung beruhen mit dem Ergebnis, nach einer anderen oder eben nur weiteren Sichtweise Ausschau zu halten, freilich ein Schicksal, das grundsätzlich bei älteren Aufnahmen und intensiven Hörgewohnheiten bestehen dürfte (andere Aufnahmen müssen darum nicht besser sein).

Die vorliegende Interpretation wird aufs Eindrucksvollste der großartigen Architektur des Meisterwerks von Brahms gerecht. Dies gilt auch für die dramaturgischen Aspekte. Die Berliner Philharmoniker zeigen sich von ihrer besten Seite. Auch der Wiener Singverein löst seine Aufgaben mit Bravour, indem er klare Akzente setzt und flexibel auch die dramatischen Anforderungen meistert. Eine dünne Besetzung hätte vielleicht die Wortverständlichkeit erhöht (im Allgemeinen kommt man aber sowieso um die Textvorlage nicht herum), aber Verdichtungen und Steigerungen beeinträchtigt. Karajan hatte aus überzeugenden Gründen auf diesen Chor immer wieder gern zurückgegriffen. Attacken gegen diesen Chor erscheinen mir reichlich wirklichkeitsfremd.

Seit der Gründung des "Amateurchores" im Jahr 1858 haben mit ihm die besten Orchester und bedeutendsten Dirigenten zusammen gearbeitet. Der Chor war an verschiedenen Uraufführungen beteiligt und verfügte schon immer über ein weitgespanntes Repertoire,von zahlreichen Einspielungen auf Tonträgern abgesehen. Die laufenden Konzertprogramme sind ausgesprochen vielfältig. Häufige Reisen in die Zentren der Welt unterstreichen die Bedeutung des Chores. Natürlich muss die Leistung des Chormitglieds denkbar besten professionellen Anforderungen genügen. Selbst Johannes Brahms war einst Leiter des Chores. Die zwar nur vereinzelte, aber dennoch ärgerliche Kritik erscheint schon deshalb mehr als fragwürdig, weil danach sogar eine Elite von Orchesterleitern die vorgeblichen Kritikpunkte nicht erkannt haben soll (hätte diese Kritik denn eine Substanz). Gerade beim Requiem von Brahms ist die psychologische Deutung besonders wichtig. Die Stimmen kommen wie aus dem Nichts und und scheinen pianissimo zu schweben, um sich dann weiter zu entwickeln. Im weiteren Verlauf kommt es fast ohne vorheriges crescendo und somit schlagartig zu stimmgewaltigen Ausbrüchen. Daher war es schon aufnahmetechnisch geboten, den großen Chor mehr im hinteren Bereich zu positionieren, um den Hörer beim fortissimo nicht zu erschlagen. Darüber hinaus ist eine Dunkelfärbung des Chores das sinnvolle Gebot der Stunde, woraus wiederum Konsequenzen für die Sopranstimmen zwangsläufig folgen. Ein Requiem ist in der Regel anders zu interpretieren als eine Oper.

Eberhard Waechter singt einfach brillant und natürlich, auch in den dramatischen Steigerungen, ohne dabei in ein Schauerdrama zu verfallen (anders z.B. Hans Hotter bei Celibidache, der nicht nur einem überdimensionierten Gestus zu folgen scheint, sondern offenbar auch mit einem Ansatz zum Vibrato die innerliche Erschütterung "schauerlich" verdeutlichen möchte). Waechter hält auch mit seinen vielleicht bekannteren Kollegen mühelos Schritt. Gundula Janowitz war damals 27 Jahre alt und stand in der Blüte ihres Könnens. Vor allem die hohen und mittleren Lagen waren ihr Metier, allerdings mit der Neigung zu einem leichten Vibrato, ohne jedoch zu tremolieren. Wenn sie Schwierigkeiten gehabt hätte, dann allerdings nur darin, ihre große Stimme auf ein Pianissimo zu bändigen. Das kann man hier allenfalls aber nur erahnen. Auch die größten Höhen erreicht sie mit scheinbarer Mühelosigkeit, sie bewegt den Hörer durch ihren eindringlichen und natürlichen Vortrag, den sie in keiner Phase überzieht. Sie singt wie ein Engel.

Auch klangtechnisch befriedigt die Aufnahme den verwöhnten Hörer einwandfrei.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ergreifend und tiefgründig, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Auch ich kann die negativen Rezensionen hier absolut nicht nachvollziehen.
Diese Aufnahme von 1964 ist eine der schönsten und innigsten dieses Werks. Es mag Aufnahmen geben, in denen Karajan den Chor nicht optimal zur Geltung bringt, diese gehört jedoch nicht dazu! Auch Gundula Janowitz ist ein großer Gewinn für dieses Werk. Der Wiener Singverein ist nun auch wirklich kein Chor aus Gesangslaien. Auch andere große Dirigenten haben ihn über die Jahrzehnte hinweg immer wieder dirigiert. Ingesamt ist diese Aufnahme besser als alle später entstandenen Produktionen, die Karajan noch für EMI und DG gemacht hat. Die alte Ausgabe hatte noch ein deutliches Grundrauschen, was an manchen Stellen störte. Diese zusätzlich gemasterte Aufnahme ist im Klangbild sauberer und kraftvoller.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Johannes Brahms : Ein Deutsches Requiem mit Karajan und Janowitz, 3. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Diese alte Aufnahme mit u.a. Karajan und Gundula Janowitz gefällt uns sehr. Janowitz' wunderschöne Stimme und einfühlende Interpretation greifen uns sò an wenn sie singt: Ihr habt nun Traurigkeit.Das Chor singt auch sehr schön .
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22 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen O je - der Wiener Singverein ..., 8. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Dies könnte eine schöne Aufnahme des Brahms-Requiems sein, dank hervorragender Solisten und eines Weltklasse-Orchesters. Leider singt als Chor dazu der Wiener Singverein, und der ist einfach unerträglich: Die Soprane haben ein Bibber-Tremolo drauf, das einen hohen Anteil älterer Damen im Sopran vermuten läßt, die so versuchen, unreine Töne zu vertuschen. Oder halten sie sich für Operndivas? Für dieses Stück ist diese Art zu singen jedenfalls absolut inakzeptabel.
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13 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schwach, schwach, schwach!, 7. Oktober 2006
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Bitte nicht vom Namen Karajan blenden lassen: Diese Aufnahme gehört zu den schwächsten des Brahms-Requiems überhaupt:

Karajans Tempi sind extrem langsam, er zerdehnt das Werk bis zur Unkenntlichkeit. Wie bei ihm in späten Jahren üblich, ist das Orchester im Verhältnis zu Chor und Solisten zu laut, spielt auch dynamisch nicht flexibel genug. Karajan betont einen vollen, dunklen, weichen Orchesterklang und geht dafür über rhythmische Feinheiten völlig hinweg: Der zweite Satz etwa müsste federnd, geheimnis- und unheilvoll klingen, wird aber zu einem schwerfälligen Gestampfe. Der Orchesterpart verkommt zu einem undefinierten Klangbrei.

Dazu komm der mangelhafte Chor: Der Wiener Singverein - ein Laienchor, den Karajan aus unerfindlichen Gründen in all seinen Aufnahmen geistlicher Musik einsetzte - singt unsauber, unflexibel, unpräzise, unelegant, unverständlich. Da gehen sämtliche musikalischen Feinheiten verloren, man hat manchmal das Gefühl, es werde vom Blatt gesungen. Besonders schlimm ist der völlig missglückte (unsaubere und ungenaue) Sopraneinsatz des "Selig sind die Toten."

Das alles verstärkt einen Eindruck, der eigentlich bei diesem Stück niemals aufkommen dürfte, wenn es gut musiziert wird: Langeweile!

Selbst die berühmten Solisten können die Aufnahme nicht retten:

Die sonst so wunderbare Gundula Janowitz hat mit der Arie "Ihr habt nun Traurigkeit" Probleme: Das Stück liegt sehr hoch, und muss durchgehend piano und legato gesungen werden. Hier geht es der Sängerin mit ihrer damals schon dramatischen Stimme wie vielen Kolleginnen: Sie klingt eng und angestrengt statt leicht und engelsgleich.

Einzig Eberhard Waechter erreicht normales Niveau, singt die Bariton-Partie natürlich und kraftvoll. Das allein kann die Aufnahme aber nicht retten.

Und so sollte, wer eine wirklich inspirierte, wenn auch nicht sehr fromme Karajan-Aufnahme des Deutschen Requiems sucht, zu der Einspielung von 1948 greifen - trotz der natürlich gewöhnungsbedürftigen Klangtechnik. Insgesamt kann ich die Berliner Aufnahme unter Rudolf Kempe mit Elisabeth Grümmer und Dietrich Fischer-Dieskau nur wärmstens empfehlen.
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überzeugt nur bedingt, 31. Mai 2011
Von 
Tobias Fabian-Krause (Landau, Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Vorweg ganz offen: ich bin niemand, der das Deutsche Requiem schon lange kennt. Meine ersten bewussten Begegnungen fanden allesamt dieses Jahr (=2011) statt. Auch fehlt mir die Kenntnis vieler berühmter Aufnahmen (ob nun Klemperer, Kempe oder Gardiner). Ich habe das Deutsche Requiem mit den Berliner Philharmoniker unter Donald Runnicles in der Digital Concert Hall der Philharmoniker sowie beim Benefizkonzert für Japan mit dem Bayerischen Staatsorchester unter Kent Nagano im Fernsehen gesehen. Neben der hier zu besprechenden besitze ich noch die neuen Aufnahmen von Nicolaus Harnoncourt (Wiener Philharmoniker, Arnold Schönberg Chor) und Paavo Järvi (hr-Sinfonieorchester, Schwedischer Radiochor).

Unter den genannten Eindrücken muss ich sagen, dass mich Karajans Interpretation des Werkes am wenigsten überzeugt hat. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Obwohl mir die Tempowahl bei diesem Werk nicht das wichtigste Kriterium zu sein scheint ist sie für mich doch in einer Hinsicht wichtig: eine langsamere, getragenere Interpretation macht aus Brahms' Werk m.E. das, was es gerade nicht sein soll, nämlich eine weihevolle Totenmesse. Die etwas schnelleren Tempi, die z.B. Harnoncourt anschlägt hingegen passen besser zu diesem Stück, das ja weniger eine Seelenmesse für die Toten sein soll als vielmehr eine Art Ratgeber für den richtigen Umgang mit den Gefühlen, die man als Hinterbliebener eines Verstorbenen hat und die vermutlich nahezu jeder Lebende hinsichtlich der eigenen Endlichkeit hat.

Dieses Herausarbeiten dessen was ich für die Aussageabsicht des Deutschen Requiems halte betrifft nicht nur die Tempowahl, sondern auch die Anlage des Gesamtklangs. Karajan hatte bekanntermaßen eher das Klangideal eines Orchesters, das zu einem großen farbenreichen Instrument verschmelzt. Durchhörbarkeit und Transparenz, die ja heute gerne als wichtige Kritierien angeführt werden waren für ihn nachrangige Kriterien, wenn er sie nicht gar abgelehnt hätte. Vielleicht könnte man im Sinne des großen Autofreundes Karajan sagen, dass sie ja auch beim Auto nicht jeden Zylinder usw. einzeln bei der Arbeit hören wollen, sondern einfach nur ein gesundes Motorengeräusch.
Es ist sicherlich Geschmackssache und vielleicht auch eine Frage, über welches Stück wir sprechen. Zu einer Bruckner-Symphonie passt ein dichter Orchesterklang meines Erachtens eindeutig deutlich besser als zu Bachs Brandenburgischen Konzerten. Beim Deutschen Requiem finde ich, dass das Aufmunternde gerade in den Begleitungsdetails steckt, z.B. im Oboenpart des "Denn alles Fleisch es ist wie Gras", häufig auch in den Posaunen. Es ist nun nicht so, dass dies alles bei dieser Aufnahme im großen Getöse untergeht. Der Verweis auf Karajans Klangideal mag auch irreführend sein. Vielleicht liegt es auch nur an der Aufnahmetechnik, aber Järvi und vor allem Harnoncourt in seiner neuen Aufnahme bringen das einfach um Längen deutlicher zur Geltung und werden damit dem Stück so wie ich es verstehe deutlich besser gerecht.

Zwischenfazit: eine nach meiner Lesart des Stückes eher weniger gut gelungene Interpretation. Ob es an Karajan, dem Orchester (eher nicht) oder der Aufnahmetechnik liegt, vermag ich nicht zu sagen, aber ich finde die Aufnahme hinsichtlich des Orchesterparts schwächer als die anderen mir bekannten.

Ähnlich könnte die Kritik am Wiener Singverein relativiert werden. Für mich klingt dieser auf dieser Aufnahme beinahe wie ein großes Tutti in einem normalen Gottesdienst, nicht wie ein halbprofessioneller Chor. Mag dieser Vergleich wieder zu viel des "Guten" sein, so entspricht er doch meiner Enttäuschung über den flach und im Hintergrund befindlich klingenden Chor. Hier singt der Arnold Schönberg-Chor (Harnoncourt) einfach viel klarer, besser artikuliert, vordergründiger im Gesamtklangbild und schlussendlich schöner. Keine Frage, es ist nicht ganz fair eine Aufnahme aus diesem Jahr mit einer über 40 Jahre alten zu vergleichen. Aber wenn ich Tipps geben soll, welche Aufnahme sich zur Neuanschaffung lohnt treten sie eben gegeneinander an.

Die Solistenleistung ist einer der großen Pluspunkte dieser Aufnahme. Sowohl Eberhard Wächter als auch Gundula Janowitz nutzen ihr wunderschönes Timbre zu einem exzellenten Klangbild, artikulieren schön klar und interpretieren für meinen Geschmack auch sehr adäquat. Dabei kommt es mir persönlich vor allem darauf an, dass nicht zu dick aufgetragen wird, inbesondere was z.B. Dynamikkontrastierungen betrifft, aber auch das Vibrato. Es besteht die Gefahr, dass es zu sehr nach Oper klingt, was ich bei diesem Stück nicht für adäquat halte. Frau Janowitz und Herr Wächter verdienen sich Bestnoten.

Insgesamt empfinde ich diese Aufnahme als tendenziell langweilig und eher verzichtbar. Verglichen mit Järvi und v.a. Harnoncourt fällt sie deutlich ab. Dabei will ich es nicht übertreiben. Es nicht so, dass man sich das nicht anhören könnte und das wunderschöne Werk nicht genießen könnte. Aber es geht für meinen Geschmack eben noch deutlich besser. 3 Sterne für eine solide Aufnahme mit glänzenden Solisten.

Mit Alternativtipps will ich mich aufgrund der Tatsache, dass ich noch so viele Aufnahmen nicht kenne zurückhalten. Dennoch: Harnoncourt sollten Sie meines Erachtens ins Kalkül ziehen.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hochkarätige Interpretation, 30. November 2012
Von 
Hans-joachim Krüger "mozartfan" (Wiesental,Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brahms: Ein Deutsches Requiem (MP3-Download)
Die Aufnahme gefällt mir sehr, vor allem der zweite Satz "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" und der sechste Satz "Denn wir haben hier keine bleibende Statt."
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5 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine empfehlenswerte Stereoaufnahme., 17. Juli 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ein Deutsches Requiem (Audio CD)
Diese Aufnahme entstand etwa 25 Jahre nach dem Krieg. Der Stereoklang ist sehr gut, sehr gut singen auch Solisten und Chor der Wiener Singverein. Gundula Janowitz ist nicht so charismatisch wie Elisabeth Schwarzkopf, aber ich gebe ihr 5 Sterne.
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Brahms: Ein Deutsches Requiem
Brahms: Ein Deutsches Requiem von Gundula Janowitz
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