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VINE-PRODUKTTESTERam 25. August 2014
Das Mädchen ward in einen Schwan verwandelt, und nur die Liebe konnte es erlösen. Letztlich scheiterte diese aber an der dunklen Seite des Mädchens/Schwans. Am Ende scheitert es - findet aber mutmaßlich gerade in diesem Scheitern die ersehnte Erlösung. Das klingt nach schwermütiger Romantik des 19. Jahrhunderts, nach einem saftigen Melodram, nach der Konzentration auf die beiden Themen, die Marcel Reich-Ranicki einmal als die universellen, ewigen Themen der Weltliteratur bezeichnet hatte: die Liebe und der Tod. Es geht aber auch um das Leben und um die nicht minder zeitlose Frage nach dem Selbst im Dickicht zwischen Schein und Sein. Darum ist es passend, wenn die Schwanensee-Geschichte zunächst nur Projektionsfläche für eine Ballett-Company ist, die dieses Stück in New York aufzuführen gedenkt. Natürlich IST eine der Tänzerinnen dieser Schwan, statt ihn nur zu spielen: die junge Nina (Natalie Portman). Sie ist eindeutig genauso unerlöst wie ihre Ballettfigur - und irgendwie auch noch nicht geboren bzw. nicht gereift: Zwischen ihrer überehrgeizigen Mutter (Barbara Hershey) und ihrem Ballettmeister Thomas (Vincent Cassel), fehlt ihr eine eigenständige Persönlichkeit. Muttern hält sie - allein die Kinderzimmerausstattung ist ein Graus in Plüschrosa - wie ein Kleinkind. Thomas nötigt sie bis zur sexuellen Impertinenz, aus sich herauszugehen. Nur sie selbst hat nicht mitzureden. Entsprechend scheint ihr Wesen: Sie möchte "perfekt" sein, schindet sich im Hochleistungsballett seit Jahren - aber in dem metaphorisch-surreal hochinteressant gestalteten Film können ihre Füße einmal blutig, einmal mit zusammengewachsenen Zehen erscheinen. Nina gibt das Äußerste und bleibt doch verschlossen, verklemmt. Den weißen Schwan wird sie perfekt tanzen können, aber auch den schwarzen?

Dabei begegnet sie immer wieder im bildlichen wie übertragenen Sinne ihrer dunklen Seite. Bis es zu einem vieldeutigen Finale kommt, bei dem das Leben und die Kunst sich nicht nur vermischen, sondern auch vereinigen. Nina musste erst ihre dunkle Seite töten, um wahrhaft enthemmt eine nach anfänglichem Straucheln großartige tänzerische Darbietung bei der Premiere zum Besten zu geben. Doch zu dem selben Preis wie das Schwanenmädchen, so ließe es sich deuten...

Ein Film, der viele Einflüsse vereint, sie zu einem geschlossenen Ganzen verarbeitet und nicht nur Kopfkino, sondern sehr sinnliches, bisweilen surreales und/oder verstörendes Gefühlskino ist. Da gibt es beispielsweise die Persönlichkeit Ninas, die nicht unbedingt im schizophrenen Sinne eine Spaltung ist, sondern Schwarz und Weiß, zwei Seiten zwar, aber zur selben Medaille gehörig. Nicht nur im Titel und in der Schwanensee-Handlung, auch in den nicht ballettbezogenen Szenen farblich mit auffälligen Schwarz-Weiß-Kontrasten untermauert. An vielen Orten scheint es kaum andere Farben mit Ausnahme der Gesichtsfarben der Figuren zu geben - sieht man einmal von der nicht minder schrägen rosa Kleinmädchenausstattung Ninas` Zimmers ab. Erinnerungen an die großen psychologischen Films Noirs werden wach; "Der schwarze Spiegel", "Desert Fury" und (obwohl eher nur am Rande ein Noir) "A Stolen Life"; Filme mit zwei Menschen, die doch nur zwei Seiten ein und derselben Persönlichkeit sind (in "Der schwarze Spiegel" und "A Stolen Life" als Zwillingsschwestern von Olivia de Havilland bzw. Bette Davis gespielt). Ansonsten schleicht sich nur noch das Rot des Blutes in das Ensemble aus Schwarz und Weiß. Ob Nina ihre geschundenen Zehen und Hände sieht, sich an Letzteren auch noch selbst verletzt um einen "unperfekten" hängenden Hautfetzen zu entfernen, oder ob sie es mit unerklärlichen Verletzungen zu tun hat: Blut ist Leben, aber auch Schmerz; sie "öffnet" sich und muss bluten, aber kann dadurch und damit auch (auf)leben, zumindest für einen Moment (insoweit sei mir noch eine Assoziation zu einem weiteren Zwillingsschwesterfilm neueren Datums gegönnt, dem genial-abgründigen "Sisters" von Brian de Palma, in dem die gewaltsame Trennung zweier siamesischer Zwillinge ebenfalls halb Rettung, halb Tod ist und man nie weiß, was die Oberhand gewinnt).

Nina weiß das alles noch nicht. Sie sieht den Teil ihrer Persönlichkeit, vor dem sie sich fürchtet, noch als andere Person, die ihr erst eine lockende und auflockernde Freundin ist, die sie dann aber als bedrohlich empfindet. Die eigenen Begrenzungen zu überwinden, als Verlockung und Gefahr - für Regisseur Aronofsky nicht ganz untypisch, dass er dies ein Mal mit einem Drogentrip assoziiert.

Nina ist zuvor eine Dame ohne Unterleib in jeglichem Sinne: Natalie Portman hat hammerhart für die Tanzszenen trainiert und man sieht ihr dies am intensiven Ausdruck ihres gesamten Oberkörpers an, aber ihre Beine sehen wir bei den Ballettszenen fast nie. Meines Erachtens nicht den Notwendigkeiten des Doubelns geschuldet, denn man sieht ab und an, dass der direkte Übergang oder zumindest der nicht sichtbare Schnitte auf die Beine sehr wohl möglich war. Nein, der Aronofsky, der immer ein sehr visueller Regisseur ist, wird schon gewusst haben, was er da macht. Nina ist nur eine halbfertige Persönlichkeit, ist nur der weiße Schwan, das unmündige Kind, und unter der Gürtellinie spielt sich nicht viel bei ihr ab. Thomas fragt sie das recht direkt. Jungfrau ist sie zwar nicht mehr, aber ein Freund ist nicht in Sicht und was sie beim Sex empfindet, kann sie kaum sagen. Als sie die "Hausaufgabe" bekommt, selbst Hand anzulegen, ist sie davon überraschend schnell überraschend heftig erregt. Hier ist der Film aber kein Pseudo-Softporno: Unter der scheinbar Frigiden schlummert halt der unterdrückte schwarze Schwan. Aronofskys Kino ist immer auch eines der Körperlichkeit: In einer Fantasiesequenz wollen die schwarzen Schwanenfedern tatsächlich aus Ninas Körper heraus durch die Haut dringen. Die dunkle Seite des Schwans will an die Oberfläche.

Man sieht, dass es um viel mehr geht als nur um eine interessant gefilmte Künstlerinnengeschichte, die konstruiert ist um Klischees wie die Schinderei, die Übermutter, die fiese Konkurrentinnenzicke und den allzu einnehmenden wie fordernden Chef. Kunst ist hier wohl nur ein Sinnbild für etwas, das einerseits offiziell nichts als Show ist, bei der man aber gleichwohl sein Innerstes nach außen krempelt. Ausgerechnet Aronofskys Vorgängerfilm hat insoweit einiges mit "Black Swan" gemeinsam: "The Wrestler". Man kann innehalten und sich fragen, was denn vom klassischen Ballett weiter weg sein sollte als Showkämpfe. Doch auch dort ist es so, dass man alles im gegenseitigen Einverständnis zelebriert, dass alles ein Fake ist, aber dass es tiefer geht (bei Aronofsky: unter die Haut...) und man sich mehr schindet, als das Publikum ahnt. Mickey Rourke hat es als abgehalfterter Wrestler gezeigt! Damals ein Has-Been, der noch einmal zu sich finden muss, jetzt eine junge Frau vor dem großen Durchbruch, die erstmals erwachsen werden muss. Beide steuern von verschiedenen Seiten auf einen Kern zu, ihren eigenen. Beide stehen zunächst neben sich; auch kameratechnisch, wenn die unruhige Handkamera sie umkreist, sie von vorne, vor allem aber vom unvorteilhaften Hinten zeigt. Beide gehen nicht auf etwas zu, sondern scheinen Verlorene, die dem Glück / der Erkenntnis hinterherrennen müssen. Beide finden dies in ihrer Performance, in der ihnen etwas Bedeutendes gelingt, das auch für das Vordringen zu ihrem Persönlichkeitskern steht. In beiden Fällen ist dies die letzte Einstellung des Filmes und müssen sie den gleichen Preis zahlen.

Während der Wrestler immerhin noch weiß, wer er einmal war, macht Nina eine Neuentdeckung, entpuppt sich, wird sozusagen zum schönen und nicht nur weißen Schwan, obwohl sie zuvor alles andere als ein hässliches Entlein war. Weil sie noch nicht verstehen kann, was da mit ihr passiert, können auch wir nie ganz sicher sein, ob alle Personen, die in "Black Swan" mitspielen, real sind. Kleiner Tipp, auch darin dem Film Noir wie z.B. dem erwähnten "Der schwarze Spiegel" verwandt: Spiegel sind wichtig, sind Metaphern der Persönlichkeitsspiegelung. Man sieht hinein und sieht die andere. So wird es schließlich zu einem Mord im Spiegel kommen. Oder des Spiegelbildes?

Neben allem Genannten wäre zu erwähnen, dass Aronofsky die gesamte wuchtige Sinnlichkeit der klassischen Musik, vor allem natürlich derjenigen von Tschaikowskys "Schwanensee", voll auskostet. Und dass er sehr charismatische Darsteller hat, wobei er Natalie Portman gleichzeitig noch sehr stilisiert in Szene setzt. Sie ist zwar, wie sich das für eine Primaballerina gehört, sehr dünn. Aber sie hat sinnliche volle, deutlich in Szene gesetzte Lippen und hohe Wangenknochen, die angesichts der Beleuchtung und der Schminke in manchen Szenen einen wunderbaren Neo-Noir-Kontrasteffekt ergeben. Perfekt, aber auch voller Leben. Kunstkino, aber nicht künstlich oder gar weltentrückt, sondern mit allen Sinnen zu genießen. Eine uneingeschränkte Empfehlung!
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am 3. März 2011
...ein grandioser Film, massenwirksam im mainstream vermarktet wird. Da prallen naturgemäß Welten aufeinander. Die einen erwarten einen Ballett-Film und sind enttäuscht weil das Ballett-Milieu bloß die Kulisse für eine tiefgreifende Handlung ist. Die Saw-Generation erwartete einen Psycho-Thriller und langweilte sich schon nach 10 Minuten. Der solide Thriller-Seher erwartet eine rationale Auflösung und geht angesichts der surrealen Szenen angefressen aus dem Kino, tja und ich bin völlig ohne Erwartungen (schon fast ein bisschen gezwungenermaßen) ins Kino gegangen und war baff mit welcher Genialität und Einfühlsamkeit Aranofsky den psychischen Kollaps dieses Mädchen porträtiert. Ich war von der Handlung, den Bildern, der grandiosen Schauspielerei Portmans (die den Oscar mehr als verdient hat) gefesselt und berührt und als sich gegen Ende schließlich der schwarze Schwan in ihr zeigte, hatte ich das Gefühl das Böse höchstpersönlich hätte seinen Schleier über das Kino gelegt. Das Ende war dann ein grandioses (wenngleich natürlich vorhersehbares), emotionales Feuerwerk, bei dem auch ich als Mann, der noch bei keinem Film geweint hat, die Tränen unterdrücken musste, während meine Freundin daneben die ersten Minuten gar nicht fähig war, aufzustehen, weil der Film sie so sehr mitgenommen hatte.
Aranofskys "Requiem For A Dream" zählte schon bisher zu meinen ganz persönlichen Top 20-Filmen der besten Filme aller Zeiten, wird aber von Black Swan eindeutig übertrumpft. Anschauen!
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am 9. April 2015
Herausgezogen aus dem coolem Wackelbild-Schuber (der FSK-Flatschen ist nur aufgeklebt), warten folgende Extras:

1. Die DVD (leider ohne Bonusmaterial)
2. Die Blu-ray, Bonus: 3-teilige Dokumentation und weitere interessante Extras (mit deutschen Untertiteln) - laßt Euch überraschen!
3. Digital Copy
4. Die Musik-CD, 52:38 minütiger Film-Soundtrack

BEWERTUNG:
5 "Ballet On Stage"-Sterne für diese edle Veröffentlichung. Für mich ist DARREN ARONOFSKYs BLACK SWAN ein bildgwaltiger Psychothriller, der zwar mit den bekannten und ausgelutschten Ballettklischees spielt, aber auch den Ehrgeiz nach Perfektion lebhaft und verstörend in Szene setzt.

Die Ballerina Nina (Natalie Portman) erhält vom Ballettdirektor Thomas (Vincent Cassel) die Chance, nicht nur den weißen Schwan, Prinzessin Odette, zu tanzen, sondern auch den schwarzen Schwan, Odile. Um die Verruchtheit des schwarzen Schwans zelebrieren zu können, flüchtet sich Nina in Odile's düstere Materie. Wahn und Wirklichkeit werden Eins!

FAZIT:
"Der Sterbende Schwan" wird in diesem Thriller Wirklichkeit!

Freigegeben ab 16 Jahren
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am 26. August 2014
Als ich den Film das erste Mal bei Freunden gesehn hab,
blieb mir der Mund offen.

Der Film ist aufregend, ästhetisch, intelligent, gefühlvoll und toll gespielt.
Die Regieeinfälle und die Musik sorgten bei mir für Gänsehaut
und das Finale für feuchte Augerln und einen Kloß im Hals ;)

Trotz aller Unkenkritiken kann ich garantieren:
Wer nur ein bisschen ein Gefühl für Kunst hat, wird von dem Film
begeistert sein!
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am 15. Juni 2011
Ich bin aus anderen Gründen als vielleicht die meisten anderen auf diesen Film gestoßen - nicht weil ich Ballett liebe oder mir einen spannenden Thriller erhofft habe, sondern weil ich mich brennend für Psychologie interessiere. Und ich war von dem Film restlos begeistert. Portman verleiht der psychisch kranken Nina so unglaublich viel Tiefe und Menschlichkeit, und es wurde wundervoll sensibel dargestellt, was passieren kann, wenn ein empfindsamer Mensch mit seelischer Gewalt dazu getrieben wird, seine eigenen Grenzen zu durchbrechen.
Ninas Wunsch, in einer grandiosen Vorstellung zu glänzen, kostet sie eins ihrer kostbarsten Güter -den eigenen Verstand. Denn, schüchtern und künstlerisch vergeistigt wie sie ist, ist sie nicht dazu geschaffen, die Massen auf der Bühne sexuell zu verzaubern. Doch genau das ist es, was sie ersehnt, und am Ende gelingt es ihr. Sie sprengt die Fesseln ihrer Persönlichkeit und setzt eine erotische Ausstrahlung frei, die sämtliche Zuschauer, die im Film und uns, in ihren Bann zieht.
Doch das Glück darüber währt nur eine kurze Sekunde, denn auf ihrem Weg zum Ziel hat sie alles vernichtet, was noch von dem übrig war, was sie ausmachte. Zu schnell und brutal verlief ihre Metamorphose von der zarten Pflanze zur Bühnengöttin, um vor der Realität bestehen zu können. "Black Swan" ist ein hinreißendes, lehrreiches Düstermärchen über die Zerstörung einer Psyche, die makabererweise in ihren letzten Zügen atemberaubender ist alles, was sie zuvor dargestellt hat.
Lohnt sich dieser Preis? Nein. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Daher ist der Film im besten Sinne abschreckend, und dennoch behält man danach sehr viel Verständnis für die Betroffenen zurück. Wie vielen mag ähnliches geschehen sein, in weniger drastischer Form (letztlich ist Übertreibung im Film ein stilistisches Mittel), ohne dass jemand es gemerkt hat. Denn an Ninas Schicksal sieht man, wie blind und gleichgültig die Menschen gegenüber dem Leiden derer sind, die sie nach oben pushen oder als Beute an sich reißen wollen ...

Black Swan ist ein unvergleichliches Meisterwerk, inhaltlich, darstellerisch und optisch, dazu von einer dunklen, kalt glühenden Sinnlichkeit, wie ich sie nie zuvor in einem Film gesehen habe. Nicht nur Portman hat den Oskar verdient, sondern der Film selbst hätte es ebenfalls.
Mehr möchte ich dazu nicht sagen, das wäre bei mittlerweile über 80 Beiträgen schlicht überflüssig.
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am 28. Dezember 2013
Der Film ist wirklich super und sowohl Natalie Portman als auch Mila Kunis spielen ihre Rollen hervorragend.
Die Bildqualität der Blueray ist aber erschreckend schlecht, ich bin erst von einem Fehler an meinem Gerät ausgegangen, aber auch an anderen Abspielgeräten ist das Bildrauschen grauenhaft. Das Menü und der Abspann sind hingegen in gestochen scharfer Blueray-Qualität...?!
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am 5. Juni 2016
Eigentlich würde ich den Film eine viel höhere Bewertung geben, wäre da nicht die Tatsache, dass Regisseur Darren Aronofsky, am 21. Oktober 2011 die Rechte für "Perfect Blue" gekauft hat. So weißt dieser Film viele Parallelen auf, kommt aber letztlich nicht an den Plot und die Tiefe von "Perfect Blue" ran, welcher meines Erachtens den Zuseher immer weiter in die Tiefe zieht. Auch ist es eine Frechheit, dass die Haupttänzerin "Sarah Lane" nicht namentlich in den Credits genannt wird. Für einen guten Film ist jeder wichtig und nicht nur die Hauptdarsteller und Manager.
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HALL OF FAMETOP 100 REZENSENTam 24. Februar 2013
Als ich noch zur Schule ging, war ich total ballettbegeistert und habe auch zig Bücher über große Stars wie Nijinsky, Nurejew, die Pawlowa und Fonteyn immer wieder gelesen und bestaunt (ich liebte auch die Bilder darin). Meine Freundin und ich waren die einzigen im Jahrgang, die regelmäßig in alle Ballettaufführungen an unserer Staatsoper gingen. Auch Schwanensee haben wir dort mal vom Bolshoi-Theater in einer Gastaufführung gesehen.
Weder wir, noch andere, die Ballett machten, wären aber jemals auf die Idee gekommen, das ernsthaft zu verfolgen. Wir wussten alle, was das bedeutet. Und das eben sieht man in diesem Film recht gut, vielleicht sogar etwas zu heftig.

Die Hauptfigur Nina wird von Anfang an als labil gezeigt: sie wirkt sehr unsicher und empfindsam, hat als einzige der Mädchen Mitleid mit der gefeuerten alten Primaballerina, sitzt in den Pausen immer allein in einer versteckten Ecke und grübelt, während die anderen schwatzend und lachend in kleinen Grüppchen ihren Stress abbauen. Die extrovertierte Lily, die neu in der Gruppe ist, möchte sich mit ihr anfreunden, doch Nina missversteht in ihrem krankhaften Minderwertigkeitsgefühl die Bemühungen um Freundschaft als Rivalität und Intrige.
Denn in Nina brodelt ein nicht weniger krankhafter Ehrgeiz, sie möchte schlicht "perfekt" sein, darunter erträgt sie es kaum. Deshalb nagt es an ihr, dass ihr Choreograph Leroy der Meinung ist, ihr fehle die innere Leidenschaft für den schwarzen Schwan. Leroy kann nicht ahnen, was er damit in Nina anrichtet: eine Besessenheit bis zur Selbstverletzung.

"Black Swan" ist trotz einiger Tanzszenen nicht einfach ein "Ballettfilm", er ist mehr das Psychogramm einer manischen Persönlichkeit, die unaufhaltsam tiefer und tiefer in eine Parallelwelt des Wahns versinkt, ohne dass ihre Umgebung wirklich wahrnimmt, was mit ihr geschieht. Zwar erkennt zumindest die sonst herrschsüchtige und überfürsorgliche Mutter am Ende, dass es ihrer Tochter "nicht gut geht", doch an diesem Punkt ist es schon viel zu spät.

Lässt man sich darauf ein, dass man Ninas Halluzinationen ohne Verfremdungseffekte sieht, also manchmal vielleicht zunächst nicht wissen kann, ob eine Szene echt oder nur eingebildet ist, zieht einen der Film sehr bedrückend in die Scheinrealität einer psychisch Labilen und schließlich sogar Kranken. Dabei gibt es auch sicher die eine oder andere Szene, die man als sehr heftig empfinden kann, wenn man den Schmerz regelrecht mitspürt.

Ein Film, den man vielleicht nicht immer wieder sehen möchte, aber ruhig einmal ansehen sollte, unabhängig von Interesse an Tanz und speziell Ballett.

Abschließend möchte ich einfach noch sagen, dass ich rein zufällig ein paar Tage vorher auf youtube sah, wie Anna Pawlowa eben diese Szene des schwarzen Schwans in schwereloser Eleganz tanzt, und dass es mich sehr berührte, wie gut Natalie Portman, eben als Nicht-Profi, diese Verkrampftheit und verzweifelte Perfektionssucht Ninas auch beim Tanzen spielt.
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TOP 500 REZENSENTam 31. Mai 2013
Nina Sayers ist Ballerina in einem New Yorker Ballettensemble. Inwieweit das wirklich ihr eigener Wunsch ist, sei mal dahingestellt. Ihre Mutter, eine ehemalige Ballerina, die ihrem Job wegen der ungewollten Schwangerschaft mit Nina an den Nagel hängen musste, verwirklicht nun ihren Traum durch ihre Tochter, projiziert alle ihre Wunsche auf ihre Tochter und hat diese zu einem idealisierten Abbild ihrer Selbst erzogen. Nina ist so zu einer verklemmten, unsicheren, unselbstständigen und unterdrückten jungen Frau herangewachsen, die kaum etwas anderes im Leben kennt, als das Ballett.
Als die Truppe Schwanensee aufführen will, hofft Nina darauf, endlich die Hauptrolle tanzen zu dürfen. Ihr Tanzdirektor Thomas Leroy jedoch will mehr als nur technische Perfektion. Er will Ausstrahlung und Bühnenpräsenz, etwas, wofür Nina jedoch die Lebenserfahrung mangelt. Dennoch gibt Leroy ihr diese Chance und setzt alles daran, sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen, teils mit eher kruden Methoden, die an sexuelle Belästigung grenzen. Dem ist Nina, die immer isoliert war und nie wirklich gelebt hat, nicht gewachsen. Sie beginnt (erneut) Zwangsstörungen zu entwickeln, sie halluziniert und die Grenzen zwischen Traum und Realität beginnen für sie zu verschwimmen.

Nett, kein Psychothriller, eher eine psychologisierende Darstellung, was passiert, wenn übereifrige Eltern ihren Kindern eine Karriere aufoktroyieren und ihnen jegliche Möglichkeit nehmen, Lebenserfahrungen außerhalb der avisierten Karriere zu sammeln. Jeder kennt diese Streberkinder, die nie mit den anderen Kindern spielen durften, weil sie lernen mussten. Diese Kinder werden irgendwann einfach seltsam und entwickeln Störungen. Nina ist ein solches Kind und dieser Film zeigt ihren Weg in den Niedergang während sie von außen betrachtet auf dem Weg zu ihrem größten Triumph ist.
Leider hat das Film erzählerische Defizite. Der Zuschauer schlüpft teils in die Rolle der Nina und sieht ihre Weltsicht, teils ist er eben Zuschauer. Was also in einem Buch wunderbar funktionieren würde, wenn man es komplett aus Ninas Sicht schreiben würde, verwirrt im Film einfach nur, weil Szenen sich rückblickend als nicht real rausstellen und so einfach nur verwirren. Spannung kommt nicht einmal auf, das Genre ist aus meiner Sicht falsch bezeichnet. Wer also einen Psychothriller sucht, wird bei diesem Film enttäuscht werden.

Die Schauspieler und Kostüme sind sehr gut, die Animationen teilweise jedoch sehr unbeholfen und unecht und nicht auf dem üblichen Stand der Technik.
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am 15. Juni 2011
Tschaikowskys Ballett "Schwanensee" erzählt die tragische Geschichte von Odette, die von dem bösen Zauberer Rothbart in einen weißen Schwan verwandelt wurde und nur von demjenigen von ihrem Bann erlöst werden kann, der ihr die ewige Liebe schwört. Prinz Siegfried kann sein gegebenes Versprechen nicht einhalten, weil er irrtümlich einem schwarzen Schwan verfällt, der Odette täuschend ähnlich sieht, in Wahrheit aber nur ihr dämonisches Gegenbild ist, das von Rothbart kreiert wurde, um den Prinzen zu verführen. Im ursprünglichen Schluss von Tschaikowskys Stück stirbt letztendlich der weiße Schwan. In dem morbiden Thriller "Black Swan" greift die dramatische Handlung des Balletts immer stärker auf die Filmrealität über, so dass beide Ebenen mit Fortschreiten des Plots zunehmend miteinander verschachtelt werden, bis sich eine einzigartige Symbiose aus der Musik, dem sagenhaften Mythos von der Schwanenprinzessin und den Filmfiguren ergibt.

Die Verkörperung des weißen und des schwarzen Schwans stellt hohe Anforderungen, an denen schon so manche Solistin zerbrochen sein soll. Was nicht nur den Schwierigkeiten der tänzerischen Technik oder dem Ausdruck der darstellerischen Ästhetik geschuldet ist, sondern auch der Schizophrenie der Rolle selbst, die es erfordert, zwei Seiten einer Seele darzustellen, die Tugendhaftigkeit des Guten und die Verwerflichkeit des Bösen, die in einem unversöhnlichen Konflikt miteinander ringen. Die Balletttänzerin Nina stößt in "Black Swan" ebenfalls an ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Ihr Traum von der großen Chance hat sich endlich erfüllt, als Solistin löst sie in "Schwanensee" die alternde Primaballerina Beth ab, die von dem Choreographen Thomas eiskalt aufs Abstellgleis versetzt wurde. Doch für die perfektionistisch veranlagte Nina werden die knallharten Proben unter dem erbarmungslosen Erfolgsdruck zum quälenden Alptraum, der in ihr intensive Versagensängste schürt und erste physische Deformationen an ihrem Körper hinterlässt. Sie verliert an Gewicht, ihre wunden Füße fangen in den Spitzenschuhen an zu bluten, ein Ausschlag bildet sich auf ihrem Rücken und einen glaubhaften charismatischen Ausdruck für den schwarzen Schwan kann sie trotz ihrer tänzerischen Fähigkeiten im Gegensatz zu ihrer vermeintlichen Konkurrentin Lily nicht finden. Zum Leidwesen ihres Choreographen, der mit allen Mitteln versucht, den schwarzen Schwan in Nina zu entfesseln, denn der dunkle Impuls dafür muss aus den finsteren Abgründen der eigenen Seele kommen, die Nina in ihrem kontrollierten Leben bislang noch nie erfahren hat.

In Darren Aronofskys Filmen geht es fast immer um Menschen, die sich für ihre Leidenschaften bedingungslos aufopfern, weil sie in ihrer manischen Sucht von ihren Obsessionen nicht loslassen können und deshalb bereit sind, sich seelisch zugrunde zu richten. Dieser selbstzerstörerischen Hingabe verfielen Marion und Harry in "Requiem For A Dream" als sie ihrer Drogenabhängigkeit erlagen und auch Randy The Ram hat in "The Wrestler" den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg in ein normales Leben verpasst. Nicht anders ergeht es der vom Ehrgeiz zerfressenen Nina in "Black Swan", weil sie in ihrem isolierten Dasein aus der abgeschotteten Welt des Balletts einfach keinen Ausweg mehr findet und unfähig ist, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Allen Warnungen ihrer Mutter zum Trotz, die sich ebenfalls einst als Tänzerin versuchte, es allerdings nie so weit brachte, weil sie nur eine von denjenigen war, die in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Reihe verharrten. Ein Schicksal, das sich Nina unbedingt ersparen möchte. In ihrer Verzweiflung bricht sie aus der wohlbehüteten Obhut ihrer Mutter aus, gibt sich den teuflischen Verlockungen der Drogen hin und riskiert den hedonistischen Blick auf die Faszination des Grauens, weil sie als Preis für ihren großen Traum einen Teil ihrer Identität aufgeben muss und den weißen Schwan in sich tötet, um den Schwarzen tanzen zu können. Bis sie schließlich in eine schizophrene Paranoia fällt, die in Ninas subjektiv verzerrtem Bewusstsein die Grenzen zwischen Einbildung und Wirklichkeit immer mehr auf surreale Weise verschwimmen lässt.

"Black Swan" zeigt den extremen Gegensatz zwischen der anmutigen Schönheit des Balletts und dem verdrängten Anderen, das hinter dem extrovertierten Traum von der Primaballerina lauert: die egozentrischen Neurosen der Solisten, die arroganten Eitelkeiten der Choreographen, die argwöhnische Eifersucht im Ensemble, die unterdrückten Begierden und unerfüllten Sehnsüchte, die in eine gnadenlose Rivalität münden. Nicht zuletzt ist "Black Swan" deshalb auch ein Film über die narzisstische Veranlagung der Kunst selbst und die trügerischen Illusionen, die sie von der Bühne herab schürt. Wer wie Nina den ganzen Tag in Pirouetten vor lauter Spiegeln entlang wandelt, fängt irgendwann an zu glauben, dass sich die Welt nur noch um das eigene Ego dreht. Am Ende hat sie die Transformation vollzogen, Nina zelebriert ihren perfekten Moment, doch an ihrer Rolle ist sie längst kaputtgegangen. Der Kreis zu Odette in "Schwanensee" schließt sich nun. Das Böse hat triumphiert!

Der Film konzentriert sich im Wesentlichen auf das Geschehen hinter den Kulissen, das in kalten Bildern mit diffuser Ausleuchtung abgefilmt wurde. Der verspiegelte Ballettsaal, die leeren Flure, die Enge von Ninas Wohnung und die aufgewühlten Garderoben werden zum Sinnbild für die prekäre Kehrseite zur schillernden Kunst auf der Bühne. Die Sequenzen der Ballettproben sind schnell geschnitten, wobei sich die Bildführung meist der Choreographie anpasst. Die Handlung wird ausschließlich aus der Perspektive von Nina geschildert, indem die Protagonistin penetrant vom Auge der Kamera verfolgt wird, das sich mindestens genauso nervös gibt wie Nina selbst. Ein tolles Cast hat Darren Aronofsky um Natalie Portman und Mila Kunis aufgebaut. Vincent Cassel spielt den unerbittlichen Choreographen Thomas, Barbara Hershey brilliert als Ninas Mutter und Winona Ryder mimt die runtergekommene Startänzerin Beth. Das Bild der DVD ist etwas grobkörnig, weil Aronofsky bis auf die Horror-Effekte auf eine visuelle Nachbearbeitung zugunsten einer authentisch erscheinenden Atmosphäre weitgehend verzichtet hat. Bonusmaterial ist auf der Einzel-DVD nicht vorhanden.
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