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17
4,7 von 5 Sternen
Mademoiselle Chambon
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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. September 2011
Gibt es ehrliche und unehrliche Liebe?
Jede Art von echter Liebe ist ehrlich, nur die Umstände lassen sie manchmal nicht bis zur vollen Blüte entfalten.
Aber die Gefühle bleiben.
Dies ist das Thema des stillen und doch so spannenden Films von Stéphane Brizé, nach dem gleichnamigen Roman von Eric Holder.
Jean ist ein guter Handwerker und Familienvater, wortkarg, pflichtbewusst, ein herzensguter Mensch, der mit seinem Leben eigentlich zufrieden ist, bis er der kultivierten Mademoiselle Véronique Chambon, der Lehrerin seines Sohnes, begegnet. Sie macht ihn auf Lebensqualitäten aufmerksam, die er bisher nicht kannte. Es kommt zur Annäherung und zum Aufkeimen einer zarten Liebe zwischen den beiden. In Jeans ruhiges Leben bricht eine Verwirrung der Gefühle ein.
Verlässt er wegen Véronique seine Familie?
Was zählt wiklich, was ist im Leben das Wichtigste?
Es entsteht eine verzwickte Situation, die dem Film die nötige Spannung verleiht und der Zuschauer wartet ungeduldig auf die Lösung, die in ihrer Eleganz und Lebensweisheit kaum zu überbieten ist.
Ein stiller, bezaubernder Film über die Liebe, an dem kaum etwas auszusetzen ist: die hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon und das ausgezeichnete Drehbuch, Bild und die subtile Regieführung durch Stéphane Brizé machen aus dem Film etwas ganz besonderes, weit weg vom Mainstream. Ein wunderbarer Film, zart wie ein meisterhaft gemaltes Aquarell.
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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2011
Das ist eben das, was nur die Franzosen wirklich gut beherrschen: Diese Geschichten aus dem Leben zu erzählen, mit Menschen wie Du und ich. Dazu brauchen sie keine Effekthascherei, keinen Lärm, keine überzogenen Klischees und keine riesigen Budgets. Diese Geschichten langweilen nie....sie berühren eigentlich immer.
So auch "Mademoiselle Chambon".
Diese tiefen Gefühle zwischen dem einfachen Handwerker und der Lehrerin seines Sohnes, von denen beide wissen, dass diese Liebe keine Zukunft hat....man leidet so mit!
Ich bin immer wieder tief bewegt davon, wie wenig ein Film braucht um gut zu sein. Wenn man das Glück hat Schauspieler zu finden, die einen Film allein mit ihrer Charakterdarstellung tragen können und eine Geschichte, die der Zuschauer nachempfinden kann, ja dann hat man eben so eine Perle wie Mademoiselle Chambon.
Tip an alle Gefühlvollen: Taschentücher bereit halten;-)
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Dezember 2012
So ist das mit kleinen relativ unbekannten Filmen, die um nächtliche Zeit unbemerkt in einem Kultursender laufen.
Zufällig schaut man sie, - und wird mit einem der schönsten, zartesten Filmjuwelen der letzten Zeit belohnt.
Ein Film, wie ein Geschenk an die Seele. Man kann ihn nur ins Herz schließen und sogleich am nächsten Tag losgehen, ihn kaufen um sich immer wieder an ihm zu erfreuen.
"Mademoiselle Chambon" ist eine so tief gehende, leise, sehnsüchtige Melodie der Liebe, bittersüss und tieftraurig, so wunderschön wie sie nur in Frankreich mit französischem Regisseur und Darstellern komponiert werden kann.
Mit so wenig Geschnörkel, so wenig Aufwand kann eine Geschichte erzählt werden, die die Seele zum Klingen bringt. Erzählt wird die Geschichte zweier Menschen, unterschiedlich in ihrem Lebensentwürfen und Charaktereigenschaften, die sich verlieben, sich fast spiegelbildlich ergänzen, und dieses Wunder erleben, einem Seelenverwandten gegenüberzustehen, vielleicht dem Menschen, auf den man sein ganzes Leben lang gewartet hat.
Doch diese beiden Menschen treffen sich zu einem Zeitpunkt ihres Lebens, an dem ihre Liebe nicht lebbar erscheint. Vielleicht hat das jeder schon einmal gefühlt;die grosse Innigkeit, Vertrautheit, Sehnsucht nach dem geliebten Ideal. Doch es ist die falsche Zeit, der falsche Ort und so schnell wie er gekommen, verschwindet dieser Zauber auch wieder aus unserem Leben, aber er hat uns für immer verändert.
Mehr möchte ich zu diesem Film nicht erzählen, denn jeder soll sich von ihm selbst verführen lassen. Am Ende gibt es eine Abschiedsszene, die zum berührendsten, und traurigsten gehört, was ich seit langem gesehen habe, und die wohl jeden Zuschauer mitten ins Herz trifft.
Dieser Film wird getragen von hinreissender Musik, feinsinniger Regie und grossen Schauspielerleistungen. Fürwahr Grösse verdeutlicht in kleinen Gesten, stillen Momenten. Das Treffen der ersten Blicke, die erste Berührung beider Hände- Da hält der Zuschauer den Atem an.
Wahre Menschen werden hier gezeigt, nicht abgehoben, unrealistisch, aufgesetzt, maniriert sondern unsere eigenen Gefühle, Träume, Sehnsüchte abbildend. Ein Film der das Herz wärmt. Nehmen sie den Menschen, den sie lieben in den Arm und staunen sie über das Wunder der Liebe. Sie ist ein Traum, lässt uns Konventionen hinterfragen, überrascht uns, erfüllt oder verbrennt uns. Und hat sie auch einmal keine Zukunft, sie erfüllt uns und wirbelt unser Leben durcheinander wie eine Naturgewalt oder wie die feine Kraft eines Augenaufschlags.
Viel Freude beim Geniessen dieses Kunstwerks.
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56 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Mai 2011
Eine sehr leise und unaufdringliche Liebesgeschichte.
(Aushilfs-) Lehrerin (wunderbar: Kiberlain) lernt Handwerker (sehr reduziert: Lindon) kennen und verliebt sich in ihn. Er ist verheiratet und sie lebt allein, auf der Duchreise, ähnlich George Clooneys Figur in 'Up in the air'. Sie springt ein, wenn kein anderer Lehrer da ist, das hat sie sich zur Aufgabe gemacht. Flucht? Angst vor der eigenen Konsequenz oder Courage? Das erfährt man, wenn man diesen leisen und schlichten französischen Film gesehen hat. Das ist der Grund, warum ich das frz. Kino liebe: die Charaktere bleiben ambivalent, doch in sich schlüssig, und die Dialoge sind minimalistisch, kaum ein gesprochenes Wort, die Verständigung findet über die Musik und über Gesten statt.
Ein Film, der berührt.
Man muss sich einlassen auf die Stimmung, auf die Bilder, auf die Momentaufnahmen.
Das Leben kommt, das Leben geht. Was wir daraus machen, haben wir nicht immer in der Hand. Mademoiselle Chambon wirkt klar, kongruent, doch sie flieht, sie scheut das Dauerhafte, so sehr sie es auch sehnt.
Wenn sie dann am Bahnsteig ankommt und hofft (so glauben wir als indiskrete Zuschauer), dass ER da sei, dann wird SIE sich ihrer Situation bewusst, oder auch nicht?! Ausweglos? Hilflos? Wo ist mein Glück? Wo mein Ziel?
In seinem Blick erkennen wir, dass es kein Miteinander geben wird, keine Zweisamkeit. Und doch hoffen wir so sehr, dass die Beiden zu einander finden werden...
Ein Kleinod.
Die leisen Töne zu ertragen gilt es, das ist nicht leicht, aber schreibt das Leben nicht eben solche Geschichten?
Großes Kino, mit ganz kleinen Gesten.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Oktober 2011
Ein leiser Film und doch ganz großes Kino!

Eine junge Lehrerin kommt als Vertretung in eine französische Kleinstadt. Sie bittet den Vater einer ihrer Schüler, einen Maurer und soliden Ehemann, vor der Klasse etwas über seinen Beruf zu erzählen. Beide kommen sich näher, verlieben sich. Es eröffnet sich Ihnen mitten im Alltag so etwas wie ein emotionales Paralleluniversum ...

Dieser Film ist wie ein Aquarell: Mit sehr feinen Pinselstrichen bzw. Mitteln wird dargestellt, wie sich die beiden behutsam einander öffnen. Beide Schauspieler sind großartig: Sandrine Kiberlain wirkt bei aller Souveränität als Lehrerin in ihren Gefühlen zerbrechlich wie ein Eiskristall. Vincent Lindon gibt den nach außen spröden, in Wahrheit hochsensiblen Mann, der doch schwer aus seiner Haut kann. Die Art wie sich beide sich fast völlig ohne Worte und mit sparsamesten Gesten doch im Gleichklang befinden und unmerklich bei jeder Begegnung die gemeinsame Zeit am liebsten ins Unendliche dehnen wollen ist ein sehr schönes und wunderbar dargestelltes Bild für die Liebe.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. März 2012
Da begegnet sich zufällig eine eher fragil wirkende Frau und ein eher kräftig, stark wirkender Mann. Sie um die Dreissig, er um die Vierzig. Es funkt nicht gleich und auch sonst deutet nichts sofort darauf hin, dass gegenseitige starke Anziehungskraft vorherrschend wäre. Bis zum dem Moment wo Jean von sein Beruf erzählt. Vor der Schulklasse von Mme Chambon. Seine Schilderung von Stabilität, Dauerhaftigkeit, Langlebigkeit und Verlässlichkeit (.. in Bezug auf die Häuser, die er als Maurer baut..) berühren eine "offene Baustelle" bei ihr. Umgekehrt wird er innerlich tief berührt, als er im Rahmen eines Fensterreparaturauftrages bei ihr zu Hause weilt und ihre Violine, ihre Art zu leben, sieht. Den ersten Schritt auf sie zu, macht am Anfang Jean. Sie begegenen sich zart, vorsichtig fast unsicher aber mit sehr starken, aus der Tiefe geweckten Gefühle. Bei ihr scheint die Sehnsuchtsreise verkörpert durch die vielen Stellen, die sie Jahr für Jahr wechselt, einer scheinbare Endstation gefunden zu haben. Am Ziel? Bei Jean hingegen finden, ausgelöst durch diese Begegnung, starke innere Kämpfe statt, die er nur mit sich ausficht. Es scheint im fremd und doch verlockend schön. Nach ihrem begegnersichen Höhepunkt, den sie suchen und doch zu vermeiden anstreben, brennen deren Seelen. Ein Ausbrechen aus dem Bisherigen von Jean findet kurz vor dem finalen Schritt ein Ende. Ein Schluss, der zeigt, dass kurze seelische Strohfeuer (.. seien sie auch noch so schön...) nicht ersetzten, was man jahrelang aufgebaut hat und worin man mental wie auch seelisch fusst. Hier; Die Ehe von Jean. So bleibt am Ende jeder dort wo er vorher schon war.. Mme Chambon muss weiter ziehen mit ihren Sehnsüchten, Unsicherheiten, Verletztheiten, Träumen .... ohne Jean.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 17. Mai 2011
Ein Familienvater verliebt sich in die Lehrerin seines Sohnes. Das könnte der Plot eines ganz normalen Liebesfilmes sein. Stéphane Brizé inszeniert jedoch seinen Film "Mademoiselle Chambon" sehr speziell und anders. Alles ist sehr distanziert und emotionsarm. Keine grosse Gefühls- und Kitschorgie. Die Protagonisten sind sehr wortkarg und einsam. Sie nähren sich nur ganz langsam und sensibel an. Es hat den Anschein, dass unsichtbare Grenzen sie trennen. Diese Grenze steht ihrem Glück ihm Weg und es ist ihren nicht möglich, diese Grenze zu überwinden. Sie können einfach nicht ihre Gefühle mitteilen und danach leben. Grosse Kommunikationsunfähigkeit. Die Musik hat den Zweck, die Kommunikation zu ermöglichen. Trotz dieser irritierenden emotionalen Kälte wirkte der Film auf mich doch sehr berührend. Man muss sich auf den Film einlassen, denn es handelt sich um keine Durchschnittskost. Der Film kann auch als Antithese zu den dialoglastigen Filmen von Eric Rohmer gesehen werden, wo die Liebesprobleme ausführlich ausdiskutiert werden.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. März 2012
Man hat großes Glück, wenn man im Leben jemandem begegnet, der eine noch nicht gespielte Saite in einem selbst zum Schwingen bringt. Es ist alles schon da, nur eine andere Person braucht es, um daran zu rühren. Zu zeigen, dass das Leben immer noch etwas mehr bereit halten kann.
Er, der gestandene Mann mit tiefen Wurzeln in der Familie und seinem durch und durch ehrlichen, bodenständigen Beruf als Maurer. Es fehlt ihm nichts, doch er ist ein heimlicher Feingeist, mit Liebe zur Musik, vielleicht zur Kunst, vielleicht zur Literatur. Er hat es nur noch nie ausprobiert, es ist neu und weckt doch Sehnsüchte. Der schlummernde Geist erwacht und weiß noch nicht, wohin.
Sie, der Feingeist, Lehrerin, Musikerin, entwurzelt, ewig auf der Flucht vor den Dämonen ihrer Erziehung, heimatlos. Sie hat das Ätherische, was ihm bis jetzt entging; er hat die Erdverbundenheit, die ihr so sehr fehlt. Die Anziehungskraft ist magisch, ist beiderseits nicht gewollt. Es wird ihnen beiden ein bisschen das Herz brechen und doch ist es solch ein Glück, dass sie sich getroffen haben.
Was für ein Film.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. April 2015
Das Thema und der Ablauf, auch das bewegende Ende, sind schnell erzählt, in einigen Rezensionen schon "gespoilert", was der Faszination jedoch nicht abträglich ist.
Der Handwerker Jean (Vincent Lindon) ist glücklich verheiratet, der Umgang der Familienmitglieder miteinander ist liebevoll, ein wiederkehrender Handlungsstrang ist das Waschen der Füße seines betagten Vaters durch Jean.
Anstelle der erkrankten Ehefrau holt er seinen Sohn von der Schule ab und lernt so dessen Lehrerin, Mademoiselle Chambon, kennen. Auf den ersten Blick ist schon ein Funke übergesprungen, den Vorschlag seiner Ehefrau (Aure Atika), die neue Lehrerin zum Essen einzuladen, lehnt er ab, man merkt ihm aber an, daß er sie gerne wiedersähe.
Nachdem er vor Mademoiselle Chambons Schulklasse in einfachen Worten, die Schüler aber beeindruckend, von seiner Arbeit als Maurer berichtet und erklärt hat, was ihn an der Arbeit so fasziniert, berichtet die Lehrerin von einem zugigen Fenster in ihrer Wohnung. Er erklärt sich bereit, es gegen Entlohnung auszutauschen.
Sie bereitet vor seiner Ankunft mit Werkzeug und neuen Fensterflügeln liebevoll arrangiert einen Teller mit Keksen vor, er räumt vor Beginn der mit Schmutz verbundenen Arbeit ihre Geige beiseite. Nach Beendigung der Arbeit bittet er sie, ihm etwas auf der Geige vorzuspielen, er kennt den Titel eines von ihm geliebten Stückes nicht, sie ziert sich zuerst, spielt es dann aber mit dem Rücken zu ihm.
Bei dem Stück handelt es sich um die Suite D minor (Moll) von Edward Elgar , die es auch in einer Version mit Klavierbegleitung gibt. Ist dieses Stück wichtig? Unbedingt, denn das Stück beschreibt für mich zwei Gefühle : einmal Melancholie, dann verhaltene Fröhlichkeit oder Optimismus.
Dieses Stück hören wir als musikalische Begleitung der Handlung und der wechselnden Stimmungen immer wieder.
Nachdem sie gemeinsam auf einem Sofa sitzend das Stück noch einmal als CD gehört haben, kommt es zur vorsichtigen Annäherung, zunächst ein kürzerer sanfter Kuss, dann länger und inniger.
Jean steckt danach in einem inneren Zwiespalt: seine Frau erzählt von ihrer erneuten Schwandgerschaft, was seine Einstellung natürlich ins Wanken bringt.
Auch ihr , die bisher immer nur für ein Schuljahr als Vertetung an diversen Orten gearbeitet hat, wird jetzt eine feste Anstellung angeboten.
Der Kontakt flaut ab, sie geht wiederholt nicht ans Telefon, wenn er auf den Anrufbeantworter spricht, später besucht sie ihn auf der Baustelle, er bleibt reserviert, ihr gelingt es auch nicht, ein Gespräch über die Beziehung in Gang zu bringen.
Jeans Ehefrau leidet, er sei nicht bei ihr, verändert, auch bei der Arbeit gibt es Zoff, nachdem er einen Winkelschleifer geschrottet hat.
Schließlich teilt sie der Schulleiterin mit, daß sie das Stellenangebot ausschlägt, was Jean traurig, aber auch erleichtert scheinend , zur Kenntnis nimmt.
Am Tag vor ihrer Abreise schlafen sie zum ersten Mal miteinander, er wiil sie am nächsten Tag zum Bahnhof bringen. Sie ist dann aber schon per Taxi weggefahren. Jean folgt ihr mit gepackter Reisetasche, hetzt durch die Unterführung zu ihrem Bahnsteig, wird dann aber immer langsamer und bleibt unten, während sie immer wieder erwartungsvoll zur Treppe blickt und schließlich resigniert einsteigt.
Manche Aspekte kann man, und das lese ich bei den Mitrezensenten, unterschiedlich sehen. Wechselt sie jährlich die Stellen, weil sie sich nicht binden will? Oder nie den richtigen Mann findet? Ist sie schon öfter enttäuscht worden?
Zieht er sich zurück, weil er aus Pflichtgefühl gegenüber seiner tollen Familie und Liebe zu seiner Heimat keine neue Liebe und Veränderung eingehen und riskieren will? Oder ahnt er, daß Liebe und Verliebtheit nicht dasselbe sind?
Wie auch immer, mehrere Deutungen sind möglich, und das ist das Schöne an diesem Forum: durch fundierte Rezensionen erhält man einen neuen Blick auf einen Film, erkennt neue Interpretationsmöglichkeiten, auch durch Rezensenten, denen der Film nicht gefallen hat.

Und das ist das Besondere an den Rezensionen zu diesem Film: überwiegend positive, vor allen Dingen aber fast nur aussagekräftige, fundierte Ansichten anstatt nichssagendem Lob oder Verriß.
Ich kann mich an dieser Stelle bei vielen Mitrezensenten bedanken, die meine Ansicht bereichert haben, ganz besonders bei demjenigen, der schon oft meine Meinung zu einem Film geteilt und mir wertvolle Tipps gegeben hat (vice versa), so auch zu diesem zauberhaften Film.

Noch ein letztes Wort zu den Darstellern: V.Lindon, den ich schon kannte, gibt den im Gefühlszwiespalt lebenden Maurer überzeugend, auch in den Szenen , in denen er den Beruf ausübt.
Die mir bisher unbekannte Sandrine Kiberlain, eine sympathische, zurückhaltende Schönheit, gefällt nicht nur durch ihr gefühlvolles Spiel, sondern auch als Violinistin: noch nie habe ich einen Schauspieler/in derart glaubwürdig an der Geige gesehen, daß sie nicht die Violinistin ist, sah ich zuerst an der Bogenführung, die nicht ganz stimmte, während das Greifen der Seiten mit der Linken weitgehend gelungen war.

Der Film ist für mich einer der wunderbarsten Liebesfilme (Liebesdrama) überhaupt, da kann keine hochgelobte und oskarprämierte Hollywood-Romanze mithalten.

Doc Halliday
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Oktober 2011
Dies ein wunderbar leiser Film, der Sehnsucht weckt und erklärt, wie das Gefühl von Liebe funktioniert. Liebe schafft keine Schuldigen, sondern eigentlich nur großes Glück. Auch wenn es nicht jeder ausleben kann. Wenn man dann noch zufällig genau in der selben Situation ist, könnte man auf der Couch sitzen und losheulen. Ganz großes Kino der leisen Töne und Gesten.
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