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am 24. Juli 2002
Es ist bekannt, das Michelangeli um jeden Takt, jede Note feilschte und das Resultat stets das Ergebnis harter analytischer Arbeit war. Daher wirken seine Interpretationen im Detail genauso abgerundet wie im großen Strukturzusammenhang der Gesamtwerkes. Die scheinbar unzähligen dynamischen Wechsel und Akzentuierungen gepaart mit der fabelhaften Anschlagkultur, die ihn so auszeichnet machen es für andere Einspielungen dieser Stücke schwer, neben seiner zu bestehen, weil man bei Michelangeli immer das Gefühl hat, seine Interpretation ist die einzig richtige.
Bereits bei Brahms Balladen op.10 demonstriert Michelangeli seine dynamische Vielseitigkeit. Er vermag es gleichermaßen die hölzernen Akkorde der ersten Ballade mit großer Kraft in die Tasten zu schmettern als auch die ineinander verwobenen Melodiebögen der vierten Ballade im feinsten pianissimo wie durch ein Kaleidoskop gespiegelt aufzufächern.
Die Schubert Sonate mit ihrem wild-trotzigem Beginn im ersten Satz und der unmittelbar darauffolgenden resignierenden langsamen Passage, die im steten Wechselspiel zueinander stehen spielt Michelangeli derart flüssig und scheinbar wie aus einem Guss, als ob es dazwischen keine Kluft zu überwinden gäbe. Und das spritzige Finale hört man selbst bei Brendel nicht so brillant.
Zu guter letzt steht die frühe Es-Dur Sonate Beethovens, die er mit 26 Jahren komponierte und die Michelangeli als "pezzo da camara" bezeichnete. Und so spielt er sie dann auch intim und meditativ, als wäre sie ein Bläserseptett. Er selbst dachte sich das Rondothema wie von einer Flöte gespielt und die Phrasierung des zweiten Themas aus dem ersten Satz ergab sich für ihn daher, das er sich die Achtelpausen wie Atempausen vorstellte, wie sie Klarinetten und Flöten beim Vortrag dieses Themas nehmen müssten.
Der Klang der Aufnahme ist überwältigend und für den Preis ist diese CD ein Muss!
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TOP 500 REZENSENTam 18. April 2007
Arturo Benedetti Michelangeli (1920-1995) galt als Außenseiter und auch ein wenig als Exzentriker unter den großen Pianisten der vergangenen Jahrhunderts. Er war ein fanatischer Arbeiter, ein Analyst und Perfektionist am Klavier und hat der Nachwelt nur wenige Aufnahmen hinterlassen. Praktisch alle verdienen aber besondere Beachtung.
So auch die hier von der Deutschen Grammophon Gesellschaft in ihrer Serie "The Originals" wieder veröffentlichten Produktionen. Sie umfassen die vier Balladen op. 10 von Johannes Brahms, die Sonate D. 537 von Franz Schubert und Beethovens frühe Sonate Nr. 4 op. 7. Alle diese doch recht unterschiedlichen Kompositionen werden unter Michelangelis Händen zu wahren Trouvaillen, jeder Ton sitzt, die Technik des Italieners ist wiederum staunenswert, aber diese absolute Perfektion hindert ihn keineswegs, auch die musikalische und tonpoetische Seite der Werke in ihrem Wesensgehalt voll zu erfassen. Kaum jemand versteht es so wie er, die feinziselierten Entwicklungslinien der Stücke so vollendet aufzufächern. Ich halte die vorliegende CD für ein Muß für jeden ernsthaften Freund klassischer und romantischer Klaviermusik. Zum Gedenken an den großen Künstler ist sie ebenfalls hervorragend geeignet.
Die DGG hat ein repräsentatives Textheft mit einem interessanten Beitrag von Peter Cossé beigelegt. Die Aufnahmen entstanden 1971 (Beethoven) und 1981 (Brahms, Schubert) und wurden mit dem "Original-Image Bit-Processing" klanglich aktualisiert. Sie klingen nunmehr optimal räumlich und natürlich. 80 Minuten Klaviermusik vom Feinsten: Höchst empfehlenswert!
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am 4. Februar 2013
Ich hatte die Scheibe bereits während meiner Studienzeit als Vinyl-LP. Die Einspielung ist m.E. immer noch konkurrenzlos gut ! Für alle, denen Zirkusaffen in der Klassik zuwider sind !
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am 3. November 2009
die enthaltene Schubert und Brahms-Aufnahme ist wirklich mustergültig und grandios: welches Klang- und Ausdrucksspektrum ! Kein Wunder, daß die Aufnahme der unverständlicherweise recht selten gespielten Schubert-Sonate von Sviatoslav Richter (!) gelobt wurde.

Der Beethoven gehört m.E. in die Kategorie "großartige Verfehlungen". Hier hört man, warum Benedetti Michelangeli von Celibidache verehrt wurde. Der erste Satz ist wohl ca. im halben, von Beethoven gedachten (?) Tempo gespielt, aber welche Phrasierungskunst und welche Klangfarben !!! Und, oh Wunder, man hat nicht, wie zuweilen bei Celis Beethoven-Interpretationen, den Eindruck, mit 80 km/h auf der linken Spur rumzuzuckeln ... auch hierfür 5 Sterne.
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am 27. November 2002
Obschon es sich um eine teilweise wiederaufgelegte Edition von 1981 handelt - gemeint sind die 4 Balladen sowie die Schubertsonate - gespielt auf einem sagenhaften, etwa 80 Jahre alten Steinway D-Flügel (wahrscheinlich von 1922) ist diese, um die Beethovensonate erweiterte Auflage, eine echte Bereicherung: Jeder Satz, jedes Stück wirkt auf mich ikonenhaft in seiner panistischen und interpretatorischen Vollendung. Eigentlich braucht man nur diese CD zu kennen, wenn es darum geht, Klassik in klanglich und künstlerisch höchster Reinkultur zu genießen zu können.
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