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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Klassiker, 28. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Bolero / Mere l'oye u.a. (Audio CD)
In den 80er Jahren haben sich im wesentlichen zwei Dirigenten als Ravel-Interpreten profiliert: Während Dutoit mit seinem Montrealer Orchester verführerische Klangfarben zeichnete, ihn als Impressionisten lesend, zeigte Abbado mit den Berliner Philharmonikern sehr klar und transparent Ravels Bedeutung für die Musik des 20. Jahrhunderts auf. Boulez, von dem man - selbst bereits ein Klassiker des 20. Jahrunderts - eigentlich noch härtere Linien gewohnt war, ist, wieder mit den Berlinern, die Synthese dieser beiden Tugenden gelungen. Damit ist eine optimale Interpretation dieser an sich hinlänglich bekannten Werke entstanden: In "Ma Mère l'Oye" werden die Linien wunderbar sensibel ausgeformt, und besonders die Bläser beeindrucken durch ihre Homogenität. "Alborada" lässt dagegen nichts an rhythmischer Schärfe missen, und selbst der Bolero-Schlager ist mit präzise kalkulierter Steigerung wieder spannend. Alles macht einen höchst ausgewogenen, jedoch nie routinierten Eindruck. Dazu hat die Deutsche Grammophon im Gegensatz zum früheren, überbrilliant und hyperaufgelösten Karajan-Klangbild einen wirklichen, homogenen Klangkörper bei einer sehr realistischen Dynamik geschaffen. Was will man von einer Referenzaufnahme mehr erwarten?
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im keuschen und strengen Zaubergarten der Klänge, 20. April 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bolero / Mere l'oye u.a. (Audio CD)
Es wird gesagt, dass kein Komponist ein so feines Gehör hatte wie Maurice Ravel. Eben deswegen wurde er zum Meister der Instrumentation und deswegen benötigen auch seine Hörer ein feines Organ. Insbesondere für die vorliegende Aufnahme, denn so fein und zart - aber auch streng - hat man Ravel wohl noch nie zuvor gehört! Nicht zufällig ist Pierre Boulez, wahrlich ein Ravel-Kenner, mit den Berliner Philharmonikern in die Berliner Jesus-Christus Kirche umgezogen, wo offensichtlich eine ganz besonders subtile Akustik verfügbar ist. Ein volltönend satter Orchesterklang ist aufgrund des Nachhalls von vornherein ausgeschlossen. Die Rahmenbedingungen erzwingen somit eine kammermusikalisch aufgefächerte Interpretation, eine Herausforderung, die von den Musikern dankbar angenommen wird. In den vielen solistischen Passagen der Werke können sie ihre Brillanz unter Beweis stellen. Dazu hat Boulez, wie man es ja von ihm fast schon erwartet, versteckte polyphone Strukturen in der Musik aufgedeckt, und dies noch weit mehr als in seinen gefeierten Aufnahmen aus den siebziger Jahren.

Gleich dem ersten Werk auf der CD, der Musik zum Märchenballett Ma Mère l'Oye kommt dieser Ansatz sehr zugute, klingt diese Musik andernorts doch oft etwas süßlich und naiv-kindlich. Boulez nimmt die heiter-verspielten Teile mit behutsamen Tempi etwas zurück zugunsten der nachdenklichen Aspekte, wie in der Pavane über die schlafende Schöne oder in der Szene vom kleinen Däumling, der sich im Wald verlaufen hat. Dessen unschuldige Traurigkeit ist die eines Kindes, und sie stellt eine Grundstimmung in Ravels Werken dar. In der Melancholie der Musik spiegelt sich letztlich die rätselhafte Einsamkeit des Komponisten.

Une Barque sur l'Ocean - eine Bearbeitung des gleichnamigen Klavierstücks aus dem Zyklus Miroirs - ist ein Meisterstück der Instrumentation. Man spürt förmlich unter den Füßen die Dünung des Meeres, die das Boot in gefährliche Schwingungen versetzt, hört das beunruhigende Wehen der Sturmwinde und selbst noch am Ende, wo sich die Elemente wieder beruhigt haben, lastet immer noch eine leichte Verängstigung auf dem Hörer. Diese (dramaturgische) Schwäche mag der Grund dafür sein, dass das Stück bis heute nicht allzu populär geworden ist.

Ganz im Unterschied zur Alborada del Gracioso - auch sie eine Bearbeitung aus dem Klavierzyklus Miroirs - , die zum iberischen Teil der CD überleitet. Eben dieses Stück hat den Rezensenten vor 36 Jahren das erste Mal zu Ravel verführt. Es ist ein kurzes, aber hinreißend lebendiges Psychogramm eines mittelalterlichen Hofnarren, der zu Tagesanbruch von bizarr wechselnden Launen überfallen wird. Die schroffen Übergänge von tänzerischer Beschwingtheit zu eruptiver Leidenschaft, das Absinken in dumpfen Liebeskummer, der unvermittelte Schmerzensausbruch in der Mitte und die Rückkehr zur überbordenden Lebenslust des Anfangs, könnten nach dem Zeugnis von Zeitgenossen durchaus autobiografische Züge tragen.

Die Rapsodie espagnole, Ravels erstes bedeutendes Orchesterwerk, klingt nicht nur im einleitenden Präludium sondern über weite Strecken wie ein in sich gekehrtes Nachtstück an der Grenze des Hörbaren. Die berühmte Habanera ist gleichsam eine Geistererscheinung. Fast scheint sie stehenzubleiben, so sehr lauscht die Musik selbstgenügsam in sich selber hinein. Umso mehr überraschen den Hörer die kräftigen Klänge der abschließenden Feria, in denen gegen Ende ein beunruhigend chaotischer Unterton mitschwingt (wie später dann in La Valse).

Den Bolero hat Ravel selbst einmal als sein einziges Meisterwerk bezeichnet, das aber mit Musik leider nichts zu tun" habe! Von daher ist er wohl das am meisten verkannte Musikstück überhaupt. Es gibt gewichtige Gründe für die Vermutung, dass das legendäre 16-taktige Thema von Ravel notiert wurde, als er der Zusammenkunft einer Sufi-Bruderschaft beiwohnte, wo zu dieser Musik heilige Tänze aufgeführt wurden. Jeder unbefangene Zuhörer spürt (besonders in den ersten noch relativ intimen Variationen der Holzbläser), dass dieses kreisende Thema seine jenseitige Schönheit von einer sehr hohen Quelle nimmt, und dass es folglich überhaupt gar nicht möglich ist, es variierend abzuwandeln! Vielleicht hat sich Ravel gegenüber der Bruderschaft dazu verpflichten müssen, seine Quelle geheim zu halten. Weder der englische, noch der französische, noch der deutsche, und auch nicht der italienische Begleittext gehen auf diesen Hintergrund ein. Ob nun Boulez davon wusste oder nicht, er lässt den Bolero mit eben der keuschen Reinheit spielen, die dieser sakralen Musik zusteht, als eine sich immer mehr verfestigende geistige Spirale, die am Ende mit dem Eintritt des fremden E-Dur dramatisch zerbricht. Und dieses Ende, nicht der Anfang, ist das eigentliche Geheimnis des Bolero.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ravel vom Feinsten, 16. Mai 2010
Von 
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bolero / Mere l'oye u.a. (Audio CD)
Zu jeder Einspielung ravelscher Orchesterwerke gehört natürlich sein berühmter Boléro. Und so ließ es sich auch der Impressionismus Spezialist Pierre Boulez nicht nehmen, dieses Werk neben zahlreichen anderen einzuspielen.

Als Auftragsdichtung nahm sich Maurice Ravel den spanischen Tanz des Boléro für eine choreographische Studie vor. Auch wenn der Franzose der Ansicht war, dass sein "einziges Meisterwerk gar keine Musik" enthalte, so bleibt doch festzuhalten, dass die Feinheit seiner Orchestrierung, die Ausnutzung der vollständigen musikalischen Farbenpalette - obschon der Boléro alles andere als impressionistisch ist - und der grandiose Schlussakzent über das immer gleichbleibende Themenmaterial, den immer gleichen Tonfall, den immer selben Rhythmus, ja sogar das stete Tempo hinwegwischt und ein kurzweiliges Werk entstehen lässt.

Neben seinem großen Meisterwerk, dem Ballett "Daphnis et Chloé", schrieb Ravel auch noch ein kleineres Ballett, "Ma Mère l'Oye", das er zuerst für Klavier zu vier Händen konzipierte, dann aber, unter Hinzufügung eines Préludes und anderer Kleinigkeiten, orchestrierte. Nach besagtem Prélude reiht der französische Meister zahlreiche Bilder seiner Kindheitserinnerungen aneinander, die alle mehr oder weniger bekannte Märchenfiguren zum Inhalt haben. Nach dem "Tanz des Spinnrades" - herrliche Klangmalerei der Pizzikatostreicher -, der "Pavane für Dornröschen" - andächtig und lautmalerisch vom Feinstein -, dem "Eintritt der Schönen und des Biestes" und dem "kleinen Däumling" folgt ein Intermezzo, ebenfalls von Ravel neu komponiert. Anschließend tritt "Laideronette, die Königin der Pagoden" auf. Alles mündet in das ausgelassene Spektakel im "Feengarten". Dieses Gelegenheitswerk des Komponisten ist von großer Zierlichkeit und Anmut. Ravel wandte viel Liebe für impressionistische Verzierungen auf.

Im kurzen Stück "Un Barque sur l'Océan" beschreibt Ravel klangmalerisch, verschwommen und berauschend die stürmische Fahrt eines Kahns bei schwerem Seegang. Neben der stark impressionistischen Betonung legt der Komponist - wie so oft - viel Wert auf Gefühl und Empfindung.

Eines seiner besten Orchesterwerke ist die "Rapsodie espagnole". Als gebürtiger Katalane fühlte sich Ravel schon allein aufgrund seiner Liebe zu seiner spanischstämmigen Mutter Spanien stark verpflichtet. Wie auch Claude Debussy, der Spanien in seinem Stück Ibéria huldigte, so gibt auch Ravel eine Liebeserklärung an die iberische Halbinsel. Das Stück beginnt mit einem betörenden "Prélude à la Nuit", das in die traumtänzerische "Malagueña" mündet, die letztlich zurück zu den einprägsamen Akkorden des Préludes gelangt. In der "Habanera" lässt Debussys "Parfum de la Nuit" grüßen. Das große Finale ist die "Feria", die lautmalerische Umsetzung des großen spanischen Volksfestes. Die Klangfetzen, die verwaschenen Konturen, die pittoreske Ziselierung Ravels verleihen diesem Satz etwas Erhabenes.

In ähnlichem Kontext wie die "Rapsodie espagnole" steht das Stück "Alborada del Gracioso". Auch dieses grazile, teils schwere Oeuvre ist südländisch angehaucht.

Der alterweise Pierre Boulez spielt diese Stücke zusammen mit den tadellos spielenden Berlinern glänzend ein. Wie immer bei Ravel oder Debussy schafft er einen wundervollen Ausgleich zwischen seiner wesenseigenen Analytik und spieltechnischer Farbgebung. Der Ton ist einwandfrei. Und so hat Boulez eine weitere referenzverdächtige Ravel/ Impressionismus Einspielung hingelegt...
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Ravel: Ma Mère L'Oye; Boléro etc.
Ravel: Ma Mère L'Oye; Boléro etc. von Berliner Philharmoniker and Pierre Boulez
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