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Sizilien um 1860. Der alternde Fürst Don Fabrizio (Burt Lancaster) stellt sich zur Überraschung seiner Standesgenossen auf die Seite der bürgerlich-liberalen Kräfte. So hat er auch keine Einwände gegen die Hochzeit seines Neffen Tancredi (Alain Delon) mit der Tochter des opportunistischen Bürgermeisters Calogero Sedara (Paolo Stoppa), da eine Vermischung der begüterten Bourgeoisie mit der zum Abstieg verurteilten Aristokratie ohnehin nur eine Frage der Zeit ist. Gleichzeitig verweigert er aber seine Mitarbeit am neuen Königreich Italien: "Wir waren die Leoparden. Unseren Platz werden Schakale, Hyänen und Schafe einnehmen." Bei einem Ball begegnen sich schließlich alte und neue Gesellschaft zu einem grandiosen Totentanz.
Luchino Visconti (1906-1976) schuf ein bewegendes historisches und gesellschaftliches Panoramabild von faszinierender Schönheit und analytischer Schärfe. Seine Sympathie gilt der überlebten Herrschaftsschicht, die dem Volk näher steht als die bürgerlichen Emporkömmlinge, die für Visconti eine direkte Verbindungslinie zum Mussolini-Faschismus darstellen. Dieser Dialektik entsprechend bewegt sich der Stil des Films zwischen blühender Pracht und morbidem Glanz.
Viscontis Film war in Deutschland jahrelang nur in gekürzter Fassung (161 min) zu sehen. Die Blueray enthält die vollständige, 26 Minuten längere Fassung, die bereits ab 1993 mehrfach im ZDF zu sehen war und 2004 erstmals auf DVD von Koch-Media veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zur DVD wurden die eingefügten Passagen nunmehr nachsynchronsisiert, wobei die Wahl der Sprecher wohl nicht immer glücklich war.

Bild- und Tonqualität sind dem Alter des Films angemessen gut. Im Vergleich zur DVD-Edition von 2004 wurde das Bildmaterial sichtbar verbessert. Die neue Qualität des Mediums Blue-ray kommt sichtbar zur Geltung.
Als Bonusmaterial enthält die Blue-ray ein 2003 geführtes Interview mit dem Produzenten Goffredo Lombardo (1920-2005 /deutsch untertitel), den französischen und italienischen Kinotrailer, Wochenschauaufnhamen von der Premiere sowie eine Bildergalerie mit Werbematerial.
Leider wurde auf das informative 16seitiges Booklet mit einem Text des Münchner Filmhistorikers Robert Fischer, dass der DVD-Special-Edition beilag, verzichtet. Auch eine Dokumentation über Luchino Visconti wäre wünschenswert gewesen.
Fazit: DER LEOPARD sollte in keiner filmhistorisch orientierten Sammlung fehlen und ein Austausch der DVD ist durchaus emfehlenswert.
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Als junge Studentin habe ich vor vielen Jahren den hervorragenden Roman " Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa das erste Mal gelesen. Eine aus Mailand stammende Kommiliton hatte ihn mir wärmstens empfohlen. Ich war von der Lektüre begeistert. Zu Beginn dieses Jahrtausends las ich die Neuübersetzung " Der Gattopardo" und war immer noch angetan.
Vorhin sah ich den 1963 gedrehten Film abermals, den Lucchi Visconti aufgrund dieser Romanvorlage drehte.
Erzählt wird der allmähliche Untergang eines Adelsgeschlechts, stellvertretend für viele andere, im 19.Jahrhundert in Sizilien. Der abgeklärte sehr nachdenkliche Fürst Salina ( Burt Lancaster ) sieht mit großer Skepsis den Beginn eines neuen Zeitalters und weiß, dass er sich arrangieren muss, um nicht unterzugehen. Seine sieben Kinder verfügen schon nicht mehr über die Stärke , um sich dem Neuen- der bürgerlichen Gesellschaft- zu widersetzen oder gar eine führende Rolle in diesem neuen System zu übernehmen und auf diese Weise die Veränderungen zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Ganz anders sein Neffe Tancredi ( Alain Delon ), den er sehr liebt. Er ist ein typischer Vertreter dieser neuen Zeit . Sehr karrierebewusst und ideologisch wetterwendisch agiert er, wenn es seinem persönlichen Fortkommen dient.
Salina sieht dies alles, mahnt es aber nicht an, sondern begreift es als den Lauf der Dinge.
Zu Beginn des Filmes werden die politischen Verhältnisse in Italien zur Zeit des Filmgeschehens verdeutlicht, auch die starken Bezüge zur katholischen Kirche.
Der italienische Freiheitskämpfer Garibaldi erhebt sich gegen die französischen Bourbonen. Tancredi sympathisiert mit den Zielen Garibaldis und kämpft in der Rebellenarmee. Die Kämpfe werden mit viel Aufwand dargestellt. Man zeigt in der Folge auch die typischen Kriegsgewinnler, die sich nach Auseinandersetzungen jedwelcher immer ihren Schnitt zu machen suchen. Tancredi verliebt sich in Angelica, die bildhübsche Tochter( Claudia Cardinale ) einer solchen Person, vielleicht auch ein wenig in das Geld des Alten.
Der 178 Minuten andauernde Film wartet u.a. mit einer grandiosen Ballszene auf. Claudia Cardinale und Alain Delon bestechen durch ihre jugendliche Schönheit . Von den beiden jungen Aufsteigern geht eine Kraft aus, die die müde, adelige Ballgesellschaft zu bloßen Stastisten degradiert. Nur Salina besitzt das Charisma , um die Aura der beiden Tänzer für eine Weile zu brechen. Der alte Fürst tanzt mit Tancredis Verlobten und demonstriert, dass er immer noch die Attraktivität besitzt selbst die schönsten Frauen für sich zu gewinnen.
Die Ballgesellschaft ist begeistert von dem altermäßig ungleichen tanzenden Paar. Augenscheinlich genießt Salina den Moment dieses Tanzes, führt die schöne Angelica dann aber sogleich zu ihrem Verlobten. Der Leopard weiß, das seine Zeit abgelaufen ist und akzeptiert diese Tatsache mit großer Würde und voller Demut.

Ein wunderbarer Film mit bemerkenswerten Bildern von der sizilianischen Landschaft, von der prachtvollen Innenausstattung des Palastes des Fürsten Salina, und einer Vielzahl sehr schöner Kostüme, insbesondere die aufwändigen Ballkleider begeistern den Betrachter. Bemerkenswert ist, dass viele Textpassagen dem Roman entnommen sind und auf diese Weise das intellektuelle Niveau des Films nicht unter den des Romans fällt.

Empfehlenswert!
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am 27. März 2011
Die BD hat leider den alten Transfer von Criterion/BFI, der der neuen digitalen Restaurierung in 4K nicht das Wasser reichen kann. Sieht aus wie VHS verglichen mit DVD. Elektronischer Videolook dem es an echter Schärfe und Detail fehlt. Dafür Nachschärfungsartefakte, und ein inkorrekter Bildausschnitt. Wer deutsche Untertitel braucht sollte auf die neue Version warten. Für die anderen gibt es die französische Blu Ray mit dem neuen Transfer. Allerdings auch erzwungene französische Untertitel bei der Originalfassung.
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TOP 1000 REZENSENTam 20. September 2015
Einführung:

Als sich Italiens Starregisseur Luchino Visconti vornahm, Giuseppe Tomasi-Herzog von Palma-Fürst von Lampedusa's einzigen Roman-Welterfolg "Il Gattopardo" zu verfilmen, mußte er zuerst einen bekannten Hollywoodstar, der die Besetzungsliste anführen sollte, verpflichten, damit der amerikanische Verleih für das vorgesehene verschwenderische Epos genügend Interesse bekundete. Für ihn kam, nachdem er "Der Gefangene von Alcatraz" gerade gesehen - und "Verdammt in alle Ewigkeit" noch im Kopfe hatte, nur Weltstar Burt Lancaster in Frage!
Gerade auch durch ihn, wurde Viscontis filmisches Meisterwerk ein monumentales Epos von atemberaubender Schönheit, das die Zeit der italienischen Befreiungskämpfe wieder aufleben lässt.

Die Geschichte:

Prinz Don Fabrizio Salina von Sizilien (Lancaster) ist der zentrale Charakter, ein Aristokrat alter Prägung, der seinen Lebensstil im Angesicht neuer Zeiten aufrecht erhalten will. Er hat mehr Kämpfe durchzustehen als Garibaldis revolutionäre Eindringlinge. In dem Aufstieg der Arbeiterklasse sieht er jedoch eine Bedrohung dieses Lebensstils. Der Fürst ist aber auch ein schlauer Fuchs, der die Zeichen der neuen Zeit erkennt: "Es muß sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist." Es geht darum, sich geschickt den neuen Verhältnissen anzupassen, um die alten Privilegien soweit es geht zu erhalten. Der alte Fürst von Salina ist sich dabei bewußt, dass die Zukunft nicht ihm gehört, er vielmehr einer abtretenden Klasse angehört.
Zum hoffnungsvollen Nachwuchs zählt vielmehr sein junger Neffe Tancredi (Alain Delon, mit großer Rolle). Dieser hat sich bereits zukunftsträchtig auf die Seite der "Rothemden" geschlagen und weiß durch die Zuneigung zu einer Bürgerlichen, Angelica (die wunderschöne Claudia Cardinale), Tochter des neuen Bürgermeisters Don Calogero (hervorragend Paolo Stoppa), die Zeichen der Zeit für sich geschickt zu nutzen.
Don Fabrizio ist jedoch so scharfsinnig, dass er der Heirat seines gutaussehenden Neffen mit Angelica zustimmt. Der stolze Prinz läßt es jedoch nicht zu, dass althergebrachte Werte und Traditionen von den Wellen einer neuen Zeit hinweggespült werden. Daher verzichtet er auch keinesfalls auf einige seiner gewohnten Freiheiten. Z.B. was das Jagen mit Freunden in wundervoller Landschaft angeht, oder wenn er mit dem ihm sehr ergebenen Pater Pirrone mit der Kutsche mal wieder einen Ausflug nach Palermo macht, wobei er den Pater unterwegs am Kloster absetzt, während er für ca. 2 Stunden eine noch ziemlich junge, (im Verhältnis zu ihm) aber schon länger Bekannte, mit dem vielversprechenden Namen Mariannina aufsucht. Schließlich war seine Frau Stella, mit der er, meist im Dunkeln, sieben Kinder zeugte, ohne, wie er Pater Pirrone einmal erzählte, was eigentlich einer ungeschickten Beichte gleichkam, jemals ihren Bauchnabel gesehen zu haben...
Doch zurück zum Film - der gipfelt in der rund 40 Minuten dauernden Schilderung des finalen, so noch nie gesehenen, im alten Herrschaftsstil abgehaltenen Tanz-Balls, vom Fürsten und Tancredi in die feudale Gesellschaft eingeführt.Der Höhepunkt ist zweifellos der Tanz des Paares Anjelica - Don Fabrizio. Sie geben eine prächtige Figur ab. Die Füße des Fürsten bewegen sich mit überraschend zarter Leichtigkeit - nie bringen sie die Atlasschuhchen seiner Dame in Gefahr gestreift zu werden. Aller Augen sind auf die Beiden gerichtet und die Kamera bietet uns unglaubliche Bilder, in allen Einstellungen, von diesem prachtvollen unvergesslichen Ereignis. Als das Orchster in dem ganz in Gold gehaltenem Saal den Walzer beendet, bricht der Beifall nur darum nicht gleich los, weil Don Fabrizio einfach zu löwenhaft aussah, als daß man solche Unziemlichkeit wagen würde.
Am Ende, nach der berühmten Ballszene im Palazzo Ponteleone, folgt man dem alten Fürsten Fabrizio Salina, wenn er in die morgendliche Kühle tritt und durch das dämmernde, in seinen letzten Träumen liegende Palermo den Heimweg antritt. Er weiß, sein Geschlecht ist am Ende, die Herrschaft der Löwen. Die neue Zeit ist angebrochen, die bürgerliche Gesellschaft hat sich etabliert - die der Kaufleute und Kleinkrämer...

Anmerkungen:

Gespielt wird der "Leopard" von Burt Lancaster, dem hier vielleicht seine eindringlichste Karriereleistung gelang. Mit Stolz und Würde verkörpert er einen mächtigen Mann, der mit seiner zu Ende gehenden Zeit langsam alt und überflüssig wird. Seine Präsenz als Familienoberhaupt ist fast erdrückend. Er spielt den stilbewußten, stattlichen und am Ende zutiefst melancholischen Fürsten von Salina, als habe er nie etwas anderes getan, als durch sizilianische Sommerresidenzen zu schreiten.

"Ein Film, von dem ich lebe", hat einmal der große Regisseur Martin Scorsese erklärt, "Ein Film, ohne den es eine Zukunft des Kinos nicht gegeben hätte"!

Diese überarbeitete Blu-ray-Neuauflage des ewigen Spielfilmklassikers von Luchino Visconti durch Koch Media, in der Langfassung von ca.186 Minuten, besitzt eine hervorragende Bild und Tonqualität.
Bild in 2.35:1 (16:9) und Ton DTS HD Master 2.0
Sprachen Deutsch-Ilalienisch, UT: Deutsch
Hervorragende EXTRAS u.a. ein Interview mit Produzent Goffredo Lombardo!

Empfehlung an alle Filmfreunde !
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am 2. August 2015
Erstmal: in seiner hervorragenden BD-Bildqualität erfreulich, kommt dieses opulente Visconti-Werk daher.

Doch wiedereinmal muss ich gestehen: ich tue mich schwer! Schwer, über die gesamte Filmlaufzeit des "Leoparden" einen Spannungsbogen aufrecht zu (er)halten.
Wie schon in Viscontis "Sehnsucht" und als ausgesprochener "Bayernfan", in "Ludwig II" (mit Berger, und der Schneider als eine "authentische" Sissy), ist die Dramaturgie des Film, gegenüber seinem zu enthaltenden Spannungsbogen, mehr als mühselig zu folgen. Was nicht heißen soll, dass nichts geschieht vor der Kameralinse. Auch ist des Regisseurs hantieren mit Symbolik und dessen Gesten für mich verständlich. Nur eben diese Umsetzung zum aufgehenden Spielfluss ist behebe; versöhnlicher ausgesprochen: gewöhnungsbedürftig, daher nicht jedermanns Sache.

Die geschichtliche Aufarbeitung in seinen Werken ist natürlich ohne jeden Zweifel kinematografisch excellent eingefangen. Ebenso seine hervorgebrachte Melancholie löst sich in mir. So auch Kostüme, Location, die liebevollen Details etc. werden von der immer hervorragend geführten Kamera prachtvoll genial eingefangen.
Und doch stochert Visconti mühselig, fast schon umständlich zu nennen, in den Dekaden der geschichtsträchtigen Italienzeit umher. So bleibt denn auch das Abhandeln des Vergehens des Fürstenhauses Salina mehr als anstrengend zu folgen. Der Gedanke grübelt daher in mir, dass nur die Illusion des Bildes Viscontis angestrebten Plot aufrecht erhält.
Seine Idee Kino zu zeigen ist also großartig, jedoch die Art, seine Art des Erzählen, unausgegoren (zumindest seit er in Farbe drehte; zeigt er evtl. mit der Überfrachtung des Farbigen "zuviel" ?).
Dabei setze ich auch in meiner Kritik nicht voraus, dass er sich, eben durch seinen Stil der Erzählens, dem Hollywoodkino -der damaligen Zeit- angleichen soll(te). Irgendwie tat er sich, so glaube ich, mit der einen Sache schwer. Was zum Beispiel ein Billy Wilder, ein Frank Capra oder z.B. sein Lanzmann Leone im Blute hatten, nämlich einer Geschichte spielerischen Rhythmus zu geben, ertrinkt bei Visconti im schwerfälligen Dreivierteltakt.
Das Bild hier, mit seinem enormen Reichtum, erdrückt also die gezeigte Handlung zu einem rudimentären dramaturgischen Gesamtwerk, so dass ich als Fan des italienischen Kinos (von "Fahraddiebe", "Bitterer Reis", von Fellini, Leone bis zu Tornatore) immer ein ambivalentes Gefühl bei Viscontis Werken beschleicht.

Geschichtenerzähler fürs Kino ist -für mich- Visconti insofern, da er der bessere -all überwachende- Produzent ist, mit einem außerordentlichen Gespür fürs Bild, wie gesagt, mit dessen eingefangenen Reichtum an visuellen Ideen. Jedoch als Regisseur des künstlerischen Erzählkinos (in Farbe)?
Will er natürlich etwas in seiner Geschichte erzählen, kommt aber nicht über den Fauxpas meiner gestellten These hinweg.
So versanden dann auch oft die guten Dialoge (zumindest in der deutschen Synchro) zu lauen Metaphern, werden dabei nicht "weiter gesponnen" und bleiben haltlos, manchmal ratlos gegenüber dem Abgelichteten (was evtl. auch die Dialoge erdrückt, da das Bild immer bombastisch daher kommt).
Am rande noch, sind die "Actionszenen" mehr als semiprofessionell umgesetzt (erinnern an das jährlich erscheinende, sommerliche Aufgebot laienhafter Junker im touristisch erschlossenen Ritterspektakel auf hiesigen Burgen) und für mich immer störend in der Welt des Visconti (hier versucht er dann also doch den Spagat, sich dem Hollywoodkino anzunähern; welches eindeutig in die Hose geht).

Ein Schade mit 2,5 Sternen
... und für mich einzig sehenswert durch die tolle Kamera und des Schauspiels eines Burt Lancaster; der hier, mit der seltenen deutschen Synchronsimme des Carl Raddatz (Lancaster sonst von Niendorf, Lukschy, Borchert u. Hagen veredelt) seinen eigenen, einen weiteren Reiz entwickelt.
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am 8. Februar 2009
Oftmals ist es ja so, daß die Filmfassung hinter ihrer literarischen oder historischen Vorlage aufgrund von Ungenauigkeiten und mehr als freier Interpretation seitens des Regisseurs zurücksteht. Dies kann man im Bezug auf Viscontis dreistündiges Werk absolut nicht behaupten. Im Gegenteil, durch die fast peinlich genaue Visualisierung der literarischen Vorgabe sowie die fast immer wiederkehrenden Zitate aus dem Roman wird selbiger erst zum Leben erweckt. Selbst kleinste Details kann man wiedererkennen: die Gemälde der Familiengüter im Arbeitszimmer des Fürsten von Salina, die "kräftigen biscotti di Monforte", die Padre Pirrone, Salinas Beichtvater, so gern zum starken Kaffee genießt, den Palast in Donnafugata mit seinen vielen unbewohnten Gemächern, die Tancredi und Angelica neugierig durchstreifen, ganz abgesehen von den nicht nur wunderschönen sondern vor allem auch historisch korrekten Kostümen und Frisuren. Auffallend ist auch die sorgfältige und typgerechte Auswahl der Schauspieler, allen voran natürlich Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon. Doch auch alle Nebenfiguren sind glaubwürdig und romangerecht besetzt. Nur das Ende des Films wurde im Bezug auf den Roman insofern verändert, als er nicht mit dem Tod des Fürsten und der Jahre danauf folgenden Beschreibung des traurigen Daseins der einsamen Concetta und ihrer unverheirateten Schwestern endet - sondern in der letzten Szene den Fürsten seine Sehnsucht nach der Ewigkeit der Sterne ausdrücken läßt, während nur wenige Minuten zuvor Deserteure aus der neuen italienischen Armee erschossen werden. Im Roman wird davon nichts erwähnt, doch es erscheint nicht als störender Zusatz, da dies sich durchaus so zugetragen haben könnte. Einzig und allein die Darstellung des Generals Pallavicino ist nicht ganz korrekt. Pallavicino ist im Film nur ein geschwätziger Prahlhans, der im Kreise der Damen von seinen Heldentaten berichtet. Im Roman hingegen hält Fabrizio di Salina den General nach dessen erstem Auftreten zunächst wirklich nur für einen eitlen und hirnlosen Fatzke, revidiert sein Urteil später am Abend während eines interessanten Zwiegesprächs jedoch sehr gründlich. Doch diese kleine Ungenauigkeit sei angesichts des Gesamtwerks gern verziehen, denn der ganze Film - wie übrigens auch seine Opernregien - zeugt von Viscontis Perfektionismus, mit dem er an diese nicht leicht zu bewerkstelligende Aufgabe heranging, und es wäre heutigen Film - und vor allem "Opernregisseuren" zu wünschen, daß sie auch nur ein Fünftel dieser Liebe zum Detail und dieses Respekts vor der Vorlage aufweisen könnten.
Absolut stimmig ist auch die Filmmusik, die von keinem geringeren als Nino Rota komponiert wurde, der für die Ballszene einen bis dahin unveröffentlichten Walzer Giuseppe Verdis bearbeitete.Tomasi di Lampedusa, der als Sproß eines altes sizilianischen Adelsgeschlechts sicherlich auch einen Teil seiner eigenen Geschichte in seinem Roman verarbeitet hat, konnte weder diese grandiose Verfilmung noch die Veröffentlichung seines Romans miterleben, da er schon 1957 an Lungenkrebs starb. Uns bleiben heute beide Werke, die eine ganze Epoche mit ihren Umbrüchen und Neuanfängen glaubwürdig und poetisch schildern.
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am 10. Februar 2004
Hoffentlich dauert es nun nicht mehr lange bevor "Il Gattopardo" auf DVD erscheint. Es ist mir unklar warum die DVD-Industrie so wenig Interesse hat an die Filme von Luchino Visconti. So ist
"Senso" in 1998 in der USA erschienen und jetzt nicht mehr zu
bekommen. Und warum wird - auch bei die wichtigen klassische Filme- noch immer nachsynchronisiert. Das ist doch vollkommen altmodisch und unartvoll. Ich glaube, das wird im Westen nur noch
in Deutschland gemacht! Das wird doch auch nicht mehr bei Opern gemacht! Stellen Sie sich vor: eine Mozart oder Wagneroper auf englisch. Wir wissen, das die Hauptdarsteller Burt
Lancaster und Alain Delon sich alle Mühe gegeben haben um Italienisch zu lernen und zu sprechen. Überdies ist das Italienisch in "Il Gattopardo" sehr flüssig und klangreich.Bei so eine
bedeutsame Film,der in Italien kulturgeschützt ist brauchen wir Untertitel in alle Weltsprachen: Englisch, Spanisch, Französisch,
Deutsch, Russisch, Chinesisch, Arabisch.

Seit man der originale Negativfilm von "Il Gattopardo" in London
wieder hat gefunden brauchen wir nicht mehr die gekürzte und in
Farbe geänderte Version aus der USA zu sehen. Die Original-Länge
ist ungefähr 180 Minuten.
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am 15. Oktober 2013
Die wichtigsten Botschaften des melancholischen Leoparden kommen in diesem Showdown des sizilianischen Landadels rüber. Die Schauspieler überzeugen, bei der Kulisse wurde keine Mühe gescheut, im Detail gut recherchiert. In Palermo ist ja auch bis heute noch alles live zu finden: vom Kronleuchter bis zur Seidentapete, der Pouf für die Reifröcke, die Pots de chambre aus Keramik, die gefliesten Terrassen mit Meerblick.
Aber leider fehlt das Schlusskapitel des Buches, das die Tür zum aktuellen Italien aufstoßen könnte.
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am 25. August 2012
Der Film ist einer der grossen Klassiker der Filmgeschichte.
Aber das ist nicht Gegenstand meiner Bewertung.

Die Blu Ray eröffnet neue Möglichkeiten. Umso ärgerlicher ist es, dass man fast bei jeder 2. Veröffentlichung den Eindruck bekommt, dass es sich praktisch um Abzocke handelt, weil die optische Qualität kaum besser als die der DVD ist. Erstaunlicherweise scheinen von dieser Praxis hauptsächlich neuere Filme, d.h. solche der letzten 30 Jahre betroffen zu sein.

Umso erfreulicher sind restaurierte Veröffenlichungen wie diese. Der Leopard aus dem Jahr 1962 ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es möglich ist auch einen angejahrten Film so aufzubereiten, das ein deutliches Blu Ray-Gefühl aufkommt. Natürlich erreicht die Blu Ray kein theoretisches Optimum, wie gute neue Filme das vormachen, aber sie belegt, dass bei entsprechender Restaurierung eine enorme optische Qualitätssteigerung möglich ist.

Die vielen miesen Veröffentlichungen neuerer Filme, wie z.B. das parallel gekaufte "Russland-Haus", erreichen die technische Qualität dieser Blu Ray nicht einmal ansatzweise.
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am 2. Oktober 2003
Endlich erscheint der opulente Geschichtsfilm "Der Leopard" von Visconti auf DVD. Ein wirklich gelungenes verspätetes Weihnachtsgeschenk.
Ein opulentes Epos mit Überlänge und wenig actionreicher Handlung. Die Bilder des Films wirken stellenweise wie Gemälde. Das grosse Thema "Vergänglichkeit" wird hier von langer Hand virtuos geplant und kommt erst mit der detailreichen Ballsequenz und wenn Burt Lancaster fernab des turbulenten Treibens in den Spiegel schaut, mit voller Intensität und Wucht zum Zuschauer.
Ein ganz grosser Film mit lauter magischen Momenten.
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