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am 15. November 2010
Begegnung mit dem Terfel...

Vor einigen Tagen habe ich meinen ersten Faust" gesehen, und ich hatte das große Glück, eine Inszenierung zu erwischen, die in fast jeder Hinsicht herausragend ist. Hier also meine Eindrücek:

Die Handlung wurde in die Zeit um 1914 verlegt, also in die Zeit zu Beginn des ersten Weltkriegs, als Tod und Teufel reiche Ernte einfuhren, und als es, wie im Deutschland Goethes, einer Katastrophe gleichkommen konnte, wenn ein braves Bürgerstöchterlein unehelich schwanger wurde.
Nach der Ouvertüre befinden wir uns (ausgerechnet) in einer Kirche,
in der Faust seinen Lebensüberdruß besingt, sich von Gott abwendet weil der ihm die ersehnte Jugend nicht wiedergibt, und den Teufel um Hilfe anruft.

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und Frechheit dazu, heutzutage einen Opern-Mephisto wirklich und wahrhaftig mit Rauch, Feuer und Theaterdonner aus der Tiefe an die Oberfläche steigen zu lassen, und ihn noch dazu mit Federhut, Umhang, Degen und bleichem Gesicht auzustatten.
Das kann ganz schnell in die Parodie abgleiten und funktioniert nur, wenn man einen Teufel zu Verfügung hat, der die Szene mit der nötigen Ironie spielen kann.
Ich muß wohl nicht erwähnen, daß Terfel die Prüfüng glänzend besteht:
ein Teufel, der sich mit dem Taschentuch den Rauch aus dem gelangweilten Gesicht fächelt,
und es eigentlich jetzt schon satt hat, den immer gleichen Idioten die immer gleichen Wünsche zu erfüllen:
Ruhm, Geld, Macht oder, wie in diesem Fall, Jugend und Frauen.
Einer der wenigen Momente, in denen so etwas wie Humor aufblitzt, denn hier ist Terfel böse.
Nicht Don-Giovanni-böse, nicht Scarpia-böse, sondern wirklich RICHTIG böse.
So abgrundtief böse, daß ein bestimmter Regieeinfall im Walpurgisnacht-Bild,
der ganz fürchterlich hätte schief gehen und lächerlich wirken können, überhaupt erst möglich war. Ich verrate ihn hier nicht, aber was bei JEDEM anderen
Kollegen albern gewesen wäre, wirkt bei ihm erschreckend und kein einziger im Publikum hat sich getraut zu lachen.
Ich glaube, wir hatten alle Angst, daß wir geradewegs zu Hölle fahren, wenn wir auch nur grinsen.
Selbst Jahre später vor dem Fernseher...
Bryn Terfel ist ein Operngott, und er steckt alle Kollegen die jünger, schlanker und schöner sind als er
spielend in die Tasche. Der Satz "Tausend Künste kennt der Teufel, aber singen kann er nicht..."
trifft hier nicht zu. Dieser Teufel kann. Und wie.
Wo war ich?
Ja: Idioten die sich idiotische Dinge wünschen. Roberto Alagna verkörpert ihn perfekt.
Ich bin kein großer Fan von ihm, selbst in seinen besten Zeiten habe ich seine Stimme nie übermäßig gemocht, da mir sein Timbre einfach nicht gefällt, und die besten Zeiten liegen ja nun leider
auch schon eine Weile zurück. Aber hier schlägt er sich mehr als achtbar.
Er singt und spielt wirklich gut, auch wenn ich "Salut demeure..." schon sehnsuchtsvoller und musikalischer gehört habe, und er mir manchmal ein bißchen zu deutlich zeigt wie toll es mit den Spitzentönen gerade funktioniert, aber sei's drum.
Dieser Faust glaubt fast bis zum Schluß wirklich und wahrhaftig, daß Mephisto in seinen Diensten steht, während er (wie alle anderen) schon längst dessen Marionette ist. Ein kleines Kabinettstückchen vollbringt er, als er sich auf offener Bühne vom alten Faust in den jungen verwandelt,
und unmittelbar danach ein Rad schlägt. Dagegen sind Rolandos Villazóns Nemorino-Äpfel gar nix...
Also: dafür daß ich ihn nicht wirklich mag, hat er mir richtig gut gefallen!

Wirklich hingerissen bin ich dagegen von Angela Gheorghiu als Marguerite (Gretchen).
Optisch wirkt sie, vor allem in den strengen Kostümen der vorletzten Jahrhundertwende,
schon ein bißchen zu alt für die Rolle, singt und spielt aber darüber hinweg.
Im späteren Verlauf, mit offenem ( dann geschorenem) Haar und dem Wahnsinn nahe
wirkt sie auch optisch sehr jung und verletzlich.
Sie und Terfel haben einen besonders starken Moment in der Szene
in der Gretchen in der Kirche beten will und Mephisto als ihr Versucher auftritt,
sie in den Wahnsinn treiben will und verflucht.
Sein donnernder Bass-Bariton, ihr Sopran dazu der optische Gegensatz zwischen dem
riesenhaften Hünen und der zierlichen Sängerin: das war schon ganz, ganz großes Theater,
und hätte ich es nicht besser gewußt, hätte ich vermutet, daß hier mit Filmtricks gearbeitet wurde.
Glücklich der Regisseur, der solche Künstler zur Verfügung hat.

Mit Simon Keenlyside war ein wahrer Luxus-Valentin am Werk:
ein etwas spröder Soldat, dem die Ehreseiner Schwester
(was immer dieser viel mißbrauchte Begriff auch bedeuten mag) über alles geht,
der sie erbarmungs- und lieblos verflucht, und der dabei so unglaublich gut singt,
daß es mir völlig gleichgültig ist, ob er den französischen Stil trifft.
Als Soldat,der ohne Illusionen in den Krieg zieht, und noch desillusionierter aus selbigem zurückkehrt hat er mir sehr, sehr gut gefallen.
Er und seine Kameraden ziehen in den ersten Weltkrieg, und wenn man sie in ihren Uniformen sieht, kommt man nicht umhin, an die Hölle von Ypern zu denken, der sie anheim fallen werden...

Der einzige Mann in dieser Oper der zu wahrer Liebe fähig ist (denn über Mephistos Liebesfähigkeit müssen wir uns wohl nicht unterhalten, und was Faust für Liebe hält ...nun ja...) ist Siebel, der junge Anbeter Gretchens.
Es singt Sophie Koch, die ich bisher nur in Hosenrollen erlebt habe (Octavian) und die mir wieder sehr gefallen hat. Hier hat Siebel ein steifes Bein und hinkt, was erklärt. warum er nicht in den Krieg zieht.

Die Inszenierung kommt im Großen und Ganzen traditionell daher wenn man mal davon absieht,
daß die Handlung in eine andere Zeit versetzt wurde, ist aber m.E. alles andere als langweilig,
auch wenn es für mich ein paar Ungereimtheiten gibt: so tanzt man den Faust-Walzer in einem Cabaret mit dem sinnigen Namen "Cabaret L'Enfer" in dem es wüst zugeht und bei dem man sich fragt, was die brave Margarete dort verloren hat..
Sehr passend dagegen Margaretes Schicksal in einer Zeit in der ein einziger Fehltritt, oder was man dafür hielt, ausreichte, einer jungen Frau das Leben zu zerstören.

Das Ballett in der Walpurgisnacht erleben wir als zunächst amüsante, dann immer grausamere Parodie auf das romantische ballet blanc im allgemeinen und "Giselle" im Besonderen: in seinen Morphium-Fantasien durchlebt Faust noch einmal die jüngsten Ereignisse: die schwangere, verzweifelte Margarete die er verlassen hat, den scheinbar von den Toten zurückgekehrten Valentin den er getötet hat.
Ich werde den Endruck nicht los, daß es auch den Tänzerinnen des Corps de ballet Freude gemacht hat, die Spitzenschuhe in die Ecke pfeffern und in ihren schönen "Giselle"-Kostümen mal so richtig fies sein zu dürfen...

Am Ende, wir wissen es, siegt der Himmel: "Gerichtet!" "Gerettet!",
Faust bleibt verzweifelt (und erneut gealtert) zurück, Mephisto fährt, ein bißchen frustiert wie es scheint, zurück in die Hölle.
Bis der nächste Idiot kommt und sich was wünscht...
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am 27. Dezember 2010
Die Londoner Inszenierung stellt die Person von Mephisto in den Mittelpunkt, das heißt, dass er über alle anderen dominiert. Ein Blick von ihm, eine Geste zwingt das Leben der Menschen in die von ihm gewünschte Richtung.So schön sich manche Szene, manche Situation entfalten kann, sein Auftreten wendet alles ins Negative. Dies wird durch verschiedene Bühneneffekte verdeutlicht, am stärksten aber durch das Spiel des Darstellers Bryn Terfel selbst, dem es gelingt, das Dämonische dieser Figur in meisterhafter Form hervortreten zu lassen. Umso verständlicher wird die Reaktion von Marguerite, die sich ja am Ende bei seinem Auftritt dezidiert von ihm und damit auch von Faust abwendet und damit die Überwindung des Dämons provoziert. Während der abschließenden Auferstehungsgesänge versinkt Mephisto, und Faust sitzt in seiner ursprünglichen Gestalt - als alter Mann - an der Orgel.Die Handlung spielt in dieser Inszenierung in einem alten Pariser Stadtviertel mit großem Flair. Beleuchtungseffekte, lebendig wirkende Massenszenen, überraschende Ideen beleben die Handlung. Dabei wird in dieser Inszenierung aber immer die Aussage der Musik unterstrichen, nicht übertüncht. Bei einer Besetzung mit Pappano, Alagna, Gheorghiu und Terfel erwartet man sich in musikalischer und schauspielerischer Hinsicht eine ausgezeichnete Interpretation, und diese Erwartung wird erfüllt .
Elsa Wolfbauer
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am 17. Januar 2015
Zuerst mal: ein Rad vor Begeisterung schlagen, kann ich nicht, aber der wunderbare Faust-Darsteller! So muss man die Verwandlung in einen jungen, vitalen Burschen darstellen! - Holla! Respekt!
Dazu kommt der absolut geniale Bryn Terfl. - Selbstzynisch und richtig, richtig böse. - Mephisto eben.

Die Zeitversetzte Geschichte tut dem ganzen keinen Abbruch, im Gegenteil. Es nimmt der Geschichte ein wenig ihren altbackenen Charakter und erinnert den Zuschauer, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass wir derart "barbarisch mittelalterliche" Zustände in unserer Kultur hatten, und sich Mädchen wegen unehelicher Bastarde ins Unglück stürzten.
Es lässt einen mit gewisser Erleichterung auf die heutigen Zustände blicken.

Kostüme und Bühnendetails sind liebevoll mit Blick auf die Epoche angepasst worden, und Mephistos wechselnde, historisch sehr verschiedene Kostüme demonstrieren dabei perfekt seine Losgelöstheit von Zeit und Raum.

Das einzige was mich an dieser Aufführung nervt ist die Besetzung von Siebel, denn obgleich die gute Dame das Hinkebein sehr deutlich, um nicht zu sagen theatralisch darbietet, ist nicht nur ihr Spiel hölzern, sondern auch der Gesang irgendwie zu fade. Sie tut ihren Dienst, sie trifft die Töne und dennoch lebt dieser Charakter durch sie nicht. Da habe ich schon besseres gesehen.
Zum Glück machen alle anderen dieses Manko wieder wett.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. Februar 2011
Für Opernfreunde ein MUSS ! - Perfekt in Inszenierung, musikalisch überragend, sehr gute Hardware-Erstellung in Bild und Ton. Da mag ich gar nicht weitere Einzelheiten besonders hervorheben, allenfalls neben der sängerischen Top-Leistung der Gheorghiu noch deren hohe schauspielerischen Qualitäten. Eine Aufführung, die weder antiquiert-verstaubt noch krampfhaft "modern" wirkt und daher ein künstlerischer Genuss ist für Augen, Ohr und - mag man mich jetzt sentimental schimpfen - für die Seele.
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Basis dieser Aufführung ist eine hervorragend naturalistisch, plastische Inszenierung, die in immer wieder neuen farbstarken, kontrastierenden Bildern begeistert. Terfel als Mephisto ist die Dämonie in Person, er gestaltet wie in allen seinen Rollen mit dem gewissen etwas, das man nicht lernen kann. Wenn er die Bühne betritt,zündet es. Angela Gheorghiu singt eine detailliert und subtil gezeichnete Marguerite, Simon Keenlyside ist ein traumhaft timbrierter Valentin von involvierender Emotionalität. Sophie Koch überzeugt mit Mezzo-Fluß der Stimme als Siebel. Und Roberto Alagna hat einen guten Tag erwischt, sein Faust ist schon begeisternd, auch wenn Alfredo Kraus natürlich in dieser Rolle unvergessen bleibt.Pappano gestaltet orchestral hervorragend mit Attacke und Einfühlsamket.
Eine herausragende Aufführung.
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. September 2010
'Live' Produktion
2004 , Londo , Covent Garden
Dir. Antonio Pappano
Reg. David McVicar
ühne Charles Edwards
Kostüme Charles Edwards

Das Ehepaar Alagna /Gheorghiu als Idealbesetzung in dieser romantischen Grand Opera.
Wenn Alagna in seinem Französischen Repertoire auftritt, gefällt er mir am besten, der Faust ist ihm in die Kehle gelegt.
Angela Gheorghiu , der Liebling der Royal Opera ( zu Recht) singt sozusagen mit Heimvorteil in dieser schlüssigen Inszenierung.

Bryn Terfel braucht sich als Bühnentier nicht vorzustellen liefert er doch wie immer eine intensive Gestaltung des Mephisto in bewährter Gesangsqualität.

Simon Keenlyside und Sophie Koch enttäuschen nicht, gliedern sich perfekt in dieses Team ein

Besetzung :
Angela Gheorghiu, Marguerite
Roberto Alagna, Faust
Bryn Terfel, Méphisto
Della Jones, Marthe
Valentin, Simon Keenlyside
Siebel, Sophie Koch

ein Faust sicher für die Sammlung, DVD mit guter Ausstattung, guter Ton

Alternativen : Charles Gounod - Faust / Wiener Staatsoper (NTSC)
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am 1. Mai 2013
Eigentlich ist es schade, dass die Zeit der Handlung aus dem Mittelalter gelöst wurde, damit wird, meines Erachtens, dieser ganze Hexen- und Teufelsspuk unglaubwürdig, denn zur Zeit des 1. Weltkrieges waren die Menschen doch schon aufgeklärter. Trotzdem gefällt mir die Inszenierung sehr gut, das liegt aber an den großartigen Sängern. Vor allem Bryn Terfel hat mich begeistert - er ist absolut glaubwürdig teuflisch (überzeugender als Gregory Kunde als Mephistopheles in Busonis Doktor Faust in Zürich). Auch Roberto Alagna als Faust - einfach Klasse. Bestimmt sieht man nicht allzu oft, wie der wieder verjüngte Faust vor Wonne ein Rad schlägt! Angela Gheorgiu singt das Gretchen hervorragend, trotzdem hat sie mich nicht ganz überzeugt. Und Simon Keenlynside als Valentin hat mich als ihr Bruder gesanglich und schauspielerisch absolut überzeugt. Verstörend fand ich die Walpurgisnacht-Szene mit einem Mephistofeles im Abendkleid! Aber passend!
Mir gefällt die Aufführung sehr gut, sie garantiert einen spannenden, interessanten Opernabend.
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Der Stoff, aus dem die Geschichte um den verzweifelten Doktor Faust gemacht ist, hat viele Künstlergenerationen fasziniert. Das zeigt sich schon alleine daran, dass Goethes Meisterwerk nichts weiter als ein Flickwerk älterer Quellen ist. Auch in der Oper hat dieser begeisternde Stoff Einzug gehalten. Die wohl berühmteste Oper zu diesem Thema schrieb der französische Komponist Charles Gounod (1818-1893), wobei er auf ein Libretto von Jules Barbier und Michel Carré zurückgriff. Letzterer lieferte zusammen mit Johannes Wolfgang von Goethe zudem die Textvorlage.
Die Geschichte, die sich in fünf Akte unterteilt, ist schnell erzählt: Faust, seines (Greisen)Lebens überdrüssig, wird vom herbeigerufenen Mephistophélès vom Selbstmord abgehalten und verjüngt. Er durchforscht zusammen mit seinem Untertanen, dessen Dienst er ihm erst im Jenseits vergelten muss, die schnell verrauschten Freuden dieser Welt, bis er auf die schöne Marguerite trifft. Durch des Teufels Ränke umgarnt er die Unschuldige, so dass diese schwanger wird. Nach fünf Monaten hat Faust sein Gretchen verlassen. Diese tut Buße, doch als ihr Bruder Valentin, der aus dem Krieg zurückkehrt, von Faust erstochen wird, verflucht er Gretchen auf ewig. Indessen vergnügt sich Faust mit Mephistophélès auf der Walpurgisnacht. Faust hat Visionen von Gretchen, die wegen des Kindsmords an ihrem eigenen Kinde eingesperrt wurde, sucht sie infolgedessen mit Mephisto im Kerker auf. Doch der Rettungsversuch muss wegen der Unerschütterlichkeit ihres Glaubens und ihres Schuldbewusstseins scheitern.

Die musikalische Umsetzung der vorliegenden Aufnahme von 2004 - hervorragende Bild- und Tonqualität - durch das Orchestra of the Royal Opera House unter der Leitung von Antonio Pappano ist herausragend. Das Spiel ist fließend, farbig und kräftig markiert. Pappano setzt eigenwillige, spannende Akzente, hält den Vortrag aber stets transparent und differenziert. Sein Orchester setzt seine Vorgaben minutiös und fesselnd um. Dabei vergessen die Akteure allerdings nie, dass sie "nur" eine begleitende Funktion einnehmen und den Gesang prächtig untermalen sollen. In wundervollen melodischen Bögen bringen sie die erlesene Musik Gounods eindrucksvoll zu Gehör.
Auch die gesangliche und schauspielerische Leistung ist famos. Roberto Alagna als Faust tritt selbstironisch und ungestüm, dabei aber - genau wie seine literarische Vorlage - psychisch labil und veränderlich auf. Marguerite ist Angela Gheorghiu, deren Leistung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die beste Leistung allerdings vollbringt Bryn Terfel als Mephistophélès. Seine Vielgestaltigkeit, seinen Charakter hat Terfel bestens studiert. Er ersteht während dieser Aufnahme geradezu zum Leibhaftigen daselbst. Der Gesang ist stets glasklar, rein und lauter, vereint dennoch die mannigfachen Gefühlsaudrücke der Oper fantastisch in sich. Begleitet werden die Hauptdarsteller in souveräner Manier von Simon Keenlyside als Valentin, von Sophie Koch als Siebel, von Della Jones als Marthe, von Matthew Rose als Wagner und vom Royal Opera Chorus.
Besondere Beachtung verdient zudem das bombastische, halluzinogene Bühnenbild in klassisch zeitlosem Gewand. Leider ließ sich nicht ausfindig machen, wer dieses Bühnenbild entwarf, jedoch gebührt demjenigen größtes Lob. Mit dieser beinahe monumentalen Aufführung wird bewiesen, dass diese Oper nicht nur von Musik und Gesang allein lebt, denn die erweisen sich beide als recht spröde, sondern von der Symbiose zwischen eben diesen beiden und der Szenerie.

Fazit: Eine tadellose, mehr noch, ausgezeichnete und mitreißende Opernaufführung einer wichtigen Oper!
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am 8. September 2012
Mir gefällt diese Produktion nur bedingt. Die SängerInnen sind wirklich sehr, sehr gut. Besonders Terfel als Mephisto lebt seine Rolle, aber warum zum Teufel muss diese Oper seit dem kotzlangweiligen Chereau-Ring an jedem Opernhaus in die Gründerzeit verlegt werden? DAS NERVT!!!! Das Libretto schreibt Mittelalter vor und keinen Cul de Paris. Ich habe recherchiert und recherchiert: Nicht einen Faust gibt es im DVD-Angebot, der in der librettogemäßen Zeit spielt. Immer nur 1880. Dadurch geht sehr viel an Atmosphäre verloren. Also: Ich war enttäuscht!
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