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Kundenrezensionen

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am 28. Oktober 2010
Anders als in einigen Vorankündigungen behauptet, handelt es sich bei diesem Film keineswegs um eine Komödie. Auch nicht um eine Tragikomödie. Der Film wirkt vielmehr wie eine ethnographische Studie. Wie ein Forscher, der sich zu einem Stamm Eingeborener begibt und das dortige Geschehen mit unvoreingenommenem Interesse verfolgt, nimmt der Zuschauer aus der Kameraperspektive an der Handlung Teil. Sicher gibt es einige Momente die man lustig finden kann: ein kleinwüchsiger Pilger, der mit seinem elektrischen Rollstuhl blitzschnell durch die Räume flitzt; eine Marienstatue auf der Wartebank vor dem Bad, die irgendwie störend wird, indem sie Besuchern einen Platz wegnimmt; das frisch aus einem Wasserhahn gezapfte Krüglein heiligen Wassers, das über einen Kopf ausgegossen wird. Aber meist wäre Lachen fehlplatziert, wenn nicht gar schäbig. Es wäre ein Lachen ÜBER die Teilnehmenden und keines MIT ihnen. Auch ist die Hauptprotagonistin, die nahezu vollständig gelähmte MS-Kranke Christine - anders als im Kurztitel geschildert - keineswegs skeptisch dem Wallfahrtort gegenüber eingestellt. Nur verhält sie sich im Gegensatz zu manch anderem Pilger eher still und abwartend.

Komisch ist der Film eher in einem nichtlustigen Sinne. Die Verrichtungen der Wallfahrer wirken seltsam nüchtern. Das Warten vor dem Bad, das Anzünden der Opferkerzen, das Aufsuchen der Höhle in welcher die Erscheinung geschah, die Teilnahme am Gottesdienst vollziehen sich im Ambiente einer seltsam trist anmutenden Ästhetik. Uniforme Sitzgruppen im Speisesaal, die auch durch große quadratische Blümenkübel nicht wirklich aufgelockert werden, die schweren dunkelbraunen Holzvertäfelungen passen zur Monotonie der Fürbitten, in denen auch beherzte und authentische Ansprachen mit einem immer gleichen "Wir bitten dich, erhöre uns!" erwidert werden. Das wird kitschig konterkariert durch die Kirchenanlage im Zuckerbäckerstil à la Sacré Couer, die aber die kühle Professionalität des routinemäßig betriebenen Wallfahrtsortes nicht wirklich aufzuheben vermag. Hinzu kommen die Uniformen des Malteser-Ordens. Männer sehen darin mit ihren Barretten wie Mitglieder eines Wachdienstes aus, die Frauen mit ihren Kopfhauben wie Nonnen. Aber offenbar handelt es sich bei ihnen nicht im strengen Sinn um Ordensleute, sondern zu großen Teilen um ehrenamtliche Laien. Es sind junge Männer und Frauen, die sich in ihrer Freizeit durchaus auch schon mal miteinander vergnügen.

Im Film geschieht das Wunder. Christine kann sich wieder bewegen und beginnt sogar zu laufen. Eine Spontanremission, die medizinisch zumindest ungewöhnlich ist, wenn nicht gar ein echtes Wunder. Für Christine ergeben sich ganz neue Perspektiven. Aber was ist mit den anderen Pilgern? Was mit jener schwer behinderten jungen Frau, die mit ihrer Mutter jedes Jahr nach Lourdes kommt? Was mit dem alten Herrn (ebenfalls im Rollstuhl), der das ganze Jahr über entsetzlich einsam ist? Fast alle haben fester an die Möglichkeit einer Heilung geglaubt als Christine. Erfolgen Heilungen aufgrund einer unerfindlichen göttlichen Lotterie? Der Pfarrer redet sich heraus: "Wichtig ist, dass die Seele heilt und wir Gott näher kommen." Die Wallfahrer geben sich damit zufrieden. Aber wieso sind dann die Rollstuhlfahrer in Lourdes so stark überrepräsentiert? Der Film selbst beantwortet keine Frage. Er stellt sie vielmehr und lässt sie unbeantwortet im Raum stehen. Am Ende weiß der Zuschauer nicht einmal, ob Christines Heilung anhalten wird. Hat ihr Sturz kurz vor dem Abspann etwas zu bedeuten? Lässt sie sich anschließend nur aus Müdigkeit wieder in ihrem Rollstuhl nieder? Und wird sie wieder daraus aufstehen? Es wird abgeblendet und die Fragen bleiben offen.

Der Film ist gleichermaßen für Katholiken, andere Christen, Andersgläubige, Atheisten und nicht zuletzt auch für Agnostiker geeignet. Der österreichischen Regisseurin ist es gelungen einen Film zu machen, der weder Wundergläubige noch Skeptiker in ihrer Auffassung bestätigt, aber beide auch nicht vor den Kopf stößt. Er wertet nicht, sondern zeigt nur. Freilich, die offenen Fragen muss man aushalten können. Ganz nebenbei sei hier am Rande vermerkt, dass kein Katholik dazu verpflichtet ist, an irgendwelche Wunder in Lourdes, Fatima oder anderswo zu glauben - außer dem Grundwunder der Menschwerdung und Auferstehung Jesu Christi (Manfred Lütz). Die österreichische Synchronisation birgt einen gewissen Charme. Der Dialekt ist nicht zu hart, so dass man jedes Wort verstehen kann. Aber die typisch österreichische Eleganz in Satzmelodie und Aussprache dürfte dem französischen Original wohl eher gerecht werden als eine hochdeutsche Variante.
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am 16. Oktober 2013
Die DVD "Lourdes" war sehr ergreifend für mich, denn am Schluss konnte die Hauptdarstellerin - sehr gut gespielt von Sylvie Testud - aus dem Rollstuhl aufstehen und wieder gehen. Ich selbst leide auch an der chronischen Krankheit Multiple Sklerose - kurz MS genannt - und habe mir den sehr interessanten und ergreifenden Film mit einer großen innerlichen Hoffnung angesehen - und mit dem starken Wunsch, dass auch ich irgendwann wieder ganz gesund werden kann, wenn ich ganz fest daran glaube und wenn ich vielleicht selbst irgendwann nach Lourdes fahre. Das Wasser aus Lourdes habe ich mir direkt aus Lourdes per Post schicken lassen und habe es getrunken, immer in der Hoffnung, dass es mich heilen wird. Aber na ja, leider war dies nicht der Fall bei mir. Aber Gott bürdet dem Menschen nur soviel auf, wie er auch tragen kann. Also der Film hat mich sehr ergriffen und bewegt, denn ich glaube fest an Gott und die himmlischen Wunder, die er und auch die Mutter Gottes schon vollbracht hat. Man darf nie die Hoffnung verlieren, und man sollte sich immer bewusst machen, dass wir Menschen niemals alleine sind auf der Welt, denn wir alle haben göttliche Hilfe und die stets immer währende Liebe von Gott, Jesus und der Mutter Gottes sowie die Engel, die uns umgeben.
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TOP 500 REZENSENTam 6. November 2010
Zunächst scheint der Inhalt des Films genau zu seinem Titel zu passen, denn der gesamte Film spielt ausschließlich im französischen Marienwallfahrtsort Lourdes. Auch der Verlauf der Geschichte ist keineswegs so überraschend: Eine an Multipler Sklerose erkrankte junge Frau nimmt an einer von den Maltesern organisierten und begleiteten Pilgerreise nach Lourdes teil und erlebt am eigenen Leib (scheinbar) eine Wunderheilung. Dieses Ereignis provoziert bei ihr wie auch bei ihren Mitreisenden widersprüchliche Gefühle.
Solch eine Geschichte erwartet man vom Wallfahrtsort, der dafür berühmt ist, dass viele kranke Menschen dort schon geheilt worden sind. Worauf viele Zuschauer wohl weniger vorbereitet sein dürften, ist die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt und in Bildern verarbeitet worden ist. Schon von Beginn an (gezeigt wird die Ankunft im Speisesaal des Pilgerzentrums in Lourdes) wirkt der Film eher kalt und stark distanziert und man hat den Eindruck an einer Versuchsanordnung mitzuwirken: Man nehme eine Gruppe sehr unterschiedlicher Menschen setze sie mit ganz unterschiedlichen Motiven in einem berühmten Wallfahrtsort ab und schaue, was dann passiert. Wer sich auf diese Art von Erzählhaltung einlässt, erlebt einen großartig inszenierten Film auf hohem intellektuellem Niveau, der sicher nicht die Realität in Lourdes abbilden möchte, sondern der die Frage stellen will, was Menschen im Umfeld von Glaube und der Sehnsucht nach Glück eigentlich vorantreibt. Hier ist dem Film vor allem zugute zu halten, dass diese Frage durchaus kurweilig, mit sehr feinem Humor, aber immer in Respekt vor dem individuellen Glauben aufgeworfen wird. Hier wird sich nicht über Wallfahrten oder die Hoffnung auf Wunder lustig gemacht (bestenfalls über Wallfahrtstourismus und das unvermeidliche Geschäft mit demselben), sondern es wird nach dem 'Dazwischen' gesucht, was Glaube, Hoffnung und Liebe so faszinierend erscheinen lässt.
Die Frage, ob tatsächlich ein Wunder stattgefunden hat, muss schließlich jeder Zuschauer selbst beantworten und wenn während des abschließenden Festes zum Ende der Gruppenwallfahrt beim Tanzabend das Lied "Felicita" (= Glück) gesungen wird, bleibt auch dann die Frage offen, was nun eigentlich dieses Glück im Leben bedeutet und wieviel davon gerade offenbar geworden ist.
Lourdes dient im Film von Jessica Hausner (Hotel) als paradigmatischer Ort des Glaubens, der ganz aus der Hoffnung heraus lebt. Es besteht kein Interesse an einer gefühlsduseligen Wohlfühlgeschichte, sondern an der radikalen Anfrage nach dem Grund von Glaube und Hoffnung.
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Eine junge Frau, Christine, bis auf den Kopf gelähmt im Rollstuhl sitzend, macht sich mit einer Pilgergruppe der Malteser auf nach Lourdes. Ihre Beweggründe und ihre Haltung gegenüber dem Wallfahrtsort bleiben wage. Sie verhält sich insgesamt ziemlich schweigsam. Nur ab und zu versendet sie ein Lächeln. Besonders gerne geht dieses in Richtung von Bruno, einem Freiwilligen des Ordens, der die Gruppe begleitet. Geduldig lässt sie die 'Anwendungen' und 'Heilungsgebete' über sich ergehen. Und dann geschieht auch tatsächlich etwas ganz Verwunderliches mit ihr.......

Ich war noch nicht in Lourdes. Der Film nimmt sicherlich keine neutrale Perspektive ein. Es kommt wenig von einer 'Heiligkeit' des Ortes herüber. Vielmehr wird der kommerzielle Aspekt fokussiert und das schon als krampfhaft zu bezeichnende Suchen nach Heilungen und Wundern. Die Pilgergruppe wirkt dabei fast wie aus einem anderen Jahrhundert. Gerade auch die Uniformen der Malteser haben etwas antiquiertes.
Der Film zieht seine ruhigen Bahnen. Doch immer schwingt auch etwas Bedrückendes mit. Dieser Aspekt bleibt gerade auch nach der 'Heilwerdung' bestehen. Wie fühlt man sich als Auserwählte? Die Neider lassen natürlich nicht lange auf sich warten. Die Frage, die auch bleibt, ist das Große: Wieso gerade ich? Doch all diese Dinge werden sehr unterschwellig, fast zaghaft behandelt. Sylvie Testud als Christine drängt sich dabei nie in den Vordergrund. Sie ist zwar offensichtlich die Hauptperson des Filmes, doch eine Heldin ist und wird sie nicht.

Fazit: Ich hatte etwas völlig anderes erwartet. Gesehen habe ich einen ruhigen Film, der sehr viel Wert auf einzelne Szenen legt. Kann nicht genau erklären wieso, aber mir hat der Film gefallen.
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am 9. Juli 2011
Relativ spät habe ich mir diesen Film angesehen. Da ich "Hotel" und "Lovely Rita" bereits gesehen habe, erkenne ich einige Merkmale der handschrift Jessica Hausners. Es ist interessant "zwischen den Zeilen" zu lesen. Lourdes ist eben ein Pilgerort mit seiner "Pilgerindustrie" und den dazugehörigen Menschen. Das wird deutlich an den Szenen, wo die (für mich unangenehme) Sterilität der Pilgerherbergen gezeigt wird: Die kühle Atmosphäre im Speisesaal, der Neonlicht-Charme der Schlafräume und das verhärmte Gesicht der Malteserin, die mehr Verantwortung trägt. Glaube ist eine gewisse Voraussetzung, die mitgebracht werden soll. Ist Glaube vorhanden? Bei den Malteser-Helfern? Bei den raunzenden alten Damen? Bei den Priestern? Die Antwort des Pfarrers, was die Heilung betrifft ("Wichtiger ist die Heilung der Seele"), klingt seltsam inhaltslos. Oder ist sie berechtigt? Wie wird es mit Christine weitergehen, fragen wir uns nach dem Film? Ist tatsächlich eine Heilung geschehen? War es die zurückhaltende Christine, welche durch ihre Offenheit für das Unerwartete eigentlich mehr Voraussetzungen für eine Heilung mitbringt als die meisten der anderen gezeigten Personen? Dass Heilungen geschehen können, wird in diesem Film nicht in Frage gestellt. Aber es werden viele Menschen gezeigt, von denen man sagen kann: Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut und heilsam. Man fühlt sich erinnert an die Schwierigkeiten, die jenen wiederfahren, die im Neuen Testament von Jesus geheilt werden. Ein Film von einer der Religion distanziert gegenüberstehenden Regisseurin, der einen mit Fragen entlässt.
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am 5. Dezember 2010
Unter dem starken Eindruck der so eben abgespielten DVD schreibe ich diese Rezension. Was in diesem Film wie aus der Beschreibung hervorgeht "schreiend komisch" sein soll, kann ich keinesfalls nachvollziehen. Wer also eine Lustfilm erwartet, wird sicher enttäuscht sein.

Meines Erachtens hat man hervorragend die Atmosphäre dieses Wallfahrtsorts eingefangen. Wohltuend sind die spärlichen Dialoge und die dezent eingesetzte Musik. Obwohl ich nie in Lourdes war und diesen Ort nur aus Dokumentarfilmen kenne, bin ich der festen Überzeugung, dass auch Nichtgläubige davon beeindruckt sind.

Zu recht hat jetzt die Hauptdarstellerin, Sylvie Testud, die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin des Jahres erhalten. Sie war mir schon aus dem ebenfalls hervorragenden Film JENSEITS DER STILLE in bester Erinnerung. Ihr ruhiges Auftreten passt hervorragend zum Filmgeschehen. Viele Fragen, die sich für die Gläubigen ergeben, werden in dem Film durch knappe Sprechrollen aufgeworfen und machen nachdenklich.

Dieser Film gehört zumindest in jeden katholischen Haushalt, ist aber auch für Anders- oder Nichtgläubige eine großer Gewinn. Zeigt er doch, dass man auch mit einer Handlung ohne spektakuläre Action ein sehr sehenswerten Film machen kann.
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am 28. Dezember 2010
Wer kennt sie nicht, diese Independent-Filme die nicht gerade durch ein Millionen-Budget auffallen, aber doch durch eine großartige Leistung der unbekannten Schauspieler und der tiefgreifenden Geschichte letztendlich doch zu überzeugen vermögen?
Wenn dann auch noch FAZ und Spiegel den Film wohlwollend beweihräuchern und die DVD-Hülle zudem das 'Prädikat besonders wertvoll' trägt, dann kann der Film doch eigentlich nur sehenswert sein. Oder?!?
Leider ist Lourdes ein abschreckendes Beispiel dafür, dass Independent und Low Budget Filme zu Recht als pseudo- intellektuell verschrien sind. Das sinnlose Draufhalten der Kamera ohne tieferen Inhalt/Bedeutung, kein Erreichen des Mitgefühls und diverse technische Fehler machen Lourdes zu einer Tortour. Es bleibt nach wie vor rätselhaft, wie Kritiker etwa beim Spiegel und der FAZ einen solchen Film so überschwänglich loben konnten.
Womit haben sie wohl instinktiv die Löcher gefüllt, von denen dieser Film nur so strotzt? Ist für sie alles noch so Profane und Leere automatisch künstlerisch wertvoll? Welche tiefschürfenden Gedanken kommen ihnen, wenn sie einem Zaun beim Rosten zusehen, welche intellektuelle Verzückung verspüren sie wohl beim Anblick einer langsam vor sich hin gammelnden Butterpemme? Man möchte es lieber gar nicht wissen.

Dabei waren viele Filme aus diesem Genre ein gutes Beispiel. Sei es American Beauty, XXY, Nachtgestalten oder die schwedische Romanadaption So finster die Nacht. Sie wussten alle zu überzeugen und stachen aus der weiten Mainstreamkino-Landschaft heraus. Leider gehört Lourdes zu den weniger beachtenswerten Filmen, die man sich definitiv nicht anschauen sollte.
Die Handlung sei hier kurz zusammen gefasst. Eine junge Frau, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, begibt sich mit dem Malteserorden auf eine Pilgerreise nach Lourdes/Frankreich. Sie kann weder allein essen, sich anziehen, noch ihren Rollstuhl aus eigener Kraft bewegen. Sie ist auf permanente Hilfe angewiesen. Auf der Pilgerreise nach Lourdes hofft sie auf ein Wunder. Und tatsächlich, die heilenden Bäder in Lourdes und das Besuchen der unzähligen heiligen Stätten verschaffen anfangs Linderung, später vollbringen sie dann sogar das Wunder. Die junge Frau erhebt sich aus ihrem Rollstuhl und kann wieder einigermaßen laufen und sich bewegen. Keiner hätte das gedacht. Getuschel macht schnell die Runde, warum Gott gerade diese junge Frau erwählt hat und was er sich dabei gedacht habe. Nichtsdestotrotz versucht die geheilte Frau mit dieser neuen Situation umzugehen und ihr Leben neu zu ordnen. Am Ende der Reise kommt es aber zu einem kleinen Zwischenfall, der das Wunder letztendlich in Frage stellt.

Was den Film stört, ist nicht etwa die karge Grundhandlung, nein, auch nicht die Tatsache, dass die Regisseurin minutenlang Bilder zeigt, die keinerlei Funktion einnehmen. Es sind vielmehr die kleinen Details, die sich summieren. Da werden etwa zu keinem Zeitpunkt die Charaktere mit Namen angesprochen. Einzig allein die DVD-Hülle gibt spärliche Auskunft über die Namen der Personen. Das ist auch schon der erste große Anspruch den dieser Film stellt, nämlich das sich sein Zuschauer selbst die Namen zu den Personen erraten soll. Leicht pseudomässig geht es auch weiter. Minutenlang werden Kameraperspektiven eingehalten. Die schönen Bilder, die durch eine exzellente ruhige Kameraführung entstehen, stehen im Raum ohne was zu erzählen. Sie harmonieren mit der Handlung zu keinem Zeitpunkt, wirken fehlplaziert und machen das Ansehen des Films zu einem holperigen Unterfangen. Dadurch leidet die Geschichte dieser jungen Frau und ihrem Schicksal ungemein. Es werden keinerlei Brücken zum Zuschauer gebaut, das Filmkonstrukt wirkt unterkühlt und distanziert. Klare Analyseansätze sind nicht vorhanden. Lourdes als Pilgerort wird dem Zuschauer als trost- und freudloser Ort dargestellt. Die Regisseurin versteht es, den Vorgang des Pilgerns, seine Motivationen und Ziele nicht als befreiend oder gar selbstfindend/finden zu Gott darzustellen, vielmehr schafft sie es, Pilgern als einen Akt der tiefsten Verzweiflung, der Demut und der menschlichen Scham aufzuzeigen.

Was will so ein Film seinem Zuschauer letztendlich sagen? Wunder sind doch keine, es kommt sowieso immer was dazwischen? Ich soll mich nicht bei Gott vordrängeln? Gönn ich einem anderen nicht sein Glück, nur weil mir noch keines widerfahren ist? Vielmehr bestärkt dieser Film Menschen, die noch nie eine Pilgerreise gemacht haben, wie abschreckend und nutzlos Religion ist. Abschreckend, denn es zeigt wie grau, monoton und teilweise lieblos die Menschen in den heiligen Bädern miteinander umgehen. Abschreckend, da man auch unter den frommsten Katholiken Missgunst, Neid und Engstirnigkeit erlebt. Wo ist da die allseits gepriesene Nächstenliebe?
Nutzlos, denn der Film zeigt, dass es anscheinend doch keine höhere Gewalt gibt, die über Wunder zu entscheiden vermag, da es letzten Endes doch kein Wunder gab.

Der zweite große Anspruch ist im Hauptteil des Films dominierend: Leicht orientierungslos wird der Zuschauer zurückgelassen. Er möge sich doch bitte selbst seine Urteile und Handlungsstränge zurechtbasteln und Szenen interpretieren, in die es nichts hinein zu interpretieren gibt. Die Charakterentwicklungen sind rudimentär vorhanden, zeitweise wirken die Figuren unsympathisch. Sei es die an Leukämie erkrankte Obermalteserin, die verbittert selbst auf ein Wunder göttlicher Seits hofft oder die Pflegerin, die sich um die Protagonistin kümmern soll. Anfangs posaunt Diese noch wie sehr sie anderen Menschen helfen möchte und in ihrem Leben mal was Soziales tun möchte und keine zehn Minuten später wirft sie ihre ganze Pseudomoral über Bord und lechzt jungen Pionieren hinterher. Dieser ganze große Trauerkloß wie gefühllos und abschreckend der katholische Glaube erscheint zieht sich knappe 1 1/2 Stunden hin in der keinerlei Unterhaltung stattfindet. Die Rede ist nicht von einem Appell an die niederen Instinkte des Zuschauers, sondern Unterhaltung im Sinne von emotionaler Gebundenheit an den Film, dass man als Zuschauer irgendwo tangiert wird und sich nicht pausenlos die Frage stellt, wann denn nun endlich mal was passiert.

Das Ende wurde bewusst offen gehalten, was den dritten und letzten großen Anspruch an den Zuschauer stellt. Da alle dünnen Handlungsstränge am Ende ins Leere verlaufen, sind mal wieder die Fantasie und die Kombinierfähigkeit des Zuschauers gefragt. Eigentlich gibt es da ja nicht viel zu verstehen, da in dem Film nichts Fundamentales was den Zuschauer zum Nachdenken bringen könnte, passiert. Ein Film wird leider nicht zu einem tiefgründigen und hochintellektuellem Streifen, nur weil er minutenlang auf eine Perspektive gehalten wurde und der gesamte Sprechtext auf zwei DIN A4-Blätter passt.

Wer sich diese geballte Dialogladung auf Französisch geben möchte, kann dies Dank vorhandener Originalfassung tun. Ansonsten hat man es mit der Ausstattung der DVD wie schon mit dem Film gehalten ' ganz viel Raum für Interpretation und ein paar Trailer für hoffentlich bessere Filme.
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TOP 1000 REZENSENTam 1. Januar 2011
Lourdes im Jahr 1858: Der jungen Bernadette Soubirous soll nahe der Grotte Massabielle mehrfach die eine weiß gekleideten Frau erschienen sein. Später offenbarte sich nach ihren eigenen Worten die Erscheinung als "unbefleckte Empfängnis". Sowohl der Pfarrer des Ortes als auch eine durch die katholische Kirche eingesetzte Untersuchungskommission kamen zum Schluß, dass dem Mädchen die Mutter Gottes erschienen sein muß, die Bernadette beauftragte, eine Kirche auf der Grotte zu errichten.
Innerhalb der letzten 150 Jahre wurde Lourdes immer mehr zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte weltweit. Der Quelle werden inzwischen Heilkräfte zugeschrieben und es gab in all den Jahren auch immer wieder über tatsächliche Wunderheilungen zu berichten.
Bernadette wurde 1933 heilig gesprochen.
Die bekannsteste Verfilmung der Geschichte gab es 1943 mit Henry Kings religiösem Drama "Das Lied von Bernadette".
Mit Jessica Hausners Bestandsaufnahme zum Wallfahrtsort gibt es einen weniger verklärten Blick auf das heutige "Lourdes" - inzwischen zum ultimativen Kommerz aufgestiegen.
Christine (Sylvie Testud) leidet an Multipler Sklerose und kann inzwischen bis auf ihren Kopf nichts mehr bewegen.
Hinzu kommt noch eine starke Einsamkeit und um dieser zu umgehen macht sie auch liebend gerne Ausflüge mit.
Und warum nicht auch mal ein paar Tage Lourdes, um der sozialen Isolation entfliehen zu können. Besonders gläubig ist sie nicht, aber sie lässt sich irritiert wie fasziniert treiben von diesem religiösen Sog, der im Ort herrscht.
Die junge Malteserin Maria (Lea Seydoux) begleitet die Frau im Rollstuhl zu den zahlreichen Ausflügen und zu weiteren Events wie Fotoshooting, Grottengestein streicheln, bunten Abenden. Bäder oder Prozessionen.
Am Ende der Reise soll sogar der "Pilgerpreis" für den besonders gläubigen und engagierten Mitreisenden verliehen werden.
Die Malteserin Cecile (Elina Löwensohn) hat einen Traum, dass Christine wieder laufen kann. Tatsächlich geschieht dieses Wunder einen Tag später und die ganze Reisegruppe inklusive Pfarrer (Gerhard Liebmann) und Frau Hartl (Gilete Barbier) eine 60jährige Pilgerin, die sich Christine angeschlossen hat, sind äusserst überrascht, erstaunt und alle müssen dieses Wunder erst einmal mental verkraften. Denn die Frage "Warum Sie ?" taucht bald auf und gibt unter den Gläubigen bald viel Gesprächsstoff...
Jessica Hausners Film, der ohne große Handlung auskommt, verlässt sich ganz auf die Wirkung der Bilder und Impressionen des Wallfahrtortes Lourdes. Man blickt erstaunt und fast ungläubig auf eine Art Disneyland für Katholiken. Dennoch schafft es Haunser eindrücklich diesen eigenen Kosmos treffend, sowohl subversiv als auch andächtig, zu skizzieren. Es ist ein Ort mit Menschen für Menschen, die sehnsüchtig und erfurchtsvoll einen Wink von Oben erwarten. Als dies tatsächlich wahr zu werden scheint, ist auch gleichzeitig Zweifel und Hinterfragen angesagt und nicht nur Christine wird sich fragen, wie lange Wunder halten.
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am 26. Februar 2016
Ein ehr stiller Film den ich sehr gerne gesehen habe. Solche Filme gibt es ja ehr selten, sehr schön auch mal zu sehen wie es in Lourdes ist.
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am 26. November 2013
Dieser Film hat mich sehr berührt. Die verschiedenen Szenen sind sehr eindrucksvoll gemacht. Die Heilung erscheint als
Geschenk - der Mensch kann es nicht selbst bewirken.
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