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am 22. Juni 2011
Hallo Filmfreunde!

Nachdem ich mich durch einige der Rezensionen "gekämpft" habe, muss ich auch mal wieder meinen Senf zu einem Film beisteuern...

Es ist mittlerweile ein paar Wochen her, dass ich den hervorragenden "Valhalla Rising" mit dem großartigen Mads Mikkelsen gesehen habe, also habe ich genügend "Distanz" für eine möglichst objektive Rezension dieses Titels, insbesondere einiger angesprochener Kritikpunkte:

1. die "Reise" oder "Suche": wir begleiten hier einen skandinavischen Krieger vor etwa 1000 Jahren. Dieser hat ein wirkliches Problem: er kämpft so überragend, dass das finale Ziel, der Tod im Kampf und der Einzug in die Ruhmeshalle Walhall, ihm lange Zeit verwehrt bleibt. In dem Jungen und den Ereignissen um ihn herum sieht/erkennt dieser Zeichen und begibt sich auf die schicksalhafte Reise.

2. "fehlende Handlung": wenn Ihr diesem Film fehlende Handlung unterstellt, so müsstet Ihr das bei "Dead Man" ebenso tun, wo man den grandiosen Johnny Depp auf seinem letzten Weg begleitet... Mich jedenfalls hat die "nicht vorhandene" Handlung sehr beeindruckt und gefesselt!

3. "Brutalität": herrje, was dachtet Ihr denn?! Dass die Wikinger mehr wie im Asterix-Comic seien? Ich bin kein Befürworter von Metzelorgien im Stile von "Hostel", etc., jedoch halte ich die gezeigten Szenen für Stilmittel des Realismus und somit für NOTWENDIG, um die Stimmung und den harten "Alltag" der handelnden Figuren "rüber" zu bringen.

4. "Wikinger als Kreuzfahrer": LEIF ERIKSSON... Schon mal gehört? Irgendwer? Nein, ist kein isländischer Actionstar oder Vetter von Vin Diesel...

5. "es wird nicht gesprochen": gerade DAS macht die Figur des One-Eye so einzigartig. Entdeckt man da bei seinem (Anti-)Helden schon beinahe Züge des Film Noir?! Er spricht nicht, geht einem recht brutalen Tagwerk nach,...

Es ist doch bezeichnend, WER hier am Ende - gemessen an den Vorstellungen seines Glaubens - die "Erfüllung" findet. Sind's die frühen Christen? Der "wilde" Wikinger? Was geschieht mit uns, wenn wir aus unserem natürlichen Lebensraum herausgerissen und in eine für uns fremde (und feindliche) Umgebung geraten? Ist dort alles anders, oder gibt es gewisse Wertvorstellungen, die sich ähneln? Oder ist am Ende alles Verhalten doch nur vom Instinkt geprägt?

Dieser Film stellt Fragen, anstatt alle zu beantworten. Er sendet den Zuschauer, der sich darauf einlassen möchte, auf eine Reise MIT den Figuren, egal ob als "neutraler" Beobachter, oder als jemand, der mit dem Jungen oder One-Eye mitfühlt oder -fiebert.

In der Summe ein Film, der mich in seiner archaischen Wucht sehr beeindruckt hat und handwerklich mehr als nur überzeugt!

Nach "Adams Äpfel" ein weiterer ganz großer Wurf des wandelbaren Mads Mikkelsen, der mittlerweile einer der ganz großen Mimen unserer Zeit ist (TROTZ des Ausfluges in den "Maistream" zu James Bond).

Eine Einschränkung gibt es jedoch: Zuschauer, die gewohnt sind, selbst "visuellen Speisebrei" in kleinen Häppchen gefüttert zu bekommen (die oft zitierte Generation RTL), werden sich an diesem Brocken gehörig verschlucken!!! Keine Action wie bei "Transformers" oder "The Fast and the Furious", niemand muss auf die stille Treppe und man bekommt NICHTS erklärt und muss nachdenken...

Für mich einer der großen Filme des Jahres 2010 und aus den genannten Gründen volle 5 Sterne!

Danke für's Durchhalten bis hier unten... ;-)
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am 23. August 2014
Nicolas Winding Refn dürfte einer der kreativsten Regisseure unserer Zeit sein.

Der gebürtige Däne begann seine Karriere mit dem Thriller "Pusher", einem Thriller, mit dem er sein Talent schon beweisen konnte, allerdings bedurfte es noch einiger anderer Werke, bis Hollywood auf ihn aufmerksam wurde, und ihm schließlich 2011 mit "Drive" endgültig auch der internationale Durchbruch gelang.

Refn versteht es meisterlich, Konventionen aufzubrechen und auch eher "gewöhnlichen" Geschichten seinen eigenen, fast schon unverwechselbaren Stempel aufzudrücken.

Selbst der massenkompatiblere "Drive" beinhaltete die von Refn favorisierten Elemente, wie zB wenige, eher kurze Dialoge und vor allem den wortkargen "Helden" sowie drastische, oftmals unvermittelte Gewalteruptionen.

Mit "Walhalla Rising" schuf Refn sein bis dato sperrigstes Werk, welches für den Fan von Mainstream eine einzige Tortur darstellen dürfte.

Dieses verlässt nicht nur den Weg üblicher Narration, sondern stellt einen völligen Gegensatz zu heutigen Sehgewohnheiten dar.

Angefangen bei langen Einstellungen und minimalistischen Dialogen, wird dem Zuschauer fast jegliches Gerüst vorenthalten, das ihm Hilfestellung beim Verstehen des Gezeigten geben würde, geschweige denn Erklärungen liefert.

Was heutzutage kaum noch stattfindet: der Zuschauer wird gefordert!

Der übliche Overkill an möglichst aufwändiger Inszenierung, der das genaue Gegenteil von Kreativität darstellt, und der den Zuschauer entmündigt, ohne dass dieser es merkt, wird durch eine elegische Bilderflut ersetzt.

Das Medium Film wird hier nicht auf ein reines Konsumgut unterster Ebene reduziert.

Doch was hat "Walhalla Rising" uns über die eigentlich Handlung hinaus zu sagen? Dem Zuschauer werden kaum Erläuterungen geliefert.

Wenig Eindeutiges kann hierzu gesagt werden, da der Film selbst keinerlei Stellung bezieht. Es gibt weder Gut noch Böse, keine Schwarz-Weiß-Malerei, erst recht keine Auflösung noch gar ein Happy-End.

Szenen ungezügelter Rohheit weichen poetisch anmutenden Landschaftsaufnahmen, die im nächsten Augenblick durch psychedelisch-farbenfrohe Visionen abgelöst zu werden. Dadurch schafft Refn eine Atmosphäre, der sich der aufgeschlossene Zuschauer kaum entziehen kann.

Der Verweis im Titel und die Person One-Eye, deuten auf einen Zusammenhang mit der nordischen Mythologie hin.

Der Hauptgott, Odin, opferte demnach sein linkes Auge, um mehr Weisheit zu erlangen, indem er sich seherische Kräfte erhoffte. Diese Überlegung liegt nahe, zumal Odin nun auch nicht für seine "Zimperlichkeit" bekannt ist, sondern sich in Walhall (so die korrekt Bezeichnung) mit allen Helden der Erde umgab, um mit ihnen gegen die den Weltuntergang herbeiführenden Mächte zu kämpfen.

Auch One-Eye hat seherische Fähigkeiten, die ihm seine eigene Zukunft vorhersagen. Diese Visionen durchziehen den Film, beziehen den Zuschauer also mit ein.

Steht hier die nordische Religion nicht nur auf der Handlungsebene, sondern auch auf der Metaebene im Konflikt mit dem aufstrebenden Christentum, dass jegliche Toleranz vermissen lässt und mit Gewalt alle Nichtgläubigen" missionieren will?

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass die Aussage darin liegt, dass alle Religionen den Menschen ziellos und letztendlich ohne wahre Erlösung umherirren lassen, sodass von diesen letztendlich nur Hass und Gewalt ausgehen.

Are wird von den christlichen Kriegern anfangs als Glücksbringer gesehen, er scheint auch der einzige zu sein, auf dem keine Schuld lastet. Er erklärt des Öfteren, dass man sich auf den Weg nach Hause begeben solle, wobei er nicht erklären kann, wo dieses nun läge.

Ist Are eine Art Messias, der den Menschen nur aufzeigen kann, dass sie ihren inneren Frieden nicht im Erreichen von vermeintlich glückverheißenden Orten oder Zielen finden können, sondern nur in sich selbst? Und das stetige Suche nur dazu führt, dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes in der eigenen Hölle verliert?

Dieses Verlorensein wird durch die Unendlichkeit der kargen Landschaften und durch das Einfangen der Darsteller verstärkt, deren Blick fast nie in die Kamera, sondern meist auf einen entfernten Punkt gerichtet ist.

Welche Rolle kommt dann One-Eye zu, außer dass man ihn stellvertretend für Odin sehen könnte. In der nordischen Mythologie kann Odin den Weltuntergang nicht aufhalten. Auch One-Eye wird am Ende getötet, wobei er sich seinem Schicksal kampflos ergibt. Ein weiterer Hinweis, dass am Ende, trotz allen Glaubens, alles umsonst war.

Walhalla Rising" erscheint somit als ein abstrakter Endzeitfilm, wobei er nicht nur die Sinnlosigkeit des religiösen Aufbegehrens offenbart, sondern auch, dass der Weltuntergang durch unsere Rastlosigkeit von uns selbst herbeigeführt und in letzter Konsequenz in uns selbst stattfindet.

Die Wallfahrer sehen am Ende in One-Eye denjenigen, der sie in die Hölle geführt hat. Sie erkennen dabei nicht, dass One-Eye nur seinem eigenen Schicksal folgt, und sie es selbst sind, die ihren Untergang herbeiführen.

One-Eye ist stumm, brutal und agiert ohne wirkliches Ziel. Er scheint daher auch stellvertretend für die heuchlerischen Motive der Wallfahrer zu stehen, die Widersprüchlichkeit von Gewalt und Glaube, die nur das Ende allen Seins bedeuten kann.

Die Bildkompositionen erinnern im Übrigen an "Stalker", den für mich besten Film überhaupt, wobei Refn (noch) nicht an die Genialität des neben Eisensteins besten russischen Regisseurs, Andrej Tarkovsky, heranreicht.

"Stalker" funktioniert auf mehreren Metaebenen, kann neben Regimekritik auch als umfassende Studie des Menschen selbst verstanden werden. Diese Vielschichtigkeit erreicht "Walhalla Rising" imho nicht ganz.

Fazit:

Was man nicht bekommt: einen martialischen, actionreichen Wikingerfilm und schon gar nicht Stumpfsinn a la "300" (zum Glück).

Was man bekommt: ein grandioses, meditatives, fast psychedelisches Werk, mit perfekter Kameraführung, dem besten Score, den ich seit langem genießen durfte, minutenlangen, ruhigen Einstellungen (vergleichbar mit Stalker"), die von explosionsartigen Gewaltszenen abgelöst werden, die mich an Cronenberg erinnerten, letztendlich als Gesamtwerk wohl ein Tribute an Werner Herzog.

Anschauen, staunen, rätseln, genießen!

9/10
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am 22. Mai 2010
Cave: Wer auf den 13. Krieger, Braveheart, Outlander oder ähnliche Wikingerfilme abfährt und ähnliches erwartet, der sei deutlich (!!!) gewarnt. "Valhalla Rising" entspricht eher einem Arthaus- als einem Action-Film. In Anlehnung an Werner Herzogs "Aguirre - der Zorn Gottes" könnte man vorliegendes Werk auch als "One-Eye - der Zorn des Teufels" bezeichnen. Ähnlichkeiten in der Handlung sind entfernt auszumachen. Was auch immer man sich bei der Darstellung auf dem Cover gedacht hat - eine solche Ansammlung von Wikingern findet man nicht im ganzen Film, schon gar nicht, da alle Darsteller in der ausschliesslich englischen Fassung (nur englische Untertitel) mit stark schottischem Akzent sprechen...

Zur Handlung: Erzählt wird die Geschichte des stummen Sklaven "One-Eye", der von einem Clan seit fünf Jahren zu Faustkämpfen auf Leben und Tod verdingt wird. So etwas wie eine Beziehung hat er nur zu einem Jungen, der ihn täglich mit Essen versorgt. Jener ist auch der einzige Überlebende, nachdem sich "One-Eye" befreien kann und rächt. Im Verlauf der Geschichte schliessen sie sich einigen kreuzfahrenden Kriegern an, die auf dem Weg ins heilige Land mit ihrem Boot gänzlich wo anders landen und dort ihr im wahrsten Sinne des Wortes "rotes" Wunder erleben. Mads Mikkelsen spielt mit einer bestechend starren Intensität, obgleich die wenigen Szenen, in denen sich sein Minenspiel verändert, zu den Höhepunkten des Films zählen.

Zur Umsetzung: Den Zuschauer erwartet eine getragene, teils bewusst langatmige Erzählweise, die in beeindruckenden Landschaftsaufnahmen schwelgt, unterbrochen nur durch die in rot gehaltenen Visionen "One-Eyes". Der Film kommt fast ohne Dialoge aus. So ist es vor allem die Optik, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ob das die kurzen aber heftigen Gewaltausbrüche betrifft oder die surrealen Momentaufnahmen der teils kargen Vegetation. Das Ganze unterlegt mit einem sphärisch elektronischen Soundtrack, der psychedelischer kaum sein könnte...

"Valhalla Rising" erinnert insgesamt an Filme wie den eingangs erwähnten "Aguirre" mit Klaus Kinski oder die Werke des Andrej Tarkowski, z.B. "Stalker " oder "Solaris".

Warum aber nun visuell enttäuschend wie beeindruckend?

Die Bildqualität der Bluray ist meines Erachtens teilweise beschämend. Szenen von absoluter Brillianz wechseln sich gelegentlich mit Bildern ab, die nur des Niveau einer durchschnittlich "upgescalten" DVD erreichen! Besonders bei aufkommendem Nebel und Bildwechseln zwischen Hell und Dunkel ist das Bild teilweise pixelig, grobkörnig und von Farbabrüchen geprägt. Beim Nebel frage ich mich ob das an der bescheidenen Qualität des Effekts liegen könnte, da ich dies bei anderen "nebeligen" Filmen bisher so nicht gesehen habe. Die vor Beginn des Films gezeigten Filmtrailer warten übrigens auch nur in SD Qualität auf.

Zur Altersfreigabe ist zu sagen, dass der Text des Logos selbst angibt, dass sie wegen des Zusatzmaterials heraufgestuft wurde. Ob der eigentliche Film geschnitten oder "uncut" ist, bleibt für mich schwer zu beurteilen.

Fazit: Schade - die beeindruckende visuelle Erzählweise wird durch die teils schlampige Umsetzung auf Bluray für mich deutlich gemindert. Ich werde mein Exemplar zurückschicken! Was nichts an der Tatsache ändert, dass "Valhalla Rising" zu dem Beeindruckendsten zählt, was ich zuletzt zu sehen bekommen habe!!!

P.S. Wer einen Versuch unternehmen will, die krypische Handlung zu entschlüsseln, dem sei der Kommentar des Regisseurs empfohlen. Er liegt als weitere Audiospur vor!
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am 14. Dezember 2015
Bewertung allein der technischen 3D-Qualität mit LG-Bluray-Player und
LG-Bildschirm (1920:1080=1,78) mit PolfilterTechnik, Diagonale=140 cm

+ Stärken: Keine

– Schwächen:
– Seitenverhältnis 2,4 nicht bildschirmfüllend, Schlitzbild
– Billigste Ramsch-Konvertierung
– Keine Raumtiefe, keine TiefenStaffelung:
Alles spielt sich ab in einer ScheinEbene hinterm Bildschirm
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am 23. November 2014
In der Tat. Ich hatte gerade den Kommentar von Andre gelesen und schliesse mich an. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir es nicht mehr gewohnt sind solch puristischen Filme zu sehen, ohne Führung und jegliche Form von ablenkender Technik.
Tja, das Christentum ist auch nicht viel anders als andere Religionen, solange der Mensch es nicht verinnerlicht hat. Dies scheint mir das Thema zu sein.
Der Film hatte mich aufgrund des Titels und Bildes interessiert. Ich hatte mir einige Kommentare der extremen + und - Seite durchgelesen. Nach den ersten Minuten wusste ich, der ist aussergewöhnlich und für mich fesselnd. Schwierig den Einstieg zu finden, aber das liegt auch an s.o.
Respekt für die Idee, die Darstellung und die schauspielerische Leistung, - die Gesichtsausdrucke..echt stark.
Wen filmische Herausforderungen und off-road Filme interessieren, der ist mit Valhalla Rising klasse bedient.
Es kommt selten vor, dass ich einen Film noch einmal sehen möchte, aber dieser hat es geschafft (wie bei Cloud Atlas). :)
Try...,
Jens
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am 10. Juli 2010
Vorweg: Ich bewerte hier nur den Film, nicht die Blu-Ray bzw DVD.

Ein Film, der mich schlicht überwältigt hat. Vor ein paar Monaten, als der erste Trailer die Runde machte und es auch eine Reihe an News gab, stellte ich mich auf einen brutalen Actionfilm im Wikingerzeitalter ein. Kurz bevor ich den Film sichtete, las ich mir einige Kritiken durch und war bereits etwas verblüfft, als Parallelen mit Werner Herzog's "Aguirre, der Zorn Gottes" oder den Werken von Terrence Malick ("Badlands") oder sogar Andrei Tarkovsky ("Stalker") gezogen wurden. Alles klar, meine Erwartungen änderten sich schlagartig, wobei mein Interesse indes noch weiter anstieg.

One-Eye, gerade aus der Gefangenschaft einiger Wikinger entflohen, schließt sich, zusammen mit einem kleinen Jungen, einigen Christen an, die auf dem Weg in das gelobte Land sind, um es zurückzuerobern und das Wort Gottes zu predigen. Mit einem mindergroßen Boot geht's los, auf dem nebeligen Gewässer gen Jerusalem, doch die Reise führt sie viel mehr in die sprichwörtliche Hölle.

Der Film ist ein Arthouse-Werk in Reinkultur. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen der nebeligen Gebirge Schottlands, eine extrem beklemmende Atmosphäre, die von dem grandiosen Score (Peter Peter & Peter Kyed) dermaßen stark unterstützt wird, sodass man auch mal aus der Haut fährt, wenn der von Mads Mikkelsen gespielte "One-Eye" eine seiner Visionen hat, die auch visuell einen klasse Eindruck schaffen.
Der im Film genannte "One-Eye" ist ein karger, geheimnisvoller, brutaler und hemmungsloser Krieger. Zudem ist er ein Mann weniger Worte, so spricht er doch im gesamten Film nicht ein Wort. Mads Mikkelsen verkörpert seine Figur jedoch so gut, dass allein die physische Präsenz schon ausreichend ist. Mikkelsen entzieht seinem "One-Eye" jegliche Emotionen und es wird einem vollends verwehrt sich irgendwie in die Rolle hineinversetzen zu können, was in diesem Fall gut und passend zur Stimmung ist.
Es gibt im Allgemeinen nicht gerade viel Dialog, was einige eventuell abschrecken mag. Lässt man sich jedoch von der Gänsehaut-erregenden Atmosphäre mitreißen, werden die Dialoge zur Nebensache.

Sicher, es gibt auch etwas Action, die sich in einigen Kampfszenen äußert, welche dann auch nicht gerade unblutig sind, um es mal harmlos auszudrücken. Darauf liegt hier jedoch nicht der Fokus. Im Mittelpunkt allein steht das stetige Verzweifeln der Wallfahrer, die quasi eine Kirche im Herzen der Hölle zu errichten versuchen. One-Eye hingegen scheint sein Ziel längst erreicht zu haben...

Ich will nun nicht allzu viel spoilern, daher gehe ich nicht weiter auf den fortlaufenden Inhalt ein. Man kann aber sagen, dass einem viel Raum für eigene interessante Interpretationen gelassen wird. Es ist einer dieser Filme, bei denen der Regisseur dem Publikum bewusst diesen Raum lässt und vielerlei Interpretationen für den jeweiligen Zuschauer richtig sein können - ein wahres "falsch" gibt es hier nicht wirklich, solange es für einen selbst funktioniert.
Weiterhin kann man sich auch bereits nach der Sichtung noch zu Genüge mit diesem Film beschäftigen. Es gibt viele wirklich sehr interessante Parallelen zu nordischen Gottheiten (hauptsächlich zum Gott "Odin"!), Mythen etc. Wenn man diese auf den Film bezieht, ist es möglich den Film wiederum in einem anderen Licht zu sehen.
Ich für meinen Teil liebe Filme, mit denen man sich noch endlos weiter auseinandersetzen kann oder einfach fremde Interpretationen zu lesen, da es einfach ungemein interessant ist, wie andere Leute dies und das sehen bzw. deuten.

Mit der famosen Bildsprache, der dichten Atmosphäre und des vortrefflichen Scores wird man nahezu hypnotisiert und man möchte gar nicht wegschauen, aus Angst auch nur das kleinste Detail zu verpassen, so bleibt man die 89 Minuten wie gebannt sitzen, bis das Bild sich verdunkelt und die Credits über den Schirm flimmern und der Film den Zuschauer verloren zurücklässt.

Nicolas Winding Refn hat mit "Valhalla Rising" meiner Ansicht nach ein wahres Meisterwerk abgeliefert. Zwar nicht jedermanns Geschmack, aber für diejenigen, die der Film begeistern konnte freut es mich umso mehr. Wer also keinen "300"-Verschnitt erwartet, wie es das UK-Cover vermuten laesst, und auf etwas Langsames, Meditatives und äußerst Experimentelles aus ist, der wird mit Refn's Film seinen Spaß haben, wenn man es denn "Spaß" nennen kann...

Achja, wieso im dt. Titel "Walhalla" statt "Valhalla", wie es im OT der Fall ist, genommen wird, ist mir ein Raetsel, da auch das "rising" beibehalten wird.
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-> Erschienen auf Movie Fanaticism
1212 Kommentare|164 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Februar 2015
Atmosphärisch dichter Film, der sich nicht klar in ein Genre pressen lässt, eingebettet in's skandinavische Hochmittelalter. Sehr reduzierte Dialoge, man meint den Dreck, den Schmerz, das Leiden der Darsteller fast physisch wahrnehmen zu können. Kein Film für zarte Gemüter aber die Brutalität ist nie Effekthascherei sondern sie ist kongruent zur Handlung. Nie ist klar wer ist hier Täter und wer Opfer. Mads Mikkelsen spricht nur über Körpersprache und reduzierte Mimik - und wenn er etwas ausdrückt, dann klar. Der Soundtrack ist düster, nervös und elektrisierend und unterstreicht die beklemmende Stimmung des ganzen Films. Am Ende wird man etwas verstört zurückgelassen aber auch das passt und war wahrscheinlich im Sinne des Regisseurs.
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am 9. August 2015
Ich habe den Film vor einigen Jahren gesehen.
Während des Guckens war ich hin und hergerissen zwischen "ich muss jetzt endlich ausschalten" und "ich hab die DVD ausgeliehen, also gucke ich zu Ende".
Hätte man mich 5 Minuten nach dem Film gefragt, ob ich ihn empfehlen würde, hätte ich wohl eher zu Nein tendiert.
Mit gesunden zeitlichen Abstand hat der Film jedoch nachhaltig etwas hinterlassen.
Es ist der wirklich erste Film, der einen in die Vergangenheit führt. Keine Titties, keine blöde Lovestory, keine Sonnenbankgebräunten Kriegerhelden, und (!) das hatte mich damals eher gestört, keine zusammengeschusterte Story die einem Finale entgegenfiebert.
De facto kann man sich wirklich fragen, ob dieser Film einen roten Faden folgt.
Man weiß auch nicht wirklich was der Zweck des Films ist. Er endet so plötzlich wie er anfing. Verstörende Szenen inklusive.
Ich fand den Film dermaßen strange, dass ich mittlerweile jedoch denke: wieso nicht?
Woher sollten wir wissen wie es vor 1000 Jahren war? Wie geredet oder gar nicht geredet und gedacht wurde?
Ich sehe mir gern Historienfilme an, allerdings muss man sagen: das Denken der Darsteller spiegelt schon grob unser heutiges Verständnis der Welt wieder.
Auch wenn Vikings (zumindest die 1. Staffel) noch versucht realistisch zu wirken, so weiß niemand von uns, wie die quasi schriftlosen Völker des Nordens damals wirklich lebten. Man sollte den Film als Kunstwerk betrachten.
Wer hier "King Arthur" und Co erwartet... tut es Euch nicht an ;)
Ich krieg gerade richtig Lust ihn mir nochmal anzusehen.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. August 2012
Vorweg:

Meine Rezension bezieht sich nur auf den Film - wer Informationen zum beworbenen Film-Paket und den enthaltenen Extras sucht, kann meine Rezension einfach überspringen.

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Düstere, kalte Berglandschaften. Schmutzige Hünen in zerschlissener, roher Kleidung - einige frei, andere gefangen in groben, hölzernen Verschlägen. Marzialische Waffen, Ketten, Erdpflöcke. Ein kleines Kind. Ein bestialischer Kampf. Keine Worte, keine Musik. Wenige Geräusche. Sättigungsarme Farmen, kontrastreiche Weite. Eine genutzte Chance, blutige Vergeltung. Eine neue Aufgabe, Orientierungslosigkeit, ein fremdes Land. Verwirrung und Bestürzung. Glaubensfragen und brutaler Realismus.

Beschreibung:
============
Roh, barbarisch, drastisch - irgendwie authentisch. Sehr wort- und erlebniskarg. Bildlich episch, wenngleich inhaltlich angesichts einer fehlenden fesselnden Handlung nicht wirklich atmosphärisch. Viele sehr langsame, einfach nur zeigende Inszenierungen. Fast jedes Pause-Standbild ergibt ein potentielles Wallpaper, sei es durch atemberaubende, kontrastreich und lichttechnisch bearbeitete Landschaften, durch wabernde grell-gefärbte halluzinatorische Visionen oder durch nebulöse, diffuse, sepiagefärbte Nahaufnahmen. Wir sehen Figuren, aber wir empfinden keine Charaktere - jede Person ist austauschbar, wir wissen über niemanden mehr als das, was uns soeben gezeigt wurde. Die Handlung tröpfelt so gemächlich und vorhersehbar dahin wie ein langsam stockendes Gerinnsal von Blut. Irgendwie fad, irgendwie sinnlos, irgendwie nicht richtig packend.

Fazit:
======
"Walhalla Rising" hat mir nicht so richtig gefallen. Zu langatmig-atmosphärisch, zu gewollt-episch, zu handlungs- und erlebnisarm, inhaltlich zu vage und charakterlich zu informationsarm. Ein Film, der scheinbar allein von seiner visuellen Inszenierung leben möchte. Zugegeben, wirklich beeindruckende Bilder aus den bergigen Weiten Schottlands, erstklassig eingefangen, bearbeitet und mit ein paar marzialischen Gestalten gepaart. Es fehlte mir nicht an Aktion, es fehlte mir auch nicht an Worten und auch die Ursprungsidee gefiel mir. Was mir fehlte war ein wenig mehr Handlung: Spannungs- oder wenigstens interessegenerierende, inhaltlichen Fragestellungen, Zielverfolgung durch die Figuren, Auflösungen, Wendungen - irgendeine Form der Klimax. Vielleicht funktioniert "Walhalla Rising" ja wirklich besser, wenn man ihn mit Kopfhörern, hoher Lautstärke, nah vor dem Fernseher oder allein im Kino, vielleicht mit einem Bier oder besser noch einem Glas Absinth einfach nur auf sich wirken lässt. Wer es probieren möchte, sollte auf jeden Fall auf eine gute Bildqualität (bestenfalls HD) achten, um wenigstens die tollen Wallpaper genießen zu können.
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am 11. Februar 2013
man muss zugeben, wenn man nur den trailer gesehen hat und von dem regisseur vielleicht nur "drive" kennt, wurde man ein bisschen reingelegt.
man hätte denken können man bekäme einen albernen "wikingerfilm" mit vielen schönen kampfszenen geboten.
nur so kann ich mir die flut von nichtssagenden 1-sterne-rezensionen auf amazon erklären.
am besten finde ich die aussage : "das kann kein guter film sein, der hauptdarsteller spricht nicht !"
das nenne ich ein argument.

ich möchte gerne eine eher nichtssagende 5-sterne-"rezension" hinterherschieben.

für mich ist der film in jeder hinsicht überragend.
da ich ein film junkie bin und viele filme schaue, bin ich immer auf der suche nach einem film, der wirklich anders und neu ist und mir meine sucht befriedigt.
walhalla rising ist genau so ein film !
und das beste an diesem film ist, dass man ihn interpretieren kann, wie man möchte.
nichts ist klar, alles ist offen.

ein traum von einem film, ein meisterwerk !
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