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5.0 von 5 Sternen Nichts für die Generation "RTL", "Bild" oder "The Fast & The Hirnlos"...
Hallo Filmfreunde!

Nachdem ich mich durch einige der Rezensionen "gekämpft" habe, muss ich auch mal wieder meinen Senf zu einem Film beisteuern...

Es ist mittlerweile ein paar Wochen her, dass ich den hervorragenden "Valhalla Rising" mit dem großartigen Mads Mikkelsen gesehen habe, also habe ich genügend "Distanz" für eine...
Veröffentlicht am 22. Juni 2011 von Sancho Pansa

versus
34 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen BLURAY- Rezension - Visuell enttäuschender wie beeindruckender Psychotrip
Cave: Wer auf den 13. Krieger, Braveheart, Outlander oder ähnliche Wikingerfilme abfährt und ähnliches erwartet, der sei deutlich (!!!) gewarnt. "Valhalla Rising" entspricht eher einem Arthaus- als einem Action-Film. In Anlehnung an Werner Herzogs "Aguirre - der Zorn Gottes" könnte man vorliegendes Werk auch als "One-Eye - der Zorn des Teufels"...
Veröffentlicht am 22. Mai 2010 von EHZ


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413 von 474 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für die Generation "RTL", "Bild" oder "The Fast & The Hirnlos"..., 22. Juni 2011
Von 
Sancho Pansa "Hörspiel-Fan" (Aachen, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) (DVD)
Hallo Filmfreunde!

Nachdem ich mich durch einige der Rezensionen "gekämpft" habe, muss ich auch mal wieder meinen Senf zu einem Film beisteuern...

Es ist mittlerweile ein paar Wochen her, dass ich den hervorragenden "Valhalla Rising" mit dem großartigen Mads Mikkelsen gesehen habe, also habe ich genügend "Distanz" für eine möglichst objektive Rezension dieses Titels, insbesondere einiger angesprochener Kritikpunkte:

1. die "Reise" oder "Suche": wir begleiten hier einen skandinavischen Krieger vor etwa 1000 Jahren. Dieser hat ein wirkliches Problem: er kämpft so überragend, dass das finale Ziel, der Tod im Kampf und der Einzug in die Ruhmeshalle Walhall, ihm lange Zeit verwehrt bleibt. In dem Jungen und den Ereignissen um ihn herum sieht/erkennt dieser Zeichen und begibt sich auf die schicksalhafte Reise.

2. "fehlende Handlung": wenn Ihr diesem Film fehlende Handlung unterstellt, so müsstet Ihr das bei "Dead Man" ebenso tun, wo man den grandiosen Johnny Depp auf seinem letzten Weg begleitet... Mich jedenfalls hat die "nicht vorhandene" Handlung sehr beeindruckt und gefesselt!

3. "Brutalität": herrje, was dachtet Ihr denn?! Dass die Wikinger mehr wie im Asterix-Comic seien? Ich bin kein Befürworter von Metzelorgien im Stile von "Hostel", etc., jedoch halte ich die gezeigten Szenen für Stilmittel des Realismus und somit für NOTWENDIG, um die Stimmung und den harten "Alltag" der handelnden Figuren "rüber" zu bringen.

4. "Wikinger als Kreuzfahrer": LEIF ERIKSSON... Schon mal gehört? Irgendwer? Nein, ist kein isländischer Actionstar oder Vetter von Vin Diesel...

5. "es wird nicht gesprochen": gerade DAS macht die Figur des One-Eye so einzigartig. Entdeckt man da bei seinem (Anti-)Helden schon beinahe Züge des Film Noir?! Er spricht nicht, geht einem recht brutalen Tagwerk nach,...

Es ist doch bezeichnend, WER hier am Ende - gemessen an den Vorstellungen seines Glaubens - die "Erfüllung" findet. Sind's die frühen Christen? Der "wilde" Wikinger? Was geschieht mit uns, wenn wir aus unserem natürlichen Lebensraum herausgerissen und in eine für uns fremde (und feindliche) Umgebung geraten? Ist dort alles anders, oder gibt es gewisse Wertvorstellungen, die sich ähneln? Oder ist am Ende alles Verhalten doch nur vom Instinkt geprägt?

Dieser Film stellt Fragen, anstatt alle zu beantworten. Er sendet den Zuschauer, der sich darauf einlassen möchte, auf eine Reise MIT den Figuren, egal ob als "neutraler" Beobachter, oder als jemand, der mit dem Jungen oder One-Eye mitfühlt oder -fiebert.

In der Summe ein Film, der mich in seiner archaischen Wucht sehr beeindruckt hat und handwerklich mehr als nur überzeugt!

Nach "Adams Äpfel" ein weiterer ganz großer Wurf des wandelbaren Mads Mikkelsen, der mittlerweile einer der ganz großen Mimen unserer Zeit ist (TROTZ des Ausfluges in den "Maistream" zu James Bond).

Eine Einschränkung gibt es jedoch: Zuschauer, die gewohnt sind, selbst "visuellen Speisebrei" in kleinen Häppchen gefüttert zu bekommen (die oft zitierte Generation RTL), werden sich an diesem Brocken gehörig verschlucken!!! Keine Action wie bei "Transformers" oder "The Fast and the Furious", niemand muss auf die stille Treppe und man bekommt NICHTS erklärt und muss nachdenken...

Für mich einer der großen Filme des Jahres 2010 und aus den genannten Gründen volle 5 Sterne!

Danke für's Durchhalten bis hier unten... ;-)
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34 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen BLURAY- Rezension - Visuell enttäuschender wie beeindruckender Psychotrip, 22. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: [UK-Import]Valhralla Rising Blu-ray (Blu-ray)
Cave: Wer auf den 13. Krieger, Braveheart, Outlander oder ähnliche Wikingerfilme abfährt und ähnliches erwartet, der sei deutlich (!!!) gewarnt. "Valhalla Rising" entspricht eher einem Arthaus- als einem Action-Film. In Anlehnung an Werner Herzogs "Aguirre - der Zorn Gottes" könnte man vorliegendes Werk auch als "One-Eye - der Zorn des Teufels" bezeichnen. Ähnlichkeiten in der Handlung sind entfernt auszumachen. Was auch immer man sich bei der Darstellung auf dem Cover gedacht hat - eine solche Ansammlung von Wikingern findet man nicht im ganzen Film, schon gar nicht, da alle Darsteller in der ausschliesslich englischen Fassung (nur englische Untertitel) mit stark schottischem Akzent sprechen...

Zur Handlung: Erzählt wird die Geschichte des stummen Sklaven "One-Eye", der von einem Clan seit fünf Jahren zu Faustkämpfen auf Leben und Tod verdingt wird. So etwas wie eine Beziehung hat er nur zu einem Jungen, der ihn täglich mit Essen versorgt. Jener ist auch der einzige Überlebende, nachdem sich "One-Eye" befreien kann und rächt. Im Verlauf der Geschichte schliessen sie sich einigen kreuzfahrenden Kriegern an, die auf dem Weg ins heilige Land mit ihrem Boot gänzlich wo anders landen und dort ihr im wahrsten Sinne des Wortes "rotes" Wunder erleben. Mads Mikkelsen spielt mit einer bestechend starren Intensität, obgleich die wenigen Szenen, in denen sich sein Minenspiel verändert, zu den Höhepunkten des Films zählen.

Zur Umsetzung: Den Zuschauer erwartet eine getragene, teils bewusst langatmige Erzählweise, die in beeindruckenden Landschaftsaufnahmen schwelgt, unterbrochen nur durch die in rot gehaltenen Visionen "One-Eyes". Der Film kommt fast ohne Dialoge aus. So ist es vor allem die Optik, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ob das die kurzen aber heftigen Gewaltausbrüche betrifft oder die surrealen Momentaufnahmen der teils kargen Vegetation. Das Ganze unterlegt mit einem sphärisch elektronischen Soundtrack, der psychedelischer kaum sein könnte...

"Valhalla Rising" erinnert insgesamt an Filme wie den eingangs erwähnten "Aguirre" mit Klaus Kinski oder die Werke des Andrej Tarkowski, z.B. "Stalker " oder "Solaris".

Warum aber nun visuell enttäuschend wie beeindruckend?

Die Bildqualität der Bluray ist meines Erachtens teilweise beschämend. Szenen von absoluter Brillianz wechseln sich gelegentlich mit Bildern ab, die nur des Niveau einer durchschnittlich "upgescalten" DVD erreichen! Besonders bei aufkommendem Nebel und Bildwechseln zwischen Hell und Dunkel ist das Bild teilweise pixelig, grobkörnig und von Farbabrüchen geprägt. Beim Nebel frage ich mich ob das an der bescheidenen Qualität des Effekts liegen könnte, da ich dies bei anderen "nebeligen" Filmen bisher so nicht gesehen habe. Die vor Beginn des Films gezeigten Filmtrailer warten übrigens auch nur in SD Qualität auf.

Zur Altersfreigabe ist zu sagen, dass der Text des Logos selbst angibt, dass sie wegen des Zusatzmaterials heraufgestuft wurde. Ob der eigentliche Film geschnitten oder "uncut" ist, bleibt für mich schwer zu beurteilen.

Fazit: Schade - die beeindruckende visuelle Erzählweise wird durch die teils schlampige Umsetzung auf Bluray für mich deutlich gemindert. Ich werde mein Exemplar zurückschicken! Was nichts an der Tatsache ändert, dass "Valhalla Rising" zu dem Beeindruckendsten zählt, was ich zuletzt zu sehen bekommen habe!!!

P.S. Wer einen Versuch unternehmen will, die krypische Handlung zu entschlüsseln, dem sei der Kommentar des Regisseurs empfohlen. Er liegt als weitere Audiospur vor!
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91 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stumm, aber kein bißchen leise!, 26. August 2010
Von 
Daniel Fischer "Spideragent" (Linz, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray] (Blu-ray)
Valhalla Rising ist der neueste Film des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn, der zuvor für die Inszenierung der "Pusher" Triologie und des großartigen Gefängnisfilmes "Bronson" verantwortlich gewesen ist. Das Drehbuch stammt bei dieser dänisch/englischen Koproduktion ebenfalls aus seiner Feder, gedreht wurde ausschließlich im wunderschönen Schottland und außer Mads Mikkelsen ist kein einziger, international bekannter Schauspieler dabei.

Dieser Film erzählt seine Geschichte mit völliger Ernsthaftigkeit und ohne jeglichen Humor. Gesprochen wird nur wenig, die Hauptfigur bleibt die ganze Zeit über stumm. Die Musik arbeitet oft nur mit atmosphärischen Klängen der Umgebung, lange Schwenks und Naturaufnahmen ziehen sich wie ein roter Faden durch diese filmische Wikingerwanderung. Auch auf Grund der fast schon elegischen Erzählgeschwindigkeit ist dies also absolut kein Film für Freunde von schnellen Schnitten, großer Actionszenen und zügig erzählten Abenteuern allgemein.

Im Prinzip erzählt dieser Film einen relativ kurzen Zeitraum im Leben des Antihelden One Eye. Mads Mikkelsen liefert hier nur mittels Gestik und Mimik eine großartige Leistung ab, er schafft es sogar, das Fehlen seiner Sprache nicht zu einem Handicap sondern zu einer Stärke seines unheimlichen Gesamterscheinungsbildes zu machen. Den unbezwingbaren Krieger ohne sichtbare Schwächen (abgesehen von seinem fehlenden Auge natürlich), nimmt man ihm in jeder Sekunde ab. Sehr befriedigend das Ganze, nachdem Mikkelsen mit seiner Figur des Draco im "Kampf der Titanen" Film schon einen wirklich coolen Typen geschaffen hatte, die aber leider billig verschenkt wurde. One Eye lässt sich da nicht so leicht wieder loswerden.

Neben seiner fesselnden Performance sind es vor allem die unheimlichen Landschaftsaufnahmen und musikalischen Einfälle, die diesen Trip zu einem ganz eigenen Erlebnis machen. Die Visionen von One Eye, die eingefärbt in agressiven Rottönen daherkommen, bringen dabei zusätzlich noch einen übernatürlichen, jenseitigen Touch in die die Gesamtstimmung.
Die schottischen Berge erweisen sich hier wieder einmal als perfekt gewählte Kulisse. Endlose Hügel, Wiesen und Wälder, man wundert sich teilweise wirklich, daß es solche Orte zur heutigen Zeit überhaupt noch gibt. Hier wirkt alles so, als hätte noch nie ein Mensch diesen Ort betreten.

Nicht nur die Gegend ist rau, sämtliche Kämpfe haben etwas erschreckend rohes, animalisch brutales an sich. Eingeweide, Gehirnmasse und natürlich Blut werden gar nicht zimperlich in der Natur verstreut. Dabei geht One Eye aber immer effektiv vor und tötet so schnell wie möglich, ohne daß die Kamera auch nur ansatzweise einen yoyeuristischen Standpunkt einnimmt. Früher waren die Leute eben nicht zimperlich bei ihren Auseinandersetzungen.

Man kann dem Regisseur natürlich auch einiges vorwerfen. Die einfach gestrickte Handlung will mehr sein als sie ist und die Visionen des Hauptcharakters und sein damit verbundener Weg zu seiner Bestimmung wirke übertrieben bzw. erzwungen. Die ganze Story nimmt sich zu ernst und durch die extrem langsame Erzählweise kommt früher oder später Langeweile auf.

Dies alles ändert aber nichts an der Tatsache, daß dies insgesamt ein sehr eigenständiges Filmerlebnis geworden ist, daß nicht zum "Zwischendurch-Ansehen" geeignet ist, sondern möglicherweise eher als Triperlebnis an einem verregneten Sonntagnachmittag genossen werden sollte. Ein überragender Mads Mikkelsen, prächtige Naturaufnahmen und eine bestechende, konsequent durchgezogene Düsteratmosphäre sind hier garantiert, da verzeihe ich die oben erwähnten Schwächen natürlich gerne. Ob ich mir diesen Film auch ein zweites Mal wieder ansehen würde, ist jedoch eine ganz andere Frage, die ich wahrscheinlich mit nein beantworten müsste.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man muss sich erst damit "anfreunden", aber dann ist er wirklich gut!, 8. September 2014
Ich gebe es zu: Ich habe den Film zuerst nicht fertig angesehen. Beim ersten Mal habe ich nach ca. 40 Minuten aufgegeben und sagte ich mir, oh Mann, ist der langweilig, kaum Text, die Handlung steht total im Raum, nicht für mich gemacht. Ich hatte mich einfach nicht auf sowas eingestellt.

Trotzdem habe ich mir den Film ein paar Tage später dann doch angesehen. Vorteil: Ich wusste was mich erwartet und genau das ist wichtig! Wenig Text und viel Raum für Interpetation. Man kann sich selbst Gedanken über One Eye machen. Es wird nichts vorgegeben, nichts erklärt wo er herkommt, wie er überhaupt zu diesem unbesiegbaren Sklaven wird, was ihn antreibt und was am Ende sein eigenes Ziel ist. Alles bleibt einem selbst überlassen und man muss sich schon Gedanken machen, wie das Ganze zusammen passt.

Am Ende fand ich den Film wirklich so überragend, dass ich ihn mir dann doch ein drittes Mal angesehen habe. Einfach etwas anderes. Mal kein (Anti)Held, der ständig coole Sprüche von sich gibt, sondern einfach nur stumm überzeugt. Und Mads Mikkelsen überzeugt! Er trägt die Rolle wirklich nur mit Gestik und Mimik und man nimmt ihm den Charakter wirklich ab. Chapeau, chapeau, für diese Darstellung, wirklich ein unglaublich wandlungsfähiger und unglaublich guter Schauspieler!

Ich für meinen Teil kann nur sagen, man sollte sich den Film wirklich ein zweites Mal ansehen, denn erst dann weiß man, worauf man sich einläßt und sieht den Film aus einem anderen Betrachtungswinkel und kann ihn auf sich wirken lassen.

Zum Schluss: Ich finde, Walhalla Rising ist ein Film, der zum Nachdenken anregt, es wird einem nicht alles vorgekaut,man muss sich das alles schon ein bisschen selbst zusammenreimen. Und nein, ich finde die Gewaltszenen darin nicht so extrem, da habe ich schon ganz anderes gesehen, wesentlich übertriebener und auch deutlich geschmackloser.

Definitv kein Mainstream! Aber sehr gut!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Glück so weit weg von "300", wie man sich nur vorstellen kann, 23. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray] (Blu-ray)
Nicolas Winding Refn dürfte einer der kreativsten Regisseure unserer Zeit sein.

Der gebürtige Däne begann seine Karriere mit dem Thriller "Pusher", einem Thriller, mit dem er sein Talent schon beweisen konnte, allerdings bedurfte es noch einiger anderer Werke, bis Hollywood auf ihn aufmerksam wurde, und ihm schließlich 2011 mit "Drive" endgültig auch der internationale Durchbruch gelang.

Refn versteht es meisterlich, Konventionen aufzubrechen und auch eher "gewöhnlichen" Geschichten seinen eigenen, fast schon unverwechselbaren Stempel aufzudrücken.

Selbst der massenkompatiblere "Drive" beinhaltete die von Refn favorisierten Elemente, wie zB wenige, eher kurze Dialoge und vor allem den wortkargen "Helden" sowie drastische, oftmals unvermittelte Gewalteruptionen.

Mit "Walhalla Rising" schuf Refn sein bis dato sperrigstes Werk, welches für den Fan von Mainstream eine einzige Tortur darstellen dürfte.

Dieses verlässt nicht nur den Weg üblicher Narration, sondern stellt einen völligen Gegensatz zu heutigen Sehgewohnheiten dar.

Angefangen bei langen Einstellungen und minimalistischen Dialogen, wird dem Zuschauer fast jegliches Gerüst vorenthalten, das ihm Hilfestellung beim Verstehen des Gezeigten geben würde, geschweige denn Erklärungen liefert.

Was heutzutage kaum noch stattfindet: der Zuschauer wird gefordert!

Der übliche Overkill an möglichst aufwändiger Inszenierung, der das genaue Gegenteil von Kreativität darstellt, und der den Zuschauer entmündigt, ohne dass dieser es merkt, wird durch eine elegische Bilderflut ersetzt.

Das Medium Film wird hier nicht auf ein reines Konsumgut unterster Ebene reduziert.

Doch was hat "Walhalla Rising" uns über die eigentlich Handlung hinaus zu sagen? Dem Zuschauer werden kaum Erläuterungen geliefert.

Wenig Eindeutiges kann hierzu gesagt werden, da der Film selbst keinerlei Stellung bezieht. Es gibt weder Gut noch Böse, keine Schwarz-Weiß-Malerei, erst recht keine Auflösung noch gar ein Happy-End.

Szenen ungezügelter Rohheit weichen poetisch anmutenden Landschaftsaufnahmen, die im nächsten Augenblick durch psychedelisch-farbenfrohe Visionen abgelöst zu werden. Dadurch schafft Refn eine Atmosphäre, der sich der aufgeschlossene Zuschauer kaum entziehen kann.

Der Verweis im Titel und die Person One-Eye, deuten auf einen Zusammenhang mit der nordischen Mythologie hin.

Der Hauptgott, Odin, opferte demnach sein linkes Auge, um mehr Weisheit zu erlangen, indem er sich seherische Kräfte erhoffte. Diese Überlegung liegt nahe, zumal Odin nun auch nicht für seine "Zimperlichkeit" bekannt ist, sondern sich in Walhall (so die korrekt Bezeichnung) mit allen Helden der Erde umgab, um mit ihnen gegen die den Weltuntergang herbeiführenden Mächte zu kämpfen.

Auch One-Eye hat seherische Fähigkeiten, die ihm seine eigene Zukunft vorhersagen. Diese Visionen durchziehen den Film, beziehen den Zuschauer also mit ein.

Steht hier die nordische Religion nicht nur auf der Handlungsebene, sondern auch auf der Metaebene im Konflikt mit dem aufstrebenden Christentum, dass jegliche Toleranz vermissen lässt und mit Gewalt alle Nichtgläubigen" missionieren will?

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass die Aussage darin liegt, dass alle Religionen den Menschen ziellos und letztendlich ohne wahre Erlösung umherirren lassen, sodass von diesen letztendlich nur Hass und Gewalt ausgehen.

Are wird von den christlichen Kriegern anfangs als Glücksbringer gesehen, er scheint auch der einzige zu sein, auf dem keine Schuld lastet. Er erklärt des Öfteren, dass man sich auf den Weg nach Hause begeben solle, wobei er nicht erklären kann, wo dieses nun läge.

Ist Are eine Art Messias, der den Menschen nur aufzeigen kann, dass sie ihren inneren Frieden nicht im Erreichen von vermeintlich glückverheißenden Orten oder Zielen finden können, sondern nur in sich selbst? Und das stetige Suche nur dazu führt, dass man sich im wahrsten Sinne des Wortes in der eigenen Hölle verliert?

Dieses Verlorensein wird durch die Unendlichkeit der kargen Landschaften und durch das Einfangen der Darsteller verstärkt, deren Blick fast nie in die Kamera, sondern meist auf einen entfernten Punkt gerichtet ist.

Welche Rolle kommt dann One-Eye zu, außer dass man ihn stellvertretend für Odin sehen könnte. In der nordischen Mythologie kann Odin den Weltuntergang nicht aufhalten. Auch One-Eye wird am Ende getötet, wobei er sich seinem Schicksal kampflos ergibt. Ein weiterer Hinweis, dass am Ende, trotz allen Glaubens, alles umsonst war.

Walhalla Rising" erscheint somit als ein abstrakter Endzeitfilm, wobei er nicht nur die Sinnlosigkeit des religiösen Aufbegehrens offenbart, sondern auch, dass der Weltuntergang durch unsere Rastlosigkeit von uns selbst herbeigeführt und in letzter Konsequenz in uns selbst stattfindet.

Die Wallfahrer sehen am Ende in One-Eye denjenigen, der sie in die Hölle geführt hat. Sie erkennen dabei nicht, dass One-Eye nur seinem eigenen Schicksal folgt, und sie es selbst sind, die ihren Untergang herbeiführen.

One-Eye ist stumm, brutal und agiert ohne wirkliches Ziel. Er scheint daher auch stellvertretend für die heuchlerischen Motive der Wallfahrer zu stehen, die Widersprüchlichkeit von Gewalt und Glaube, die nur das Ende allen Seins bedeuten kann.

Die Bildkompositionen erinnern im Übrigen an "Stalker", den für mich besten Film überhaupt, wobei Refn (noch) nicht an die Genialität des neben Eisensteins besten russischen Regisseurs, Andrej Tarkovsky, heranreicht.

"Stalker" funktioniert auf mehreren Metaebenen, kann neben Regimekritik auch als umfassende Studie des Menschen selbst verstanden werden. Diese Vielschichtigkeit erreicht "Walhalla Rising" imho nicht ganz.

Fazit:

Was man nicht bekommt: einen martialischen, actionreichen Wikingerfilm und schon gar nicht Stumpfsinn a la "300" (zum Glück).

Was man bekommt: ein grandioses, meditatives, fast psychedelisches Werk, mit perfekter Kameraführung, dem besten Score, den ich seit langem genießen durfte, minutenlangen, ruhigen Einstellungen (vergleichbar mit Stalker"), die von explosionsartigen Gewaltszenen abgelöst werden, die mich an Cronenberg erinnerten, letztendlich als Gesamtwerk wohl ein Tribute an Werner Herzog.

Anschauen, staunen, rätseln, genießen!

9/10
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eigen, 22. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Amazon Instant Video)
Vorab, es ist kein Actionfilm. Da bei dem Titel aber die meisten einen solchen erwarten, kommen wohl so viele negative Bewertungen zu Stande.

Sehr schöne Landschaftsaufnahmen, dreckig und brutal. Die Handlung ist eher irrelevant, meiner bescheidenen Meinung nach zumindest, vielleicht habe ich sie ja auch einfach nicht verstanden. Dafür ist der Film aber sehr atmosphärisch. Man muß sich aber darauf einlassen wollen.
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159 von 200 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atemberaubender Mix aus Mythologie, Psychologie und Philosophie, 10. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray] (Blu-ray)
Vorweg: Ich bewerte hier nur den Film, nicht die Blu-Ray bzw DVD.

Ein Film, der mich schlicht überwältigt hat. Vor ein paar Monaten, als der erste Trailer die Runde machte und es auch eine Reihe an News gab, stellte ich mich auf einen brutalen Actionfilm im Wikingerzeitalter ein. Kurz bevor ich den Film sichtete, las ich mir einige Kritiken durch und war bereits etwas verblüfft, als Parallelen mit Werner Herzog's "Aguirre, der Zorn Gottes" oder den Werken von Terrence Malick ("Badlands") oder sogar Andrei Tarkovsky ("Stalker") gezogen wurden. Alles klar, meine Erwartungen änderten sich schlagartig, wobei mein Interesse indes noch weiter anstieg.

One-Eye, gerade aus der Gefangenschaft einiger Wikinger entflohen, schließt sich, zusammen mit einem kleinen Jungen, einigen Christen an, die auf dem Weg in das gelobte Land sind, um es zurückzuerobern und das Wort Gottes zu predigen. Mit einem mindergroßen Boot geht's los, auf dem nebeligen Gewässer gen Jerusalem, doch die Reise führt sie viel mehr in die sprichwörtliche Hölle.

Der Film ist ein Arthouse-Werk in Reinkultur. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen der nebeligen Gebirge Schottlands, eine extrem beklemmende Atmosphäre, die von dem grandiosen Score (Peter Peter & Peter Kyed) dermaßen stark unterstützt wird, sodass man auch mal aus der Haut fährt, wenn der von Mads Mikkelsen gespielte "One-Eye" eine seiner Visionen hat, die auch visuell einen klasse Eindruck schaffen.
Der im Film genannte "One-Eye" ist ein karger, geheimnisvoller, brutaler und hemmungsloser Krieger. Zudem ist er ein Mann weniger Worte, so spricht er doch im gesamten Film nicht ein Wort. Mads Mikkelsen verkörpert seine Figur jedoch so gut, dass allein die physische Präsenz schon ausreichend ist. Mikkelsen entzieht seinem "One-Eye" jegliche Emotionen und es wird einem vollends verwehrt sich irgendwie in die Rolle hineinversetzen zu können, was in diesem Fall gut und passend zur Stimmung ist.
Es gibt im Allgemeinen nicht gerade viel Dialog, was einige eventuell abschrecken mag. Lässt man sich jedoch von der Gänsehaut-erregenden Atmosphäre mitreißen, werden die Dialoge zur Nebensache.

Sicher, es gibt auch etwas Action, die sich in einigen Kampfszenen äußert, welche dann auch nicht gerade unblutig sind, um es mal harmlos auszudrücken. Darauf liegt hier jedoch nicht der Fokus. Im Mittelpunkt allein steht das stetige Verzweifeln der Wallfahrer, die quasi eine Kirche im Herzen der Hölle zu errichten versuchen. One-Eye hingegen scheint sein Ziel längst erreicht zu haben...

Ich will nun nicht allzu viel spoilern, daher gehe ich nicht weiter auf den fortlaufenden Inhalt ein. Man kann aber sagen, dass einem viel Raum für eigene interessante Interpretationen gelassen wird. Es ist einer dieser Filme, bei denen der Regisseur dem Publikum bewusst diesen Raum lässt und vielerlei Interpretationen für den jeweiligen Zuschauer richtig sein können - ein wahres "falsch" gibt es hier nicht wirklich, solange es für einen selbst funktioniert.
Weiterhin kann man sich auch bereits nach der Sichtung noch zu Genüge mit diesem Film beschäftigen. Es gibt viele wirklich sehr interessante Parallelen zu nordischen Gottheiten (hauptsächlich zum Gott "Odin"!), Mythen etc. Wenn man diese auf den Film bezieht, ist es möglich den Film wiederum in einem anderen Licht zu sehen.
Ich für meinen Teil liebe Filme, mit denen man sich noch endlos weiter auseinandersetzen kann oder einfach fremde Interpretationen zu lesen, da es einfach ungemein interessant ist, wie andere Leute dies und das sehen bzw. deuten.

Mit der famosen Bildsprache, der dichten Atmosphäre und des vortrefflichen Scores wird man nahezu hypnotisiert und man möchte gar nicht wegschauen, aus Angst auch nur das kleinste Detail zu verpassen, so bleibt man die 89 Minuten wie gebannt sitzen, bis das Bild sich verdunkelt und die Credits über den Schirm flimmern und der Film den Zuschauer verloren zurücklässt.

Nicolas Winding Refn hat mit "Valhalla Rising" meiner Ansicht nach ein wahres Meisterwerk abgeliefert. Zwar nicht jedermanns Geschmack, aber für diejenigen, die der Film begeistern konnte freut es mich umso mehr. Wer also keinen "300"-Verschnitt erwartet, wie es das UK-Cover vermuten laesst, und auf etwas Langsames, Meditatives und äußerst Experimentelles aus ist, der wird mit Refn's Film seinen Spaß haben, wenn man es denn "Spaß" nennen kann...

Achja, wieso im dt. Titel "Walhalla" statt "Valhalla", wie es im OT der Fall ist, genommen wird, ist mir ein Raetsel, da auch das "rising" beibehalten wird.
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-> Erschienen auf Movie Fanaticism
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hart, aber gut: Tipp für Cineasten, 15. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Amazon Instant Video)
Absolut sehenswerter Film, der gerade durch karge Dialoge besticht! Ich will nichts von der Handlung verraten, muss aber gestehen, dass ich selbst den Plot ohne Hilfe nicht verstanden hätte. Aber gerade deshalb ist er seine 5 Sterne Wert: Denn welcher Film schafft es heutzutage noch, dass man wirklich ins Grübeln gerät?

Kurz: Schonungslos, großartig gespielt, nichts für leichte Gemüter.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da scheiden sich die Geister, 23. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) (DVD)
Die einen werden ihn abfeiern, die anderen für stinklangweiligen Quatsch halten - dazwischen gibt es nichts. Wer einen deftigen Wikinger-Action-Kracher erwartet, ist hier fehl am Platz.Walhalla rising schlägt sehr ruhige, experimentelle Töne an und lässt sich am ehesten noch mit Filmen wie "Der Zorn Gottes" vergleichen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich bin der Zorn Gottes, wer sonst ist mit mir?, 8. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray] (Blu-ray)
Refn inszeniert hier äusserst wortkarg aber dafür um so bildgewaltiger das Sterben einer Kultur.
Allesamt in Schottland gedreht, haben mich die Landschaftsaufnahmen der alten und neuen Welt tief bewegt.
Eine wirklich atemberaubende Kulisse für diesen Untergangsfilm.
Ähnlich wie in Herzogs "Aguirre - Der Zorn Gottes" sieht man hier ein in die Landschaft gehen und Landschaft werden.
Den Handlungsstrang hätte Refn kürzer und dichter fassen können. Die Aufteilung in Kapitel fand ich zudem eher unglücklich und die Gewaltszenen wirken teils aufgesetzt.
Dennoch ist ein bemerkenswerter Streifen mit tiefgreifenden und nachhallenden Eindrücken gelungen.

Leider haben die Marketingfuzzies - in diesem Fall ausgesprochen erfolgreich - dafür gesorgt, dass ein Großteil der Zuschauer sich den Film mit völlig anderen Erwartungen gekauft hat.
Wird nachvollziehbar quittiert mit zahlreichen 1Stern Bewertungen
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Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray]
Walhalla Rising (Uncut) [Blu-ray] von Nikolas Winding Refn (Blu-ray - 2010)
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