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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisch wirkendes Drama
Sechs Jahre nach ihrer spektakulären Leistung in Fatih Akins "Gegen die Wand" sieht man Sibel Kekelli zum ersten Mal wieder in der Hauptrolle einer größeren Filmproduktion. Sie spielt Umay, eine Frau, die offenbar von Berlin aus in eine trostlose Istanbuler Vorstadt verheiratet wurde. Die Geschichte kennt man eigentlich zu Genüge, obwohl sie in "Die...
Veröffentlicht am 18. Juli 2010 von Wirtshausberater

versus
7 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Türkisch gefragt!
Ich bin von diesem Film echt enttäuscht. Ein Grund ist wenn ich mir einen Film ansehe, dann will ich mir nur den Film ansehen und nicht ständig Untertitel lesen müssen. Da ich nicht Türkisch kann, hatte ich leider keine andere Wahl (Die Sprache hatte ich auf Deutsch eingestellt ;-)). Auch bei der Musik wurde sehr gespart. Hier gehe ich davon aus man...
Veröffentlicht am 7. März 2011 von K. Christian


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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisch wirkendes Drama, 18. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Sechs Jahre nach ihrer spektakulären Leistung in Fatih Akins "Gegen die Wand" sieht man Sibel Kekelli zum ersten Mal wieder in der Hauptrolle einer größeren Filmproduktion. Sie spielt Umay, eine Frau, die offenbar von Berlin aus in eine trostlose Istanbuler Vorstadt verheiratet wurde. Die Geschichte kennt man eigentlich zu Genüge, obwohl sie in "Die Fremde" anfangs nicht sehr drastisch dargestellt wird: Der Zwangsehemann schlägt Frau und Kind, die Frau flüchtet mit ihrem kleinen Jungen zur Familie nach Deutschland. Doch eine Frau fern von ihrem Ehemann bringt selbst in Berlin-Kreuzberg Schande über ihre türkische Familie, weshalb der Vater und Patriarch beschließt, dass der kleine Junge zum Vater zurückmüsse. Umay flieht unter Polizeischutz mit ihrem Steppke in ein Frauenhaus, doch die Brüder, insbesondere der ältere - der zusammen mit dem Vater aus dem anfangs sanften, jüngeren, Umay nahestehenden, eine tragische Figur macht - spüren ihn auf. Umay beginnt, sich ein eigenes Leben aufzubauen, doch sie hängt an ihrer Familie, kämpft gegen die Verdammung, was bis zum Ende für zunehmend dramatische Szenen sorgt.

Das Debut von Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Feo Aladag weist handwerklich (Kameraführung, Dramaturgie, Tempo) einige Schwächen auf, dennoch und vielleicht sogar deshalb wirkt "Die Fremde" von Anfang an authentisch. Auf jeden Fall gelingt es Aladag, die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die der Heldin widerfährt, nachdrücklich ins Bild zu setzen. Sibel Kekelli spielt vielschichtig, sensibel, wütend, obwohl die Rolle nicht ganz die Wucht wie die in "Gegen die Wand" hat. Dennoch bringt die Figur Umay durch ihre Hartnäckigkeit tiefe Brüche in den Familienmitgliedern zutage, was dem Thema einen neuen Aspekt verleiht. Das Ende ist bitter und erwischt den Zuseher hundsgemein und sehr konsequent auf dem falschen Fuß. Da würde man fast einen hanebüchenen Logikfehler nicht bemerken.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen den Stühlen, 27. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Eindrucksvoll beweist Feo Aladag mit ihrem Regiedebüt, dass nicht nur Fatih Akin hervorragende Filme über deutschtürkische Schicksale und Befindlichkeiten zu machen versteht. "Die Fremde" beeindruckt durch eine exzellente Dramaturgie und stimmige Charaktere. Zwingend und folgerichtig erscheint der Leidensweg der von Sibel Kekilli verkörperten Umay, die sich, ihren kleinen Sohn an der Hand, von ihrem brutalen Ehemann zu befreien versucht, indem sie die Türkei in Richtung Deutschland verlässt, wo sie aufgewachsen ist. Rasch wird klar: Die junge Frau wird ihre bundesdeutschen Freiheitsrechte gegen die Traditionen und Konventionen ihrer in Berlin lebenden türkischen Familie nicht durchsetzen können. Die Eltern finden, dass Umay und ihr Sohn zu ihrem Mann gehören. Sie muss sich in Berlin eine neue Bleibe suchen. Ihre Geschwister nehmen zwar unterschiedliche Positionen ein, doch unverbrüchlich zu ihr hält in Umays leidenschaftlichem Kampf für ein selbstbestimmtes Leben niemand. Von ihrem ältesten Bruder wird sie regelrecht verfolgt. Als ein deutscher Arbeitskollege sich in sie verliebt, sieht die junge Deutschtürkin einen Silberstreifen am Horizont, ehe alles in Aladags von den Säulen der klassischen Tragödie getragenem Szenario doch in die unvermeidlichen Katastrophe mündet.

Besonders hervorzuheben ist neben Sibel Kekilli, die sich in ihrem Haus-und-Hof-Genre, dem Migrantendrama, längst mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt und 2010 mit der Lola für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, die Darstellung des Vaters, der den existentiellen Konflikt zwischen Familienehre und Tochterliebe, den ihm seine kulturellen Fesseln aufzwingen, in eine ausdrucksstarke Körpersprache zu überführen weiß. Keinen wird die Szene unberührt lassen, in der er an der Wohnungstür das Versöhnungsangebot seiner Tochter zurückweist.
Das Finale, auf das die Regisseurin ihre Zuseher mit einem raffinierten Kunstgriff in der ersten Szene vorbereitet und auch wieder nicht vorbereitet hat, zeugt ebenso wie die gesamte Handlungsführung von großer erzählerischer Reife, die die Handschrift des britischen Regiemeisters Mike Leigh (Vera Drake) erahnen lässt, der einer von Aladags Lehrherren war. Einzig die Schlusseinstellung erscheint mir ein bisschen zu sehr auf Symbol und große Geste getrimmt. Ein Krankenwagen wäre in der Lage doch wesentlich plausibler gewesen.

Für Freunde von Chiko, Auf der anderen Seite und Badland.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ergreifend, 16. September 2010
Von 
Lothar Hitzges (Schweich, Mosel, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Die fünfundzwanzigjährige deutschsprachige Türkin Umay verlässt ihren Mann Kemal und flieht mit ihrem Sohn Cem nach Deutschland zu ihren Eltern. Ihre Eltern und Geschwister sehen ihr Verhalten skeptisch, stehen aber zunächst zu ihr. Doch das Gefüge aus Sittenregeln und Ehre übt Druck auf die Familie aus und bald spricht der Vater Kader offen aus, was alle denken, Umay soll zu ihrem Mann zurückkehren.

Umay zieht zu einer deutschen Freundin, findet Arbeit und sucht weiterhin Kontakt zu ihrer Familie. Umay's Familie wird geschnitten. Die anstehende Heirat ihrer jüngeren schwangeren Schwester steht auf der Kippe. Vater Kader berät sich mit seinen beiden Söhnen. Zudem reist Kemal aus Istanbul an und möchte seinen Sohn mitnehmen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu.

Die Geschichte wird ergreifend erzählt. Der Druck, der in solchen Fällen auf der Familie lastet, wird in Dialogen und schlüssigen Handlungen gut herausgearbeitet. Gut gewählte Szenarien mit wenig Accessoires sorgen für Atmosphäre. Überraschende Wendungen sorgen immer wieder für Spannungsschübe. Regie und besonders die Hauptdarstellerin leisten sehr gute Arbeit.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütterndes Meisterwerk, 27. September 2010
Von 
W. Nils "Filmfreak25" (Winterthur) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Hier wird kein türkisches Sittengemälde gezeigt, sondern eine präzise Studie einer patriarchalischen Familienstruktur und ihrer konfliktreichen Beziehung zur Moderne. Wie sich dies auf die einzelnen Familienmitglieder auswirkt, wie sie sie zu unterwandern versuchen oder bewahren müssen, zeigt "Die Fremde" mit schonungsloser Intensität und ohne Schwarz-weiss-Malerei anhand einer Tochter, die sich emanzipieren will und dabei ihrer Familie und den Traditionen immer fremder wird. Der Film zeigt aber auch die innere Zerrissenheit des Vaters, der sich für seine Tochter oder für die Ehre seiner Familie entscheiden muss, was zugleich eine Analogie für den Konflikt zwischen Moderne und Tradition darstellt. Eine traditionalistische Parallelgesellschaft mag in sich gut funktionieren, ihre Vereinbarkeit mit dem Umfeld ist jedoch problematisch und die Negierung ihrer Strukturen innerhalb des Systems beinahe unmöglich wie das Beispiel von Umay zeigt. Dass der Film solche Themen differenziert und einfühlsam, und nicht schematisch behandelt, liegt nicht nur am sehr guten Drehbuch, sondern auch an den fein ausgearbeiteten Charakteren, die von gradiosen Schauspielern verkörpert werden. Die unprätentiöse Machart trägt ebenso ihren Teil zur Güte des Films bei.

Der Film geht an die Nieren und hallt lange nach. Man sollte aber nicht das Gefühl haben, in jeder türkischen Familie gehe es so zu und her. Ebenso wenig ist der Islam schuld. Stark ausgeprägter Patriarchalismus ist ein Kennzeichen fundamentalistischer Gruppierungen verschiedenster religiöser Traditionen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Umay rennt", 12. September 2010
Von 
J. Paul "Rezensent" (Ellwangen, Baden-württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Umay ist der Meinung: Manchmal muß man von Menschen weggehen, um sie wiederzufinden. Und so ist sie in diesem Film dauernd auf der Flucht.

Sie rennt weg von der häuslichen Gewalt und lieblosen Ehe mit ihrem Mann in Istambul, die sie nicht mehr aushält. Doch auch ihre elterliche Familie in Berlin will sie nicht verstehen und unterstützen. So flüchtet sie weiter, immer auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Ins Frauenhaus, dann zu ihrer deutschen Freundin. Schließlich schafft sie in Deutschland ihren Schulabschluß und steht vor der Ehe mit einem Deutschen. Doch immer steht sie im Konflikt mit ihrer Familie, von der sie sich nicht lösen kann. Während Umay einerseits sich zwar weiterentwickelt, jedoch immer wieder den Kontakt sucht, bleiben andererseits ihre Familienangehörigen statisch und können sich nicht von ihren Konventionen befreien. Diese unterschiedlichen Dynamiken entwickeln eine derartige Kraft, daß am Schluß ein Mord geschieht.

Der Titel "Die Fremde" hat dabei etwas doppeldeutiges. Einerseits ist Umay für ihre Familie die Fremde, da sie sich nicht den starren gesellschaftlichen Konventionen beugen will. Andererseits bezieht er sich auch darauf, daß ebendiese Familie sich auch in Deutschland in der Fremde befindet.

Insgesamt handelt es sich um einen bewegenden sowie beeindruckenden Film, der zurecht seine vielen Preise gekriegt hat. Mein Tipp: Unbedingt kaufen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hammerhart, 11. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Türkisches Mädchen verlässt ihren Ehemann und lädt damit Zorn ihrer ganzen Famile auf sich, bis es zur unausweichlichen Katastrophe kommt.
Nicht nur die Geschichte um diese junge Frau ist für unsere Vorstellungen unglaublich, sondern auch die beängstigend realistische Darstellung der Gequälten als auch ihrer Peiniger. Authentischerer geht es nicht mehr.

Der Film ist frei von Kritik und Anklage. Er vermittelt ein Stück Kultur aus unserer Nachbarschaft, dass wir nicht verstehen und nur aus aus dem alten Testament kennen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drama mit brisanter Thematik, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Das Drama "Die Fremde" beschäftigt sich mit den Problemen Gewalt gegen Frauen sowie dem Ehrbegriff in muslimischen Gesellschaften und dem Ehrenmord per se. Umay (S. Kekilli) ist verheiratet, lebt in Istanbul und hat ein Kind. Wegen ihres brutalen Mannes und keinem Rückhalt für sie in dessen Familie, nimmt sie Reißaus nach Berlin zu ihrer eigenen Familie. Dort allerdings haben Vater, Mutter und Geschwister wenig Verständnis für ihre Entscheidung und bald verlangt man von ihr, dass Sohn Cem zurück zu seinem Vater in die Türkei soll.

Das Schlimme daran ist, dass diese Forderung von Anfang an nicht zur Debatte steht. Ebenso wird klar, dass auch Umay eigentlich zum Gatten zurück müsste, denn wenn diesem Frau und Kind weglaufen, wie steht der in den Augen der Leute da? Glücklicherweise jedoch geht es "nur" um das Kind... Wenn das wirklich so abläuft, was zu befürchten ist, haben viele Frauen auf der Welt ein dickes Problem vor der Brust. Eine interessante Frage ist, ob sich die Nichtachtung bzw. die niedrigere Stellung der Frauen einzig aus den patriarchalischen Famielienstrukturen, dem schräg aufgefassten Ehrbegriff oder aus den von der Religion überlieferten Lehren erklären lassen oder ob noch mehr dahintersteckt. In jedem Fall zeigt das, wie Religion unfrei macht und in die Abhängigkeit leitet! Für einen Mitteleuropäer ist kaum greifbar, warum einer Frau, die auszieht, um ihr Leben mit Bildung und Arbeit fernab von häuslicher Gewalt, mündig und erwachsen zu leben, eben daraus ein Strick gedreht werden soll. Verheerend genug, dass ein bewusster und selbstbestimmter Lebensstil nicht als das gewürdigt wird, was er ist, nämlich respektabel.

Regisseurin Aladag trifft stets den richtigen Ton, egal, ob es hektisch, intim oder verzweifelt wird. Die Schauspieler sind überzeugend und nehmen sich vorteilhaft zurück, sodass sich die Dramatik des Spielfilms mühelos entfalten kann. Hier sind die Akteure eindeutig dem Plot unterstellt. Beim kontroversen Ende, und nun kommt ein Spoiler, bedarf Aladag nicht die Nutzung irgendeines pathetischen Geschwurbels, die Bilder sprechen für sich. Und wenn eine Mutter, die nur Angst um ihr Kind hat, von der eigenen Familie verstoßen und der "Ehre" geopfert werden soll, kann bei dem betroffenen Kind zusätzlich zum körperlichen auch der seelische Tod diagnostiziert werden; der tritt aber schon früher ein.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienehre, 20. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Einer der besten Filme über in Deutschland lebende Türken; mit einer großartigen Sibel Kekilli (Umay) in der Hauptrolle. Gleich zu Anfang spürt man an der Sprache den ‘Culture Clash‘, der die Familie spaltet: die Kids reden deutsch miteinander, die Alten türkisch. Und das geht so weiter bei der aufkommenden Problematik, wegen Umays Emanzipationsversuch. Die Mutter klammert sich an Nostalgie, der Vater ist tief in der Tradition verhaftet. Gespräch Vater – Tochter:
‘Du bist eine verheiratete Frau.‘
‘Er schlägt mich.‘
‘Er ist dein Ehemann. Heute schlägt er, morgen streichelt er dich.‘
Da tun sich unüberbrückbare Gegensätze auf, die ein versöhnliches Einlenken unmöglich machen. Das sind unterschiedliche Universen, in denen Umay und ihre Familie leben. Dabei lieben sich alle doch und gehen daran zugrunde. Die Hochzeit von Umays Schwester – mit der ganzen Hintergrundproblematik –dient als Brandbeschleuniger. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte des Films neben den Gesprächen mit dem kleinen Cem. Das trifft den Nerv und geht zu Herzen.
Umay lebt zwischen beiden Welten. Man erwartet ein böses Ende. Doch es kommt noch schlimmer. Die symbolische Bedeutung des überraschenden Ausgangs überhöht die bloße Tragik von Schuld und Sühne und von zurückgewiesener Liebe. Es trifft Unschuldige! Eigentlich alle! Da bleiben nur Leid und Schmerz für alle Betroffenen.
Eindringlich, anrührend, hoch aktuell. Wahnsinn! Ein Muss!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hauch Fatih Akin weht im Film, 5. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Umay (Sibel Kekilli) ist verheiratet und lebt in der Türkei und hat einen Sohn namens Cem (Nizam Schiller). Sie erträgt die Launen bzw. Gewalt ihres Mannes Kemal (Ufuk Bayraktar) einfach nicht mehr. Deshalb flüchtet sie in einer Nacht und Nebel Aktion nach Berlin in der Hoffnung Zuflucht bei ihrer Familie zu finden. Doch die konservative Denkweise des Vaters Kade (Settar Tanriögen) und insbesondere des ältern Bruders Mehmet (Tamer Yigit) verhindern ein harmonisches Miteinander. Umay flüchtet mit ihrem Sohn aus der elterlichen Wohnung, will aber den Kontakt halten, denn Blut ist dicker als Wasser. Doch kann dieser Spagat gelingen?

Sicher ist das Verhalten im Film nicht repräsentativ für Türken und andere islamisch geprägten Menschen. Ich kenne genug Menschen aus diesem Kulturkreis, die diesem Bild nicht entsprechen. Man muss diesen Film als eine Geschichte unter vielen verstehen, die durchaus vorkommen kann, denn es gibt halt in der Realität auch konservativ denkende Islamisten, die im Streitfall dem Vater des Kindes mehr Rechte zustehen würden. Gleichzeitig wäre das Verhalten der Tochter eine Schande für die Familie. Oder wer will Zeitungsberichte wie die von Hatun Sürücü oder die Kindesentführung der kleinen Senah in den Libanon verleugnen? Natürlich findet man auch jede Menge Gegenbeispiele (auch im Film. Man denke nur an Umays jüngerer Bruder Acar (Serhad Can) oder ihre beste Freundin Atife (Alwara Höfels)). Ich denke ein gelungenes Regiedebüt von Feo Aladag zu einem ganz bestimmten Thema. Nicht mehr und nicht weniger.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannend, ergreifend und informativ, 6. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Mit ihrem Film >Die Fremde< ist Feo Aladag ein wirklich großer Wurf gelungen, der Vergleich mit einer klassischen griechischen Tragödie scheint nicht übertrieben.

Die junge Umay, hervorragend gespielt von Sibel Kekilli, ist als Tochter türkischer Eltern in Berlin aufgewachsen, mittlerweile aber in der Türkei traditionell verheiratet mit einem Mann, der, im nachvollziehbaren Bemühen um eine angemessene Erziehung für den gemeinsamen Sohn Cem, auch vor einer Ohrfeige nicht zurückschreckt oder davor, den Kleinen in eine dunkle Kammer zu sperren - Maßnahmen, die auch bei uns in Deutschland noch vor etwa fünf Jahrzehnten vollkommen akzeptiert waren. In einer anderen Szene sieht man den Vater liebevoll mit seinem Sohn spielen.

Auch seine Frau kann er recht brutal beiseite stoßen, als sie sich seiner pädagogischen Maßnahme gegenüber dem Sohn in den Weg stellen will, und bei seinem späteren Verlangen nach Sex nähert er sich zwar nicht ohne Zärtlichkeit, übersieht aber ihre stillen Zeichen fehlenden Einverständnisses.

Diesem Leben entzieht sich Umay, indem sie mit ihrem Sohn zu ihren Eltern und Geschwistern nach Berlin zurückkehrt. Dort wird sie, solange die Familie an einen Besuch glaubt, liebevoll aufgenommen. Als Umay jedoch in Berlin bleiben will, stürzt sie die Familie in einen unlösbaren Konflikt zwischen Liebe zur Tochter bzw. Schwester - die durchaus immer wieder deutlich wird - und den Traditionen, deren Einhaltung die Familie einerseits selbst verinnerlicht hat, die ihr aber vor allem auch durch ihr Umfeld, andere türkischstämmige Migranten, zwingend abverlangt wird. Das reicht so weit, dass der Bräutigam von Umays schwangerer Schwester die Verlobung lösen will, weil er nicht in die Verwandtschaft der >deutschländischen Hure< einheiraten möchte.

Die sehr glaubhafte Darstellung dieses Konflikts, getragen durch hervorragende schauspielerische Leistungen, verleiht dem Film seine besondere Qualität. Auf Schwarz-Weiß-Malerei wird verzichtet, und man versteht sogar als alteingesessener Mitteleuropäer, wie es zu Gedanken wie einem >Ehrenmord< kommen kann.

Der Schluss wartet mit einer kleinen Überraschung auf, wo ein konsequentes Ende vielleicht logischer gewesen wäre. Aber das kann die Überzeugungskraft der Geschichte nicht mindern. -

Manche Soziologen werben um Verständnis für sehr traditionelle islamische Lebensweisen mit dem Hinweis, dass die Religion 600 Jahre jünger sei und daher mit den Zuständen in unserem Mittelalter verglichen werden müsse. Wenn ich mich an meine Jugend erinnere, als bei studentischen Traditionen Politiker sofort von >Anarchisten< und >Terroristen< sprachen und in Interviews der einfache Mann auf der Straße forderte, dass die Demonstranten >weggesperrt< werden müssten, wenn nicht sogar bei den von der Springer-Presse Aufgehetzten von KZs die Rede war, dann will mir der >Vorsprung< unserer Kultur weit weniger groß erscheinen. Es handelt sich nicht einmal um 60, sondern allenfalls um 30 bis 40 Jahre.

Wer überheblich mit dem Finger auf traditionsverhaftete türkische Lebensweisen zeigt, trägt zur Konfrontation und folglich nicht Lösung der Problematik bei. Ich habe durch diesen Film auf packende Weise viel gelernt und kann ihn daher nur wärmstens empfehlen.
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Die Fremde
Die Fremde von Sibel Kekilli (DVD - 2010)
EUR 9,97
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