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am 3. April 2016
Kann ich es als störend empfinden, wenn so ein authentisch gespieltes Meisterwerk
größtenteils in türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln versehen wird? Nein.
Meinem Empfinden nach ist das in DIE FREMDE absolut wichtig, denn gerade diese uns
doch fremde, völlig andere Mentalität würde ein deutscher Synchronsprecher niemals so glaubwürdig
und gefühlvoll vermitteln können, als ein(e) mit diesem Thema vertrauter Landsmann(frau).
Ich finde es daher richtig und vor allem nötig.
DIE FREMDE- ein Film, der mir ordentlich nahe geht. Als Deutsche- einer Familie, die in erster Linie zu
und hinter ihrem Kind steht. Immer.
" Und was ist mit uns? Alle reden über uns! Du willst zuviel! " - " Besser als zu wenig. " -
" Ich hab` für euch auch vieles aufgegeben! " - " Willst du, dass ich so werde wie du? "
Das Gespräch, der Streit zwischen Mutter und Tochter beschwört nichts Gutes herauf.
Das Streitgespräch zwischen Tochter und Vater bedrückt noch mehr. Kann es nicht nachvollziehen-
und nicht verstehen.....tut eigentlich nur weh. Diese traurige, grausige Realität.
" Wir lieben dich, aber du gehörst zu Kemal. Du bist eine verheiratete Frau. " - " Er schlägt mich. " -
" Er ist dein Ehemann....heute schlägt er, morgen streichelt er. Wegen zwei, drei Ohrfeigen haut man
doch nicht ab! "

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Geschichte:

Die fünfundzwanzigjährige Umay ist aus ihrer unglücklichen Ehe in Istanbul
ausgebrochen, um mit ihrem Sohn Cem in Berlin ein selbstbestimmtes Leben
führen zu können. Und hofft, dass die Verbundenheit ihrer Familie stärker ist
als gesellschaftliche Zwänge. Doch schon bald merkt Umay, dass sich Traditionen
nicht so einfach brechen lassen-........und als der Vater den kleinen Sohn in die
Türkei zurückschicken will, um den Ruf der Familie wieder herzustellen, flieht Umay
erneut- und beschwört damit eine Katastrophe herauf..........................................
...................................................................

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Mein Fazit:

Berichte über Ehrenmorde, in Deutschland, gibt es immer wieder.
Familien, die die Lebensweise der Töchter/ Ehefrauen nicht respektieren/ aktzeptieren.
Ein Ehrenmord ist nach einem Bericht des Bundeskriminalamtes ein Mord, der aus
" vermeintlich kultureller Verpflichtung " heraus innerhalb des eigenen Familienverbands
verübt wird, um der Familienehre gerecht zu werden.
Ganz furchtbar finde ich, diesen Film als Müll zu bezeichnen- und dass gute Bewertungen wohl
wahrscheinlich nur von türkischen, in Deutschland lebenden Mitmenschen verfasst wurden.
Krasse Aussage.
DIE FREMDE- ein Film, der mich dasitzen und den Kopf schütteln lässt. Wie auch bei jeder
aktuellen Meldung über Ehrenmord. Die Hauptdarstellerin Sibil Kekilli spielt die Rolle total-
die innere und äußere Zerrissenheit von Umay ist ständig spürbar. Ohne Pauschalisierungen
entwickelt Regisseurin Feo Aladag das Drama um diese junge Frau, die für sich und ihren Sohn
bis an die Grenze der Belastbarkeit kämpft- ein Film, der aufwühlt. Und den man sich ansehen sollte-
falls die Einblicke in diese Kulturenproblematik interessieren.
" Du dummes Mädchen. "

Lauflänge: 113.34 Minuten ( mit Abspann ) !

Extras:

- Deutscher Filmpreis 2010= 8.40 Minuten!

- Entfallene Szenen, Interviews, Bildergalerie, Preise und Auszeichnungen!

Prädikat: Sehenswert!
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am 20. Februar 2013
Einer der besten Filme über in Deutschland lebende Türken; mit einer großartigen Sibel Kekilli (Umay) in der Hauptrolle. Gleich zu Anfang spürt man an der Sprache den ‘Culture Clash‘, der die Familie spaltet: die Kids reden deutsch miteinander, die Alten türkisch. Und das geht so weiter bei der aufkommenden Problematik, wegen Umays Emanzipationsversuch. Die Mutter klammert sich an Nostalgie, der Vater ist tief in der Tradition verhaftet. Gespräch Vater – Tochter:
‘Du bist eine verheiratete Frau.‘
‘Er schlägt mich.‘
‘Er ist dein Ehemann. Heute schlägt er, morgen streichelt er dich.‘
Da tun sich unüberbrückbare Gegensätze auf, die ein versöhnliches Einlenken unmöglich machen. Das sind unterschiedliche Universen, in denen Umay und ihre Familie leben. Dabei lieben sich alle doch und gehen daran zugrunde. Die Hochzeit von Umays Schwester – mit der ganzen Hintergrundproblematik –dient als Brandbeschleuniger. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte des Films neben den Gesprächen mit dem kleinen Cem. Das trifft den Nerv und geht zu Herzen.
Umay lebt zwischen beiden Welten. Man erwartet ein böses Ende. Doch es kommt noch schlimmer. Die symbolische Bedeutung des überraschenden Ausgangs überhöht die bloße Tragik von Schuld und Sühne und von zurückgewiesener Liebe. Es trifft Unschuldige! Eigentlich alle! Da bleiben nur Leid und Schmerz für alle Betroffenen.
Eindringlich, anrührend, hoch aktuell. Wahnsinn! Ein Muss!
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am 18. Juli 2010
Sechs Jahre nach ihrer spektakulären Leistung in Fatih Akins "Gegen die Wand" sieht man Sibel Kekelli zum ersten Mal wieder in der Hauptrolle einer größeren Filmproduktion. Sie spielt Umay, eine Frau, die offenbar von Berlin aus in eine trostlose Istanbuler Vorstadt verheiratet wurde. Die Geschichte kennt man eigentlich zu Genüge, obwohl sie in "Die Fremde" anfangs nicht sehr drastisch dargestellt wird: Der Zwangsehemann schlägt Frau und Kind, die Frau flüchtet mit ihrem kleinen Jungen zur Familie nach Deutschland. Doch eine Frau fern von ihrem Ehemann bringt selbst in Berlin-Kreuzberg Schande über ihre türkische Familie, weshalb der Vater und Patriarch beschließt, dass der kleine Junge zum Vater zurückmüsse. Umay flieht unter Polizeischutz mit ihrem Steppke in ein Frauenhaus, doch die Brüder, insbesondere der ältere - der zusammen mit dem Vater aus dem anfangs sanften, jüngeren, Umay nahestehenden, eine tragische Figur macht - spüren ihn auf. Umay beginnt, sich ein eigenes Leben aufzubauen, doch sie hängt an ihrer Familie, kämpft gegen die Verdammung, was bis zum Ende für zunehmend dramatische Szenen sorgt.

Das Debut von Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Feo Aladag weist handwerklich (Kameraführung, Dramaturgie, Tempo) einige Schwächen auf, dennoch und vielleicht sogar deshalb wirkt "Die Fremde" von Anfang an authentisch. Auf jeden Fall gelingt es Aladag, die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die der Heldin widerfährt, nachdrücklich ins Bild zu setzen. Sibel Kekelli spielt vielschichtig, sensibel, wütend, obwohl die Rolle nicht ganz die Wucht wie die in "Gegen die Wand" hat. Dennoch bringt die Figur Umay durch ihre Hartnäckigkeit tiefe Brüche in den Familienmitgliedern zutage, was dem Thema einen neuen Aspekt verleiht. Das Ende ist bitter und erwischt den Zuseher hundsgemein und sehr konsequent auf dem falschen Fuß. Da würde man fast einen hanebüchenen Logikfehler nicht bemerken.
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am 11. April 2016
"Die Fremde" ist ein sehr realistischer Film über das Leben türkischer Frauen in Deutschland, betrifft aber alle ethnischen Gruppen. Er beschreibt die Unvereinbarkeit der beiden Kulturen, mit der türkische Frauen meist leben müssen. Eine Situation aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Die Darsteller sind gut gewählt und das Thema ist hochbrisant. Besonders für Frauen türkischer Herkunft sehr zu empfehlen, da die meisten Dialoge in türkischer Sprache sind (mit Untertiteln in deutsch). Fesselnder Film!
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am 11. April 2014
Türkisches Mädchen verlässt ihren Ehemann und lädt damit den geballten Zorn ihrer ganzen Famile auf sich, bis es zur unausweichlichen Katastrophe kommt.
Nicht nur die Geschichte um diese junge Frau ist für unsere Vorstellungen unglaublich, sondern auch die beängstigend realistische Darstellung der Gequälten als auch ihrer Peiniger. Authentischer geht es nicht mehr.

Der Film ist frei von Kritik und Anklage. Er vermittelt ein Stück Kultur aus unserer Nachbarschaft, dass wir nicht verstehen und nur aus aus dem alten Testament kennen.
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am 24. Februar 2013
Das Drama "Die Fremde" beschäftigt sich mit den Problemen Gewalt gegen Frauen sowie dem Ehrbegriff in muslimischen Gesellschaften und dem Ehrenmord per se. Umay (S. Kekilli) ist verheiratet, lebt in Istanbul und hat ein Kind. Wegen ihres brutalen Mannes und keinem Rückhalt für sie in dessen Familie, nimmt sie Reißaus nach Berlin zu ihrer eigenen Familie. Dort allerdings haben Vater, Mutter und Geschwister wenig Verständnis für ihre Entscheidung und bald verlangt man von ihr, dass Sohn Cem zurück zu seinem Vater in die Türkei soll.

Das Schlimme daran ist, dass diese Forderung von Anfang an nicht zur Debatte steht. Ebenso wird klar, dass auch Umay eigentlich zum Gatten zurück müsste, denn wenn diesem Frau und Kind weglaufen, wie steht der in den Augen der Leute da? Glücklicherweise jedoch geht es "nur" um das Kind... Wenn das wirklich so abläuft, was zu befürchten ist, haben viele Frauen auf der Welt ein dickes Problem vor der Brust. Eine interessante Frage ist, ob sich die Nichtachtung bzw. die niedrigere Stellung der Frauen einzig aus den patriarchalischen Famielienstrukturen, dem schräg aufgefassten Ehrbegriff oder aus den von der Religion überlieferten Lehren erklären lassen oder ob noch mehr dahintersteckt. In jedem Fall zeigt das, wie Religion unfrei macht und in die Abhängigkeit leitet! Für einen Mitteleuropäer ist kaum greifbar, warum einer Frau, die auszieht, um ihr Leben mit Bildung und Arbeit fernab von häuslicher Gewalt, mündig und erwachsen zu leben, eben daraus ein Strick gedreht werden soll. Verheerend genug, dass ein bewusster und selbstbestimmter Lebensstil nicht als das gewürdigt wird, was er ist, nämlich respektabel.

Regisseurin Aladag trifft stets den richtigen Ton, egal, ob es hektisch, intim oder verzweifelt wird. Die Schauspieler sind überzeugend und nehmen sich vorteilhaft zurück, sodass sich die Dramatik des Spielfilms mühelos entfalten kann. Hier sind die Akteure eindeutig dem Plot unterstellt. Beim kontroversen Ende, und nun kommt ein Spoiler, bedarf Aladag nicht die Nutzung irgendeines pathetischen Geschwurbels, die Bilder sprechen für sich. Und wenn eine Mutter, die nur Angst um ihr Kind hat, von der eigenen Familie verstoßen und der "Ehre" geopfert werden soll, kann bei dem betroffenen Kind zusätzlich zum körperlichen auch der seelische Tod diagnostiziert werden; der tritt aber schon früher ein.
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am 19. März 2014
Ein toller Film. Sehr packend und emotional. Die Hauptdarstellerin zeigt hier bestes schauspielerisches Talent. Ich habe schon lange nicht so einen tollen Film gesehen.

Der Film zeigt wahre Gegebenheiten, dabei fokussiert er eine bestimmte Problmatik natürlich sehr. Was gut ist, denn sonst würde es keine gesellschaftskritischen Filme geben. Wer solche Filma guckt, muss intelligent gucken, d. h. er darf den Film nicht auf die gesamte muslimische Bevölkerung übertragen, sondern differenzieren und den Film als eine Fallaufnahme nehmen.
Ich hätte mir an mancher Stelle auch gewünscht, mehr über die Gedanken und Gefühlen der Leute und der Umgebung zu efahren. Doch im Nachhinein denke ich, dass diese Auslassung eine bewusste Entscheidung des Regisseurs war. Zum einen lies es sehr viel Spielraum für eigene Gefühle und Gedanken und zum anderen wurde man nicht mit einem vorgefertigten Urteil über die Situationen konfrontiert sondern konnte sich selbst ein Urteil bilden. Hier sollen Emotionen und Bilder fesseln und berühren. Das haben sie getan!!! Daumen hoch
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am 6. Januar 2011
Mit ihrem Film >Die Fremde< ist Feo Aladag ein wirklich großer Wurf gelungen, der Vergleich mit einer klassischen griechischen Tragödie scheint nicht übertrieben.

Die junge Umay, hervorragend gespielt von Sibel Kekilli, ist als Tochter türkischer Eltern in Berlin aufgewachsen, mittlerweile aber in der Türkei traditionell verheiratet mit einem Mann, der, im nachvollziehbaren Bemühen um eine angemessene Erziehung für den gemeinsamen Sohn Cem, auch vor einer Ohrfeige nicht zurückschreckt oder davor, den Kleinen in eine dunkle Kammer zu sperren - Maßnahmen, die auch bei uns in Deutschland noch vor etwa fünf Jahrzehnten vollkommen akzeptiert waren. In einer anderen Szene sieht man den Vater liebevoll mit seinem Sohn spielen.

Auch seine Frau kann er recht brutal beiseite stoßen, als sie sich seiner pädagogischen Maßnahme gegenüber dem Sohn in den Weg stellen will, und bei seinem späteren Verlangen nach Sex nähert er sich zwar nicht ohne Zärtlichkeit, übersieht aber ihre stillen Zeichen fehlenden Einverständnisses.

Diesem Leben entzieht sich Umay, indem sie mit ihrem Sohn zu ihren Eltern und Geschwistern nach Berlin zurückkehrt. Dort wird sie, solange die Familie an einen Besuch glaubt, liebevoll aufgenommen. Als Umay jedoch in Berlin bleiben will, stürzt sie die Familie in einen unlösbaren Konflikt zwischen Liebe zur Tochter bzw. Schwester - die durchaus immer wieder deutlich wird - und den Traditionen, deren Einhaltung die Familie einerseits selbst verinnerlicht hat, die ihr aber vor allem auch durch ihr Umfeld, andere türkischstämmige Migranten, zwingend abverlangt wird. Das reicht so weit, dass der Bräutigam von Umays schwangerer Schwester die Verlobung lösen will, weil er nicht in die Verwandtschaft der >deutschländischen Hure< einheiraten möchte.

Die sehr glaubhafte Darstellung dieses Konflikts, getragen durch hervorragende schauspielerische Leistungen, verleiht dem Film seine besondere Qualität. Auf Schwarz-Weiß-Malerei wird verzichtet, und man versteht sogar als alteingesessener Mitteleuropäer, wie es zu Gedanken wie einem >Ehrenmord< kommen kann.

Der Schluss wartet mit einer kleinen Überraschung auf, wo ein konsequentes Ende vielleicht logischer gewesen wäre. Aber das kann die Überzeugungskraft der Geschichte nicht mindern. -

Manche Soziologen werben um Verständnis für sehr traditionelle islamische Lebensweisen mit dem Hinweis, dass die Religion 600 Jahre jünger sei und daher mit den Zuständen in unserem Mittelalter verglichen werden müsse. Wenn ich mich an meine Jugend erinnere, als bei studentischen Aktionen Politiker sofort von >Anarchisten< und >Terroristen< sprachen und in Interviews der einfache Mann auf der Straße forderte, dass die Demonstranten >weggesperrt< werden müssten, wenn nicht sogar bei den von der Springer-Presse Aufgehetzten von KZs die Rede war, dann will mir der >Vorsprung< unserer Kultur weit weniger groß erscheinen. Es handelt sich nicht einmal um 60, sondern allenfalls um 30 bis 40 Jahre.

Wer überheblich mit dem Finger auf traditionsverhaftete türkische Lebensweisen zeigt, trägt zur Konfrontation und folglich nicht Lösung der Problematik bei. Ich habe durch diesen Film auf packende Weise viel gelernt und kann ihn daher nur wärmstens empfehlen.
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am 25. Januar 2014
Wer Sibel Kekilli nur aus ihren TATORT-Einsätzen kennt, wird sie hier ganz neu entdecken. Sehr feinfühlig, überzeugend gespielt, die Dramaturgie wirkt beklemmend und authentisch zugleich und man hat den Eindruck, endlich einmal einen Einblick in jene kulturellen Traditionen zu bekommen, von denen man hofft, dass sie doch nur ein schlimmes Vorurteil sind. Für mich definitiv Pflichtstoff in jeder Schulklasse, die von der FSK-Freigabe nicht mehr betroffen ist.
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am 9. August 2011
Wow, was für ein Film dieser "Die Fremde" und welch hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten, einschließlich des kleinen "Cem", der hoffentlich am Set nicht ganz so viel Drama miterleben musste, wie es dann im Film "rüberkam".

Ich habe den Film gestern Abend, mit anderthalbjährigem Abstand, zum zweiten Mal gesehen und war wieder mindestens genauso beeindruckt wie beim ersten Sehen.

Die Dramaturgie finde ich sehr gelungen, das (für den Zuschauer in dem Moment noch offene) Ende der Ereignisse an den Anfang zu stellen und dann erst die ganze Geschichte retrospektiv chronologisch zu schildern.
Ich kann mich an kaum einen anderen Film erinnern (außer vielleicht "Ein halbes Leben" mit Josef Hader in der Hauptrolle), der mir ähnlich nachgegangen ist. Denn die Motive und das Verhaftetsein der einzelnen Personen in ihren gesellschaftlich zugedachten Rollenklichees werden so eindringlich geschildert, dass ich Mitleid mit fast allen Personen entwickeln konnte.

Natürlich ist meine Identifikationsfigur, als in Deutschland lebende Frau im 21sten Jahrhunderts, die Figur der Umay. Nicht ganz deutlich geschildert finde ich aber ihre Beweggründe für das Scheitern ihrer Ehe mit Kemal. Sie erwähnt ihrer Mutter gegenüber, dass Kemal sie schlägt (was, das muss ich wohl nicht erwähnen, absolut inaktzeptabel für Jede von uns ist), aber was geht den Schlägen voraus, was ist es tatsächlich, was die beiden nicht miteinander "können" läßt, wie Umay es ihrer Mutter gegenüber nennt. Was ist passiert, dass Umay, die Kemal doch hoffentlich aus Liebe geheiratet hatte, diesen Mann nun nicht mehr ertragen kann. Zumal ich denke, dass sie von Zuhause, die körperliche Gewaltanwendung betreffend, kein anderes Vorbild hatte (man denke nur an die Gewaltbereitschaft ihres älteren Bruders. Aber auch der Vater zögert nicht, Ungehorsam oder Widerspruch mit Ohrfeigen zu begegnen. Und Umay selbst schlägt den jüngeren Bruder im Streit). Was also ist der Grund für Umay, aus der ihr traditionell zugedachten Rolle aussteigen zu wollen? Ich vermute, dass sie als Kind türkischer Einwander, in Deutschland aufgewachsen, genau zu der Generation von jungen Menschen gehört, die nirgendwo richtig zuhause ist und somit "Die Fremde" bleibt. In der Türkei, im Schoß der Schwiegerfamilie ist sie einzig auf die Rolle der sanften Ehefrau, Mutter und Schwiegertocher/ Schwägerin etc. reduziert. Vielleicht hatte sie sich das Leben in der Türkei so nicht vorgestellt und sie weiß, dass sie mehr kann und will. Unter dieser Enttäuschung und in der Verzweifelung über ihre anscheinend ausweglose Situation, beschließt sie, Kemal zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren.

Doch damit ist ihr Problem nicht gelöst. Ihre Familie in Deuschland ist natürlich hocherfreut, als Tochter und Enkelsohn unerwartet vor der Wohnungstür stehen, aber schon bald wirft die Mutter Umay besorgte Blicke zu, denn sie kann ihre Tochter nicht recht verstehen. Sie sieht vor allem, dass dem Kind Cem der Vater entzogen wird und weiß nicht recht, was der wirkliche Kummer Umays ist. Ähnlich geht es dem Vater Umays, der der Tochter zwar gewährt, für ein paar Urlaubstage bei ihnen zu bleiben, dann aber davon ausgeht, dass Umay wieder zu ihrem Ehemann zurückkehrt und es so auch mit Kemal am Telefon bespricht, denn dass dieser über Umays Verbleib in Kenntnis gesetzt werden muss, ist für die Familie Ehrensache. So wie vieles andere auch Ehrensache ist, denn Umays Ausbruch aus dem tradierten türkischen Lebensentwurf bringt die Ehre der Familie in Gefahr. Eine ungehorsame Tochter, die eigene Wege gehen will und sich gegen den vorbestimmten Verlauf entscheidet, eine Tochter, die sich nicht lenken läßt, ist für die türkische Gesellschaft ein Indiz erzieherischen Versagens, so wie der Vater es später auch äußert. Doch bleibt es für die türkische Gemeinschaft nicht nur beim verächtlichen oder herablassenden Tuscheln über diese ungehorsame Tochter und die Machtlosigkeit der Familie, sondern es hat auch Konsequenzen für deren Leben. Denn Umays jüngere Schwester Rana ist mit dem gutaussehenden Duran verlobt und schwanger von ihm. Die Eltern von Duran lösen die Verlobung der beiden , - keiner der Eltern weiß zu diesem Zeitpunkt von Ranas Schwangerschaft-, weil der Sohn nicht in eine unehrenhafte Familie heiraten kann. Dass sich zu diesem Zeitpunkt nicht nur Umay sondern auch Rana, aus traditionell türkischer Sicht, unehrenhaft verhalten hat, wird verschwiegen und mit einem ansehnlichen Stapel Euronoten kann der Ex-Verlobte wieder "eingekauft" werden.

Umay aber stellt ihre Familie auf eine harte Probe: Sie will für sich ein freies und selbstbestimmtes Leben, aber trotzdem im Schoss des türkischen Familienclans aufgehoben sein. Und so pendelt sie zwischen verzweifelten Befreiungsversuchen (hefig die Szene, als sie sich von der Polizei aus der elterlichen Wohnung befeien läßt) und zärlichen, aber auch trotzigen Annährungsversuchen an die Familie, als sie etwa bei der Hochzeit ihrer Schwester uneingeladen erscheint, weil sie ihrem Sohn das Erlebnis, an der Hochzeit der Tante teilgenommen zu haben, nicht nehmen will. Oder als sie zum Zuckerfest mit einem Tablett voll türkischen Gebäcks vor der elterlichen Wohnungstür steht. Der herzkranke Vater aber weist sie ab, schaut dem geliebten Kind durch das Fenster hinterher, nur um zu sehen, dass die Tochter erneut gegen traditionelle Lebensentwürfe handelt, nun einen Freund hat und die Wiederversöhnung mit Ehemann Kemal in noch weitere Ferne rutscht. Ein Entfühungsversuch des Kindes durch den in Kenntnis gesetzten Vater scheitert und Umays Vater weiß sich keinen anderen Rat mehr, als in der Türkei einen "weisen" Mann um Rat zu befragen.

Das Ergebnis dieser Konsultation ist, dass beschlossen wird, Umay zu töten. Und ausgerechnet der jüngere Bruder, der Umay besonders nahe steht, wird für diese Aufgabe ausgewählt, um sich als Mann zu bewähren. Verzweifelt sieht man den jüngeren Sohn in seinem Zimmer auf eine Lautsprecherbox einschlagen. Der ältere Bruder weint in seinem Zimmer, aber keiner zweifelt die Unausweichlichkeit des Bevorstehenden an.

Nachdem der Vater, dessen schwachem Herz diese Aufregungen nun zu viel geworden sind, einen Herzinfarkt erleidet, kommt zur Versöhnung am Krankenhausbett zwischen Vater, Tocher und Schwester. Die Brüder ahnen davon aber nichts und als Umay das Krankenhaus verläßt, wird sie vom jüngeren Bruder verfolgt, der dann aber seinen Auftrag nicht ausführen kann und wegläuft. Der ältere Bruder hat alles beobachtet und steht plötzlich mit gezücktem Messer hinter Umay, die sich, mit dem Kind auf dem Arm, in dem Moment zu ihm umdreht, als er zusticht. Wortlos geht Umay in der letzten Szene des Filmes mit dem sterbenden Jungen im Arm die Strasse weiter. Zurück bleibt ein fassungsloser Mörder.

Umay hat viel gewollt und letztlich doch verloren, denn der Preis, den sie für ihre Freiheit zahlen muss ist viel zu hoch.

Ein sehr eindringlicher Film, der die Problematik türkischer Einwanderkinder der zweiten und dritten Generation sehr deutlich macht. Ich finde ihn sehr empfehlenswert und viele sollten ihn sehen!!
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