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5.0 von 5 Sternen Familienehre
Einer der besten Filme über in Deutschland lebende Türken; mit einer großartigen Sibel Kekilli (Umay) in der Hauptrolle. Gleich zu Anfang spürt man an der Sprache den ‘Culture Clash‘, der die Familie spaltet: die Kids reden deutsch miteinander, die Alten türkisch. Und das geht so weiter bei der aufkommenden Problematik, wegen Umays...
Veröffentlicht am 20. Februar 2013 von zopmar

versus
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3.0 von 5 Sternen Die Fremde
Das Thema im Film ist aktuell und man kann auch verstehen worum es geht, dennoch wird in der deutschen Version mehr türkisch wie deutsch gesprochen, sehr schade.
Vor 1 Monat von Nina veröffentlicht


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienehre, 20. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Einer der besten Filme über in Deutschland lebende Türken; mit einer großartigen Sibel Kekilli (Umay) in der Hauptrolle. Gleich zu Anfang spürt man an der Sprache den ‘Culture Clash‘, der die Familie spaltet: die Kids reden deutsch miteinander, die Alten türkisch. Und das geht so weiter bei der aufkommenden Problematik, wegen Umays Emanzipationsversuch. Die Mutter klammert sich an Nostalgie, der Vater ist tief in der Tradition verhaftet. Gespräch Vater – Tochter:
‘Du bist eine verheiratete Frau.‘
‘Er schlägt mich.‘
‘Er ist dein Ehemann. Heute schlägt er, morgen streichelt er dich.‘
Da tun sich unüberbrückbare Gegensätze auf, die ein versöhnliches Einlenken unmöglich machen. Das sind unterschiedliche Universen, in denen Umay und ihre Familie leben. Dabei lieben sich alle doch und gehen daran zugrunde. Die Hochzeit von Umays Schwester – mit der ganzen Hintergrundproblematik –dient als Brandbeschleuniger. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte des Films neben den Gesprächen mit dem kleinen Cem. Das trifft den Nerv und geht zu Herzen.
Umay lebt zwischen beiden Welten. Man erwartet ein böses Ende. Doch es kommt noch schlimmer. Die symbolische Bedeutung des überraschenden Ausgangs überhöht die bloße Tragik von Schuld und Sühne und von zurückgewiesener Liebe. Es trifft Unschuldige! Eigentlich alle! Da bleiben nur Leid und Schmerz für alle Betroffenen.
Eindringlich, anrührend, hoch aktuell. Wahnsinn! Ein Muss!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hammerhart, 11. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Türkisches Mädchen verlässt ihren Ehemann und lädt damit Zorn ihrer ganzen Famile auf sich, bis es zur unausweichlichen Katastrophe kommt.
Nicht nur die Geschichte um diese junge Frau ist für unsere Vorstellungen unglaublich, sondern auch die beängstigend realistische Darstellung der Gequälten als auch ihrer Peiniger. Authentischerer geht es nicht mehr.

Der Film ist frei von Kritik und Anklage. Er vermittelt ein Stück Kultur aus unserer Nachbarschaft, dass wir nicht verstehen und nur aus aus dem alten Testament kennen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drama mit brisanter Thematik, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Das Drama "Die Fremde" beschäftigt sich mit den Problemen Gewalt gegen Frauen sowie dem Ehrbegriff in muslimischen Gesellschaften und dem Ehrenmord per se. Umay (S. Kekilli) ist verheiratet, lebt in Istanbul und hat ein Kind. Wegen ihres brutalen Mannes und keinem Rückhalt für sie in dessen Familie, nimmt sie Reißaus nach Berlin zu ihrer eigenen Familie. Dort allerdings haben Vater, Mutter und Geschwister wenig Verständnis für ihre Entscheidung und bald verlangt man von ihr, dass Sohn Cem zurück zu seinem Vater in die Türkei soll.

Das Schlimme daran ist, dass diese Forderung von Anfang an nicht zur Debatte steht. Ebenso wird klar, dass auch Umay eigentlich zum Gatten zurück müsste, denn wenn diesem Frau und Kind weglaufen, wie steht der in den Augen der Leute da? Glücklicherweise jedoch geht es "nur" um das Kind... Wenn das wirklich so abläuft, was zu befürchten ist, haben viele Frauen auf der Welt ein dickes Problem vor der Brust. Eine interessante Frage ist, ob sich die Nichtachtung bzw. die niedrigere Stellung der Frauen einzig aus den patriarchalischen Famielienstrukturen, dem schräg aufgefassten Ehrbegriff oder aus den von der Religion überlieferten Lehren erklären lassen oder ob noch mehr dahintersteckt. In jedem Fall zeigt das, wie Religion unfrei macht und in die Abhängigkeit leitet! Für einen Mitteleuropäer ist kaum greifbar, warum einer Frau, die auszieht, um ihr Leben mit Bildung und Arbeit fernab von häuslicher Gewalt, mündig und erwachsen zu leben, eben daraus ein Strick gedreht werden soll. Verheerend genug, dass ein bewusster und selbstbestimmter Lebensstil nicht als das gewürdigt wird, was er ist, nämlich respektabel.

Regisseurin Aladag trifft stets den richtigen Ton, egal, ob es hektisch, intim oder verzweifelt wird. Die Schauspieler sind überzeugend und nehmen sich vorteilhaft zurück, sodass sich die Dramatik des Spielfilms mühelos entfalten kann. Hier sind die Akteure eindeutig dem Plot unterstellt. Beim kontroversen Ende, und nun kommt ein Spoiler, bedarf Aladag nicht die Nutzung irgendeines pathetischen Geschwurbels, die Bilder sprechen für sich. Und wenn eine Mutter, die nur Angst um ihr Kind hat, von der eigenen Familie verstoßen und der "Ehre" geopfert werden soll, kann bei dem betroffenen Kind zusätzlich zum körperlichen auch der seelische Tod diagnostiziert werden; der tritt aber schon früher ein.
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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisch wirkendes Drama, 18. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Sechs Jahre nach ihrer spektakulären Leistung in Fatih Akins "Gegen die Wand" sieht man Sibel Kekelli zum ersten Mal wieder in der Hauptrolle einer größeren Filmproduktion. Sie spielt Umay, eine Frau, die offenbar von Berlin aus in eine trostlose Istanbuler Vorstadt verheiratet wurde. Die Geschichte kennt man eigentlich zu Genüge, obwohl sie in "Die Fremde" anfangs nicht sehr drastisch dargestellt wird: Der Zwangsehemann schlägt Frau und Kind, die Frau flüchtet mit ihrem kleinen Jungen zur Familie nach Deutschland. Doch eine Frau fern von ihrem Ehemann bringt selbst in Berlin-Kreuzberg Schande über ihre türkische Familie, weshalb der Vater und Patriarch beschließt, dass der kleine Junge zum Vater zurückmüsse. Umay flieht unter Polizeischutz mit ihrem Steppke in ein Frauenhaus, doch die Brüder, insbesondere der ältere - der zusammen mit dem Vater aus dem anfangs sanften, jüngeren, Umay nahestehenden, eine tragische Figur macht - spüren ihn auf. Umay beginnt, sich ein eigenes Leben aufzubauen, doch sie hängt an ihrer Familie, kämpft gegen die Verdammung, was bis zum Ende für zunehmend dramatische Szenen sorgt.

Das Debut von Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Feo Aladag weist handwerklich (Kameraführung, Dramaturgie, Tempo) einige Schwächen auf, dennoch und vielleicht sogar deshalb wirkt "Die Fremde" von Anfang an authentisch. Auf jeden Fall gelingt es Aladag, die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die der Heldin widerfährt, nachdrücklich ins Bild zu setzen. Sibel Kekelli spielt vielschichtig, sensibel, wütend, obwohl die Rolle nicht ganz die Wucht wie die in "Gegen die Wand" hat. Dennoch bringt die Figur Umay durch ihre Hartnäckigkeit tiefe Brüche in den Familienmitgliedern zutage, was dem Thema einen neuen Aspekt verleiht. Das Ende ist bitter und erwischt den Zuseher hundsgemein und sehr konsequent auf dem falschen Fuß. Da würde man fast einen hanebüchenen Logikfehler nicht bemerken.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unerwartet toll!, 19. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Ein toller Film. Sehr packend und emotional. Die Hauptdarstellerin zeigt hier bestes schauspielerisches Talent. Ich habe schon lange nicht so einen tollen Film gesehen.

Der Film zeigt wahre Gegebenheiten, dabei fokussiert er eine bestimmte Problmatik natürlich sehr. Was gut ist, denn sonst würde es keine gesellschaftskritischen Filme geben. Wer solche Filma guckt, muss intelligent gucken, d. h. er darf den Film nicht auf die gesamte muslimische Bevölkerung übertragen, sondern differenzieren und den Film als eine Fallaufnahme nehmen.
Ich hätte mir an mancher Stelle auch gewünscht, mehr über die Gedanken und Gefühlen der Leute und der Umgebung zu efahren. Doch im Nachhinein denke ich, dass diese Auslassung eine bewusste Entscheidung des Regisseurs war. Zum einen lies es sehr viel Spielraum für eigene Gefühle und Gedanken und zum anderen wurde man nicht mit einem vorgefertigten Urteil über die Situationen konfrontiert sondern konnte sich selbst ein Urteil bilden. Hier sollen Emotionen und Bilder fesseln und berühren. Das haben sie getan!!! Daumen hoch
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen den Stühlen, 27. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Eindrucksvoll beweist Feo Aladag mit ihrem Regiedebüt, dass nicht nur Fatih Akin hervorragende Filme über deutschtürkische Schicksale und Befindlichkeiten zu machen versteht. "Die Fremde" beeindruckt durch eine exzellente Dramaturgie und stimmige Charaktere. Zwingend und folgerichtig erscheint der Leidensweg der von Sibel Kekilli verkörperten Umay, die sich, ihren kleinen Sohn an der Hand, von ihrem brutalen Ehemann zu befreien versucht, indem sie die Türkei in Richtung Deutschland verlässt, wo sie aufgewachsen ist. Rasch wird klar: Die junge Frau wird ihre bundesdeutschen Freiheitsrechte gegen die Traditionen und Konventionen ihrer in Berlin lebenden türkischen Familie nicht durchsetzen können. Die Eltern finden, dass Umay und ihr Sohn zu ihrem Mann gehören. Sie muss sich in Berlin eine neue Bleibe suchen. Ihre Geschwister nehmen zwar unterschiedliche Positionen ein, doch unverbrüchlich zu ihr hält in Umays leidenschaftlichem Kampf für ein selbstbestimmtes Leben niemand. Von ihrem ältesten Bruder wird sie regelrecht verfolgt. Als ein deutscher Arbeitskollege sich in sie verliebt, sieht die junge Deutschtürkin einen Silberstreifen am Horizont, ehe alles in Aladags von den Säulen der klassischen Tragödie getragenem Szenario doch in die unvermeidlichen Katastrophe mündet.

Besonders hervorzuheben ist neben Sibel Kekilli, die sich in ihrem Haus-und-Hof-Genre, dem Migrantendrama, längst mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt und 2010 mit der Lola für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, die Darstellung des Vaters, der den existentiellen Konflikt zwischen Familienehre und Tochterliebe, den ihm seine kulturellen Fesseln aufzwingen, in eine ausdrucksstarke Körpersprache zu überführen weiß. Keinen wird die Szene unberührt lassen, in der er an der Wohnungstür das Versöhnungsangebot seiner Tochter zurückweist.
Das Finale, auf das die Regisseurin ihre Zuseher mit einem raffinierten Kunstgriff in der ersten Szene vorbereitet und auch wieder nicht vorbereitet hat, zeugt ebenso wie die gesamte Handlungsführung von großer erzählerischer Reife, die die Handschrift des britischen Regiemeisters Mike Leigh (Vera Drake) erahnen lässt, der einer von Aladags Lehrherren war. Einzig die Schlusseinstellung erscheint mir ein bisschen zu sehr auf Symbol und große Geste getrimmt. Ein Krankenwagen wäre in der Lage doch wesentlich plausibler gewesen.

Für Freunde von Chiko, Auf der anderen Seite und Badland.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Film!, 9. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Wow, was für ein Film dieser "Die Fremde" und welch hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten, einschließlich des kleinen "Cem", der hoffentlich am Set nicht ganz so viel Drama miterleben musste, wie es dann im Film "rüberkam".

Ich habe den Film gestern Abend, mit anderthalbjährigem Abstand, zum zweiten Mal gesehen und war wieder mindestens genauso beeindruckt wie beim ersten Sehen.

Die Dramaturgie finde ich sehr gelungen, das (für den Zuschauer in dem Moment noch offene) Ende der Ereignisse an den Anfang zu stellen und dann erst die ganze Geschichte retrospektiv chronologisch zu schildern.
Ich kann mich an kaum einen anderen Film erinnern (außer vielleicht "Ein halbes Leben" mit Josef Hader in der Hauptrolle), der mir ähnlich nachgegangen ist. Denn die Motive und das Verhaftetsein der einzelnen Personen in ihren gesellschaftlich zugedachten Rollenklichees werden so eindringlich geschildert, dass ich Mitleid mit fast allen Personen entwickeln konnte.

Natürlich ist meine Identifikationsfigur, als in Deutschland lebende Frau im 21sten Jahrhunderts, die Figur der Umay. Nicht ganz deutlich geschildert finde ich aber ihre Beweggründe für das Scheitern ihrer Ehe mit Kemal. Sie erwähnt ihrer Mutter gegenüber, dass Kemal sie schlägt (was, das muss ich wohl nicht erwähnen, absolut inaktzeptabel für Jede von uns ist), aber was geht den Schlägen voraus, was ist es tatsächlich, was die beiden nicht miteinander "können" läßt, wie Umay es ihrer Mutter gegenüber nennt. Was ist passiert, dass Umay, die Kemal doch hoffentlich aus Liebe geheiratet hatte, diesen Mann nun nicht mehr ertragen kann. Zumal ich denke, dass sie von Zuhause, die körperliche Gewaltanwendung betreffend, kein anderes Vorbild hatte (man denke nur an die Gewaltbereitschaft ihres älteren Bruders. Aber auch der Vater zögert nicht, Ungehorsam oder Widerspruch mit Ohrfeigen zu begegnen. Und Umay selbst schlägt den jüngeren Bruder im Streit). Was also ist der Grund für Umay, aus der ihr traditionell zugedachten Rolle aussteigen zu wollen? Ich vermute, dass sie als Kind türkischer Einwander, in Deutschland aufgewachsen, genau zu der Generation von jungen Menschen gehört, die nirgendwo richtig zuhause ist und somit "Die Fremde" bleibt. In der Türkei, im Schoß der Schwiegerfamilie ist sie einzig auf die Rolle der sanften Ehefrau, Mutter und Schwiegertocher/ Schwägerin etc. reduziert. Vielleicht hatte sie sich das Leben in der Türkei so nicht vorgestellt und sie weiß, dass sie mehr kann und will. Unter dieser Enttäuschung und in der Verzweifelung über ihre anscheinend ausweglose Situation, beschließt sie, Kemal zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren.

Doch damit ist ihr Problem nicht gelöst. Ihre Familie in Deuschland ist natürlich hocherfreut, als Tochter und Enkelsohn unerwartet vor der Wohnungstür stehen, aber schon bald wirft die Mutter Umay besorgte Blicke zu, denn sie kann ihre Tochter nicht recht verstehen. Sie sieht vor allem, dass dem Kind Cem der Vater entzogen wird und weiß nicht recht, was der wirkliche Kummer Umays ist. Ähnlich geht es dem Vater Umays, der der Tochter zwar gewährt, für ein paar Urlaubstage bei ihnen zu bleiben, dann aber davon ausgeht, dass Umay wieder zu ihrem Ehemann zurückkehrt und es so auch mit Kemal am Telefon bespricht, denn dass dieser über Umays Verbleib in Kenntnis gesetzt werden muss, ist für die Familie Ehrensache. So wie vieles andere auch Ehrensache ist, denn Umays Ausbruch aus dem tradierten türkischen Lebensentwurf bringt die Ehre der Familie in Gefahr. Eine ungehorsame Tochter, die eigene Wege gehen will und sich gegen den vorbestimmten Verlauf entscheidet, eine Tochter, die sich nicht lenken läßt, ist für die türkische Gesellschaft ein Indiz erzieherischen Versagens, so wie der Vater es später auch äußert. Doch bleibt es für die türkische Gemeinschaft nicht nur beim verächtlichen oder herablassenden Tuscheln über diese ungehorsame Tochter und die Machtlosigkeit der Familie, sondern es hat auch Konsequenzen für deren Leben. Denn Umays jüngere Schwester Rana ist mit dem gutaussehenden Duran verlobt und schwanger von ihm. Die Eltern von Duran lösen die Verlobung der beiden , - keiner der Eltern weiß zu diesem Zeitpunkt von Ranas Schwangerschaft-, weil der Sohn nicht in eine unehrenhafte Familie heiraten kann. Dass sich zu diesem Zeitpunkt nicht nur Umay sondern auch Rana, aus traditionell türkischer Sicht, unehrenhaft verhalten hat, wird verschwiegen und mit einem ansehnlichen Stapel Euronoten kann der Ex-Verlobte wieder "eingekauft" werden.

Umay aber stellt ihre Familie auf eine harte Probe: Sie will für sich ein freies und selbstbestimmtes Leben, aber trotzdem im Schoss des türkischen Familienclans aufgehoben sein. Und so pendelt sie zwischen verzweifelten Befreiungsversuchen (hefig die Szene, als sie sich von der Polizei aus der elterlichen Wohnung befeien läßt) und zärlichen, aber auch trotzigen Annährungsversuchen an die Familie, als sie etwa bei der Hochzeit ihrer Schwester uneingeladen erscheint, weil sie ihrem Sohn das Erlebnis, an der Hochzeit der Tante teilgenommen zu haben, nicht nehmen will. Oder als sie zum Zuckerfest mit einem Tablett voll türkischen Gebäcks vor der elterlichen Wohnungstür steht. Der herzkranke Vater aber weist sie ab, schaut dem geliebten Kind durch das Fenster hinterher, nur um zu sehen, dass die Tochter erneut gegen traditionelle Lebensentwürfe handelt, nun einen Freund hat und die Wiederversöhnung mit Ehemann Kemal in noch weitere Ferne rutscht. Ein Entfühungsversuch des Kindes durch den in Kenntnis gesetzten Vater scheitert und Umays Vater weiß sich keinen anderen Rat mehr, als in der Türkei einen "weisen" Mann um Rat zu befragen.

Das Ergebnis dieser Konsultation ist, dass beschlossen wird, Umay zu töten. Und ausgerechnet der jüngere Bruder, der Umay besonders nahe steht, wird für diese Aufgabe ausgewählt, um sich als Mann zu bewähren. Verzweifelt sieht man den jüngeren Sohn in seinem Zimmer auf eine Lautsprecherbox einschlagen. Der ältere Bruder weint in seinem Zimmer, aber keiner zweifelt die Unausweichlichkeit des Bevorstehenden an.

Nachdem der Vater, dessen schwachem Herz diese Aufregungen nun zu viel geworden sind, einen Herzinfarkt erleidet, kommt zur Versöhnung am Krankenhausbett zwischen Vater, Tocher und Schwester. Die Brüder ahnen davon aber nichts und als Umay das Krankenhaus verläßt, wird sie vom jüngeren Bruder verfolgt, der dann aber seinen Auftrag nicht ausführen kann und wegläuft. Der ältere Bruder hat alles beobachtet und steht plötzlich mit gezücktem Messer hinter Umay, die sich, mit dem Kind auf dem Arm, in dem Moment zu ihm umdreht, als er zusticht. Wortlos geht Umay in der letzten Szene des Filmes mit dem sterbenden Jungen im Arm die Strasse weiter. Zurück bleibt ein fassungsloser Mörder.

Umay hat viel gewollt und letztlich doch verloren, denn der Preis, den sie für ihre Freiheit zahlen muss ist viel zu hoch.

Ein sehr eindringlicher Film, der die Problematik türkischer Einwanderkinder der zweiten und dritten Generation sehr deutlich macht. Ich finde ihn sehr empfehlenswert und viele sollten ihn sehen!!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Umay rennt", 12. September 2010
Von 
J. Paul "Rezensent" (Ellwangen, Baden-württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Umay ist der Meinung: Manchmal muß man von Menschen weggehen, um sie wiederzufinden. Und so ist sie in diesem Film dauernd auf der Flucht.

Sie rennt weg von der häuslichen Gewalt und lieblosen Ehe mit ihrem Mann in Istambul, die sie nicht mehr aushält. Doch auch ihre elterliche Familie in Berlin will sie nicht verstehen und unterstützen. So flüchtet sie weiter, immer auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Ins Frauenhaus, dann zu ihrer deutschen Freundin. Schließlich schafft sie in Deutschland ihren Schulabschluß und steht vor der Ehe mit einem Deutschen. Doch immer steht sie im Konflikt mit ihrer Familie, von der sie sich nicht lösen kann. Während Umay einerseits sich zwar weiterentwickelt, jedoch immer wieder den Kontakt sucht, bleiben andererseits ihre Familienangehörigen statisch und können sich nicht von ihren Konventionen befreien. Diese unterschiedlichen Dynamiken entwickeln eine derartige Kraft, daß am Schluß ein Mord geschieht.

Der Titel "Die Fremde" hat dabei etwas doppeldeutiges. Einerseits ist Umay für ihre Familie die Fremde, da sie sich nicht den starren gesellschaftlichen Konventionen beugen will. Andererseits bezieht er sich auch darauf, daß ebendiese Familie sich auch in Deutschland in der Fremde befindet.

Insgesamt handelt es sich um einen bewegenden sowie beeindruckenden Film, der zurecht seine vielen Preise gekriegt hat. Mein Tipp: Unbedingt kaufen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflicht, 25. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Wer Sibel Kekilli nur aus ihren TATORT-Einsätzen kennt, wird sie hier ganz neu entdecken. Sehr feinfühlig, überzeugend gespielt, die Dramaturgie wirkt beklemmend und authentisch zugleich und man hat den Eindruck, endlich einmal einen Einblick in jene kulturellen Traditionen zu bekommen, von denen man hofft, dass sie doch nur ein schlimmes Vorurteil sind. Für mich definitiv Pflichtstoff in jeder Schulklasse, die von der FSK-Freigabe nicht mehr betroffen ist.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütterndes Meisterwerk, 27. September 2010
Von 
W. Nils "Filmfreak25" (Winterthur) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde (DVD)
Hier wird kein türkisches Sittengemälde gezeigt, sondern eine präzise Studie einer patriarchalischen Familienstruktur und ihrer konfliktreichen Beziehung zur Moderne. Wie sich dies auf die einzelnen Familienmitglieder auswirkt, wie sie sie zu unterwandern versuchen oder bewahren müssen, zeigt "Die Fremde" mit schonungsloser Intensität und ohne Schwarz-weiss-Malerei anhand einer Tochter, die sich emanzipieren will und dabei ihrer Familie und den Traditionen immer fremder wird. Der Film zeigt aber auch die innere Zerrissenheit des Vaters, der sich für seine Tochter oder für die Ehre seiner Familie entscheiden muss, was zugleich eine Analogie für den Konflikt zwischen Moderne und Tradition darstellt. Eine traditionalistische Parallelgesellschaft mag in sich gut funktionieren, ihre Vereinbarkeit mit dem Umfeld ist jedoch problematisch und die Negierung ihrer Strukturen innerhalb des Systems beinahe unmöglich wie das Beispiel von Umay zeigt. Dass der Film solche Themen differenziert und einfühlsam, und nicht schematisch behandelt, liegt nicht nur am sehr guten Drehbuch, sondern auch an den fein ausgearbeiteten Charakteren, die von gradiosen Schauspielern verkörpert werden. Die unprätentiöse Machart trägt ebenso ihren Teil zur Güte des Films bei.

Der Film geht an die Nieren und hallt lange nach. Man sollte aber nicht das Gefühl haben, in jeder türkischen Familie gehe es so zu und her. Ebenso wenig ist der Islam schuld. Stark ausgeprägter Patriarchalismus ist ein Kennzeichen fundamentalistischer Gruppierungen verschiedenster religiöser Traditionen.
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Die Fremde
Die Fremde von Feo Aladag (DVD - 2010)
EUR 5,97
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