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145 von 178 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Film, der mir lange in Erinnerung bleiben wird
Über zwei Stunden dauerte dieser Kinofilm - und wurde dennoch nicht eine Minute langweilig. Im Gegenteil, die Zeit verging wie im Flug.
Dabei beschäftigte mich weniger die Frage, wer hinter all den grausamen Verbrechen in der kleinen norddeutschen Ortschaft steckt. Faszinierend und erschreckend ist die Studie des Dorflebens, die Michael Haneke in diesem...
Veröffentlicht am 31. Januar 2010 von Else Kling

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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schwarz-Weiß-Film
Einer allgemein verbreiteten Legende zufolge soll einer der Gründe, warum Alfred Hitchcock seinen Film "Psycho" (1960) in Schwarz-Weiß gedreht hat, seine Befürchtung gewesen sein, in Farbe könnte die ganze Geschichte - besonders die Duschszene - zu grauenerregend wirken. Michael Haneke scheint bei der Inszenierung seines Filmes "Das weiße Band"...
Veröffentlicht am 22. März 2010 von Tristram Shandy


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145 von 178 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Film, der mir lange in Erinnerung bleiben wird, 31. Januar 2010
Über zwei Stunden dauerte dieser Kinofilm - und wurde dennoch nicht eine Minute langweilig. Im Gegenteil, die Zeit verging wie im Flug.
Dabei beschäftigte mich weniger die Frage, wer hinter all den grausamen Verbrechen in der kleinen norddeutschen Ortschaft steckt. Faszinierend und erschreckend ist die Studie des Dorflebens, die Michael Haneke in diesem Film gelingt: Herrschaftsanspruch des Adels, rigide protestantische Moral und patriarchalische Strukturen. All dies ergibt eine Mischung, die - so Hanekes These - der deutschen Begeisterung für den ersten Weltkrieg und den Nationalsozialismus den Boden bereitete.
Der Film wertet nicht - er beobachtet. Das Schaudern über die (oft subtile) Grausamkeit in den Familien des Dorfes entsteht beim Zuschauer von ganz alleine. Dazu tragen die hervorragenden Darsteller erheblich bei. Vor allem die vielen Kinder zeigen erstaunliche schauspielerische Leistungen.
Geschickt und ohne Pathos setzt Haneke auch den "Helden" der Geschichte in Szene. Der Dorflehrer, zugleich Erzähler der Geschichte, ist nicht der große Rebell. Auch er toleriert letztlich die Macht seines künfigen Schwiegervaters. Doch im kleinen zeigt er sich einfühlsam und behandelt seine junge Freundin auf gleicher Augenhöhe.
Die o.g. These reicht sicher als Erklärung des Nationalsozialismus nicht aus, bietet aber eine spannende Diskussionsgrundlage. Es ist durchaus lohnenswert, die Entwicklungen im Deutschland der damaligen Zeit nicht nur auf der Ebene der Weltpolitik, des Antisemitismus und der nationalsozialistichen Propaganda zu betrachten, sondern im Kleinen (d.h. in den familiären und dörflichen Strukturen).
Durch diese spannende These, die authentischen Figuren und die hervorragenden Schauspieler ist ein beeindruckender Film gelungen, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schwarz-Weiß-Film, 22. März 2010
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Einer allgemein verbreiteten Legende zufolge soll einer der Gründe, warum Alfred Hitchcock seinen Film "Psycho" (1960) in Schwarz-Weiß gedreht hat, seine Befürchtung gewesen sein, in Farbe könnte die ganze Geschichte - besonders die Duschszene - zu grauenerregend wirken. Michael Haneke scheint bei der Inszenierung seines Filmes "Das weiße Band" aus dem letzten Jahr genau das Gegenteil im Sinn gehabt zu haben. Gerade die harten, konturscharfen Schwarz-Weiß-Bilder, dazu das völlige Fehlen nicht-diegetischer Musik, verleihen dem Film etwas bedrückend Alptraumhaftes und kreieren eine Atmosphäre der dumpfen Hoffnungslosigkeit, scheinen aber gleichzeitig - und dies sehe ich als einen hoffentlich unerwünschten Nebeneffekt - einen Abstand zwischen Gegenwart und Vergangenheit herzustellen, indem sie die Handlung in ein weit entferntes Damals verbannen und so suggerieren, daß unsere aufgeklärte Gesellschaft das Problem autoritärer Erziehung überwunden habe.

Hanekes Film läßt uns für ein gutes Jahr erzählter Zeit am Leben eines fiktiven evangelischen Dorfes namens Eichwald am Vorabend des Ersten Weltkrieges teilhaben, das von einer Reihe abscheulicher Unfälle und Greueltaten heimgesucht wird. Als Erzähler steht uns dabei der Dorfschullehrer (Christian Friedel) zur Seite, doch kann er unmöglich um alle intimen Scheußlichkeiten aus dem Leben der Dorfbewohner, in die uns der Film einführt, selbst gewußt haben. Am oberen Ende der sozialen Rangordnung im Dorf steht die Familie des Barons (Ulrich Tukur), dann folgt die Elite aus Verwalter (Josef Bierbichler), Pastor (Burghart Klaußner) und Arzt (Rainer Bock), und zuunterst stehen die Bauern. Zuallerunterst scheinen allerdings die Kinder zu stehen, die unter den Folgen einer repressiven, autoritären und weitgehend lieblosen Erziehung litten. Die Botschaft des Filmes ist eine beredte Anklage dieser unmenschlichen Erziehung, deren Objekte sich wiederum mit Vorliebe unter den Schwächsten der Schwachen - etwa der kleine Sohn des Barons, oder ein neugeborenes Kind, oder ein behinderter, hilfloser Junge, oder auch nur ein Wellensittich - geeignete Opfer aussuchten, an denen sie ihre aufgestauten Aggressionen und Frustrationen abreagieren konnten. Von vielen Rezensenten des Filmes ist gleich die Vermutung geäußert worden, Haneke wolle erklären, wie Menschen heranwachsen konnten, die zwei Jahrzehnte später zu begeisterten Parteigängern des Nationalsozialismus werden sollten, und der ein wenig unglücklich gewählte Untertitel des Filmes "Eine deutsche Kindergeschichte" scheint diese Interpretationen zu bestätigen, doch glaube ich, daß eine solche Lesart zu kurz greift und dem Film Unrecht tut. Denn die von Haneke hier dargestellte Kindererziehung zu jener Zeit war kein deutsches Charakteristikum, sondern sie wurde europaweit praktiziert und ist teilweise Ausfluß einer bürgerlichen, aber nicht allein auf das Bürgertum beschränkten Ideologie, die Peter Gay sehr treffend in seinem Buch "Kult der Gewalt" untersucht. Schon das englische Sprichwort "Children should be seen, not heard" oder ein beliebig aus der Bibel gegriffener Vers, Sprüche Salomons 23, 13-14: "Laß nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten; / du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vor dem Tode" zeigen, daß eine autoritäre, bisweilen sadistische Erziehung früher in allen Kulturen weit verbreitet war.* Wer also Nazis in dem Film sieht, sollte mal zum Augenarzt gehen.

Hanekes Botschaft ist, so denke ich, viel einfacher und auch allgemeiner: Erziehung ist nicht Unterdrückung, sondern verständnisvolle Wegbegleitung und auch -weisung.

Anhand dieser Botschaft kann man auch die Stärken sowie die Schwächen dieses Filmes bewerten, der ja mit so vielen Preisen bedacht wurde, daß er eigentlich gar nicht so viele Schwächen haben kann. Positiv hervorzuheben sind vor allen Dingen die visuelle und akustische Inszenierung, die Langsamkeit in der Kameraführung - gepaart mit vielen close-ups -, die dem Film eine sehr nahegehende Eindringlichkeit verleihen, welche man ebenfalls auf die gekonnten schauspielerischen Leistungen der Darsteller, vor allem auch der Kinder, zurückführen kann. Hanekes Verzicht auf explizite Gewaltdarstellung bewahrt den Film vor betroffenheitsheuchelnder Sensationsgier, bietet aber gleichzeitig sehr viel Raum für die schreckliche Schaffenskraft unserer Phantasie. Hier sehen wir - oder vielmehr tun wir dies nicht - gleichsam mit den Augen eines Kindes, dem sich die Welt noch viel Unerklärliches und Grauenhaftes bewahrt hat. Auch das offene Ende, das uns weiter bangend über das Schicksal des mißhandelten Karlis rätseln läßt, trägt dazu bei, daß dieser Film nicht einfach konsumiert werden kann.

Auf der anderen Seite - und hiermit möchte ich auch mein eher durchwachsenes Gesamturteil begründen - leidet der Film eben doch unter einer großen Schwäche. Haneke hat zu viel in seinen Film hineingepackt. Wir haben den Baron, der seine Frau, als diese ihm sagt, sie könne die Brutalität, die Stumpfheit und die Unmenschlichkeit in Eichwald nicht mehr ertragen und werde mit den Kindern nach Italien gehen, zunächst einmal fragt, ob sie mit einem Italiener geschlafen habe. Der Baron scheint auch wenig beeindruckt zu sein, als eine seiner Arbeiterinnen in seinem Dienste zu Tode kommt. Da gibt es den grantlerischen Verwalter, der seine Sohn nicht nur schlägt, sondern auch mit Tritten malträtiert, als dieser schon auf dem Boden liegt. Der Pfarrer ist im großen und ganzen gefühlskalt - einzig sein Jüngster scheint ihn noch zu rühren, doch zeigt er dies nicht - und begründet seine unmenschlichen Strafen, sowohl körperliche Züchtigungen als auch perfide Demütigungen, stets mit silberüberzogener Eisenzunge ("Das tut mir und der Frau Mutter mehr weh als euch."), und der Doktor ist nicht nur ein herzloser Zyniker, sondern vergeht sich auch an seiner 14jährigen Tochter. Der Lehrer hingegen ist offenherzig, verständnisvoll, wenn auch nicht immer konsequent. Diese Charaktere scheinen beinahe der Phantasie eines solchen Autors zu entspringen, wie ihn Anthony Trollope in "The Warden" als Mr. Popular Sentiment (gemeint war hier Dickens) karikierte. Fast scheint es, als habe hier das Schwarz-Weiß der Bilder Einzug in die Figuren gehalten. Daß zudem alle diese Schurken und Grobiane in einem Dorf beieinander gelebt haben sollten, ist wohl kaum als historische Wahrheit, sondern als Parabel zu sehen. Ay, and there's the rub. Denn einerseits versucht der Film sehr stark, historische Authentizität zu suggerieren - Haneke etwa hat sich gründlich durch das Studium zeitgenössischer Erziehungsbücher vorbereitet -, doch andererseits gerät mir der Parabelcharakter ein wenig zu aufdringlich. Warum nicht ein wenig mehr Grautöne in die Charaktere bringen? Warum nicht auch die Erzählung straffen, die freilich an keiner Stelle langweilig wirkte, aber doch ein wenig stark ausufert - etwa durch die Liebesgeschichte zwischen Lehrer und Kindermädchen. Freilich, so kann man vermuten, soll hier angedeutet werden, daß diese beiden ihre Kinder sicher anders aufziehen werden. Fast scheint es, als habe Haneke sich hier selbst ein wenig zu sehr als Lehrer gefühlt, dem sein Lehrmaterial allerdings etwas arg plakativ gerät.

Zum Schluß verleiht die Schwarz-Weiß-Inszenierung, wie oben angedeutet, auch ein Gefühl trügerischer Sicherheit. Akte barbarischer Gewalt unter Jugendlichen, Mißhandlung und Mißbrauch, auch unter Kindern, sind doch immer noch Heimsuchungen unserer Zeit. Ein bißchen weniger Rigidität in der Inszenierung und Figurengestaltung hätte Raum gelassen, auch dieser Tatsache Rechnung zu tragen, indem eben nicht der Eindruck entstanden wäre, wir hätten all dies glücklich hinter uns gelassen.

Insgesamt halte ich "Das weiße Band" für einen sehr ambitionierten, nachdenklich stimmenden Film, der jedoch ein wenig überschätzt wird.

* Wer es mir immer noch nicht glaubt, möge einmal "The Way of All Flesh" von Samuel Butler zur Hand nehmen; eine gute Ergänzung zum Thema des Filmes.
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98 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen nachwirkende Filmerfahrung, 18. Januar 2010
Von 
Detlef Rüsch "detlefruesch" (Landshut, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (#1 HALL OF FAME REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt Filme, die wirken lange nach. Dieser Film ist so einer, an den man lange Zeit denkt und der immer wieder neue Facetten der Auseinandersetzung und Interpretation aufwirft.
Nicht immer ist es leicht, die einzelnen Handlungsstränge genau nachzuvollziehen. Hier werden familiäre, dörfliche und gesellschaftliche Zusammenhänge so miteinander verwoben, dass man schließlich bei der Endauflösung erstaunt und ernüchtert ist.
Hauptthema sind in dem Film, der in der Zeit vor dem I. Weltkrieg spielt, die diversen versteckten und offensichtlichen Ausdrucksformen von Gewalt. Diese werden in einer beeindruckenden Weise angedeutet oder klar herausgestellt.
Dabei bestechen neben der schauspielerischen Leistung der Kinder und des Lehrer-Hauptdarstellers die so bezeichnende Kameraführung. Hierbei ist der im Schwarz-Weiß-Format gedrehte Film ganz besonders bemerkenswert. Denn markante Nah- und Portraitaufnahmen wechseln mit Weichzeichner-Einstellungen, kaum erkennbaren Bildern und authentischen Bauwerkaufnahmen ab. Daneben gelingt es in dem Film, dramatische Sequenzen und äußerst ruhige, lange Stille aushaltende Zeiten miteinander abzuwechseln.
Wer - insbesondere mit jungen Menschen - über das Phänomen Gewalt aus unterschiedlichen Aspekten heraus diskutieren mag und die Auseinandersetzung über deren Ursachen und Folgen sucht; der wird mit diesem Film ein reichhaltiges Diskussionsforum finden. "Das weiße Band" räumt mit Unschuldsvermutungen auf und lässt einen lange nachdenken nach dem Anschauen des Films, welche persönlichen Anteile man an Gewalt hat und wie man bewusst oder unbewusst an Gewaltprozessen beteiligt war bzw. ist.
Dieser Film gehört in jede weiterführende Schule als Pflichtfilm!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kaleidoskopartiger Querschnitt durch die feudalistische Gesellschaft Deutschlands vor Ausbruch des ersten Weltkriegs, 3. Mai 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das weiße Band (DVD)
Norddeutschland kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs: Mysteriöse und unerklärliche Vorfälle beherrschen das protestantische Dorf Eichwald. Eine Scheune brennt ab, der Kohlgarten des Barons wird geplündert, Kinder werden misshandelt. Das ganze Dorf steht in Aufruhr und ganz nebenbei züchtigt der Pastor seine Kinder körperlich für jedes noch so kleine Vergehen. Die Polizei schreitet erst ganz gemächlich gegen die Vorfälle im Dorf ein, nachdem schon zu viel passiert ist und auf die bestraften Kinder des Pastors, die ein weißes Band als Symbol der Tugend und Reinheit nach der Züchtigung tragen müssen, wird nicht Acht gegeben...

Die Vorfälle werden aus Sicht des Lehrers des Dorfs geschildert und umschrieben, der nach Ende des Weltkriegs nicht mehr ins Dorf zurückgekehrt ist. Die Figuren im Film sind in dieser protestantischen Provinz feudalistisch eingestellt, d.h. die Bauern waren ihren Grundherren untertan. Der Film zeichnet einen kaleidoskopartigen Querschnitt durch diese kleine, vertraute und für den Zuschauer doch so fremde Gesellschaft der damaligen Zeit. Die Figuren sind sehr gut charakterisiert und schon nach wenigen Filmminuten wird klar, wer das Sagen hat und wer nicht, wer streng und Herrscher und wer Untertan ist. Der Film ist in Schwarz-Weiß und dies unterstreicht die ganze mysteriöse Atmosphäre in diesem fiktiven Dorf; der Zuschauer rätselt also bei den Vorfällen mit und wartet auf eine Auflösung und zugleich muss er die Zurschaustellung des Lebens von damals über sich ergehen lassen und fühlt sich wie in eine andere Zeitspanne versetzt, die sehr trocken, streng und tugendheischend rüberkommt. Verblüffend ist vor allem, dass man als Betrachter so gut wie jede Figur in den Verdacht nimmt, die Vorfälle im Dorf geplant und ausgeführt zu haben: Der Lehrer kommt am Ende des Films durch seine Ausfragerei gegenüber den Kindern des Pastors sehr verdächtig rüber, der Pastor selbst könnte auch der Täter sein aufgrund seiner Durchsetzungskraft und seiner despotischen Art mit seinen Kindern umzuspringen, der Baron und seine verachtende Verhaltensweise gegenüber seiner Frau lassen ihn ebenfalls nicht in einem unschuldigen Licht dastehen. Der Film ist somit eine Mischung aus Krimi, Drama und Thriller, er repräsentiert eine eigene Klasse für sich, die man eigentlich keinem typischen Genre unterordnen und somit danach benennen könnte. Man muss schlicht und einfach den Film einmal gesehen haben, um sich ein Bild zu machen. Sehens- und sehr empfehlenswert!

~Bücher-Liebhaberin~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen fantastische Bilder und überzeugende schauspielerische Leistung, 19. Dezember 2010
Von 
ADK 16 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das weiße Band [2 DVDs] (DVD)
"Das weiße Band"der mehrfach ausgezeichnete, von Michael Haneke stammende Film, besticht nicht durch eine spannende Handlung, sondern lebt von den eindringlichen Szenen und Bildern und den wirklich fantastischen schauspielerischen Leistungen der Akteure. Gerade die Schwarzweißaufnahmen dieses Filmes, lassen das Geschehen in diesem Film eindrucksvoller erscheinen und das Fehlen von jeglicher Filmmusik lenkt den Fokus des Zuschauers auf das Wesentliche, nämliche auf die dörflichen Strukturen, die von klarer Hierarchie beherrscht werden und das Handeln der jeweiligen Personen und die daraus resultierende Konsequenzen.

Was mir nach dem Anschauen dieses Filmes gleich einfiel, war, dass diese Strukturen in unserer Gesellschaft fast vollständig fehlen und auch die Kinder eine fast gegensätzliche Rolle einnehmen als im Film. Ohne jetzt die eine oder andere Seite bewerten zu wollen, denke ich, dass klare Strukturen immer eine Hilfestellung sind, wenn sie allerdings zu dieser Brutalität gegen Kinder und Frauen führen, wie in diesem Film, wundert es nicht, dass Gewalt, Gegengewalt erzeugt. Auch die psychische Gewalt, die Autoritätspersonen einsetzten um ihr Ziel zu erreichen, war sehr eindrucksvoll und ließ die Verletzungen ahnen, denen die Kinder und Frauen ausgesetzt waren. Gerade die schauspielerische Leistungen, der beiden Hauptprogagonisten Susanne Lothar(Hebamme)und Burkhart Klaussner (Pfarrer)werden mir lange im Gedächtnis bleiben. Die einzelnen Personen wurden in diesem Film zeitgemäß und beeindruckend in Szene gesetzt. Auch die Kinderrollen waren eindrucksvoll und nachhaltig.

Für mich ein zum Nachdenken anregendes Filmerlebnis, dessen offenes Ende für mich nicht störend, sondern im Gegenteil absolut passend erschien .Der Vergleich den einige Rezensenten hier ansprachen, dass diese Erziehungsform erst den 2. Weltkrieg haben entstehen lassen , kann ich eigentlich nur beipflichten. Wenn Gewalt und Erniedrigung die Kindheit prägen und die Autoritätshörigkeit so ausgeprägt war, wie in diesem Film, der kurz vor dem 1. Weltkrieg spielt, wundert es nicht, dass Leute wie Hitler an die Macht kommen konnten.
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50 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bedrohliches Sittengemälde kurz vor dem Ersten Weltkrieg., 7. März 2010
Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund, keine Musik, langsame Bildeinblendung - eine Stimme aus dem Off beginnt die Geschichte zu erzählen, der man anschließend zwei Stunden ausgesetzt sein wird. In kontrastreichen und gestochen scharfen schwarz-weiß-Bildern betritt man das vermeintlich idyllische Dorf Eichwald im Norden Deutschlands, dass man sich getrost auch in sympathischen Farben vorstellen könnte. Doch irgendwie beschleicht einen das beklemmende Gefühl, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht und die kalten und sterilen Bilder erfahren sukzessive ihre Berechtigung. Ruhige Kamerabewegungen dokumentieren strenge Erziehungsmuster und ernste Kinderaugen schöpfen eine bedrohliche Atmosphäre. Nach einem vermeintlich provozierten Reitunfall des Dorfarztes mehren sich die Unglücksfälle in der protestantischen Gemeinde und Zweifel mehren sich, dass das alles vom Zufall abhängt.

Was Haneke mit seinem mitunter arg konstruierten Kunstwerk anschließend transportiert, ist eine Parabel, ein Lehrstück, das den Zuschauer mitnimmt in die Zeit kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der junge Dorflehrer berichtet retrospektiv von der latenten Gewalt im Dorf, die zunehmend groteskere Züge annimmt und Misstrauen innerhalb der Bevölkerung schürt. Protestantismus, Prügelpädagogik, Triebunterdrückung, Kindesmissbrauch, Mord, Suizid - alle Formen der körperlichen, psychischen und strukturellen Gewalt, zumeist ausgeführt von Männern, kommen in mehr oder weniger ausgeprägten Formen vor und traumatisieren die Menschen. Erscheint dies glaubwürdig? Nicht immer, denn Haneke will zu viel und der moralische Zeigefinger in diesem Werk, dass mitunter Züge einer Kriminalgeschichte trägt, ist allzu offensichtlich.

Hanekes Versuch der Darstellung von subtiler Bedrohung entfacht durchaus eine Faszination, die schwer zu beschreiben ist und die zu fesseln vermag. Doch plakative und dadurch groteske Botschaften schränken diese Faszination postwendend wieder ein und verhindern, dass 'Das weiße Band' absolut zu überzeugen weiß. Wenn der seine Kinder züchtigende Pfarrer dem von Grund auf guten Lehrer vorwirft, dass man ihm seine Kinderlosigkeit anmerke, dann wird der moralische Holzhammer doch arg deutlich geschwungen. Gegen Ende des Films verlassen wir das zerrüttete Dorf kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Was ist die Botschaft? Was im großen Stil endet, fängt klein an? Aufbruchsstimmung, ungeahnte Energien, der Wunsch nach Veränderung - all dies Vorboten, die in den Eruptionen des Ersten Weltkriegs münden. Die Verbrechen im Dorf bleiben unter Umständen unaufgeklärt, doch die übergeordnete Schuldfrage scheint der Film dennoch klären zu wollen. Der Kreis schließt sich mit einer langsamen Ausblendung, wieder ohne musikalische Untermalung, doch der Zeigefinger wirkt leider immer noch nach.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwierige Geschichte., 6. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das weiße Band (DVD)
Eigentlich mag ich sperrigen Stoff, der erst mal ein wenig quer im Magen liegt und dem Zuschauer Einfühlungsvermögen und Urvertrauen in die Möglichkeiten der Kunst abverlangt. Michael Hanekes "Das Weiße Band" bietet davon gewiss jede Menge. Ein Dorf im Ostelbischen kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, eine spießbürgerlich-konservative Gesellschaft mit patriarchalischen Zügen und Moralvorstellungen, die mit den heute gängigen Gesellschaftsmodellen maximal kollidieren. Die Voraussetzungen für eine spannende Milieustudie waren also optimal.

Allein - es wurde in über 140 Minuten Filmlaufzeit nie wirklich klar, worauf der Regisseur eigentlich genau hinauswill. Stattdessen werden innerhalb des Dorfes mehrere Konfliktlinien eröffnet, die die teils zerrütteten, von Abgestumpftheit und Gewalt geprägten Beziehungen innerhalb der verschiedenen Familien beleuchten. Das allein hätte - noch weiter vertieft und sensibler herausgearbeitet - im Prinzip ausgereicht, einen feinsinnigen Episodenfilm als Abbild der damaligen Verhältnisse zu machen. Bei Haneke jedoch lenkt ein weiterer Brennpunkt von den Einzelschicksalen ab, der versucht, diese irgendwie zusammenzuführen - ohne dass das jedoch nach meiner Ansicht wirklich gelingt. Eine Serie unheimlich brutaler Vorfälle, die auf ein und denselben Täter hindeuten, erschüttert die Gemeinde. Der Doktor, der die Frau, die ihn liebt, wie den letzten Dreck behandelt und sich an seiner eigenen 14-jährigen Tochter vergeht, stürzt über eine gespannte Schnur in seinem Garten, eine Bauersfrau stirbt bei einem Arbeitsunfall. Der kleine Sohn der Gutsherrin wird schwer misshandelt im Wald gefunden, und schließlich wird auch noch der geistig behinderte Sohn des Arztes bei einer Attacke schwer verletzt.

Diese Geschehnisse erscheinen so roh und grausam, dass sich beim Zuschauer folgerichtig alles um die Frage dreht: Wer tut (vor allem Kindern) solch schreckliche Dinge an und warum? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Schicksalen der aus vollkommen unterschiedlichen Verhältissen stammenden Opfer? Doch Haneke geht es nicht um diese Fragen. Sein Motiv scheint vielmehr zu sein, die fahle Wirklichkeit hinter vermeintlicher spießbürgerlicher Idylle hervortreten zu lassen. Doch das führt dazu, dass der Zuschauer förmlich von einer Woge des Grauens und der Brutalität erdrückt wird, was zu einer dauerhaft bedrückenden Grundstimmung führt. Die einzelnen Charaktere wandeln eigenwillig und distanziert durch das ewige Grau, durch einen ohnehin vorpgrogrammiert und unaufhaltsam scheinenden Lauf der Dinge. Es gelang mir nicht, zu irgendeinem davon wirklich eine Beziehung aufzubauen, da offen blieb, in welchen Beziehungen sie tatsächlich zueinander standen. Genau dieses Wissen wäre aber zur Beantwortung der Frage nach dem Urheber der schecklichen Vorkommnisse nötig gewesen. Michael Haneke lässt sie bewusst offen - für mich persönlich kein Schachzug, der zum Nachdenken anregt (also den Zuschauer in die Handlung nachhaltig hineinzieht), sondern Abwehr und Unverständnis erzeugt. Der Film vermag bei allem Mut zu unverblümten Darstellungen eines nicht: Sinn zu stiften. Warum schaue ich mir all diese Schrecken 140 Minuten lang an, wenn am Ende die vordingslichste Frage, die der Film aufwirft, nicht beantwortet wird?

Sehr enttäuscht war ich auch von Christian Friedels Part als Dorflehrer. Ich mag Friedel eigentlich, auch ist ihm hier sicherlich nicht die Schuld daran zu geben, dass seine Rolle so arg blass bleibt. Wer ist dieser Typ eigentlich? Ist er nun gestrenger Lehrer oder verständnisvoller Kumpel für seine Schüler? Seine angedeuteten Anstrengungen, im Falle der geheimnisvollen Attacken auf Dorfbewohner zu ermitteln, scheinen symptomatisch für den gesamten Film, in dem alles und jeder irgendwie kraftlos wirkt, wie gefesselt in seiner rauen Lebensumwelt. Die Figuren scheinen nicht zu leben, sie wandeln, irren, welken. Und so endet auch des Lehrers Versuch, für klare Verhältnisse zu sorgen, im Nichts. Es mag Menschen geben, für die das alles ganz große Kunst ist. Für mich ist es schlicht unbefriedigend und verstörend. Kein Film, den man sich ein zweites Mal anschaut.
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54 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschichte nach Haneke, 7. Januar 2010
Herzenskälte, Tugendterror, Doppelmoral und autoritäres Gebell beherrschen das vordergründig so idyllische Örtchen Eichwald in den Monaten unmittelbar vor Ausbruch des 1. Weltkriegs. Im Pfarrhaus hallt es von allen Wänden, wenn der sittenstrenge Dorfprediger seinen Nachwuchs zur Raison prügelt. Der Herr Doktor befingert seine Tochter und treibt es zwischendurch auch gerne mal mit der Dorfhebamme. Deren behinderter Sohn wird derweil von Unbekannten schlimm zugerichtet und teilt sich dieses Schicksal mit dem Buben des Gutsherrn.

Doch natürlich ist "Das weiße Band" kein Landmelodram, es geht Haneke um wesentlich mehr: um die Aufdeckung gesellschaftlicher Mechanismen. Um den Nährboden, auf dem später der Nationalsozialismus wachsen und gedeihen konnte. Heute für's Onanieren die Rute bekommen, morgen im Stechschritt gegen den Iwan ins Feld ziehen - so funktioniert Geschichte bei Michael Haneke. Wie so oft ist er auch hier ausgesprochen manipulativ. Die bedrückenden Ereignisse werden extrem verdichtet dargestellt, einzelne Szenen unvermittelt abgebrochen - der Zuschauer wird sich seinen Teil ja schon denken.

Von diesen ärgerlichen Vereinfachungen einmal abgesehen (wurden die späteren Opfer und Bekämpfer des Hitlerregimes denn anders erzogen?) hat "Das weisse Band" durchaus seine Reize. Die Schauspieler, auch die Kinder, sind durch die Bank überragend, die satten Schwarzweißbilder des kargen, harten Landlebens ein Augenschmaus. Aber nicht vergessen: nicht nur auf dem Land, auch in Hanekes Filmen gehen die Uhren anders. 144 Minuten dörfisches Depressionskino sind sicher nicht jedermanns Sache.
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24 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Ende zerstört leider alles, 11. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Das weiße Band (DVD)
Ich kann mich einerseits den anderen Rezensionen, die den Film kritisch bewerten, nicht anschliessen. Ich mag schwarz/weiß, fand den Film überhaubt nicht langweilig und hatte auch keine Probleme damit, dass nicht alles ganz genau erklärt wird - im Gegenteil, das meiste offen bleibt. Was mich dagegen wirklich gestört hat ist der Schluss. Ich finde ihn nicht zu offen, sondern zu eindeutig. Dass der Film damit endet, das der erste Weltkrieg beginnt und die jungen Leute eingezogen werden, ist ein allzu eindeutiger Hinweis darauf, das all das Autoritäre, Falsche und Gewalttägige dieser Dorfbewohner direkt und zwangsläufig zum einen in den Weltkrieg und damit später im Faschismus enden muss.
Über dieses geradezu ärgerliche Geschichtseinmaleins kann ich mich nur wundern. Soweit ich mich erinnern kann wäre für den Weltkrieg und den späteren Weg in den Faschismus einiges an Gründen anzuführen (eine kurze unvollständige Aufzählung): starke gesellschaftliche Umwälzungen bedingt durch Kapitalismus, damit Abhängung ganzer gesellschaflicher Schichten wie Handwerk und Adel, verbunden mit enormen Wirtschaftskrisen (eine hat den Aufstieg der Nazis direkt begünstigt) die Entfaltung einer moderne Medienwelt (man erinnere sich nur, das den Nationalsozialisten vor allem die im Bankbereich und als Journalisten tätigen Juden ein Dorn im Auge waren), die Entwicklung der modernen Großstadt mit ihren Migrantenströmen und Kriminellen, Darwins Evolutionstheorie und Nietzsches Atheismus, Hagenbecks Völkerschauen, Frauenbewegung, Männlichkeit in der Krise (beispielhafter Ausdruck hier der übersteigerten Männlichkeitswahn monarchistische Offiziere, die zahlosen Duelle und die grassierende Homophobie, schlussendlich Stalingrad), das alles eingebettet in das Aufkommen der Demokratie (die für all das Verantwortlich gemacht und damit selbst zum Feindbild wurde)- kurz eine außer Rand und Band geratene Welt, die manche Gemüter nach Ordnung, Richtung und mehr Kontrolle rufen liess - und zuletzt vielleicht auch autoritäre Dorfstrukturen, aber doch sicherlich nicht mit dieser Ausschliesslichkeit.
Hätte der Film sich also offen gehalten, was er sagen will und nicht versucht dieses schwere Paktet, wie es zur deutschen Katastrophe, kam zu schultern, und dabei eine äusserst verfälschende Geschichtsstunde abzugeben, wäre es ein schöner Kunstfilm gewesen - so aber kann ich ihm leider nur einen Stern geben.
Wenn der Regisseur erklärt, er habe extra schwarz/weiss gewählt, damit eine Distanz des Zuschauers zum Film entsteht - statt dessen wird ja eher, auch durch die Verwechslungsgefahr mit echtem historischem Material, das Dokumentarische betont - zeigt, wie undurchdacht vieles bei Michael Haneke am Ende bleibt. Das der ganze Film einen aufgesetzten Intellektualismus wie eine Monstranz vor sich her trägt fällt daher umso mehr auf und man mag es ihm umso weniger verzeihen.
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98 von 141 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Plakativ, überzogen, überschätzt, 29. August 2010
Von 
R. Vogel "Ron" (Eisenberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der Film basiert auf einer guten Grundidee, die durchaus den Stoff für ein Meisterwerk hätte abgeben können. Auch ein Teil der Schauspieler liefert hervorragende Leistungen und viele Szenen sind durchaus gelungen. Doch einige gute Zutaten allein machen noch kein perfektes Gericht. Der Film ist ein Beispiel dafür, wie leicht man alles verderben kann.

Zunächst ist da die vordergründige, plakative Art der Vermittlung. Wenn der Stoff mit dem Dampfhammer daherkommt, damit es auch der Dümmste begreift, fühle ich mich als Zuschauer schon fast beleidigt. Die Szene, in der der Arzt seine frühere Geliebte verbal und ohne erkennbaren Anlass demütigt, ist der Gipfel dieser Übertreibungen. Statt die Aussage zu untermauern, wird durch die (gefühlt) nicht enden wollenden verbalen Entgleisungen das Ganze eher unsinnig, unglaubwürdig und bis zur Lächerlichkeit überspitzt.

Aber auch kleinere Übertreibungen, wie das in einer Szene viel zu lange und wiederholt in die Kamera gehaltene kranke Auge des alten Bauern, zeigen, dass der Regisseur nicht gerade Meister der subtilen und dafür manchmal umso eindringlicheren Darstellung ist.

Auf der anderen Seite tauchen einzelne Handlungsfetzen dagegen scheinbar unmotiviert aus dem Nichts auf, werden willkürlich einmal mehr und einmal weniger lange weiterverfolgt, um dann nie wieder aufgegriffen zu werden. Mögen das Rätselhafte und Bruchstückhafte auch gewollte Gestaltungsmittel sein, so tragen sie leider nicht zur Glaubwürdigkeit und Qualität des Films bei. Stattdessen hat es den Anschein, man habe sich aus dem Fundus altbekannter Klischees bedient (Mann missbraucht Tochter, strengstens ausgelebtes Patriarchat, Kinder sind böse zu Kindern, Feuer, Vater erhängt sich, ...) und diese zusammenhangslos aneinandergereiht, ohne daraus etwas Neues erschaffen zu können. Viele Szenen erscheinen überflüssig und bringen die Handlung nicht weiter. Aber es wird ja auch gar keine Geschichte erzählt, zumindest keine greifbare.

Wie so oft hat es auch bei diesem Film den Anschein, dass dem Drehbuchautor einfach kein gutes Ende einfiel und daher wieder einmal auf eine Lösung mit zu vielen offen bleibenden Fragen zurückgegriffen werden musste. Das wird dann als Absicht verkauft, da man ja zum Nachdenken anregen wolle.

Auch der bereits mehrfach diskutierten Grundaussage des Films stimme ich nicht uneingeschränkt zu. Das Ganze ist mir zu stark auf einzelne Aspekte gesellschaftlicher Befindlichkeiten reduziert und wäre aus meiner Sicht eine fatal vereinfachte Erklärung für die späteren grausamen Entwicklungen in Deutschland.

Übrig bleibt das fade Gefähl, dass hier mit aller Macht und allen nur verfügbaren Mitteln (Schwarzweisstechnik, Verzicht auf einen Film-Score, lange Kameraeinstellungen, künstliche Rätselhaftigkeit, ...) ein Kunstwerk geschaffen werden sollte. Die Chance wurde jedoch vertan. Dem Film fehlen eine clever erzählte, schlüssige Geschichte oder wenigstens ein identifizierbarer Fixpunkt, eine sorgfältig ausgewogene und dadurch um so eindringlichere Vermittlung der Aussage und ein geschickteres Ende, welches wahrscheinlich noch Einiges hätte retten können.
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