Kundenrezensionen

2
4,5 von 5 Sternen
5 Sterne
1
4 Sterne
1
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Rosenkavalier-Suite/Till Eulenspiegel/
Format: Audio CDÄndern
Preis:11,48 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Hardcore will never die, but you will ... dachte ich, als ich die Rezension meines Vorredners las. Diese von ihm hier bekrittelte CD ist durchaus nicht entbehrlich und das hat verschiedene Gründe.

Erinnern wir kurz an den genialen Celibidache, der sagte: "Musik ist nicht schön, sondern wahr. Die Schönheit ist nur der Köder". An Wahrem, Schönen, Guten auf Tonträger mangelt es gewiss nicht in millionenfachen Privat- und Rundfunkarchiven. Jedoch aus Totenschreinen dröhnt vernehmbar der Klageruf der vielen ungestorbenen Herren Waldemar. Die Tonträgerindustrie hat nahezu alles hypnotisiert und konserviert und dabei tatsächlich manch Entbehrliches am Sterben gehindert. Alles muss weiterleben, und was schon friedlich ruht, wird ausgegraben, zumeist von kundiger Hand. Doch die Abflüsse sind verstopft von auf ewig bejubelten Leichnamen - es sind immer die gleichen, wieder und wieder zugerichtet und uns aufgedrängt. Wo aber nichts abfließt und übergeht, bleibt Energie gebunden. Unsere musikalische Gegenwart leidet an zu viel (die Betonung liegt auf zu viel) Vergegenwärtigung - des Alten nämlich.

Hier wäre durchaus rüde Sorglosigkeit wünschenswert: auch einmal etwas vergessen zu können, oder (natürlich sinnfälliger und klüger) ein entspannter Umgang mit Wissen. Durchaus das Alte zu kennen, zu würdigen, nicht aber gebannt darauf zu starren und dabei das Neue, Andere, Eigene zu verlernen. Gerade dem Bayerischen Rundfunk als gewichtigem Teil der Medien sind neue Aufgaben auf eigenem Label für diese Interpretationen zugewachsen, das so den Transport und die Durchlässe für Neues bemüht und damit Grenzwände und Verstopfungen verhindert.

Zur Aufnahme ...

Geboten wird ein ideologisch wertfreier Richard Strauss in absolut musikalischer Lesart, die eine hervorragende künstlerische Leistung dreier Livemitschnitte zusammenfasst. Gerade weil es von der nicht selten geschmähten "Rosenkavalier-Suite", ein von Strauss zwar autorisiertes, aber im Urteil nicht weniger als uninspiriert zusammengeschustertes Machwerk gilt, eine Reihe von Alternativen gibt, hat man sich deren Herausgabe auf Tonträger sicher gut überlegt. Transparenz, Farbigkeit und Klangbild übertreffen - ein hoher Verdienst von Tonmeister und Toningenieur - selbst die Einspielung mit Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern. Klangfarben dominieren und eine fast gläserne (aber warme) Klarheit erfüllt die Gestaltung. Akkorde und rhythmische Figuren erscheinen als bedrohliche Gegenwelten. Das Orchester kling stets transparent und bei aller klanglichen Opulenz kammermusikalisch flexibel. Jansons zeigt, wie weit sich Strauss damit von Wagner entfernt hat. Im Vergleich dazu nimmt sich Lorin Maazels Aufnahme mit dem gleichen Orchester aus den 1990er Jahren wahrlich uninspiriert und angestrengt aus. "What a difference a day makes" gilt vor allem auch in der (Tonträger)Welt von Richard Strauss, den zum angestrengten Leidwesen aller politisch bemüht Korrekten in unserem Land auf ewig umstrittenen Komponisten und Musikologen.

Mariss Jansons stürzt sich bei "Till Eulenspiegels lustige Streiche" nicht nur auf das zirzensische Inventar der Partitur, sondern holt mittels eines exzellent breiten Farbspektrums zum großen Rundumschlag gegen das Spießertum, Gelehrtenattitüde und keifende Marktweiber aus. Hörner und Schlagwerk, die bei manchen Aufnahmen in typischer Rausschmeißermanier lärmend der gut erreichten Ausgeglichenheit (doch noch) den schmerzhaften Tritt versetzen, bleiben bei Jansons aus. Denn Till Eulenspiegel ist nur äußerlich ein Narr, tatsächlich aber ist er seinen Mitmenschen an Geisteskraft, Durchblick und Witz überlegen. Seine schmachtende Liebesseufzer gewinnen in Jansons Darstellung nachgerade szenische Präsenz, vom Orchester auf das Innigste zärtlich umgesetzt -: Wohlklang pur und ein Auskosten jedes idyllischen und turbulenten Moments, bis er am Galgen seine herrliche Seele aushaucht, kennzeichnen diese Aufnahme.

Anja Harteros und die "Vier letzten Lieder" sind mit dem Leben der Künstlerin schon eine symbiotische Einheit geworden, die sie innig und ergreifend zu vermitteln weiß. Trotz den Unwägbarkeiten eines Konzertmitschnitts verschmelzen Stimme und Orchester zu einem Ganzen. Auf der Werkliste von Richard Strauss bescheren diese von Todessehnsucht durchtränkten Gesänge einen der absoluten Höhepunkte seiner Rezeptionsgeschichte. Das hohe Einfühlungsvermögen der Sängerin in die jeweiligen Stimmungsgehalte und Textbezogenheit nimmt sehr für sich ein. Die Orchesterbegleitung ist warm, dezent, in sich geschlossen und dem Ernst der Musik vollkommen angemessen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. September 2010
mariss jansons ist derzeit der klassik-pr dirigenten-überflieger, den auch die kollegiale
zunft andernorts, sogar aus berlin und international versatil schätzt, offenbar gegen
seine private befindlichkeit, die gesundheitlich durchaus limitiert scheint.
denn alle betriebsamkeit hat ihren preis - auch im rahmen dieser
br-(bayerischer rundfunk mittschnitt) produktion, die sich gemäss neuerer marktstrukturen
als eigenes 'new label' positioniert.

das sinfonie-orchester des bayerischen rundfunks ist selbstredend über jeden künstlerischen
zweifel erhaben, ein orchester erster güte - allerdings nicht diese strauss-produktion,
die doch sehr routiniert aufspielt - gekonnt, professionell, aber nicht als standing andre überrragend.
hier klingt wenig mehr gegen kempes vergleichbare oder hvks hyper-klang-opulente einspielungen,
auch keinerlei 'plus' zur neuen einspielung der staatskapelle dresden
unter fabio luisi, dem schnell resignierten in dresden,
deren letzte lieder die harteros auch hier stimmlich opulent,
jedoch semantisch unterbelichtet und ebenso wenig artikuliert präsentiert.
ein vergleich mit der norman unter masur oder frau schwarzkopf wäre schlichtweg unseriös.
sodenn: eine durchaus gute, aber nicht unverzichtbare veröffentlichung aus münchen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen


Bella Voce
Bella Voce von Anja Harteros (Audio CD - 2014)