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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cineastisches Kintopp Märchen.
Jean Pierre Jeunet ist und bleibt der Mann für das "vollkommen andere Kino" in unserer Zeit. Da, wo im "intelligenten Neuzeitkino" alles nach Technik, künstlerischen Neuanfängen und kreativen, noch nie dagewesenen Ideen sucht, kramt Jeunet ganz tief in der Filmkiste von Opa und Oma und findet dort Schätze, deren Glanz und Glitzer wir vermutlich schon...
Veröffentlicht am 21. November 2010 von Thomas Knackstedt

versus
3.0 von 5 Sternen Typischer Jeunet Film
Sorgfältig gemacht, Geschichte weit hergeholt. Am besten in Französisch anschauen, um die Finessen nicht zu verlieren. Kein Action Film. Für Liebhaber
Vor 4 Monaten von Peter Binder veröffentlicht


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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cineastisches Kintopp Märchen., 21. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
Jean Pierre Jeunet ist und bleibt der Mann für das "vollkommen andere Kino" in unserer Zeit. Da, wo im "intelligenten Neuzeitkino" alles nach Technik, künstlerischen Neuanfängen und kreativen, noch nie dagewesenen Ideen sucht, kramt Jeunet ganz tief in der Filmkiste von Opa und Oma und findet dort Schätze, deren Glanz und Glitzer wir vermutlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr haben funkeln sehen. "Micmacs" ist so ein kleines Filmjuwel. Um in dessen Genuß zu kommen, müssen wir aber ein wenig Geduld aufbringen. Zunächst packt Jeunet uns den "Zuschauer-Koffer" mit allem voll, was wir für das Verständnis der Story brauchen. Dafür benötigt er eine, manchmal zähe und holprige, halbe Stunde. Danach allerdings schickt er uns, mit diesem Koffer, auf eine Reise, der wir nicht widerstehen können und die wir nicht vergessen werden. Phantastisch, kreativ, witzig, schräg, liebevoll, rührend...ja...das trifft es so ungefähr...

Bazil(Dany Boon), der Videothekengehilfe, hat früh seinen Vater verloren. Er wurde von einer Landmine, im Westen der Sahara, in die Luft gesprengt. Seine Mutter landete danach in der Klinik und Bazil im Heim. Jetzt hockt er in die Videothek. Als er dort eines Abends vor die Tür tritt, trifft ihn eine verirrte Kugel in den Kopf. Monate später findet er sich auf der Straße wieder. Die Kugel steckt noch immer in seinem Kopf, seinen Job und seine Wohnung ist er los. Da trifft Bazil Placard(Jean Pierre Marielle), ebenfalls ein Gescheiterter. Der nimmt ihn mit zu seiner "Familie". Einer Ansammlung von Menschen, die direkt aus dem Kuriositätenkabinett stammen könnten. Tambouille(Yolande Moreau) ist das Familienoberhaupt, dann gibt es noch den kleinen, starken Erfinder Petit Pierre(Michael Cremades), die Schlangenfrau Caoutchouc(Julie Ferrier), die menschliche Kanonenkugel Fracasse(Dominique Pinon), das Rechengenie Calculette(Marie-Julie Baup) und den Zitateschmied Remington(Omar Sy). Sie alle wollen Bazil helfen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Bazil kann sich nur an zwei Zeichen erinnern, die in seinem Kopf immer wieder aufleuchten. Die erkennt er bald als die Logos der Waffenfabrikanten Marconi(Nicolas Marie) und Fenouillet (Andre Dussolier) wieder. Bazil ahnt, dass diese beiden Schurken sein Leben, und das Leben seines Vaters, auf dem Gewissen haben. Ein paar Recherchen bestätigen genau das. Also macht sich Bazil, samt seiner neuen Familie, auf einen Rachefeldzug, der(im wirklichen Leben, wie im Kino) seinesgleichen sucht...

Wer aufpasst, erkennt es sofort. Jeunet hat seinen Helden in die Welt Chaplins versetzt. -Micmacs- würde in vielen Szenen auch ohnen Sprache funktionieren. So ausdrucksstark und mächtig sind die Gesten der Schauspieler und die Macht der Bilder, die Jeunet fabriziert. Egal, ob die Augen der Frauen, so wie in besten Stummfilmzeiten, dunkel geschminkt sind, oder Bazil wie dereinst Chaplin mit steifen Beinen vor der Kamera herumstakst. Nebenbei packt Jeunet noch ein paar Anspielungen auf Bogey und Bacall oder -Spiel mir das Lied vom Tod- in seinen Film hinein und lässt ein Auto ins eigene Filmplakat rauschen. Dieser Regiseur ist absolut grenzüberschreitend!

Von dem Moment an, als -Micmacs- die Erzählspur findet, gibt es kein Halten mehr. Traumhaft verspielt wickelt einen die Story ein. Ganz anders als -Die fabelhafte Welt der Amelie- und doch unverkennbar im gleichen Feuer gehärtet. Da gibt es Explosionen, die gigantisch sind; und Küsse, die man nicht vergisst. Da wird getanzt, geliebt, geprügelt und gelacht. -Micmacs- entwickelt sich zu einem Trip, der nicht enden soll.

Ich dachte immer: Kintopp ist tot. Da habe ich mich wohl getäuscht. Gepaart mit wunderbaren Kameraeinstellungen, hervorragenden Schauspielleistungen und einem extravaganten, unglaublich kreativen Regiseur, ist der Kintopp noch immer verdammt lebendig. -Micmacs-! Das sollten sie sich unbedingt anschauen!
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine riesige Bildertorte zum Reinbeißen, 10. Januar 2011
Von 
Alexander Jensko "kreaftwerk" (Lübeck und Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray] (Blu-ray)
Wirre und unüberschaubare Story* ist in der Tat etwas, das sich dem Jeunet-Streifen mit Fug und Recht vorwerfen ließe. Um den Plot geht es hier aber rein gar nicht, und wer das eimal verinnerlicht hat, der schaut und genießt. Stopp, was heißt hier "genießen" - da beißt sich der Zuschauer durch die vielschichtige cineastische Megatorte und entdeckt dabei neben immer neuen Füllungen und Rosinen immer mal wieder merkwürdig Bekanntes.

Denn Jeunet zitiert, was das Zeug hält - unter anderem sich selbst und seine üblichen Obsessionen: Pariser Dächer, Fluchtversuche in Wäschekörben oder Mülleimern, skurrile Rohrleitungen, nicht minder bizarre Maschinen, die so oder ähnlich auch bereits in Delicatessen & Co. zu bewundern waren. Das alles in der Jeunet-üblichen, warm-morbiden Bildbearbeitungs-Sauce, inmitten von opulenten Wahnsinns-Bühnenbildern, und diese - natürlich - mitten im Herzen des eigentlichen Heldes fast aller Jeunet-Filmen: Paris. Auch eingestreute, scheinbar zusammenhanglose Bilder (herrlich: das alte Ehepaar mit dem Westi im Bett) einschließlich digressiven Staccato-Kommentaren sind wie immer wahre Freude.

Die übliche Detailverliebtheit des Autors, die bekannten Gesichter der üblichen Verdächtigen, die suggestive, außergewöhnliche Kameraführung - das alles lässt die eigentlich alberne Story schnell ignorieren und sich auf das qualitativ über jeden Zweifel erhabene Bild zu konzentrieren. Zu der Bildqualität kann ich subjektiv nur sagen: Filme wie dieser rechtfertigen (ja geradezu verlangen!) die Ausgaben für einen BluRay-Player inklusive passenden Fernsehers. Der Film ist auf jeden Fall etwas zum mehrmaligen Anschauen.

* Da ich mit der Meinung nicht alleine bin, wurde in "Making of" auch dokumentiert - es lohnt sich, sich die "Auswertungsbögen" des "Testpublikums" zu dem Film näher anzuschauen. Auch hier ein Hoch auf die moderne Technik, in BluRay kommt die Handschrift gestochen scharf.

P.S. eigentlich wollte ich diese Rezension komplett in Idiomen und Sprichwörtern schreiben ;)
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ernstes Thema als skurrile Geschichte mit wunderbaren Ideen, 13. Januar 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
Der Film hat mir so gut gefallen wie schon lange keiner.Unter einem Schrottplatz in Paris lebt eine Gruppe Menschen,die in der bürgerlichen Gesellschaft nicht zurechtkommen oder Ausgestossene sind.Sie organisieren einen Feldzug gegen reiche und mächtige Waffenhändler.
Die Geschichte ist nicht sonderlich kompliziert,von den handelnden Personsn wird auch nur der Hauptdarsteller ausführlich gezeichnet,alle anderen Akteure werden nur durch ihre besonderen Begabungen unterschieden,die beiden Bösen richtigerweise nur durch ihr Aussehen und ihr Privatleben.
Hört sich nach einem US-Actionthriller an,ist aber viel besser.
Der Film ist prall gefüllt mit wunderschönen Ideen,wie es die Truppe mit Schrottplatzmaterial schafft,die gut geschützten Waffenhändler abzuhören,auszuspionieren,vor Wut schäumen zu lassen und aufeinanderzuhetzen.Natürlich gibt es auch Pannen und Rückschläge,auch liebevoll lustig dargestellt.
Ich habe mich köstlich amüsiert und mit den kleinen Würstchen mitgefiebert.Ich glaube,dass der Film mir so gut gefallen hat,weil er ein liebevoll gemachtes Gegenstück zu den üblichen Filmen mit gleicher Thematik ist,wo die guten Rächer noch bessere Technik haben,noch besser kloppen und schiessen können als die Bösen.
Ich kann diesen Film ohne Abstriche nur empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skurril und voller Hintersinn, 12. Juni 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
Das ist ein Film, den ich schon aufgrund seiner Detailfülle nachdrücklich empfehlen mag. Dabei ist die wundervoll kauzige Clochard-Familie, die den französischen Waffenhandel auf humorige Art vorführt, das eigentliche Highlight dieses ungewöhnlichen Streifens, der Kultcharakter hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundum gelungener Film, auch technisch., 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray] (Blu-ray)
Wunderbarer Film, der "...Amélie" in Dateilverliebtheit, Skuriller Charaktere und farbenfroher Kameraführung in Nichts nachsteht.
Ich war zuerst skeptisch, ob der Film das hält, was der Trailer verspricht - die Skepsis wich aber innerhalb der ersten Minuten und schlug in Begeisterung um.
Ein Film zum Lachen, schmunzeln und auch zum Nachdenken - Traumhaft!
Das Bild ist fast referenzwürdig, der Ton ist ebenfals sehr gut. Die Extras hätten ein wenig mehr sein können
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Feuerwerk an Kreativität, 2. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
Jean-Pierre Jeunet schafft es nun schon seit Jahren, mich mit irgendwie anderen Filmen zu erfreuen. Mit Filmen bei denen er stets seiner Ästhetik und seinem Stil treu blieb. Filmen über kleine Märchen- und Traumwelten, die mehr mit der Realität und dem eigenen Leben zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Filme, in denen das Innere der gezeigten Personen eine entscheidende Rolle spielt, die Gedanken und Bilder der überaus liebenswerten Charaktere. Schon seine frühen filmischen Projekte, "Delicatessen" und "Die Stadt der verlorenen Kinder" die er zusammen mit Marc Caro umsetzte, der sich später u.a. mit "Dante 01" einem komplett anderen Genre zuwand, spühten nur so vor Kreativität und bestachen durch ein ausgefeiltes Auge für die kleinen Momente, die uns doch all zu oft bekannt vorkommen. "MicMacs" stellt sich in eine Reihe mit Streifen wie "Amelie", "Mathilde" und den bereits genannten Kooperationen und schickt den Zuschauer erneut auf eine kleine Reise. Farbgewaltig, positiv detailverliebt und voller Witz und Charme erinnert er uns an den Film der 20er Jahre, in denen der Ausdruck und die Darstellung auch ohne Wort stattfand und mischt dieses mit der Technik und dem Blick der Neuzeit. "MicMacs" ist ein Feuerwerk für die Sinne, raffiniert gestaltet und gefilmt. "Wenn es unter den Pygmäen Zwerge geben würde, wie groß wären diese?" Großer Film!
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Waffen der Clochards, 7. August 2010
Von 
Tonio Gas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
© Tonio, filmkritik99.jimdo.com

Achtung: Dies ist eine reine Filmrezension.

Der Trailer verkauft "MicMacs" vollmundig als Komödie - vermutlich, weil Dany Boon die Hauptrolle innehat, bekannt aus "Willkommen bei den Sch'tis" (auch Regie). Dies ist nur zum Teil richtig. Zuallererst ist "MicMacs" ein Jean-Pierre-Jeunet-Film. Jeunet, das ist ein herrlich verspielter französischer Regisseur, der seine eigenen Kunstwelten schafft. Ein Paris, das immer ein bißchen gelblich-grün schimmert (oder schimmelt) und in der der Himmel stets wolkenverhangen ist. Ein schräges Figurenarsenal voller skurriler Underdogs, die der Zirkuszeit zu entstammen scheinen, als es noch waschechte Freaks unter den Gauklern gab. Eine mitunter surreale Kinetik mit düsentriebscher Ingenieurskunst, die sich wie ein Phoenix aus der Asche bzw. aus Blechschrott erhebt. Prall mit winzigen, witzigen, skurrilen Details gefüllte Bilder, gelegentlich in Weitwinkelästhetik, was von einer Verwandtschaft zu Terry Gilliam kündet. Nur hat Jeunet bei "MicMacs" eines nicht: Terry Gilliams Fähigkeit, den bunten Bilderreigen mit komplexen philosophischen Fragen zu verknüpfen, die mitunter bis zum Urgrund der Dinge ragen und faustisch werden, trotz aller losen assoziativen Enden. Nein, und das ist ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten hervorragenden Film: Die Kernaussage ist von einer gewissen Schlichtheit. Bazil (Dany Boon; der Rollenname erinnert an Gilliams "Brazil") hat seinen Vater durch einen gewaltsamen Tod verloren, und später landet durch Zufall eine Pistolenkugel in seinem Kopf. Zwar ist er irgendwann körperlich und geistig weitgehend wiederhergestellt (bloß dass er gelegentlich, um die Ruhe zu bewahren, Gedächtnistraining mit Fragen nach absurden Wirrnissen des Lebens betreibt, was teils mit Legetrickfilmchen à la Gilliam illustriert wird). Aber seinen Job hat er verloren und wird nach einiger Zeit als Clochard von einer bunten Truppe aufgenommen. Diese haust in Schrottbergen unter einer Brücke (inklusive eines selbstgebastelten Blechroboters erinnert das Setting stark an "Wall-E") und stellt aus Weggeworfenem Nützliches (oder auch nur zweckfrei Verspieltes) her. Hier treffen wir auf die typischen Jeunetschen Nachtschattengewächse, die Schlangenfrau, die menschliche Kanonenkugel usw., aber alle sind eine liebenswerte große Familie, die eisern zusammenhält. Mit diesem Trupp will es Bazil zwei verfeindeten Konkurrenten des schurkischen Waffenhandels zeigen, denn er kann deren Insignien in Verbindung mit der Kugel in seinem Kopf und derjenigen im Körper seines Vaters bringen. Außerdem hat er nichts zu verlieren, denn bei ihm könnte die inoperable Kugel sowieso jeden Tag sein Leben zerstören.

In der Tat, Waffenhändler ist kein Beruf mit einer guten Lobby, und mit Recht, desweiteren scheren sich die Feinde der "MicMacs" einen Dreck um das Außenwirtschafts- und Friedensvölkerrecht. Dennoch ist das Gut-Böse-Schema hier ein bißchen simpel. Einer der Waffenhändler etwa präsentiert seine Gewissenlosigkeit als viel zu überdeutliche Karikatur und hält eine Rede, zu der selbst einem Karlheinz Sch. die offenherzige Chuzpe gefehlt hätte und mit der jeder sofort ins gesellschaftliche und wirtschaftliche Abseits katapultiert worden wäre. Es geht nicht um komplizierte Fragen, es geht nur um ein "Wir gegen die". In einigen Szenen zeigt Jeunet, dass es ihm in seinem kunterbunten Panoptikum damit bitterernst ist und fällt auf das Niveau eines biederen Gutmenschenfilmes, wenn etwa den Waffenhändlern im genau richtigen Moment anklagend die Bilder verstümmelter Kinder-Opfer vorgehalten werden oder das Bild einer von der Abschiebung bedrohten Somalierin eingeblendet wird.

Doch diese Kritik trübt den Eindruck nur unwesentlich, denn die Art und Weise, wie die Clochards gegen das Großkapital vorgehen, ist einfach dermaßen originell und witzig (mit Anklängen an komplizierte Pläne aus Cartoons, mit denen etwa der Coyote endlich den Road Runner fangen will), dass man ihnen von Herzen den Erfolg wünscht und gönnt. Wenn man auf das "Wie" achtet, lässt sich selbst der Charakterisierung der Waffenhändler noch viel Überzeugendes abgewinnen. Einer ist der Choleriker, der Rimbaud zitiert und es wie Rambo klingen lässt - ihm gelingt es schlechter, in der Öffentlichkeit den Biedermann zu spielen. Beispielsweise sehen wir in einem nur scheinbar nebensächlichen parallelmontierten Detail, wie er Garnelen nur teilweise gepult in sich hineinfrisst, während der andere sie piekfein und anständig gepult auf seinem Teller drapiert. Doch was tut Letzterer danach? Er spießt fast alle davon hastig auf eine Gabel und schiebt sie sich ebenfalls hastig rein! Auch er kann nicht immer den Biedermann geben, sondern ist ein abgehobener Möchtegernlebemann, bei dem Grausamkeit und der Versuch des Stilvollen ferner dadurch gekennzeichnet ist, dass er sündhaft teure Reliquien wie einen Zahn von Marilyn Monroe und das Auge von Mussolini sammelt.

Im Laufe des Filmes zitiert Jeunet so manches: Von alten Humphrey-Bogart-Filmen erklingt mehrfach die Max-Steiner-Musik (auch zu den schwarzweißen Credits), was anzeigt, dass er nicht an der Oberfläche einer etwa tarantinoesken Zitierwut bleiben will, sondern Pathos durchaus schätzt und ein ernstes Anliegen hat. Das Cartoonhafte kommt außer in den erwähnten "Wall-E"-Anklängen durch einen Ausschnitt aus "The First Bad Man" des in Frankreich hochverehrten Tex Avery zum Ausdruck. In den Szenen auf den schiefen Dächern von Paris zitiert Jeunet sich selbst, inklusive des völlig nebensächlichen Blicks in eine Wohnung, in der ein Pärchen - genau wie in "Delicatessen" - mit Cello und singender Säge exakt das gleiche Stück wie im Vorgängerfilm spielt. Dies ist aber nicht Ideenarmut, sondern Zeichen, dass wir uns trotz aller Zitierwut in Jeunets ureigenem Kosmos befinden, in dem das Herz mit denen schlägt, die in verborgenen Schattenreichen von Paris ihrem heimlichen Tage-, äh, Nachtwerk nachgehen müssen. Diese Szenen mit rauchenden Schornsteinen vor einer bald monochromen Nacht erinnern allerdings auch an alten Slapstick, andererseits an expressionistische Filme der Zwanziger. Die hohen, kühlen Bauten und zackigen Insignien der Waffenfirmen haben dementsprechend einen Hauch von Metropolis, aber auch einen von Leni Riefenstahl und schließlich einen von Terry Gilliam. Dieser hatte die Dystopie "Brazil" in den angsteinflößenden Neubauten des Pariser Vorortes La Défense gedreht, die auf etwas zu kühle und viel zu große Weise Klassizismus und Moderne verbinden sollen. Man kann von dieser Zitierwut halten, was man will. Jeunet gelingt es aber trotz einer gewissen Einfachheit des Konfliktes, seinen Film nicht zur bloßen Nummernrevue verkommen zu lassen. Das Vorgehen der Clochards ist wie gesagt sehr originell und spaßig. Jeunet nimmt sein Anliegen ernst und verbleibt dadurch nicht (wie gelegentlich Tarantino) im wiewohl kunstvollen und kenntnisreichen Selbstreferenziellen. Seine bunte Truppe gibt dem Film Herz. Das sollte man nicht geringschätzen.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefühl einschalten! Logik abschalten!, 23. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - Uns gehört Paris! (DVD)
War etwas bange, als ich die vielen negativen Kritiken hier und auch von außerhalb überflog. Zum Glück kann ich für mich persönlich sagen, das die MicMacs zu den Perlen des Jeunet-Universums gehören. Mag sich mancher über fehlende Extras der DVD ärgern oder eine superintelligente Lifestyle-Kritik mit möglichst vielen Fremdwörtern schreiben, die eigentlich nur den Zweck hat, anderen zu zeigen, was man doch für ein tolles "Fachwissen" hat.
Ich verlasse mich bei Jeunet einfach auf mein Gefühl und genieße entspannt zurückgelehnt die Show. Man kann in diese Filme (Delikatessen, Stadt der verlorenen Kinder, Amelie) so vieles hineindeuten, wie man will. Was am Ende für mich persönlich bleibt, ist ein warmes Gefühl und die Hoffnung, das die Menschheit noch nicht am Ende ihres Weges angekommen ist, wenn wir versuchen miteinander zu leben, kreativ zu sein und jeden Menschen so akzeptieren lernen, wie er halt nun mal ist. Für mich ist Jeunets Liebe zum Detail nur noch vergleichbar mit Peter Jacksons Arbeit am Herrn der Ringe. Viele werfen dem Film Stagnation vor, aber der Mann sprüht im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen vor Kreativität. Er erschafft sein eigenes Universum, das ich immer sehr ungern verlasse. KÄMPFER DES LICHTS - Einfach mal reinschauen!
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22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jean-Pierre Jeunet - Magier des Kintopps, 9. September 2010
Von 
Norbert Zimmermann - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray] (Blu-ray)
02. Dezember 2010: Der Film überzeugt mich auf Blu-Ray mit einer HD würdigen Bildqualität und sehr guter Tonqualität. Die Extras auf Blu-Ray bestehen aus dem Audiokommentar des Regisseurs, dem Making Of, einer Fotogallerie mit Szenenaufnahmen aus dem Film und den deutschen und französischen Trailern. An ein Wendecover wurde auch gedacht.
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Wie es für Filme von Jean-Pierre Jeunet typisch ist, wurde der Farbraum des Filmes verfremdet, wodurch der Film durchgängig einen leichten Grünstich hat.
Der warme Grundton, den die Farben des Films dadurch ausstrahlen, unterstützt und trägt die Handlung des Films auf ähnlich charmante Art und Weise, wie dies auch der Filmmusik gelingt.

Der Film und alle Schauspieler strahlen eine Kreativität, Spielfreude und Leichtigkeit aus, wie ich sie sonst nur von Kanadischen Circussen kenne (Cirque Eloize und Cirque du Soleil).
Mir kommt es so vor, als hätte Jean-Pierre Jeunet in diesem Film zum ersten Mal seiner Kreativität und seinem Spieltrieb keinerlei Grenzen gesetzt.

Ich habe mir MICMACS bereits ein Mal Anfang September im Kino angesehen, und bin jetzt erneut genau wie damals dem Charme des Filmes voll und ganz erlegen.
Selten habe ich mich während einer Kinovorstellung so köstlich amüsiert, und konnte so oft lachen, wie bei diesem Film.
Beim erneuten Anschauen auf Blu-Ray ist der Film für mich sogar noch wesentlich sehenswerter geworden, weil mir jetzt viel mehr, der auf so spielerisch leichte Art präsentierten Einzelheiten, aufgefallen sind.

MICMACS ist eine Satire auf den internationalen Waffenhandel voll außergewöhnlich kreativer, skurriler und bizarrer Momente.
MICMACS ist Kino, das Mainstream und Zeitgeist links liegen lässt.

MICMACS ist für mich Jean-Pierre-Jeunets bezauberndster und schönster Film.

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So schaue ich mir meine Filme an:

TV: Panasonic Viera TX-P42S10E (Intelligent Frame Creation --> Aus)
BDP: Panasonic DMP BD 60
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartiges Gaunermärchen, 24. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray] (Blu-ray)
Es dürfte für einen Filmemacher nicht leicht sein, mit Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) im Gepäck ein neues Filmprojekt zu starten. Das Folgeprojekt Mathilde (2004) blieb deutlich in Amélies Schatten, und es vergingen fünf Jahre, ehe Jean-Pierre Jeunet einen neuen Film präsentierte.

"Micmacs" (2009) erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Bazil, der mit einer Pistolenkugel im Kopf leben muss, da er leider von einem Blindgänger getroffen wurde. Diese Kugel wurde von einer Pariser Waffenfirma hergestellt, was Bazil daran zurückerinnert, dass sein Vater vor vielen Jahren bei der Entschärfung einer Landmine ums Leben kam, die von einer anderen Pariser Waffenfirma gebaut wurde. Bazil, der, nachdem er von der Kugel getroffen wurde, arbeits- und wohnungslos ist, freundet sich mit einer Gruppe Clochards an, die ihm bei seiner Mission helfen möchte: Die beiden Waffenfirmen gegeneinander auszuspielen.

"Micmacs" strotzt vor verrückten Ideen und tollen Bildern. Der Film unterhält durch seine skurrilen Eigenheiten und seine wunderbare Situationskomik. Alle Schauspieler sind fantastisch, und der Film kommt, was seine virtuose Energie angeht durchaus an Jeunets großen Wurf "Amélie" heran. Was ein wenig fehlt, ist die Spannung. Da man nicht weiß, worauf Bazil und seine Komplizen hinaus wollen, kann man auch nicht wirklich mitfiebern. Die politische Botschaft ("Waffenhändler sind böse") verpufft in Anbetracht der Verdrehtheit der Geschichte ebenso wie die Spannung. Auch die Frage, ob die in der Geschichte versteckten Liebespaare am Ende zueinanderfinden, ist für den Zuschauer zweitrangig. Da der Film jedoch allein durch den Bilder- und Ideenrausch wunderbar unterhält, ist das im Grunde zweitrangig. Jeunet ist mal wieder ein toller Film gelungen. Hoffentlich lässt er weitere folgen.
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Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray]
Micmacs - uns gehört Paris! [Blu-ray] von Jean-Pierre Jeunet (Blu-ray - 2010)
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