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TOP 500 REZENSENTam 3. November 2008
Viele die diesen Film sehen tun ihm Unrecht, schalten zum Beispiel nach der Hälfte gelangweilt oder angewidert ab und sagen, er sei überbewertet.
So einfach kann man es sich nicht machen.
Nicht umsonst war dieser Film viele Jahre lang der einzige deutsche Film, der im Ausland den Oscar als bester Auslandsfilm bekommen hat. Und auch wenn einem die ungewöhnliche Geschichte unbehaglich ist, lässt sich die künstlerische Qualität nicht wegleugnen.
Auch wenn die pöbelhaften, ungebildeten Figuren den intellektuellen Betrachter mit Abscheu erfüllen - wie sonst gäbe der Film Sinn ? Schließlich ist es die Unzulänglichkeit der Erwachsenenwelt, die hier im Mittelpunkt steht und weswegen der (hervorragend von David Bennent verkörperte) Oskar Matzerath beschließt, nicht dazugehören zu wollen und dagegen trommelnd zu protestieren.
Ohne das Buch gelesen zu haben, erlaube ich mir von einer bemerkenswerten Verfilmung zu reden, die ein Fest für Geist und Auge ist und an Feiertagen (an denen man genug Zeit hat) immer wieder mal in den DVD-Spieler geschoben werden sollte.
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am 21. März 2008
Dass sich Grass' "Blechtrommel" verfilmen ließe, hätte ich durchaus bezweifelt, bevor ich den Film sah -- die Romanhandlung ist dermaßen vielschichtig und perspektivisch gebrochen, dazu die unendlich vielen Nebenhandlungen und -motive... und dann noch die Schwierigkeit, den geeigneten Hauptdarsteller zu finden.
Schlöndorff hat nun die Romanhandlung "auf Linie" gebracht; wie man hört, unter tatkräftiger Mitarbeit von Günter Grass. Das Ergebnis ist frappierend. Viele Nebenhandlungen werden nur angedeutet, und im Gegensatz zum Roman endet der Film mit der Flucht aus Danzig. Eine kluge Entscheidung, finde zumindest ich, denn nicht nur hat mich der Romanteil, der im Nachkriegsdeutschland spielte, weniger überzeugt -- durch die Beschränkung aufs Wesentliche wird der Film zu einem in sich ruhenden Ganzen.

Scheinbar geht es um die Geschichte des kleinen Oskar Mazerath (David Bennent), 1924 in Danzig geboren. "Scheinbar", das heißt nämlich: Oskars Geschichte beginnt viel früher, weit vor seiner Geburt, mit seiner Großmutter Anna Bronski (Bertha Drews) und der Zeugung seiner Mutter Agnes (Angela Winkler) -- oder noch früher, wer weiß. Die Anfänge sind in archaischen Bildern festgehalten.
Agnes wird sich zeit ihres Lebens nicht zwischen zwei Männern entscheiden können: ihrem bodenständigen, "vernünftigen" und etwas lächerlichen strammdeutschen Ehemann Alfred Mazerath (Mario Adorf) und ihrem schönen, galanten und eleganten kaschubischen Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski); schon den Vater des kleinen Oskar wird man nie recht bestimmen können. An seinem dritten Geburtstag beschließt Oskar, nicht mehr zu wachsen, und tarnt diesen Entschluss durch einen Sturz von der Treppe; damit ist den logischen Bedürfnissen der Erwachsenen Genüge getan. An jenem Geburtstag bekommt er, wie bei seiner Geburt prophezeit, seine erste Blechtrommel, die ihn fortan begleiten wird. Außerdem stellt sich bald heraus, dass er über eine besondere Gabe verfügt: Er kann Glas zerschreien, und diese Fähigkeit wird er immer wieder als Waffe, aber auch gelegentlich zu Liebeserklärungen und zur Unterhaltung einsetzen.

Oskar wächst also im Danzig der 1920er und 1930er Jahre auf, man erlebt mit ihm das Aufkommen von Nationalsozialismus und den Novemberpogrom im unabhängigen Stadtstaat, schließlich den allseits bejubelten "Anschluss" ans Deutsche Reich und den Kampf um die Polnische Post in Danzig, den Zweiten Weltkrieg, den Einmarsch der Roten Armee und die Flucht. Oskar nimmt an der Geschichte teil, mal verweigernd, mal kommentierend, aber auch aktiv, als Mitglied von "Bebras Fronttheater" zur Unterhaltung der Wehrmacht.

In die Geschichte integriert ist die Familiengeschichte der Mazeraths und der Bronskis, das lächerliche "Deutschtum" von Vater Mazerath ebenso wie Jan Bronskis Option für Polen (die Bronskis sind Kaschuben, und die sind, wie am Ende die Großmutter bemerkt, "nicht richtig deitsch und nicht polnisch genug").

------ SPOILER-Beginn ----------------------
Außerhalb der großen Geschichte bestimmt Oskar die Geschicke der Familienmitglieder: Er "trommelt seine arme Mama ins Grab", nachdem er zuvor noch ihre Absolution von den Sünden trommelnd verhindert hat; er führt seinen Onkel und mutmaßlichen Vater Jan Bronski in den Tod, indem er ihn an dem Tag in die Polnische Post zerrt, als die Wehrmacht in Danzig einmarschiert; er schwängert womöglich Maria (Katharina Thalbach), die 16jährige Geliebte seines Vaters, und auch bei diesem Kind, Kurtchen, wird man den Vater nicht bestimmen können; er zwingt beim Einmarsch der Russen seinen Vater dazu, sein Parteiabzeichen zu verschlucken -- mit tödlichem Ausgang. Oskar, nun 21 Jahre alt und Waise, beschließt, wieder zu wachsen.
Am Ende verlässt Maria mit Kurtchen und Oskar die Stadt, zurück bleibt die archaisch-unerschütterliche Großmutter.
------ SPOILER-Ende ------------------------

Der Film zeigt diese Geschichte(n) in mehr oder weniger locker verbundenen Szenen, die Kamera nimmt oft ungewöhnliche Perspektiven ein, verweilt immer wieder auf nur scheinbar Nebensächlichem, und führt so zu unvergesslichen Bildern: Etwa wenn Oskar bei einer Parteikundgebung den Badenweiler Marsch in den Donauwalzer umpolt, oder in der berühmten Szene mit den Aalen (empfindsamen Gemütern sei's gesagt: Im Buch ist das noch viel ekliger), bei der Verteidigung der Polnischen Post und Jan Bronskis letztem Skatspiel, und vielen weiteren. Der Film lebt von solchen Szenen, und dabei bleibt stets der Zusammenhang erhalten; die effektvollen Bilder sind niemals Selbstzweck.

Diese Einzelszenen wiederum leben von der Klasse der Schauspieler -- allen voran natürlich der selbst kleinwüchsige David Bennent, dessen Oskar weniger boshaft und dafür anrührender als die literarische Vorlage wirkt, aber auch die anderen: Angela Winklers Darstellung der Agnes überzeugt von der ersten Szene an und gipfelt darin, wie sie sich verzweifelt mit Fischen vollstopft. Ebenso phantastisch sind Daniel Olbrychski als unwiderstehlicher Jan Bronski oder Charles Aznavour als Spielzeughändler Sigismund Markus oder Katharina Thalbach als Maria -- und alle anderen auch. In der "Blechtrommel" sind selbst die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt.
Aber was einem erst nach mehrmaligem Sehen auffällt: Die wahre Hauptperson, die alles zusammenhält auf allen Ebenen, ist die kaschubische Großmutter. Wann immer sie in Erscheinung tritt, beherrscht und bestimmt sie alles, ohne direkt eingreifen zu müssen. Es liegt an der unglaublichen Präsenz Bertha Drews', dass dieser Film das ist, was er ist: Ein Meisterwerk!
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am 22. April 2010
Nee, was sind die Erwachsenen für ein widerliches Pack, denkt sich Klein-Oskar und beschließt mit drei Jahren, das Wachstum einzustellen.
Diese auch heute immer noch faszinierende Grundidee wurde dank Günter Grass zu einem Klassiker der Literatur und dank Volker Schlöndorff zu einem Meilenstein unter den Literaturverfilmungen, nicht zuletzt dank des kleinwüchsigen David Bennent in der Rolle seines Lebens.
Zum 80. Geburtstag von Herrn Grass erschien eine umfangreiche Deluxe Edition zu dem Film, der über 20 Jahre lang der einzige deutsche Spielfilm war, der den Oscar als bester Auslandsfilm einstreichen durfte.
Der Regiekommentar ist sehr angenehm zu hören, da Volker Schlöndorff eine überaus wohlklingende Stimme hat, und wenn alle Gegner dieses Films die Kommentierung hören könnten, würde den meisten doch klar werden, warum der Film Kunst ist und kein Dreck.

Weitere Specials:
- Interview mit Eberhard Junkersdorf (Produzent)
- Dokumentation "Erinnerungen von Volker Schlöndorff" (alles Wissenswerte über die Skandal-Szene in der Umkleidekabine)
- Dokumentation "Der Unbequeme - Der Dichter Günter Grass"
- Auszüge aus dem Drehbuch
- geschnittene Szenen
- Georg Seeßlen: Die Blechtrommel (100 Seiten)
- Fotogalerie
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am 29. September 2013
Folgendes ist meine Meinung zu dem Film:
-geniale Schöpfung der Figur des Trommlers Oskar Matzeraths.
-geniale Darstellung einer derben Durchschnitts-Familie in Danzig
-viele skurille Situationen und skurille Darsteller
-kaum eine Szene, die nicht durch ihre Phantasie fasziniert
-durchweg gut geschauspielert
-viele Nebengeschichten, die alle an dem Strang von der Geschichte von Oskar dem Trommler hängen
-eine National-sozialistische Veranstaltung, die an den Untertan von Heinrich Mann
erinnert
-durchweg ein unterschwelliger, erheiternder, leicht böser, Humor
-zurecht ein deutscher Film, der den Oscar bekommen hat und die Kritiker begeistert
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am 11. Februar 2012
Aber nicht nur das, der dieser neue Director's Cut hier besticht auch durch ganz andere Umschnitte der "alten" Handlung ... und durch die erweiterten Szenen macht vieles nun auf einmal plötzlich Sinn.

Wie kann es sein, das so ein Klassiker radikal gekürzt wurde all die vergangenen Jahre ? Sorry, - jeder kann von diesem Film für sich allein jetzt halten, was er möchte. Aber hier früher so einfach wichtige Handlungen heraus zu schneiden ist echt ein absoluter Frevel gewesen !

Hinweis: ich will den Film hier garnicht versuchen, hochzuloben bzw. anzupreisen.

Er ist nun mal zu kontrovers dafür, immer wird es geteilte Meinungen dazu geben.

Ich mache nur mal darauf aufmerksam, das, weil früher eben etwas zensiert darin war, diese Geschichte natürlich nicht richtig überzeugen konnte (vor allem jene, die gleichzeitig auch das Buch dazu gelesen haben).

Also war es verständlich, das er floppte ...

Schauen sie sich bitte den Schnittbericht dazu an, - vorrausgesetzt, man kennt die Handlung halbwegs aus dem Kopf.

Darin ist nun zum ersten mal richtig klar, sogar bebildert, zu ersehen, größtenteils allein wegen seiner früheren Schnitte war dieser Film bisher immer mehr eine Enttäuschung gewesen.

Vergleich zwischen der alten DVD - Fassung und dieser neuen (Director's Cut)

alte Fassung: 133, 44 Min. ohne Abspann (135, 47 Min. mit)
Director's Cut: 154, 05 Min. ohne (156, 08 Min. mit)

insgesamt sind nun neu: 18 Erweiterungen, - inklusive 10x Alternativmaterial
an der bisherigen Handlung verändert: 3 Umschnitte

- die reine Differenz ergibt nun dadurch: 20:21 Min. (längere Fassung)

davon zusätzliches Material der alten Fassung: 61, 4 Sekunden = 1, 01 Min.
neues, zusätzliches Material Director's Cut: 1282,4 Sekunden = 21, 22 Min.

Zum 1x wird jetzt einfach viel ausführlicher auf die Beziehung von Jahn Bronski und Oskar Matzerath eingegangen (Vaterschaft).

Zum 1x ist Mario Adorf nicht nur als ein reiner Mitläufer hier zu sehen. So, wie es bisher immer durch die alte Fassung wirkte !

Auch das gesamte Ende des Film's gestaltet sich jetzt dadurch gleich (eben bedingt, so, wie nun seine Figur hier "neu" angelegt ist) viel tragischer.

Ebenso kommt der Figur Maria (Katharina Thalbach) nun ein völlig anderer Charakter zu. Sie hat nun absolut kaum noch sympathische Züge an sich.

Und, die weiter hinzugekommenen Szenen lösen nun endlich einige Fragen auf, die jedem Zuschauer vorher all die Jahre durch den Kopf gegangen, - dh. sollte man den Film gut genug kennen.

Es gibt und gab ja schon vergleichbare Beispiele - "F.I.S.T. - ein Mann geht seinen Weg", 1978, mit Sylvester Stallone (auch hier ist die deutsch veröffentlichte DVD - Auflage brutal zerstückelt und man bekommt diesen Film nicht ungeschnitten !), oder auch, zum Vergleich die beiden (alte Version, 180 Min. - neue Fassung, 240 Min. Laufzeit) , jeweiligen Fassungen vom Film: "der mit dem Wolf tanzt".

In diesen beiden Filmen ergibt ebenfalls vieles kaum auf Anhieb Sinn, aber nur, weil total ohne nachzudenken einfach etwas entfernt wurde, meißtens aber bei solchen verhunzten Auflagen die Anschlußszenen dazu immer noch fragmentarisch bestehen.

Was hier all die Jahre also betrieben wurde, ist ein absolute Frechheit, so, als ob man jemanden ein Buch verkauft ... vor der Übergabe aber ein paar Seiten davon willkürlich heraus reißt. In dieser erweiterten Fassung ist der Film jetzt also wirklich absolut empfehlenswert !
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am 15. Januar 2014
Eigentlich ein total widerlicher Film über unselige Ereignisse unserer jüngeren Geschichte, aber eben ein unverzichtbares Zeitdokument. Auch wenn die Lektüre alles andere als angenehm ist, sollte doch jeder diesen Film gesehen haben Der Inhalt ist schnell erzäult. Der kleine Matzerath findet die Erwachsenenwelt so eklig, dass er nicht erwachsen werden will, also sein Wachstum einstellen will...
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am 23. Dezember 2013
Da ich diese DVD im Auftrag gekauft habe, war ein Geschenk und der für wen ich bestelle hat kein Prime, kann ich selber nichts
dazu schreiben.
Ich weis aber, dass der Beschenkte sich den Film gewünscht hat und sehr zufrieden damit ist.
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am 4. April 2010
Die Blechtrommel war im Jahr 1979 bereits ein Muss. Damals war die Umsetzung des Romans in diesem Film und Volker Schlöndorff in aller Munde. Wir haben stundenlang die Romanvorlage mit dem Film verglichen und die Form der Erzählung von Günter Grass diskutiert.

Der Film ist und bleibt ein Klassiker, der in die Videothek gehört. Ihn aus dem zeitlichen Zusammenhang zu reissen ist verkehrt und einige der negativen Kritiker haben wohl diesen Grundsatz vergessen.

Wie immer - und gerade die Blechtrommel - polarisiert diese Form der Literatur und natürlich auch der Film. Ansehen genissen und die Zeit zurückdrehen. Und dabei ein wenig schmunzeln, wie verbissen manche Dinge im Jahr 1979 diskutiert wurden.

Die Qualtität der DVD ist OK - die ARTHAUS-Collection bietet ein wenig Basisinfos zum Film.
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am 25. November 2010
Alles super gelaufen! Die DVD erfüllt alle in sie gesetzten Erwartungen!!
Wärmstens zu empfehlen! Preis - Leistung stimmen optimal überein!
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am 4. Februar 2009
Spießer sollten dieses Buch nicht lesen. es ist nicht nur verdammt hart in der Ausdrucksweise, sondern entlarvt so manches Verhalten. Brutal und schonungslos wird der Protest eines Kindes (!) gegen Nazis und Mitläufer im 3ten Reich ausgedrückt. Dabei werden Personen und Schicksale verwoben und ein stimmiges Bild der Nazizeit aufgezeigt. Ich war nicht dabei, aber ich finde Buch und Film sind ein Muss. Deshalb 5 Sterne!
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