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am 21. Juli 2010
Der Journalist und Autor Robert Harris lieferte mit seinem mehrfach ausgezeichneten Roman "The Ghost" die Vorlage für den nun von Roman Polanski vorgelegten stimmigen Thriller "The Ghostwriter". Robert Harris schrieb das Buch zu einer Zeit, in der er gleichzeitig mit Polanski an der filmischen Umsetzung eines weiteren Romans, "Pompeii", beschäftigt war. In einem Interview sagte Harris, dass diese Zusammenarbeit dafür sorgte, dass "The Ghost" von der filmischen Arbeit Polanskis geprägt wurde. Diese Freundschaft führte dazu, dass auch an dem Drehbuch zu "The Ghostwriter" zusammengearbeitet wurde und dabei ein stiummungsvoller und bildgewaltiger Film entstand, der erste Streifen nach "Chinatown", den Roman Polanski wieder in den USA ansiedelte.

Der namenlose Ghostwriter "Ghost" wird von seinem Agenten davon überzeugt, dass er für eine Menge Dollars die Memoiren des ehemaligen Premierministers Adam Lang zu Ende schreibt. Lang selber liefert das mehrere hundert Seiten starke Manuskript und so ist es an "Ghost", unter massivem Zeitdruck ein stilistisch ansprechendes Buch zu verfassen, welches als "Adam Lang - mein Leben" den Weg in die weltweiten Buchläden findet. Adam Lang lebt mit seiner Frau Ruth, seiner Assistentin Amelia Bly und einem kleinen Stab bestehend aus Bodyguards und Beratern zurückgezogen auf der Atlantikinsel Martha's Vineyard. Das dortige Anwesen gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Dieser und der Umstand, dass der vorherige Autor, ein Freund des Premierministers ausser Dienst, an den Folgen eines mysteriösen Unfalls verstarb, schreckt "Ghost" nicht davon ab, auf die Insel zu reisen und seine Arbeit aufzunehmen. Schon bald wird klar, dass einiges nicht stimmt. Sowohl das zerrüttete Verhältnis zwischen dem Ehepaar Lang, als auch die Tatsache, dass das Manuskript wie ein Schatz gehütet wird, welches den Weg aus dem Safe nur unter Aufsicht zur Bearbeitung vor Ort findet, lassen frühzeitig darauf schliessen, dass es um weit mehr geht, als das Verfassen einer Biographie. Als Adam Lang von der Presse beschuldigt wird, an Folter und Kriegstreiberei im Kontext des Irak-Krieges aktiv beteiligt gewesen zu sein und "Ghost" die Hinterlassenschaft des tödlich verunglückten Vorgängers findet, bestehend aus Fotos und einer Telefonnummer, wandelt sich "Ghost" vom Schreiber zu einem investigativ arbeitenden Journalisten und ist schon bald einer Verschwörung auf der Spur, in der Geheimdienste und Waffenlobbyisten verstrickt zu sein scheinen. Bevor er sich versieht, ist er in tödlicher Gefahr und versucht von nun an den Schlüssel des Geheimnis in dem Manuskript und den gefundenen Fotos zu finden.

"The Ghostwriter" ist ein stimmiger und fantastisch gefilmter Politstreifen, der nicht mit Action geladenen Bildern und mit Specialeffects daherkommt, sondern, wie es für Roman Polanski typisch ist, eine langsam aufbauende Geschichte erzählt, deren Spannungsbogen zum Ende hin an Fahrt aufnimmt und ein Ende präsentiert, welches vielleicht ein wenig konstruiert wirkt, den Zuschauer dennoch in seinen Bann zieht, ein Publikum welches über weite Strecken auf eine undurchschaubare Fährte gelockt wird. Es sind diese kleinen Momente, die Beziehungen zwischen den einzelnen Rollen, die Kulissen und Drehorte, die karge und bedrohliche Winterlandschaft der Insel Sylt, samt der stürmischen Nordsee, welche die latent düstere und bedrohliche Stimmung des Films unterstreicht, und es sind die großartigen Schauspieler und deren Leistungen, die "The Ghostwriter" zu etwas besonderen werden lassen. Ewan McGregor als "Ghost", einer Rolle die ihm wie auf den Leib geschnitten ist, der zweifelnde und manchmal unentschlossen wirkende Schreiber und Autor, der Teil einer politische Intrige wird, dieses aber lange versucht von sich abzuweisen, da er nur einen Job macht, der mit Politik nichts zu tun hat. Pierce Brosnan, den ich im Gegensatz zu vielen anderen für seine schmierigen und aalglatten Rollen stets geliebt habe und der hier nach Filmen wie "After The Sunset", "Laws Of Attraction" und "Der Schneider von Panama" in der Rolle des unnahbaren und doch verletzlichen ehemaligen Premierministers Adam Lang zu glänzen weiss. Auch die weiblichen Hauptrollen sind mit Kim Cattrall, die mir bisher nur als sexsüchtige und konsumgeile Samatha in "Sex And The City" aufgefallen ist und die in "The Ghostwriter" die machtbesessene und attraktive Assistentin Amelia Bly spielt und Olivia Williams, als die Ehefrau Ruth Lang, von deren Rollen man zunächst annimmt, dass die Verletzbarkeit, die Verbissenheit und die gekränkte Eitelkeit auf das gestörte Verhältnis zu ihrem Mann zurückzuführen ist, fantastisch besetzt.

"The Ghostwriter" ist ein empfehlenswerter Politthriller der stillen und kleinen Momente, der als eine Art Verweis, mit dem dazugehörigen Augenzwinkern, auf die politische Realität dieser Zeit gesehen werden kann. Roman Polanski, der sich in der letzten Zeit mit seiner unrühmlichen Vergangenheit herumschlagen musste, überzeugt auf ganzer Linie und beweist erneut, dass er in einem Atemzug mit Regisseuren wie Scorsese oder Coppola genannt werden muß. Ende nächsten Jahres kann man dann auf ein weiteres Highlight von ihm gespannt sein.
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am 25. September 2010
"Der Ghostwriter" ist ein ruhiger, abgründiger Politthriller. Weder beginnt er spektakulär, noch endet er spektakulär. Und dennoch erzeugt er von der ersten Minute an eine unterschwellige Spannung, die den Zuschauer wie ein Sog mit sich zieht.

Welch spektakulären Zündstoff enthalten die Memoiren des Ex-Premierministers Adam Lang? Wie ist der Vorgänger des Ghostwriters ums Leben gekommen? Welche Rolle spielt die Ehefrau des Ministers? Warum verfrachtet man den Ghostwriter für die Wochen des Schreibprozesses auf eine abgelegene Insel? Warum bedrängen ihn all die zwielichtigen Gestalten? All diese und mehr Fragen drängen sich auf, und werden zum Ende hin logisch und stimmig aufgelöst. Keine abstrusen Twists, sondern die konsequente Zusammenführung zuvor gestreuter Hinweise.

Wer Polanskis Filme kennt, weiß dass man auch hier ein wenig Geduld mitbringen muss. Wer auf rasant geschnittene Thriller, Verfolgungsjagden im Minutentakt und ähnlichem steht, könnte sich hier schnell langweilen.
Die Inszenierung ist ruhig, viele Details und Unstimmigkeiten werden nur subtil angedeutet, und es dauert ein wenig, bis der bald dramatische Handlungsverlauf so richtig in Schwung kommt. In diesem Sinne ist es ein fast schon altmodischer Film, was das Sehvergnügen aber keineswegs schmälert. Auch die finale Filmszene beantwortet zwar die noch offen stehenden Fragen, ist aber zugleich wieder so ambivalent und bitterböse, dass sich neue Fragen auftun und einen noch über den Abspann hinaus beschäftigen. So sollte es auch sein.

Handwerklich ist der Film auf höchstem Niveau umgesetzt. Meisterregisseur Roman Polanski zieht im Hintergrund mit sicherer Hand und viel Feingefühl die Strippen. Vor der Kamera glänzen Ewan McGregor, Pierce Brosnan und Olivia Williams in ihren jeweiligen Rollen. Optisch ist der ganze Film in düsteren und bedrückenden Grau- und Blautönen gehalten. Alle Handlungsorte stehen in einem diffusen Licht, was auch die zwiespältigen Charaktere unterstreicht.

Kein Popcorn-Kino, kein Film den man sich mal eben zur reinen Unterhaltung anschaut. Stattdessen ein tiefgründiger, spannender und nachdenklich stimmender Politthriller. Und das wiederum ist ja dann für manche auch perfekte Unterhaltung.
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Selbst wer den Politbestseller "Ghost" von Robert Harris kennt, dürfte bei diesem Film einige Überraschungen erleben. Denn obwohl der Regisseur Roman Polanski bei diesem Projekt eng mit dem Autor zusammengearbeitet hat, steht der Film auch für sich selbst, was man auf jeden Fall positiv bewerten kann. Ewan McGregor ("Big Fish") spielt einen jungen Briten, der von seinem Manager den gutbezahlten Job vermittelt bekommt, als Ghostwriter für die Memoiren des ehemaligen Premierministers Adam Lang zu arbeiten. Allerdings hat der Job einen unübersehbaren Haken, denn die Leiche seines Vorgängers wurde erst kürzlich an den Strand gespült. War es Selbstmord oder ein tragischer Unfall? Als der neue Ghost im Strandhaus des Politikers ankommt, erkennt er schnell, dass er in ein Schlangennest getreten ist. Jeder scheint hier etwas zu verbergen. Und was hat es mit dem Manuskript von McAra, seinem Vorgänger auf sich, welches anscheinend eine dunkle, höchst brisante Wahrheit ans Licht bringen sollte?

Ewan McGregor beschreibt den Charakter seiner Rolle als unbeeindruckt. Er spielt einen professionellen Ghostwriter, für den die Person oder der Stellung seines Auftraggebers nicht besonders ins Gewicht fällt. Ob Popsternchen oder Politiker möchte er den Unterhaltungswert der persönlichen Geschichte seines Gegenübers in Worte fassen, die den Leser nicht auf den ersten paar Seiten einnicken lassen. Als er jedoch das Manuskript seines Vorgängers im Büro von Lang ein erstes Mal durchgeht, fallen ihm bald die Augen zu. Misstrauisch beäugt von Langs persönlicher Betreuerin Amelia Bly (ziemlich sexy: Kim Cattrall) und von der Ehefrau des Politikers, Ruth Lang (Olivia Williams, "An Education") ermuntert, versucht er einen eigenen Eindruck von Adam zu erhalten. Allerdings spitzt sich die Lage in dem ohnehin ziemlich abgeschotteten Domizils der Langs zu, als in einem Fernsehinterview gefordert wird, den ehemaligen Premierminister wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Gegen seinen Willen wird der Ghost, der bisher der einzige Gast im Hotel des sonst so verlassenen Ortes war, in das ehemalige Zimmer von McAra im Strandhaus einquartiert, um den eingetroffenen Demonstranten und Journalisten keine Angriffsfläche zu bieten. Als er den Kleiderschrank ausräumt, stößt er auf einen Umschlag mit verwirrenden Informationen. McAra, der jahrelang als treuer Berater von Lang tätig war, schien tatsächlich an einer geheimnisvollen und brisanten Geschichte aus der Politvergangenheit seines Arbeitgebers dran gewesen zu sein. Hat ihn diese Sache letztlich auch das Leben gekostet? War dieser ominöse Unfall in Wirklichkeit Mord? Was hat der erste Ghostwriter herausgefunden? Wird sich sein Schicksal an seinem Nachfolger wiederholen, oder wird die Wahrheit ans Licht kommen?

In dem Film dominieren kalte Farben und klare Linien, die eine bedrohliche und spannende Atmosphäre schaffen. Das Strandhaus ist nicht heimelig mit Holzdach und wärmenden Kaminfeuer, sondern gleicht von außen einem kastenförmigen Gefängnis und ist innen sehr modern und distanziert eingerichtet. Von Anfang an fordert der Film die Aufmerksamkeit des Zuschauers, der die selbstironische Art des namenlosen Helden schätzen lernt und mit ihm die Bewohner der neuen Umgebung in Augenschein nimmt. Die Dialoge sind geistreich und unterschwellig von den Empfindungen des einzelnen geprägt. Da sich der Fokus hauptsächlich auf vier Personen beschränkt, fällt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Charakteren relativ leicht. Obwohl fast permanent eine gefährliche und aufgeladene Stimmung herrscht, kommt die Geschichte fast völlig ohne Gewalt aus, was sehr angenehm ist. Wie Robert Harris in einem Interview zugibt, ist er von der Energie und der Dynamik von Hitchcocks Werken schwer beeindruckt, was auch die filmische Umsetzung des Ghostwriters beeinflusst haben mag.
Leser des Romans können sich bestimmt noch an eine gewisse Schlüsselszene erinnern, die hier nicht näher beschrieben werden soll, um die Spannung nicht zu verderben. Daher soll nur angemerkt werden, dass diese Szene im Film aufgegriffen und phantastisch ausgeleuchtet wurde. Auch wenn die Figuren etwas verändert wurden und zum Beispiel Adam Lang längst nicht so charismatisch herüberkommt, wobei Pierce Brosnan sich manchmal nicht in der Lage zu fühlen scheint, die dargestellte Person eindeutig als gierigen Machtmensch oder als engagierten Gutmenschen zu spielen, ist die filmische Erzählung in sich sehr stimmig und macht den Zuschauer zum mündigen Beobachter.
Die zum Teil sehr sehenswerten und erfrischend straff gehaltenen Extras sind hier besonders erwähnenswert. Robert Harris sitzt eindeutig der Schalk im Nacken wenn er berichtet, dass ihn ein Fernsehinterview von 2006 inspiriert hat, in dem gefordert wurde, Tony Blair für Kriegsverbrechen zu belangen und er im nächsten Atemzug betont, dass Adam Lang aber natürlich kein Abziehbild des realen Vorbilds ist. "Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?" sowie die Interviews mit den Schauspielern gehen auch auf das ungewöhnliche Ende des Films ein. Außerdem wird auf die Bedeutung des Manuskripts eingegangen, welches im Film fast die Bedeutung einer realen Figur erhält. Diese Informationen sind faszinierend und ergänzen sehr gut die eigenen Seheindrücke.
Nicht so beachtenswert ist das Featurette "Der Ghostwriter: Die Besetzung", weil hier vor allem Lobeshymnen der einzelnen Schauspieler auf die Kollegen oder auf den Regisseur gesungen werden, die offenbar für unverzichtbar gehalten wurden.
Fazit: Eine gelungene Literaturverfilmung, die für anspruchsvolle und spannende Unterhaltung sorgt!
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am 1. Februar 2016
Tony Blair gelangte 1997 durch einen erdrutschartigen Sieg in die Downing Street und bestimmte für die folgenden zehn Jahre die Politik Grossbritanniens. Während dieser Zeit schickte er Truppen in fünf Kriege, häufiger als jeder P.M. vor ihm. Mehr als umstritten war seine Entscheidung, kompromisslos and der Seite von George W. Bush am Irakkrieg 2003 teilzunehmen, zumal sich der casus belli (Saddam Husseins Besitz von Massenvernichtungswaffen und Verbindungen zu Al-Qaida) sehr schnell als amerikanische Erfindung herausstellte. Die Unternehmung brachte ihm den Spitznamen 'Bush's Poodle' ein und führte nach weiteren unpopulären Massnahmen 2007 zu seinem Rücktritt. Noch im selben Jahr erhielt er vom Verlag Random House 9 Millionen Dollar Vorschuss für die Niederschrift seiner Memoiren die 2010 unter dem Titel 'A Journey' erschienen.

Da Robert Harris New Labour und Tony Blair enthusiastisch unterstützte, entstand zwischen den ansonsten unterschiedlichen Persönlichkeiten eine nähere Bekanntschaft, die dazu führte, dass Harris während des Wahlkampfs 1997 von Blair als Chronist ausgewählt wurde und in dessen Privatjet alle Wahlbezirke bereisen konnte. Seine Desillusion begann, als der Minister (und Harris Freund) Peter Mandelson 2001 gefeuert wurde und kulminierte mit Blairs kompromissloser Entscheidung, an der Seite von George W. Bush am Irakkrieg teilzunehmen. Seiner Enttäuschung machte Harris mit dem roman à clef 'The Ghost' Luft, der bereits im Jahr von Blairs Rücktritt erschienen war. Obwohl Harris seiner Hauptfigur den Namen Adam Lang gab und das Buch mit Thriller-Elementen ausstattete, waren die Übereinstimmungen mit dem realen Tony Blair und seiner Frau Chérie als wichtiger Beraterin unverkennbar. Als Blairs Memoiren erschienen, schlossen sich Roman Polanski und Robert Harris zusammen, um gemeinsam ein Drehbuch zu verfassen, das 'The Ghost' auf die Leinwand brachte, wobei auch viele Originaldialoge übernommen wurden.

Die zentralen Ereignisse der Handlung sind Vorwürfe gegen den Ex-Premier, der nun wegen Entscheidungen während des Irakkrieges zur Verantwortung gezogen werden soll, unter anderem Kriegstreiberei, Entführung und Folter als auch deren Vertuschung. Harris und Polanski haben nüchtern einkalkuliert, dass Tony Blair trotz offenkundiger Übereinstimmungen mit seiner Person kaum interessiert sein würde, ein Verfahren wegen Verleumdung oder übler Nachrede anzustrengen, das vor Gericht Tumulte und in den Medien einen Sturm verursacht hätte. Allein die Besetzung Pierce Brosnans als bedrängter Ex-Premier Adam Lang ist ein zynischer Geniestreich und der Ex-007 kann seine Freude darüber kaum verbergen, trotz einiger Haken im Skript brilliert er geradezu. Es sind die Parallelen mit realen Personen und Handlungen die dem Plot Würze verleihen, speziell wenn Hinweise auf Folter und Verwicklungen mit der CIA ins Spiel kommen.

Ort der Handlung sind die USA, genauer gesagt eine nicht näher bezeichnete Insel im Atlantik, impliziert wird Martha's Vineyard auf die Adam Lang von seinem Verleger eingeladen wurde. Allerdings konnte Polanski wegen eines 32 Jahre alten US Haftbefehls dort nicht filmen und nutzte deshalb die graue deutsche Nordseeküste von Sylt und Usedom als Double für den Vineyard im Winter. Auch das Strandhaus ist keine der dort üblichen graziösen Viktorianischen Affären, sondern ein riesiger modernistischer Schuhkarton mit unpersönlichen Räumen die mit den erlesenen Möbeln der Kollektion von Knoll International, aus der Bauhaus Ära dekoriert sind: Mies van der Rohe, Walter Gropius, Marcel Breuer und andere, was nicht gerade zu einer gemütlichen Atmosphäre beiträgt. Aber dies ist das Interieur der Macht und entspricht perfekt der unterkühlten Stimmung der Bewohner (Entwurf Albrecht Konrad in den Babelsberg Studios). Trotz der Weitläufigkeit der Villa entsteht Klaustrophobie und Paranoia - die Hölle sind die anderen. Die Vista über den Strand und das Meer ist geprägt von Regen und grauem Himmel, sie besteht entweder aus Projektionen oder digitalen Rekonstruktionen und verursacht einen leichten Grusel.

McAra, der zuerst verpflichtete Ghostwriter für Langs Memoiren, erwischte während stürmischer See die letzte Fähre von Woods Hole nach Martha's Vineyard, er parkte unter Deck und ging dann nach oben um frische Luft zu schnappen. Danach wurde er nicht mehr lebend gesehen. Am nächsten Morgen fand eine Frau seine Leiche am Strand. Der Coroner stellte einen hohen Alkoholanteil im Blut fest und erkannte auf Unfall oder Selbstmord.

Eine Sommerinsel im nasskalten Winter, und im Zentrum steht ein namenloser britischer Schriftsteller (hervorragend dargestellt von Ewan McGregor) der davon lebt die 'Autobiographien' anderer Leute zu schreiben. Er wurde nach dem Tod von McAra von einem finanzstarken amerikanischen Verleger angeheuert, die Memoiren des Ex-Premiers Adam Lang (Pierce Brosnan) zu Ende zu schreiben. Als der 'Ghost' im Strandhaus ankommt, sind die Spannungen bereits hoch, lautstarke Demonstranten mit Protestplakaten belagern die Einfahrt, dies steigert sich als in den TV-News berichtet wird, dass Lang wegen seiner Rolle in Iraq Kriegsverbrechen eine Anklage vom International Criminal Court in Den Haag zu erwarten hat was sogar zu einer Ausweisung aus den USA führen könnte. Der Film behandelt Materialien wie Kriegsverbrechen mit der vollen Unterstützung von Langs Aussenminister, CIA Plots und den Einfluss von Big Money. Als Lang vom Ghost direkt dazu befragt wird, verteidigt dieser mit erstaunlicher Überzeugung die Anwendung von Folter und klingt dabei wie Dick Cheney. Über der Handlung schwebt natürlich die Frage wie der erste Ghostwriter ums Leben gekommen war und ob er möglicherweise zu viel wusste. Im Verlauf der Handlung entwickelt Adam Langs energische und intellektuelle Gattin Ruth eine immer wichtigere Rolle. Zufällig findet der Ghost eine Koffer von McAra der einige alte Photos von Lang aus dessen Studienzeit in Cambridge enthält, eines davon verspricht eine vielversprechende Spur. Als der Ghost einen SUV benutzt, der zuletzt von McAra gefahren wurde, lässt er sich vom Navigationsgerät zu dem gespeicherten Ziel leiten. Es ist die Villa eines Professor Paul Emmet. Der Ghost erinnert sich an den Namen aus McAras Nachlass. Nachdem er dem Professor einen Besuch abstattet, gerät er selbst in Lebensgefahr.

Schnell wird deutlich, dass dieser Film das Werk eines Regisseurs ist, der weiss wie man einen Thriller in Szene setzt. Polanski beginnt ruhig und baut langsam Spannung auf statt auf Schock und Action zu setzen, wodurch die Charaktere Gelegenheit haben, faszinierende Persönlichkeiten zu entwickeln. Polanski weiss präzise, wo er die Kamera plazieren muss um dramatische und psychologische Effekte zu erzielen und wie man die Darsteller dirigiert - er ist einer der wenigen 'klassisch' ausgebildeten Regisseure die heute noch tätig sind. Der Musical Score von Alexandre Desplat ist passend beunruhigend und erinnert manchmal an Bernard Herrmanns Arbeiten für Alfred Hitchcock (der Film bietet auch andere Anspielungen an Hitch).

Extras beeinhalten die Featurettes: "Der Ghostwriter: Die Besetzung" und "Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?"
Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski
Fotogalerie
Trailer
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am 1. Mai 2010
Der Ghostwriter von Polanski ist einer der interessantesten Filme, jenseits des Blockbustergenres, in diesem, noch jungen Jahr. Die Tatsache, das Polanski dafür bekannt ist, seine Geschichten sorgfältig auzuwählen und zu erzählen macht diesen Film zu einem echten Geheimtipp. Selten habe ich mich so unwohl gefühlt, die Amtosphäre ist beklemmend, die Darsteller toll ausgewählt und Stück für Stück wird einem die Auflösung um das Rätsel eines britischen Ex -Premierministers, der angeblich MArionette der CIA war, vor Augen geführt.
Vorsicht: Der Film lebt von seine ruhigen, atmosphärisch dichten Erzählweise. Großartige Shooouts etc sollte man nicht erwarten, auch regt der FIlm, bzw. sollte der Film die grauen Zellen zum NAchdenken anregen...bis zum konsequent angedeutetem Ende ! Wer sich darauf nicht einlässt wird sich schnell langweilen. Alle anderen bekommen einen tollen Politthriller serviert, jenseits aller Mainstreampfade (Wobei es auch in diesem JAhr bereits tolle Mainstreamfilme gab :) )
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am 9. Mai 2016
Ein enorm spannender Film, der ohne jegliche Gewalt auskommt. Über die gesamte Länge des Films wird eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre geschaffen, die eine Spannung nach Art der Hitchcock-Filme erzeugt. Ewan McGregor ist als Hauptdarsteller hervorragend: Er spielt den Ghostwriter zunächst mit einer Mischung aus Zurückhaltung und Ironie, stellt dann zwischenzeitlich die Angst der Hauptperson überzeugend dar und endet mit einer Art fatalem Selbstbewusstsein. Das überraschende Ende (ganz am Schluss) soll hier nicht verraten werden; es macht den Film dann aber noch eine Spur realistischer und glaubhafter.
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am 4. September 2014
Eines vorweg, wer einen Film erwartet, in dem viel "Action" die Geschichte voranbringt, der ist bei "Der Ghostwriter" an der falschen Adresse. Der Film ist ein relativ ruhiger Politikthriller, der sich stark auf den Protagonisten konzentriert. Trotz, oder grade deshalb, in Verbindung mit dem sehr gut agierendem Cast, fühlte ich mich die ganze Zeit gut unterhalten. Wer den Film bis zum Ende schaut und danach sich die Puzzle-Teile im Kopf aneinander fügt, der merkt schnell, das hier Themen angesprochen werden, die hochaktuell sind und zum nachdenken mehr als nur anregen.
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am 26. Mai 2010
Polanski hat hier einen großartigen Film geschaffen. Sehr nah am Roman von Robert Harris, der wohl mit seinem ehemaligen Freund Toni Blair abrechnet. Polanski bestitt zwar das Brosnan Blair spielt, aber allein seine Besetzung macht dieses deutlich. Der Film lebt von der Spannung und den großartigen Schauspielern , die es schaffen, ein unheimliches Gefühl auf die Zuschauer zu übertragen. Besonderst Olivia Williams und Pierce Brosnan geben eine beeindruckende Leistung als Ex-Premier Ehepaar ab. Unbedingt anschauen und sich in diese unwirkliche Welt hineinziehen lassen.
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am 29. Dezember 2015
Unglaublich spannend und intensiv. Dadurch dass die Rolle von Brosnan eigentlich Tony Blair sein soll bekommt der Film noch mehr Tiefe. Tolle Twists bis zum Schluss, kann ich mir immer wieder ansehen!
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am 9. Oktober 2010
Mit "Der Ghostwriter" wagt sich Regisseur Roman Polanski ("Tanz der Vampire", "Der Pianist") an die Verfilmung des gleichnamigen Beststeller-Romans des Autors Robert Harris (orig. "Ghost"). Über genau jenes Buch bin ich auf den Film aufmerksam geworden. Da mich die Geschichte bereits hier begeistert hatte war ich gespannt darauf zu sehen, wie Polanski diesen Stoff umzusetzen vermag.

Zu meiner großen Freude hat er dabei ganze Arbeit geleistet. Wer das Buch bereits gelesen hat wird sich mit der Verfilmung gut arrangieren können, sind meines Erachtens alle wichtigen Aspekte der Romanvorlage wiederzufinden. Sowohl die Charaktere als auch die Stimmung wurden wunderbar transportiert.
Dazu trägt natürlich neben der hervorragenden Inszenierung Polanskis, für den es zu Recht den Silbernen Bären für die Beste Regie gab, der perfekt Besetzte Cast mit Pierce Brosnan ("James Bond") und Ewan McGregor ("Illuminati") bei. Brosnan, der wie bisher kaum ein anderer einen ehemaligen britischen Premierminister zu verkörpern versteht und McGregor, mal wieder in der unscheinbaren Rolle eines etwas blassen Außenseiters, der sich von den Geschehnissen um sich herum mitreißen lässt.
Abgerundet wird der Cast mit überzeugenden Nebendarstellern wie Kim Cattrall, Olivia Williams und James Belushi.

Die fesselnde Geschichte wird wunderbar in den Film transportiert und nimmt den Zuschauer von der ersten bis zu letzten Minute in seinen Bann; und das ganz ohne viel actionhaltige Szenen, die einen Thriller gerne überladen. An erster Stelle stehen hier Story und Charaktere und diese alleine reichen aus um genug Spannung für die gesamte Spiellänge von knapp 123 Minuten zu erzeugen.

Wer mit etwas intellektuelleren Thrillern nichts anzufangen weiß und eine gewisse Portion Action samt physischen Auseinandersetzungen erwartet oder sucht, sollte sich lieber für einen anderen Film entscheiden. Wem es aber auf die Geschichte ankommt, auf überzeugende und einnehmende Charaktere und einen spannenden und mitreißenden Plot, der ist mit "Der Ghostwriter" sehr gut bedient.

Bild und Ton sind auf der technischen Seite ebenfalls gut gelungen. Die Bilder wirken klar, mit einer gewissen kühlen Optik, die sich optimal an der Handlung orientiert. Ebenso verhält es sich mit einem gut gemischten Ton, der zu einer dichten Atmosphäre beiträgt.

Die Single-Disc enthält als Extras Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski, eine Fotogalerie und Trailer sowie als Featurettes "Der Ghostwriter: Die Besetzung" und "Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität".

Ebenfalls enthalten ist ein Wendecover.

Für eine gelungene Buchverfilmung und hervorragende Unterhaltung erhält "Der Ghostwriter" daher 5 Sterne und das von mir geteilte Urteil der Süddeutschen Zeitung, dem nicht mehr hinzuzufügen ist:

"Der perfekte Thriller!"
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