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am 22. September 2011
Mich wundert es nicht, dass der berühmt-berüchtigte amerikanische Musikkritiker David Hurwitz angesichts dieser Einspielung voll des Lobes ist. In der Tat ist es so, dass der zu unrecht fast vollkommen vergessene Dirigent Otmar Suitner und die Staatskapelle Berlin eine Aufnahme aller Symphonien Dvoráks vorgelegt haben, die mit weitaus populäreren Einspielungen völlig auf Augenhöhe ist, ja die mir in ihrer Gesamtheit nicht selten sogar deutlich gelungener erscheint als diese. Denn während es in Kubeliks, Neumanns, Kertesz' oder Pešeks Einspielungen doch deutlich erkennbare interpretatorische Höhen und Tiefen gibt, so zeichnet sich Suitners Aufnahme eben durch ihre durchgehend auf hohem Niveau gehaltene gestalterische Homogenität aus.

Besonders schön finde ich, dass Suitner die frühen Symphonien - und das ist ein echtes Verdienst - ebenso so ernst nimmt wie die Achte oder die Neunte. Konsequenterweise lässt er darum ihrer Darstellung das gleiche Maß an Sorgfalt angedeihen, sodass man beim Hören nicht einen Moment das Gefühl hat, man habe die die frühen Symphonien nur pflichtgemäß eingespielt, damit eine Gesamteinspielung verkauft werden kann.

Daneben beherrscht Suitner den Tonfall dieser Musik mit vollkommener stilistischer Sicherheit. Die romantisch-nationalmusikalische Färbung des Dvorákschen Idioms, die beschwingt-unbeschwerte Volkstümlichkeit, die oft tänzerisch bewegte Rhythmik: all das wird vorbildlich, natürlich, ja: mühelos musiziert. Die Gefahr, die in der plumpen Überbetonung dieser Elemente liegt (Dvorák quasi als Vorgänger Ernst Moschs), umschifft Suitner sicher.

Daneben klingt die Aufnahme ausgesprochen gut. Da ist jede Stimme präsent, die Strukturen sind gut durchhörbar und doch zerfällt die Musik nicht in ihre Einzelteile. Der warme Ton dieser Musik bleibt jederzeit präsent.

Mag es durchaus auch Einzeleinspielungen geben, die über die interpretatorische und stilsichere Solidität dieser Aufnahmen hinausragen, weil sie auf Risiko spielen und so bisweilen das Außergewöhnliche erreichen, so ist Suitners Gesamteinpielung als Ausgangspunkt und evtl. auch als Ziel der Erkundung des Dvorákschen Symphonienkosmos jederzeit uneingeschränkt zu empfehlen.
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am 5. April 2016
Von den Sinfonien von Dvorak ist eigentlich nur die 9. - Aus der neuen Welt - bekannt und populär. Mit dieser Box kann man die Schönheit aller Sinfonien Dvoraks kennenlernen, die in ihrem melodischen Reichtum denen von Tschaikowski in nichts nachstehen. Im Scherzo der 6. Sinfonie kann man zudem entdecken, dass die Filmmusik von Psycho von Alfred Hitchcock darin ihren Ursprung hatte. Bernhard Herrmann kannte diese Sinfonie bestimmt.

Es handelt sich um eine Aufnahme aus der früheren DDR. Und da gibt es was zu entdecken. Otmar Suitner, Herbert Kegel, Heinz Rögner, um nur einige zu nennen, waren Dirigenten, die mit den erstklassigen Orchestern erstklassige Aufnahmen von Werken von u.a. Bruckner, Wagner und hier Dvorak vorgelegt haben, die über Berlin Classics veröffentlicht werden.
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am 28. März 2014
Die Aufführungsgeschichte hat die Sinfonien 1 – 6 des „böhmischen Brahms“, wie Antonin Dvorak (1841 – 1904) scherzhaft genannt wurde, ziemlich achtlos behandelt. Primär wird die Neunte allein oder in Verbindung mit der Siebten und/oder Achten aufgeführt. Die Vernachlässigung der vorherigen Sinfonien ist überaus bedauerlich, hat doch auch deren Schaffen fassettenreiche Schätze zu bieten. In seinen frühen Werken war Dvorak noch auf der Suche nach dem endgültigen Stil, den er erst mit der Fünften gefunden hatte. Der geringe Bekanntheitsgrad Dvoraks zur Entstehungszeit der Frühwerke, wiederholte Revisionen und der Umstand, dass ein Teil der Partituren für lange Zeit nicht aufgefunden wurde, waren die wesentlichen Ursachen. Einflüsse von Beethoven, Schubert, Schumann und Wagner treten augenscheinlich zutage, obwohl Dvorak nicht imitierte, sondern stets auf dem eigenen Weg geblieben war. Eine Auseinandersetzung mit den großen Vorbildern, vor allem mit dem übermächtigen Beethoven, war ohnehin unausweichlich. So enthalten die beiden Erstlingswerke noch keine folkloristischen Bezüge, von einigen Ansätzen abgesehen. Dvorak erweiterte in der Dritten und Vierten das Orchester um eine Harfe und die Dritte um das Englischhorn. Die Fünfte ist bereits von slawischen Elementen geprägt, wurde aber quasi noch als Übergangssinfonie verstanden. Die Uraufführung hatte sich um mehrere Jahre verzögert, und die Uraufführung der Sechsten in Wien scheiterte aus politischen Gründen, während die Premiere in Prag mit großer Begeisterung aufgenommen wurde
Meilensteine wurden dann die drei letzten Sinfonien. Trotz der kontrastierenden Elemente reflektiert die Gesamteinspielung eine beeindruckende organische Entwicklung, die von Anfang bis Ende ein spannendes Erlebnis ist.

Die Einspielung erfolgte in den Jahren 1979 – 1983 in der Christuskirche Oberschöneweide in Berlin, wie in späteren Jahren die Einspielung der Sinfonien von Brahms, und kann sich einschließlich der Neunten mit allen konkurrierenden Aufnahmen, auch solchen mit Referenzcharakter, problemlos messen lassen. Suitner setzt wie schon bei Brahms und seinem Interpretationsstil gemäß auf klare Transparenz und zügige Gestaltung der Tempi ohne vordergründige Effekthascherei, obwohl auch die dynamische Herausarbeitung adäquaten Ausdruck findet. Die innere Verbindung und die expressiven Elemente ergeben stets ein schlüssiges Ganzes, bei der in keiner Phase der Faden verloren geht. Auch klangtechnisch erfüllt die Einspielung alle Erwartungen des verwöhnten Hörers. Im Gegensatz zu manch anderer Einspielung mit divergierenden Qualitäten gibt es bei keiner der Aufnahmen mit der Staatskapelle Berlin irgendeinen qualitativen Abfall. Alles bewegt sich auf höchstem und gleichwertigem Niveau

Otmar Suitner war seit 1960 mit großen Erfolgen als Chefdirigent der Staatskapelle Dresden tätig und wurde 1964 zum Generalmusikdirektor der Staatsoper Unten den Linden in Berlin ernannt. Dort blieb er bis 1990. Dass er im Westen von Deutschland immer noch wenig bekannt ist, hängt offenkundig mit der deutschen Teilung zusammen. Offenkundig hatten einflussreiche Kreise des Westens Otmar Suitner verübelt, dass er 1960 seinen Wohnsitz in Ostberlin genommen hatte. Wahrscheinlich wird er keine andere Wahl gehabt haben, falls das bei ihm Thema gewesen sein sollte – bei einer ständigen Verpflichtung über drei Jahrzehnte hinweg mit Klangkörpern, die zu den besten der Welt gehören, ist seine Haltung nicht mehr als verständlich. Dabei übernahm er auch eigene Verpflichtungen als Konzert- und Operndirigent in den musikalischen Zentren Europas, Nord- und Südamerika sowie in Japan. 1964 – 1967 arbeitete er mit Wieland in Bayreuth zusammen. 1977 wurde er als Nachfolger Hans Swarowskys an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien berufen, wo er bis 1989 unterrichtete. - Wie die Sächsische Staatskapelle Dresden weist die Staatskapelle Berlin eine großartige Geschichte und Tradition auf, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Es würde zu weit führen, hier in aller Breite und Tiefe ins Detail zu gehen, weshalb auf andere Quellen, wie ggf. im Internet, verwiesen wird. Es ist ein Hochgenuss, diesem großartigen Klangkörper zuzuhören, der von einem überaus sympathischen Kapellmeister geleitet wurde, der souverän und völlig uneitel ohne charismatischen Firlefanz Maßstäbe setzte.
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